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Full text of "Akademische Monatsschrift: Centralorgan für die Gesammtinteressen deutscher ..."

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mmm iMmiiFT. 



Gentralorgan 



f tt r 



die Gesammtinteressen deotscber Universitäten. 



Herausgegeben 

«fiter der Mitwirkung der Herren Professoren Dr. Bluhme m Bonti^ 

Dr. Bülauy Dr. Erdmann in Leipzig ^ Dr. Hoffmann in Würiburgy 

Hofrath Dr. Oppoher m Wieny Geheimer Rath Dr. ©. Vangerow 

in Heidelberg und anderer akademischer Lehrer 



von , nAd 

Dr. J. J. Lang, ^^^t-^n. ^^' ^* ^^ ScUetter, 

Kdnigl. bayer. Hbfrath und l'mfeMor der Rcdiä V ' ' .y^^^fcMur der Rechte an der UnivenitHt 
an der Uolvcraitttt xv Wiirsburg. - " , ■. n^-^^!^ '" Lelpsig. 




9er „Bwtsekai UiiTenitite-ZeltoBS" dritter Jthrgaiig. 



Leipzig- 
Verlag von Herrmann Bethmann« 
185L 



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Akademische 



MONATSSCHRIFT. 

(Deutsche Universitäls-Zeitung.) 
III. Jahrgang. m99m« Januarheft. 



An imiiere JLeser! 

Wenn wir beim Beginne des dritten Jahrgangs unserer Zeitschrift einen 
Blick räcJLwarts richten, so haben wir, neben der Erkenntniss, dass unsere 
akademische Monatsschrift noch nicht das Ziel erreicht hat, welches sie sich 
als „Centralorgan deutscher Universitäten^^ vorgesteckt, doch auch die Genug- 
thuung erlangt, dass uns von allen Seiten, selbst aus dem Auslande, die 
erfreulichsten Beweise steigender Theilnahme geworden sind. Wir rechnen 
hiezu nicht allein die fortwährend zunehmende Verbreitung unserer Monats- 
schrift vorzugsweise im akademischen Publicum des In- und Auslandes, son- 
dern auch und vor Allem die lebhafte Unterstützung, welche das Unternehmen 
Seitens jener Männer der Wissenschaft, die den Beruf eines derartigen Or- 
gans erkannt, in erhöhtem Maasse fort und fort findet. Diesen unsern ver- 
ehrtea Herren Hitarbeitern den wärmsten Dank für die Förderung unseres 
Unternehmens aussprechend, erneuern wir zugleich unsere Bitte um häufige 
Einsendung geeigneter Beitrage für den dritten Jahrgang und richten die- 
selbe speciell noch an Solche, die, obwohl vor Allem berufen zur Mitwir- 
kung an unserm nationalen Unternehmen, bisher noch nicht sich entschliessen 
konnten, uns ihre Theilnahme zuzuwenden. Möchten sie im Interesse der 
Sache diesen Ruf nicht ungehört an sich vorüber gehen lassen. Insbesondere 
bitten wir unsere regelmassigen Herren Correspondenten, im fleissigen Cor- 
respondiren nicht nachzulassen; wir ersuchen aber auch alle Collegen an 
solchen Universitäten, die sich bisher nicht durch regelmässige Correspon- 
denzen an unserer Monatsschrift betheiligt haben, uns dergleichen zukommen 
zu lassen. Wir bitten die Correspondenz so objectiv als möglich zu halten, 
die Anstalten mehr als die Personen ins Auge zu fassen und besonders sta- 
tistische Notizen in ihre Correspondenzen aufzunehmen. Wiederholt aber 
müssen wir uns gegen anonyme und, durch eine neuerliche Erfahrung von 
der Noth wendigkeit dieser Protestation belehrt, gegen Pseudonyme Zusen- 
dungen verwahren. Abgesehen von der betrügerischen Indelicatesse gegen 
eine wohlmeinende Redaction involvirt eine solche Pseudonymität das Ver-* 

Akadem. Monatsschrift. .Tanuar ISal. 1 



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brechen des Falsum und wir würden bei Entdeckung einer solchen Machina- 
tion keine Kosten scheuen, um den Falsarius zu entlarven. — Das Märzheft 
des dritten Jahrganges soll wieder wie das Märzheft des zweiten den Per^ 
sonalstand der deutschen Universitäten bringen. Wir bitten um rechtzeitige 
Mittheilung der Namen sämmtlicher Ordinarien, Extraordinarien und Privat- 
docenten aller Facultätcn, ebenso um Mittheilung der nothwendigen Notizen 
für die Frequenz aller Universitäten nach dem S. 131 im Märzheft und S. 399 
im August-* und Septemberheft des zweiten Jahrganges enthaltenen Muster. 
Diese Mittheilungen sollten Mitte Februar in unsern Händen sein. 

Die durch bedeutende Vermehrung der Herren Mitarbeiter bewirkte 
Anhäufung des Materials, welches der Natur der Sache nach nicht zu lange 
zurückgelegt werden darf, macht es noth wendig, dass wir mit Beginn des 
dritten Jahrganges den Umfang der Akademischen Monatsschrift auf 80 — 90 
Bogen kl. 4. erhöhen, deren Vertheilung auf die einzelnen Monatshefte nach 
Erforderniss eingerichtet werden wird. 

Würzburg, im December 1850. IMe Redaetioii« 

Dem Vorstehenden beehrt sich die Verlagshandlung Folgendes beizu- 
fügen; In Betreff der Herren Mitarbeiter geben wir die Versicherung, dass 
wir, sobald diess der fortwährend steigende Absatz zulässt, aus freiem An- 
triebe das Honorar entsprechend zu erhöben für Pflicht halten. Sodann wer- 
den wir den HH. Mitarbeitern, welche in das Abonnement bei uns eintreten, 
den Jahrgang zu einem ermässigten Preise in Rechnung stellen. Dagegen 
erscheint es uns aus verschiedenen Gründen wünschenswerth, wegen Bewilli- 
gung von Freiexemplaren in der Folge nicht mehr in Anspruch genommen 
zu sein. Eine schätzbare Bereicherung ist der akademischen Monatsschrift 
in der ofFiciellen Mittheilung der Vorlesungsverzeichnisse geworden, welche 
seit dem Sommersemester 1850 in dem Universiläts-Anzeigei* veröffent- 
licht werden. Von einigen in dieser Beziehung noch rückständigen, zum 
Theil ausserdeutschen Universitäten ist uns die Zusage künftiger Betheiligung 
gemacht. Wir bitten sämmtliche Universitäten wiederholt, sich des Universitäls- 
Anzeigers als Organs officieller Bekanntmachungen aller Art, insbesondere 
der Vorlesungsverzeichnisse, zu bedienen und dadurch ebensowohl zur voll- 
ständigen Uebersicht der an allen Universitäten angezeigten Vorlesungen, als 
zu unserer Unterstützung bei dem bedeutenden Aufwand, den uns die aka- 
demische Monatsschrift verursacht, beizutragen. 

Der bibliographische Anzeiger wird auch ferner, getrennt von der 
Zeitschrift selbst, eine nothwendige und zweckentsprechende Zugabe bilden. 
Der Abonneraentspreis ist für den complelten Jahrgang (incl. 
Titel und Inhaltsverzeichniss) 4 Thlr. preuss. cour. oder 7 fl. rhn^ 
Einzelne Semester oder Quartale (zu entsprechend höherm Preise) 
abzulassen kann sich die Verlagshandlung indess nur bei eorheri-- 
ger Bestellung verpflichten. 



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Uolenuchuogen Ab«r das Honorarieoivesen ao deutschen Univcrsiltlen. 3 

Abonnements zu vorstehendem Preise werden durch 



alle Buchhandlungen und Postanstnlten Deutschlands und 
des gesammten Auslandes prompt ausgeführt. J)as Januar- 
heft ist durch jede Buchhandlung zur Einsicht zu erlangen. 

IVir Mtten um lialdii^e AurgmlBe der BesteUunteu. 

Leipzig, im December 1850. Di« Verl»0«1iandluiii^. 



Uulersuehunsen Aber das Uouorarieuweseu au deutseben UniversitftleB. 

Dritter Artikel. — Monorarbefreluiii^. 

Die Honorarbefreiung für einzelne Studlreride kommt an den deutschen 
Universitäten in zweierlei Weise vor, als eine vollständige und als eine bloss 
vorläufige (Stundung). Beide finden mit wenigen Ausnahmen rein auf Kosten 
der Universitätslehrer statt, indem letztere im Falle der vollständigen Befreiung 
das Honorar ganz, im Falle der Stundung den Genuss des Capitals in der 
Zeit, für welche gestundet wird, verlieren. Der durch Stundung den Lehrern 
zugehende Verlust ist indessen so gering, dass er ausser Betracht bleiben 
kann. Dagegen ist der Verlust durch vollständige Befreiung an manchen 
Universitäten so bedeutend, dass vor Allem die Frage Erwägung verdient, 
ob er an sich nothwendig, ob, wenn nicht, derselbe nicht eine grosse Un* 
billigkeit involvire und dadurch auf die Universität selbst nachtheilig ein- 
wirke. Wohl scheint es eine Sache der Humanität, vielleicht auch eine For* 
derung der Politik und sogar des Rechts, dass der Unterricht auf höheren 
Lehranstalten für den Unbemittelten unentgeltlich ertheilt werde. Geben wir 
aber diese Forderung auch zu, es Hesse sich denn doch noch darüber rech- 
ten, jedenfalls ist die Rechtsforderung nicht eine solche, welche dem Ein-^ 
zehien schlechthin zustünde, sondern nur unter Voraussetzung. Die Voraus- 
setzung aber ist eine des ölTentlichen Wohles; dieses mag fordern, dass 
die höhere und höchste wissenschaftliche Bildung dem Unbemittelten nicht 
erschwert werde. Dann aber muss bei diesem unentgeltlichen Unterricht 
auch in Wahrheit das öffentliche Beste im concreten Fall beiheiligt sein. 
Vernünftigerweise kann indessen das Wohl des Ganzen bloss gefördert wer- 
den, wenn die Forderung des unentgeltlichen Unterrichts nur für Solche 
gestellt wird, die sich desselben würdig zeigen. Die Gesammtheit kann kein 
Interesse dabei haben, dass der Einzelne vom Honorar befreit werde, wenn 
er durch seine Unwürdigkeit beweist, dass der Staat nichts von ihm zu 
erwarten habe. Hieraus ergiebt sich mit Nothwendigkeit, dass der Genuss 



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4 Uakersuchnngen aber das Honorarienweseo an deotocben Uaiversitilen. 

der Honorarfreiheit immer durch gutes Betragen, Fleiss und Fortschritt 
bedingt sein muss, dass es eine Gedankenlosigkeit ist, lediglich die Arniutb 
als Voraussetzung dieser Befreiung zu betrachten. Dass talentlose, unfleissige, 
unwürdige junge Leute auf der Universität mit geringeren Kosten sich um* 
treiben dürfen, bloss weil sie arm sind, ist ein Uebelstand, der nicht genug 
als solcher bezeichnet Werden kann. Wo dieser Uebelstand existirt, da zeigt 
denn auch eine nur zu häufige Erfahrung, dass gerade die lüderlichsten und 
untauglichsten Subjecte aus der Classe der Gratisten sind. 

Hat sich bis hieher herausgestellt, dass ein Testimonium paupertatis zur 
Befreiung nicht hinreichen darf, dass ebenso ein Zeugniss der Würdigkeit, 
des Fleisses insbesondere und des Fortschritts erforderlich ist, so entsteht 
die weitere Frage, ob denn wirklich die Nothwendigkeit vorliege, die Be- 
freiung auf Kosten der Universitätslehrer zu gewähren. Nirgend in Deutsch- 
land, das dürfen wir mit Bestimmtheit versichern, in Norddeutscbland so 
wenig als in Süddeutschland, sind, trotz einzelner Ausnahmen, im Durch« 
schnitt und in der Regel die Besoldungen der Professoren von der Art, 
dass sie jenen ihnen zugehenden Verlust mit Gleichgültigkeit tragen können. 
Ueberall sind sie so bemessen, dass dabei die Einnahmen aus Honorarien 
vorausgesetzt sind, — und mit vollem Recht. Aber kein Irrthum ist häufiger, 
als der über die Grösse des eingehenden Honorars. Wohl sieht Mancher 
mit Neid auf die, wie er glaubt, „in der Wolle sitzenden ^^ Professoren, 
welche, weil es der Staat für angemessen hält, ihnen den Rang der Kreis- 
coUegialräthe zu geben, nach seiner Meinung auch jedenfalls nicht mehr 
Einkommen haben sollten, als diese Staatsdiener. Diese Vergleichong ist eine 
in jeder Beziehung unbegründete. Wir wollen ganz davon absehen, dass 
keine Carriere für den Mann mühseliger, kostspieliger und aufreibender ist, 
als die akademische, dass keine, auch wenn das Ordinariat glücklich errungen 
ist, solche Opfer an Aufwand für Literatur, an Zeit, an Kraft erfordert, wir 
wollen auch davon absehen, dass ein junger Mann bei seiner ersten An- 
stellung, wie im Verlauf seiner Carriere, zu gar manchem Staatsamt befähigt 
sein kann, ohne desshalb auch nur entfernt die Anforderungen an einen 
Professor befriedigen zu können, wir verweisen darüber auf die zwar scharfe 
aber wahre Darstellung in dem ersten Jahrgange der Universitäts - Zeitung 
S. 138 f., wir wollen von Allem dem absehen und nur mit einigen statisti-» 
sehen Resultaten auf jene irrigen Vorstellungen über die Einnahmen der 
Professoren antworten. Es mag sein und es ist so, dass einzelne Universitäts- 
lehrer grosse Einnahmen haben. Diess sind Einzelfälle, die hier nicht in 
Betracht kommen, die Durchschnittszahlen können allein entscheiden. In 
Berlin betrugen die Honorare in dem aus den sechs Semestern der Jahre 
1832 — 34 gezogenen Durchschnitt per Semester 34289,5 Thlr. cour. An 
dieser Summe participirten in jenen Jahren durchschnittlich 132 Lehrer; es 
kommen somit durchschnittlich auf einen Lehrer im Semester 259^4 Thlr.. 
als Honorar. Unter jenen 132 Lehrern waren 42 ausserordentliche Pro- 



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UatersuQhungeo «bor das Ujoorarieoweieo ao deutachon UaivemUten. 5 

fessoren und 42 Privatdocenten; man ziehe sich den Schluss selbst, wenn 
wir hinzufügen, dass der Gesamititbetrag der Besoldungen 71035 Rlhlr. jähr- 
lich ausmachte (Koch, die preuss. Universitäten Bd. I. S. 33. 38). — In Bonn 
betrug die Durchnittssumme der Honorarien in denselben Jahren per Se- 
mester 15013 Thlr. cour., woran im Ganzen 66 Lehrer participirten, so dass 
auf einen Lehrer durchschnittlich im Semester 227 V, Thlr. coun als Honorar 
kommen. Unter jenen 66 Lehrern waren durchschnittlich 13 ausserordent*- 
liehe Professoren und 8 Privatdocenten ; die Besoldungen betrugen zusammen 
38249 Rthlr. (Koch a.a.O. S. 176. 180.}.— In Halle war die Durchschnitts- 
summe der Honorarien in den Jahren 1832 — 34 per Semester 10592 Thlr. 
cour«, worein sich damals durchschnittlich 65 Lehrer theilten, so dass auf 
einen Lehrer durchschnittlich 163 Thlr. Honorareinnahme im Semester kamen. 
Von jenen 65 Lehrern waren durchschnittlich 15 ausserordentliche Professo- 
ren und 12 Privatdocenten. Die Besoldungen betrugen zusammen jährlich 
41528 Thlr. (Koch a. a. 0. S.431. 436.). - In Breslau war die Gesammt- 
summe der Honorarien für die Jahre 1832—34 in sechs Semestern 84609,5 
Thln cour., also für ein Semester 14101,58 Thlr. cour., worein sich im 
Durchschnitt 63 Lehrer theilten, so dass auf einen Lehrer per Semester 
223,83 Thlr. cour. kommen. Von jenen 63 Lehrern waren 11,6 ausser- 
ordentliche Professoren und 16 Privatdocenten. Die Besoldungen betrugen 
zusammen jahrlich 49410 Thlr.- cour. (Koch a. a. 0. S. 301. 303.). — In 
Göttingen betragt die Durchschnittssumme der halbjährlichen Honorarien 
10000 Thlr. Gold, woran 93 Docenten participiren , so dass auf einen im 
Durchschnitt per Semester 107 V^ Thlr. Gold kommen. — In Marburg gingen 
im Wintersemester 18*75o 3600 Thlr. cour. als Honorar ein. Daran parti- 
cipirten 50 Docenten, so dass auf einen 62 Thlr. kamen. Unter den 50 
Docenten sind 10 Extraordinarien und 11 Privatdocenten. — In Tübingen 
betragt die Dnrchschnittssumme der Honorarien per Semester nach dem oben 
Ausgeführten 13555 fl. Daran participiren 69 Lehrer, so dass auf einen 
als halbjährliches Honorar 1967^ fl. kommen. Von diesen Docenten sind 12 
ausserordentliche Professoren und 22 Privatdocenten. Die etatsmässigen 
Besoldungen der Ordinarien sind 1200, 1400 und 1500 fl., der Extraordina** 
rien 600 und 800 fl., wobei aber vielfach grössere unb kleinere Personal- 
zulagen vorkommen. — In Würz bürg endlich betrug das Honorar in den 
sechs Semestern vom Winter 18^^47 ^^^ Sommer 1849 im Ganzen 52661 fl., 
der halbjährliche Durchschnittseitrag ist daher 8777 fl. Hieran participiren 
im Ganzen 44 Lehrer, so dass auf einen halbjährlich 199 fl. Honorar kommen. 
Unter jenen 44 Lehrern sind 5 ausserordentliche Professoren und 6 Privat- 
docenten. Die Besoldungen der Ordinarien betragen regelmässig 12— 1600 fl., 
der Extraordinarien 800 fl., so dass das Einkommen des ordentlichen Pro- 
fessors, wenn er einen Gehalt von 1600 fl. erreicht hat, in der Regel nach 
jener Durchschnittsberechnung 2000 fl. erreicht, was sonst auch der Gehalt 
des bestgestellten KreiscoUegialraths zu sein pflegt. 



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6 UntersuchnDgen fiber dat HonorarieBwesen an deutscfaen Uuiveraitilten. 

Wir meinen, die vorstehenden, aus genauester Bekanntschaft mit den ein* 
schlagenden Verhaltnissen hervorgehenden Zahlen mössten für sich sprechen 
und den Nachweis liefern, dass in der Methode, den unbemittelten Studiren- 
den die Befreiung vom Honorar auf Kosten der Professoren zu gewahren, 
ein schweres Unrecht gegen die Universitäten liege. Nur der Staat selbst 
kann dabei interessirt sein, dass das unbemittelte Talent vom höheren Stu- 
dium nicht ausgeschlossen sei; liegt diess aber in seinem Interessse, so 
trage er auch die Kosten und bürde sie nicht Einzelnen auf. Freilich wird 
uns hier die Rücksicht auf die Staatsfinanzen entgegengehalten werden; doch 
ist der Aufwand bei Weitem nicht so gross , als er auf den ersten Blick zu 
sein scheint. Nehmen wir als Anhaltspunkt einen einzelnen deutschen Staat. 
Auf den drei bayerischen Universitäten waren im Winter IS^^so i™ Ganzen 
2639 Inländer immatriculirt. Für Würzburg lässt sich nachweisen, dass in 
den letzten Jahren von 100 Inländern im Durchschnitt 40 honorirt haben**). 
Nehmen wir diess als Anhaltspunkt und wir zweifeln nach Allem, was uns 
darüber zugekommen ist, nicht im Geringsten, dass sich das Verhältniss an 
den beiden andern bayerischen Universitäten nicht günstiger stellen werde, 
so haben von den 2639 im Ganzen 1583,5 Studirende nicht honorirt. Rech- 
nen wir auf jeden Stndirenden per Semester 4 CoUegien zu 9 fl. Honorar, 
so haben die bayerischen Professoren für ein halbes Jahr die Summe von 
57002,4 fl., für ein ganzes die Summe von 114004,8 fl. an den ihnen gebüh- 
renden CoHegiengeldern Einbusse. An den drei Landesuniversitäten befanden 
sich im März 1. J. 108 ordentliche, 32 ausserordentliche, 12 Honorarprofes* 
soren und 22 Privatdocenten , a^usammen 174 Lehrer, und es triflit sonach 
einen Lehrer im Durchschnitt ein Verlust von 655,2 fl. jährlich. Wir fragen, 
ob es billig sei, den Universitätslehrern ein solches Opfer zuzumuthen, ein 
Opfer, das sich für den einzelnen Professor noch sehr steigert, wenn man 
bedenkt, dass auf den bayerischen Universitäten die Privatdocenten in der 
Regel nicht dazu gelangen, ordentliche Fächer selbstständig zu vertreten, 
dass diess nur der Fall ist, wenn ein ordentlicher oder ausserordentlicher 
Professor aus diesem oder jenem Grunde nicht liest. Das Opfer steigert sich 
dann für den angestellten Professor im Durchschnitt auf 750 fl. Dass sich 
diese Summe bei einzelnen Professoren verdreifacht, liegt auf der flachen 

*) Um Befreiung haben im Studienjahre vom Herbst 1849 bis Herbst 1850 gebeten: 

50 Theologen. Frei sind geworden 50. 

Dazu die Seminaristen 55. 

126 Juristea. Gans oder theilweise frei sind . . . 122. 
47 Mediciner „ „ „ n 99 * • • ^7' 

66 Philosophen „ „ „ „ „ . . . 63. 

Summa 289 + 55 = 344. Summa 337. 

Bloss theilweise befreit sind 58, welche zusammen 24V3 Solvente bilden, so dass in Zahlen 
3l2Vi von der (Jesammtheit (518) frei sind. Es «ind demnach von den Inländern */s lolvent, 
3/5 insolvent. 



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Untersuchuiigen aber dai HoDortrienWiKfeii an deulicben Unirenitälen. 7 

Hand. In einem PandektencoUegium von 80 Zuhörern betragt der Verlust 
schon 1296, in einem Institutionencoliegium von gleicher Frequenz 432, in 
einem Collegium über Rechtsgeschichte gleichfalls 432 fl., zusammen in einem 
Jahre 2160 fl. — Wurde der Staat für die 1583,5 Studirenden eintreten, 
so hatte er jährlich auf die drei Universitäten 114012 fl. mehr als bisher zu 
verwenden. Indessen ist diese Summe für den Staat gewiss zu hoch gegrif-* 
fen. Einmal ist dabei der Ausfall an Gratisten nicht veranschlagt, den die 
Forderung der Würdigkeit veranlassen wfirde, und sodann ist wohl zu 
erwägen, dass die Befreiungen ein viel geringeres Zahlenresultat ergeben 
dürften, wenn nicht eine Commission von Professoren, sondern eine Staats- 
commission im Interesse des Staates die Zeugnisse prüfen würde. Wir glau- 
ben nicht zu irren, wenn wir annehmen, dass in diesem Falle höchstens 700 
befreit werden dürften, was für den Staat einen Aufwand von 50400 fl. 
jährlich auf alle drei Landesuniversitäten bewirken würde, eine Summe, die 
nicht als ein zu grosses Opfer erscheint, wenn es sich darum handelt, die 
bayerischen Universitäten von einem Nachtheil zu befreien, welchen die übri- 
gen deutschen Hochschulen entweder gar nicht, oder doch nicht in diesem 
Haasse kennen. Sollte sie für unerschwinglich gelten, so kann sich ja der 
Staat dereinstige Restitution von den zu besseren Umständen gelangten Be- 
freiten unter Gestattung billiger Fristen vorbehalten. 

Wollte aus uns bis jetzt unbekannten Gründen hierauf nicht eingegangen 
werden, so steht diesem Vorschlag an Zweckmässigkeit die einfache Stun- 
dung durch die Professoren am nächsten. Sollen wir zwischen beiden Prin- 
cipien wählen, so entscheiden wir uns immerhin für das subsidiäre Eintreten 
des Staats und zwar aus folgenden Gründen: Wo die Stundung aus wirkli- 
chem Bedürfhiss gesucht wird, da hat es, wenn nicht der seltnere Fall ein- 
tritt, dass der temporär Befreite später eigenes Vermögen erwirbt, immerhin 
etwas Hartes, wenn er beim ersten Eintritt in den besoldeten Staatsdienst 
Abzüge an dem errungenen, in der Regel spärlichen Gehalt erleiden soll. 
Dazu kommt, dass wie die Erfahrung lehrt, der Leichtsinnige, ohne ihrer zu 
bedürfen sich gar leicht auf die Stundung einlässt, um mehr Mittel zum Ge- 
nüsse des Jugendlebens zu haben. Wenigstens wurde uns gelegentlich der 
Recherchen, die wir über die hier besprochenen Fragen anstellten, von einer 
süddeutschen Universität berichtet, dass preussische Studirende, welche in 
Preussen Stundung hatten, auf der ausländischen Hochschule nicht bloss ihre 
Collegien bezahlen, sondern auch noch einen nicht unbeträchtlichen Aufwand 
treiben konnten. Hierüber im Vertrauen befragt, gaben sie das vorhin Be- 
merkte zur Aufklärung an. Indessen geben wir gerne zu, dass durch zweck- 
mässige Einrichtung jene Hissstände gehoben werden können, und so erklären 
wir uns in zweiter Linie für die Stundung, welche ohnediess auch darin sich 
wirksam zeigt, dass gar Mancher, der durch fremde Unterstützung studirt, 
von der Stundung keinen Gehrauch macht, um später nicht die Hülfe Der- 
jenigien, auf deren Kosten er die Universität besucht, zu entbehren. 



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8 Untersncliuiigen Aber das Honararienwesen an denlc!h«ii Univertitfiten. 

Sollte man sich weder zum subsidiären Eintreten des Staats, noch zur 
Stundung vei'slehen wollen, so kennen wir nur noch eine Alternative, der 
wir eveniueH das Wort reden könnten. Man überlasse die Entscheidung 
über die Befreiung entweder ledigHch dem einzelnen Professor, oder man 
verbinde mit der Forderung eines Mittellosigkeitszeugnisses die Würdigkeit 
des zu Befreienden als unerlässliche Voraussetzung. Man klagt so häufig 
über Abnahme der Pietät im Yerhältniss der Studirenden zu ihren Professoren, 
und vielfach mit Recht; ein Hauptgrund liegt darin, dass man dem Professor 
die Gelegenheit nimmt, mit seinen Zuhörern in ein persönlich -väterliches 
Yerhältniss zu treten. An die Stelle desselben treten starre Formen und 
kalte Gesetze. Eine Commission sitzt über die Frage, ob dieser oder jener 
Studirende honoriren müsse, zu Gericht, und es entspinnt sich eine Art von 
Process, welcher, wenn aus ihm der Studirende als Sieger hervortritt, zur 
Folge hat, dass er seinem Professor keinen Dank schuldig zu sein glaubt, 
da die Entscheidung der Commission ihm ein Jus quaesitum gegen den Lehrer 
giebt. Von Dankbarkeit ist da keine Rede; morgens wird der Student wegen 
Armüth befreit und Nachmittags ^ überreitet er das Kind seines Professors. 
Sobald keine Examenfurcht ihm mehr Höflichkeit gegen den Professor dietirt, 
hält er es kaum mehr der Mühe werth, ihm den Hut abzuziehen. Verfasser 
dieses könnte beschämende Beispiele von jungen Herren anführen , die alle 
Vorlesungen umsonst hörten und als Accessisten oder Referendare ihren ehe- 
maligen Lehrer frech ignoriren. Hat lediglich der Professor selbst zu ent- 
scheiden, so weiss der GratiiSt, dass er ihm Dank schuldet. Freilich entstehen 
daraus häufig für den Professor Verlegenheiten, die ihm höchst peinlich sein 
können; aber er hat es jedenfalls in der Hand, wie weit er seine Freigebig« 
keit ausdehnen will. — Hält man indessen jene Verlegenheiten für dringend 
genug, um dem Lehrer die Selbstentscheidung zu entziehen, so bleibt nur 
noch die Entscheidung einer Commission übrig, für die wir aber unbedingt 
freie Cognition über Würdigkeit des Bittstellers in wissenschaftlicher und 
sittlicher Hinsicht beanspruchen müssen. 

Stellen wir hunmehr die verschiedenen Methoden, die unbemittelten Stu- 
direnden in ihren Verpflichtungen zu erleichtern, zusammen, so steht' 1) oben 
an das subsidiäre Eintreten des Staats für den würdigen Unbemittetten. Dann 
folgt 23 die Stundung unter derselben persönlichen Voraussetzung. Es lässt 
sich aber auch eine aus der ersten und zweiten Methode gemischte , vor der 
letztern unbedingten Vorzug verdienende denken, indem das subsidiäre Ein- 
treten des Staats mit einer Verbindlichkeit der Befreiten verbunden sein kana, 
seiner Zeit, wenn er in bessere Verhältnisse gelangt ist, dem Staat das für 
ihn entrichtete Honorar zu restituiren. In diesem Falle stundet der Staat 
und nicht der Professor. Hierauf folgt 3) freie Disposition des Professors, 
und endlich 4) die Entscheidung einer Commission, ob ein Studirender so 
mittellos ist, dass ihm seiner persönlichen Würdigkeit halber unabhängig vom 
Professor das Honorar erlassen werde. Eine Nichtberücksichtigung der per- 



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soididien Wördigkeit füiiii n dm ntchtheiligsten Folgen und ist absolul z« 
verwerfen* 

Wenn wir an die 'Stelle des Armnthszeognlsses das Hittellosigkeitszeng«* 
niss gesetzt wissen wollen, so werden wir uns aber diese Unterscheidung 
kaum zn erklären brauchen. Die Armuth ist ein relativer Begriff und nieht 
jeder Arme ist mittellos; denn arm ist am Ende gleichbedeutend mit vermö- 
genslos, und Im Falle der Vermögenslosigkeit sind die meisten Stndirenden, 
da die wenigsten zur Zeit ihrer Studien eigenes Vemögen haben. Man halte 
diess ja nicht für eine uberflässige Spitzfindigkeit; nirgendwo sind Mebtal- 
reservationen so häuig als bei Armuthszeugnissen« Was wir von einem 
solchen Zeugnisse verlangen, das ist die genaue Angabe der Quellen, aus 
welchen dem betreffenden Studirenden die Mittel zum Besuch der Universität 
fliessen. Ein blosses Armuthszengniss, das ihm oder seinen Eltern ausgestellt 
ist, müssen wir fär unzureichend erklären. Und vom Studirenden, der die 
Wohlthat der Befreiung in Anspruch nimmt, verlangen wir uberdiess, dass 
er auf Ehre und Gewissen die Quellen bezeichne, aus denen ihm die ausser 
den lionorarien noch nolhwendigen Mittel zum Aufenthalt auf der Universität 
und zum Studiunr fliessen. Wer diese nicht nachweisen kann, dem sollte die 
Aufnahme verweigert werden. Es mag diess hart erscheinen; aber es ist 
nicht Harte, was uns zu diesem Ausspruch bestimmt, sondern die Erfahrung, 
dass — venia sit verbo — das Bettelstudentenwesen durchaus nichts taugt, 
dass es zum Krebsschaden der Universität wird. Wer nicht die Mittel auf-* 
bringen kann, sich die für das Studium nöthige Literatur zu beschaffen, gleicht 
einem Schreiner, der ohne Hobel bobein will. Wohin aber die Nachsicht in 
dieser Beziehung fuhrt, das zeigen Erfahrungen, wie man sie an manchen 
Universitäten machen kann, wo man z. B. Studirende der Rechte finden durfte, 
welche- während ihres ganzen akademischen Studiums sich keine Qudlen- 
Sammlung, ja selbst kein Corpus juris und l^ein Lehrbuch anschaffen, oder 
höchstens dieses oder jenes veraltete Werk , wie es ihnen der Zufall beim 
Antiquar um einige Kreuzer in die Hand würfelt, meistens verkommene 
Ladenhüter in den ältesten Ausgaben. 

Nunmehr sei es uns noch erlaubt, über einzelne Universitäten zu be- 
richten, deren Einrichtungen in Betreff der Honorarbefreiung uns bekannt 
geworden sind. Dass in einem deutschen Lande das subsidiäre Eintreten des 
Staats für unbemittelte würdige Studenten stattfinde, ist nicht zu unserer 
Kenntnlss gelangt. Nur in Tubingen besteht Etwas der Art in Betreff der 
katholischen Theologen, für welche, sofern sie im Convict aufgenommen sind, 
der Staat den betreffenden Professoren, wie schon oben bemerkt, Aversal-^ 
summen bezahlt« 

Auf den preussischen Universitäten ist das Stnndungssystem eingeführt. 
Dasselbe beruht auf dem Reglement über die Meldungen der Studirenden 
zn 4en Vorlesungen und die Bezahlung des Honorars auf der Universität zu 
Berlin vom 11. April 1831. (Koch, a. a. 0. Bd. H. S. 267.) Nadi diesem 

AkmAem. MMateschrift. Juiur 1851. 2 



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fO Ünterstictilingen üfber diis IHowonnmwmm M deutieben UBiverailMo. 

Keglemcnt Iiahgt es leifigUch von dem Lehrer ab,* ob er sich züi* Stnndang 
oder zum Erlasse verstehen wolle; doch darf Stundung und Erlass hur in 
der vorgeschriebenen Art gesdiehen. Der« Quästor ist verpflichtet, jede den 
getroffenen Bestimmungen zuwiderlaufende Erklärung der Lehrer abzulehnen. 
Die Lehrer haben ihre Erklärung, ob sie überhaupt die Honorari'en filr ihre 
Vorlesungen erlassen oder stunden wollen, an die Quästur vor Bekamit-i 
maebung der halbjährlichen Lcctionsverzeichnisse ' abzugeben. Im Falle eine 
solche Erklärung nicht erfolgt, wird vermuthet, dass der Lehrer sich zur 
Stundung verstehe. Die Stundung des Honorars geschieht bis fänf Jahre, 
bis nach erfolgter Anstellung, oder falls der Candidat nach Ablauf des fÜtoiften 
Jahres, von seinem Abgänge an gerechnet, nicht angestellt sein sollte, bis 
zum vollendeten sechsten Jahre nach seinem Abgange. Jedoch ist der Ter«« 
min sofort eingetreten, sobald notorisch die Vennogensumstände des Studio 
renden sich bedeutend gebessert haben, so wie auch das Anerbieten deil* 
selben auf eine kürzere Terminsteliung immer angenommen werden muss. 
Die Berechtigung zur Nachsochung um Stundung oder Erlass wird von den» 
Rector und demUniversitätsrichtcr auf den Grund der einzureichenden Zeug- 
nisse ertheilt, mit Vorbehalt des Recurses an den Senat im Falle der Ver« 
Weigerung. Bei Nichtübereinstimmung zwischen dem Rector und dem Uni- 
versitätsrichter soll der Decan der betreffenden Facullät als Obmann det^ 
Ausschlag geben. Wer die Berechtigung nicht erlangt hat, darf auf keine 
Weise um Stundung oder Erlass anhalten , und kein Gesuch der Art darf 
berücksiohtigt M-erden. Jedes beim Lehrer selbst angebrachte Gesuch ist 
von diesem abzuweisen. Felilt der Lehrer hiegegen, so hat er eine Ord- 
ilnngsstrafe zu erlegen, welche die Hälfte des für die Vorlesung angesetzten 
Honorares beträgt und welche der Quäslor von dem für den Lehrer erhobe- 
nen Honorar abzieht. Diese Ordnungsstrnfe ist zur Hälfte der Universitäts- 
wittwencasse , zur Hälfto dem. Uni versrtätskranken verein verfallen. Einem 
Stndircnden, der vom Lehrer direct den Naclilass oder die Stundung erwirkf 
hat, soll die Vorlesung im Abgangszeugnisse nicht eher testirt werden, als 
bis zuvor die Hälfte des Honorars als Ordnungsstrafe erlegt worden ist. Nur 
in dem einzigen Falle darf sich der Studirende an den Lehrer selbst wenden 
und ein Erlass von letzterem verfügt werden, wenn der Studirende eine 
Vorlesung, wofür schon einmal das Honorar bezahlt oder gestundet worden, 
znip zweitenmale gratis zu hören wünscht. Bei der Nachsuchung um die 
Berechtigung, den Erlass oder die Stundung fordern zu dürfen, sind einzu- 
reichen 1) von Inländern ein Maturitätszeugniss Nr. 1 oder Nr. 2, vonAus-* 
ländern eiu günstiges Schulzeugniss. Bei solchen In- und Ausländem, welche 
bereits auf andern Universitäten gewesen sind, wird nächstdem ein günstiges 
Abgangszeugniss ^fordert. Der. Mangel dieser Zeugnisse schliesst unbedingt 
die Ertheilung der Berechtigung aus. 2) Ein Zeugniss der Bedürftigkeit. 
Die Eedürftigkeitszeugnisse können, wenn die Eltern des Studirenden noch 
am Leben sind, oder wenn derselbe grosi^jährig ist, von dem Magistrate des 



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Usteiwiolimigca AiMr dm llttaanrieDweM» in 4eiit»chcn Unh*eiä»(4ten. II 

Wohnorts oder dem Aintsvt>rgesei3ten des Vaters ausgest^t sein. Bei Wai- 
sen gilt nur das Zeugniss der betreffenden Yormundschaitsbeh^rde. In deoi 
Zeognisse nitisaen enthalten sein: a) Vor« und Zuname und Aiter des Stu- 
direnden; b) Amt) Stand und Wohnort der Eltern und bei Waisen der Vor- 
mäader; t) Zabl der etwaigiln übrigen versorgtun und unversorgten Kinder^ 
oder Benerkiag, das keine vorhanden seien; d) die Lehranstalt, auf wdcher 
der Btttsteller sdne Varbildung erhalten hat; e) die von Eltern und Vor^^* 
mändem s« maohende bestimmte Angabe del* UntenitHtnung, von fveldier 
Qaelle sie auch kommen und van welcher Ati sU auch sein möge, wekhe 
4^m StocUrenden jahrlidi zugesichert wol^den; f) bestimmte Versieheruhg; 
da»t die Ellem oder Vormün^r nach ihren der aitestirenden Beb(kde gento 
bekannten Vennögenl^earhaUttüsen dem staidirenden. Sohne oder Mündel, lucbt 
idebr als die unter o) anzugebende Unterstützung gewähren können. ^ Sollte 
es sich ergeben, dass cm ausgestelltes Bcdurftlgkeilszeugniss wabrbeils*«' 
widrige Angaben eothait; so soll der Rector und Senat hieven der vofgde 
setzten Behötide zur Untci^stichung der Sache Anzeige machen. — - Das Reohi 
der Nacbstichung uai die benannte Begünstigung geht deib SkUdirenden ver« 
loren, der in Ansehung des Fleisseä oder des sittlichen Betragens ^ich den 
Tadd der Lehrer und der akademischen Behörden zuzieht , sowie für den«* 
jenigen, der durch seine ganze Lebensweise an den Tag legt, dass er zü 
anderen nicht nothwondi^en Ausgaben dief Mittel heiteisuschnffen vermöge. -^ 
Die von d^ Behörde erlheilte Genehmigung wird auf dem Anmeidungsbogoi 
vermerkt. Und in B6zug auf dieselbe vOn der Quästur die Stundung oder 
der Effla&s^ je nach der vom Lehrer gegebenen Erklärung, verfugt. Hat. der 
Ldirer der Qtiaslur die Weisung ertheilt, überhaupt weder zu stunden noch 
zu erlassen, so wird diess dem Studirenden von der Quastur angezeigt. — 
Wettnea ateh jede« Lehrer freisteht, das auf der Quästur für ihn bezahlte 
Hosorttr den Studirenden zurückzubezahlen^ so darf diess doch \veder doreh 
den Quistor geschehefi, .nobh verliert dieser die ihm zukommende Tantiemia 
aus dem angeführton Grunde einer geschehenen Zuräckbezahlong. Eben so 
wellig dnrf der Qunslor Anweibungon d^r einzelnen Lehrer, bestfanmten Stu- 
direnden Erlass oder Stundung zu gewahren, berücksichtigen. — Die gestun«- 
deten Hohovarien verpfliditet sich der Studirende in der festgesetzten Frist 
zu bezahlen und unteraeiöhnet bieröber einen in folgender Fo^rm ausgesteUr 
ten Revers: 

Von dem Herrn PröfesiSpr N. N. ist mir das Honorar, für die Ver- 
lesung &ber ... .mit . . . Rtblr. Gold (oder Caurant} gestundet 
i^Orden; ich verpflichie miob, diese Summfi. gegen .Rückgabe dieses 
.Reverses spiteütenit. ianerhalh derersteli • . . Jahre naohimeinear An-^ 
Stellung, oder Ms ich nach Ablattf des fdliften Juhres^ ton mm^m 
:' Abgänge an ^gerechnet, nicht angestellt Sein sollte, im soehsten Jahr^ 
nach meinem Abgange zu.bezalüen. Berlin, den . i .. .. 
':. . I . . . .NN., Studiosus . . ..... au§ . .... ^ ; 



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12 UnfennicbiiDgeu fibcr das HoBorarieaw«Mii au deotocheo UmTerMtilco. 

Beim Abgange von der Universitäl werden die geatmideten Hononrieif, 
nach Vorschrift des allgemeinen Landrechts, Anhang p. i41 Jür. 1, gerichl« 
Hch registrirt und in dem Abgangszeugnisse vermerkt , indem die Behörden 
angewiesen sind, mit Rücksicht anf diese Yermerkung, von der geschehenen 
Anstellung eines Caiididaten, welcher noch das Honorar schuldig ist, Anzeige 
ZB machen. — För die Einziehung der gestondetes Hosoraricn erfaüt deir 
Onästor, wenn er sie nadi abgelaufener Frist eingetrieben hat, eine Tantiem» 
von 20 Procent, wenn sie aber ohne Aufforderung an ihn ein eingesandt 
worden, 2 Procent, wie bei den sogleidi bezahlten Honorariea Falia der 
Schuldner das Honorar an den Lehrer selbst eingesandt hat, ist dieser ver« 
pflichtet, dieselben Tantiemen nach Maasgabe der beiden Fälle an den Qüi^ 
ator zugleich mit der erforderlichen Benachriebtigong abzutragen* 

Nach diesem Reglement sind in allen wesentlichen Punkten die Regfementa 
der übrigen preussischen Universitäten eingerichtet; nur in Betreff der Univer-* 
aitdt Halle ist uns ein allgemeines Reglement nicht bekannt, wohl abei^ ein spe- 
delies für die Theologie Studirenden (Koch a.a. 0. Bd. IL S. 28T). Das Reglement 
ftr Greifswald bat die Besonderheit, dass ein ganz eminenter Fleiaa Anspruch 
auf Er la SS des Honorars giebU Das Recht, den Briass aus diesem Gmnde 
zu verlangen, wird immer nur auf i^n halbes Jahr und zwar nur Demjenigen 
ertheilt, del: bereits ein Semester in Greitswald stndirt. Ueber das Gesuch 
um Erlass aus diesem Grunde entscheidet eine ans dem Rector und den 
Decanen der vier Facultiten zusammengesetzte Commission, die in den Ferien 
zusammentritt, nach Stimmenmehrheit (Koch a. a. 0. S. 275). Im, Uebr^en 
sind über Stundung die Bestimmungen nicht abweichend. Nar bekommt der 
Quastor 5 Procent, wenn die gestundeten Honorare ohne Aaffordemng ein* 
gesandt werden, wahrend in Königsberg die Tantieme des Quästors för die 
eingetriebenen Honorarien 25, für die ohne Aufforderung eingesandten 4 Pro- 
cent betragt (Koch a. a 0. S. 307). Auch för die philosophische Facuttat 
der Akademie in Münster gelten im Wesentlichen dieselben Bestimmungen 
(Koch a. a. 0. S. 302). 

In 6 Ott in gen ist in den Hauptpunkten das preussische Stundungssystem 
seit dem Jahre 1842 eingeführt. Absolut frei sind die Söhne und Bruder 
der noch fungirenden oder emeritirten Göttinger Professoren, so wie jener 
verstorbenen Professoren, welche zur Zelt ihres Todes in Göttingen ange* 
stellt oder emeritirt waren, endlich der Universitatsrathe, des Secretüra and 
des QuSstors. Die Docenten sind befugt, die Honorarien nahen Verwandten 
nnd Söhnen Göttinger Privatdocenten zu erlassen und hat der Quastor in 
diesen Fällen eine dessfallsige Bescheinigung des Docenten, in welcher der 
Grund des Erlasses ausgedrückt sein muss, statt des Honorars anzunehmen. 
Wenn ein Lehrer ausser diesen Fällen zur Stundung oder zum Erlasse sich 
verstehen will, wozu er indessen nicht verpflichtet ist, so darf doch die 
Stundung oder der Erlass nur in nachstehend beschriebener Act geschehen. 
Der Quastor ist verpflichtet, jede den nachfolgenden Bestimmungen zuwider- 



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UaleriMlMNii^a ib«r Im Heararieatre w an lealicIieB Ualteriilitea. 18 

laufende Erklfirtnig der Lelirer' absulehiieii« Die Lehrer haben Ihre Bridftning', 
ob sie Oberhaupt die Henorarien in den gesettKch dasn geeigneten PMen 
erlassen oder stunden wollen, an dIeQuästnr vor Bekanntmaehnng des hatb-» 
jähriicben Lectionsverxeichnisses abeugeben. Im Falle eine solche ErkMrong 
nicht erfolgt, wird von der Qvistur angenommen, dass der Lehrer sich nicht 
nun Erlasse, sondern nnr znr Stundung yerstehe^). Die Stundung geschieht 
bis zum ToUendeten sechsten Jihre nach dem Abgange des Studirenden von 
der Universitit Gdttingen. Jedoch ist der Tennin sofort eingetreten, sobald 
notorisch die Yemaögensumstinde des Stadirenden sich bedeutend gebessert 
haben; so wie auch das Anerbieten desselben auf eine kftrzere TsrmkiS'« 
Stellung inun^ angenommen werden muss**). Die Berechtigung! ^^ Brlass 
oder Stundung nachzusuchen, findet nur auf den Crand eines von dem Uni« 
Tersitätssecretar unterschriebenen und ton dem Bittsteller der Quäc^r vor« 
zulegenden Erlaubnissscheines der akademischen Behörde 'statt. In Beziehung 
auf die Erfordernisse znr Erwirkung eines solchen Erlaubnissscheines kommen 
die Bestimmungen des zwölften Anhanges der akademischen Gesetze S 2--7 
und S i2 zur Anwendung ^^**> Wer diese Berechtigung nicht erlangt hat, 
darf auf keine Weise um Stundung oder Erlass anhalten und es darf kein 
Gesuch der Art berücksichtigt werden. Jedes beim Lehrer selbst angebrachte 
und von ihm berücksichtigte Gesuch hat die Folge , dass der Lehrer ehie 
Ordnungsstrafe zu erlegen hat, welche <Ke Hilfte des für die Vorlesung an«' 
gesetzten Honorhrs betrigt, und weldie der Qufistor wo mdglich von dem 
für den Lehrer erhobenen Honorar abzieht, far den Studirenden^ das» die 
von ihm angenommene Vorlesung im Abgangszeugnisse nicht eher testir 
wird, als* bis zuvor die Hälfte des Honorars als Ordnungsstrafe ^legl ist 
Diese Ordnungsstrafe ist zur Hälfte der akademischen Wittwencasse, zur 
Hälfke dem Dniversitäts-Armenfiscuii verfallen. Nur in dem einzigen FaHe 
darf sidi der Studirende an den Lehrer selbst wenden und ein Erlass von 
demselben verf&gt werden, wenn der erstere eine Vorlesung, wo#iir er schon 
einmal das Honorar an diesen Lehrer bezahlt oder von diesem gestundet 
erhalten hat, zum zweitenmal gratis zu hSren wänscht. Das Recht derNach^ 
suchung um Erlass der Stundung geht für jeden Stodirenden verloren, der 

*) Von allen Lehrern bat sich nur ein einziger für Erlass entscliieden. 

**) Da die Stundung seit sieben Jabren eing«fQhrt kt, so mfinsten jetd schon die gestun- 
deten Honorare der ersten Jahre eingehen« Es sind aber bis jetat erst .ohngfsfähr 100 Rthlr^ 
eingegangen, daneben aber viele, Gesuche um Verlftngernng der Stundung. Gestundet werden 
per Semester obogefShr wohl IMX) Rthlr. Gold, also etwa 15 Procent. 

^*) Wer anf Eirlass oder StuMking Ansproch macht, mnss niN^ d^ bsifMa«t|m §fi.Zeug- 
Diase beibringen 1) des Belrageaa» 2) der Mntttrüfit, 3) der BedJirftigheit, «si4 .W|»im er (»ereit^ 
sladirt bat« wth 4) Aber den in den Yorlesangen bewiesenen* Fleiss. Alle diese Zfiv^fimit 
deren Form nnd Inhalt genau bestimmt ist» müssen wenigstens vier Wochen yor Anfang 
der Vorleaungen eingesandt werden. U» Verginstigung gilt atets nur für eii| S9ii9«»ter. 
Inltader nnd Anslinder slehM aicfa gleich. 



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ja. lA^tfbung de« Fluis«^ oder des siltliclien Btairagcos sidi deA Tadel def 
lfelur9r>uiid der «k»de(niseh<a Behörden anzieht^ sowie für dei^iiigen^ der 
dttrch s0ine ganse Leben^ei^e an den Tng legi, dass er £u andern aiclit 
BtftllweHdigen Ansg^beo die Mittel berbeissuscbaffen vermöge« In Gefflftai^heit 
der dfroh den Erlaubnissscbein ertheiUeo BcdrecbUgung und it^ Beesielitiag 
auf dJeaeHio wird an der Qudstur der Erlass oder dkr Sbrndttag j& *nadh der 
Ufom Lebrer gegebenen ErkUruiig verCagU üki der Lekrer ckn Onttstor dM 
Weisung erih^Ui weder su ertasseii iif>cb za (Stunden , so mrd dies^ deai 
ßludirenden von d^ Quitstur aR^e^eigt. Wenn; «s auch jedeAi Lebrer frei«* 
sUj^t, d|s ittuf derQttöstir fui' ihn bezahlte Honorar den Slodicandefi ziurudk- 
swbejiakbHi » so darrdiess doch weder diirok den Quistor gesehehen, noch 
¥^rttert dieser die. Ui«^ ;K«diORimeade Tantieme 1 2 Prooent) aas dem angefi&r^ 
l^n Gniude ein^r ge^chebeaüen. jlarüeUiezahlodg. Ebenso wenig darf d«r 
Quäslor Anweisungen der einaohi^ Lebrer, besUintoteii Studiretiden Erlass 
oder Stundung zu gewahrei^ berucksiebtigen* .Diese Slanduiig- kamt spüterhin 
nicht m gapaliebi^ Erlass verwaadeU werden« Die gasiatidelen Hoaorarico 
YOPpSichietsjoh der Studirendo, in der festgesetzten Frist £u bczäUen tind 
unterzeichnet hierüber einen in folgender Fotm nuagesldlien Revers: ,yVon 
dem Herrn Professor N. ist mö* das Honorar für die Vorleskiag über .... 
mit.« » Htblr. Gold (Courant) gestund^ worden; ich verpfliohte mich^ diese 
^umiae gogen Rückgabe dieses Reverses^, sobald. ich dazu im Stande bin^ 
spätestens binnen sechs Jahren nach meinem Abgangs vDn der hiesigen Uni«» 
vcjrsität^ an die Quästur zu bezahlen oder portOfi?ei einainsenden; anglekh 
ipteriverfe ich mich in Ansehung dieser mir gestniuleten Sobald der Gerichts« 
barheit des K« Univei^itütsgqricht^ zu Gottingen. Göttingen den . .' . KGrtu-» 
diosus aus • . • .^V Beim Abgange von der Universität werden die gesiuiH 
4eten Honorarienin dem Abgangszeugnisse bemerkt; auch ist die Einriobtung 
gi^iroßimy um die Qjusstur von der erfolgenden Anst^llnng oder Zulassung 
jEur Praxis Derjenigen thunlichst in Kenatniss zu setaen ^ in deren ZeUgniss(9 
^in obige Bemerkung sich findet ^ ohne dass die später« Berichtigung df^r 
^gestundeten Honorarien hat nachgewiesen werden können*). Für die.]^«* 

*) Der QuSstor ist rerpflicblet, ein mit einem alphabetischen Register versehenes Manual 
za führen und denselben die Schuldscheine als Anlage beizufügen. In der Mitte des Semesters 
überreicht der QuSstor die von den Befristeten ausgestellten Schuldscheine dem ÜniversitSts- 
gericht, ivelcheä die Schuldner votlliden iSsst und iHre Agnition legistrik't Vtr OuSfrtor ist 
verpflichtet, vott der SZcit Aei Abganges der Schuldner von def Universität deren Aufenthalt, 
Anstellung tnid sonstiges Pörtkoiiiihen zu beaditen, die erhaltenen IVach richten in ilas' Manual 
einzutragen und zu der geeigneten* Zeit die zur Beitreibung der Reste erforderlichen Schritt« 
zu tbun. Nliofa Ablast &tr Slandtingsfrist erlSsst 4er Quää» in einigen .Zeifmgen eine Auf- 
ibrdeVuttf «tsur ponofrelen Einsendung der Honorarieii bunMtt eiiter^. bestimhittn Frist Diese 
.^Mfeatlitb^ AalferdeAing darf jedoch die Schuldwsr nicftt üMmenttieh bezeicbneik wid kahn fibri«» 
«efts, Aach Besobefrenlieit der IfmAtäade, jShrlich-oder alle zWei Jalu-e wiedertioH iVerdeii; 
Sefatfldaer^ deren AufetiUialt 4ein Qnaüor Miantlt isl, stnd^ wen» die okiige öffentlich« Auf- 
forderung erfolglos geblieben ist, nochmals brieflM^.Hp 4lia JSaManf au orümeni, aha eia 



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Untcr9fi(;hung<en Ob«r dtis HonornrienwcteB im ifeutecheii Ünhrershlten. f5 

Ziehung der gfestttndelcii Honorarien erhält der O^äsfor, wenii sie olittc alle 
Aufforderung von seinef Seite eingesandt werden, eine Tantieme von 2 Pro- 
ceiil; werdon sie «af die von ihm erlassene Aufforderung innerhalb 6er 
gesetzten Zahlungsfrist eingesandt, eine Tantieme von 5 Procent; wenn er 
aber nach diesoi* Zeil deren Zahlung erwirkt hat, eine Tantieme bei Aus- 
ländern voA 20, bei Inländern von 10 Procent. Sollte der Schuldner das 
Honorar an den Lehrer selbst eingesandt haben, so ist dieser verpflichtet| 
den Quästor alsbald davon zu benachrichtigen und die Tantieme, nach Maass- 
gabe der vorhergedachten Fälle, abzutragen. — Diejenigen, welche zwar 
weder Erlass des Honorars, noch eine^ Stundung mit der Bezahlung bis nach 
vollendeter Studienzeit (sg. lange Stundung) erbitten wollen, jondera nuc 
eine Befristung auf kurze Zeit (sg. kurze Stundung) wünschen , haben ihr 
Gesuch auf der Quästur vorzutragen und dasselbe entweder durch glaubhafte 
Nachweisung des unerwarteten Ausbleibens des Wechsels oder durch Vor- 
zeigung eines Gesuchs der Eltern oder Vormünder, in welchem theils hin«^ 
reichende Gründe derselben angegeben sind, theils das Versprechen der 
Zahlung in der Mitte des Semesters enthalten ist, zu begründen *J. Ist die 
Nachweisung, nach dem Ermessen der Quiistur, hinreichend, so können kurze 
Fristen zur Tezahlung des Honorars gestattet werden, jedoch nur bis zum 
i. Juli für das Sommer- und bis zum 1. Januar für das WinteVsemester, 
Fristen, welche weder von den Lehrt^rn noch von der Quästur verlängert 
werden dürfen. Nur dann, wenn, die Heimath des Bittstellers ausserhalb 
Deutschlands wäre, Icann eine Verlängerung der Frist bis zum Ende des 
Augusts und resp. Februars stattfinden. Bei dem Lehrer selbst dürfen sol- 
che Fristgesuche weder angebracht, noch von demselben berücksichügt 
werden. Die auf kurze Zeit gefristeten Honorarien ist die Quästur ver^ 
pflichtet unmittelbar nach Ablauf der Frist beizutreiben**). Im Nichlzahlungs- 
falle muss dieselbe das Verzeichniss der Restanten, spätestens innerhalb 14 
Tagen nach Ablauf der Frist, dem Univ(»rsitätsgericht übergeben, welches 
dann sofort das gerichtliche Verfahren einleitet und eine Frist von höchstens 
i4 Tagen bei Vermeidung der Execution zur Zahlung bestimmt. Erfolgt 



weiteres Verfahren wider sie einzuleiten i^t. Wenn ohne ABj|;abe, fflr Wen da« Jloiiorfur 
bestimmt ist, ein Theil desselben eingesandt wird, so soll dasselbe nach dem Alter der Re- 
verse zugetheilt und bei denen von gleichem Alter pro rata vertheilt werden. 

*) Wenn jedoch ein Studirender aui Gründen, welche dem Quastor glaubhaft scheinen, 
um Befristung mit der Entrichtung des Honorars auf einige Tage bittet, so kann der Quä- 
stor eine solche Fri^t bis auf hörhstens acht Tage bewilligen, ohne die vorgeschriebene Nach-» 
wetöuDg zu fordern. Der Studirende hat darüber einen Schnld^cheia anisustelle« ; der Quiftor 
aber hal das Erforderliche im Anmeldungsbuche zu bemerken und die Schuld unmittelher iiaoti 
Ablauf der Frist, ndthigenfalis gerichtlich, beizutreiben. 

**^ Wird gegen einen Schuldner überhaupt ein processualisches Verfahren nothwendig, 
so hat der QuSätor in jedem einzelnen Falle vor Anstellung der Klage bei den betreffenden 
Docenten anzufragen, ob sie das gerichtliche Verfahren wünschen. 



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14 UotefMicbmifra Aber du Ucmmmntmwemm m deolNbeii DairartitMsa, 

diese nichl, so treten die in Credüediet enthaltenen Vorschriften gegen sin- 
mige Schuldner ein. Kein Studirender, der mit der Entriditnng eines auf 
kurze ZQit gefristeten Honorars rückständig ist, kann ein öffentliches Zeug- 
niss erbalten. 

Was die Universitäten Tob in gen und Heidelberg betriflft, so besteht an 
denselben dberErlass oder Stundung kein bindendes Normale. In Tübingen 
ist die Erlassung des Honorars lediglich Sache des einzelnen Professors, der 
desshalb von dem Studirenden anzugehen ist. In früherer Zeit kam Stundung 
wohl vor, aber lediglich als Privatsache ; in neuerer Zeit wird von einzelnen 
Professoren wohl auch theilweiser Erlass bewilligt, so wie eine kürzere 
Stundung. Zwischen In- und Ausländern wird dabei kein Unterschied ge- 
macht. Im Allgemeinen ist das Benehmen des betreffenden Publicums in 
dieser Beziehung sehr ehrenhaft; wer nur irgend kann, erfiillt die Honorar- 
pfiicht und vielfach ist es häufiger, dass die Professoren aus freien Stücken 
die Honorarien an Einzelne zurückgeben, als dass sie mit Gesuchen um Erlass 
behelliget werden. Es liegt diess im Charakter des wurttembergischen Yolks- 
stammes, der seine Landesuniversität hoch und deren Professoren in Ehren 
hält. Allerdings sollen die letzten Jahre in dieser Beziehung einige Aende- 
rung zum Schlechteren gebracht haben. — In Heidelberg sind nur Inlän-- 
der, welche mit Armuthszeugnissen versehen sind, frei. Früher bestand diese 
Freiheit auch nur den angestellten Professoren gegenüber. Privatdocenten 
waren nicht verbunden, die Befreiung zu beachten. Die Professoren kümmern 
sich darum persönlich gar nicht, sie erfahren erst durch den Quästor, welche 
unter ihren inländischen Zuhörern frei seien. Ausländer haben sich unmittel- 
bar an den Professor zu wenden. Der Fall ist aber ein seltener; nur solche 
Landsleute, die durch die Laxheit auf ihren Landesuniversitäten verwöhnt 
sind, sollen sich durch Gesuche um Befreiung auszeichnen. Uebrigens ist 
uns ein Gesetz über die Befreiung armer Inländer nicht bekannt und konnten 
wir darüber etwas Genaueres nicht in Erfahrung bringen. Nur das wissen 
wir, dass die Befreiung gesetzlich ist» Im übrigen sind in Heidelberg auch 
von Inländern die Befreiungsgesuche selten. Stundung ist ganz unbekannt. 

In Marburg war in neuerer Zeit der Vorschlag gemacht worden, die 
Stundung einzuführen; das Ministerium hat denselben zurückgewiesen. An 
und für sich ist daselbst jeder Studirende honorarpfiichtig, eine gesetzliche 
Verordnung über die Befreiung armer oder mittelloser Studenten vom Hono- 
rar besteht nicht. Indessen haben sich die theologische, juristische und phi- 
losophische Facultät zu sehr zweckmässigen Bestimmungen über die Behand- 
lung der Gesuche um Honorarbefreiung geeinigt und durch Hinisterialbeschluss 
vom 30. März 1825 ist diese Einigung dahin genehmigt, dass dieselbe in 
allen ihren Punkten für sämmtliche akademische Lehrer, welche daran theil- 
nehmen wollen, verbindende Kraft hat. Die medicinische Facultät hat sich 
derselben nicht angeschlossen. Die Bestimmungen sind folgende: 



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UoteraachoDgen ftber das HonoraridBweien an dentflcban UnivenitäCeB? 17 

I. Wer auf Honorarerlass Anspruch macht, muss 1) seine Düritigkeit 
durch Ton dem Verwaltungsamt seiner Gemeinde, bei vater- oder mutter- 
losen Studenten auch ausserdem noch von der Vormundschaftsbehörde aus- 
gestellte Zeugnisse darthun; diese Zeugnisse haben speciell zu erklären, 
dass den Nachsuchenden weder eigene, noch seiner Eltern Mittel, noch fremde 
Unterslützongen in den Stand setzen, die Honorarien zu bezahlen. Am Anfang 
jeden Semesters sind diese Zeugnisse von Neuem beizubringen. Attestate 
anderer Art und von anderen Personen sind unzulässig. Daneben muss 2) der 
Bittsteller sich auch durch ausgezeichnete Talente, Kenntnisse, Fleiss und 
Fortschritte dieser Wohlthat würdig zeigen. Zu diesem Ende müssen sich 
Jene, deren Documente für hinlänglich befunden worden, von einer hiezu 
ernannten Commission am Ende jeden Seroesters, nachdem von ihren durch 
den Onäslor ex ofBcio einzuholenden Privatzeugnissen der Lehrer Einsicht 
genommen ist, rücksichtlich ihrer Fortschritte über die gehörten Vorlesungen 
prüfen lassen. Endlich müssen sie sich 3) in Hinsicht auf ihr Betragen 
jener Wohlthat würdig beweisen, auch dadurch nicht etwa die Zeugnisse 
über ihre Dürftigkeit unzuverlässig machen. 

II. Studirende, welche 1) einen Freitisch oder Geldbeneficien gemessen, 
können, wenn sie gleich mit den erwähnten Dürftigkeitszeugnissen versehen 
sind, doch nur dann zur nachgesuchten Befreiung zugelassen werden, wenn 
sie entweder bloss den Freitisch, oder daneben Geldbeneficien nicht über 
50 Thlr., oder bloss Geldbeneficien nicht über 100 Thlr. haben. Studirende, 
welche 2) an kostspieligen Lustbarkeiten Theil nehmen, oder sonst unnöthi- 
gen mit dieser Vergünstigung in Widerspruch stehenden Aufwand machen, 
wozu jedoch die Theilnahme an einer Studentengesellschaft allein nicht ge- 
rechnet wird, sind von der Honorarfreiheit ausgeschlossen, ebenso Solche, 
welche 3) nnfleissig sind oder von ihren Lehrern im Laufe des Studiums 
schlechte Zeugnisse erhalten, und endlich Solche, welche sich so gesetz- 
widrig aufführen, dass sie von Beneficien und dem Freitisch ausgeschlossen 
werden. 

III. Die akademischen Lehrer sind in ihrer Willkür in Betreff der 
ffonorarbefreiung beschränkt. So wie dem Lehrer versagt ist, seine Ein- 
willigung zur Aufhebung eines verhängten Stadtarrestes zu geben, so ist er 
auch nicht berechtigt, auf ein an ihn gebrachtes Gesuch einen Studirenden 
vom Honorar zu befreien; er hat den Bittsteller lediglich an den Quästor 
und durch diesen an die Commission zu verweisen. Ohne vorausgegangenes 
Gesuch ist es dem Lehrer unverwehrt, das Honorar zu erlassen; er hat 
jedoch den Nachlass dem Quästor schriftlich bekannt zu machen. — Erlässt 
dagegen ein Lehrer auf Nachsuchen vor oder nach dem Ausspruche der 
Commission einseitig ein Honorar, so ist der Erlass nichtig; gleichwohl hat 
der Lehrer auf das Honorar keinen Anspruch mehr, sondern es sollen solche 
einseitig erlassene Honorarien, insofern die Commission nicht selbst den Erlass 
decretirt, zu Freitischen verwendet werden. 

Akadem. Monatsschrift. Januar 1851. 3 



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18 Unterencbungen über dai UonorarienwMen an deutschen Unifenftfitea. 

IV. Was den Umfang, die Dauer und Erneuerung der Wohlthat betrifR, 
so findet der Erlass für alle Privatcollegien ohne Unterschied, namentlich 
auch für die praktischen statt. Er beschränkt sich jedesmal auf ein Semester. 
Um den erlangten Vortheil für die folgenden Jahre zu erhalten, ist nicht nur 
der Beweis der Dürftigkeit zu erneuern, sondern auch am Ende des Seme- 
sters nach eingeholten Zeugnissen über den Fleiss, die Fortgangsprüfung zu 
bestehen, woneben der Student sich auch durch sein Betragen der Wohlthat 
ferner würdig zeigen muss. 

V. Die Aufsicht führt jetzt eine aus fünf Senatoren bestehende Commis- 
sion, welche auch die halbjährlichen Prüfungen vornimmt. Zu dem Ende 
werden vor dem gesetzlichen Schluss der Ferien dem Prorector und 
beziehungsweise dem Ephorus der Stipendiaten und der Beneficiencommis- 
sion vollständige Verzeichnisse der Studirenden, welche in dem beginnenden 
Semester Geldbeneficien und den freien Tisch gemessen, mitgetheilt. 

VI. Im Anfange jedes Semesters haben 1) alle Studenten, welche ent- 
weder jetzt zuerst um den Erlass nachsuchen, oder denen dieser bereits in 
einem früheren Semester zugestanden worden, ihr Gesuch bei dem Quästor 
mit Vorlegung der Zeugnisse über ihre Dürftigkeit und einer Anzeige der 
Collegien, welche sie in diesem Semester zu besuchen wünschen und zwar 
noch vor Anfang der Vorlesung anzubringen. 2) Die Commission prüft so- 
dann zunächst und zwar, da manche Studirende schon desshalb abgewiesen 
werden, weil ihre Zeugnisse den Erfordernissen nicht entsprechen, und solche 
die Zahlung gleich andern wirklich Admitlirten bis an das Ende des Semesters, 
wo sie oft von Geld entblösst sind, aufschieben, noch vor der Mitte des 
Semesters die Zeugnisse der Dürftigkeit unter Vergleichung der Beneficien- 
und Freitisch- Verzeichnisse und des bisherigen Verhaltens und hat nur jene 
Studenten, welche den oben genannten Erfordernissen ein vollständiges Ge- 
nüge leisten, mit ihrem Gesuche zuzulassen, alle Andern hingegen abzuweisen. 
Vierzehn Tage vor dem Schlüsse der Vorlesungen werden sodann die Zu- 
gelassenen, nachdem zuvor durch den Quästor die Zeugnisse über Fleiss 
von Amtswegen eingeholt und der Commission zur Einsicht vorgelegt worden 
sind, von diesen über die gehörten Collegien geprüft, worauf dann nach 
Beschaffenheit des Examens, der Zeugnisse und des Verhaltens von der Prü- 
fungsbehörde die erste oder fernere Zulassung zur Befreiung oder die Ab- 
weisung der Petenten beschlossen wird. — Den Resultaten aller dieser Er- 
forschungen gemäss verfasst hierauf 3) die Commission ein Verzeichniss der 
Studirenden, welche in dem angetretenen Semester die dabei genau anzuge- 
benden Collegien unentgeltlich zu besuchen berechtigt sind, oder die Hono- 
rarien einstweilen dafür zu deponiren haben und stellt dieses dem Quastor 
unverzüglich zu. Die Geschäfte des letztern beim Erlass der Honorarien 
beschränken sich demnach darauf, dass er a) die Gesuche und Attestate der 
um Erlass Bittenden annimmt und solche der Commission zustellt, b) die 
Zeugnisse der Lehrer über den Fleiss der Nachsuchenden einholt und c) den 



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UnterauchttDgen über das Honorarienweien an deolschen Universitäten. 19 

Befreiten Freizettel ausfertigt, jedoch nicht eher^ als bis zuvor das Pedellen- 
honorar, falls solches die Pedellen nicht erlassen, erlegt ist. 

So weit die Bestimmungen der unter den Facultäten getroffenen Verein- 
barung. Zu bemerken ist noch, dass in der Praxis Derjenige abgewiesen 
wird, dessen Eltern 500 Thlr. Einkommen haben. Durchschnittlich werden 
in Harburg im Semester 30 — 40 Studirenden die Honorarien erlassen, wobei 
Diejenigen nicht mitgezählt sind, welche von den Medicinern freie Collegien 
erhalten y deren Zahl im Semester 14 — 20 beträgt. Da in Marburg durch- 
schnittlich 300 Studirende sind, so sind 15 — 20 Procent honorarfrei. Ein 
Unterschied zwischen Ausländern und Inländern wird nicht gemacht. 

In Jena bestehen keine Vorschriften; einen gesetzlichen Zwang zum 
Erlass giebt es nicht. Die Observanz ist folgende: Bei der Frage, ob Be- 
freiung eintreten solle, entscheidet nur die Bedürftigkeit. Eine kleine Zahl 
Studirender erhält bloss Anwartschaft auf Erlass der Hälfte. Manche bitten 
sieb aber die übrige Hälfte dennoch bei den einzelnen Docenten frei. Die 
diplomatische Formel des Erlasses auf dem Schein ist: „es möchte ihm wohl 
ein Erlass zu gönnen sein." Mit diesem Scheine geht der betreffende Stu-* 
dirende zu seinem Docenten und lässt sich die Genehmigung darauf schreiben. 
Der Docent kann diese Genehmigung allerdings verweigern. Es geschieht 
aber nicht. 

Die Satzungen für die Studirenden an den bayerischen Universitäten 
vom 1. October 1849 enthalten in den §§ 70—79 die sowohl die Lehrer 
als die Studirenden bindenden Vorschriften über die Honorarbefreiung. Es 
sind folgende: §. 70. Um die Mittellosigkeit derjenigen Studirenden, welche 
Befreiung von den Honorarien ansprechen, zu prüfen, besteht eine eigene 
Comraission, zu welcher jede Facultät eines ihrer Mitglieder abordnet. Den 
Vorsitz mit entscheidender Stimme führt der Rector. §. 71. Auf gänzliche 
Befreiung von der Honorarienentrichtung hat allein derjenige deutsche Studi- 
rende Anspruch, welcher seine wahre und volle Mittellosigkeit durch ein 
von der einschlägigen Districts-Polizeibehörde in gehöriger Form ausgestell- 
tes Zeugniss beweisen und seine erste Meldung durch ein empfehlendes 
Gymnasial-Absolutorium unterstützen kann. Auf theilweise Befreiung von den 
Honorarien haben diejenigen Anspruch, welche zwar in beschränkten Ver- 
hältnissen leben, aber dennoch nicht gänzlich ohne Mittel sind. Den Betrag 
des Nachlasses hat die Honorariencommission zu bestimmen. §. 72. Das 
erwähnte Zeugniss soll enthalten: 1) Namen und Wohnort des Candidaten; 
2) Stand oder Gewerbe seiner Eltern; 3) die Angabe, ob Vater oder Mutter 
oder beide gestorben sind; 4) die Zahl der lebenden Geschwister, und ob 
sie versorgt sind oder nicht; 5) den Betrag des Vermögens der Eltern und 
des etwaigen selbstständigen Vermögens des Candidaten, sowie es aus amtlichen 
und gerichtlichen Acten und Urkunden oder sonst bekannt ist; 6) das Ein- 
kommen der Eltern aus Besoldungen, und die Nebenbezüge aus andern Er- 
werbsquellen; 7) den Betrag und die Qualität der Steuern, welche der 



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20 Untersuchungen Aber dai Honorarienweien an deutschen Univerntfiten. 

Stndirende oder dessen Eltern jährlich zu entrichten haben ; 8) den Betrag der 
Schulden entweder des Studirenden oder seiner beiden Eltern; 9) die Quel- 
len und Hülfsmittel, durch welche sich der Candidat bisher erhalten und seine 
Stttdienkosten bestritten hat, sowie den Betrag seines aus diesen Quellen 
fliessenden Einkommens. Die Behörden, denen die Ausstellung dieser Zeug- 
nisse obliegt, sind angewiesen, hiebei mit strenger Gewissenhaftigkeit zu 
verfahren und bei Vermeidung von Disciplinar- Einschreitung sich jeder un- 
genügenden oder unwahren Angabe zu enthalten. §. 73. Jede unvollständige, 
ausweichende oder unwahre Angabe in dem Zeugnisse bewirkt die Abweisung 
des Studirenden mit seinem Gesuche und die Honorariencommission ist ver- 
pflichtet, jene Behörden, deren Zeugnisse in einer der angegebenen Bezieh- 
ungen als mangelhaft befunden werden, dem K. Staatsministerium des Innern 
für K.- u. Sch.-A. zur weitern Verfügung anzuzeigen. §. 74. Hält die 
Honorariencommission nähere Aufschlüsse für wünschenswerth , so wird der 
Rector als Vorstand derselben den betreffenden Studirenden persönlich vor 
sich rufen, um Aufklärungen von ihm zu begehren. Studirende, welche sich 
hiebei eine Unwahrheit zu Schulden kommen lassen , sind mit einer Discipli* 
narstrafe zu belegen. §. 76. Wer um Erlassung der Honorarien nachsucht, 
hat die oben bemerkten Nachweise spätestens acht Tage nach dem gesetzli- 
chen Anfange des Semesters dem Universitäts - Quästor persönlich zu über- 
geben oder einzuschicken. Wer diese Frist versäumt, hat keinen Anspruch 
auf Berücksichtigung, insofern er nicht unverschuldete Verhinderungsursachen 
nachzuweisen vermag. §. 77. Das Quästorat hat die eingegebenen Zeug- 
nisse zu sammeln und sogleich der Honorariencommission vorzulegen, welche 
innerhalb weiterer acht Tage ihr Geschäft zum Schlüsse zu bringen hat» 
§. 78. Wer um Erlassung der Honorarien nachsucht, kann auf die Vorle- 
sungen erst inscribiren, wenn über sein Gesuch entschieden ist. — Das gül- 
tig befundene Zeugniss, wenn es im Anfange des Wintersemesters eingereicht 
worden ist, befreit von der Honorarienpflicht für das ganze laufende Studien- 
3ahr; wenn im Anfange des Sommersemesters, nur für das laufende Semester. 
Nach Ablauf der bemerkten Zeit muss die Fortdauer der Mittellosigkeit amt- 
lich bezeugt werden, wenn der Studirende die Befreiung weiterhin ansprechen 
will. Demnach hat jeder ganz oder theilweise von der Honorarpflicht befreite 
Studirende binnen der für das folgende Semester in § 76 festgesetzten Frist 
sein Zeugniss bei den Universitätsquästor vorzuzeigen. §. 79. Gegen die 
Aussprüche der Honorariencommission findet weder von Seiten der Lehrer 
noch von Seiten der Studirenden Berufung statt. Auch ist keinem Lehrer 
gestattet, privatim Befreiung von der Honorarpflicht eintreten zu lassen. 

Wesentliche Verbesserungen gegen die alten Satzungen sind unverkenn- 
bar: dass an die Stelle des Armuthszeugnisses ein Mittellosigkeitszeugniss 
getreten ist, dass es dem einzelnen Lehrer nicht mehr freisteht, die Hono- 
rariencommission zu perhorresciren, und dass das Zeugniss die Quellen und 
Hülfsmittel enthalten soll, durch welche sich der Candidat bisher erhalten und 



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Untoriuchungen Ober das Honorarienwesen an deutschen UniTersitfiten. 21 

seine Studienkosten bestritten hat, so wie den Betrag seines aus diesen 
Qaellen fliessenden Einkommens. Wesentlicher Mangel ist, dass die Würdig- 
keit nicht neben der Mittellosigkeit als Voraussetzung der Befreiung aufge- 
nommen ist. Zwar wird für die erste Meldung ein empfehlendes Gymnasial- 
Absoiutorium gefordert, allein diess reicht nicht hin. Die Marburger Einigung 
enthält hierin die zweckmässigsten Bestimmungen. 

Zum Schlüsse theilen wir eine in jeder Beziehung beachtenswerthe Cir- 
cularverfügung des Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- 
Angelegenheiten in Berlin an die Rectoren der Universitäten vom 7. Oct. 
1823 mit, welche den Beweis liefert, wie angelegentlich das preussische 
Gouvernement für den Flor seiner Universitäten zu allen Zeiten besorgt war. 
Diese Verfügung lautet: 

„Nach der bisherigen Erfahrung wächst auf den Königlichen Landesuniversi- 
täten mit jedem Jahre die Zahl derjenigen Studirenden, welche entweder aus 
Annuth, oder auch nur unter dem Vorwande der Armuth den Erlass der 
Honorarien für die von ihnen angenommenen CoUegien nachsuchen und auch 
erhalten. Selbst die getroffene Einrichtung der Honorarienreceptur durch 
den Quästor, welche den Zweck halte, die Professoren vor Verlegenheiten, 
welche durch persönliches Freibitten bei ihnen entstehen, zu schützen, und 
ihnen die strenge Befolgung gemeinschaftlicher Grundsätze zu erleichtern, 
ist unwirksam geblieben, weil es entweder an solchen übereinstimmenden 
Grundsätzen gefehlt, oder man sich nicht durchgängig nach ihnen gerichtet 
hat. Allein so wünschenswerth es einerseits ist, dass die Professoren auf 
die Armuth oder Mittellosigkeit einzelner Studirenden auch fernerhin eine 
billige Rücksicht nehmen, und keinem wirklich dürftigen und würdigen 
Studirenden, dem die Zahlung des Honorars für die Collegien ganz unmög- 
lich ist, deshalb den Besuch ihrer Vorlesungen untersagen, so wichtig ist es 
anderer Seits zur Erweckung und Erhaltung des Ehrgefühls unter den 
Studirenden und zur Förderung ihres Fleisses, dass die Professoren bei den 
Gesuchen der Studirenden um Erlassung des Honorars für die Privatcollegien 
nicht zu willfährig und zu freigebig sind, vielmehr sich über die Würdigkeit 
und Bedürftigkeit der einzelnen Studirenden, welche eine solche Gunst in 
Anspruch nehmen , auf jede zweckdienliche Weise vorher zu vergewissern 
suchen. In keinem Falle darf blos die Dürftigkeit einzelner Studirenden 
für die Professoren ein Bestimmungsgrund sein, ihnen die Collegia frei zu 
geben, indem jetzt manche Eltern häufiger als sonst leichtsinnig, und blos 
in Hoffnung auf Unterstüzungen ihre , oft des innem Berufs zu einem 
wissenschaftlichen Leben entbehrenden Söhne den Studien widmen, und auf 
die Universitäten senden, ohne vorher ihre Existenz daselbst auch nur noth- 
dürftig zu sichern. Abgesehen von den mannigfaltigen Nachtheilen, welche 
für die Landesuniversitäten, und selbst für die Studirenden daraus erwachsen, 
wenn die Bezahlung des Honorars für die Collegien immer mehr ausser 
Uebung kommt, beruht es auch in der Unmöglichkeit, den Professoren durch 



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22 Zar Universitfitsreformfrage. 

Erhöhung ihrer Besoldungen eine angemessene Entschädigung für den Yer-« 
lust zu gewähren, welchen sie in ihrer Einnahme erleiden, wenn sie, wie 
zeither auf einigen Landesuniversitäten der Fall gewesen ist, dem grösseren 
Theile ihrer Zuhörer das Honorar für die Collegien erlassen. Auch die 
Rücksicht auf manche auswärtige Universitäten, wo die Privatcollegia ordent- 
lich honorirt werden, und wo ausgezeichnete Professoren, selbst bei einer sehr 
massigen Staatsbesoldung durch den Ertrag ihrer Collegien eine ausreichende 
Einnahme finden, macht es räthlich, auf den inländischen Universitäten von 
den Studirenden künftig mehr als bisher die Zahlung des Honorars für die 
von ihnen angenommenen Collegien zu fordern. Das Ministerium, weit ent- 
fernt, der Freigebigkeit der Professoren gegen wirklich würdige und be- 
dürftige Studirende hinsichtlich des Erlasses des Honorars für die Collegien 
Schranken setzen zu wollen, wünscht nur, dass dem Missbrauche, welcher in 
dieser Beziehung auf den Landesuniversitäten zum Nachtheil für die Stu- 
direnden, wie für die Professoren einzureissen droht, endlich Einhalt geschehe, 
und dass jede inländische Universität, mit Rücksicht auf die ökonomischen 
Verhältnisse ihrer Studirenden und auf das bisherige Verfahren ihrer Pro- 
fessoren und Privatdocenten , bei Erlassung der Collegiengelder die zur 
Steuerung und Beseitigung jedes Missbrauchs wirksamsten Maassregeln er- 
greifen möge. — Zu dem Ende fordert das Ministerium den etc. — auf, 
von obiger Eröffnung sämmtliche ordentliche und ausserordentliche Professoren, 
und auch die Privatdocenten in Kenntniss zu setzen, über die Grundsätze, 
welche von jetzt an hinsichtlich des Erlasses des Honorars zu beobachten 
sein möchten, wo möglich eine Einigung zwischen den einzelnen Facultäten, 
oder doch wenigstens zwischen den Professoren einer und derselben Facullät, 
zu bewirken, jedenfalls aber zweckdienliche Maassregeln zu treffen, damit 
der im Obigen ausgesprochene Wunsch des Ministerii erfüllt, und dem bis- 
her bemerkten Missbrauche, im Freibitten und im Freigeben der Privat- 
collegien, endlich ein Ziel gesetzt werde." (Koch a. a. 0. S. 264.3 



U. 

Ist in der jefzigen Lage der Dinge eine alsbaldige BesclilDssfa^snng 
über die Reform der deutschen UniversitätsYerfassung zu wfinseben? 

Ein Erachten von Dr. Hermann Hup fei d. 

Es war sehr natürlich dass im Jahre 1848, als unser ganzer gesell- 
schaftlicher Zustand in Frage kam und sich in Versammlungen und Körper- 
schaften aller Art neu zu gebären versuchte, auch die akademischen Ange- 
legenheiten, die sich Jahre lang in einem unbehaglichen Zustande der Gäh- 
rung alter und neuer Grundsätze und Confusion befinden, nicht zurückblieben, 
und wie die Studenten auf der Wartburg, so die akademischen Lehrer in 



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Zar Uniyenitätoreformfrage. 23 

Jena tagten. Es ist aufgefallen, dass die preussischen Universitäten sich 
dabei verhältnissmassig weniger betheiligten, und mehrere, ^ie namentlich 
Halle, wenigstens durch Deputirte gar nicht vertreten waren; bei dem im 
letzten Herbste nach Heidelberg anberaumten Congress aber ihre Theilnahme 
fastfganz abgelehnt und so zur Vereitelung desselben hauptsächlich beige- 
tragen haben. Vermuthlich hat man darin etwas von preussischer Vornehmig- 
keit und Selbstgenügsamkeit gefunden. Möglich dass dergleichen — neben 
falscher conservativer Gleichgültigkeit gegen Yerfassungsformen , oder Ab- 
neigung gegen Veränderung des bestehenden — dazu mitgewirkt hat; jeden- 
falls würde ich es nur bedauern und missbilligen können: denn einestheils 
bedürfen die preussischen Universitäten so gut wie andere, ja in mancher 
Hinsicht mit am meisten der Reform (wenigstens wie ich sie verstehe); 
anderntheils sind die deutschen Universitäten so sehr auf das ganze deutsche 
Vaterland und lebendige Gemeinschaft gegründet und hingewiesen, dass sie 
in keinem Lande, wie gross es sei, sich abschliessen und dem Territorialis- 
mus huldigen können ohne von ihrer Idee abzufallen und ihr Lebensprincip 
zu gefährden. Aber es gibt auch andere, innere Gründe für die Abneigung 
gegea coUegialische Berathungen oder gar definitive Entscheidung der aka- 
demischen Frage unter den gegenwärtigen Umständen; und diess 
ist der Fall bei mir. Ich bin nämlich entschieden der Meinung, dass dazu 
bis jetzt weder die äussern Umstände geeignet sind, noch auch innerlich 
diese wichtige und schwierige Frage hinlänglich instruirt und spruchreif ist; 
und dass vor der Hand nichts zu thun ist, als durch öffentliche Besprechung 
und mehrseitige Beleuchtung der einschlägigen Hauptfragen die dermalige 
Gährung widerstreitender Ansichten und Principien sich mehr abklären zu 
lassen — wozu auch die weitere Entwickelung des Gährungsprocesses auf 
dem politischen Gebiet und die dadurch gemachten Erfahrungen nicht am 
wenigsten beitragen werden — , und daneben durch Abstellung dringender 
und anerkannter besonderer Misstände die Reform im einzelnen und kleinen 
zu treiben. 

Meine Gründe zu diesem Verhalten sind hauptsächlich folgende*}: Zu- 
vörderst die Unsicherheit unserer Zustände, das Schwanken aller 
staatlichen Verhältnisse, sowohl der Preussischen als der Deutschen über- 
haupt, die aus dem Umsturz der letzten Jahre sich erst mit Mühe empor- 
zuringen und zu gestalten suchen; daher eine ausserordliche Ueberhäufung 
der Ministerien mit Arbeiten aller Art, namentlich Entwürfen zu den um- 

*) Ich habe sie schon im vorigen Jahr, bei Gelegenheit der Anfiorderung der prenssii> 
sehen Universitäten zur Wahl von Abgeordneten für die im September und October desselben 
Jahres in Berlin abgehaltenen Conferenz zu ßerathung der eingegangenen Reformantrfige, in 
einem Separatvotum ausgesprochen; und erlaube mir dieselben im Wesentlichen hier als An- 
hang zu dem schon früher veröffentlichten Gutachten über die Conferenzbeschlüsse selbst, mitzu" 
theilen, da sie noch immer und allerwärts Anwendung leiden durften, nnd für die von mir 
vertretene Ansicht von Universit&tsreform bezeichnend sind. 



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24 Zar Unircnitiltsreformfrftge. 

fassendsten Gesetzen für alle Zweige des Staatslebens, die dasselbe von 
Grund ans umgestalten sollen. Das ist nicht die Zeit wo tiefere Fragen des 
Schul- und Universitätswesens eine gedeihliche Berathung und Lösung finden 
können; Tor allen Dingen geordnete bürgerliche Verhältnisse, und eine ge- 
wisse äussere Ruhe und Müsse verlangen, und für die es verhangnissvoll 
werden könnte wenn sie in diesen Sturm gesetzgeberischer Arbeiten und 
parlamentarischer Debatten geworfen würden. — Noch bedenklicher für einen 
erspriesslichen Erfolg ist aber die gegenwärtige innere Unruhe der Ge- 
müther, die sich von der Aufregung und dem Schwindel der Revolution noch 
keineswegs ganz erholt haben. Diese Revolution hat in allen Ständen und 
Verhältnissen die Wünsche und Ansprüche so gesteigert, dass die meisten 
nur von neuen Rechten und Vortheilen, nichts von Pflichten und Opfern 
hören wollen, ohne die doch an politische Freiheit und Verbesserung nicht 
zu denken ist. Sie hat selbst bei dem gebildeten Theil der Nation eine 
Verwirrung der politischen Begriffe, eine Vergessenheit der Lehren der 
Geschichte und der eigenen früheren Grundätze, eine Servilität gegen die 
Losungen der begrifflosen Menge und ihrer Führer hervorgebracht, die zwar 
wohl nur als eine vorübergehende Verwirrung anzusehen ist, aus der sich 
die Besseren hoffentlich bald wieder erheben werden: die aber natürlich 
vorläufig dazu dient die früher sich unter uns anbahnende concretere, ge- 
schichtlichere, das Wesen der Dinge und ihren organischen Zusammenhang 
ins Auge fassende Ansicht vom Staat und den überlieferten nationalen 
Institutionen zurückzudrängen, und die mechanische abstracte, an der Ober- 
fläche haftende Anschauungsweise der Menge zur herrschenden zu machen; 
so dass bei den zunächst bevorstehenden gesetzgeberischen Arbeiten sicher- 
lich nicht die wahrhaft reformirenden, die organisir enden Ideen und Ge- 
sinnungen, sondern vielmehr die auflösenden, desorganisirenden die Ober- 
hand haben werden. Wenn das für unsere politische Reform überhaupt 
schlimm ist, so ist es für die akademische am schlimmsten. Diese An- 
gelegenheiten sind, nächst den kirchlichen, unstreitig die schwierigsten 
und zartesten unter denen die einer Umgestaltung entgegensehen, und die 
es für die Gesetzgebung überhaupt geben kann. Es handelt sich dabei um 
Institutionen die eine eigenthümliche Zierde Deutschlands ausmachen, auf 
denen hauptsächlich sein Vorrang auf dem wissenschaftlichen Gebiete und 
eine gewlssermassen welthistorische Stellung beruht, und die immermehr der 
Gegenstand der Aufmerksamkeit und der Bewunderung des Auslandes zu 
werden anfangen. Nun ist es eine ausgemachte Wahrheit, dass die wirk- 
samsten und besten Institutionen gerade am wenigsten auf Reflexion und 
Theorie beruhen und aus einem bewusten Act der Gesetzgebung hervor- 
gegangen, sondern von selbst, durch innere Entwickelung, aus unscheinbaren 
aber durch den Geist der Nation befruchteten Keimen, unter Begünstigung 
der Umstände, allmählig entstanden, und eben desswegen der Theorie am 
wenigsten klar und begreiflich sind. Dies gielt namentlich von den aka- 



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Zur UmreritUUirefoniifrage. 25 

'demischen Institationen, die in ihren eigenthflmlichsten and wesentlich-^ 
sten Theilen der modernen Denkart ISngst anstössig, und als Producte des 
Hittelalters verschrieen sind. Von diesem theoretischen Standpunct aus 
ist auch in neueren Zeiten schon viel an der alten Universitätsverfassung 
geändert , und manche zum Theil wesentliche Institutionen sind auf- 
gehoben oder abgeschwächt worden; und die demoralisirenden Folgen davon 
haben sich bereits fühlbar gemacht. Eine Reform mAsste demnach, um wirk- 
sam SU sein, d. h. um wirkliche Gebrechen zu treffen , zum Theil gerade 
auf eine angemessene Wiederherstellung oder Stärkung der nach einseitigen 
theoretischen oder administrativen Geslchtspuncten abgeschafften oder ge- 
lähmten Einrichtungen gerichtet sein: namentlich auf Stärkung der erschlafften 
corporativen und sittlichen Bande des akademischen Gemeinwesens, 
bei Lehrern wie Studirenden, auf Hebung des Gemeingeistes und des Sinnes 
fiä* fiACAtadüüJcfiii nnA nriitA OrHininor jg ^^n verschje deneu Zweigen des 

i Freiheit und 

SÜ»>aMr..de Druckfehler in dem Anftatxe II. ^JSot S 

S. 24 Z. 4 fehlt das Relativ die vor „vor allen Dingen." Ucher Prfifnng 

7 «e ,■ „ . „ e Reform der 

. o. . lo ^''*''"°« ^^" Verwirrung. .^^^^^^ ^„^^ 

S. Z5 Z. U V. u. hes geordneteren st. geordneten. Jen, und weit 

S. 26 Z. 30 1. wenn st. wie. nicht hebt, ja 

S. 27 Z. 2 1. durch St. auch. x angreift oder 

„ Z. 4 1. eignen st. regern. virie wenig sich 

S. 28 Z. 1 1. dass so Jange st dass, so lange. iversitälen noth 

isammenstellung 
rn Orts einge- 
ganfäM Tor^chTäge etc. Die Bewegung und der Schwindel hat aber 
bereits überall angefangen sich abzuklären, und es ist kein Zweifel dass, 
wenn erst die Verhältnisse sich gesetzt haben, auch auf den Universitäten 
die Besonnenheit, und mit ihr eine besonnene und ruhige Auffassung der 
Dinge zurückkehren, und bei geordneten Formen der Berathung und reif- 
licherer Erwägung als jetzt vergönnt ist, auch reifere Anträge liefern wird. 
Erst wenn dieser Zeitpunct eingetreten, und zugleich die Regierungen zu 
einer klarern Uebersicht aller Verhältnisse und Be wustsein ihrer eigentlichen 
Stellung, als es in der gegenwärtigen Gährung möglich ist, gelangt, und somit 
die Bedingungen einer umsichtigen Erwägung dieser Angelegenheiten gegeben 
sein werden, würde sich von einer solchen Berathung etwas Gutes erwarten 
lassen. Auch ist die definitive Entscheidung über die fragliche Reform, 
nachdem bereits den Universitäten die nöthigsten Bedingungen zu einer an- 
ständigen Selbstständigkeit zurückgegeben sind, nicht so dringend, dass sie 
nicht noch einigen Aufschub litte. Die Abstellung einzelner Gebrechen 
und Misstände, wo sie anerkannt sind und dringend Abhülfe verlangen, 



Akadeoi. MonatMchrift. Januar 1851. 



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^ Zur Univ^nitfittrefWnirragä 

branebt darum nicbt bis dorthin Verseboben zu werden, da 6IeicbS9nnigkeii 
in allen Dingen auf den Universitäten nicbt liötbig ist, vielmebr manebes 
sieb besser nacb Herkonunen und örtlicben Umstanden richtet; auch Reformen 
die durch ein besonderes Bedürfniss von unten her hervorgerufen und zuvor 
an Ort und Stelle erprobt sind, solchen vorzuziehen sein durften die aus 
theoretischen Gründen durch einen allgemeinen Beschluss eingeführt werden, 
und so oft wirkungslos bleiben; und in solchen Dingen vorzugsweise nach 
dem altqn Spruch zu bedenken ist: wieviel mehr das halbe sei als das 
ganze. — Für das Schul- oder Unterriehtsgesetz, womit man hier 
und vidleicht auch anderwärts umgeht, -durfte aber die Uni ver^täts- Reform 
wohl wenig oder gar keinen Stoff liefern; jedenfalls wäre zu wünschen dass 
sie, wie bisher, lediglich Sache der Verwaltung bliebe , und unsere heutige 
Volksvertretung mit solchen Angelegenheiten nicht ohne dringende Noth 
behelligt werde. 

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin meinem frühem in dieser 
Zeitschrift mitgetheiltcn Gutachten über die Berliner Conferenzbesöblüsse ^ 
noch eine Bemerkung beizufügen, die durch ein Versehen bei der Abschrift 
weggeblieben ist. 

Die Wahrheit dessen was ich dort über die erste Frage («Vertretung 
der Staatsbehörden^^) — namentlich über das Institut der Curat oren und 
seine Folgen, und die Nothwendigkeit ein Wächteramt der Gesetzlichkeit 
und Ordnung innerhalb der Corporation aufzustellen — gesagt habe, 
wird mir auch von conservativer Seite (selbst von einem Curator) in thesi 
zugegeben: allein hi hypothesi meint man: das Uebel (der Demoralisation 
'der Universitäten) sei schon zu weit gekommen, es sei keine Hoffnung 
mehr den corporativen Geist unter den Professoren wiederherzustellen; und 
-so bleibe nichts übrig als es bei der vorhandenen Einrichtung als einem 
nothwendigen Uebel zu belassen. Allein wie es wahr ist dass die dermalige 
Einriditung, und besonders das genannte Institut, den gegenwärtigen Verfall 
herbeigeführt oder befördert hat, — was unbestreitbar und allgemein zuge- 
standen ist — , so kann man doch auf diesem Weg nicbt fortgehen ohne 
'iias Uebel noch ärger zu machen und auf alle Heilung der Universitäten zu 
verzichten. Dies kann man aber unmöglich wollen. Oder ist etwa das 
worum Siebs hier handelt — Ordnung und Gesetzlichkeit, so wie die Ge- 
sinnung die sie allein erzeugt und erhält, der Sinn für das gemeine Beste, 
die Treue und Gewissenhaftigkeit in den Geschäften und Pflichten die die 
Mitgliedschaft eines akademischen CoUegiums unerlässlich mit sich bringt — 
ist das etwas worauf man allenfalls verzichten kann, ein unwesentlicher 



*) Darin ist S. 346 Z. 2 von unten ein sinnstörender Druckfehler untergelaufen: „aka- 
demischen Grundlagen^' statt aitakademischen Grundlagen. S. 351 Z. 16 von unten 
ist statt „Berichte an jenes^^ zu lesen Berichte dieser an jenes; und S. 358 Z* 18 
Observanzen stau „Ansichten". 



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Zur Univcnititsrefornifrage. 27 

Sdimuck, den die UniversUiten auch zur Noth entbekren, und ohM den sie, 
wenn auch in anderer Wdse, doch fortbestehen könnten? Kann man auch 
alle äusseren Controlen, wenn man sie auch noch so sehr vervielfdltigen 
und über einander bauen wollte, den mangelnden reg^ern Trieb und Gemein- 
geist ersetzen? Ists nicht mit allen (fiesen Controlen, ja gerade durch die- 
selben, wie überall, erst zu dieser Zerrüttung und Unordnung gekommen? 
Oder kann man die Professoren lediglich auf ihr Lehrgeschäft beschränken, 
zu bloss'^i gelehrten und lehrenden Individuen machen, ohne Facultäten und 
eine akademisdie Corporation zu bilden, ohne amtlichen Zusammenhang und 
öffentlicfae Stellung? Dies wäre freilich das einzige letze Mittel um sittliche und 
corporative Eigenschaften entbehren zu können: aber dann wäre auch das 
Wesen und die Bedeutung deutscher Universitäten nicht nur, sondern auch 
deutscher Wissenschaft vernichtet. Es ist möglich dass man am Ende dahin 
noch einmal, mit oder ohne Theorie, durch die Consequenz des eingeschlagenen 
WegSj gelangt, und die deutschen Universitäten diesem traurigen Ende ver- 
fallen: aber so lange es noch nicht bis dahin gekommen ist, so lange ihnen noch 
irgend eine öffentliche Stellung und erziehende Wirksamkeit, ein collegialisches 
Band, eine corporative Gemeinschaft gelassen wird, bedürfen sie auch eines 
sittlichen Bandes das di^ Einzelnen und ihre Thätigkeit zusammenhält, und 
die gemeinsamen Pflichten trägt, mag man es Gemeingeist, corporativen Geist, 
Bechtssinn, Pflichtgefühl oder wie sonst nennen — ein Band das kein6 Ge-- 
mainschaft irgend einer Art entbi^ren kann, ohne zu Grunde zu gehen. 
Wäre dieses wirklich unheilbar zerrissen, so wäre das nichts anders als das 
Todesurtheil über die Universitäten; dann bliebe nichts übrig als sie ganz 
aufzuheben und wie schädliche Geschwüre auszuschneiden. So schlimm ists 
aber Gottlob noch nicht. Wenns aber nicht so ist, und wenn mans auch 
nicht dahin kommen lassen will und darf: so muss man den bisherigen Weg 
verlassen, die angewandten künstlichen Mittel die eine so schlimme Wirkung 
gehabt haben, aufgeben, und sich zu solchen Mitteln entschliessen die nach 
Vernunft und Erfahrung allein helfen können, nämlich solche, die die organi- 
schen Kräfte heben und im Gange erhalten; indem man der guten Natur 
vertraut und das Gelingen Gott anheimstellt. 

Und im Grunde ist es ja nicht anders auf dem politischen Gebiete, 
mit unserm deutschen Volke überhaupt. Es leidet keinen Zweifel — und 
wem es früher verborgen war, dem konnten die Erfjahrungen der letzten 
Jahre wohl die Augen öfinen — dass unser Volk durdi die lange bloss 
policeiliche Cdas ist nicht mit sittlichen, sondern nur mit mechanischen 
Mitteln, mit äusserer Gewalt wirkende) Regierungsweise, durch die immer 
eingreifendere bis aufs kleinste herab sich erstreckende Bevormundung in 
allen Angelegenheiten des Gemeinwesens, vermittelst einer vielgliedrigen 
Beamtenhierarchie, die diese Angelegenheiten dem Volke aus den Hälrden 
gewunden bat und als ein Monopol treibt, allmäUg demoralisirt, entartet 
imd nun endlich wirklich politisch unmündig und unfähig geworden ist. 



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38 LHeretnr. 

Eben so gewiss ist aber, dass, so lange ihm mit conslitutionellen Formen 
allein nicht zu politischer Freiheit und Blüthe zu verhelfen und hieran nicht 
eher zu denken ist, als bis die entschwundenen Bürgertugenden, die 
diese Formen tragen mässen, wiedergekehrt sind; dass demnach vor allen 
Dingen eine sftt liehe Regeneration des Volkes bewirkt und die erschlaff- 
ten sittlichen, aufs gemeine Beste gerichteten Triebfedern der Gesellschaft 
wieder gestärkt und belebt werden mässen. Diess ist aber nur dadurch mög- 
lich , dass diese Triebfedern wieder in Thatigkeit gesetzt und beschäßigt und 
die Angelegenheiten die jetzt in den Händen der Bureaukratie sind, denen 
wieder anheim gegeben werden denen sie zukommen und durch die sie allein 
auf die rechte und gedeihliche Weise besorgt werden können. Mit einem 
Wort, es handelt sich bei unserer politischen Regeneration, wenn sie wirk- 
lich gelingen soll, wesentlich um einen Innern Heilungsprocess des 
durch unterduckte Lebensthatigkeit der höheren Organe und Stockung der 
edleren Säfte erkrankten Volkslehens; also nicht durch äusserliche mechani- 
sche Mittel, die die Krankheit eben verursacht oder verschlimmert haben, 
sondern durch die organischen Kräfte der Natur. Hier könnte man auch 
zweifelnd fragen, ob nicht das Uebel schon zu weit gekommen und die 
organischen Kräfte aufgerieben habe, als dass die Heilung gelingen könne. 
Es ist leider nur zu viel Grund zu solchem Zweifel: aber es giebt für uns 
keinen andern Weg der Rettung, wir müssen den Heilkräften der Natur 
vertrauen und das Gelingen Gott anheimstellen, sonst sind wir unrettbar 
verloren! 



in. 
L i t e r a t n r. 

Zwei Abhandlungen, als Beitrag zur Lösung der Unterrichtsfrage. Heraus- 
gegeben von Joseph C. Arneth. I. üeber Gymnasial-Studien in Oester- 
reich. II. Ueber wahre menschliche Schrift- Auslegung. Linz, Fink. 1849. 

Die beiden vorliegenden Abhandlungen beschäftigen sich nicht mit Ge- 
genständen, welche unmittelbar in den Kreis der Universitätsangelegenheiten 
gehören. Mittelbar indessen hängen die Fragen über die beste Einrichtung 
der Gymnasial-Studien unläugbar so tief mit den Interessen der Universitäten 
zusammen, dass eine Besprechung wenigstens der ersten der beiden vorlie- 
genden Abhandlungen in diesen Blättern kein Missbrauch derselben für fremde 
Zwecke genannt werden darf, indess über die zweite ein paar Worte zu 
sagen nicht verwehrt sein kann. Die erste Abhandlung ist schon im Jahre 
1838 auf Veranlassung einer Aufforderung der k. k. österreichischen Studien- 
Hofcommission an die Gymnasial - Studiendirectorate von dem ungenannten 
Verfasser mit dem Titel: Bemerkungen über die Mängel der österreichischen 
Gymnasial -Einrichtung und Vorschläge zur Verbesserung geschrieben, und 
von Herrn Arneth im Jahre 1849 herausgegeben worden. Beide Mänli^, 



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UteraUir. 99 

der Heran^geber und der Verfasser, stellen sich auf die Seite derjenigen, 
welche die Pflege der Naturwissenschaften, den Realismus von dem Umkreis 
der Gymnasiallehrgegenstände ausgeschlossen und mit der Pflege des Ciassi- 
sehen die des Christlichen verbunden wissen wollen. Sie besorgen, dass 
durch die Aufnahme des Realismus nur eine Halbheit der Bildung erreicht 
werde, welche unter allen hier möglichen Uebeln das schlimmste sein würde 
In der That müsste man ihnen beipflichten, wenn ihre Besorgniss sich als 
gegründet erweisen sollte. Wir können uns aber nicht davon überzeugen, 
dass hier in der Sache selbst eine wesentliche Gefahr liege, wenn der Rea- 
lismus in der Unterordnung aufgenommen würde, in welcher allein man seine 
Aufnahme bevorworten kann, geben jedoch gerne zu, dass bei mangelhafter 
Organisation und bei unzureichenden Lehrkräften und Lehrmitteln das vor- 
gesteckte Ziel nur zu leicht verfehlt werden kann. Gewiss müssen die das- 
sischen Studien stets der eigentliche Kern und Schwerpunkt der Gymnasial- 
Bildung bleiben , aber wir halten es für möglich , ohne Gefährdung dieses 
Hauptzweckes die realistische Bildung in dem Umfang damit zu verbinden, 
in welchem sie durch den Begriff der zu erzielenden christlichen Humanitäts- 
f^iidang, in welcher die naturwissenschaftliche Bildung ein Moment ist, ge- 
fordert erscheint. Mit Recht verlangt der Verfasser neben den Gymnasien 
(da wo sie noch nicht sind) Realschulen, in welchen die naturwissenschaftliche 
Bildung den Schwerpunkt bilden muss. Aber mit Recht haben bereits aus- 
gezeichnete Realisten den Realschulen das Studium wenigstens der lateinischen 
Sprache vindicirt und es ist vorauszusehen, dass dieser Forderung bald genug 
Beachtung wird geschenkt werden müssen. 

Der Verfasser bezeichnet mit gründlicher Sachkenntniss in der ersten 
Hälfte der Abhandlung die Mängel, an welchen die österreichischen Gymnasien 
bis dahin gelitten haben, wobei er überall von richtigen Grundsätzen geleitet 
wird. Die sechs Punkte, die er hier ausfuhrt, gewähren einen tiefen Blick in die 
Schäden, von welchen das österreichische Gymnasialschulwesen sich behaftet 
zeigte. Mit Recht klagt der Verfasser über die Zuweisung von zu wenig 
Zeit für die Gymnasial -Studien und Uebungen, indess den Prüfungen unver- 
hältnissmässig viel Zeit zugewendet gewesen sei. Kamen doch von den 
zehn Schulmonaten jährlich vierzehn Wochen auf die Monat- und Semestral- 
Prufangen des Gymnasiums, wovon auf jede Schule mehr als zwei Wochen 
tr&fen, das tägliche Abfragen der SchuUectionen und die wöchentlichen 
Wiederholungen nicht gerechnet. Von der Art, wie das Lateinische und 
noch mehr wie das Griechische betrieben wurde , giebt der Verfasser ab- 
schreckende Schilderungen. Zweitens zeigt der Verfasser, dass die Anfänger 
zu wenig vorbereitet zu den lateinischen Schulen kamen. Drittens ging nach 
ihm die herrschende Methode v/eit mehr auf das Auswendiglernen, als auf 
das Verstehen und Aneignen, mit völliger Ausserachtlassung der bekannten 
Erfahrung, dass man Alles, was in den Verstand gebracht wird, desto sicherer 
behält, was aber bloss im Gedächtniss haftet, leicht wieder vergisst. Hieran knüpft 
der Verfasser sehr beachtungswerthe Bemerkungen. Viertens findet der Ver- 
fasser die Lehrbücher theils veraltet, theils den Schulen nicht angemessen. 
Fünftens zeigt er, dass die Gramaticalklassen , besonders die unteren, in 
grösseren Städten überfüllt waren und endlich sechstens weiset er darauf 
hin, dass der gute Erfolg des Studirens vorzüglich von gul unterrichteten, 
geschickten und praktischen, wohlgesitteten, wohlmeinenden und berufseifrigen 
Lehrern abhänge. Er klagt darüber, dass es in Oesterreich gar keine An- 
stalten gebe, wo solche gebildet werden könnten, dass vielmehr alle Vor- 



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80 Corre^pondenz. 

bereitung und Bildung dazu, wenigstens in Gymnasien, jedem selbst über- 
lassen werde und dass man zur Anstellung nebst guten Studien- und Sitten- 
zeugnissen nur die hinreichend gute Beantwortung einiger Fragen über die 
einschlägigen Lehrgegenstande und Methodik und eine Probevorlcssung 
wegen des Vortrags fordere, für die Humanitätsclassen auch noch, dass 
einer in den Grammaticalclassen unterrichtet habe. Was bei so geringen 
Anforderungen an die Candidaten des Gymnasiallehramts aus den Studien 
werden musste, bedarf keiner näheren Beleuchtung. Bevor sich nun der 
Verfasser der Darlegung seiner Reformvorschlage zuwendet, schickt er 
einige Bemerkungen voraus, die von Wichtigkeit sind, deren Besprechung 
uns aber zu weit fähren würde. In sechszehn Punkten legt der Verfasser 
seine Reformvorschlage vor, welche uns in allem Wesentlichen trefliich ge- 
dacht erscheinen und durch deren Verwirklichung die Gymnasialstudien in 
Gestenreich bald einem erfreulichen Aufschwung entgegengeführt würden. 
Es würde zu weit führen, die einzelnen Reformvorschläge hier mittheilen 
zu wollen- Wir begnügen uns, auf deren innern Werth aufmerksam gemacht 
zu haben. 

Die angehängte Rechtfertigungsbeilage aus Stellen von anerkannten 
Gewährsmännern, welche die grössere Hälfte des ersten Heftes dieses Buches 
einnimmt, enthält grösstentheils vortreffliche Gedanken über den Werth und 
die hohe Bedeutung der classischen Bildung und über die Nothwendigkeit 
einer ernsten und strengen Jugenderziehung. Bemerkenswerth ist darin der 
Brief eines Unterjägers des lOten Jägerbataillons an seinen hochw. Hrn. Pfarrer 
zu Hellmonsödt aus Santa Lucia, den 20. Juni 1848, der nicht Lehren gibt, 
sondern zeigt, dass auch in Oesterreich vor dem J. 1848 guter Unterricht 
in empfänglichen Gemüthern treffliche Früchte gereift hat. Der Brief, Scenen 
aus dem italienischen Feldzug schildernd, ist höchst lesenswerth. 

Die zweite Abhandlung im zweiten Heft: „Ueber wahre Schriftauslegung^^ 
bezieht sich nur insoferne auf die Unterrichtsfrage, als die Grundsätze der 
wahren Schriflauslegung einen Theil der Kenntnisse und Fertigkeiten aus- 
machen, die den tüchtigen Lehrer befähigen, seine schwierige Aufgabe zu 
lösen. In dieser Rücksicht ist aber auch die genannte Abhandlung sehr 
werthvoll. Mit ausgezeichneter Klarheit werden die richtigen Grundsätze 
entwickelt und durch reiche Nachweisungen aus den geistvollsten Schrift- 
stellern älterer und neuerer Zeit erläutert. Wenn wir auch über ein paar Punkte 
mit dem Verfasser zu rechten hätten, so kann uns dies nicht hindern, die Ab- 
handlung als eine jedem Schulraanne sehr empfehlungswerthe zu bezeichnen 



IV. 

Gorrespondeiiz. 

o. Tübingen, 4. December. cF>c<inen«. Honomrbefreiong.) An unserer Uni- 
versität Studiren dermalen 1) evangelische Theologie 129 fim K.Seminar 56, 
in Her Stadt 46 Wurttemberger und 27 Ausländer); 2) katholische Theo- 
logie 131 (im K. Wilhelmsstift 67, in der Stadt 21 Württemberger und 43 
Ausländer); 3) die Rechtswissenschafl 200, darunter 29 Ausländer; 4) Me- 
tficin und höhere Chirurgie 120 (Wurttemberger 64, Ausländer 19, dazu 
16 Pharmaceuten und 21 Chirurgen); 5) Philosophie 172 (Würtcmberger: 



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CorrtspoodflM. 3 i 

9) im K. Seminar 61, b) im K. Wilhelmsstift 74, o) in der Stadt 25j Aas- 
länder 12); 6) Staatswissenscbaflen 53 (12 Begiminalisten, 34 Caroeralisten, 
7 Land- und Forstwirtbe). — Die Zahl aller Studirenden ist daher 805, 
darunter 130 Ausländer. In diesem Semester sind neu angekommen 236. 
Es ergiebt sieh hieraus im Vergleich mit den Personalverzeichnissen früherer 
Semester, dass die Frequenz, welche seit vielen Jahren immer die Zahl von 
850 überstiegen hatte (im Wintersemester IS^V^e betrug dieselbe 890 
Studirende), im Sommersemester 1848 dagegen auf 743 herabgesunken 
war, allmälig wieder im Steigen begriffen ist. — Die meisten Ausländer 
zählt die katholische und die juridische Facultät, welche in letzterer vorzugs- 
weise durch Canzler v. Wächter angezogen werden, der seine Vorträge über 
Pandekten fortwährend vor einer sehr grossen Anzahl Zuhörer mit dem un- 
getheiltesten Beifall hält. 

Der Aufsatz in dem Novemberheft „über das Honorarienwesen an deut- 
schen Universitäten^^ hat hier grosses Interesse erregt und man ist auf den 
ScUuss über Honorarbefreiung sehr gespannt. Es kam nämlich an hiesiger 
Universität in neuester Zeit der Missbrauch zur Sprache, welchen Studirende 
mit dem Freibitten der Honorarien bei den einzelnen Lehrern trieben, und es 
wurde in Folge hieven von dem akademischen Senat eine eigene Commission 
niedergesetzt, welche darüber zu berathen haben soll, wie diesem Uebelstand 
abzuhelfen wäre. Ueber das Resultat behalte ich mir weitere Mittheilung vor. 

X Heidelberg, Ende November, csaviguy. privardo«»iiten. r^quen».) Von 
Savigny ist auf das von der hiesigen juristischen Facultät an ihn zu seinem 
Doctor-Jubiläum erlassene Glückwünschungsschreiben eine Dankantvi^ort ein- 
gegangen. Die Privatdocenten liruch und Uettner verlassen uns; ersterer, 
zwischen dem und Henle sehr ernste Misshelligkeiten entstanden waren und 
der muthmasslich schon desshalb nicht in Heidelberg geblieben sein würde, 
folgt einem Rufe nach Basel als ordentlicher Professor; Hettner folgt einem 
Rufe nach Jena als ausserordentlicher Professor. Ein Dr. Kleinschrod aus 
Huncheh bewirbt sich, als Privatdocent zugelassen zu werden. Die Billigung 
der Facultät soll er bereits erhalten haben und die Staatsgenehmigung er- 
warten. Die Gesammtzahl der Studirenden kann ich noch nicht mittheilen, 
wohl aber die Ergebnisse der Immatriculation. Es sind bis jetzt immatriculirt 
worden 93 Studenten, welche zuerst eine Universität beziehen, 10, welche 
von nicht deutschen, und 154, welche von deutschen Universitäten kommen, 
und zwar 38 von Bonn, 20 von München, 12 von Göttingen, 9 von Giessen, 
6 von Breslau, 16 von Tübingen, 12 von Freiburg, 5 von Erlangen, 8 von 
Berlin, 4 von Jena, 11 von Würzburg, 5 von Halle, 8 von Zürich. 

Q. Kiel, Anfang December. (Frequenz. Pereonaueu.) Was sollich Ihnen über 
unsere Universität schreiben? Unsere Jugend ist unter den Waffen; nur 
einige Dienstunfähige, Krüppel sind geblieben; die Auditorien sind begreiflich 
sehr klein und mehrere Docenten können nicht lesen. Zum Rector für das 
bevorstehende Jahr ist Christiansen gewählt» In der theologischen 
Facultät starb im August an der Cholera Prof. Mau; ein Nachfolger für ihn 
soll demnächst berufen werden. Für die juristische Facultät ist jetzt Plank von 
Greifswald als Professor des Processes und Criminalrechts eingetreten. In 
die medicinische ist um Michaelis an die Stelle des nach Kairo berufenen 
Prof. Griesinger aus Göttingen Prof. Frerichs gekommen. 

= Göttingen, 2. December. iFteqnem. Landwirthscliafc. Akadeniisehea Hospiul.) 

Das so eben erschienene Studentenverzeichniss giebt die Zahl der in diesem 
Semester hier Studirenden auf 715 an, die sich folgendermaassen vertheilen: 



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32 Correspondenx. 

Theologie studiren: Hannoveraner 89, Nichthannoveraner 30, zusammen 119$ 
Jurisprudenz: Hannoveraner 120, Nichthannoveraner 138, zusammen 258; 
Medicin: Hannoveraner 114, Nichthannoveraner 76, zusammen 190; Philo- 
sophie: Hannoveraner 87, Nichthannoveraner 67, zusammen 148; im Ganzen 
sonach 404 Hannoveraner und 311 Nichthannoveraner. Im vorigen Semester 
betrug die Zahl der Hannoveraner 437, der Nichthannoveraner 327, die 
Gesammtzahl 764. Es ergiebt sich hienach eine Verminderung von 33 Han- 
noveranern und 16 Nichthannoveranern, zusammen 49. Gegen das Winter- 
semester 18^750 ^^^Ut sich die Abnahme noch beträchtlicher heraus, denn 
damals studirten hier 463 Hannoveraner, 326 Nichthannoveraner, zusammen 
789. Verminderung: 59 Hannoveraner, 15 Nichthannoveraner, zusammen 74. 
Die so wenig erfreuliche Erscheinung der Abnahme der Studentenzahl findet 
indessen ihre Erklärung zum grossen Theile dadurch, dass im vorigen Jahre 
unsere Universität einen aussergewöhnlichen Zuwachs darum erhielt, weil 
mehrere andere Universitäten, die von Norddeutschen stärker besucht zu 
werden pflegen, der politischen Verhältnisse wegen mehr gemieden wurden. 
Nachdem jetzt dieser Grund der ausserordentlichen Zunahme hinweggefallen 
ist, kehrt die Zahl zu dem frühern Durchschnitt zurück. Doch mögen zu 
der Verminderung hier und da noch andere Gründe beigetragen haben. Auf 
die Frequenz der Mediciner z. B. dürfte der Abgang von Frerichs, der eine 
Professur in Kiel angenommen hat, ungünstig eingewirkt haben. Seine 
Vorlesungen, besonders über allgemeine Pathologie, waren hier zuletzt wohl 
die besuchtesten von allen des betreffenden Faches. — Ausserdem rührt die 
Abnahme, auch daher, dass die Zahl der Theologen, welche früher sehr 
constant war, in der letzten Zeit merklich abgenommen hat, gegen das vorige 
Jahr um 27. Selbst im Jahre 1846, wo die Gesammtzahl der Studirenden 
nur 609 war, also 106 weniger als jetzt, betrug die Zahl der Theologen 23 
mehr als jetzt, nämlich 142. Der Ausfall daran trifil fast ganz auf die In- 
länder. Dürfte man daraus schliessen, dass die Zahl der Theologie studiren- 
den Hannoveraner überhaupt abnimmt, so wäre dieses eine sehr erklärliche 
Erscheinung, da die Menge der Candidaten der Theologie so gross ist, dass 
sie regelmässig erst nach dem 36. Jahre zu einer Stelle gelangen können. 

Von vielen Seiten ist in den letzten Jahren der Wunsch ausgesprochen 
worden, dass an hiesiger Universität eine höhere landwirthschaftliche Lehr- 
anstalt errichtet werden möchte. Ein solches Institut könnte hier um so 
mehr auf einen starken Besuch rechnen, als nicht nur in dem so überwiegend 
Ackerbau treibenden Königreich Hannover, sondern im ganzen nordwestlichen 
Deutschland ein solches bis lang gänzlich fehlt. Der Besuch einer süddeutschen 
derartigen Anstalt ist aber für den norddeutschen Landwirth entschieden von 
geringerem Nutzen wegen der grossen Verschiedenartigkeit der landwirth- 
schaftlichen Verhältnisse. — Diesem VfTunsch nun ist die Regierung insoweit 
nachgekommen, dass sie Griepenkerl, einen praktischen Landwirth und Schüler 
Liebigs, als Professor der Landwirthschaft berufen hat. Im nächsten Semester 
wird er seine landwirthschaftlichen Vorlesungen eröffnen. Hoffentlich darf 
man diese Berufung nur als den Anfang zur Ausführung eines grösseren 
Planes betrachten. Zu wünschen wäre, dass alsdann die Verbindung einer 
höhern Forstlehranstalt mit der landwirthschaftlichen einträte. Es würde sich 
dieses um so leichter bewerkstelligen lassen, als die bisher zu Münden be- 
standene Forstlehranstalt für das Königreich Hannover seit einiger Zeit auf- 
gelöst worden ist. Die Reconstituirung derselben sollte nirgend anders, als 
hier geschehen, wo mit viel geringern Kosten Bedeutenderes geleistet werden 



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köonte, if^m es Uer oicht erfordarlich wäre, Lehrar für die Hulfewisseti- 
Schäften, als Naturwissenschaften, Mathematik u. s. w. besonders zu bestellen. 

Seit Anüang dieses Semesters ist das neu erbaute akademische Hospital 
eröffnet, in welobem die früher getrennten Kliniken, ausser der geburtsbülf- 
lichen, jetzt sämmtlich vereinigt sind. Dieses in grossartigem Massstabe er- 
baute und eingerichtete Krankenhaus hat Platz für etwa 200 Kranke, gegen- 
wirtig jedoeh Betten und Einrichtung für 160, die so vertheilt sind, dass 
60 Bettea der chirurgischen Abtheilung uater Prof. Baum , je 40 den beiden 
Ahtheilungen für innerlich Kranke unter den Proff. Conradi und Fuchs und 
20 der für Augen-* und Ohrenkranke unter Praf. Ruete zugewiesen sind. 
IMe beulen Abtheilungen für innerlich Kranke sind so geschieden, dass die 
eine für minnliche, die andere für weibliche Kranke bestimmt ist. Die Vor« 
stände derselben wechseln mit einander ab. Ausserdem ist noch ein Separir« 
haas für ansteckende Krankheiten vorhanden. In diesem Augenblicke sind im 
Hospitale 105 Kranke aufgenommen. Ein böser Gast, der einige Orte in 
der Umgegend Göttingens hart mitgenommen hat, die Cholera, hat sich in 
einzelnen Fallen auch in dem neuen Hospitale gezeigt, jedoch glücklicher- 
ireise keine weitere Verbreitung gefunden. 

y. Leipzig, Anfang November. cAkademisehe Preuanfgaben.) Von den all- 
jährlich bei unserer Universität ausgeschriebenen 6 Preisaufgaben — von 
denen drei von feder der drei oberen Facnltäten, drei von den verschiedenen 
Classefi der philosophischen Facultat gestellt werdet — sind diessmal drei 
gar nicht z« lö^en versucht worden, eine vierte (die der I. Ciasse der pbi- 
losephiflchen Facaltät) von einem Einzigen nur ungenügend beantwortet und 
nur die Bewerbungen um zwei sind überhaupt In Betracht zu ziehen gewesen. 
Es Bind dress die theologische Preisaufgabe (über die Lehre Christi und der 
Apostel vom öiTentlichen Gottesdienst), welche von Einem bearbeitet und 
diese Arbeit awär nickt des Preises, aber deich dies Lobes des Fieisses würdig 
befunden worden ist, und die juristische (über das prätorische Pfandrecht 
«nd deissett wesentlidisten UnterM^ied von den andern Arten des Pfandreohts). 
Unter die drei Bewerber um diesen Preis (die Studenten Oertel aus Meissen, 
Handel aus Dresden und Rüper aus Königstein} ist der Preis mit ^g, Vs ^^^ 
Vs vertheilt worden. Die fiär das nächste Jahr gestellten Aui^gpiben sind 
folgende: a) von der iheolegischen FacuUät: Explicetur de fidei justificantiii 
in Ubris ecclesiae Lutheramae symholicis propositae natura et causis; b) von 
der juristischen Facultätü Exponatur de notionie exoeptionis peremtoriae, 
qnomodio diffeorant jus romanum et gemanibum., quäle connstitutum est in 
legibus imperii; e).¥on der mediciniscäenFaQultit die wiederholte vorjUbrige 
Aufgabe: Accunata aegrotoram neonuUoriim observalione inquiratur primum, 
quinani ntusculi in hominibus bemiplegia aifectis paralysi neu laborenl et 
quam divierso goadu diversaie outis partes in latere paralytico sensu priventur, 
deinde quid' ex bis obsievvationibtts et e sectionibus hemiplegia mortuorum 
ab alüs. deecriptis coneludendum sit doceatur; und die neuer Indagetur di- 
vernia diei tempoiribus in homine vel in besüa coagulatio sanguinis, ut intel^ 
ligatur, wm etborum potuumve fructus aut tempus ad coagulationem per« 
ficiendag» necessarium aut copiam fibrinae in conspeetum prodeuntis mutet. 
Quem in finem haec observationis ratio commendatur, ut gutta sanguinis 
flu^btts to^iQis yitr^is interposita vase ita inclod^tur , ut exsiccari nequeat, 
cQagu^iikiope ppst aliKpi^d tempvs facta rete subtäissimum fibrarum obser- 
vet^; fl) vpn der pbilosop)i|schen Facultat, und zwar deren 1. Cl.: In-* 
vfistiigetor^ ^int^e q^9e duobiiup ]ibm feruntur M* Cioer^Hiis ad Briitum et Bruti 

Akadem, Monatttchrift. Januar 1851. 5 



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34 Correspondens. 

ad Ciceronem epistolae vere ab illis hominibus, quonim nomiiHa inscripta 
habent, scriptae necne; 2. Cl. Schillerus, in philosophia Kantn disdipulus, 
quibus in rebus a Kantio dissenserit; 3. CL: Inquiratur, quaenam existant 
in metallorum vi electromotoria et resistentia ex ipsorum cnm aliis inixtiooe 
mutationes. 

€. München, den 22. November. (Anfang der Vürlesmigen. Pnlfongen. ReetorwahL 

Medicus. Sepp.) Die Vorlcsungen für das Wintersemester 1 8^751 wurden hier 
in der theologischen, staatswirthschaftlichen, medicinischen und philosophischen 
Facultät in der ersten Woche des Novembers eröffnet; jene in der juridischen 
Facultät begannen erst Montag den 18. dieses, da die theoretische Schluss- 
prüfung der Rechtscandidaten vom 1. October bis 12. November wahrte. Im 
Ganzen haben sich 279 Rechtscandidaten für dieselbe gemeldet; 177 wurden 
für befähigt erklärt, 70 haben sie nicht bestanden, 32 von den angemeldeten 
sind nicht erschienen. — In Folge allerhöchsten Rescripts wurde am 16. No« 
vember für den nach seiner Wahl zum Rector magnificus für das Jahr 18^/51 
2sum Ministerialrath ernannten Prof. ord. Dr. v. Hermann eine neue Rector- 
wahl vorgenommen. Rei derselben erhielt die meisten Stimmen der vorjah«^ 
rige Rector, Prof. ord. und Hofrath Dr. v. Bayer 35, nach ihm der Prof. 
ord. der staatswirthschaftlichen Facultät Dr. Schafhäutl 22 Stimmen. Die 
Zahl der an der Wahl sich betheiligenden Professoren betrug 59. Die JJni*- 
versität . hat seit dem Schlüsse des Sommersemesters einen ihrer ältesten 
Lehrer, den Hofrath und Prof. ord. der staatswirthschaftlichen Facultät, i>r. 
Medicus, durch den Tod verloren. Dr. Sepp, früher Privatdocent in der 
philosophischen Facultät, seit dem Jahre 1847 Professor am Lyceum zu Am- 
berg, Mitglied des Frankfurter Parlaments und des bayerischen Landtagßs, 
wurde im October zum Prof. extraord. in der genannten Facultät ernannt. 
Nach dem Besuche der CoUegien zu schliessen scheint die Frequenz der 
Studirenden im laufenden Semqster nicht abgenommen zu hab^n. : . 

i. Miün eben, den 28. November. cRectomahu sunograpiiie. verbindungvii.) Die 
in unserer letzten Correpondenz als bevorstehend angezeigte neue Rector^ 
Wahl hat bereits stattgefunden. Hofrath v. Ray er hat die meisten, unter 
60 Stimmen 35, auf sich vereinigt, und ist somit auch für das Studienjahr 
18^751 Rector Magnificus unserer Universität. Es verlautet, dass die Studen- 
tenschaft, aus Anlass seiner Wiedererwählung, einen Fakelzug zu veranstalten 
beabsichtige. — Einen neuen Lehrer der Stenographie hat unsere Universität 
an dem Rechtspraktikanten Gerber, einem der tüchtigsten Schüler Gab eis- 
bergers, erhalten. Des Verblichenen Werk über deutsche Stenographie ist 
in ein^r» 2. Auflage erschienen, welche nach seinen Unterlassenen Papieren 
vom hiesigen Stenographen -Central -Verein besorgt worden. — Die Vor- 
lesungen .haben, allgemach wieder begonnen, die juristischen erst in der 
vorigen Woche. — Die farbigen Mätzen verschwinden wieder mehr und 
mehr. Von den neuern Verbindungen, welche dem Jahre 1848 ihr Entstehen 
verdanken, geht eine nach der andern schon zu Grabe. So haben ^ieh erst 
kürzlich wieder 2 davon, die Gothia und Norica, aufgelöst. Der BeseUvss 
der Regierung , wodurch die Gesellschaft der Waiblinger für einen politi- 
schen Verein erklärt worden ist, wurde vom Ministerium wieder aufgehoben. 

l, München, den 1. DeCember* (Fackelzug, verein «ur Unterstätzung dürftiger Stu- 
dien der *) Der Fackelzug zu Ehren des Rector Magnificus v. Bayer hat gestern 
Abends stattgefunden. Zu bedauern ist, dass derselbe nicht von der ge- 
sammten Studentenschaft, sondern nur von 5 Verbindungen gebracht wurde, 
und so das Ansehen einer blossen Parteidemonstration erhielt Der Studeti-^ 



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CoffPQfponddM* 35 

tettMSSchil&$ hatte eiiiBil darauf bezfigliohen Antrag abgelehnt. — Der Aus- 
schuss des Vereins zur Unterstützung dürftiger Studirender bat einen aus- 
fabrlichen Bericht über den Bestand und die Wirksamkeit des Vereins im 
Stadienjahlre IS^Vbo veröffentlicht. Daraus entnehmen wir, das die Gesammt- 
einnahme, welche dem Ausschuss des Vereins im Laufe des Jahres zufloss, 
sich aof die Summe von 1302 fl. 39 kr. belauft, welche in grösstentheils 
monatlidien Gaben von mindestens 3, höchstens 7 fl. an 53 Studirende ver- 
theilt worden« Der zeitige Ausschuss des Vereins besteht aus den Herrn 
Professoren Dr. Haneberg, Dr. PözU Dr. Schneider, Dr. Fraas und Dr. 
Lindemann und aus 8 Studenten als ordentlichen und 3 Ehrenmitgliedern. 

= Würz bürg, Ende November. Die Frequenz unserer Universität 
steigt seit einer Reihe von Jahren sichtlich. Seit dem Jahre 1843 bis zum 
verflossenen Sommersemester erhöhte sich die Zahl der Studenten in steter 
Zunahme von 484 bis 606. In diesem Augenblick beträgt die Zahl der 
Immatriculirten schon 652, und diese Zahl wird sich bis zum Schlüsse der 
Immatriculation höchst wahrscheinlich der von 700 nähern, wenn nicht die 
politischen Zustände In- und Ausländer dem Waffenhandwerk zuführen. Die 
juristische und die medicinische Facultät bieten die grössten Zahlen dar. 
Jene hatte im Sommersemester 217, diese 192 Studenten. In diesem Winter 
schlägt die Zahl der Mediciner vor, welche bis jetzt sich auf 254 belauft, 
worunter 142 Ausländer, besonders Preussen, sich befinden, während 198 
Juristen bis heute immatriculirt sind. Diese ihre Blüthe verdankt die Uni- 
versität der Sorgfalt, mit welcher unser Cultusministerium die Anträge der 
Universität auf Berufung tüchtiger Männer beachtet. Für die medicinische 
Facultät ist in dieser Beziehung seit fünf Jahren Alles Mögliche geschehen. 
Im Jahre 1845 wurde Kiwisch, im Jahre 1847 Kölliker, 1849 Virchow 
berufen, 1847 Seh er er zum ordentlichen Professor ernannt. Der grosse 
Verlust, den die Facultät durch den Abgang Kiwischs nach Frag am Ende 
des Sommers erlitt, er ist durch die Berufung Scan zoni's ausgeglichen. Der- 
selbe hat seine Stelle mit grossem Beifall der zahlreichen Zuhörer angetre- 
ten. — In der Juristenfacultäl hat seit Längs Berufung eine weitere Vocation 
flicht stattgefunden. Jetzt aber ist dazu durch Müllers freiwillige Entfer- 
nung die erwünschte Gelegenheit dargeboten. Da das Ministerium die Fa- 
cultät zu Vorschlägen aufgefordert hat, so ist die baldige Berufung eines 
tüchtigen Hannes zu erwarten. Diese ist um so mehr erwünscht, als das 
Spruchcollegium der Facultät mit Acten sehr reichlich beschickt ist. Und 
diese Praxis wird wohl auch in der nächsten Zeit nicht abnehmen, trotz der 
maasslosen AngrilTe, die ein Frankfurter Schulmeister in einem eignen Libell 
unter dem Titel: „Ein Würzburger Facultätsspruch" gegen sie gerichtet hat. 
Das Besste daran ist, dass der Herr Conrector Schwenck die Entscheidungs- 
gründe mit abdrücken liess, wodurch jedem vorurtheilslosen Leser von einiger 
Rechtskenntniss die Möglichkeit gegeben ist, die Glossen des Verfassers auf 
ihren wahren Werth zurückzuführen. Der Verfasser schliosst mit der Notiz: 
„Die Facultatsgutachten haben in hiesiger Stadt (Frankfurt) ihr ehemaliges 
Ansehen in hohem Grade verloren und dieses ist nicht ohne Grund geschehen; 
denn nur selten vermögen die hiesigen vorzüglicheren Sachwalter in einem 
oder dem andern solcher Gutachten eine achtbare Arbeit zu erkennen. Diese 
Einricbtang des Rechtsprechens scheint veraltet zu sein, und da das Vertrauen 
zu ihr sehr gesunken ist, so sollte sie ganz beseitigt werden.^' Natürlich, 
wenn dich dein Auge ärgert, so reisse es aus! Weil der Herr Conrector 
Schfvenck und Consorten in zweiter Instant ihren Prozess verloren und 



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36 All||reinein 

zw9it durch eine Confirmatoiib verloren haben, «6 tot da0 CMridMi itiMttet 
Instanz eben so za tadeln als jenes der ersten. Hitte' dagegen das hiesige 
SpruchcoUegium reformatorisch erkannt, so wfirde der Herr Conrector wahr«- 
scheinlich dem Institut der Actenversendung seine Gnade zugewendi^ haben. 
Warum aber haben die Unterlegenen kein weiteres Rechtsmittel eingele^? 
Der von Herrn Schwenck angegebene Gtund ist eine Läoberlichkdk; er ist: 
,,weil sie nicht nach Lübeck appelliren konnten!'^ Doch wir öbeilftSlsen den 
Herrn seinem Aerger und versichert ihn nur, dass es unte^ allen geMldeleii 
Völkern als Zeichen vonHohheit gilt, den richterlichen fiiptuch tu scbmihen, 
besonders wenn ein mögliches Rechtsmittel nicht dagegen eingelegt wird.' 



Allgemeiiie GorrespoBdenz. 

Aus dem Badischen hört man, dass die beabsichtigte Massregel, den 
philosophischen Cursus von den Lyceen auf die Universität zu verlegen, 
wenn auch die Mehrzahl der philosophischen Facultäten dafür sei, nicht eben 
so auch von allen übrigen Facultäten geradezu gut geheissen werde. Von 
einigen andern Facultäten seien Bedenken gegen diese Einrichtungen erhoben 
worden, welche dem Ministerium vorgelegt werden sollen. 

Die in Heidelberg studirenden Preussen, welche militärpflichtig sind, 
wurden schon Slittc November in ihre Heimath abberufen. Die Zahl der- 
selben ist nicht klein, wie eben die meisten Studirenden in Heidelberg Aus- 
länder sind. Am 22. November feierte die Universität den Geburtstag ihres 
Wiederherstellers des Grossherzogs Carl Friedrich durch Abhaltung der 
akademischen Preisvertheilung. Die Festrede hielt der derzeitige Prorector 
Geh. Hofrath Dr. Puchelt. Von den von den vier Facultäten gegebenen Preisfragen 
wurden nur zwei beantwortet, die der medicinischen und der philosophischen 
Facultät, und zwar die erste von dem Stud. Thudichum aus dem Grossherzog- 
thum Hessen und die zweite von dem Stud. Löhlein aus dem Grossherzog- 
thum Baden. Der Feier in der Aula folgte ein Mahl, welchem sich ausser 
vielen Universitätsmitgliedern Bewohner der Stadt anschlössen. Den Beschluss 
des festlichen Tages machte ein Ball, welcher in dem Museum abgehalten 
wurde. Einen der Koryphäen der medicinischen Facultät, geh» Ratb Ntgele, 
hat man bei der Feier schmerzlich vermisst. Er wurde durch eine schwere 
Krankheit, an welcher er darnieder liegt, abgehalten, diesem Feste anzu-^ 
wohnen. — Unter den Studenten hat sich ein Verein für evangelischen 
Kirchengesang gebildet. 

In Bonn hat Professor Dahlmann nach fast dreijähriger Alniresenheit 
seine Vorlesungen wieder begonnen« Er hält Verlesungen über deutsche 
Geschichte und Politik. Die letzteren namentlich haben sich einer sa grdseM 
Theilnahme zu erfreuen» dass selbst das Auditorium maximum der Universität 
nicht alle Zuhörer fassen kann. Nicht blos die Studirenden alier Facultäten, 
sondern auch Docenten und Bürger strömen in Defalmanns VerleiNmgeh 
über Politik. 

In Berlin hat am 9. November Professor StAhl ireinä VoHeimngen 
über die jetzigen Parteien in Staut nud Kirdie unter dMi ZudHmgd ^^inei^ 



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flfowm ZttMremHafI be^oAMn« E)^ tel^iokn^te^ mit seinen A^iclitidn im 
Cenlnini der jeMgen Kmihmern 211 ^t^en. 

Von München aus wird in der A. Z. berichtet, dass die dortige 
Jnristenfacaltdt sich bei dem Jubelfeste Savignys durch ein von Rudorff über^ 
gebenes in lateinischer Sprache abgefasstes ßratulatlonsschreiben betheiJigt 
habe, welches von Herwegen mit künstlerischer Ausstattung geschmackvoll 
ausgeführt gewesen sei. Ein verbindliches Antwortschreiben wurde der 
Facultat zu Theil. 

Aus Prag wird geschrieben, dass der Eifer im Besuch der in böhmispber 
Sprache gehaltenen Vorlesungen nicht sehr gross sei. Die böhmischen. Vor- 
lesungen aus dem Naturrecht weisen 8 Zuhörer auf, aus dem bürgerlichen 
6esefzf)ach 20, Gerichtsordnung 81, Nationalökonomie 34, (medicin.) Anthro- 
pologie 12, Diätetik 1, Psychologie 12, Aesthetlk lÖ, Archäologie ll, 
böhmische Sprache und Literatur 10 (diese geringe Anzahl rührt daher, 
weä jetzt bereits auf den Gymnai^ien die böhmische Sprache gelehrt wird), 
polnische Sprache 18, böhmische Grammatik 4, vergleichende Grammatik 
der slavisdien Sprachen 20, Erklärung der Königinhofer Handschrift 19, 
Grammatik und Literatur der allctassischen Kirchensprache 14. Da für die 
Vorlesungen im Ganzen über 1200 Studirende eingeschrieben sind, so ergiebt 
sich, wie wenige sich für die Vorträge in böhmischer Sprache interessiren. 
Hingegen zählen z. B. die deutschen Vorlesungen über Theorie der Politik 
363, die über Geschichte von Oesterreich 302 Zuhörer etc. — Juristen 
sollen in Prag bei 700 sein. Es hat sich daselbst ein akademischer Rede- 
verein, eine Lesehalle gebildet, woran sich viele Professoren und Studenten 
betheiligen. Die Erhebung des Cardinal Schwarzenberg zum Universi- 
tätsprotector wurde feierlich, unter andern mit einer Doctorpromotion im 
grossen Carolinnmsaale begangen. — Sehr bedauert wird, dass Dr. Wessely 
die angekündigten Uebungen und Conversatorien über die wichtigsten Materien 
des allgemeinen nnd österreichischen Strafrechts nicht halte. — Die neue 
PrülfingSGommtssion ist bereits zusammengesetzt. 

In den Zeitungen ist von einer Verlegung der Universität in OImütj& 
(mcht etwa nach Brunn, sondern) nach Krem si er die Rede; das Üniversi« 
tätsgebäude soll in eine Kaserne umgewandelt werden. 

Aus Innsbruck kommt uns die Nachrieht zu, dass Professor Beutl 
bereits seine Vorlesungen begonnen habe, wogegen das S. 501 im Novetii- 
berheOl ven unserm Correspondenten mitgetheilte Gerücht, dass Dr. Kose- 
garten aus BöJin nach Innsbruck kommen werde, sich nicht bewabrbeilet bat, 
da derselbe in Wien liest. Die Zahl der Studirenden soll sich sehr vermindert 
haben, die Italiener seien fast alle fort, da die italienischen Universitäten 
ihnen offen stdien. Auch wird als Grund angeführt, dass Phillips aehie 
Verlestmgen sistirt habe. Sehr erfreut Ist man in Innsbruck darüber, dasft 
eis Poiytechnicum dahin kommen soll. Unter den Studirenden vemnbachte 
68 einige AnfregiiBg, dasi nur die Theologen von der Loosungspfliebl h^ 
freit, alle übrigen xohne Unterschied derselben unterworfen sein sollten^ 
während früher ein ordentliches Zengniss zur Befreiung für die Stadirendeii 
aller Faculfiäien hitreteht^. Diese Rechtsongleichheit ist nun aber gehoben^ 
indem das Ministerinm die Verordnung erlassen hat, dass diejenigen StudireiH 
den, die sich über vorschriftsmässigen Besuch der Collegien, so wie über 
Yorzugsclassen in Sitten und Fleiss aufweisen können, bei der dermaligen 
Reeniliriing vom MiltStdienste befreit sind. 

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98 MlgBnmiBe CorreppondeBi. 

In Turin ist an die Stelle de^ znräckgetretenen: 0nt6rricbt8nuai0terg 
Mameli der Senator Givia berufen worden. Derselbe hat den Profeiyiar 
Tonello, einen der ältesten Lehrer an der Universität, zum ersten Ministe- 
rialbeamten ernannt. — Der Antrag auf Errichtung eines Lehrstuhles für 
internationales Recht ging in den Kammern durch; denselben wird aller 
Wahrscheinlichkeit nach der verdienstvolle Professor F. S. Hanoi ni aus 
Neapel erhalten, Der Senat hat mit 42 gegen 13 Stimmen das Recht der 
Akatholiken und Juden zur Erlangung der Doctorwürde bestätigt 

Die Universität in Bologna, „der Stolz Italiens" ist am 5. November 
feierlich eröffnet worden. 

Die Lordrectorswahl der Universität Glasgow ist beendigt Lord Pal- 
m ersten schien alle Aussicht zu haben, diesen Ehrenposten als Nachfolger 
Sir Robert Peels zu erlangen. Allein von den vier Nationen, in welche die 
Studentenschaft nach mittelalterlicher Art getheilt ist, erhielt er nur zwei 
Stimmen; die andern zwei Stimmen fielen auf den Historiker Alison. Der 
bisherige Lordrector, Herr Macaulay gab den Ausschlag für Alison. 

Die Commissionen zur Untersuchung des Zustandes der Universitäten 
Oxford und Cambridge (A. H. S. Juniheft S. 268, Juliheft S. 310) 
halten wiederholte Sitzungen in der Amtswohnung Lord John Russeis. So- 
mit scheint Heywoods Antrag doch von Folgen zu sein. Unter diesen Um- 
ständen tragen wir eine Charakteristik der beiden Universitäten aus der 
Times nach. Unsere Universitäten, sagt sie, sind die reichsten und glänzendsten 
Bildungsanstalten in der Welt Ihr Prästigium, ihre Einkünfte, ihre Privilegien, 
und der frische Halt den sie immer in der Liebe der in ihrem Schooss er- 
zogenen Staatsmänner besitzen, machen sie zu einer Gewalt im Reich. Sie 
scheinen allen Wechselfällen, beinahe aller Aenderung enthoben ; und in der 
That, keine menschliche Kunst, kein noch so grosses nationales Opfer ver- 
möchte sie zu schaffen, wenn sie nicht bereits unter uns bestünden. Zudem 
sind sie gerade das was England verlangt. Reich, stolz und aristokratisch, 
Geld und Rang verehrend, geschäftig und nicht überbedenklich, sieht es in 
seinen Universitäten ein Alterthum älter als seine Pairie; ein architektonisches 
Werk schöner als seine Metropole; Revenuen grösser als die seiner Mil- 
lionäre; eine Arena des Ehrgeizes ermulhigender als die Politik; ein Feld 
für den Unternehmungsgeist noch offener als der Handel; ein Gepränge 
feierlicher als das seiner Höfe, und eine Organisation mächtiger als die 
seiner Parteien, seiner Municipalitäten und kaufmännischen Interessen. Es 
ist die Frage, ob das Parlament selbst so viel zur Bildung des engfischen 
Nationalcharakters beigetragen hat wie Oxford und Cambridge. Jedoch nach- 
dem die Bewunderung sich in ihrem Lob erschöpft hat, sind wir genöthigt, 
ein furchtbares Missverhältniss zwischen den Mitteln und den Leistungen ein- 
zuräumen. Sie erfüllen ihre hohe Bestimmung nicht Ihr Sauerteig durch- 
dringt nicht das Volk. Inmitten gesteigerter Anforderungen haben sie den 
Chftrakier enggeschlossener Körperschaften angenommen. Die Wissenschaft 
ist fortgeschritten; sie aber haben den Kreis ihrer Lehre enger gezogen. Die 
Bevölkerung hat sich vervielfacht, und sie haben die Zahl ihrer Zöglinge 
beschränkt. Es ist endlich so weit gekommen, dass sie jetzt weniger eine 
Universitas litterarum vorstellen als vor fünf Jahrhunderlen, oder in der 
Ceis4 fabelhaften Aera ihrer ursprünglichen Gründung*). Ein solcher Stand 



*) Oxford Ut im Jahr 873 gegrflndet; die Stiftuii(f der Unirertität Gamlyridit^ aber' wird 
Mgenhafl in das J.643, unter Sigebert, den König der Ofl-Aiigeln,.sQrQckverlegt» Die nnfasseiKUM 



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Allgemeine Corretpondem. 99 

der Diiige fordert den Widerstreit heraus. — Es ist indessen leichter die 
Mäng^el unserer Hochschulen wahrzunehmen, als die richtige Bahn der Ver- 
besserling anzudeuten. Hrn. Heywoods Rathschläge waren zu scharf, selbst 
feindselig. Was auch* ihr abstracter Werth sein mag, so ist klar, dass sie, 
wiewohl unzulänglich, unsere Universitäten in eine völlige Revolution stürzen, 
und selbst die Idee des akademischen Lebens, wie es jetzt besteht, zerstören 
wurden. Soweit wir ihn verstehen , ging sein erster Vorschlag dahin , den 
Fellows der CoUegien die Brlaubniss zum Heirathen zu verscbafTen; wobei 
er den Zweck hat, so manchen schätzbaren Gelehrten, der jetzt aus Scheu 
vor dem Cölibat eine Pfarrei, eine Lehrerstelle an einer Lateinschule ^der 
sonst einen anderen Beruf sucht, dem Goliegium zu erhalten. Was' uns be-^ 
trifft, so erschrecken wir vor dem Gedanken, das eheliche und das eollegiale 
Leben mit einander zu verbinden. Die CoUegiaten (Fellows) sind Männer ver-* 
schiedenen Alters: junge Leute, die noch vor vier Jahren Studenten waren^ 
reihen sich stufenweise an Männer, die so alt oder gar noch älter sind als 
der Collegiumsvorstand oder Provost. Sie leben in täglicher und rückhalt-* 
loser VertrauHchkeil, und bilden zugleich eine Einheit von Autorität und 
eine SIBfenfolge gelehrter Bildung, wodurch das akademische System immer 
neu gekräftigt wird. Die Ehe würde diese Einigung mit einemmale brechen. 
Es wäre vorbei mit dem geroeinsamen Tisch und dem Versammlungssaal 
(combinatton-room).^ An dereki SVeile träten elegante Besuchzimmer , steife 
Diner -Gesellschaften, Soirees und D&nngespräch bei dünnem Thee, wie* es 
die Weiblein lieben. Die Weiber, die sich selten lange mit einander fet^ 
tragen, und noch seltener Freundschaft unter sich schliessen *>, passen 
besser feir das häussliohe Leben, als für die akademische oder sonst eine 
Form des Zusammenlebens. Die männlichen und die weiblichen Fellows 
würden forwährend unter sich maulen oder hadern^ und dasepicönische Cot-« 
legium — war' es auch das Allerseelen- oder das Messingnasen (Bfezen 
nose*) Collegium 'in Oxford — wäre, bald ein Focus der Fravbaserei, des 
Seandals und des offenen Bürgerkriegs. Was die unglücklichen Niehtgra-* 
dairten C^ndergraduatäs) betrifft, so würden sie keinen Freund mehr finden 
an einem verheiratheten Tutor. Seine Frau und seine Kinder würden ausser 
seiner Vorlesung seine ganze Zeit, und natürlich alle seine Sympathie und 
Neigung dahin nehmen. Die Succession würde fast in Stillstand gerathen« 
In einem Goliegium von zwanzig Fellows träte kaum eine einzige Vacatuir 
in zwei Jahren ein, und anstatt dass die Fellowschaften jetzt dazu verwand! 
werden^ die Elite der akademischen Jugend gerade in der kritischen Zeit 
zwisdien ihrer Promotion und der Erreichung, einer BerufssteBung aufzu- 
muntern und au unterstützen, müsste man diese edeln Stiftungen zum Unter- 
halt grosser Familien verwenden, und Oxford und Gambddge würden dänn^ 
was Cobbett von der Kirche sagte , die Ammenstuben junger Ladies und 
Gentlemen*. — Unter den Heilmitteln des Hrn. Heywood war kaum eines, das, 
nach unserem geringen Dafürhalten, nicht schlimmer wäre als die Krankheit, 
die es heilen soll. Aber einige der wünschenswerthen Zwecke hat er richtig 
genug angedeutet. Wie er, so möchten auch wir unsere Universitäten all* 
gemeiner zugänglich gemacht sehen. Bei einem Gesammteinkommen von 

Geschichte dieser Hochschulen hat ein Deutscher, Professor Hub er in Berlin, geschrieben, 
und sein ins Englische übersetzte Werk ward auch in der Parlamentsverhandlung mit Ehren 
erwähnt. 

*) Goethe gibt irgendwo den nngalanten Grund an: „Die Engel kennen einander zu 
genao.^ 

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^iner halben Million ?H. St sollten Qxfprd vißd Cf^ndge jflbrliqh ei^e bin^ 
angliche Zßbl graduirter Candi(iatea für alle unsiere liberal J^ru&artßn 
liefern^ für unsere Al^gistrate, unsere freqaden GesaMtschafteo, furdiein^lifiiqben 
und CaloniaUAemter. Statt der 300 oder 400 aoHten m aUj^hrliqb 1000 
Gradi^irte liefern, und wenn wir nicht irren? so heis^t es aucb in ^en gtatuteo 
der Coilegien, dass die Zahl der Zöglinge mit den zunabmenden ^aiuinfien 
vermehrt werden soIL Die Titel Ooctor, Profe$SQr und Magister Arüium 
waren ursprunglich nicht bloss ehrende Zeugnisse mit Erfolg betriebeniier 
Studien, sondern schlof^sen die \virkliche Pflicht des Lehrens iu sioK^), und 
lio waren unsere Univiersitäten ursprünglich, grosse Anstalten des wecbsolr 
seitigen Uritorrichts. Da glauben wir Aun, es wurde fiahr lek^t sain« das 
System derTuitian zu er weitem, ohne darum von, dem akademischen Charakter 
eiii .J^ta aufzuopfern. — Lord J. Bassais Ankuodigung einer köuiglioben 
(ikümmission überraschte das Haus« und fubrte zu emer Vertagung dar Debatte« 
inwieweit die Gewalt der Krone in unsere Universitäten übergreife .dwrfe, 
das ist eine viele Jahrhunderte hindurch erhobene i aber bis jetst nach um- 
aQtscbied€i9i9 Frage* Jedoch iu dem vorliegenden Fall bat manj schont es, 
9ieht die Absicht die Contravers, und vielleicht den Widerstand aines^ifrubaretn 
Zeitalters wiaderzuerwecken. Der KronanwaJt ftntUaeis das Haus .mit der 
bastimimAe4 Yersicharung., das^ diß bieabsiabtigte Oammissiau; mur / fr^iwjjligia 
Ifaahweisa erholen foUa. Es wäre n^h^. kjug mekr zu varsuabeui «aU^ii 
wenn die Giericblshöro diese Frage jat^t 3U Gunsten dar Krone e^tsabi^di^« 
Waren erst königliche Commissionea bloiband in Oxford und Qambri^er'einr 
gapflapzt., so würden sie alsbald zwei riesei)tiafte politische Jobbaneie9^ und 
T.WtorsAbaftei», Professuren, Directorstellen und silie übrigen; A0mMr -^orl 
VW Mimischer Gunst, abhangig. Die Universitäten würden dal^ Scbauplal« 
elnas selbstsüchtigen, den Mantel nach .dam Winde .bangenden Treibeos^ di^ 
edleren und selbständigeren Gaistar würden hintangesetzt« und jede. Stella 
von darben nikonopelisirt, welcbe^ da/s jeweilige Ministeriiw daroh dicfc und 
düiio HUter^ütztep. Lerd John ,|lussel gelbst, der sio gut ats <^r.die un^ 
gliiakliebei^othwefldigkait kennt,. Mfelche einoi9liUnis|er MVeribaÜling seines 
Pa^tranats die Hände bindet, wird schwerlicb wünscbeUfdiasdiia Universitäten 
mit in diasan Kessel geworfen werden. Das bezw^akt er gewiss nichl. Anderer^ 
^\\$ aber ißt an allan unseren Hochschulen vieles, was einer Aanderung be^ 
darf), pnd leider laideu sie, so scheint es, an einer Unfähigkeit siah selbst 
SM baUen. Jadenfalls sebeinan sie einen Ansporn von süssen zu eriwarten* 
In Neusüdwales soll eine Univers^ät errichtet werden. Der Ort di&* 
ser neuen Stifhißg wird Sidney sein« Zur AulTuhrung des Gebäudes sind 
30O0O, ^«r inneren Einrichtung 5000 Pf. St beiwilligt. Gteieh Anfangs soll 
es Lehrslühle gebion für die dlassisehen Sprachen , ifur Mathematik ,- -(Siemie, 
NiaSuFgesehichte , Natorwissenscbaften^ JMecbanik, Physiologie und Madioiii. 
SfdAeT soUen Professuren für Geschichte, Physiofogie und Staatswivtbseiitß 
hinzukommen. Eine theologische Facultät soll nicht gegründet rnid ebenso- 
wenig ein religiöser Testeid erfordert werden. Weil för die erste Zeit von 
den Hooorarien der Süidirenden eine reiche Erndte nicht zu erwarten steht, 
sind die. LehvstäUe in einer Weise bedacht worden, die an sidi geeignet 
scheint, in ihrem Fache hervorragende Männer zur Bewerbung zu veran- 
]^I^V^ Per Pr^fesspr der classi^chejQ Sprachen soll jalir^ph 800 Pf^ l^aben 

ßif) eqgliMben ProffssDren ha^ien ji^^ vufp IJhei] lOfihr die Sj^llf)^,deut8cber Alta^emie- 
Mitglieder : sie liegen literarischen Arbeiten ob ohne die Verbindlichkeit zu VorlesuDgen. 



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PM|ffamiii0ii*LUeraftar. 41 

vBd zugleich Rector der Universität sein. Die Gehalte der übrigen Pro- 
fessoren wechseln zwischen 3 — 400 Pf. Ausserdem soll Jeder bis zum Ein- 
zage in das zu errichtende Gebäude jährlich 100 Pf. Wohnungsgeld, und 
wenn er aus Europa kommt, ebensoviel für Reisekosten empfangen. (BLf.l.U.) 



VI. 

Pro^anmen - Ltterator. 

I. Halle. A. Progr. f. d. Wintersero. IS^V«. 5 S. — Der Hr. Verf., 
Prof. M. H. E. Meier, z. Prorector, behandelt die dunkle und verdorbene 
Stelle bei Oajus Fr. 4. D, de coüeg, et corpor. bezüglich des angeblichen 
Solonisohen Gesetzes über die Privätsodalitäten bei den Atheniensern : „Sodales 
sunt, qui ejusdem collegii sunt, quam Graeci itaiQlav vocant. His autem 
potestatem facit lex pactionem quam velint sibi ferre, dum ne quid ex pu- 
Nica lege corrumpant. Sed haec lex videtur ex lege Solonis translata esse; 
nam illic ita est: ^Eav de drtiog r) wnccTOoes v Isodiv ooyliov 9) vaikav in 
avvaiTOi r o/iiOTag)oi rj d-iaoofrai rj eTti llav oixofisvoi r) eig efiTtOQvaVj tt 
Sv TOVTWV diaStSvrai tcqoq cillfjlovg xvqiov slvaiy iav fir^ anayoQevat] dfj^ooia 
yQCtfÄfACPca^*' Der Verf. will mit Zurückweisung anderweitiger Vorschläge die 
Stelle lalso verbessern: 'iBav dk ö^fiog r (poaTO^g t^ o^yeviveg t) vavn^a— 
Qlaiij yevvfjTai i] avaaiTOiij ofiotaipoi rj -d-iacfZtai t] enl lelav oixifie^^ 
voi fj elg efiuoqlav otlovv Siad-iavtai nqos olIXtjXovs^ )Cüqiov ehaiy iav /ar] 
TL TOVT(ov ccTtayoQsvT] Sefioffia yQcc/njtiaia. Er glaubt übrigens, die Worte 
seien nicht von Solons Hand, weil sie nicht das alterthümliche Colorit jener 
Zeit an sich trägen und Selon wohl geschrieben haben würde: juij ana^ 
yoQStxaaiv ol vofioi^ um andere angeführte Gründe hier zu übergeben; 
sie mdchten sofort einer der späteren Passungen der Solon'scben Gesetze 
angehören. Mit Uebergehung der vier ersten Societäten, die einen mehr 
öffentlichen Charakter gehabt hätten, reducirt der Verf. sodann die übrigen 
Societäten, die einen Privatcharakter haben, auf drei Classen: 1) die ^ia*- 
amaij Mitglieder religiöser Vereine, um einer Gottheit Opfer, Chöre 4bc. 
anzustellen; 2) die, wdche int Xaiav oder eis ifinoQiav sich vereinten; 
endlidi 3) die irvaairoi und 0fA(naq>oiy welche Genossenschaft darin bestanden 
haben dürfte, dass sich ihre Mitglieder auf gemeinsame Kosten eine gemein- 
same Grabesstatte hätten errichten lassen. 

B. Progr. f. d. Wintersem. IS^Vso- * S. — Die Ausgabe der Rede 
des Demostk, in Aristocr. von E, G. Weber veranlasste den Verf., Hrn. 
Prof. Meier, zuerst einige in den Text anfgenommene Lesart^ zu miss- 
billigen. Er verwirft nämlich in der Hypothesis die Lesart p. 9,: EiSvxhijg 
08 Tig &aaiog top Sij/novy und billigt H.Wolfs Conjeotur: O^laaiog. In 
der Rede selbst §. 39 spricht er sich für die Lesart der meistefn Handschrif- 
ten axvxrj^aztov statt ddixrifidtcjv aus, weil die Redner euphemistischer Weise 
Unbilden und Verbrechen gerne mit den Worten „ Unfall ^^ oder „ Unglück ^^ 
bezeichnet hätten. — §. 94 erklärt er sich für die Lesart des cod. 2.: lürag 
av Tjv TOVTO, statt ^awg av r/cTOv ijv deivov denn der Sinn sei: „illud 
(quod quis rei elevandae causa prae>j^ ferret) fortasse haberet yeri spe- 
ciem." — S. 140 verlangt er oti av ^S-slrj ßaailsvg statt Sri av S'elri 
ßaailevgy weil nach constantem Gebrauche der Redner S^ileiv nach anem 

Akadem. MonfttMclnrtft. Januar 1851. 6 

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42 Pro^mmen - Literatur. 

Consonant nur in der Formel iav (et) d-eog C^eot) d-kXri i&khaaiy ^ekei) 
vorkomme. — §. 205 verwirft er nebst der Lesart Beckers und Sauppe's 
üaglcov auch die Conjeclur Webers naQovaav und erklart sich unter Bei- 
bringung mehrerer Gründe für das aus der Lesart naglcjv entstandene 
ncaqiov. — Sodann geht der Verf. zum Commentar über und tadelt einige 
Erklärungen des Herausgebers. So bedeute §. 86 e^insQ xai älkog Tig nicht 
den höchsten Grad einer Sache, sondern nur „unum ex omnibm, so gut 
wie irgend eins, eins der besten". — §.97. xazaQataL xad^ ezaozrjv 
exxkijaiav 6 xr^Qv^ — tl zig i^anaj;^ Uycov jj ßovlTjv ... sei Uycov nicht mit 
xataQarai^ sondern mit k^afcai;^ zu verbinden. — §. 209. v/nlv de ovds^ 
fiiag TJf^iQag iq)6di<x iariv ev xo^ß xoivqi, aXl afia del ti tvouiv xal nod-ev 
ovx ex^ze, ergänzt er nach nod'ev nicht itpodia et/Tuiy sondern noirjTe. — 
Am ausführlichsten behandelt der Verf. Gegenstände, welche sich auf die 
griechischen Antiquitäten bezichen. §, 22. jLxa^eiv dt zi^ ßovlijv rrpf iv 
^^Qsiip Tvayq) q)ovov zQavfiazog ix fCQOvoLag xai nvQxa'Cäg^ bezieht 
er die Worte ix nQOvoiag allein auf zQavf,icnog^ nicht auch auf q)6vov und 
TtvQxaCag, weil wohl zQavjucc ix KQOVoLag^ aber nicht q>6vog^ ix TiQOvoiag, 
nvQxdCag ix tiq. vorkomme, indem q)6vog ohne Beisatz von axovaiog schon 
an und für sich den q>6vog hxovaiog bedeute, wie auch nvQxaCa schon für 
für sich allein boshafte Brandstiftung bezeichne. Weiter widerlegt er die 
von Weber p. 176 aufgestellte Behauptung, dass in Athen die Tödtung eines 
Insassen (inquihni) mit Verbannung, die Tödtung eines Bürgers mit dem 
Tode bestraft worden sei; im Gegentheile sei diese ungleichmässige Bestra- 
fung um so weniger wahrscheinlich, als bei den Atheniensern die Tödtung 
eines Sclaven auf gleich strenge Weise wie die eines freien Menschen 
bestraft worden sei, und als bei Bestrafungen von Mordthaten mehr religiöse 
als civilrechtliche Rücksichten obgewaltet hätten. Ohnehin sei es nicht rich- 
tig, dass der Mörder eines Bürgers immer mit dem Tode bestraft worden 
sei, da ihm ja erlaubt war, nach der ersten Vertheidigung das Vaterland zu 
verlassen, wenn er einen ungünstigen Ausgang seines Processes erwartete. 
Und so führt der Verf. noch Mehreres gegen Webers Meinung an. — 
§. 28. wird das mit o xaziod^ev vo^og bezeichnete Gesetz von Weber so 
erklärt, als sei es aus dem Gesetzbuche auf die untere Seite des Blattes 
Papier, von welchem der Schreiber die citirten Gesetze ablas, geschrieben 
gewesen. Dieses bestreitet Hr. Meier, weil der Redner mit den treffenden 
Worten nicht zu dem Schreiber, sondern zu den Richtern spreche, denen es 
gleichgültig gewesen sei, auf welcher Seite des Blattes Papier das abge- 
schriebene Gesetz gestanden habe. Sofort meint er, dass, wie sonst an den 
Wänden und Thüren der verschiedenen Gerichtsstätten die einschlägigen 
Gesetze zur Handhabung geschrieben gewesen seien, so auch das hier 
gemeinte Gesetz an den Wänden der Heliäa niedergeschrieben gewesen und 
desswegen o xaxia&ev vofiog genannt worden sei, weil es nicht, wie viele 
andere Gesetze über den Mord, an der Gerichtsstätte des Areopagus, son- 
dern an den Wänden der Heliäa, und zwar vielleicht gerade das treffende 
Mordgesetz allein, gestanden habe. So erkläre schon Didymus richtig: 
Jidvfxog ijüOiy q>7]ai^ %rjv rhaiav UyeL dia z6 zcov dixaazJjQiwv zcc fikv ävio 
za de xazü) ovofxa^ea&ai, — §. 68. p. 268 ed. Web. wird ein leqov zeXetov 
richtig als solches definirt, bei dem das Schlachtopfer erwachsen und fehler- 
los sei, gegen Weber, welcher es als aus drei Opferthieren bestehend er- 
klärt. — §. 77 wird aber das Judicium iv (DQeazzol im Sinne des Demosthenes 
gesprochen, der mit Pollux VHI. 120. Bekk. Anecd. p. 311, 17 erklärt, dass 
sich diesem Gerichte diejenigen hätten unterziehen müssen, welche, wegen 

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Nachrichten von Akadenieen and Geaellachaften der Wifsenschaflen. 43 

einer unfreiwilligen Tödlnng flüchtig, vor der Aussöhnung mit den Ver- 
wandten des Getödteten einen zweiten und zwar freiwilligen Mord be- 
gangen hatten, während Weber behauptet, dass auch ein zweiter unfrei- 
williger Mord unter der vorstehenden Voraussetzung vor dieses Gericht 
ireführt habe. — Endlich werden noch einige Berrichtigungen über die 
mayoyffi q>6vov (p. 292 sqq.) und die avSQohjxpLa (p. 2973 gegen Weber 
beigebracht. 

C. Progr. f. d. Wintersero, IS^Vs^ 8 S. Hr. Prof. Dr. Volkmann, 
z. Prorector, behandelt einige verdorbene Stellen aus den ^moI xaga^ijo^ 
des Theophrastus , deren ursprünglichen Text er herzustellen sucht, und 
zwar 4) die Stelle über die eiQwveia (c, I.), 2) über die xoXaxela (c. II.), 
3) über die XaUa (c. III.), 4)^ über die oyQOixia (c. IV.), 5) über die aQS- 
axeia Cc- V.), 6) über die anovola (c. VI.). Wir begnügen uns hier mit 
der blossen Andeutung des Inhaltes, ohne die langen verbesserten Stellen 
nebst den Gründen auszuschreiben. 



VII. 

Nachrichten von Akademieen nnd Gesellschaften der Wissenschaften. 

K. Sachs. Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. 
Sitzung der philosophisch-historischen Classe vom 19. Jan.: Hr. Haupt las 
über eine Handschrift der Leipziger Sladtbibliothek (Rep. I, 74.), aus wel- 
cher er mehrere mittelalterliche lateinische Gedichte mittheilte; desgleichen 
über eine verlorene Handschrift des Livius, welche sich — einer handschrift- 
lichen Notiz des Col. Saluti zufolge — in einem Benedictinerkloster deir 
Ltbecker Diöces (Kloster Eismar?) befand, wo sie vom Markgrafen Josl von 
Mähren wahrscheinlich im J. 1375 gefunden wurde. — Hr. Brockhaus las 
über die Abenteuer des Guru Paramärsha, ein indisches Volksbuch, das von 
Babington zu London 1822 herausgegeben, vom Missionar Dubois zu Paris 
1826 in französischer üebersetzung veröffentlicht ward; Erslerer schreibt es 
dem gelehrten Jesuiten Beschi zu, Letzterer hält es für ein Originalwerk. 
Hr. B. theilt den Inhalt auszugsweise mit und schliesst sich, bei aller un- 
verkennbaren Verwandtschaft vieler darin enthaltenen Züge mit abendländi- 
schen Erzählungen gleicher Art (namentlich den sg. Schwabenstreichen) doch 
der letzteren Ansicht an. — Hr. Jahn las über die ephesischen Amazonen- 
statuen, anknüpfend an eine ans Stackeibergs Nachlass in das Dresdner 
Antikencabinet übergegangene Statue dieser Art. — Hr. Moni ms en las epi- 
graphische Analecten, unter denen besonders ein in Capua gefundenes Fest- 
Terzeichniss zu erwähnen ist, das derselbe mit einem für die Würdigung 
der späteren Stellung des Heidenthnms dem Christenthum gegenüber inter- 
essanten Commentare begleitet. — Sitzung am 7. Mai: Hr. Hänel las über 
das alte Pandectenfragment in der Handschrift Hs. lat. fol. 269 der kgl. 
Bibliothek zu Berlin. Dieser Quaternio, aus der Pithou'schen Bibliothek stam- 
mend und jedenfalls dem 9. Jahrhundert und dem südlichen Frankreich an- 
gehörig, enthält den Rest einer Pandektenabschrift , deren Original eine 
Schwester der Florentina gewesen zu sein scheint. Er gehl von $. 5 
Inst. IV, 18. bis 1. 3. Dig. I, 7; es ergiebt sich daraus, dass schon im 



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44 Nachrichten tmi Akademiean and GefellidnfteB dn Wiasemdiaftm. 

9. Jahrb. die Verbindung der Institutfonen mit den Pandeklen torkonunt, dass 
sich dagegen damals noch keine Spur von der in den gangbareren Hand- 
schriften verbreiteten Ehrtbeilung der Pandekten in drei Volumina findet Der 
Text schliesst sich meistens an die Florentina an, wogegen es auch nicht 
an einer bedeutenden Aneahl von Varianten fehlt. Für die Texteskritik der 
Pandekten zieht der Hr. Verf. hieraus die Regel, dass man sich zwar mög- 
lichst der Florentina als der vollständigsten und Justinians Zeitalter erweis- 
lich nahe stehenden Handschrift anzuschliessen habe, diese aber, weil sie 
kein Original, sondern eine Copie ist, dann zu verlassen berechtigt sei, wenn 
von der Bolognesisehen Recension »och reingehaltene Handschriften, woluii 
auch die von den Glossatoren ausser der Pisana benutzten gehören, die 
bessere Lesart darbieten. — Hr. Mommsen las über das thorische Adier- 
gesetz. Er wies nach, dass dieses Gesetz jeden anderen Namen, nur nicht 
den des thorischen führen kann, dessen ganzen Inhalt es übrigens Vermuth- 
lich aufgenommen hat. Jenes, das thorische, ist von 635 oder 636, dieses 
von 643. — Von Hrn. Haupt wurden Verbesserungen zum Livius aus Rand- 
bemerkungen von Reiz mitgetheilt. — Hr. Jahn las über die Kunsturtheile 
bei Plinius. Es ward zuerst die Stelle XXXV, 9, 36. besprochen, wo es vom 
Zeuxis heisst: fecit et Penelopen, in qua pinxisse mores videtur. Hr. J. 
adoptirt die von H.Meyer gegebene Erklärung: Zeuxis habe in seiner Pene- 
lope ein Bild der Zucht und Sitte selbst gegeben, und verbreitet sich dann 
ausführlicher über die Bedeutung von ^^og als Charakter. Sodann unter- 
wirft er die Kunsturtheile des Plinius, sowohl die kurzen pointirten Aus- 
sprüche über einzelne Kunstwerke — in welchen er Reminiscenzen aus Epi- 
grammen erblickt — als die zusammenhängenden über die Bedeutung der 
einzelnen Künstler einer näheren Würdigung mit besonderer Rücksicht auf 
die Quellen, die ihnen zu Grunde liegen. — öffentliche Sitzi^ng der 
Gesellschaft am 18. Hai (zur Feier des Geburtstages S. M. des Königs). 
Nachdem der versitzende Secretär, Herr E. H. Weber, den besonderen 
Zweck der Versammlung ausgesprochen, gab Hr. Hartenstein eine Ueber- 
sicht über seine Abhandlung über die Rechtsphilosophie des Hugo Grotius 
(welche in den Abhandlungen der Gesellsch. der Wissensch. erscheint). 
Hierauf theilte Hr. Ed. Weber Versuche mit, nach welchen man im Stande 
ist, willkürlich und mit Sicherheit die Bewegung des Herzens und den Kreis- 
lauf des Blutes auf einige Zeit in Stillstand zu versetzen , nämlich durch 
Compression der Brust mittelst der eigenen Muskeln derselben. Mehrere 
Mitglieder der Gesellschaft hatten einige Tage zuvor Gelegenheit gehabt^ durch 
die Untersuchung des Pulses, sowie auch durch die Untersuchung des Herz- 
schlags mittelst des Gefühls und mittelst des Gehörs durch das Stethoskop 
sich von dem angegebenen Erfolge zu überzeugen. — Sitzung der bis t.- 
philos. Classe vom 12. Juli: Hr. Prell er hatte einen Aufsatz über 
den Monte nuovo bei Pozzuoli eingesandt, welchem mehrere wichtige, gleich- 
zeitige Berichte über die Entstehung dieses Berges bei der denkwürdigen 
Eruption von 1538 beigegeben sind. — Hr. Westermann liest über die 
ysQQix bei Demosthenes 59, 90 zum Theil zur Widerlegung der von Vömel 
im Frankfurter Herbstprogramm 1849 aufgestellten Erk&rung. — Hr. Haupt 
theilt Verbesserungen eines Gedichtes der lateinischen Anthologie (bei Bur- 
mann V, 113) mit. — Hr. Jahn laB über einige alte Kunstwerke, welche 
Paris und Helena darstellen, und über eine metrische Inschrift, bei Kasarin 
in der Regence de Tunis aufgefunden und von Temple (Excursions in the 
Mediterranean, Lond, 1835) copirt. Hr. J. theilt sie mdt Verbessenngs- 



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PetMmtl-^NoClwB. 4S 

yorscIiKgen mit. — Hr. Mommsen las tber das Beiüner LWiiisfragnieiit 
nach Mittheilungfen von Borghesi. Es gebort hienack dem 95. Bueh der 
Geschichte des Livias (wenn es von diesem herrührt) an und berichtet über 
die Ereignisse des Jahres 681. — Derselbe las epigraphiscbe Analekten. 
Er nimmt in denselben u. A. die Echtheit des Constantinischen Edicts von 
HispeHam (bei Muratori p. 1791 ff.) gegen Muretori^s Zweifel in SchutE und 
beschäftigt sich dann mit dem Fragment von Municipalfasten (bei Muratori 
294, 1.). — Oeffentliche Sitzung der Gesellschaft am 14. Nov. 
(dem Todestage von Leibnitz): Nachdem der Secretar Hr. E. H. Weber 
den besonderen Zweck dieser Zusammenkunft hervorgehoben und zugleich 
des doppelten Verlustes gedacht hatte, den die Gesellschaft durch den Tod 
des Oberhofpredigers v. Ammon in Dresden und des Prof. Marchand in 
Halle erlitten hatte, tbeHte Hr. Aoscher aus einer grösseren Abhandlung, 
vrelche nächstens unter dem Titel : „Beiträge zur Dogmenschichte der älteren 
englisch«« Nationalökonomie'' erscheinen wird, die denMorus, Bacon und 
Locke betreifenden Capitel mit. Die vornehmsten Resultate, welche aus 
dieser Untersuchung hervorgehen, sind folgende drei : Zuerst, dass Ad.Smith 
nicht in dem Grade, wie man gewöhnlich meint, Erfinder der von ihm ent- 
wickelten Wahrheiten ist, und dass die meisten bedeutenden Lehrer, welche 
in d^r neueren englischen Nationalökonomie Epoche gemacht haben, schon 
mehrere Menschonalter vorher Vorläufer gehabt; sodann , dass der banale 
Begriff des Mercantilsystems nur mit grossem Unrechte auf das ganze 
17. Jahrhundert und auf die erste Hälfte des 18. übertragen wird, da sich 
gerade die bedeutenderen Schriftsteller dieser Zeit nicht dazu bekannt haben; 
endlich, dass England schon damals in Rucksicht auf Volkswirthschaftslehre 
das erste Land der Welt gewesen ist. Uebrigens zeigte er in der „Utopia^^ 
des Thomas Horus ein eben so warnendes als beruhigendes Analogen un- 
serer heutigen socialistischen Systeme. — Hr. Jahn sprach über die ency- 
klopädischen Schriften des Cato, Varro, Celsus und Apulejus. — 
Hr. Mommsen sprach über die römischen Inschriften der Einsiedler Hand- 
schrift und über die Benutzung derselben vor Mabillon. — Vorgelegt wurde 
eine Abhandlung von Hrn. Prell er über zwei antike Sarcophagbasreliefs 
im grossherzoglichen Schlosse in Weimar. 



vm. 
Personal -Notizen. 



Jiach Basel ist Dr. Bruch aus Mainz, bisher Privatdocent in Heidelberg, 
durch Beschluss des kleinen Rathes zum Professor der Anatomie und Physio- 
logie berufen worden. — In Bonn wurde der bisherige ausserord. Professor 
Dr. Hälschner zum ord. Professor der juristischen FacuUät ernannt. — 
An der Universität Leipzig ist der ausserord. Professor und Licentiat der 
Theologie Kahnis zu Breslau als ord. Professor der Theologie ernannt und 
der Advocat Dr. R. Osterloh zu Leipzig zum ord. Professor des gemeinen 
Processes designirt worden. 

In Bonn erhielt Prof. Dr. We Ick er, Oberbibliothekar der Universitäts- 
bibliothek, das goldene Ritterkreuz des k. griech. Erlöserordens. — In Wien 



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46 AphorismeD eioM emeritirten Professors. 

erhielt der Professor der Hunz- und Alterthumskunde und Director des 
kaiserl. Münz- und Antikencabinets , Regierungsrath J. Arneth, vom Könige 
von Preussen den Rothen Adlerorden 3. Classe und der Director der kaiserl. 
orientalischen Akademie, Dr. E. M. Selinger, vom Kaiser von Oesterreich 
das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens. 

In Paris starb am 9. Nov. in seinem 78sten Lebensjahre Joseph Droz, 
Mitglied der Akademie und der Akademie der Wissenschaften. 



IX. 

Aphorismen eines emeritirten Professors. 

Je grösser die Freiheit, desto nothwendiger die Ordnung; nur diese 
schützt gegen den Missbrauch der Freiheit. Wie überall, so sollte dies be- 
sonders auf Universitäten Anerkennung finden. So ist es gewiss Pflicht der 
akademischen Behörden, den Anfang und den Schluss des Semesters nicht 
der Willkühr der Einzelnen, seien sie Professoren oder Studirende, anheim 
gestellt zu lassen. Es verträgt sich mit der akademischen Freiheit voll- 
kommen, einen Professor, der sich durch spätes Anfangen und frühes Auf- 
hören auszeichnet, in Strafe zu nehmen und die Ordnung verlangt, dass die 
Nachzügler unter den Studirenden nicht immatriculirt, sondern von der Uni- 
versität eben so verwiesen werden, wie Jene, welche acht Tage bis vier 
Wochen vor dem Schlüsse des Semesters auf eigne Autorität hin Ferien 
machen. 

Es ist eine oft gemachte Erfahrung, dass jene Materien, welche in den 
Vorlesungen zuletzt zum Vortrage kommen, leicht verkürzt werden. Dess- 
halb sollten die Universitätslehrer hin und wieder in der Anordnung eine 
Aenderung eintreten lassen, damit nicht dieselben Materien immer die 
letzten bleiben. 

Das Studentenleben ist die Blüthe des künftigen Bürgerlebens; ist die 
Blüthe taub, so wird es auch keine Frucht geben. Ein gebückter und ge- 
drückter Student wird in Ewigkeit ein gedrückter Mensch bleiben und wer 
seine Jugend kleinlichen Rücksichten und Verhälnissen opfern kann, wird 
später auch seine heiligsten Interessen zum Opfer bringen. 

Wie der physische Körper durch die Erstarrung einzelner Glieder in 
seinem ganzen Organismus leidet, so muss die Universität durch die Theil- 
nahmslosigkeit, zu welcher der Einzelne oder gar die Mehrheit ihrer Glieder 
verurtheill ist, in ihrer Lebenskraft wesentlich gefährdet sein. Dies ist da, 
wo kleine Senate existiren, sehr häufig der Fall. 



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Universitäts - Anzeiger. 



Im Universitits-Anzeiger werden Anzeigen aller Art, welche die Universitfiten betreffen, 
imbesondere alle amtlichen Erlasse, Verkündigungen, Vorlesungsverzeichnisse etc. als 
Inserate (die durchlaufende Zeile 1V2 ^gr*) aufgenommen, ohne dass dadurch der Inhalt 
des Monatsheftes verkürzt werden darf. Die Verlagshandlung. 



Wien. 

Verzeichniss der öffentlichen Vorlesungen an der k. k. Universität zu Wien 
im Winter- Semester IS^Vsp 

Theologische FaeuUdl, Linguam hebraicam docet, atque Genesin, Nehemiam et Jeremiam 
ezplanat quinquies per hebdom. Prof. Dr. J* Sehe in er. — Archaeologiam biblicam cum geo- 
graphia biblica tradit quinquies per hebdom. idem. — f Historiam ecclesiasti(«m cum patro- 
logia et historiam litterarum theologicarnm tradit quinquies per hebdom. Prof. Dr. J. Stark. — 
Lingoam graecam docet atque f Evangelium S. Matthaei inlerpretatur quinquies per hebdom. 
Prof. Dr. W. Kozelka. — Henneneuticam biblicam tradit quinquies per hebdom. idem. — 
Theologiam generalem et priorem partem dogmaticae (De Deo) tradit quinquies per hebdom. 
Prof. Dr. J. Seh wetz. — f Theologiam moralem tradit quinquies per hebdom. Prof. Dr. 
St. Toplotz. — Ueber das seelsorgiiche Lehramt trägt vor 5m. d. W. suppl. Prof. Dom. 
Mayer. — f Katechetik und Methodik lehrt 5m. d. W. Prof. Franz Schmid. ~ f Er- 
ziehongskunde lehrt 2m. d. W. suppl. Prof. E. Müller. — Linguam arabicam docet quinquies 
per hebd. Prof. Dr. Jos. Kaerle. — Loca selecta ex libro Job exponit bis per hebd. idem. — 
t Primam epistolam S. Pauli ad Corinthios exponit bis per hebd. Prof. Dr. W. Kozelka. — 

Ann).: Sämmtliche Collegien werden unentgeltlich gelesen, — Die mit f bezeichneten 
Vorträge werden erst im folgenden Semester vollendet. 

Rechts- und staatsunssenschaftliche Facultdi. Encyklopädie und Hodegetik der Rechts- und 
Staatswissenschanen, dann Rechtsphilosophie, und zwar das Privatrecht 5m. d. W. Prof. Dr. Fr. 
Edlaner. — ^* Specnlative Rechtsphilosophie, und zwar die Idee des Rechts und die sub- 
stanzielle Form der Idee: „Die Geselischaft^S 5m. d. W. Doc. Dr. M. Heyssler. -r- ** Philoso- 
phie des Rechts, und zwar das Privat- und Familienrecht, 5 m. d. W. Doc. Dr. V. Waniorek. 
— Das römische Givilrecht in praktischer Beziehung, und zwar die äussere Rechtsgeschichte, 
allgemeine Rechtslehren und dingliche Sachenrechte, 5m. d. W. Prof. Dr. Th. Pachmann. — 
Das römische Givilrecht, ond zwar die Geschichte der Quellen dea römischen Rechtes, «llge- 



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48 

meine Rechtslehren uud dingliche Sachenrechte, Sm. d. W. Prof. Dr. Jo«. Hornig. — üe- 
bungen in der Exegese der Quellen des römischen Rechts, vorzüglich der Institutionen, mit 

Benatzung der Paraphrasis des Theophilus und der Institutionen des Gajus, 5m. d. W. ders 

** Das römische Civilrecht, und zwar die äussere Recbtsgeschichte, allgemeine Lehren und 
dingliche Rechte, mit Ausschluss des Erbrechtes, 5m. d. W. Prof. Dr. Fr. v. Huzo. — *♦ Das 
römische Civilrecht, und zwar die allgemeinen Lehren und dinglichen Rechte mit Ausschluss 
des Erbrechtes, 5m. d. W. Doc. Dr. Jos. Fr. Dworzak. — Oesterreichischer Strafprocess 
in Vergleichung mit anderen europäischen Strafprocess-Gesetzgebungen, 5m. d. W. Ministerial- 
rath und Prof. Dr. Ant Hye. — Das österreichisohe bargeriiche Recht, und zwar die Ein- 
leitung, das Personen- und das dingliche Sachenrecht, 5m. d. W. Rath und Prof. Dr. Ignaz 
Grassl. — Das Handels- und Wechselrecht, 3m. d. W. Doc. Dr. AI. Vogelhuber. — Das 
gemeine und österreichische Lehenrecht, Sm. d. W. Prof. Dr. Jos. Leeb. ~ Das österreichische 
civilgerichtliche Verfahren in Streitsachen bis einschliesslich des 24. Capitels der allgemeinen 
bürgerlichen Gerichtsordnung, 3m. d. W. ders. — Das Kirchenrecht, und zwar die Einleitung 
und Verfassung 5m. d. W. Prof. Dr. Th. Fachmann. — ** Das allgemeine und österreichische 
Kirchenrecht, und zwar die Einleitung, Verfassung und Verwaltung, 5m. d. W. Prof. Dr. Fr. 
V. Huze. — ** Praktische Vorträge über das österreichische Civil- und Strafverfahren, 2m. 
d. W. Staatsanwalts-Substitut und Doc. Dr. G. Keller. — Das ungarische Civil -Privatrecht. 
5m. d. W. suppl. Prof. Job. v. Gedinge r. — Ueb. d. Österreich. Verfassungsrecht und den 
1. Theil der österreichischen Verwallungsgeselzkunde, 5m. d. W. Prof. Dr. M. v. Stubenraucb. 
— Theorie der Statistik und Statistik der europäischen Staaten, mit Ausschluss des Kaisertbuma 
Oesterreich, 2m. d. W. Prof. Dr. Job. Springer. — Die österreichische Finanigesetakunde, 
mit Ausschluss des für das 2. Semester vorbehaltenen Strafgesetzes über Geffillsübertretungen, 
3m. d. W. ders. — Das positive europäische Völkerrecht, und zwar Prolegomena und Recht 
des Friedens, 5m. d. W. Prof. Dr. L. Neu mann. — ** Encyklopädie der Staatswissenscbaf* 
ten, 2m. d. W. Doc. Dr. W. Kosegarten. — * * Rationelle Politik, 5m. d. W. Doc Dr. 
Jul' Galba. — ** Nationalökonomie, 5m. d. W. Doc. Dr. Jos. Dworzak. — ** National- 
ökonomie, 4m. d. W. Doc. Dr. W. Kosegarten. — Encyklopädie des Bergwesens, Berg- 
wirthschaftslehre und historische Entwicklung des Bergrechtes bis auf die neueste Zeit, 5m. 
d.W. Prof. Freih. v. Hingenau. — Gerichtliche Medicin und gerichtliche Psychologie, 4m. d.W. 
in der k. k. Theresianischen Akademie und an DonnersUgen von ltV2 — * ^^^ '» *w medi- 
cinisch-chirurgischen Josephs-Akademie, a. o. Prof. Med. Dr. Hier. Beer. Gleichzeitig werden 
die Zuhörer von Zeit zu Zeit zu den gerichtlichen Sectionen und zum Behufe der Erlflutemog 
psychologisch- forensischer Fälle in das Irrenhaus geführt. — Gerichtliche Beredsamkeit, 3m. 
d. W. Hof- und Gerichtsadv. und Doc. Dr. Ign. Wildner Edler v. Maithstein. — Die 
Verrechnungskunde, und zwar die allgemeinen LehrsäUe des Recbnuogswesens und der Con- 
trolle, dann die Lehre von den Verrechnnngsmethoden , 5m. d. W. Prof AI. Fröhlich. - 
Die Verrechnungskunde, 5m. d. W. Doc. Dr. AI. Vogelhuber. — Die Verrechnungskunde, 
5m. d. W. Doc. Sic. Steiner. 

Anm : Die sämmtlichen Vorlesungen dieser Facultät werden gegen das gesetzliche Mini- 
mum der Collegiengelder gehalten. Die mit zwei Sternchen (♦*) bezeichneten Vorlesungen 
sind für die von der Bezahlung der Collegiengelder Befreiten nur gegen Entrichtung der 
Hälfte der Collegiengelder zugänglich. 

Medicituich'Chirwgisehe Facultät. Descriptive Anatomie, und zwar Knoohen-, Blnder- 
mid Muikel-Lehre, 5m. d. W. Prof. Dr. Jos. Hyrtl, im Josephs -Akademie- Gebäude. — 
**Seetrübungen, während des ganzen Semesters den ganzen Tag hindurch. — +**Phy«ologie 
5«. d. W. Prof. Dr. Ernst Brücke, im Joseplw- Akademie -Gebäude. — Pharmacognoaie, 
und allgemeine Pathologie, erstere 3m., letztere 2m. d. W. Prof. Dr. Carl Damian Schroff, 
Ml Joacphs^Akademie-Gcbiude. — '^Pharmaoognone, 3m. d.W. Doc Dr. Jos. Kainzbauer, im 
Josephi*Akidemie-Gebäude.^t**Topographisdia Anatomie, 3m. d. W. v. ^ — y^^ULf Prof. 
^r. Jos. Hyrtl, im Joaephs^Akademie^Gebäude. — AUg.fMthotog.Aaatomie, 5m. d* W. Pr«f. Dr. 



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^^ Rokitansky, im k. k. allgeineiiieii Krankenhanae. **Sdcirflbun|fen, Sm. d. W. — 
f**Spedelle medicinische Patliologie and Therapie und Klikiik 5m. d. W. von 8 — 10 Uhr, 
Prof. Dr. Jos. Skoda, Prof. Dr. Ant. Raima nn, Prof. Dr. Jos. Oppolzer; von V«9— ^ 
Ukr Fr«t Theodor Helm^ iroii T—Vz^ Uhr, Doc PrimararsI Dr. Carl Haller, sfimmtlich im 
k. k. «Mgeraeinan Kraokeifhaiise. — f^* Specielle chirorgiaebe Pethologie nnd Therapie uad 
Ktiaik, 5m. d. W. vo» 10-12 Uhr, Prof. Dr. Franz Schuh, Prof. Dr. Joh. v. Dum reicher. 
-^ t Chirurgifcbe Operatioadehre, 3m. d. W. Prof. Dr. Fr. Schah. Dieselbe 3m. d. W. 
Prof. Dr. Joh. y. Dnmreicher, beide im k. k. altg. Krankenbause. — ** Allgemeine und 
spedelle Pathologie und Therapie der Augenkrankheiten , Augenoperationslehre, dann Ambula« 
torium und Klinik, 5m. d. W. von 11—1 Uhr, Regierungsratb Prof. Dr. Ant. Edler von Rosas, 
im k. k. allgemeinen Krankenhause. — ^* Anatomie, Physiologie des Auges, Ophtha Imodiätetik 
und Öperationslehre, 3m. d.W. Doc. Dr. C. Blöd ig, im Hörsaale der Augenklinik. — f** Chi- 
rurgische Instrumenten- und Bandagen-Lehre und Uebungen, 2m. d. W. von 9—11 Uhr, Doc. 
Dr. C. Cessner, im k. k. allgemeinen Krankenhanse: — Theoretische Geburtshilfe, 5m. d. 
W. Prof. Dr. Joh. Klein, im Josephs- Akademie- Gebfiude. — ** Praktischer Cursus der 
Geburtshilfe durch iWci Monate, ders. im Gebffrhause. — ** Gerichtliche Medicia, 5m. d. 
W. Prof. Dr. Joh. Dlauhy, im k. k. allg. Krankenhause. Uebungen in gerichtlichen Ob- 
docümeo, 3ai. d. W. -* ** Gerichtliche Medicin, 5m. d. W. Doc. Dr. Frans Gatt eher, im 
k. k. allg. Krankenhaose. Die UebuBgen 3m. d. W. — * Klinik der Hautkrankheilen, öm. d. 
W. von Va^— * ^^'*» ■• ®* ^^^^' ^^' ^^^^' ^•*^''"» *™ ^' ^' "''Jf* Krankenhause. — * Klinik 
fftr Syphilis in achtwochentlichen Cursen, 5m. d. W. a. o. Prof. Dr. Carl Sigmund. — 
^Theoretische VortrSge über Erkenntniss nnd Behandiong der Syphilis im Allgemeinen, 
Im. d. yf. ders., im k. k. allgemeinen Krankenhaus«. — Klinik der Kinderkrankheiten, 5«. 
d. W. Doc. Dr. AI. Bednar. — f Frauen- und Kinderkraokbeüen, 3m. d. W. Doc. Dr. Jbk« 
Löbisch, im k. k. allgemeinen Krankenhause. — ,*i, Klinische Tortrfige über Frauenkrank- 
heiten, 3m. d. W. Doc. Dr. Joh. Chiari, im k. h. «Ilgemeinen Krankenhause (6fl. G. M.). — 
Klin. Pfidiatrik an d. k. k. Kinderklinik St. M. Annen Spitale in der Alservorstadt Kr. 861, 
täglich Doc. Dr. Lud. Mauthner Ritter von Mantstein. — Theoretische und klinische 
Psychiatrie, 3m. d. W. Doc. Primararzt Dr. Miefaael von Viszanik, im Irrenhause. — Per- 
cussion und Auscnltation , 5m. d. W. von 7—8 Uhr Morgens, und von 4-5 Uhr Nachnrittags 
in sechswochentlichen Cursen, Doc. Dr. Eng. Koliako auf der Abtfaeilung lÄr Brustkranke 
Im k. k. attgemeinen Krankenhause. — +**Zahnheilkmide, 3m. d. W. Doc. Dr. M. Heide r, 
im Joscphs-Akademie-Gebfiude. - «*« Histologie, 2m. d. W., von 2-1/2* ül*^ ö^- ^^' ^^•^ 
Wedt, im Josephs- Akademie- Gebffnde. - üeker Gelenke, Samstag von 9—10 Uhr, Doc 
Dr, C. Langer, im Josephs- Akademie- Gehlode. — HomOopatische Klinik, ISglick rnn Vs^^ 
Uhr in Spitale d^r barmherzigen Schvrestem au Gumpendorf, Doc. Dr. W. Fleisehmann. — 
t Geschichte der Medichi und Epidemiologie, 3m. d. W. a. o. Prof. Dr. Fr. R. Seligmann, 
im Joscphs-Akademie-Gebfiude. — DiifeUk und Gesundheüskundo , 3m. d. W. Doc. Dr. Ant 
Bastler, im kleihen üniversitÄte- Gebfiude im Hörsaale der I. Lyceal-Classe. — Ueher 
Bffder und Heilquellen, 3m. d. W. Doc. Dr. Joseph Binder, im Josephs-Ahademie-Gebfiude. 
— *** Uebci- Anatomie und Physiologie der Geschlechtetbeile und ober die pathologiachen 
Verfinderungen, welche durch das syphilitische Contagium in denselben hervorgebracht werden. 
Abwechselnd mit Herrn Prof. Sigmund auf denen Klinik im k. k. allgemeinen Krankenhanse 
Doc. Dr. ▼. Eflenbtrf isr. 

liiedeTer medicinisch- chirurgischer Lehrcurs. (Unentgeltlich.) L Jahrgang. 
Physik ah Vorbereitungswissenschaft, 5m. d. W. soppl. Prof. Dr. Jos. Kainzhauer, im Jo- 
sephs-AkÄdemie-^ebÄude. Anatomie, wie oben. — II. Jahrgang: Theoretische Medicm, 5m. 
d. W. von 4 — 6 übt-, suppl. Pwf. Dr. L. Spatzen egger, im k. k. allg. Krankenhanse. 
Theorettsche Gebuilshflfe, wie oben. Bandagen- nnd Instrnraentenlehre, wie oben. — 
HL Jahrgang: Specielle medidnische Pathologie und Therapie und Klinik, 5m. d. W. tott 

Akadem. MoDatotchrift. Januar 1851. ^ 



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&0 

8— 10' Uhr, Prot Dr. Bairoanii. Spacielle chirurgische Pathologici i^od Therapie imd KlwSk, 
5nl. d. W. von 10—12 Uhr, Prof. Dr. Joh. v. Damreicher. GericbtUche Medicin wie oj^en^ 
im k. k. allg. Krankeuhause. 

Hebammen-GurBus. Theoretische Gebartshilfe ffir HcbammeD, Sin. d. W. Frof. Dr. 
Fr. Bartsch, im k. k. allg. Krankenhause. (Unentgeltlich.) — Praktisclwr Carsus der. Ge- 
burtshilfe für Hebammen von »wei Monaten, ders., im Gebfirhaose. (UnentgellUch.) — Theo- 
retische Gcburtsbilfe für Hebammen, 5m. d. W. Doc. Dr. Fr. Zipfl, im k. k. allg. Kranken- 
haase. — • 

Praktischer Unterricht über die Einimpfung der Kuhpocken, 2m. d. W., von V2^~'* ^'i 
im k. k. Findelhause, Dr. Aug. Z öhrer. (Unentgeltlich.) — 

Ueber Krankenpflege (für Krankenwärter), Sonntag von 4—5 Uhr, Doc. Dr. M. Lack- 
ner, im k. k. allg. Krankenhause. (Unen^eltlich.) — Ueber Pflege gesunder und kiranker 
Kinder, Sonnlag von 10-11 Uhr im St. M. Annenspilale in der Alservorstadt , Doc. Dr. L. 
Mauthner Ritter v^ Mautstein. (Unentgeltlich.) — 

,Aum.: Die Vorlesungen über Seuohenlebre und Veterinär -Poliaei werden an der Tbier- 
arzneischule abgehalten. — - Die mit ( * ) bezeichnetea Collegien werden um ein höheres als 
das gesetzliche iMinimum des Collegiengeldes ; die übrigen nicht als unentgeltlich angezeigten 
Collegien aber um das gesetzliche Minimum gelcÄcn. — Die mit (♦*) bezeichneten CoUegien 
sind den von der HonorarpfliCht ganz oder theilweise befreiten Stndirenden unentgeltlich oder 
gegey die Hälfte des Coliegiengeldea zugänglich. — Die mit f bezeichneten Vorträge werden 
erst im folgenden Semester voUendet. — 

It$tiihite^ SamnUtmgm und sonstige Hierarische UÜlfwmUtel. Secirsaal im Josephs-Akadeniie- 
gebäude, für Seciv-Uabungen den ganzen. Tag geöffnet. — Musenm für menschliche und- ver- 
gteichende Anatomie» im Josephs-Akademiegebäude. — Sammlung von «natomisehen und ge- 
burtshilflichen Wachspräparaten. Eben daselbst. — Physiologisches Institut. Eben daselbst — 
steht denjenigen, welche sich mit Arbeiten im Felde der Physiologie beschäftigen wollen, zu 
allei^ Tagesstunden offen. — Medicinische Bibliothek. Eben daselbst. -^ Pathologischer Se-> 
oirsaal im k. k. allg. Kraukenhause, während der Sectionen in den. Morgenstunden geöffnet. — 
Ge'ichtlicber Secirsaal. Ebenso. -^ .Paihoiagisch - chemisches Laboratorium im k. k. allg. 
Xrankenbause. -^ Zur Benützung während der Vorträge: fharmakognostische Sammlung, im, 
Jotepbs-Akaderoiegebäude. . — Chirurgische Instrumenten- und Bandagen -Sammlung im k. k. 
allg. Kraakeahause. — Fathologiscb*^aaatomische> Präparaten-Sammhang. Ebenda. -*- Medici- 
nische KliniJüQn der ProII. Skoda,. Kaiman n, Oppolzer, Helm und Hall er. /Ebenda. -^ 
Chirurgische Kliniken <ler Proff. Schuh und v.. Dum reicher.. Ebenda. — Augenklinik des 
RR. Pr.of. A. Edler v. Rosas. Ebenda. — Augenärztliches M\iseum, enlbaltend eine. Samm- 
lung von analomischen, pathologischen und comparativen Atigenpräparaten, von Wacbspräpa- 
raten, Handzeichnungen, ]cine okulistische Instrumenten -Sammlung und eine« Buchersammlung. 
Ebenda. — Gehortshülfliche Kliniken der Proff. Klein und Bartsch. Ebenda. — Klinik für 
Syphilis, des Prof. Sigmund. Ebenda* — Klinik für Hautkrankheiten, des : Prof. Hebra» 
Ebenda. — Klinik für Brustkranke;, des Doc. Dr. Kolisko. Ebenda. — Klinik fü|^ Frauen« 
krankheiten, des Doc. Dr.. Chiari. Ebenda. — K. K. Klinik für Kinderkrankheiten, des Doc. 
Dr. Mauthner, Ritter v. Mautstein, im St. M. Annen -Spitale in der Alservorstadt. — 
Erstes öffentliches Kinderkranken« und Impfungsinstitut des Doc. Dr. Löbiseh, Stadt 426. -^ 

Philosophische Facullät. 1. Philosophie. ** Moral- und Rechtsphilosophie, • Sm. d.W.« 
o. Prof. Dr. Joh. Ritter v, Lichtenfels. ^ ^''' Allgemeine Ethik (Moral- und Rechtsphilo- 
sophie) mit kritisch-historischer Beziehung auf. Kant, Fichte, Hegel: 5m. d.W. a. o. Prof. Dr. 
Fr. C. Lott — ** Psychologie und Logik, als Einleitung in die Philosophie, 3in. d. W., o. 
Prof. Dr. Joh. Ritter v. Lichtenfels. — Geschichte der Philosophie, 4m. d. W. e. Prof. Dr. 
Joh. R. r. Lichtenfels. (Unentgeltlich.) — . Geschichte der griechischen Philosophie, 2m. 
d. W., o. Prof. Dr. Herm. Bonitz. (Unentgeltlich.) — « . . , 



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51 

!^. Geschichte. . ** Allgemeine Weltgeschichte: Einleitaug und Propfideotik iiun Studium 
der allg. Weltgeschichte. Geschichte des Alterthdms bis zur Völkerwanderung; 5ni. d. W., o.' 
Prof. Dr. Job. Nep. Kaiser. — ** Oesterreichische Staatengeschichte bis tum Tode ff. Maxi- 
milians I. im J. 1519; 3m. d. W. o. Prof. Dr. Joh. Kep. Kaiser. — •♦ Geschichte Europas 
im 18. Jahrhunderte, ' 3ra. d.W. o. Prof. Dr. W. K. Grauert. — *» Geschichte der römischen 
Literatur nebst Umrissen der gesammten Cultnrgeschichte der Römer; 5m. d. W. ders. — Hi- 
storische Uebungen Ober römische Geschichte im philologisch-historischen Seminar; 2m. d. W. 
ders. (I^nentgeltlicii.) ^ Dipiomatik, 2m. d. W. o. Prof. Dr. Joh. Nep. Kaiser. (Unentgeltl.) 

3. Mathematik und Katurwissenschaften. Theorie der algebraischen Gleichungen, 
im. d. W. von 11 — 1 Ühr, o. Prof. Dr. Pelzval. (ünentgeUlich.) — ** Integration linearer 
Differential-Gleichungen, 2ni. d.W. von 11— 1 Uhr, ders. —- ** Methode der Variation, will- 
kühriicber Constanten, 2m. d. W. von 11—1 Uhr, ders. — ** Höhere Analysis: algebraische 
Analysis und Differential-Calcul, 5m. d. W. o. Prof. Franz .Moth. — ♦♦ Algebraische Geometrie, 
mit Inbegriff der ebenen und sphärischen Trigonometrie, 3m. d. W. ders. ~ Differential- und 
Integra Ireehnung, 3m. d. W. Doc. Carl Hornstein. -> *^ Theorie der krummen Linien und 
Fischen des zweiten Grades, 2m. d. W. Doc. Franz'Schaub. ~ ^* Theoretische Astronomie, 
2m. d. W. von 12--2 Uhr, o. Prof. Dr. Carl v. Littrow. — Populfire Astronomie, 2m. d» 
W. Sternwarte -Adjunkt und Doc. Dr. Franz Schaub. ~ *'^ Physik mit mathematisher Be- 
grändang» Qber Versuche und Beobaehfangen, AbleiliAig der tiesetae periodischer Erscheinungen, 
Bestimmungen der wahrscheinlichsten Resultate; über Messen und Masse der Körper, Gleich'** 
gewicht, und Bewegung .fester und flüssiger Körper, 5m. d. W. o. Frof. Dr. Aug. Kunze k. — 
Demonstrative Experimente 1- Physik, 5m. d. W. von 10 — 12 Uhr, o. Prof. Dr. Chr. Doppler, 
im grossen Universitfits-Gebfiude. (Unentgeltlich für die systemisirten Eleven.) — ** Chemiot 
allgemeine und medicinisch-pharmaceutische (I. Abtheilung: Mineralchemie), 5m. d. W. o. Prof. 
Dr. Jos. Re'dtenbacher. — Methoden der analytischen Chemie, Anfang des Semester tlfgiich 
ders. (^Unentgeltlich.} — ^Praktische Uebungen und Demonstrationen in der analytischen Chemie, 
alle tage während des vollen Tageslichtes unter Leitung des o. Prof. Dr. J. R edlen ba«he-r. 

— Elementarlehre der Chemie, 4m. d. \V. titl. Prof. i)r. Philipp Ritter von Hoiger, in dcaleti 
Wohnung, in der Stadt Nr. 146. — ** Einleitung in die Naturgeschichte und Zoologie, 4m. 
d. W. o. Prof. Dr. Joh. Friese. — "** Zoologie, 4m. d. W. im Gebäude des akademischen 
Gymnasiums, o. Prof. Dr. Rud Kner. — ** Geschichte der Pflanzenwelt, 3m d. W. von 6—1/28 
Uhr Abends, o. Prof. Dr. Unger, im Gebäude des akademischen Gymnasiums. — *'^ Minera- 
logie, 5m. d. W. o. Prof. Dr. Zippe, im Gebfiude des akademischen Gymnasiums. — Geognosie, 
2m. d. W. titl. Prof. Dr. Ph. Ritter v. Holger, im Gebäude des akademischen Gymnasiumj. — 
♦♦ Grundprincipien der Agrikultur-Chemie und Physiologie : landwirthschaftliche Vorbereitungs- 
lehre, 5m. d. W. o. Prof. Dr. Mich. Stecker, im Gebfiude des akademischen Gymnasiums. — 
Agrikultur -Chemie, 2m. d. W. titl. Prof. Dr. Ph. Ritter v. Holger, in dessen Wohnung, in 
der Stadt Nr. 146. 

4. Philologie und Linguistik. '^^ Mittelhochdeutsche Laut- und Flexions-Lehre und 
Erläuterung des „Gregorius^' Hartmanns von der Aue, 5m. d. W. Prof. v. Karajan. — 
**Aristbophanis „Equites und Nubes" 3m. d. W. o. Prof Dr. Herm. Bonitz. — ♦•Derselbe 
ist bereit, überdiess Plutarchi „Alcibiades und Pericles,^' wöchentlich 2— 3stöndig zu erklfiren. 

— Griechische Uebungen des philologisch- historischen Seminars, 2m. d. W. ders. (Unentgelt- 
lich.) — ♦•Slavische Philologie und Literatur, 5m. d W. 0. Prof. Dr. Miklosich, im Ge- 
bfiude des akademischen Gymnasiums. — ♦* Grammatik des Sanskrit, 3m. d. W. a. o. Prof. 
Boller. — - ^♦Vergleichende Sprachwissenschaft, 2m. d. W. ders. — ** Ueber die zwölf 
kleinen Propheten, 2m. d. W. a. o. Prof. Dr. Goldenthal. - ♦♦Grammatik der arabischen 
Sprache in Verbindung mit praktischen Leseikhungen , 2m. d. W. ders. — ♦♦ Chadäische 
Sprache und rabbinisch-philosophische Literatur, Im. d. W. ders. 



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5. Archfiolc^ie ai|d Kunstgi^fcbichle. ** Mu^zr und AlterthaimdLaiidfi^ Inf. d. W. 
von li-^1 Uhr, o. Prof. Jos. Arnelh^ im k* k. Hfins* und Antiken-CabiDet. -^ ** Ueber 
skvische Alterthfliner in NorJdeutscbland, besoodera Ober die Retra-PrilwiUer GöUen, Sin. d. 
W. a. Prof. Dr. Job. Kollar, im Gebäude des akademischen (^ymnasiums. -;- Geschichte der 
hUdenden Kfinste bei den Griechen, und Römern, ^Hn. d. W. Doc. R. v. Eilel berger. — 
Geschichte der schönen Literatur und Künste, 2m. d. W. von T^Vs^ Uhr Abends, Doc. Dr. 
A- Seh midi, im Gebände des akademischen Gymnasiums. — 

i. fCeuere Sprachen - Fertigkeiten. Italiemscbe Sprache, 3m. 4, W. litt. Prof. y. 
Fornasari- Verce. — Italienische Sprache, 3m. d. W. Lehrer Ponisio. ^ Italienische 
Literatur und Geschfiflsstyl, 3m. d. W. tili. Prof. y. Fornasari-Verce* — Italienischer Ge- 
sebiftsstyl, 3m. d. W. ders. ~ Ungarische £lprache, 3m. d. W. Lehrer Dr. Remele. — 
Ungarische Literatur, 3m. d. W. ders. — Polnische Sprache, 5m. d. W. Lehrer M. Kawecki, 
im Gebäude des akademischen Gymaasiuma. — Böhmische Sprachlehre, 3m. d. W. Lehrer AI 
Scmbera. — Böhmische Stylistik und Literatur, 3m. d. W. ders. — Französische Sprache 
«ad Litoratur, 3m. d. W. Lehrer G. Legat. — Englische Sprache Lehrei E. Labbat de 
Lambert -^ Stenographie in deutscher Sprache, 3m. d. W. Lehrer Heger. — Stenographie 
in böhmischer Sprache, 3m. d. W. ders. — Turnirunterricht, 6m. d. W. von 12—4 Uhr, Lehrer 
Bttl. Stephany, obere Bfickerstrasse Nr. 767. 

Anm.: 1. Die mit (*) beseiohnelea CoUegien werden um ein höheres ab das gesetsliche 
Mininom des CoUegiengdd^s — die übrigen nicht als unentgeltlich angezeigten Collegiea 
aber um das gesetzliche Minimum gelesen. — 2. Die mit (**) bezeichneten Collegien sind den 
von der Honorarpflicht ganz oder theilweise befreiten Studirenden unengeMwIi oder gegen 
die Hfilfte des Collegiengeldes zugänglich. 

Die lastitote, Sammlungen und aenstigen literarischen Hilfsmittel der philosophischen 
Facnltät, in der Uebersicht der akademischen Behörden. — Der Lesesaal der k. k. Uniyersitäts- 
Bibliolhek ist täglich, oiit Ausnahme der Soan* und Feiertage und der zu Weihnachten und 
Ostern Abliohen Ferien, Vorminags von 9—12 Uhr, und Nachmittags yon 2—4 Uhr dem 
Pnbtteuro geöffiiet. 



Dnick TOB F. fi. ThtiB in Wflnbnrg. 

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t 
(Deutsche Univenitits-ZeUnng.) 



Ol. «Vahrsanff. JlSftJI« Fetoruarheft. 



Das heolige akademiscbe Zeu^iiissweseii, besonders aaf den 
Preussischen UniversÜ&fen. 

VoD Prof. Hupfeld zu Halle. 

Seit meiner Verpflanzung nach Halle hat mir die Verpflichtung den 
Zahörern Zeugnisse zu geben viel Gewissensnoth und Unannehmlichkeiten 
bereitet, wovon ich früher nichts wüste; Das hat seinen Grund in der 
neuem Art und Einrichtung dieser Zeugnisse die hier wie auf den 
Preussischen Universitäten überhaupt — dem Vernehmen nach seit 1826 *-- 
eingeführt ist, und in den sonstigen Umständen unter denen man zeugen 
muss. Auf der einen Seite ist dem Gewissen des einzelnen Lehrers weit 
mehr aufgebürdet als sonst. Während anderwärts der einzelne akademische 
Lehrer ein Zeugniss ex officio — von Privatzeugnissen, die in dem Belieben 
eines Jeden stehen, natürlich abgesehen — nie anders als über den ganzen 
bisherigen Studienlauf eines Studirenden, soweit er ihm bekannt ist, und^ nur 
vertraulich gegen ^die Behörde abzugeben hat: wird jetzt auf den Preussi- 
schen Universitäten dem Lehrer zugemuthet über jede einzelne Vorlesung, 
selbst das geringste publicum, am Schluss, und vielfältig schon im Laufe, 
ja sogleich nach dem Beginn derselben, jedem Zuhörer ein Zeugniss aus* 
zustellen. Solche Zeugnisse hat der Lehrer am Schluss der Vorlesungen — 
abgesehen von den im Lauf derselben verlangten — binnen wenigen Tagen 
nicht selten zu hundert en zu schreiben; besonders unmittelbar nach dem 
Schluss, wo — wegen des Zusammenhangs dieser Zeugnisse mit dem Reisepass, 
ohne den gesetzlich keiner abreisen soll — ein Schwärm von Zeugniss- 
bedürftigen den Lehrer aus dem Auditorium in das Conferenzzimmer begleitet 
und seinen Schreibtisch umlagert. Und doch ist auf diese Zeugnisse viel 
gebaut. Denn aus ihnen, wie sie von Halbjahr zu Halbjahr in dem Anmelde- 
buch verzeichnet sind, wird später das öffentliche Abgangs- oder Sitten- 
zeugniss mechanisch znsammengesteUt, und sonach das ganze Zeugniss über 
den Fleiss und die wissenschaftliche Seite des Verhaltens der Studirenden 
lediglich auf diese Einzelzeugnisse gegründet. Ja nach dem officiellen Aus- 
druck ist sogar die Dienstpragmatik auf diese Grundlage gestellt, und die 
Behörden vertheilen danach die zu ihrer Verfugung stehenden Stipendien. 

Akadcm. MonatMchrift. Febmar 1851. 7 

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54 I>a8 heutige akadendsche EeugaMiwesen. 

So viel ist hier auf das Gewissen des einzelnen Lehrers gelegt I Und bei 
so grossen Zumuthungen, die auch unter den günstigsten Umständen den 
Lehrer, wenigstens bei stark besuchten Vorlesungen, oft in Verlegenheit 
setzen müssen, fehlt es auf der andern Seite ganz an den nothwendigen 
materiellen und psychologischen Bedingungen einer gewissenhaften und 
unbefangenen Zeugnissertheilung. Zuvörderst sieht man sich von allen 
Mitteln die dazu erforderliche Kenntniss von dem Besuch der Zuhörer zu 
erlangen, wie sie anderwärts bestehen, auf der hiesigen Universität fast ganz 
verlassen. Vor allen Dingen fehlt es an einem unumgänglichen Mittel sich 
in einer grössern Masse fremder Gestalten zu orientiren: dass nämlich die 
Zuhörer feste Plätze haben; welche sonst allgemeine und ehemals auch 
hier übliche und noch jetzt gesetzliche Ordnung neuerdings, seit Einrichtung 
des Universitätsgebäudes, obgleich jedem die Nummer seines Platzes nach 
wie vor in dem Anmeldebuch angewiesen wird, einem steten Wechsel 
gewieben ist, der es fast unmöglich nacht unter den Zidiörem die 
bleibeiiden Gestalten von den wechselnden zu unterscheiden, um so «ehr 
da dem Gedächtniss die Namen dazu fehlen. Dazu kommt die in neueren 
Zeiten eingerissene grosse Verspätung der Meldungen, die nur einem sehr . 
geringen Tbeil nach vor Anfang der Vorlesungen geschehen, and skik bis 
tief in das Semester hineinziehen. Sodmin werden <lie Zeugnisse nicht v&r^ 
traulich gegen die Behörde abgegeben, sondern offen in das Anmeldabttdi 
jedes Zuhörers geschrieben; was nach Psychologie imd Erfahrung bekannt*^ 
lidh nidit sehr dienlich ist aufrichtige und streng wahrheiti^enMisse Zeug- 
nisse zu erzielen. 

Auf diese Weise, bei solcher VervtelfSltigung der Zeugnisse nebeai so 
ungunstigen Umständen für die gewissenhafte Ertheilung derselben, bei se 
grellem Widerspruch zwischen der überspannten Forderung des Gesetzes 
und den Bedingungen der Verwirklichung, konnte unmöglich ausbleiben was 
notorisch eingetreten und von allen Seiten eingestanden ist: dnas sie eine 
grosse Lüge geworden sind. Denn es bleibt dem Lehrer, bei der Uninög^ 
lidikeit der Anmuthung gewissenhaft -nachraikomnien, kaum etwas aadres 
übrig als fär alle Fälle eine allgemeine Formel, allenfalls Mch mit 
einigen Steigerungen versehen, anzuwenden; und es ist nicht zu verwun- 
dern dass sie in der Regel lieber zu hock als zu niedrig gegriffen wird, 
da man, bei der unvermeidlichen Alternative entweder zu viel oder zu weaif 
zuzuerkennen, natürlich lieber die erstere als die letztere ergreift. So ist 
ein Spiel mit Zeugnissen entstanden^ wo die Worte mokt ihre sonslige 
Bedeutung haben, sondern nur zum Schein dnstdien, um dem Gesetz auf die 
för den Empfänger vortheiUiafteste oder doch wenigst präjudidrlicho Weise 
zu genügen; wo z. B. die Ausdrüdce „sehr fleissig^S „rühmlick leissig^S ja 
„ausgezeichnet^' oder „vorzüglidi flelssig'S niobts mehr besagen ids dass der 
Inhaber die betreffende Vorlesung angenonutten, höiohstens dass er sie hie 
und da einmal besucht hat, ^und das einfiicbe „fleissig^ iMit an «äkor BeBdefanuiig 



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giazSdiei IMItisses h^rabgesuiikeii ist Dieses Spiel ut so allgemein gewor- 
den, und durch den Gebrauch geheiligt, dass auch die redlichsten und ehren-^ 
werthtsten Männer sich ibtn ergeben, und ihr Gewissen mit den gangbaren 
Entschuldigungen beschwichtigen gelernt haben; ja dass die rechtliche An- 
sicht und gewissenhafte Behandlung der Sache gradezu ins lacherliche fallt. 
Als ich in der ersten Zeit meines Hierseins mein Befremden darüber äusserte, 
hiesa es: es sei notorisch eine blosse Formalität, die niemanden täusche, 
auch die Regierung nicht, die diese Praxis recht gut kenne, aber gewfli«^ 
ren tesse, folglidi billige. Und das ist in der, That nicht ganz ohne Grund. 
Schon im Jahr 1841 (also nicht lange nachdem Eichhorn das Ministerinm 
angetreten hatte) brachte ein Ministerialrescript bei dem hiesigen Senat (und 
vermttthlieh andi bei den Senaten der übrigen Preussischen Universitäten} 
die bemerkte Unzuverlässigkeit der akademischen Zeugnisse über den 
Fleiss der Studirenden zur Sprache, und forderte *— unter der Erklärung 
daae ,^der jetzige Zustand in Behandlung dieser Angelegenheit nicht 
fortdauern könne, dass es vielmehr besser sdn würde von der Aus- 
stellung dergleichen Attestate ganz abzustehen, als ganz unzuverlässigen 
oder unwahren den Stempel des öffentlichen Glaubens aufzudrucken*^ — 
zu Vorschlägen auf: wie den betreffenden Bescheinigungen, die doch für 
wichtige Einrichtungen des öffentlichen Dienstes in Staat und Kirche nicht 
entbehrt werden könnten, eine sichere Grundlage gegeben werden könne. 
Der Senat erkannte die gänzliche Unzuverlässigkeit und Unbrauchbarkeit der 
akademischen Zeugnisse ihrer Hasse nach, sowie die Unhaltbarkeit des bis- 
herigen Zustandes, offen und unumwunden an, mit ausführlicher Nachweisung 
der Gründe der Erscheinung; und machte Vorschläge zur Hebung des Ob^, 
die zwar die Wurzel desselben nicht ganz treffen, aber doch im allgemeinen 
auf eine Hinderung des vielen Testirens, nebst einigen Haassregeln zur 
Sicherung einer zeitigen Heidung u. dgl, hinauslaufen. Auf diese Vorschläge 
ist nie ein Bescheid erfolgt. Später (zu Anfang 1844, bald nach meiner 
Hieherkunfl, nachdem ich bereits in Conflict mit der hiesigen Praxis gekom- 
men war und durch mein Verbalten in der Sache mir ein kleines Hartyrthum 
zugezogen hatte) erneuerte ich den Angriff auf den schon 1841 für unhalt- 
bar erklärten Zustand in einer ausführlichen und dringenden Eingabe; mit 
Anträgen <tie nicht unausführbar oder schwierig oder bedenklich erscheinen 
konnten, da sie lediglich auf Abschaffung der erst seit 1626 eingeführten 
Form und Ausdehnung des Testirens (also eines verhaltnissmussig noch 
ziemlich jungen und nicht eingewurzelten Übels , wie auch der Senat erklärt 
hatte3 und Rückkehr zu der früher bestandenen und anderwärts noch 
bestehenden Einfachheit und Bescheidenheit giengen. Auch erhielt ich privatim 
aus dem Hinisterium die Versicherung dass man ganz mit meinen Ansichten 
einverstanden sei; und später fand ich es leicht den Herrn Hinister selbst 
durch meine mündliche Auseinandersetzung zu überzeugen. Indessen wurde 
mir btld nachher der Bescheid: dass die Frage mit andern beabsichtigten 



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56 Das heutige akademische Zen^piisswesen. 

Einrichtungen im Zusammenhang stehe, und nicht füglich abgesondert qut 
Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden könne, seiner Zeit aber meine Vor- 
schlage in genaue Erwägung gezogen werden sollten; und obgleifdii ich 
nochmals in einem längern Privatschreiben an den Minister durch Hervor- 
hebung der sittlichen Bedeutung des Übels die Wichtigkeit und Dring- 
lichkeit und zugleich die Einfachheit der Abhülfe eindrücklich zu machen 
suchte, so wurde mir doch — mit der Bemerkung dass den Obelständen 
auf eine so einfache Weise wie ich glaubte nicht abgeholfen werden könne 
— nur die Erklärung wiederholt, dass, wegen des engen Zusammenhangs 
der Sache mit dem Universitätswesen im allgemeinen, von einer S'peci eilen 
Verfügung der beabsichtigte Erfolg nicht zu hoffen sei. So ist denn nichts 
geschehen, und der alte Zustand dauert bis auf diesen Tag unverändert fort. 
Ja er ist unstreitig jetzt noch schlimmer als zuvor, nachdem ihm amtlich 
das Brandmal der Verwerflichkeit aufgedrückt worden ist; und es hat nun 
allerdings die Folgerung einen gewissen Schein: dass er mit Billigung der 
Regierung fortbestehe und dadurch legitimirt sei! Gewiss aber wurde 
man damit dem Ministerium Unrecht thun. Der damalige Aufschub erklärt 
sich schon hinlänglich aus dem angeführten Grund: dass man neben den 
umfassenden Planen mit denen man umgieng, eine einzelne Reform ver- 
schmähte; wie denn nur zu oft, nach dem bekannten Spruch, das gute 
unterbleibt, weil man ein vermeintlich besseres im Auge hat, und lieber 
eine grosse theoretische Radicalreform von zweifelhaftem Werth unternimmt, 
als einen unzweifelhaften Missbrauch abstellt. Aber es scheint auch noch 
ein anderes Hinderniss obgewaltet zu haben : der Widerstand der Staats- 
behörden, die — in der Meinung dass es auf eine gänzliche Abschaffung 
der Zeugnisse hinauslaufe — auf diese Grundlage der Dienstpragmatik nicht 
verzichten zu können erklärten; wie denn auch schon bei der Berathung 
im Senat eine Stimme treffend äusserte: „dass das Zeugnisswesen gegen- 
wärtig einen integrirenden Bestandtheil des modernen Staatswesens oder 
Staatsmechanismus bilde, gegen welchen, als eine isolirte Erscheinung, anzu- 
kämpfen ein fruchtloses Bestreben sein würde/' Des Staatsnlechanismus! 
Das ist allerdings das fechte Wort, woraus alles sich erklärt: sowohl das 
Motiv der jetzigen Einrichtung, als die Schwierigkeit ihrer Beseitigung. 
Dieser Mechanismus — das Prirtcip aller neuern Verwaltung — treibt dahin 
Controle auf Controle zu häufen, ohne darnach zu fragen ob sie auch wirk- 
sam sind und ihren Dienst thun; er ist zufrieden wenn sie nur auf dem 
Papier in Übung sind und ofTiciell ihr Dasein fristen , wenn auch der Gegen- 
satz der Wirklichkeit damit noch so notorisch ist *). Und wenn er diese 



^) Wenn diese officieUe Heuchelei der Behörden sich darauf beschränkt die schönen 
Zeugnisse der nkademiscben Lehrer als haare Münze freiten zu lassen, und demnach lauter 
fieissige Leute vor sich zu sehen: so geschieht wenigstens keinem einzelnen ein Unreciit 
Schltmmer aber ist die weitere Consequenz — die mir auch schon mehrfach Yorgekommen — 



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Das bentige akademiidie ZeognifsweseB. 57 

nicht mehr ignoriren kann, so wird er eher auf eine neue papieme Con«> 
trole sinnen, als dass er sidi entschlösse auf die wahren allein wirksamen 
Triebfedern aller guten Ordnung, die sittlichen, zurückzugehen, vor denen 
er, als freien Krfiften, ein geheimes Grauen hat. Ja er wird am Ende ein 
Institut, wenn es sich so nicht mehr halten lasst, lieber ganz über Bord 
werfen, als es von seinen Auswüchsen säubern. Das ist leider das nur za 
gewöhnUche kidgliche Ende der besten Institutionen. 

Es fehlt übrigens nicht an Versuchen die faule Praxis auch theore- 
tisch zu rechtfertigen, und so das Gewissen der akademischen Lehrer 
zu beschwichtigen. So begründete eine durch mein Verhalten veranlasste 
Eingabe der Studirenden an die hiesige theologische Facultat — nachdem 
sie die Facultat den gangbaren Ansichten von Studienfreiheit gemäss über 
den Zweck des akademischen Studiums, den Werth der Vorlesungen, und 
das Verhältniss der Studirenden zu den Lehrern belehrt, und daraus die 
Unverträglichkeit aller Controle über den Fleiss der Studirenden und alles 
Testirens mit der Stellung derselben deducirt, und demnach in erster Linie 
um Abschaffung aller Zeugnisse, in zweiter Linie aber, sofern diess nicht zu 
erlangen sei, um Belassung der bisherigen Praxis gebeten hatte — ihre 
Bitte damit dass diese Praxis dem hier allein angemessenen juristischen 
Grundsatz ^^qtäsque praestimUur bonus^' entspreche; nebst der Versiche- 
rung dass keiner ein besseres Zeugniss annehmen werde als er verdient habe, 
und Berufung auf die angeblich von einem beliebten akademischen Lehrer (in 
Vorlesungen über die Hodegetik) ausgesprochene und vielfach ausgebeutete 
Maxime: ,,dass er jedem um ein Zeugniss bittenden Zuhörer ein gutes 
schuldig zu sein glaube, weil bei der Ehrenhaftigkeit der Studirenden nicht 
anzunehmen sei dass ein unfleissiger um ein Zeugniss bitte, also schon diese 
Bitte den Fleiss voraussetze" ♦); woraus denn die Folgerung gezogen wird 
dass jede Verweigerung eines guten Zeugnisses eine Beschuldigung der 
Niederträchtigkeit in sich schliesse! Diese letztere Argumentation würde 
einen Sinn haben, wenn die Bitte um ein Zeugniss immer eine freiwillige 
wäre: da aber nach der bestehenden Einrichtung jeder Studirende über jede 
Vorlesung ein Zeugniss haben muss, so entbehrt sie aller Grundlage, und 
ist gradezu ungereimt. Was aber jenen juristischen Grundsatz betrifft, so 



das« eine Behörde, ungeachtet der ootoriseben Beschaffenheit der akademischen Zeugnisse, 
Beneficiaten die neben den gewöhnlieben rahmiichen Zeugnissen anch negatiTO von mir (d. h. 
die mein Nichtwissen aussagten) hatten, diese zum nachtheiligen Prjjudiz gereichen lassen und 
das Beneficium nehmen wollte! Aber das ist eben die unausbleibliche Consequenz der offi- 
ciellen Heuchelei, dass sie am Ende systematisch wird, und keine Stimme der Wahrheit, als 
einen Misskbng, mehr duldet. 

*) Übrigens, wie ich zur Steuer der Wahrheit bemerke, erUieilt grade dieser Lehrer 
nur die Formel „fleissig besucht'^ was die niedrigste unter den hier gangbaren ist und ffir 
kein gutes Zengniss gilt. 



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SB Dm htotife akAdenWie 

würde sehie Anwendung auf diesef VerhfiUniw sich aHen&db du vertftt* 
Worten lassen wo der Fleiss im Besuch der Vorlesungen die Regel, der 
Unfleiss nur seltene Ausnahme ist» Wo aber, wie hier^ die yorlesua|;en nur 
am oft im Verlauf des Semesters aHmllig bis auf die Hälfte der Zuhör^zahl 
Und noch weniger »isammenschmeleen — was auch bei dem hohen Begriff 
den die Studirenden in der erwähnten Bittschrift von ihrer geistigen StdUing, 
und dem geringen den sie von dem Werth der Vorlesungen an den Tng 
legen, nicht zu verwundern ist — da wäre der Grundsatz unstreitig sehr am 
unrechten Ort. Auch beweist er zu viel, folglich nichts: denn es würde 
vielmehr daraus folgen dass Zeugnisse unnöthig sind. Die Zeug- 
nisse werden aber verlangt und sind von jeher für nöthig erachtet wor- 
den: man muss also doch wohl den Grundsatz hier nicht anwendbar gefun- 
den haben. 

Mittlerweile scheint indessen trotz aller Sophismen auf den Preussischen 
Universitäten das Gefühl der Nutzlosigkeit und Unhaltbarkeit des Testirens 
in seiner jetzigen Gestalt allgemein geworden zu sein. Denn unter den 1848 
von den Universitäten eingegebenen Reformvorschlägen findet sich auch der 
einstimmige Antrag auf Abschaffung aller Zeugnisse. Leider aber hat er 
bei der 1849 desshalb in Berlin gehaltenen Conferenz so gut wie keine 
nähere Erwägung der Sache herbeigeführt : indem nach $. 127 die Verpflich- 
tung zu Einholung von Zeugnissen nur „der Universität gegenüber*^ (?3 
aufhören, sonst aber, und zwar in der bisherigen Form, verbleiben also 
jedenfalls im wesentlichen fortbestehen soll. Auf der andern Seite hat sich 
diese Form in neuerer Zeit auch über die Grenzen von Preussen hinaus 
verbreitet, und war vor einigen Jahren im Fortschreiten begriffen. Das Jahr 
1848 hat einen kleinen Stillstand in die Bewegung gebracht: aber die ein- 
getretene politische Reaction, die zunächst dem bureankraUschen Princip zu gute 
zu kommen und wieder neue Kraft geben zu wollen scheint, wird sie schon 
wieder in Gang bringen. Die Ansteckungskraft der Einrichtung ist sehr 
begreiflich: den Bureaukraten muss die äussere Vollständigkeit der Zeugnisse, 
und den akademischen Behörden zugleich die Leichtigkeit womit sie ohne 
alle eigne Bemühung durch die Betheiligten selbst eingeholt werden, ge- 
fallen. Und so könnte es leicht geschehen dass das Institut, nachdem ihm 
in Preussen schon das Todesurtheil gesprochen war, wieder neues Leben 
bekäme und allgemeinen Eingang fände. Denn in diesem Geschlecht, das 
bei seiner grossen durch die Aussdiweifungen der letzten Jahre noch ver-> 
mehrten Abspannung und Schwäche in den edlern Organen alle Aufenblioke 
Rückfällen ausgesetzt ist und an den einfachsten Wahrheiten irre wird „ ist 
nichts unmöglich. Es wird also nichts überflüssiges sein, das schädliche 
und verwerfliche des Testirwcsens in seiner gegenwärtigen Form etwas 
näher nachzuweisen, und damit nicht nur die Nothwendigkeit einer baldigen 
Abstellung, sondern auch die rechte Art der Reform desselben zu 
begründen. 



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INe Naohtheile der fegwwirtifea EiMichmf siid inuptsicUidi 
folgende: 

1) Vor allen Dingen ist es eine Un gebor und ein Missbrauch der 
gesetzgebenden Gewalt, dass das Gesetz dem altademischen Lehrer auch da 
ein Zeugniss znmuthet wo er entweder gar keine oder keine hin- 
längliche Kenntniss von der Sache hat, und unter den dermaligen Um- 
ständen — besonders in besuchteren Vorlesungen — haben kann. Es liegt 
aber darin nicht bloss eine unbillige Zumuthung gewöhnlicher Art, son- 
dern gradezu ein unerträglicher und heilloser Gewissenszwang. 
Denn ein Zwang des Gewissens ist es: weil der Lehrer zeugen muss, und 
es nicht verweigern kann ohne seinem Zuhörer einen erheblichen Nachtheil 
zuzufügen und Ursache zur Beschwerde zu geben; und ein harter, uner- 
träglicher: weil man ihn ohne alle Mittel lässt die zur Erfüllung setner 
Pflicht erforderliche Kenntniss zu erlangen. Heillos ist aber der Zwang, 
weil er das Gewissen durch die Unmöglichkeit in so vielen Fällen der Pflicht 
zu genügen leichtsinnig macht, und am Ende alle GewissQ^ihaftigkeit und 
Wahrhaftigkeit in Ausstellung der Zeugnisse zu Grunde richtet. — Audi 
gegen die Studir enden ist die Forderung Zeugnisse in solcher Menge 
beizubringen nicht minder eine unbillige, v/enn sie auch, da sie nicht das 
Gewissen angeht, nicht grade eine unerträgliche genannt werden kann« — 
Durch die erwähnte Folge des Zwangs für die Wahrhaftigkeit der Zeugnisse 
werden aber diese 

3) völlig 'Uiiettverlä«;si^ und folglich unbrauchbar f(r ibrdn 
Zweck: da, wenn auch noch so viel wahre darunter wären, diese sich nicht 
aus der Masse der unwahren aussoheiden lassen, und somit alle ungewis^ 
werden und den Glauben verlieren mfi^seo. Diess ist auch thalsacblich durch 
eine akademische Praxis anerkannt : indem bei der Verleihung der Freitische 
und Bkadewiscben Stipendien und Unterstützungen die Zeugnisse der Be- 
werber kl den Anmeldebucfaem ganz unberücksichtigt bleiben, und statt deren 
hcfiond^e über dieselben von den Lehrern amtlich eingezogen werden; uU 
der aqsidräckU<:hea Erinnerung nur das zu bezeugen was auf eigner Wahr<i- 
nehmung und näherer Kenntniss der Bewerber beruht. Ein Beweis dass maii 
ieaf» Zeugaissen kernen Glauben schenkt wo etwas darauf imkömmt, dass 
sie also unbrauchbar und zwecklos sind. — Noch ernster aber als dieser 
Nachthfiil ist 

3) der sittliche Schade und Scandal den ein solches Spiel mk 
Zeugnissen auf der Universität nothwendig zur Folge hat. Auf der eines 
Sefte bringt es den akademischen Lehrer in «ine unwürdige Stellung 
zu den Studirenden. Das VerhdHniss des akademiedien Lehrers au der 
studirenden Jugend ist nicht bloss ein wissenschaflllcbes, sondern auoh >eii 
sittliches, da er nicht bloss Kenntnisse überliefern eondern auch eine 6e^ 
snmung mregen und hfiden soB; es muss, wenn es die rechte Rnidit brnr 



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60 Das heutige akademifcbiB ZeiigiUMwesea. 

gen soll, auf Vertrauen und Achtung, um nicht zu sagen Pietät, beruhen, 
also vor allen Dingen auf der Überzeugung von der persönlichen Glaub- 
würdigkeit und Ehrenhaftigkeit des Lehrers. Dieses Verhältniss wird ent^ 
weiht und untergraben durch eine offenkundige grosse Unwahrheit wie sie 
in diesem System falscher Zeugnisse liegt; die doch auch nicht gerade als 
Nothlüge gegen die Gewalt des Gesetzes erscheint und Entschuldigung 
findet — da ja niemand eigentlich gezwungen ist lauter gute Zeugnisse zu 
geben, und verhindert sein Nichtwissen zu bekennen — , sondern vielmehr 
in Menschenfurcht und Menschengefälligkeit ihren Grund hat. Die Studenten 
wissen diess auch recht gut; und ob sie gleich den Vortheil den ihnen die 
jetzige Praxis gewährt — dass auch der unfleissigste ein gutes Zeugniss 
erhalten kann — bestens acceptiren, und als eine nothwendige Folge der 
gesetzlichen Einrichtung unter den vorliegenden Umständen geltend machen, 
auch dem Lehrer mit Sophismen zu Hülfe kommen: so fäUen sie doch sehr 
wohl die Rücksichten die dabei mitwirken, wie der triumphirende Ton be- 
weist womit sie davon, wie von der Zucht worin sie ihre Lehrer halten, 
z. Th. unglaubfiche Anekdoten erzählen, dergleichen ich in der Ferne selbst 
zu hören Gelegenheit hatte. — Auf der andern Seite aber, welches Bei- 
spiel erhalten diese von ihren Lehrern in Behandlung einer so ernsten 
Sache wie amtliche Zeugnisse sind, und welche Grundsätze mögen sie daraus 
ziehen und von ihrer Bildungsstätte hinweg in das praktische Lebeq mit- 
nehmenl — Und welche beschämende Widersprüche werden dadurch 
nur zu oft herbeigeführt, indem z. B. Studirende die in ihren Anmelde- 
büchem die besten Zeugnisse haben am Ende wegen sich herausstellenden 
gänzlichen Unfleisses von der Universität verwiesen werden; oder Erkundi- 
gungen über Bittsteller bei ihren Lehrern, ungeachtet ihrer guten Zeug- 
nisse, zu dem Ergebniss fuhren dass sie keinem einzigen derselben 
bekannt sind! 

Gesetzt aber auch, alle diese Folgen der jetzigen Einrichtung träten 
nicht ein, und die auf diesem Wege erzielten Zeugnisse wären sämmtlich 
nicht nur subjectiv wahrhaft und gewissenhaft ausgestellt, sondern auch 
objectiv richtig und zuverlässig: was würde damit gewonnen sein? Man 
würde 

4) nur einen ziemlich einseitigen und unzulänglichen Hassstab 
des Fleisses und der wissenschaftlichen Tüchtigkeit der Studirenden erlangt 
haben. Regelmässiger Besuch der Vorlesungen ist zwar eine wichtige, aber 
doch nur eine unter den Bedingungen eines gedeihlichen akademischen 
Studiums; und wenn das vortheilhafteste ^eugniss über diesen Punct allein 
noch keine sichere Bürgschaft für ein günstiges Gesammtergebniss ist, so 
kann noch viel weniger — bei der Beschafi'enheit mancher Vorlesungen und 
den so häufigen Missgriffen in ihrer Wahl — ein nachtheiliges Zeugniss über 
den Besuch einzelner und selbst mehrerer Vorlesungen allein ein entschei- 
dendes Präjudiz gegen den Fleiss und die wissenschaftliche Tüchtigkeit eines 



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Dtiv kemigi» flduideiiiiwh« ZengnlMweseD. 61 

Sfndirendeti abgeben. Esr muss b«kanRtii«lir noch Talent, wissem^chaftliciieF 
Sinn, Selbstthätigkeit nebst, zweckmässiger Wahl der Vorlesungen und Studien 
hmzukommen, um ein gänstiges Ergebnis^ zu liefern. Darüber aber sagen 
Uflfsere jetfligen Abgangszeugnisse gar nichts an«, da sie sich — abgesehen 
von den etwa besuchten Seminarien — nur auf die gehörten Vorlesungen 
bezieben, und sich begnügen lediglich die einz^elnen Zeugnisse der Lebrer 
aneinanderzureihen, ohne ein eignes Gesammlortbeil der ausstellenden Behörde 
über den ganzen Menschen, wie er sich während seines Studienlaufe seinen 
Lehrern gezeigt hat, auszusprechen ; also gerade cfie Hauptsache auslassen *)• 
Dazu kommt noch ein besonderer Nachtheil, der för die objiective Wabilieit 
der Ein^elzeugntsse daraus entspringt dass sie in der Regel sofort am 
Schiasse der betreffenden Vorlesung gegeben werden mässen. Ist dieses 
nun die erste die der Studirende bei einem Lehrer hört, und dieser also 
goiötbigt ein Urtheil ober den Zuhörer zu einer Zeit abzugeben wo er ihn 
in der Regel entweder noch gar nicht bemerkt oder nur oberflächlich ken- 
nen gelernt hat: so muss er — vorausgesetzt dass er gewissenhaft nicht 
mehr bezeugt als was er weiss — dieses unreife Urtheil als litera scripta 
verewigt sehen, ohne es durch seine spätem Erfahrungen berichtigen zu 
können; es steht wie eine unvergebene Sünde unwiderruflich und unverän- 
derlich-fest. Freilich hat dieser Nachtheil wenig zu bedeuten bei der eben 
dargelegten Unzulänglichkeit des ganzen von dem Besuch der einzelnen Vor- 
lesungen entlehnten Massstabes , die auch die objectiv richtigsten Einzel- 
zeugnisse treffen würde. 

Hieraus dürfte hinlänglich erhellen dass die jetzige Einrichtung nicht 
nur in de? Form — in der Art wie die Zeugnisse eingeholt werden — 
verfehlt^ sondern auch im Princip selbst — indem sie lediglich den Besuch 
der einzelnen Vorlesungen ins Auge fasst — falsch ist. Es kann sich dem- 
nach auch nicht bloss darum handeln die Mittel zur Erreichung der gestell- 
ten Aufgabe ~ namentlich durch Vervollkommnung der Controle des 
Fleisses und eine die Gewissenhafligkeit der Zeugnisse erleichternde Form — 
zu verbessern, sondern es ist auch die Aufgabe selbst anders zu fassen. 
Es bleibt nichts übrig als die ganze jetzige Art der ileugniss- 
ertheilung wieder aufzuheben, und zu der einfachem, be- 
scheidenem und liberalern Weise, wie sie früher allgemein üblich 



*) Früher scheint die BeifllguDg eines solchen Gissammturtheils der Behörde (wenigstens 
der Facnltfit, die den wissensehaftiicben Theil des A^gangseengnisses lu liefern bat) nicsbl 
Qafcwöhnlich' gewesen' zu sein, ja* es ist — i> wie ich eben ans der „Anweisung für angebende 
Theologen" IV, 11 sehe — sogar vorgeschrieben dass eine Abstimmung darüber sowohl in 
der Facultät als in der akademischen Behörde vorausgehen soll : allein die Schwerkraft des 
Mechanismus, der sich der Sache ^lemSchtigt hat, hat es allmSlig ganz beseitigt. Däss es aber 
durch- eine Reihe von- GinzelEeugnissen Ober die Verlfsungen -- die naIOrlich hier nut* gezfihlt- 
aber>niolirg^iro0en' werden. kOiuitti -r- nidht ersetzt werden kann, liegt m( der Hand^ 

Akadem. Monatsschrift. Febraar 1851. 8 



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62 Das heutige akademitche Zengninwesen. 

war, zurückzukehren. Es wäre demnach die Einriehtung wiederher- 
zustellen dass 

1) die Abgangs- und Sittenzeugnisse (resp. Facultätszeugnisse) 
zwar ein vollständiges Verzeichniss der gehörten Vorlesungen enthalten, aber 
keine Einzelzeugnisse der Lehrer aber dieselben beifügen, sondern nur ein 
Gesammturtheil der ausstellenden Behörde C&lso hier zunächst der 
betreffenden Facultät), soweit sie sich durch die Zeugnisse der Lehrer dazu 
in den Stand gesetzt sieht, über den Fleiss und den wissenschaft- 
lichen Charakter des betreffenden Studirenden überhaupt, wie 
er ihn in der ganzen zurückgelegten Laufbahn bewiesen hat, ansprechen. 

2) dass demnach die dazu erforderlichen Zeugnisse und Nachrich-* 
ten der Lehrer — welche durch die ausstellende Behörde selbst 
(also hier zunächst durch i den Decan der betreffenden Facultät) ver- 
traulich einzuziehen sind — sich nicht über jede einzelne gehörte 
Vorlesung zu erklären, sondern über das bisherige wissenschaftliche 
Verhalten des Studirenden überhaupt, soweit es jedem der Lehrer 
bekannt geworden ist, auszusprechen haben; dass jedoch diese Nachrichten 
der Behörde nur den Stoff und die Grundlage zu ihrem Urtheil liefert, 
wobei sie nicht an den Buchstaben derselben gebunden ist, und freie Hand 
behalten muss von Zeugnissen denen sie Grund hat kein volles Vertrauen zu 
schenken so viel Gebrauch zu machen als sie geeignet findet. 

Es würde folglich die Verpflichtung der Studirenden von Halbjahr zu 
Halbjahr sich Zeugnisse von ihren Lehrern über die gehörten Vorlesungen 
geben zu lassen, und die entsprechende Verpflichtung der Lehrer sie ihnen 
zu geben, ganz wegfallen. Es versteht sich aber von selbst dass jenen 
auch ferner unbenommen bleibt sich Privatzeugnisse von einzelnen Leh- 
rern, denen sie näher bekannt geworden sind, geben zu lassen, da diese 
in dem freien Belieben jedes Lehrers stehen, und keine andere Geltung an- 
sprechen als die ihnen das persönliche Vertrauen verleiht. 

Durch diese Art der Zeugnisserlheilung — und nur durch sie — werden 
folgende Vortheile erreicht werden: 

1) Der einzelne Lehrer bleibt dabei von jedem moralischen Zwang 
der die jetzigen Zeugnisse verfälscht befreit, und kann nie in Verlegen- 
heit und Gewissensnot h kommen: weil jeder nur verpflichtet ist so viel 
zu sagen als er weiss und mit Grund behaupten kann, also sein Nichtwissen 
um so unbedenklicher gestehen darf, da das Zeugniss natürlich nur nach 
denjenigen Nachrichten ausgestellt wird die etwas bestimmtes aussagen; auf 
der anderen Seite aber auch die ganze Wahrheit, auch die ungünstige, in 
diesem Kreise offener und unbefangener sagen kann als dem Betheiligten 
und einem herrschend gewordenen laxen Gebrauch gegenüber. Der Fall dass 
ein Studirender während seines ganzen Studienlaufs keinem seiner Lehrer 
bekannt geworden wäre, wird zwar in einer frequenten Facultät, wie die 



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Dm hettUge akadMiiche Zeugniiiwefleii. 68 

hiesige Iheologische , nicht ausbleiben, aber selten einen Fleissigen treflPen, 
und ist insofern aach ein Zeugniss. Jedenfalls ist aber, wie in der Wissen- 
schaft so auch hier, eine negative Wahrheit (d. h. das Bekenntniss dass man 
nichts sichres wisse) weit erspriesslicher als die Unwahrheit oder Unzu« 
verlassigkeit positiver Angaben, die jetzt alle, auch die wahren Zeugnisse 
verdachtig und unbrauchbar macht. 

Die einzige Schwierigkeit die sich dagegen erheben lässt und gewöhn- 
lich erhoben wird, besteht darin dass bei grösserer Zuhörerzahl viele oder 
die meisten derselben dem Lehrer nur dem Gesiebt nicht dem Namen nach 
bekannt sind; diese folglich bei der vorgeschlagenen Art des Testirens alle 
ein&s Zeugnisses verlustig gehen würden. Dagegen ist schon der Ausweg 
vorgeschlagen worden, und zwar als ein schon ehedem bei der theologischen 
Facultat üblich gewesener Brauch: dass jeder der ein Abgangszeugniss be- 
gehrt vorher die Runde bei seinen Lehrern macht, um sich zu zeigen und 
Abschied zu nehmen. Das mag einige Abhülfe gewahren. Allein abgesehen 
davon dass das nicht immer ausführbar sein wird — z. B. wenn einer schnell 
abzureisen genöthigt oder wiederzukommen verhindert ist — , wird auch dies 
bei der Fortdauer des jetzigen steten Wechsels der Plätze immer nur weni- 
gen zu gute kommen, die zufallig oft in den Gesichtskreis des Lehrers 
gekommen sind, oder einen festen Platz behauptet haben, ich schlage den 
Nachtheil nicht hoch an, weil, wie gesagt, die Nichtkenntniss des einen 
Lehrers durch die Kenntniss des andern ergänzt wird, und im schlimmsten 
Fall die allgemeine Unkenntniss auch ein Zeugniss ist. Aber der Fall dürfte 
auch bei der in Rede stehenden Methode des Testirens künftig viel seltner 
werden als jetzt. Denn sie wird 

2) die Folge haben dass nun die Studirenden wünschen müssen 
ihren Lehrern bekannt zu werden, was sie jetzt nicht nöthig haben« 
da sie ihres guten Zeugnisses auch ohne das sicher sind; dass also die 
Zeugnissertheilung wieder eine sittliche Wirkung auf die Studirenden 
erhält, die sie jetzt ganz verloren hat; und dass sie für jede Anordnung 
die auf Erleichterung der Beobachtung und Bekanntschaft abzweckt nun 
selbst interessirt werden. Dahin gehört namentlich die Herstellung der 
Ordnung dass jeder einen angewiesenen festen Platz im Auditorium 
habe, die eine unumgängliche Bedingung der Bekanntschaft des Lehrers mit 
seinem Auditorium ist. Diese Ordnung ist eine allgemein übliche , nicht 
etwa bloss als eine Anstalt der Controlc, sondern weil sie die natürlichste 
ist. Denn es ist dem Menschen ein natürliches Bedürfniss, dasjenige was 
er täglich zu thun hat auch täglich auf dieselbe Weise zu thun: dem Zu- 
hörer auf demselben Platz zu sitzen, dem Lehrer dieselben Personen vor sich 
zu haben. Der willkürliche Wechsel des Platzes für ein tägliches Geschäft, 
die Nothwendigkeit sich jedesmal von neuem nach einem andern umsehen zu 
müssen, ist unbehaglich und störend, und hat in einer geschlossenen und regel- 
mässigen Gesellschaft wie ein akademisches Auditorium etwas so unnatürliches. 



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61 Bas hABÜge ä&adMiiekii Zev0ä mmo 9€iii. 

jdass man ihn £ast nur alB eine geflissentliche Verwirrung, wie ma sich der 
Beobachtung zu entziehen und eine Controle des Besuchs immögttch w 
«laehen, betrachten kann. Eine Verfugung die geseleliche Ordnung wieder 
zu beobachten und die ausgetheilten Nummern auch wtriiUch ettzvoebinen, 
würde unter der gegenwärtigen Form der Zeügnifiuse, trotz jtUer Vei^is- 
sungen und angedrohten PräJudicien (wie sie in der ,,Anweisung luf angehende 
Theobgen^^ IV, 8. 5 und 7 zu lesen sind), ebensowenig als bisher von Er** 
folg sein, weil die Studenten darauf rechnen können ungeacktei der Nicbt- 
befolgung gute Zeugnisse zu erhalten. Allein sobald die Zeugnisse in der 
vorgeschlagenen Form unfehlbar über jeden negativ lauten der «ich seioea 
Lehrern nicht bemerklich gemacht hat, so sind die Fleissigern bei der Ord-^ 
nung interessirt, und sie wird keinen Widerstand mehr indeu; — Dadurch 
wird es aber ferner möglich dass 

3) das Aufsichtsverhältniss in welches die akademischen Behörden, 
Senat wie Facultäten, zu den Studirenden gesetzlich gestellt sind, und das 
unter den vorhandenen Umständen eine leere Form geworden ist, wieder 
einen Sinn bekommt; dass namentlich die für die Zwecke der Universität so 
wichtige Verleihung der Stipendien und anderer Unterstützungen 
ihre unentbehrliche Grundlage und Bedingung erhält; und statutarische 
Bedingungen einer Wohllhat, wie die „des Fleisses und guten Betragens", 
die in Betreff des Erlasses und der Stundung der Honorare auf dem Titel- 
blatt der Anmeldebücher prangt, lächerlich zu erscheinen aufhören. 

Mit einem Wort : nur dadurch das die akademischen Zeugnisse wieder 
anfangen einigermassen eine Wahrheit zu werden, kommt die Universität 
in ihren Behörden und Lehrern zu der ihr anvertrauten Jugend in das 
gebürende moralische Verhältniss; nur dann erhält sie die unentbehr- 
liche moralische Grundlage und Bedingung aller Lehrwirksamkeit wie 
aller Disciplin, ohne die sie unausbleiblich der Demoralisation entgegen gehen 
muss. Also Grund genug diese Angelegenheit nicht für geringfügig zu hal- 
ten, und sie nicht in ihrem gegenwärtigen Zustande zu lassen. 



Dass, wenn diese Änderung in dem Zeugnisswesen eintritt , *die auf den 
Pieussischen Universitäten bestehenden Anmeldebücher — die in mehr- 
facher Hinsicht eine bequeme und nützliche Anstalt sind, die überall Nach- 
ahmung verdiente — in Folge des Wegfalls der Columoen für die Zeugnisse 
eine andere Einrichtung erhalten müssen, ergibt sich von selbst. Statt deren 
dürften ein paar andere darin Aufnahme verdienen. Eine viel beklagte 
Unsitte der Studirenden ist die späte Anmeldung zu den Vorlesungen, 
ebenfalls von neuerm Ursprung, gleich der Unordnung in den Platzen. Da- 
gegen sind schon gute und böse Worte, dringende Ermahnungen und fulmi- 
nante Drohungen vergeblich angewandt worden, und werden auch foraer 



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Daf hentif e akadMriwi« ZengniMweten. 45 

nicht fruchten, da die Studenten recht gut wissen dass davon nichts zu fftrch- 
ten ist ; wie denn überhaupt diese verbrauchte pädagogische Methode, nament- 
lich die exorbitanten Drohungen, die gerade die entgegengesetzte Wirkung 
macht, auf der Universität wie iai Haus und Staat nachgerade bei Seite 
gelegt werden sollte. Diese Unsitte wird, wie ich glaube, nie ganz zu 
beseitigen sein, so lange das Gesetz besteht dass die Studirenden sich 
nicht eher bei dem Lehrer melden ddrfen als bis sie in der Qnfialar gewesen 
sind, und die betreffende Rubrik des AnmeMebuchs durch eine Bescheinigung 
derselben hinsichtlich der Honorarzahlung ausgefüllt ist. Indem so der 
Accent auf diese fallt, gewinnt es den Anschein als ob den akademischen 
Lehrern die zeitige Honorarzahlung die Hauptsache sei und nicht die Mel- 
dung; ein Schein der nicht ganz ohne Grund sein mag, in meinen Augen 
aber der'Wfirde und Stellung des akademischen Lehrers prfijudicirlich ist, 
und durch seinen moralisdien Eindruck der zeitigen Meldung bei den Lehrern 
mehr Eintrag thun dürfte als die pecuniire Bedingung an sich, die ohnehin 
durch die gestatteten Fristen leicht zu umgehen ist und ihren Zweck ver- 
fehlt. So lange sie aber besteht, wird der eingerissenen Verspätung der 
Meldungen nicht anders entgegengewirkt werden können als durch Anmer- 
knng des Tags der Meldung und ein daran geknüpftes Präjudiz, wie 
auch im neuen Quästurreglement von 1845 vorgeschrieben ist. Soll aber 
diese Vorschrift, die fast gar nicht in Übung gekommen und längst wieder 
vergessen ist, allgemeine Befolgung finden und ihren Zweck erreichen, so 
muss, indem man den Grundsatz ausspricht dass die Meldungen wo möglich 
vor Anfang der Vorlesungen geschehen müssen, einestheiis f&r den 
firagltchen Vormerk eine eigne nothwendig auszufüllende Columne, nebst 
einer zweiten für den Tag des Anfangs der betreffenden Vorlesung, in dem 
Anmeldebuch eingerfiumt werden — so dass die Entfernung zwischen beiden 
Zeitangaben unmittelbar ins Auge fällt*) — ; andenitheils aber das Präjudiz 
angemessmi und ausfiihrbar d. i. nicht zu streng und willkürlich sein (wie 
das in dem Reglement aufgestellte dass der Zeitpunct der Meldung als der 
Anfangspunct des Besuchs der Vorlesung angesehen werden solle) , und nur 
der Cognition der akademischen Disciplinarbehörde oder der Facultät, nicht 
der Staatsbehörde, unterliegen. 



*) Oder noch einfiMher zweierlei Colomnen für die su ertbeilende Nummer dei PIttaei: 
die erste für die Meldungen vor Anfang der Vorlesung, die zweite für die nach dem 
Anfang, nebst BemerJiung des Tags der Meldung. • 



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es Lüeratnr. 

n. 
l I t e r a t H r. 

lieber schule Universität academie. Eine in der »cadeoiie der 
Wissenschaften am 8 november 1849 von Jacob Grimm 
gehaltene Vorlesung. Berlin gedruckt in der druckerei der 
academie der Wissenschaften 1850. Ferd. Dümtaler's* boch- 
handlung. 38 S. gr. 4. Preis 15 ngr. 

Der Grundgedanke des berühmten Verfassers ist S. 6 ausgesprocbeo. 
In der Schule und Universität waltet die Lehre, die Akademie ist von 
ihnen entbunden. Schule und Universitöt unterscheiden sich nur durch die 
Motive, welche den Lehrer und den Lernenden leiten. Wie der Schüler 
nicht die Wahl der Lehre hat, sich nicht aussuchen kann, was er lernen 
will, so leitet den Lehrer der Schulplan. Beide stehen unter dem Lehr- 
zwang. Für den Studenten und Professor fällt der Lehrzwang hinweg; der 
erstere darf sich frei entscheiden für Alles, wozu ihn innere Neigung tragt, 
der letztere ist nur gebunden durch die Rücksicht, den Inhalt seiner Vor- 
lesungen dem Lehrzweck und dem Bedurfniss seiner Zuhörer anzupassen. 
Die Schule steht demnach unter dem Lehrzwang, die Universität hat Lehr- 
freiheit. In beiden ist der Lehrer gebunden, in ersterer durch den 
Schulplan, in letzterer durch die Rücksicht auf seine Zuhörer. Für den Aka- 
demiker dagegen ist, im Gegensatz zum Schulmeister und Professor, die 
volle Lust und Musso des Lernens hergestellt, er ist durck keine 
Rücksicht auf Lehrzweck und B^dürfuiss gebunden, er darf immer oben blei- 
ben oder seine höchste Formel aussprechen und nur das Beispiel legt ihm 
eine wohlthätige Fessel an oder einen zugleich seine innerste Kraft stärken- 
den Zaum. Das Resultat dieser Auffassung ist: dass die Akademie als Gipfel 
aller wissenschaftlichen Einrichtungen erscheint und wie die Universität über 
die Schule, so ihrerseits über die Universität hinausragt. 

Es versteht sich von selbst, dass in der näheren Entwicklung und Be- 
gründung im Einzelnen dem Leser so viel des Wahren und Schönen , so viel 
Beherzigungswerthes vorgeführt wird, dass bei dem massigen Umfang des 
Ganzen Entsagung noth thut, um nicht den grössten Theil der Vorlesung 
wieder abdrucken zu lassen. Aij^zuge aber sind unmöglich , wir müssten 
denn nach Art des in dieser Monatsschrift sich ergehenden emeritirten Pro- 
fessors Aphorismen geben. Und in der That, was der Verfasser giebt, ist 
so gedankenreich, dass sich aus jeder Seite beinahe so viele geistreiche 
Sentenzen ablösen lassen, als Sätze darauf stehen. Wir wollen beispiels- 
weise eine Reihe solcher Sentenzen mittheilen, ohne gerade ängstlich aus- 
zuwählen : 



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„Es ist eine seltsame Erscheinung, dass gerade was dem Ausknd an 
den sronst um nichts Geneideten neidenswerth vorkommt, unsere Schulen und 
Universitäten, bei Mitlebenden unter uns herabgesetzt und als wesentlidier 
Umwandlung bedürftig dargestellt zu werden pflegt*^ (S. 3). 

„Alles Wissen hat eine elementarische Kraft und gleicht dem entspr«n* 
genen Wasser, das unablässig fortrinnt, der Flamme, die einmal geweckt 
Ströme von Licht und Warme aus sich ergiesst^' (S. 4). 

,JBeinahe in aUen Zungen sind bedeutsam die Wörter des Lernens und 
Lehrens unmittelbar von einander gebildet*^ (S. 5). 

„Im Lernen waltet unschuldiges Behagen und grössere Freiheit; die 
Lebfie erscheint im Geleite einer von ihr unzertrennlichen und dem freien 
Wissen Eintrag thuenden Autorität . . . Das Lernen ist findend und schöpfe- 
risch, die Lehre nur festigend und gestaltend; nimmer wärde sogar die 
tr^flnichste Lehre ihr Werk verrichten, träte ihr nicht aus dem Lernenden 
ein empfängliches und mitfruchtendes Verstindniss gegenfiber^^ (Ebendas.}- 

„Das Christenthum und die aus ihm hervorgegangene Kirche bezeich- 
nen insgemein einen so durchdringenden Wendepunkt der Geschichte wie 
aller einzelnen Richtungen unseres Welttheils, dass auch die Fortpflan- 
zung des menschlichen Wissens in allen seinen Fugen davon berührt wer- 
den musste" (S. 6). 

„Die niedere Schule ist allgemeine Spenderin einer Lehre ohne Unter- 
schied, die Heerstrasse für alle Kinder, gleichsam das gröbste Sieb, durch 
welches deren frühste Anlagen gebeutelt werden"*) CS. 9). 

„Ich wünsche dem Volk möglichst geringe Abgaben; doch wie Almosen 
dem Einschuss in Armencassen sind auch Schulgelder und Collegienhonorare 
der ihres Abgangs wegen nöthig werdenden Erhöhung der Besoldung für 
Schulmeister und Professoren aus Staatsmitteln vorzuziehen, schon aus dem 
natürlichen Grunde, weil die unmittelbar bezahlte Schule und Vorlesung 
immer fleissiger besucht zu werden pflegt. Wer sich ein Buch gekauft hat, 
liest es weit genauer, als der es leihen kann" (^. 14}. 

„Das heute oft und mit heiserem Schrei erschallende Begehren voller 
Freiheit des Unterrichts, die Vielen zur Freiheit ausschlagen würde nicht zu 
unterrichten noch unterrichtet zu werden, ist so vieldeutig, dass ihm wieder 
alle eigentliche Bedeutung entgeht" QS. 15}. 

„Die classischen Sprachen sind uns Mittel und Handhabe für Unzähliges, 
fast Unberechenbares geworden, sie wecken Sinn, Geist und Herz zusammen 
und flössen uns Kraft und Tugend in ihren reichen Denkmälern ein. Was 
soll ausser ihnen gelesen werden^*)? Gewährt halben, um nicht zu sagen 

^) Der Abscbnitt über „die Schule" ist besonders reich an trefflichen Sentenzen. Bei- 
nahe alle einzelnen Sätze sind Sentenzen. 

*^) Nfimlich auf Gymnasien. Ein gewichtiger Ausspruch von dnem Manne wie Jacob 
Grimm? 



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GB 

vollen EfSAta ihrer Natur, Frische und WaKifa irgend eine der iteueren 
Sprachen? In dieser daariaehen Literatur ist uns Vernunft) Freiheit und 
Poesie ftgeben.^' (& 17). 

„Man sagt, dass deittsche Sprac^gel nicht überall nach kteinächer zq 
emessen sei; gleieh wahr ist, dass wir selbst Feinheiten naserer eigenen 
Sprache erst an der classischen fiihlen md erkennen lernen'' (S. 183, 

„Ich lese lateinisch geschriebene Beden lebender Gelehrten mit der 
Empfindung, dass keine andere Zunge der Erde sich zu so bemessenem, 
gedrungenem und wohllautendem Ausdruck hergäbe, dass nirgend sonst so 
anständig, reingewaschen und wohlgerällig einhergeschritten werden könnte; 
doch zugleich mit dem Gefühl, gewisse Stellungen und Wemliwgen wurde 
die heimische immer mit grösecer Wärme und Wahrheit ausstatten, weil sie 
bei jedem Zug sich ihrer lebendiger bewusst bleibt und dies Bewusstsein in 
Anwendung eines fremden Idioms nnaushieiblich sieh erkältel. Ein heat- 
zutage latein Schreibender oder Redender ist in Gefahr gerade da ans dem 
Ton zu fallen, wo ihm die sichtbarste FuUe classischer Redensarten fliesst 
und zu Gebot steht/' 

„Das ist der auf allem Vaterländischen ruhende Segen , dass man mit 
ihm Grosses ausrichten kann, wie besdiränkt seme Mittel scheinen oder gar 
seien; ein Stuck hausbackncn Brotes ist uns gesünder als der fremde 
FJaden" CS. 19). 

,^Voa der niederen zur höheren Schule besteht ein oft nur unmerk- 
licher Uebergang, vom Gymnasium zur Universität kein Portgang, sondern 
ein Sprung. Beide Anstalten sind Gast in Allem anders, und nicht zu ge- 
ringem Schaden ausgeschtagen ist es immer den Gymnasien, wenn man sie 
zu universitälisch, den Universitäten, wenn man sie zu gymnastisch einrich- 
ten wolUe" CS. 22). 

„Die Universität hat ihren ersten im. Mittelalter empfangenen. Znschnitt 
oder Anstrich viel weniger verwunden als das Gymnasium seinen scholasti- 
schen, von ihrer Grundeinvicbtung in Faeultäten au' bis auf die alleij[üngst} 
unbillig und dem Zeitgeist zum Aerg^er aus der Plunderkammer hervor ge- 
langte Professorentracht" (ebeudasO* 

„IHisstrauische Vorsicht in Dingen, die von Natur freien Lauf haben 
sollen, erreicht selten ihren Zweck. Ein Grundübel unserer Zeit scheint mir 
das Anhäufen wiedwholter endloser Prüfungen, wodurch sich der Staat 
gegen den Andrang der Unwissenbeit zu sichern und überall des Besten 
habhaft zu werden glaubt Das erschwerte. Spiel macht er sich, damit doch 
ziL leicht" (S. 24> 

„Zum Wesen der Universitäten gehört, dass auf ihnen alle Wissenschaf- 
ten zulässig seien^ was durch die vier Faeultäten freilich nur unvollständig 
bezeichnet werden kann. Offenbar ist solches Nebeneinanderwirken der 
Wissensphaften ung^m^in belebend und für Professoren wie Studenten höchst 
fördersam ; unerwartete Berührungen brechen daraus von allen Seiten hervor 



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Literatiir. M 

ttBd können abogleidi yerfolgt werden. Universitfiten, die, wie in Frank- 
reich, einzelne Zweige der Wissenschaft ausschliessen , arten in blosse Sor- 
bonnen, Rechtsschulen, Arzneischulen aus'^ (S. 25. 26}. 

„Den Akademien kommt zu statten, dass sich der Zeitgeist Mngst und 
immer stärker zu Vereinen hinneigt, deren unmittelbare Thätigkeit von Natur 
warmer ist, als sie der Staat aus seinen Mitteln anzufachen oder zu nähren 
vermag oder auch immer Lust hat. Spanien und Prankreich ertragen nur 
eine einzige Akademie , wir in Folge unserer Zerrissenheit , und Italien 
ans gleicher Ursache, besitzen ihrer eine ziemliche und fast überflüssige 
Anzahl« (S. 28). 

„Das Forschen . . muss so endlos sein wie der sich über uns dehnende 
Raum, in dessen unermessene Fernen wir immer weiter vordringen. Jede 
Wissenschaft ist ein sich wölbender Tempel, am Giebel aber bleibt eine Öff- 
nung, die nicht kann zugemauert werden, gleichsam ein Anblick des mensch- 
lichen Augen undurchdringbaren Himmels" (S. 31). 

„Da keine Wissenschaft erschöpft oder erschöpflich ist, so wird an jeder 
Stelle, wo man in sie eindringe, Gewinn aus ihr erbeutet werden, wie aus 
dem Boden, wo man in ihn senke, quellendes Wasser zu ziehen ist« (S.31). 

„Die Wissenschaft hat kein Geheimniss und doch ihre Heimlichkeit; sie 
mag nicht oft auf der grossen Heerstrasse weilen, sondern lieber sich in 
alle Wege« Pfade und Steige ausdehnen, die ihr neue Aussichten öffnen, wo 
ihr jedes Geleit zur Last wird. In der Ebene treibt sich das Gewühl der 
Menge, Anhöhen und Berge werden immer nur von Wenigen erklommen« 
(S. 34}. 

Wenn diese und andere Sentenzen geeignet sind, die Sympathie voll- 
standig zu rechtfertigen, die allerwärts dem berühmten Verfasser entgegen- 
tritt, und wenn ebensowohl die Herrschaft des Gedankens als die prachtige 
Form, in der er geboten wird, den Leser zur Bewunderung hinreisst, so ist 
es gleichwohl ein Punkt, ein Hauptpunkt freilich, in welchem wir dem ver- 
ehrten Akademiker nicht beipflichten und den wir einem Manne gegenüber, 
der „mit anspruchloser Offenheit keinem Anstoss oder Bedenken ausweichen 
will, das einige seiner Ansichten mit sich führen können«, offen besprechen 
werden. „Hinten zu halten und mich zu bergen war meine Sache nie«, sagt 
der Verf, und auch wir wollen redlich bekennen, worin er uns nicht über- 
zeugt hat. Es ist das Verhältniss, wie er es zwischen Universität und Aka- 
demie bestimmt. Auch wir erkennen willig die Akademie, wenn sie ist wie 
sie sein soll, als eine vortreffliche Anstalt an, der die Wissenschaft unbe- 
rechenbare Erfolge zu danken haben kann. Wir laugnen aber die von dem 
Verf. behauptete absolute Scheidung zwischen Universität und Akademie. In 
der Sache besteht diese Scheidung nicht und zu keiner Zeit ist sie anerkannt. 
Nennen sich doch geradezu viele Universitäten in amtlichen und wissenschaft- 
licheh Urkunden „Akademie«, bezeichnet man doch so oft die Studenten als 



▲kaden. MonaiMchrifl. Febraar 1851. 



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70 Lil^Mtar. 

Akftdemiker^ die Vorletsungen anf Universilfiten alid akddi$mi«eh«, und etothflll 
man sich dieser Bezeichnungen doch höchistens da, ivo nebcfn der Univel^Mt 
eine Akademie besteht, ob mit Recht wird sieb zeigen. Wir werden) iadmn 
wir diese Sebeiduhg anstreiten, zuerst die Aufgabe der Universität als 
höchster Lehranstalt und sodann das Corpus Doctonim der Universität ins 
Auge fassen. 

,,AlIe Mittheilung, heisst es S. 5^ geschieht in zwiefacher Absicht, ent- 
weder will der Mittheilende Beifall oder Tadel über das Mitgetbeilte ver- 
nahmen, oder er will es auf Andere übertragen und nur diese letzte Rich- 
tung heisst Lehre im eigentlichen Sinn/' Irren wir nicht, und das sogleich 
auf diese Worte Folgende beweist, dass wir nicht irren, so bezeichnet damit 
der Verfasser die Unterscheidung zwischen der Vorlesung auf der Universi- 
tät und jener in der Akademie. Auch wir verkennen nicht, dass die aka- 
demische Vorlesung eine mehr kritische, die Vorlesung des Professors mehr 
eine Lehrbedeutung hat; aber wir sind der unmassgeblichen Ansicht, dass 
weder dort noch hier die eine Bedeutung die andere ausschliesse. Ware der 
einzige Zweck der akademischen Vorlesung, Beifall oder Tadel über das 
Mitgetheilte zu vernehmen, so möchte die Existenz der Akademie gar precar 
erscheinen; jedenfalls könnten die Akademiker diesen Zweck eben so gut 
und noch gründlicher lediglich dadurch erreichen, dass sie ihre Abhand- 
lungen drucken Hessen. Uns däucht vielmehr, der Zweck aller Vorlesungen 
sei überall zunächst Belehrung, wobei es freilich von dem mehr oder weni-' 
ger gehobenen Standpunkt der Zuhörerschaft abhängen wird, wie weit der 
in jedem öffentlichen Auftreten liegenden Aufforderung zur Kritik entsprochen 
werden wird. Wenn aber überall die Kritik von Wirkung sein soll, so 
wird sie nothwendig den Charakter der Lehre annehmen und so könnte 
man dem Verf. höchstens zugeben, dass in der akademischen Vorlesung dds 
Verhältniss sich umgekehrt gestalte, indem hier vorzugsweise die Ztfhörer^ 
Schaft die Lehre übernehme, während auf der Universität mehr der Pro- 
fessor als der Zuhörer lehrt. Dai^ Forschen, oder wie es der Verf. lieber 
nennt, Lernen als ausschliessliche Eigenthumlichkeit der Akademie zu betrach- 
ten, finden wir eben so wenig gerechtfertigt als dass das Lehreti der aus- 
schliessliche Zweck der Universität sei. Dann wäre letztere eben nichts 
Anderes als eine Schule. Sie ist aber mehr als Schule und als Akademie, 
aus keinem andern Grunde als weil sie beides zugleich ist. Die-^Universitfit 
ist unseres Dafürhaltens eine Anstalt, an welcher die Wissenschaft in ihrem 
ganzen universellen Umfang eben sowohl zur freiesten Fortbildung und Ent- 
wicklung als zur heilsamsten, fruditbarsten Aneignung gepflegt werden soll. 
Jene Fortbildung und Entwicklung stellt sie der Akademie an die Seile, diese 
Aneignung giebt ihr den Charakter der Lehranstalt. Bei aller wirklidi wissen- 
schaflichen Thätigkeit lässt sich nur ein Zweck dehken, die Wissenschaft 
selbst, ihre freie Fortbildung und Entwicklung. Dass hiezu ein we^htticbes 
Mittel die Lehre ist, könnte schon das bekannte „docendo discimus^ nielit 



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»freifvlMI laci«en. Bi<ie Lehre «ber, die nur das Fertige miuheilen, auf 
Apdere übertragen wollte, wäre wenigstens keine wissenschaftlicbe 
Lehre. Wie alle Wissenschaft in ihrem Pfleger Selbstthatigkeit und Selbst- 
ständigkeit voraussetst, so muss auch die wissenschaftliche Lehre sich nicht 
auf das blosse Uebertragen beschranken, sondern zugleich Selbstthatigkeit 
und Selbstständigkeit in Anderen erzeugen. Ist aber diess der Charakter 
der wissenschafUichen Lehre, so muss diese selbst zeugend auf den Lehrer 
zurttokwirkeo und Zuhörer voraussetzen, die wenn auch nicht quantitativ 
doch qualitativ dem Lehrer an Fähigkeit zur Selbstthatigkeit und Selbst* 
standigfseit gleich stehen. Der Verf. selbst lasst den Lernenden vom Leh- 
rer entzündet, den Lehrenden durch das Entgegenkommen des Lernenden 
tiefer angeregt werden. Ja es gibt kein bloss passives Empfangen, kein 
bloss actives Geben. Alles wirkliche Lehren ist Lernen und alles wirk- 
liche Lernen wirkt als Lehre auf den Lernenden selbst zurück; der Uni- 
versitätslehrer, weicher gestehen musste, nicht auch von seinen Zuhörern 
gelernt zu haben, durfte sich nur geringer Erfolge zu rühmen haben. Die 
Unbefangenheit des gebildeten Hörers dringt oft tiefer in die Scbwierigkeiteii 
ein, als die tiebte Gelehrsamkeit. „Dadurch, dass .die Universität Lehr-» 
anstatt ist, sagt der schon erwähnte Aphorist (A. M. S. Jahrg. 1850 S. 179)9 
wird ihre Eigenschaft als Akademie nicht negirt. WolUe sie auf letztere ver- 
zichten, so wurde sie einen Selbstmord begehen. Dem Universitätslehrer 
die akademisdie Wirfcsamkeji, d. h. die Förderung der Wissenschaft als sol-* 
eher, abschneiden wollen, beisst ihn wissenschaftlich vernichten, da nur der 
prodootive Leher ein wissenschaftlicher Lehrer ist. Das Gerede, die wissen-* 
scbaftliche Thatigkeil des Professors solle immer nur Lehrthatigkeit sein, 
will ihn zum biosses Schulmeister machen; dann könnte man ihn dem Charon 
vergleiefaan, der die Leute nur über den Acheron zu setzen hat, ohne je 
selbst Zutritt ^um Eli»um zu haben.^^ Es klingt nur, es ist nicht paradox, 
weiui wir selbst die sg. Lehrgabe beim Professor für Nebensache erklären. 
Wie Bitern am besten durch ihr Beispiel die Kinder erziehen, so muss der 
Pr^essor den Studenten als Producent vorleuchten und ebenso seine Schrif« 
ten wie seine Vortrage müssen die Productionskraft der Jugend anregen, 
auf dass er von jhr wieder lerne. Nicht das allein unterscheidet das Gymna- 
sium von der öhiversität, dass dort Lehr zwang, hier Lehrfreiheit herrscht, 
dass dort der Lehrer an iea Schulplan gebunden ist, hier nicht; ebenso- 
wenig ist es lediglich die Erwerbung von höheren Kenntnissen, welche 
den Studenten vom Sdiuier unterscheidet; sondern das Wesen des Unter- 
schieds liegt in der ganzen Stellung des Lernenden. Der Beruf des Stu- 
denten ist^ in die Reihe der Mitpfleger der Wissenschaft einzutreten; der 
Schfiler lernte was ihm ooUi ihut, der Student erkennt den Punkt, auf wd^ 
ehern idie Wissensi^aft steht, und begreift, was der Wissenschaft noth thut- 
Wahrend der Schuler sieh beschränkt auf das, was ihni der Lehrer mtttheilt, 
wahrend ih« niK^ht zugeuuitbet wird« Anderes yom geistigen Schatze oder 



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73 litenitor. 

den geistigfen Schatz anders zu haben, als was und wie es der Lehrer gab, 
so tritt der Student in das selbstthätige und selbststdndige Leben der Wissen- 
schaft ein. • Ebendesshalb setzt aber die Universität auch Studenten voraus, 
die nach ihrem ganzen Bildungsstande fähig sind, akademische Burger zu 
sein, damit die allerdings gerechte Zumuthung, welche der Verf. dem Pro- 
fessor macht, den Inhalt der Vorlesungen dem Lehrzweck und den Bedürf- 
nissen der Zuhörer anzupassen, denselben nicht zum Schulmeister degradire. 
Jene Voraussetzung widerspricht aber der Ansicht des Verf. über die Hata- 
ritdtsprüfungen. Allerdings sind wir mit ihm einverstanden, dass ein Grund- 
obel unserer Zeit das Anhäufen wiederholter endloser Prüfungen sei, „die 
nur erhitzte Vorbereitungen und Treibhausfrüebte zu erzeugen pflegen, wel- 
che 'unreif abfallen, nachdem das Examen bestanden ist, also der inneren 
echten Triebkraft unvermerkten Abbruch thun>^ Aber diess triflft unseres 
Dafürhaltens am wenigsten die Maturitätsprüfung, welche allerdings den 
Eingang in die Universität bedingt und erschwert. Der Verf. sagt: „Der 
Gymnasiast muss befugt sein, endlich die Schale zu verlassen; von seinem 
Abgang an lösen sich zwischen ihr und ihm die Bande, und welchen Weg 
er nun einschlagen i\ill, steht in seiner Wahl. Wie Kirche und Schauspiel 
dem Eintretenden o9Fen gehalten sind, sollte jedem Jüngling das Thor der 
Universität aufgethan und ihm selbst überlassen sein, allen Nachtheil zu 
empfinden und zu tragen, wenn er unausgerüstet in diese Hallen getreten 
ist. Denn die Befähigung der Menschen hat ihre eignen, stillen Gänge und 
thut unerwartet Sprünge; wie sollten alle gleichen Schritt halten, den der 
Prüfung zwängendes Mass fordert? Den schlummernden Funken kann die 
erste gehörte Vorlesung oder eine der folgenden plötzlich wecken, und der 
bisher scheu und verschlossen gewesene thut es nun auf einmal Denen weit 
zuvor, die ihn Anfangs übertroffen hatten." Wie viel Wahres hierin auch 
vom Standpunkt des Einzelnen aus liegen mag, dieser Standpunkt ist nicht 
der einzig entscheidende. Was der Verf. beweist, ist, dass von der Matu- 
ritätsprüfung Pedanterie ferne gehalten werden soll, und damit sind wir voll- 
kommen einverstanden. Allein auch die Universität selbst, ihr Wohl und 
Wehe muss ins Auge gefasst werden, wenn es sich um die Maturitatsfrage 
handelt; die Rückwirkung darf nicht unberücksichtigt bleiben, welche das Ein- 
dringen unvorbereiteter, unreifer, ungebildeter Jünglinge in ihre Hallen auf 
die ganze Anstalt übt. Kirche und Schauspiel stehen freilich dem Gebildeten 
wie dem Ungebildeten offen, folgt aber daraus etwas für die Universität? 
Es ist in dieser A. M. S. schon einmal gesagt worden, dass d^ Kreis der 
Universitätsstudirenden nicht in unnatürlicher Weise erweitert werden dürfe 
(Jahrg. 1850 S. 254); die Ansicht des Verf. hätte eine solche Erweiterung 
zur Folge und mit ihr könnten sich Rohheit und Unverstand in den Hör- 
sälen breit machen. Dann freilich wird ein „Herabsteigen^^ des Professors 
zu der Fassungskraft seiner Zuhörer nothw endig und mit ihm ein Verzicht 
darauf, die Wissenschaft wissenschaftlich zu bebandeln. Wir unseres TheOs 



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Lit6ratar. 73 

verlangen aber auch vom Proressor, wie der Verf. vom Akademiker, 
dass er in seinen Vorlesungen durch die Stumpfheit eines Theils seines 
Auditoriums nicht gehindert werde „oben zu bleiben, oder seine höchste 
Formel auszusprechen/^ Freilich wenn der Eindringling allein „allen Nach- 
theil zu empfinden und zu tragen*^ hätte, so möchte ihm die UniversitAt 
den Eintritt unverwehrt lassen; wäre es aber nicht eine naheliegende 
Möglichkeit, dass eine betrachtliche Anzahl solcher Leute den Professor 
zu einer Popularität drängte, wie sie der Wissenschaft ewig fremd blei- 
ben soll»)? 

Wenn wir bis hieher der Universität ihren akademischen Charakter in 
der Richtung vindicirten, dass ihre Eigenschaft als höchste Lehranstalt ihn 
nicht vernichte, so mässen wir nun aber auch noch die corporative Seite 
der Universität ins Auge fassen, wonach sie ganz ebenso wie die Akademie 
„einen freien unabhängig gestellten Verein von gelehrten Männern an der 
Spitze der Wissenschaft'^ darbietet. Wir wollen in dieser Beziehung nur an 
das völlig akademische Leben und Treiben nicht bloss so vieler einzelner 
Facultäten, sondern ganzer Universitäten erinnern; wir wollen zu diesem 
Zwecke auf die vielen von einzelnen Facultäten unternommenen und ruhm- 
voll fortgeführten wissenschaftlichen Zeitschriften, wir wollen auf die von 
Universitäten herausgegebenen umfassenden Literaturzeitungen hinweisen und 
auf die Art und Weise, wie sie vollkommen coUegialisch redigirt wurden 
und werden, von rein wissenschaftlichen Gutachten ganzer Universitäten und 
einzelner Facultäten zu schweigen. Wir können in dieser gemeinsamen 
literarischen Thätigkeit nichts erblicken, wodurch sie sich von der akademi- 
schen unterscheiden sollte. Was die Pariser Akademie „über alle französi- 
schen Akademien erhebt'S ist nicht der akademische Charakter der Akademie, 
sondern der Umstand, dass die „französischen Universitäten " eben keine Uni- 
versitäten wie die deutschen sind, sondern in „Sorbonnen, Rechtsschulen, 
Arzneischulen'' ausgeartete Specialschulen, wenn deren auch mehrere unter 
dem Namen Facultö in einer und derselben Stadt neben einander bestehen. 
Insofern aber solche Specialschulen, auch wenn ihnen für einen einzelnen 
Zweig der Wissenschaft die Aufgabe nicht niedriger gestellt ist, als der 
Universität, des innigen Verkehrs entbehren, in welchem alle Wissenschaften 
unter einander stehen, wird ihr Schicksal immer sein, dass sie zu Mittel- 
schulen werden, an welchen vielleicht recht fieissig gelernt, aber wenig 
studirt wird. Das durch die Totalität der Wissenschaft in den Gliedern der 
Universität erzeugte, nie zu stillende Sehnen nach einer noch nicht erreich- 



*) Professoren, welche in Folge von Vocation in ein Land kommen, wo die Gymnasial- 
bildung bedeutend niedriger i^t als in dem Land, das sie verlassen haben, können davon 
erzählen, welche Pein ihnen die Voraussetzungslosigkeit macht, zu der sie durch den schleoh* 
ten Schulsack ihrer Hörer verdammt sind. 



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n 

ton VoBkonmcttkeit und das rastlose Fortstreben der Wissenschaft blttibt 
der Specialschule fremd. Jenes universelle wissenschaftliche Streben tbeilt 
die Universität mit der Akademie. 

Wohl bezeichnet es der Verf. als eine (aber nur auf den ersten Blick) 
,, auffallende Eigenheit^ der Akademie, dass sie die drei ersten Facoltatan 
ausschliesse und dass ihr, wie er sieh ausdruckt, ,,nur die Wissenschaf- 
ten vierter Facultat angehören/^ Wir unseres Theils finden in diesem 
„Ausschlüsse^ nichts Auffallendes, wir finden aber darin auch weder mit 
Anderen einen „Nachtheil^^ noch mit dem Verf. einen „Vorzug^^ Sondern 
wir halten dafür, dass dieser Ausschluss gar nicht existire, in welcher Ansicht 
wir gerade durch die Art und Weise,, wie ihn der Verf. zu rechtfertigen 
sucht, bestärkt werden. „Es leuchet ein, sagt er, dass jene drei Pacultäts- 
Wissenschaften keine sind noch sein können im Sinne der akademischen. 
Entkleidet man sie Dessen, was in ihnen schon anderen Wissenschaften an- 
gehört, so bleibt ihnen eine feste, unbewegliche Satzung zurück, die bei 
noch so hohem Werthe wissenschaftliches Gehalts ermangelt. Man nehme 
der Theologie Kirchengeschichte, orientalische und classische Sprachstudien 
und Moral, welche bereits Stücke der Historie, Philologie und Philosophie 
sind, oder der Jurisprudenz ihre überreiche Rechtsgeschichte, die einen 
glänzenden Theil aller und jeder Geschichtsforschung bildet, und deren Gegen- 
satz das Naturrecht ; so sieht sich der Theolog auf sein Dogma, der Rechts- 
gelehrte auf sein ständiges Gesetzbuch gewiesen , denen sie beide Geltung 
verschaffen möchten und die nur der Lehre, nicht mehr des unendlichen 
Forschens bedürfen. Die Heilkunde fordert zur Erkenntniss der Krankheiten 
und Arzneien umfassende Studien in der Naturgeschichte und Chemie; allein 
der sie ausübende Arzt unterscheidet sich von dem wissenschaftlichen Natnr- 
forscher, wie das Studium der Anatomie weit über den Bedarf des Chirnr- 
gcn hinaus zu hohen Ergebnissen führt. Die Ergründung der gestörten 
Gesundheit und die Kunst sie herzustellen ist durch jene Wissenschaften 
bedingt, ungefähr wie die Kriegskunst in Mathematik, Geographie und Ge- 
schichte, die Politik in Philosophie und Geschichte schöpfen. Hieraus folgt, 
dass die drei ersten Facultälen keine neuen wissenschaftlichen Gesetze ent- 
falten, nur die geltenden anwenden." Jedenfalls ist dieses Raisonnement einem 
Missverständniss ausgesetzt, das wir dem Verf. unterzuschieben weit entfernt 
sind , das wir aber zu beseitigen uns im Interesse der Sache gedrungen 
sehen. Wir erinnern uns, wie einmal dem Bewunderer einer herrlichen 
Landschaft ein Opponent, der diese Bewunderung nicht theilen zu können 
versicherte, sagte: Um Gott, was wollt Ihr mit dieser Gegend? Nehmt die 
Berge, den Fluss und die Vegetation hinweg, so bleibt von der ganzen 
Herrlichkeit nichts übrig! Eine Theologie ohne Kirchengeschichte, orien- 
talische und classische Sprachstudien und Moral, eine Rechtswissenschaft 
ohne Rechtsgeschichte und Rechtsphilosophie — wären sie wirklich noch eine 
Wissenschaft? So gewiss jene Landschaft obAe Berge« Fiuss ,und Vcgeti^iQU 



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keine Gegend, sondern ein Chaos waren, so gewiss lasst sich eine theologi- 
sche und juristische Wissenschaft nicht denken ohne Geschichte, Exegese 
und Philosophie; ja noch mehr, die Wissenschaft, die dann übrig bliebe, wflre 
gegenstandslos, wie ein Messer ohne Heft und Klinge. Das wollen wir gerne 
zugeben, dass eine theologische, juristische und medicinische Section in der 
Akademie nicht nothwendig sind, aus keinem anderen Grunde, als weil sie 
schon in der philosophisch -historischen und in der physikalisch -mathemati- 
schen Classe eingereiht sind. Dass es aber Partieen in der Theologie, Juris- 
prudenz und Medicin gebe, welche in diese beiden Classen nicht eingereiht 
werden könnten, mussten wir entschieden negiren, weil jede tüchtige For- 
schung auch im Gebiete des bloss Gegebenen nur mit wissenschaftlichen 
Mitteln gemacht werden kann und immer zu wissenschaftlichen Resultaten 
führt, und wenn es sich um den einzelnen Paragraphen eines modernen 
Gesetebuches oder einen Kaiserschnitt handelte« 

So ergiebt sich uns denn, dass ein wesentlicher innerer Unterschied 
zwischen Universität und Akademie nicht statt findet. Was sie scheidet, ist 
in der That anssenvesentlich und ausserlich. Der Verf. hat dasselbe S. 29 
anxudeiiten versucht, wenn er Kloster- und WeUgeistitchkdt mit Akadent« 
und Universität vergleicht. Wir halten den Vergleich auch in den vom Verfc 
gesteckten Gränzen nicht für glücklich und schlagen lieber vor, an zwei 
Kategorien von Klöstern zu denken, eine, in welchen die Mönche mit ihren 
Stud^ zugleich eine Lebraufgabe verbinden, und eine, in welchen diese 
Vetbinduttg fehlt. Dass das Lehren am Stndiren, am Forschen oder, wie 
der Verf. es nennt, am Lernen hindere, halten wir nur dann für begröndet, 
wenn die Wahl des Lehrfechs keine freie oder der Hörer kein ebenbürtiger 
ist. Steht aber das Corpus Doctorum einer Universität dem Corpus Doctorum 
der Akademie in jeder wesentlichen Beziehung gleich, so müssen wir auch 
in Abrede ziehen, was der Verf. ans der behaupteten Versdiiedenheil für 
die Ergänzung des Corpus folgert. Während er Cir die Akademie die freieste 
Wahl beansprucht, soll nach S. 26 der Staat die Wahl der Professoren nicht 
aus seiner Hand lassen. Wir geben gerne zu, dass ausnahmsweise einmal 
kümmerliche Rücksicht auf Nebenbuhlerschaft den Anschlag geben könne; 
wir negiren diess aber für die Regel ebenso wie wir die wählende« 
Akademiker, von Motiven des Neides freisprechen md verlangen für die 
Facultäten das Propositionsrecht, wenn auch die endliche Entscheidung der 
Regierung vorbehalten bleiben mag. Wir machen diesen Anspruch nicht als 
Privilegium geltend, sondern als gemeines Recht oder noch besser als ge- 
meine Verpflichtung aller CoUegien im wohlgeordnel^ Staat. Eine naher« 
Begründung mag hier unterbleiben. 



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76 Corrtwpoiideiu. 

in. 
Gomspondenz. 

= Göttingen, Anfang Januar. cAkademuche« Ho«pitai.) Das in dem Schrei- 
ben vom 2. Dec. erwähnte neue akademische Hospital ist für die Universität 
so wichtig, dass ich Ihnen die darauf bezüglichen Vorschritten mittheilen 
will. Die erste Bekanntmachung, die Benutzung des akademischen Ho- 
spitals zu Göttingen betreffend, lautet wörtlich : „Mit Genehmigung des König- 
lichen Universitats - Curatoriums werden folgende Bestimmungen über die 
Benutzung des neu eröffneten akademischen Hospitals veröffentlicht. §• 1* 
Nur arme, für den klinischen Unterricht interessante Kranke werden unent- 
geltlich aufgenommen. §. 2. Wer sich daher zur Aufnahme melden will, 
hat ausser einem obrigkeitlichen Zeugnisse seiner Armuth eine ärztliche Be- 
scheinigung über seinen Krankheitszustand portofrei einzusenden. Kranke, 
welche sich persönlich stellen, bedürfen nur des erstem. $. 3. Kranke, 
welche einer der obengenannten Bedingungen nicht entsprechen, werden nur 
gegen Bezahlung aufgenommen. Unheilbare und Geisteskranke jedoch auch 
nicht gegen diese. §. 4. Es zahlen in den allgemeinen Krankensälen unter- 
gebrachte Kranke täglich sechs gGr.; für Separatzimmer, deren übrigens 
nur eine geringe Anzahl vorhanden ist, kostet der Tag 14 gGn Für diesen 
Preis, der beim Eintritt für 30 Tage voraus niedergelegt werden muss, 
erhalten die Kranken ärztliche Behandlung und Arznei, die nöthige Wartung 
und Pflege, Krankenkost, Bettwäsche, Heizung und Licht. §. 5. Innerlich 
Kranke männlichen Geschlechts werden im laufenden Winterhalbjahre vom 
Hofrath Conradi, innerlich Kranke weiblichen Geschlechts und Kinder unter 
15 Jahren vom Hofrath Fuchs bebandelt; der chirurgischen Abtheilung steht 
Professor Baum, der für Augen^ und Ohrenkrankheiten Professor Ruete vor. 
Die zur Aufnahme sich Heldenden haben sich hiernach an diese oder deren 
Assistenten zu wenden; doch werden Einlaufe, welche an den Hospital- 
vorstand adressirt sind, demjenigen der Oberärzte zugestellt werden, in des- 
sen Bereich der Fall gehört. Kranke in Separatzinimern können sich von 
demjenigen der genannten Aerzte behandeln lassen, welchen sie wünschen. 
S. 6. Verwandte und Freunde der im Hospitale befindlichen Kranken können 
diese Sonntags von 1^3 und an allen Wochentagen von 1 — 2 Uhr Nach- 
mittags besuchen, wenn sie sich beim Pförtner melden. Zu andern Zeiten ist 
aber das Hospital Allen, welche nicht in ihm beschäftigt sind, verschlossen, 
und in Krankenzimmern, in weichen ansteckende oder lebensgefährliche Kranke 
liegen, werden auch zu den Besuchstunden Fremde nicht zugelassen. $. 7. 
Den Kranken dürfen ohne Erlaubniss der Aerzte Esswaaren, Getränke u. dgL 
nicht zugetragen werden. Auch wird von den das Krankenhaus Besuchen- 
den erwartet, dass sie nicht vergessen, sie seien in einem Hause der 
Leidenden. §. 8. Die Aerzte können jeden Kranken entlassen, den sie nicht 
mehr für das Hospital geeignet finden. Familien, Gemeinden u. s. w., welche 
entweder unmittelbar oder durch die Obrigkeiten aufgefordert werden, Kranke 
aus der Anstalt abzuholen, haben diess in möglichst kurzer und jedenfalls in 
der ihnen gestellten Frist ohne Widerrede zu thun. Unterlassen sie es, so 
werden die Kranken auf ihre Kosten nach Hause gesandt und, wo es nöthig 
ist, begleitet und gefahren werden. $. 9. Jedem Kranken steht es frei, %^ 
bald er will, aus dem Hospitale auszuscheiden, wenn sein Gesundheitszustand 
diess ohne Gefahr zulässt, wenn er an keinem ansteckenden Uebel leidet 



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Correspondeni. 77 

und wenn nicht die Behörden, Eltern oder sonstige Angehörige, welche dazu 
berechtigt sind, anders verfügt haben. §. 10. Die im Hospital Verstorbenen 
werden, nacb^lem die LeichcnöfiTnung geschehen, auf Kosten derer, von wel- 
chen sie untergebracht sind, nie auf Rechnung der Anstalt, 48 Stunden nach 
ihrem Ableben beerdigt. Die Angehörigen u. s. w., welchen von dem erfolg-r 
ten Tode stets, soweit es möglich ist, Nachricht gegeben werden soll, haben 
Sorge dafür zu tragen, dass diese Frist eingehalten wird. $.11. Mit jeder 
der vier Hospitalkliniken ist eine ambulante Klinik verbunden, an welcher 
Kranke aus der Stadt und vom Lande, wenn sie für den Unterricht von 
Interesse sind, freie Arznei erhalten können. Innerlich Kranke, ohne Unter-* 
schied des Geschlechts oder Alters, behandeln auf diese Weise sowohl Hof- 
rath Conradi, als Hofrath Fuchs, ersterer täglich um 10, letzterer täglich 
um halb 12 Uhr. Professor Baum hält chirurgische ambulante Klinik um 
halb. 9, Professor Ruete. die für Augen- und Ohrenkrankheiten um 2 Uhr. 
S. 12. Diese Zeiten sind auch die geeignetsten zu persönlichen Anmeldungen 
für die Aufnahme ins Hospital; ob aber im einzelnen Falle diese oder nur 
eine ambulante Behandlung noth wendig sei, hängt von dem Ermessen der 
Aerzte ab. Göttingen, den 20. November 1850. Der Hospitalvorstand. 
Conradi. Fuchs. Baum. Ruete.'^ 

Unterm l.December erschienen: I. „Vorschriften für die im aka- 
demischen Krankenhause verpflegten Kranken: 1. Die Kranken 
sollen die Anordnungen der Aerzte genau befolgen und ihren Wärtern oder 
Wärterinnen gehorsam sein. 2. Sie haben bei der Aufnahme ihre Kleidungs- 
stücke bis auf das unumgänglich Nöthige und ihre sonstigen Effecten an die 
Wärter abzgueben, unreine Wäsche gegen reine Hospitalwäsche zu vertau- 
schen und sollen ohne Erlaubniss nicht mit den Kleidern in oder auf dem 
Bette liegen. 3. Ordnung und Reinlichkeit müssen jedem Kranken angelegen 
sein; die Betten und Geräthschaften des Hospitals sind zu schonen. 4. Nie- 
mand darf sich von Speisen oder Getränken etwas ohne Erlaubniss des Arz- 
tes zutragen lassen. Niemand seine Portion vertauschen, verschenken oder 
verkaufen. Reste müssen der Wärterin zurückgegeben werden. 5. Die 
Kranken sollen Niemand, der das Hospital besucht, um etwas ansprechen, 
noch von Jemandem Etwas annehmen. 6. Ohne Erlaubniss der Aerzte und 
Vorwissen der Wärter darf Niemand sein Zimmer verlassen. 7. Zu Spazier- 
gängen ist bei guter Witterung Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr der 
Hospitalgarten bestimmt, und auf Ansuchen bei den Aerzten wird denen, 
deren Krankheitszustand es zulässt (jedoch mit Ausnahme Syphilitischer, Aus- 
schlagskranker u. s. w.), die Erlaubniss dazu auf eine halbe bis ganze Stunde 
ertheilt werden. Ausgänge in die Stadt werden dagegen nur ausnahmsweise 
und bei besonders dringender Veranlassung gestattet. 8. Wer das Hospital 
zu verlassen wünscht, hat den Oberarzt davon in Kenntniss zu setzen und 
sich seinem Entscheide zu fügen. Wem aber von diesem gesagt wird, dass 
er das Krankenhaus verlassen könne, der hat dieser Aufforderung, wenn 
nicht anders verfugt wird, binnen 24 Stunden nachzukommen. 9. Der Aus-^ 
tretende hat an den Wärter oder die Wärterin Alles, was er vom Hospitale 
im Gebrauche hatte, zurückzuliefern, und es werden ihm dagegen die mit- 
gebrachten Sachen ausgehändigt. 10. Wer es wünscht, soll vom Verwalter 
einen Austrittsschein mit der Angabe der Krankheit, an welcher er behandelt 
wurde, der Dauer seines Aufenthalts in der Anstalt und des Curerfolges er- 
halten. 11. Die Kranken haben sich ruhig und verträglich mit ihren Zimmer- 
genossen zu verhalten und sich folgsam gegen das Wartpersonal und die 

A-kadem. Monatsschrift. Febrnar 1851. 10 

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78 Correspondenz. 

SHtdifenden, welche sie im Auftrage des Oberarztes besuchen^ auch ehr- 
erbietig gegen diesen, die Assistenzärzte und den Hausverwalter zu beneh- 
men. 12. Sollte Jemand gegründete Klagen über die Wärter oder Wärterin- 
nen, über die Kost oder andere Gegenstände zn führen haben, so hat er 
dieselben dem Arzte vorzutragen. 13. Kranke, welche diesen Vorschriften 
zuwider handeln, machen sich der Wohlthaten des Hospitals verlustig. Nach 
Umständen werden weitere Massregeln zur Bestrafung getroffen werden. 
Der zur Strafe Fortgeschickte hat sogleich das Hans zu verlassen Und erhält 
kernen Austrtttsschein. Göttingen, den 1. December 1850. Der Hospital- 
Vorstand. Conrad!. Fuchs. Baum. Ruete.^^ — H. „Hausordnung des 
akademischen Hospitals zu Göttingen. 1. Das Hospital ist hülfe- 
suchenden Kranken zu jeder Zeit und den Studirenden zu den Stunden des 
Unterrichts offen. Denjenigen, die im Krankenhause nur Besuche machen 
wollen, kann der Eintritt nur in dem Maasse verstattet werden, als es ohne 
Belästigung der Kranken und ohne sonstige Störung möglich ist. 2. in der 
Nacht — von 8 Uhr Abends his 7 Uhr Morgens — wird nur für schwerer 
Erkrankte und solche, die für diese Hülfe suchen, für Bedienstete des Hauses 
und für Studirende, welche sich durch Karten der Oberärzte als berechtigt 
ausweisen können, geöffnet. 3. Die Zeiten des Tages, in welchen den Stu- 
direnden der Medtcin, ivelche die Kliniken oder andere im Hospitale gehal- 
tene Vorlesungen besuchen, das Hospital offen steht, werden durch Anschläge 
in den Hörsälen bekannt gemacht. 4. Besuche bei den Kranken von Ange- 
hörigen werden — mit den nöthigen Beschränkungen — Sonntags von 1—3 
Uhr, an den Wochentagen von 1 — 2 Uhr zugelassen. Die Besuchenden haben 
sich bei dem Pförtner zu erkundigen, ob der Kranke zu sehen Ist, und sich 
das 2tmmer anzeigen zu lassen. Packe, Körbe und Gefässe, welche Be- 
suchende mit sich tragen, sind beim Pförtner abzulegen. Es ist untersagt, 
den Kranken irgend Esswaaren u. dgl. zuzutragen: ein Umherschweifen im 
Hause wird nicht geduldet. Kein Krankenbesuch darf länger als eine halbe 
Stunde währen. Kommen die Besuchenden mit Packen, GefSssen n. dgl. zum 
Thore zurück, so ist der Pförtner berechtigt, zn untersuchen,, was diese 
enthalten. 5. Dieselben Bestimmungen gelten für diejenigen, welche Wärter, 
Wärterinnen oder andere Dienstleute des Hauses zu sprechen wünschen. 
6. Fremde, welche die Anstalt besehen wollen, haben sich an den Haus- 
verwalter zu wenden, der sie ihnen zu passender Zeit zeigen wird. 7, Die 
Ruhe und Ordnung im Krankenhause darf in keinerlei Weise gestört werden. 
'S. Hunde dürfen nicht mitgebracht werden. 9. Das Tabakrauchen ist auf 
den Treppen, in den Gängen, Hörsälen und Krankenzimmern untersagt. 

10. Jede Verunreinigung oder Beschädigung des Gebäudes oder der dazu 
gehörigen Gegenstände wird zur Anzeige gebracht und bestraft werden. 

11. Es wird erwartet, dass Jedermann den Beamten des Hospitals, den Ober- 
ärzten und Assistenten, sowie dem Hausverwalter, mit Achtung begegne, 
und ihren Weisungen, sowie den Aufforderungen des Pförtners und des 
Wartpersonals in ihrem Dienstkreise Folge leiste. 12. Dagegen haben sämmt- 
liche Bedienstete des Hauses bei allem Ernste, mit welchem sie ihren Dienst- 
anweisungen nachzukommen haben, Sitte und Höflichkeit nie ausser Augen zu 
lassen. Begründete Klagen gegen sie in dieser Hinsicht werden mit Strenge 
geahndet werden. 13. Zu allen andern Tageszeiten, als in den sub 3 und 4 
hezeichneten, ist das Hauptthor verschlossen zu halten und nur auf den Ton 
der Glocke zu öffnen. 14. Die Thüren, welche von den Krankenabtheilungen 
auf die Haupttreppe führen j sind nur zur Zeit^ in welcher in der treffenden 



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Conftpond^nz. 29 

Abtheilaog Klinik gehalten wird, offen zh halten, sonst von innen zu yer- 
schliessen. Besuchende können klingeln; der innere Verkehr des Hauses 
aber findet durch die Lauftreppen statt. 15. Die Zimmer für syphilitische 
und Ausschlags-Kranke, sowie die die Räume, in denen andere ansteckende 
oder sehr gefährliche Kranke liegen^ sind für Jedermann, ausser für die 
Aerzte, verschlossen. Vor Allem gilt dicss von der Separiranstalt. 16. Die 
Einfuhrthore und Hinterpforte des Hofes, sowie die Seitentliüren des Gebau* 
des hält der Hausverwalter unter Verschluss und öffnet dieselben nur zum 
jedesmaligen Gebrauche. 17. Alle Dienstleule des Hauses haben im Sammer 
am 5, im Winter um 6 Uhr des Morgens aufzustehen und sich an ihre Ar- 
beit zu begeben. 18. Die Eintheilung der Geschäfte jedes Tages bleibt theils 
den speciellen Instructionen, theils den Anordnungen des Hausverwalters und 
der sonstigen Vorgesetzten überlassen, denen Jeder Folge zu leisten hat. 
19. Niemand darf ohne Erlaubniss ausgehen. Das Warlpersonal und die 
Kranken haben dieselbe von den Aerzten, die andern Dienstleute vom Haus- 
verwalter einzuholen. 20. Das Frühstück der Kranken muss um 7 Uhr, ihr 
Mittagessen um 12 Uhr und das Abendessen um 6 Uhr bereit sein. Auf ein 
Zeichen mit der Glocke haben es die Wärter und Wärterinnen in der Küche 
in Empfang zu nehmen. 21. Eine halbe Stunde nach den Patienten isst das 
Dienstpersonal. 22. Die Recepte werden täglich sogleich nach jeder Klinik 
in die Universitäts- Apotheke gebracht und 2 Stunden später die Arzneien 
dort abgeholt. Es ist zu diesem Zwecke von jeder Abiheilung nur eine 
Person des Warlpersanals zu verwenden und die einzelnen Wärter und Wär- 
terinnen haben woehenweise zu wechseln. Zu anderer Zeit gemachte, nament- 
lich dringende Ordinationen haben die Hausknechte so schnell als möglich 
zu bestellen und in der Regel die verlangte Arznei u. s. w. sogleich mit- 
zubringen. 23. Wenn Leuten des Dienstpersonales die Erlaubniss zum Aus« 
gehen ohne bestimmte Frist ertheilt ist, so müssen sie im Winter vor 6, im 
Sommer vor 8 Uhr Abends heimkehren. 24. Fremde ins Haus einzuführen 
oder gar in demselben übernachten zu lassen, ist streng verboten. 25. So- 
bald es dunkelt, werden die Lampen in den Gängen und Krankenzimmern 
angezündet. In jedem Gange muss mindestens ein Licht, in jedem Kranken- 
zimmer ein Nachtlicht die Nacht hindurch brennen. 26. Von 9 Uhr an muss 
die tiefste Stille in allen Theilen des Hospitals herrschen und alles Umher- 
laufen in den Gängen ohne Noth und bestimmten Zweck, alles Geräusch durch 
lautes Reden, rasches Auf- und Zumachen der Thüren u. s. w. ist straffällig. 
27. Jede Nacht zwischen 12 und 2 Uhr Morgens hat entweder der Portier 
oder einer der beiden Hausknechte (abwechselnd) die Nachlrunde durchs 
ganze Haus zu machen und nach Feuer und Licht zu sehen. Sie sollen 
dabei aber jeden Lärmen vermeiden, kein Krankenzimmer betreten und nur 
wenn sie etwas Verdächtiges oder Ungehöriges bemerken, dasselbe entweder 
selbst abstellen oder am andern Morgen dem Hausverwalter zur Anzeige 
bringen, oder endlich, wo es nothwendig ist, diesen, die Assistenten u. s. w. 
wecken. 28. Allen Angehörigen des Krankenhauses wird Massigkeit und 
Sittlichkeit, strenge Rechtlichkeit und friedfertiges Benehmen zur Pflicht ge- 
macht. Trunkenbolde, Zänker, unsittliche oder unehrliche Menschen werden 
augenblicklich ihres Dienstes entlassen und nach Umständen der Polizei zur 
Bestrafung übergeben. 29. Ebenso wird gegen diejenigen verfahren, welche 
ihren Vorgesetzten äle schuldige Achtung oder den Gehorsam versagen, oder 
die sich ein rohes Benehmen gegen Kranke, Hausgenossen oder Besucher 
des Hospitals zu Schulden kommen lassen. 30. Geringere Dienstvergehen 



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90 Gorrespond^i. 

können, wenn Verweise nicht fruchten, vom Hospitalvorstande mit temporä- 
rem Verluste der Butter, des Zuckers und Fleisches und mit Entziehung der 
Weihnachtsgeschenke gestraft werden : für die Beschädigungen aber, die dem 
Hospital-Eigenthume durch das Verschulden einzelner Dienstleute zugefügt 
werden, haften diese mit ihrem ganzen Lohn und überhaupt. Göttingen, den 
l.December 1850. Der Hospitalvorstand. Conradi. Fuchs. Baum. Ruete.^^ 
ni. „Bestimmungen über die Benutzung des akademischen Ho- 
spitals durch die Studirenden. 1. Das Hospital wird für die Studie- 
renden der Medicin, welche die Kliniken besuchen, im Winter von 8 Uhr 
Morgens bis 12 Uhr Mittags und von 2 — 3 Uhr Nachmittags, im Sommer 
von 7—12 Uhr Vormittags geöffnet sein; sie haben sich jedoch an die Klinik 
anzuschliessen, welche im Gange ist. Nur den Prakticanten, welchen Hospital- 
kranke zttgetheilt sind, ist es verstattet, diese einige Zeit vor dem Beginne 
der trefi'enden Klinik zu besuchen, um über ihr Befinden Auskunft zu erhal- 
ten. Die übrigen Zuhörer versammeln sich zur festgesetzten Zeit in dem 
biezu bestimmten Saale und machen die Visite nur mit der Klinik. 2: Ausser- 
dem können und sollen die Prakticanten die ihnen zugetheilten Kranken täg- 
lich nochmals in den Abendstunden — im Winter zwischen S und 7, im 
Sommer zwischen 6 und 8 Uhr — sehen. Sie haben diese Besuche aber 
ohne Begleitung anderer zu machen und auf ihre Kranken zu beschränken. 
3. Ausser diesen Zeiten können Besuche bei den Kranken nur mit Ermäch- 
tigung des Professors der Klinik stattfinden. Studirende, welche während 
der Nacht — nach 8 Uhr Abends — im Hospitale Einlass finden oder viel- 
leicht die Nacht dort zubringen sollen, um bei Operirten u. s. w. zu 
wachen, erhalten zu diesem Zwecke Karten, welche sie dem Pförtner abzu- 
geben haben. Diesem müssen auch diejenigen namentlich und persönlich 
vom Oberarzte bezeichnet sein, welche im Separirhause zugelassen werden 
sollen. 4. Es ist Studirenden nicht erlaubt, Fremde im Hospitale umher- 
zuführen; sie haben dieselben vielmehr an den Hausverwalter oder die As- 
sistenten zu verweisen. 5. Für den Besuch anderer im Hospitale gehaltenen 
Vorlesungen, der stattfindenden Leichenöfi'nungen u. s. w. wird das Hospital 
5 Minuten vor bis 15 Minuten nach der Stunde, aufweiche das CoUegium dcc. 
angesetzt ist^, offnen gehalten Die Eintretenden haben sich unmittelbar in 
den Hör- oder Sections-Saal u. s. f. zu begeben und ebenso nach beendig- 
ter Vorlesung zurückzukehren. 6. Es wird erwartet, dass alle das Kranken- 
haus benutzenden Mediciner, des Berufes eingedenk, den sie sich erwühlt 
haben, nie vergessen werden, dass die Zwecke dieser Anstalt nicht ohne 
strenge Ordnung erreicht werden können. Sie werden dann im Verkehre 
mit den Kranken die Pflichten der Humanität, wie die Gebote des Anstandes 
und der Sitte beobachten, die Vorschritten der allgemeinen Hausordnung 
genau befolgen und das Dienstpersonal des Hauses in der getreuen Aus- 
übung seiner Pflichten schirmen und unterstützen. Göttingen, den 1. De- 
cember 1850. Der Hospitalvorstand. Conradi. Fuchs. Baum. Ruele." 

a. Leipzig, Anfang Januar. (Das chemische Laboratonnm der Universität.) DaS hio- 

sige akademische chemische Laboratorium, welches zum Unterschied von einem 
zweiten, ebenfalls der Universität angehörigen, unter der Leitung des Prof. 
Kühn stehenden und besonders von Medicinern und Pharmaceuten besuchten 
Laboratorium, gewöhnlich als das „erste^^ bezeichnet wird, wurde im Jahre 
1843 nach den Angaben des jetzigen Dirigenten, Prof. Erdmann, erbaut und 
ein Jahr darauf der Benutzung übergeben. Es durfte sich die Universität 
Leipzig Glück wünschen, eine der ersten Universitäten Deutschlands gewesen 



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Correflpondem. 81 

zu sein, welche ein nmrassendes Institut för das Studium der Chemie erhal- 
ten hat, das sich unbedingt den ersten Anstalten dieser Art an die Seite 
stellen kann. Die Anerkennung, welche die Leistungen dieser Anstalt von 
den Männern der Wissenschaft gefunden haben, liefert den deutlichsten 
Beweis, dass der daselbst befolgte Gang des Studiums der Wissenschaft 
gewiss der am meisten dem Zwecke entsprechende ist. Denn wie verschie- 
den auch die Zwecke, die Richtungen sein mögen, welche bei dem Studium 
der Chemie von den Studirenden verfolgt werden, so muss nothwendiger 
Weise die Art des Studiums der Wissenschaft für alle dieselbe bleiben, mag 
nun die Chemie den Einzelnen Hauptstudium oder untergeordnete Hülfs- 
Wissenschaft sein, mag der Einzelne in der Chemie nur die wissenschaftliche 
Wahrheit erstreben oder die Anwendungen ihrer Lehren auf andere Zweige 
der Wissenschaft oder auf Künste und Gewerbe ms Auge fassen. Der in 
dem Leipziger Laboratorium eingeschlagene Gang für das Studinm der Chemie 
gründet sich nicht auf ein Suchen nach dem unmittelbar praktisch Anwen- 
baren, sondern auf die Aneignung der Fähigkeit, eine Untersuchung zu fuh- 
ren, um auf wissenschaftlichem Wege und nicht durch Zufall zu den gesuch- 
ten Resultaten zu gelangen. Sei ein junger Mann Techniker von Fach, oder 
Pharmaceut, oder Hediciner, oder Cameralist, oder studire derselbe die 
Naturwissenschaften im Allgemeinen, oder beabsichtige er endlich später für 
die technische. Chemie durch Anlegung von Fabriken thatig zu werden, so 
ist es klar, dass es nicht genügend sein kann, nur chemische Vorlesungen 
besucht zu haben, in denen fuglich nicht mehr als die Resultate der chemi- 
schen Forschungen und hinsichtlich der Methoden, durch welche die Wissen- 
schaft diese Thatsachen errungen hat, nur Andeutungen gegeben werden 
können. Um eine Einsicht in das Wesen dieser Methoden zu erlangen, ihre 
Anwendbarkeit, den Grad ihrer Sicherheit und somit die Data zur Beurthei- 
Inng chemischer Arbeiten zu erlangen, ist der Besuch eines Laboratoriums 
unerlässlich , und zwar eines Laboratoriums, in welchem streng wissen- 
schaftlich und methodisch gearbeitet wird. Und diese Art des Arbeitens 
ist in dem Leipziger Laboratorium eingeführt. Der Director des Instituts 
(Prof. Erdmann), welchem ein Assistent (Dr. Rudolph Wagner) und ein 
Famulus zur Seite stehen, ist fast unausgesetzt beschäftigt, den Unterricht 
der Studirenden zu leiten und ihre Arbeiten zu beaufsichtigen. Die fort- 
währende Gegenwart des Vorstandes und seines Assistenten geben den Stu- 
direnden Gelegenheit, Zeugen der Arbeiten derselben, sowie derjenigen der 
neben ihnen beschäftigten Commilitonen zu sein, die bereits eine selbst- 
ständige Untersuchung auszufuhren im Stande sind, was den grossen Vor- 
theil mit sich bringt, dass in verhältnissmässig kurzer Zeit eine Summe von 
Anschauungen und Erfahrungen gesammelt werden kann. Wir heben als 
besonderen Vorzug des Leipziger Laboratoriums hervor, dass der Director 
stets gegenwärtig ist und seinen Schulern zu Liebe eine Zeit opfert, die 
sonst zu wissenschaftlichen Untersuchungen angewendet worden wäre. Die Zahl 
der bis jetzt in dem Institut gebildeten Chemiker ist eine sehr ansehnliche 
und eine grosse Anzahl von Gelehrten, Technikern, Aerzten und Pharma- 
ceuten sind stolz darauf, sich Schüler Erdmanns nennen zu können. Wie 
überhaupt der Chemie und den Naturwissenschaften alljährlich neue Jünger 
zugeführt werden, so steigert sich auch der Besuch des Leipziger Labora- 
toriums von Jahr zu Jahr. In dem gegenwärtigen Semester zählt das Labo- 
ratorium 30 Prakticanten. Von diesen widmen sich der Chemie als Haupt- 
fach 15, der Medicin 8, der Pbarmacie 4, dem Berg- und Hüttenwesen 2, 



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981 Correspoodens. 

der Landwirtiuschaft 1. Das Laboratorium hat auch im Auslände gerechte 
Anerkennung gefunden und mit jedem Semester steigert sich die Zahl der 
i^usserdeutschen Staaten Angehörenden. So befinden sich in diesem Semester 
unter den Prakticanten 3 Engländer, 2 Franzosen, 1 Spanier und i Russe. 
Die zum Laboriren bestimmten Räume beßndeB sich in einem eigens dazu 
erbauten Gebäude in der Nähe des Augusteums und bilden eine Zierde der 
Stadt. Eine genaue Beschreibung aller Räumlichkeiten des Leipziger Labo-' 
ratoriums ist im Journal für prakt. Chemie (XXXI. p. 65«) gegeben worden. 
Es sei erwähnt, dass das hiesige Laboratorium in Bezug auf Zweckmässig* 
keit, Bequemlichkeit der Prakticanten und Billigkeit des Honorars (dasselbe 
beträgt 20 Thir. für den halbjährigen Cursus, wofür ausserdem das Institut 
Utensilien, Brennspiritus u. s. w. iiefert; das Laboratorium ist geöffnet lag«- 
lieh von 9 Uhr Morgens^is Nachmittags 4 Uhr) unbestritten das erste 
Deutschlands ist. Die sich immer steigernde Frequenz des Instituts schreiben 
wir dem Director des Laboratoriums zu, der nicht als mürrischer Pedant, 
sondern als geliebter Meister, als freundlicher Rathgeber mit seinen Schülern 
arbeitet. — Vergleicht man die hiesigen Institute für das Studium der Natur* 
Wissenschaft mit denjenigen anderer Universitäten, so wird, man finden, dass 
in Leipzig bezüglich des. Studiums der Chemie Allem aufgeboten worden ist, 
um dasselbe zu erleichtern; hat doch selbst. Berlin, das sich so gern die 
erste Universität Deutschlands nennt, kein öfTentliches Laboratorium, und — 
kaum glaublich — liegt aller praktische Unterricht der Chemie daselbst in 
den Händen einiger Privatdocenten. — Mag daher Leipzigs Universität jenem 
Manne dankbar sein, der das chemische Laboratorium und noch so manches 
Institut — wir führen nur an die K. S. Gesellschaft der Wissenschaften, das 
mineralogische Cahinet, das magnetische Obscrvalorium , das archäolagische 
Museum — schuf und ausbildete. Und dieser Mann war der Herr v. Wieters- 
beim, bis zum Jahre 1848 Vorstand des Ministeriums des Cultus und oiTent* 
liehen Unterrichts. 

d. Jena, Ende Derember. (Cbrooik der Universität im .i. i86o.) L Das Personal 
der Lehrer. Zum ordentlichen Professor der medicinischen Facultät wurde 
ernannt der ordentliche Honorarprofessor Dr. Martin, welcher am 13. Nov. 
seine Stelle in der Facultät durch eine Rede antrat, wozu er durch ein Pro-' 
gramm (Duo sectionis caesareae in Institute poUclinico obstetricio lenensi 
peractae exempla) einlud; zum ordentMchen Honorarprofessor in der philo-- 
$ophischen Facultät der ausserordentliche Professor Dr. Fischer; zu ausser- 
ordentlichen Professoren der Privatdocent in der theologischen Facultät Dr. piuL 
Hilgenfeld, die Privatdocenten der juristischen Facultät Dr. Schulze, Dr. 
v. Hahn, Dr. Girtanner, Dr. Chambon; in der philosophischen Facultät 
die Privatdocenten Dr. Oscar Schmidt, Dr Bippart und Dr. Stark. Seine 
$telle als Mitglied der Facultät trat am 20 April Hofrath Dr. Wackenroder 
durch eine Rede an, wozu er durch ein Programm (de cerevisiae vera mix- 
lione et indole chemica) einlud. Die Universität haben verlassen der ausser- 
ordentliche Professor Dr. Weissenborn, einem Rufe an das Gymnusium 
zu Erfurt folgend, der ausserordentliche Professor der theologischen Facultät 
Dr. Stieren, mm Diaconus in Ebenach ernannt, und der Privatdocent der 
philosophischen Facultät Dr. Bernard. Am 27. Mai habilitirte sich als Privat- 
docent der philosophischen Facultät Dr. G. Herrn. Schaf fer durch Verthei- 
digung seiner Dissertation : de ratione inter arithmeticam et geometriam, 
wozu der Deca», Prof. Dr. Sri eil, durch ein Programm einlud: Formula 
jge«eraU$ r^fructionis simplicis lun^nis u^ethoilo elementaria demonstrata. 



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€orre»poiideni. BJ( 

H. Zahl der ^tudirenden. Im Sommerhalbjahr ergab sich der Ab- 
gang von 108, wogegen immatriculirt wurden 118. Es betrug die Gesammt'» 
zahl der Studirenden 393, darunter 97 (Auslander 27, Inlander 70) der 
theologischen, 100 (Ausl 31, Inl. 69) der juridischen, 73 (Ausl. 21, Inl. 51) 
der medidniscben , 114 (Ausl 68, Inl. 46) der philosophischen Pacullät an- 
gehörten, 10 mit besonderer Erlaubniss die Vorlesungen besuchten. 

III. Promotionen. Die juristische Doctorwürde erwarb am 19. März 
Christian Theodor Herzog aus Jena. Am 18. März ward von der juristi- 
schen Facultät die Concurrenzpröfung zu der von ihr zum Andenken &es 
Stiftungstages der Universität gestifteten Doctorpromotion abgehalten und 
unter den Concurrenten Anton Voliert aus Alstädt die Promotion zuerkannt, 
welche unterm 30. Juni vollzögen wurde. Zu Doctoren der Medicin und 
Chirurgie wurden nach Vertheidigung ihrer Dissertationen creirt am B. März 
J.A.Gläser aus Hamburg (Diss. : de abscessu in fossa iliaca); am 20. März 
Kerl H. Th. Birkenbusch aus Grasschütz (Diss.: de venae sectione); am 
am 21. März C. Descorps aus Guadeloup (Diss.: sur la dissenteric ob- 
servee aux AntiHes); am 18. Mai Arthur Lutze, prakt. Arzt in Köthen 
(Diss.: de cataractae extractione); am 23. Juni Justinus Kärner, prakt. Arzt 
zu Frieseck (Diss.: de febribus intermittentibus); am 13. Juli Ernst Ludwig 
Schöllbach (Diss.: de exartrculaifone ossis humeri); am 15. Juü PhiUpp 
Tscheck, prakt. Arzt zu Moor in Ungarn (Diss.: de lypho abdommali). — 
Die pbilosophist^he Doctorwürde erhielten: am 20. Februar Joh. Nepomuk 
£ormann aus Ungarn; am 1. März Eduard Hartstein aus dem Herzoge 
thum SiM^hsen; ain 11. März Ludwig August Hoffmann aus Berlin; am 
16. März Rubolph Paul Schulze aifö. Dresden; aiu 19. März Friedrich Abi 
aus Lemberg und Adolph Plifke aus Glatz; am 23. März Julius Adolph 
Pabst aus Dresden; am 28. März Heinrich Hermann Christoph Nickels 
ausH&fnfburl; am 3. April Valentin Edvard Noodt aus Hamburg; am 4. April 
Joh. Hieronymus Fr. Heller aus Nörnberg; am §. April der Director des 
pädagogischen Instituts zu Birkenruh Albert Hollander; am 10. April Fried- 
rich Karl Ortloff aus Jena; am 29. April David Heymann Joel in Posen 
und Richard K. Fr. Wilhelm Zernial aus Straussberg; am 30. April Robert 
Albert Leidenfrost aus Bielitz in Mähren; am 3. Mai Hirsch Jaffe aus 
Posen und Marx Hermann Fenkner aus Goslar; am 7. Mai Wilhelm Fr. 
Dönkelberg aus Scharumburg; am 26. Mai Heinrich Albert Zedier aus 
Hannover; am 29. Mai Karl Brinckmaier aus Braunschweig; am 22. Juni 
Theodor Alexis Wilh. Bobe aus Naumburg; am 29. Juni Karl Julius Ludwig 
Schultz aus Laben; am 1. JuU Fr. Alexander von Gauvain; am 16. Juli 
Syrus Archimedes Schwarzkopf aus Meiningen; am 24. Juli Adolph 
Frankel aus Brönn; am 1. Aug. Ludwig Hille aus Hannover und Alexan- 
der Franz Hoffmann aus Bemburg; am 2. Aug. Friedr. Wilh. Rudioff 
aus Magdeburg. Dieselbe Würde wurde am 10. Juli dem Generalmusik«- 
diredor Jacob Meyerbeer honoris causa ertheilt. Die Würde eines 
Magisters der frei«i Künste erwarb sich am 2. Juli Dr. Karl Julius H. 
Schiffer. 

IV. Akademische Acte. Am 3. Aug. übernahm das halbjährig-e Pro*- 
rectorat Geh. Hofrath Dr. Husch ke, zu welcher Feierlickeit der Professor 
der Beredsamkeit Geh. Hofrath Dr. Hand durch ein Programm einlud (de 
Persii siatira prima dissertatio). Zu gleicher Zeit ward der Lectionskatalog 
mit der Vorrede desselben Verfassers (Handii Commcntationes criticae) aus^ 
gege)»««. Dais Deoanat in den vier Faeuttaten öberftahmen Prof. Dr. Ruck er t^ 



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84 Correspondens. 

Gebeimerath Dr. Schmid, Prof. Dr. Siebert und Prof. Dr. Stickel. Am 
24. Angust ward die Feier der Preisvertheilung begangen. Die theologische 
Preisaufgabe: ^^Exponatur de Wettii, olim theologi Jcinensis, merita in theo- 
logiam christianam^' hatte nur eine Bearbeitung gefunden, welcher der zweite 
Preis zuerkannt wurde. Ihr Verfasser ist Eduard Neumeister aus Ger- 
stungshausen. Die juristische Aufgabe war unbeantwortet geblieben. Die 
Aufgabe der inedicinischen Facuilät : „Quid in tubis nervorum primitivis con- 
tineatur^^ war durch eine Abhandlung so gelöst worden, dass derselben der 
erste Preis zuerkannt wurde. Der Verfasser ist Hugo Gesenius aus Halle. 
Die philologische Aufgabe: „eine Sammlung der griechischen Orakel und 
deren Beurtheilung in Beziehung auf Stil und Versbau^^ hatte einen Bearbeiter 
gefunden, welchem der erste Preis zugesprochen wurde, Moriz Vermehren 
aus Jena. Die physikalische Aufgabe hatte eine geschichtliche Darlegung 
der elektromagnetischen Telegraphik verlangt. Der Verfasser einer Abhand- 
lung, Heinrich Ludwig Köchert aus Eisenach, erhielt den ersten Preis, 
ebenso der Verfasser einer Abhandlung über die naturwissenschaftliche Frage: 
„wechselt die Menge der oxydirten anorganischen Bestandtheile in den glei- 
, chen Organen ein und derselben Pflanze während der früheren und späteren 
Vegetationsperiode?*' Emil Staffel aus Weimar. Die bei dieser Feierlich- 
keit gehaltene Rede, welche auch gedruckt erschienen ist, hatte bekannt zu 
machen, dass wegen financieller Missverhältnisse die Aufstellung neuer Preis- 
aufgaben bis auf Weiteres ausgesetzt werde. So konnte nur eine Aufgabe 
von der mediciniscen Facultät nach der Stiftung des Herzoge von Altenburg 
gegeben werden: Wiederholung der Blondlotschen Versuche über die Galle. 

er. Greifs Wald, den 14. December. CFr«queiiz. Habilitationen und Piomotionen. 
Florello. Versamnilung der Natorfurscher. Feier des KönigUclien Geburtstages und Preisvertlielliing. Per- 
sonalien. Ein neues Gebttude für die anatomischen Arbeiten und Sammlungen.) In diCSem Winter* 

Semester sind auf der hiesigen Universität immatriculirt 189*Studirende: 
24 Theologen, 42 Juristen, 71 Mediciner und 52, welche der philosophischen 
Facultät angehören. Das Rectorat geht vom 1. Jan. k. Js. an auf den Pro- 
fessor Dr. Kosegarten über. — Während des Sommersemesters habilitirte 
sich bei der juristischen Facultät der Königliche Oberstaatsanwalt Dr. Fried- 
berg, nachdem ihm die Doctorwurde honoris causa von der juristischen 
Facultät verliehen war. In seiner öffentlichen Habilitationsredo entwickelte 
Hr. Dr. Friedberg die Veränderungen, welche das Preuss. Strafrecht ins- 
besondere in den letzten Jahren bis zur Einfuhrung des öffentlichen münd- 
lichen Verfahrens erfahren hatte. — Ausserdem wurden von derselben Fa- 
cultät die Herren Schiriner und Lochte zu Doctoren rite promov.rt. Die 
theologische Facultät verlieh dem durch längere Amtstüchtigkeit bewährten 
Consistorialrath Me bring in Stettin die theologische Doctorwurde honoris 
causa. — Bei der medicinischen Facultät habilitirten sich die Herren 
Dr. Haeckermann und Prosector Dr. Schult ze (Sohn des Anatomen Hof- 
rath Schnitze). — Die philosophische Facultät verlor durch den Tod den 
bejahrten ausserordentlichen Professor der classischen Literatur, Florello. 
Der Verstorbene, ein Schv/ede, gehörte bereits schon 'in der Zeit, als die 
Provinz Neu-Vorpommern noch unter schwedischer Oberherrschaft stand, der 
Universität an. — In der Woche vom 17. bis zum 23. September fand die 
Versammlung der Naturforscher und Aerzte hier statt. Die Universität und 
die landwirthschafUiche Akademie Eldena öffneten den Gästen ihre Samm- 
lungen, unter denen insbesondere die zoologisohe und anatomische sich 
auszeichnen. Die zoologische Sammlung enthält eine grosse Anzahl von 



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Correspondein. 85 

See- und anderen Vögeln» wie sie gerade in hiesiger Gegend an der Meeres- 
küste und im Lande vorzukommen pflegen. Den grössten Theil derselben 
verdankt die Universität dem Eifer und der ausgezeichneten Geschicklichkeit 
des jetzigen Conservators Hrn. Dr. Schilling. Die fast durchweg sehr 
schönen und zum Theil seltenen Exemplare sind meistentheils von ihm erlegt 
und mit einem besonderen Talente ausgestopft und aufgestellt. — Von der 
hiesigen Universität führten die Herren Geheimerath Bern dt und Professor 
Hornschuch den Vorsitz bei der Versammlung der Naturforscher; öfl'ent- 
liehe Vorträge wurden von den Herren Professor 0. Schmidt aus Jena, 
Feldt aus Braunsberg, Dr. Bqek aus Hamburg, Geh. Bergrath v. Carnall 
aus Berlin, Professor v. Feilitzsch und Professor Bardeleben hierselbst 
gehalten. Der Geheimerath Berndt hielt als erster Geschäftsführer der Ge- 
sellschaft die Eröffnungsrede. Zum Versammlungsort im nächsten Jahre wählte 
die Gesellschaft, einer Einladung des Herzogs von Sachsen - Coburg - Gotha 
folgend, einstimmig Gotha. Unter den 178 Nummern von Theilnehmern, 
welche die diessjährige Versammlung zählte, waren sehr viele aus Greifswald 
oder der näheren Umgebung, von denen wiederum Einige weder Natur- 
forscher noch Aerzte sind. Doch fehlte es auch nicht an namhaften Ver- 
tretern der Naturwissenschaft und der Heilkunde aus den verschiedenen 
Gegenden Deutschlands. — Aus Berlin waren die Herren Leopold v. Buch, 
Beyrich, v. Carnall, aus Hamburg die Aerzte de Chaufepie sen. und 
Buek, aus Rostock die Professoren Strempel, Roeper und der Chemiker 
Schulze, aus Dresden Professor Geinitz, aus Gotha Dr. Brettschneider, 
aus Bayern Prof. F um röhr von Regensburg, aus Böhmen die Professoren 
Hlasiwetz und Bochdalek von Prag, aus Oesterreich die Professoren 
Hyrtl und Vivenot von Wien unter Anderen anwesend; aus Turin der 
Protomedicus Dr. Parola. Die Verhandlungen und Unterhaltungen in den 
verschiedenen Sectionen sind nicht ohne wissenschaftliches Interesse und 
gegenseitige Belehrung gewesen. Der Eindruck der geselligen Zusammea- 
künfte und der gemeinsamen Ausflüge in die nächste Umgebung und nach 
Rügen war befriedigend. Die Universität gab den Gästen ein von sämmt- 
lichen Professoren, Docenten, akademischen Beamten und vielen anderen 
Eingeladenen besuchtes Festmahl. — Am 15. October fand wie gewöhnlich 
die Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Königs ya der grossen Aula 
der Universität statt. Der diessjährige Feitredner, Consistorialrath Professor 
Dr. Vogt, schilderte im Eingang seiner lateinischen Rede die niederschla- 
gende Lage des deutschen Vaterlandes; er zeichnete das grossdeutsche 
russische Vasallenthum durch einen Vergleich mit dem Verrath des Sogest 
und ging dann zu einer Darlegung des Wesens der Pietas als der noth- 
wendigen Grundlage jedes wohlgeordneten bürgerlichen Gemeinwesens über, 
wobei er auf die Geschichte des preussischen Fürstenhauses entsprechend 
Bezug nahm. Die Feier schloss mit der Bekanntmachung der Urtheile über 
die im Verhältniss zur Frequenz der Universität ziemlich zahlreich einge- 
gangenen Bearbeitungen der den Studirenden gestellten Preisaufgaben. Die 
philosophische Facultät ertheilte unter Anderem zwei Preise für zwei sehr 
fleissig gearbeilete Abhandlungen über Kants Antinomieen, ein Beweis, dass 
trotz der Aufregung der letzten Jahre, von denen natürlich auch die Stu- 
denten nicht unberührt bleiben konnten, sich das Interesse an der abstracten 
theoretischen Wissenschaft und Speculation hier noch erhalten hat. Die theo- 
logische Facultät ertheilte einer Abhandlung über den Paulinischen Ursprung 
der neuerdings angefochtenen Briefe an di^ Epheser, Gelöster und Philipper 

Akadem. Monatsschrift. Februar 1851. 11 



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86 Corresponden2. 

den Preis. — Das durch den Tod des Präsidenten v. Bohlen erledigfc 
Cnrntorium der Universität ist noch unbesetzt; über die Wiederbesetzung 
desselben verlautet noch nichts. — An die Stelle des nach Kiel »bge- 
ganjrenen Prof. Planck ist Prof. 0. Mejer, bisher ordentl. Professor in 
Königsberg, an die hiesige juristische Pacultät versetzt worden. -^ Die 
Stelle ein§s Lehrers der Chemie an der landi^irthschaftlichen Akademie in 
Eldena ist nach dem Abgange ^es Prof. F. Schulze nach Rostock durch 
den Dr. Tromme besetzt. — Zu der Errichtung eines grösseren Gebäu- 
des für die anatomischen Arbeiten »iind Sammlungen "werden bereits An- 
stalten getroffen. 

V. Breslau, Ende December. (For(«clirttte der deB&clieii Spraclic al« AkRdfBUKciiP!. 
Persiin.iHer. Inscripfionszeit. Vniversitatslocal. Bestencrnns der Pr«if*ssor«i!.> |m WidcrsprUCh mit 

der auf der Berliner Conferenz einstimmig ausgesprochenen Ansicht scheint an 
unserer Universfläl die deutsche Sprache die solenne werden zu wollen. ImVonat 
October hatte bereits die philosophische Facultfit zur Habilitationsrede des»PriYat- 
docenten Dr. Cohn ein Einladungsschreiben in deutscher Sprache erlassen, 
im November promovirte Dr. Scherner ebeöfalls in deutscher Sprache. 
Ich karln der freilich sehr verbreiteten Ansicht nicht beipflichten, dass dieser 
Sieg der deutschen Sprache über die lateinische uünschenswerth sei. Aller- 
dings sagt man, die lateinische Sprache sei nur der scholastische mittel- 
alterliche Mantel um das specifische Gelehrtenthum , das dadurch vom ^wirk- 
licheu Leben abgeschlossen weVde, welches 'keinen in der büPgeiQichen 
GeselFschaft isolirlen Gelehrtenstand kenne. Wie wenig indessen jene Ab- 
schlie^sung in Wahrheit besieht, zeigt ein Blick in 'die klammern der 'Abge- 
ordneten; in ihnen sitzen ja doch die Männer, welchen dias Volk am meisten 
Vertrauen schenkt. Ohne allen Zweifel ober wird mön In Minen den gelehrten 
Stand am zahlreichsten vertreten finden , und die &ludenten «aus den Jahren 
1848 und 1849, in welchen so viele deutsche Kammern tagten, wisstn da- 
von zu erzählen, wie 'manche Professoren die angekündigten Vorlesmigen 
nicht hielten, weil sie ihrem wichtigen Amt das nodi wichtigere >d96 Volks- 
vertreters vorzogen. Aber ganz hievon abgesehen, ist ja doch der Doctor- 
grad eine 'rein wissenschaftliche Wurde , die wenigstens in Pr^ussen »icht 
den geringsten <iirecten Einfluss auf die Erreichung irg-eiid einer Stellung im 
bürgerlichen Leben hat. Und dass zur Erlangung dieser rdn wiss«ttschiift- 
lichcn Würde die Sprache gewählt wird, welche Ohne allen Zweifel die Tein 
wissen^ch-aflliche ist, scheint mir so sehr der Nakir der Sache %u entsprechen, 
dass idi nur sehr ungerne dieselbe von der vaterländis<ihe«i verdr^Uifft' sehen 
uurdo, es sei denn in Ausnahmsfällen, wenn der Gegenstand detn ^BiMungs- 
kreis des Alterthuras fern liegt. — An Professor Kabuls, dessen Berufung 
nach Leipzig Sie gemeldet, haben «wir einen efien 'So 'freisinnigen als in »»ei- 
nen Kreisen beliebten Docenten verloren. Der biisiherige Privatdecent lati der 
katholisch - theologischen Facultät, Lic. Wick, eine der HauptiErtützen der 
katholischen Kirche in Schlesien, so auch der Gründer 4es Breslav^r^tkatho- 
llschen Gentralvereins , dessen Abgeordneter er bei dem Im 'verflossenen 
Sommer -abgehaltenen Congresse der katholischen Vereine Deutsdilftffds war, 
hat tien Lehrstuhl unter grossem Bedauern der Pacultät veHassen. Der 
ausserordentl. Professor an der philosophischen Faouliät, Dr.Gtthrauer, 
hat filr die Ueberreichung und Zueignung seiner Sofarift «liFb^r >Jo«iiC'him 
Jung vom Senat der Stadt Hamburg die goldene Jubelmodatfle anf die Ver- 
fassung von Hamburg erhalte — Sehr zahlreich auch von NiclltstinleBten 
besucht sind die öffentlichen Vorlesungen, welche Dr. -Eb^erty, pTVfRtdocent 



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Cüirespondenz. 87 

an der iuristiscben FacoUüt, über Geschworoengerichte halt. — Auffallend 
isl,. da^ wahrend an hiesiger Uoiversits^t die Annal^melisten füj; die Collcgien 
$dbm 9iii> ^3. November geschlossen werdea, dieAruiahmefrist ii^ Berlin um 
valle .sedis Wochao langer dauert. — Unser Universitatsgebäude hat sehr 
gewmniea diircb Bi>tfernung der trubeA Oellampea, welche die schönen 
goUiisdi.e<4 Cocri^ece in ein mystisches Halbdunkel versetzten; an ihre 
Steile sind Gasflammen getreten. Eine andere nach wesentlichere Reform 
scheipl aber nickt durchgeführt werden zu wollen : die Verwandlung 
des Steinpflasters neben der Universität in ein Holzpflaster. So oft ein 
Wagpen dorrt fährt, erdröhnt das GebAtMie'sa, dass der Docent entweder iane 
haltefv nauss oder der ZojiQrer nichts verstobt. Wiederholte Anregung dieser 
S«di# blieb immer olme Erfolg. — In Folge der neuen Gemeindeordnung 
hat 4er Magistrat 4ie Profe>sorea und Beamten der Universität, welche bis- 
heir persönliehe Steuerbefreiung genossen, zur genauen Fassion ihres amt- 
liebe» und ausseramtUchen Einkommens aufgefardnrt. Zum amtlichen- Ein^ 
komiaen wird auch der Werth der Amtswohnung, die Manche als Directoren 
oder Inspectoren von Universitätsinstituten geniessen, gerechnet. Da einer- 
seits der Steuersatz ziemlich hoch ist, andererseits aber ebensowohl die 
Ehreftbftßigkeit als die leichte Controle jede Reticenz unmöglich macht, so 
steben diese bisher persönlich Steuerfreien gegen die Bürger sehr im Nachtheil. 

V. Breslau, MHte Jafl. 1851. CR«nier t- Di« Krankenknsae der Univer>.it«r. Beiiutaun«; 
<lcr Univei-sttätabikliatheh. Dm voologUche Museom. Der (.eseverciii katboliKcher Stud^nteii. Die slavisch- 

titef«ri«eb« Ge»cU9ctMtt.) Am letitou Tage des vergangenen Jahres hat die hiesige 
Universität und besonders die medicinische Facultät ein grossen Verlust er- 
litten. An diesem Tage starb Dr. Wilhelm Hermann Georg Rem er, Regie- 
ruags- und Geh. Medicinalratb, ordentl. Professor und Director der medicini- 
scheii Klinik an hiesiger Universität, Ritter des rothen Adlerordens 2ter Classe 
mit Eichenlaub, vieler gelehrten GesellschaTten Mitglied und Ehrenmitglied, 
ein Mann, dessen Ruf weit über die Gränzen dieser Stadt hinausreichte. Er 
war als einziger Sohn des rühmlich bekannten Historikers Julius August 
Hemer zu Braunscbweig am 9. Juli 1775 geboren und studirte 4Va Jahre 
Philosophie und Medicin auf den Universitäten Helmstädt, Jena und Göttingen. 
Er promovirte 1797 als Doctor der Medicin und bald darauf als Doctor der 
Philosophie und wurde 1799 Professor der Medicin zu Helmstädt, wo er 
auch die klinische Lehranstalt leitete. 1809 kam er nach Aufhebung der 
Universität Helmstädt in gleicher Eigenschaft nach Königsberg und 1815 nach 
Breslau an die Stelle des nach Berlin versetzten Geh. Raths Behrends. Hier 
gründete er sich als erster Professor der Medicin und Director des medi- 
ciniscben Klinicums für innere Heilkunst einen glänzenden Wirkungkreis, wie 
ihm ein weiterer geschaifen wurde durch seinen Eintritt in das Medicinal- 
coUegium für Schlesien. 1830 wurde er zum Regierungsrath befördert. Er 
starb am 31. Pec. 1850, unerwartet, weil er trotz seines 76sten Lebens*» 
jabres iH)ch ungemein rüstig war. Seine Wirksamkeit war eine bedeutende 
und s^ensreiche. Nicht bloss die Universität verliert in ihm einen ihrer 
bedeutendsten Docenten, der seit 35 Jahren Hunderte von Aerzten gebildet, 
auch die Unglücklichen der hiesigen Stadt, die, wenn Niemand mehr ihre 
Krankheit heilen konnte, zum Prof. Hemer ihre letzte und so oft Trost und 
Rettnng vorschafl^ende Zuflucht nahmen, verlieren in ihm ihren Wohlthäter. 
Sein Namo wird in Breslau in dankbarer Erinnerung bewahrt bleiben Aber 
auch in der Geshicbte der Medicin wird sein Na^ne fortleben. Seine zahl- 
reichen Schriften haben die grösste Anerkennung gefunden. Sie sind meist 



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86 Corresp^ndeni.' 

in fremde Sprachen übersetzt worden; so erinnern wir z. B. an das in die 
französische und italienische Sprache übersetzte Lehrbuch der polizeilidi 
gerichtlichen Chemie. Eine genaue Angabe seiner Schriften und detaillirte 
Biographie findet man in K. Ch. Novafc: schlesisches Schriftsteller -Lexikon 
5. Heft. Man wünscht in Breslau vielfach die Stelle des Verstorbenen durch 
Oppolzer in Wien ersetzt zu sehen. — Wie die meisten deutschen Uni- 
versitäten, so hat auch die hiesige eine Krankenkasse für die Studirenden, 
wonach es ermöglicht ist, denselben unentgeltlich jede Art von arztlicher 
Hülfe zu verschaffen. Die hiesige Krankenkasse ist auf weiterer Basis ge- 
gründet als die übrigen; denn nicht bloss Medicin wird den kranken Stu- 
denten verabreicht, sondern es werden aus ihren Mitteln auch arme Stodi- 
rende in die Bäder geschickt. Um dieses Ziel zu erreichen, ist jeder Student 
verpflichtet, Theil zu nehmen. Er muss bei seiner Immatriculation ein sg. 
Eintrittsgeld und den Beitrag fürs erste Semester — von mindestens etwa 
einem Gulden — praenumerando zahlen, sodann semesterweise seinen Beittag. 
Bei der Exmatriculation werden die noch fälligen Semesterbeiträge nachgezahlt. 
Diess war bis jetzt die Regel. Eine der letzten Handlungen des jetzt verstor- 
benen Geh. Medicinalraths Remer als Vorstehers des genannten Instituts war 
eine Verordnung, wonach allen Studenten, welche die fälligen Semesteri>eiträge 
und den für das laufende Semester praenumerando noch nicht gezahlt hatten, 
oder binnen kurzer Zeit nicht zahlten, keine Beneficien aus der Krankenkasse 
verabfolgt werden sollen. So begründet wir wegen Geldmangels der Kranken- 
kasse diese Verordnung auch halten, so können wir doch nicht umhin, das 
für hart zu erklären, dass auch die Studenten, denen Beneficien verweigert 
werden, trotzdem bei der Exmatriculation ihre Beiträge nachzahlen müssen. — 
Wir erlauben uns, auf einen Uebelstand aufmerksam zu machen, der uns bei 
Benützung der hiesigen Universitätsbibliothek aufgefallen. Während z. B. 
in Berlin, wo die Bibliothek zwanzigmal so viel benützt wird, auf Grund 
eines von einem ordentl. Professor ausgestellten Cavirscheines, der auf Zeit, 
gewöhnlich ein Semester, lautet, jedem Besucher eine Erlaubnisskarte zur 
Benützung der Bibliothek ausgefertigt wird, auf welche er sich beliebig — 
täglich nicht über drei — Bücher leihen kann, muss hier für jedes Buch 
ein besonderer von einem Professor unterschriebener Cavirschein gebracht 
werden. Dass diese, ich möchte gerne nicht sagen pedantische, Sicherheits- 
vorschrift die Benützung der Bibliothek sehr erschwert, ist klar; ausserdem 
Hesse sich ja hinlängliche Sicherheit leichter erreichen, z. B. auf dem in 
Berlin gebräuchlichen Wege. — Unsere Zeitungen enthalten Seitens der 
Königlichen und Universitätsbibliothek eine Aufforderung an alle Verleger 
und Drucker Schlesiens, wonach sie gemäss der Cabinetsordre vom 28. Dec. 
1824 von allen seit dem 1. Januar 1850 in ihrem Verlage erschienenen 
Verlags- oder Commissionsartikeln ein Freiexemplar an die Königliche und 
Universitätsbibliothek bis spätestens Mitte Januar einzusenden haben. — Das 
zoologische Museum der hiesigen Universität hat im ablaufenden Jahre durch 
die Bewilligung des Ministeriums eine Ausdehnung seines Locals erhalten, 
wodurch es ausführbar geworden ist, die vielen Gegenstände, die bis jetzt 
gedrängt und versteckt lagen, zu systematisiren und die neu eingegangenen 
und angeschafften Sachen übersichtlich aufzustellen. — Es ist auffallend, wel- 
cher rege wissenschaftliche Eifer jetzt hier die vSludirenden beseelt. Nicht 
allein die Hörsäle sind gefüllt und die Bibliothek wird fleissig benutzt, auch 
einige wissenschaftliche Vereine haben sich gebildet, welche mit Ernst und 
Eifer ihr vorgestecktes Ziel zu erreichen streben. So haben besonders die 



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Corregpondeni. 89 

katholischen Theologen einen wissenschaftlichen Verein am Schlüsse des 
Sommersemesters 1849 gegründet, der am 1. November 1849 ins Leben trat 
und zwar unter dem Namen : Leseverein katholischer Studenten. Zweck 
des Vereins ist Einigkeit unter den katholischen, besonders katholisch-theo- 
logischen Studenten der hiesigen Universitöt, Hebung des wissenschaftlichen 
Strebens und katholisch -religiösen Bewusstseins. Jeder katholische Student 
kann Mitglied werden, Ehrenmitglied jeder Katholik, der för den Verein thdtig 
sein will Die Zahl der Mitglieder ist jetzt 56. Zur Erreichung des ange^ 
gebenen Zweckes dienen folgende Mittel: 1) Generalversammlungen, deren 
in jedem Monat zwei stattfinden sollen. In ihnen werden belehrende Vor- 
träge gehalten und Vereinsangelegenheiten oder Schriften religiösen Inhalts 
besprochen. 2) Der Verein ist, um Gelegenheit zu geben, sich in den ein- 
zelnen Zweigen der katholischen Theologie mehr zu vervollkommnen, in vier 
Sectionen getheilt, die wöchentlich Zusammenkünfte bilden, um sich durch 
Vorträge, Disputationen und andere Uebungen zu bilden. Die erste Section 
beschäftigt sich mit der Erklärung des alten, die zweite mit der des neuen 
Testaments, die dritte mit dem Studium der Kirchengeschichte. Die vierte 
Section besteht aus sogenannten Utraquisten, d. h. solchen, welche polnisch 
und deutsch sprechen, um in polnischen Gegenden später mit Erfolg wirken« 
zu können. 3) Es besteht eine Vereinsbibliothek, die sich im Locale dei 
königlichen Freitische befindet und durch monatliche Beiträge von V« Thlr. 
vermehrt und unterhalten wird. Die Bibliothek enthält jfchriften, die in die 
neuere kirchliche Bewegung einschlagen, religiös kirchliche Monats- und 
Jahresschriften, auch Unterhaltungsschriften im katholisch religiösen Sinne. 
Der vierte Theil der Einnahmen wird für polnische Werke verwandt. — Der 
Verein hat auch seine gemüthliche Seite. Allwöchentlich werden zwei Zu- 
sammenkünfte gehalten, welche dem geselligen Vergnügen gewidmet sind. 
Am 5. November 1850 beging der Verein sein Stiftungsfest, welches mit 
dem Ernst gefeiert wurde, der den katholisch - theologischen Studenten in 
Breslau charakterisirt. Der Cardinal Fürstbischof von Diepenbrock schenkt 
dem Verein seine Gunst und hat ihn schon öfters mit ansehnlichen Geld- 
geschenken bedacht. Aus dem Jahresberichte entnehmen wir, dass die Summe 
der Einnahme circa 150 Thlr., die^lgr Ausgaben 100 Thlr. betragen hat. — 
Ein anderer wissenschaftlicher Stu^ntenverein beginnt auch wieder au&u- 
blühen. Es ist die schon vor etwa 15 Jahren begründete slavisch-literarische 
Gesellschaft, die übrigens viel dem aus Breslau abberufenen Prof. Purkinje 
verdankt hat. Nach kurzer Unterbrechung ihrer Thätigkeit reorganisirte sie 
sich im Jahre 1847 und ist seitdem unausgesetzt thatig. Sie besteht den 
Statuten gemäss nur aus Studenten, die der polnischen Sprache mächtig, oder 
doch beflissen sind. Ihr Zwek ist, eine gründliche Kenntniss der slavischen 
Literatur unter ihren Mitgliedern zu verbreiten. Vor einigen Monaten hat 
. der Verein beim Senat den Antrag gestellt, die Wiederbesetzung des an 
unserer Universität erledigten Lehrstuhls für slavische Literatur zu veran- 
lassen. Die von der Gesellschaft schon seit einiger Zeit beabsichtigte Heraus- 
gabe einer polnischen Zeitschrift wird wohl mit dem Februar dieses Jahres 
beginnen, da bis dahin die nach den polnischen Landestheilen versandten 
Prospecte und Subscriptionslisten zurückerwartet werden. Die Zeitschrift wird 
unter dem Titel „Znicz" — die heilige Flamme — in der Richter*schen Buch- 
handlung hieselbst erscheinen. Der Name ist der slavischen Mythologie 
entlehnt. Ueber andere wissenschaftliche Studentenvereine berichte ich Ihnen 
das nächste Mal. 



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90 Allgemeine Correopoiidenz. 

l» MCbnChen, Januar 1851. CHimdierg. Fran«. VorlssD-igcH iit>er BwibrikacreU 

PrtfesfiMir Dr. Haneberg, eine der liebenswurdigstefi Persöalichlfeiteft 
naserer Umvermtal, ist in das neugegröndete Benedictinerstift zu St Boni-» 
feoe getreten. Necb halt er die für dieses Semester angekündigten Vor*, 
lesangen; wir hören aber, dass er den Lehrstuhl ganz zu verkssea beab** 
aicUige, was im Interesse der Wissenschaft sehr zu bedauern wäre. £r ist 
aueh Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Seine Stelle als Uiüversitata'- 
Prediger hat er bereits niedergelegt. — Dr. Fr aas, Professor der s4aats- 
wirthschaftlichen Facultät, hat die von der k. k. mährischen 6es»elischaft für 
Natur- «nd Landeskunde zu Brunn gegebene Preisfrage „ubor die Forlfi;4*hritt« 
der Landwirthschaft in den letzten 100 Jahren^^ gelöst und de» Preis voa 
iäOO fiv erhalten -- Eine Disciplin^ welche .aus9<eir m hiesiger (JniMeisitai 
woU an keiner anderen gelehrt wird , verdient vielleicht eb«n diesar Sultan-* 
beit wegen besondere Erwähnung. Der Professor der Chemie u«d Teiehno^ 
logie Dr. Kaiser hat Vorlesungen ub^r ^,Bierbrauerei in ihrem ganz^a Ihn^ 
fange'' ai^ekündigt und liest, obwoU privatissime, vor einer sehr zfthbeiolieiii 
Zul^rerschaft mit grossem Beifalle. Es werden indessen diese Vortraige bouer 
nicht das erstemal, sondern bereits seit 14 Jahrea gehalten, und es bab«ii' 
wäbrend dieser Zeit circa 300 Zuhörer, worunter fast 7? Niohtbayern, daraAr 
Antheil genommen. 



IV. 

Allgemeine Gorrespondeftz. 

In Preibttrg waren im Sommersemesler 1850 332 immatricuHrte und 
46 mchtimmatriculirle Studenten anwesend. Im taufenden Wintersemester 
hat die Zahl der Immatricnlirten um 27 zugenommen, während die Zahl der 
Niditimmatriculirten die gleiche geblieben ist Es sind 359 Studirende im- 
matrtculirt und die Gesammtzahl beträgt 405. Von den Immatricolirten stu« 
diren 16!^ Theologie (worunter 49 Ausländer), 76 Jurisprudenz (1 Aus!.), 
64 Medicin, Pharmacie und höhere Chigpgie (9 Ausl), 5i Cdmerale, Philo- 
sophie und Philologie (21 Ausl.). Die Gesammtzahl der Inländer beträgt 
daher 279, der Ausländer 80. Die Zahl der Inländer hat um 38 zu«*, die der 
Ausländer um 10 abgenommen. Von den Nichtimmatriculirton sind 29 Hospi- 
tanten, 17 niedere Chirurgen. 

In Tübingen ist die Zahl sämmtlicher Studirenden im laufenden Se- 
mester 806 , also 6 mehr als im Sommersemester. Nach den sechs Facultälen 
vertheilen sich die Studirenden so, dass zur evangelisch-theologischen Facul- 
tät 129 (darunter 27 Ausländer), zur katholisch-theologischen 131 (darunter 
43 Ausl), zur juristischen 200 (darunter 29 Ausl). zur raedicinischen 120 
(darunter 19 Ausl), zur philosophischen 173 (darunter 12 Ausl), zur staats- 
wirthschaftlichen 53 gehören. Die Gesammtzahl derAusläuder ist sonach 130. — 
lieber die zur Pegegnung von Missbräu(;hen bei den Honorarnachlassgesuchen 
getroffenen Massregeln wird uns mitgetheilt, dass der akademische Senat 
beschlossen hat, eine Aufforderung an sämmtliche Docenten ergehen zu 
lassen, bei derartigen Gesuchen nicht zu willfährig zu sein, vielmehr den- 
selben erst dann zu entsprechen, wenn durch eine Aeusserung des üniver- 
sitätsamtmanns die Bedürftigkeit und Würdigkeit des Biltstellei-s con- 
slalirt ist. — An Wunderlichs. Stelle ist Privaldoccnl Dr. Rapp in Würz- 



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AllffMieine OorrMpomlenx. 11 

borg als ordt^ntliclier Professor und Director der Klinik berufen -^ eine 
vortreffliche Acqirisition. 

Die Universital Heidelberg macht eine bedeutende Acquisition durch 
die Erwerbung der grossartigen Hineraliensamnilung des Bergraths Dr. Schüler 
in Jena. Die Regierung zahlt dafür eine Leibrente von jähilidh 1000 Thlr., 
welche jedenfalls fünf Jahre lang von den Erben des bisherigen Inhabers 
erhoben wird, wenn derselbe auch innerhalb dieser Zeit versterben sollte. 
Die Sammlung wird unter seiner Mitwirkung selbstständig aufgestellt werden 
und seinen Namen tragen. Zwei grosse Säe im Universitfitshans werden zn 
ihrer Aufnahme hergerichtet. Die Sammlung, zu deren (Jebemahme Prof. 
Blum nach Jena abgeordnet wurde, ist bereits unter Weges. Die Regierung, 
sagt die A. Z. hierüber, scheint mit diesem Ankauf ein bisher verfolgtes 
System zu verlassen, welches für die Dauer keine guten Trüchte bringen 
konnte: das System nämlich, den Professoren der Naturwissenschaften selbst 
zu tberlassen, für Anschaffung der zu ihren Vorlesungen nöthigen Samm- 
lungen auf eigne Kosten Sorge zu tragen. Sie hat auf diesem Weg seit 
dreissig Jahren allerdings beträchtliche Summen für den Ankauf sow^l dls 
für die Aufstellung und die Beschaffung und Unterhaltung der dazu notb- 
wendigen Räumlichkeiten erspart , und es tst der ihnen hiedorch auferlegten 
ansehnlidhen Opfer ungeachtet den Lehrern gelungen , in ehrenvoller Weise 
Schritt zu halten mit andern Universitäten, welche öffentliche Samminngen 
besitzen und dessen ungeachtet vielleicht ihre Professoren besser besolden. 
Mit der Zeft aber muss sich auf diese Art in den Sammlungen ein Capital 
anhäufen, welöhes selbst für den bemittelten Lehrer und 'bei zahlreich gefäll- 
ten 'Auditorien zu foeträehtfich wird, jäfarlich mehr aufzustellen und zu untere 
halten kostet und von den Erben zuletzt um so weniger wieder herein- 
gebracht werden kanm, je grosser die Sammlungen geworden tsind. So steht 
mithin im fürchten-, dass Privatsammlungen zuletzt nicht mehr gleichen Schritt 
halten können mit "itoi ^öffentlichen Sammlungen anderer 'Universitäten und 
dass -^ie ^tiniter dem wi^senschaftliehen Bedürfnisse zurückbleiben. Dabei 
befflml^t sidi der refdiere Docent , der Eigen thümer einer bereits zu einer 
Te^1l9tdndigkeit gediehenen 'Sammlung, im Besitz eines Monopols, dem ärme- 
ren wie dem eben erst beginnenden' Privatdocenten gegenüber; die Regie- 
rung xübt eine Ungerechtigkeit gegen diese Lehrer selbst im Vergleich zu 
anderen 'ProfessArea, ^.Ytelche dergleichen Apparate nicht bedürfen, und sieht 
swhivsdiieh bei jeder 'nothweadig< werdenden neuen Berufung in Vefiegeo- 
-keit^ :da 'idie Wail ider Personen durch den Besitz von Privatsammlungen 
«tedhllgt (ist. Die. Eiiwerbnng einer eigenen Mineraliensammlung für die Uni- 
vensität \iBX dabei* ein Schritt .äusserer Billigkeit wie innerer Zwechmässig- 
kfiit {«ad ebiiaiccher Nothmnendigkeit , den wir freudig begrüssen dürfen. Ob 
fimlieh bei einem solchen rSuhritt liiidit derjenige Lehrer, welcher «reine eigene 
aasäfanKdie .imd -koatbare SamUlaog dem Staat schon dreiundreisaig Jahre 
kuig 'für Ofen 'd.ffenllicfaen<Uttterrioht geliehen und ilun so grosse Ausgaben 
-erspart hat,. dllige fierucksiohtigung verdient hätte, dürfte nicht überall einer 
^idben Keurtheiluag anheimfielen. Einen kleinen Fond für diesen Zweck 
besasa übrigens die (Universität allerdings, indem ihr ^eit etwa anderthalb 
Decennien jährlich diOO^fl. fzugewiosen waren, welche admassirt worden sind 
Dieser Vorrath . wird üindessen. kaum für die Transportkosten der neuen Samm-r 
brnghinreicben; die Aufstellung allein vrird der Universität, nicht ohne sie 
in wanderen Zwecken izu beschränken, Tmsende. kosten, und die Erwerboftg 
sribai W4M nur taua allgemeiQen StaatsmHteki bestritten werden können. Die 



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92 Ailgemeine Correspondeoz. 

Sammlung, ZU deren Ueb^rnahme Prof. Blum nach Jena abgeordnet wurde, 
ist bereits in Heidelberg angekommen, in 130 grosseren und kleineren Kisten 
nebst 9 Kisten Instrumente. Man spricht davon, dass die Regierung auch 
die übrigen Sammlungen Schülers (i^Iünzcabinet, technologische Sammlung) 
erwerben wolle. — Die öffentlichen Blätter sprechen von einer Berufung 
des Professors Schenkel in Basel an Rothe's Stelle; etwas Näheres ist uns 
über dieses auch wieder bestrittene Gerücht nicht bekannt geworden, -r- Die 
Gesammtzahl der immatriculirten Studenten betrug im Sommer 522; im lau- 
fenden Semester sind es 557, wozu noch 23 nicht immatriculirte Hörer 
kommen. Theologie studiren 50 (darunter 4 AuslO> Jurisprudenz 349 
(darunter 275 AusL), Medicln 88 (darunter 48 Aus!.), Camerale 34 (darunter 
8 AusL), Philosophie und Philologie 36 (darunter 14 Ausl.}. Die Gesammt- 
zahl der Ausländer ist 349, der Inländer 208. 

In Giessen war die Gesammtzahl der Studenten im Sammersemester 
438 (darunter 84 Ausländer). Im laufenden Semester ist die Gesammt- 
zahl 413 (darunter 71 AusL). Von diesen studiren 27 Katholiken (darun- 
ter 5 AusL) und 69 Protestanten (darunter 7 AusL), Theologie, 106 
Rechtswissenschaft (darunter 7 AusL), 74 Medicin (darunter 11 AusL), 
5 Chirurgie, 10 Thierarzneikunde (darunter 4 AusL), 21 Cameralwissen- 
schaft, 9 Architectur (darunter 1 AusL), 20 Forstwissenschaft (darunter 
8 AusL) , 29 Philosophie und Philologie ( darunter 3 AusL) , 43 Pharmacie 
und Chemie (darunter 25 AusL). — In öffentlichen Blättern war wiederholt 
die Rede von einer projectirten Verlegung der katholisch - theologischen 
Facultät von Giessen nach Mainz. Diese Verlegung soll nach der M. A. P. 
auf einige Schwierigkeiten bei dem girossherzogl. Ministerium gestossen sein; 
man vernehme wenigstens, dass auf einen in dieser Beziehung ganz bestimmten 
Antrag noch keine Entscheidung erfolgt sei, dass die Regierung vielmehr die 
Absicht habe, diese Frage der bald zusammentretenden Ständeversammlung 
vorzulegen. Nach einer Correspondenz der N. A. Z. aus Mainz vom 15. Jan. 
soll es so gut als entschieden sein, dass die Verlegung statt finde und die 
lateinische Sprache die Unterrichtssprache sein werde. Das Wahre an der Sache 
istj dass nach der ministeriellen Versicherung in der zweiten hessischen Kammer 
bis jetzt Verhandlungen in dieser Sache durchaus nicht stattgefunden haben. 

In Marburg hat die Gesammtzahl der immatriculirten Studenten im Ver- 
hältniss zum Sommersemester um 24 abgenommen. Es widmen sich daselbst 
im laufenden Semester der Theologie 72 (darunter 1 AusL), der Jurisprudenz 
und Cameralwissenschaft 66 ( darunter 3 AusL), der Medicin und Chirurgie 58 
(darunter 16 AusL), der Philosophie, Philologie und den Naturwissenschaften 58 
(darunter 12 AusL), „ihrer Ausbildung^^ 3, der Pharmacie 6 (darunter 1 Ausl.)- 
Die Gesammtsumme der Immatriculirten ist daher 263 , darunter 33 Auslander. 
Ausser diesen immatriculirten Studirenden besuchen noch Vorlesungen als dazu 
berechtigt 14; die Gesammtsumme der Immatriculirten und Nichtimmatriculirten 
ist daher 277, während diese Gesammtsumme im Sommersemester 307 betrug. 

In Bonn zählt im laufenden Semester die evangelisch - theologische Fa- 
cultät 58 Studirende (darunter 21 AtisL), die katholisch -theologische 204 
(darunter 12 AusL), die juristische 308 (darunter 40 AusL), die medicinische 
127 (darunter 15 AusL), die philosophische 214 (darunter 51 AusL). Die 
Gesammtzahl der Inländer beträgt sonach 772, «der Ausländer 139. Ausser 
diesen 911 immatriculirten Studenten besuchen die Universität als zum Hören 
der Vorlesungen berechtigt 3 nichtimmatriculirte Pharmaceuten und 27 Hospi- 
tanten, so dass die Gesammtzahl 941 beträgt, 11 mehr als im Sommersemester 



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Allgemeine Correfpoadensi 93 

Aus Kiel wird uns unterm 19. Jan. geschrieben: „Bin VeraBetchniss der 
Studenten an unserer Universität lasst sich für das laufende Semester nicht 
geben, weil sie fast alle bei der Armee sind. In Betreff des Personalbestandes 
der Lehrer ist zu bemerken, dass Prof. Liebener, der im letzten Jahre zwei 
Vocationen ausgeschlagen hatte, jetzt leider einen Ruf nach Leipzig an-^ 
genommen hat; ich sage leider, denn wir verlieren an ihm einen bedeuten- 
den Mann. Die Stelle des verstorbenen Prof. Kau ist noch nicht wieder 
besetzt. Die politischen Verhaltnisse haben das Curatorium veranlasst, mit 
Berufungen inne zu halten. Der Etatsrath und Prof. Tons en ist seit Michaelis 
pensionirt. Sonst ist der Personalstand unverändert, nur dass Prof. Frerichs 
aus Göttingen die Stelle des nach Aegypten berufenen Prof.. Griesinger 
eingenommen hat (s. jedoch unten S. 99). Bei uns sieht es trübe aus; Gott 
mag wissen, was aus uns wird.^^ — In öffentlichen Blattern spuckt das Gerficht, 
als ob die Universität Kiel aufgehoben, wenigstens verlegt werden soll! 

Göttingen, 15. Dec. Wahrend der grossen und heissea, das deutsche 
Vaterland betreffenden Fragen habe ich es nicht gewagt,. Sie und das Pu- 
blicum mit unseren kleinen Angelegenheiten und obligaten Frequenzberichten 
zu behelligen. Bei der jetzigen allgemeinen Missstimmwig und Apathie und 
der wahrscheinlichen Aussicht, dass, statt auf eine politische Entwickelung 
Deutschlands, wir auf die alte literarische angewiesen bleiben, werden solche 
Mittheiiungen wieder mehr Interesse gewähren. Das Ausland wird ja, wenn 
es nur unsere Flotte auf der Weser verkommen und verfaulen sieht, unsere ge- 
lehrte und schulmeisterliche Grösse nach wie vor willig anerkennen. So bemerke 
ich denn, dass wir im laufenden Semester 715 Studirende zählen, 49 weniger 
als im Sommersemester *). Die Verminderung erklärt sich zum Theil durch 
die in Folge der Rüstungen abgegangenen Preussen, durch die im Felde 
stehenden Holjteiner und Schleswiger, und Andere, Ae sich, namentlich als 
Aerzte, dahin gewendet haben. Zwei von denen, welche im letzten Sommer 
noch hier studirten, haben den Tod in den Kämpfen g^gen die Dänen gefunr 
den. Beim Rucktritt des letzten Ministeriums hat man hier mit Bedauern 
den Curator und Vorstand des Cultusdepartements, Braun, scheiden liehen. 
Er hat in den drittehalb Jahren seiner Amtsführung durch ausgezeichnete 
Berufungen, Verbesserung der Institute, Förderung der nothwendigen Re- 
formen in den Universitätseinrichtungen sich allgemeine Anerkennung erwor- 
ben und ist so würdig in die Fussstapfen früherer Curatoren getreten. Uebri- 
gens hat nach dem ganzen Gang der hannoverischeli Regterong ein Personen- 
wechsel bei uns nicht so leicht einen wesentlichen Nachtheil, wie anderwärts. 
Hier ist Alles in dieser Hinsicht so traditionell, dass ein neuer Curator nichts 
Anderes thun kann, als in der Fürsorge und im Wohlwollen für die Univer- 
sität seinen Vorgänger wo möglich zu übertreffen. Ein Ministerium, das .den 
Namen Münchhausen an der Spitze trägt, muss immer eine gute Vorbedeu- 
tung ffir uns haben,, da es an den Aha erinnert, der Göttidgen gegründet 
hat, — Das neue, mit einem Aufwand: von 100,000 Thalesn erbaute Hospital 
für 180 Betten ist seit Anfang dieses Semesters bezogen. Die Kbliotiiek 
hat kürzlich eine jährliche Etatserhöhung von 3000 Thalem erhdten und 
diese ^ste That des jüngsten Curatoriums ist mit allgemeiner Freude begrüsftt 
worden. (A. ZO. — Am 24. Jan. starb der berühmte Anatom und Chirurg 
Obermedicinalrath Lange nb eck, welcher seit 1802 der Universität als Lehrer 
der genannten Fächer angehörte. Seine grossen Verdienste um Kunst und; 

*). Das Detail isl bereits von. muerem Correspondenten. iia Januarheft S. 31. 33. milgetlieilt 

Akadem. Monatsschrift. Februar r851. 18 



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94 Allgemeine Correspondenz. 

Wissens^chaft siehern seinem Namem in der Geschichte der Medicin eine blei- 
bende Stelle; Tausehde von Schülern werden dem Geschiedenen ein dank- 
bares Andenken widmen. Als seinen Nachfolger auf dem Lehrstuhle der 
Anatomie bezeichnet man jetzt schon den Leipziger Anatomen Weber; das 
Lehrfach der Chirurgie ward noch bei seinen Lebzeiten dem Prof. Baum 
(früher in Greifswald J, einem Schüler Langenbecks, übertragen. (Ebendas.) 

Für die Universität Leipzig wurden in der zweiten sächsischen Kammer 
41425 Thlr. Zuschüsse bewilligt, wobei 300 Thlr. für eine homöopathische 
Heilanstalt. Die Verdoppelung des Ansatzes von 600 Thlrn. für die Leipziger 
Gesellschaft der Wissenschaften wurde auf dem Etat abgelehnt, dem Mini- 
sterium aber aus dem Dispositionsfond anheimgegeben. — Die Gesammtzahl 
der Stttdirenden ist 902, worunter 266 Ausländer. Von diesen studiren iSi 
Theologie (darunter 51 Ausl.), 410 Jurisprudenz (darunter 98 Ausl.), 158 
Medicin C^arunler 50 Ausl), 52 Chirurgie (darunter 24 Ausl), 16 Pharmacie 
(darunter 4 Ausl.) 9 24 .Naturwissenschaften (darunter 16 Ausl), 11 Philo- 
sophie (darunter 6 Ausl.), 2 Pädagogik (darunter 1 Ausl.) 9 16 Philologie 
(darunter 7 Ausl.), 14 Mathematik (darunter 3 Aus)), 18 Cameralia (darunter 
6 Ausl). Dio Gesammtzahl der Studirenden hat gegen das Sommersemester 
um 5 zugenommen. 

In Halle betrug die Zahl der immatriculirten Studenten im Sommer- 
semester 636. Davon sind im Herbst abgegangen 179 und demnach geblie- 
ben 457. Im laufenden Semester sind hinzugekommen 140; die Gesammizahi 
der immatriculirten Studenten beträgt daher 597. Die theologische Faeultät 
zählt 330 X<l<(i*ui^t<^^ ^3 AusL), die juristische 145 (darunter 15 Ausl.), die 
medioiriische 72 (darunter 11 Ausl), die philosophische 50 (darunter 5 Ausl.). 
Die Gesammizahi der Ausländer ist daher 84. Ausser den immatriculirten 
Studenten besuchen die Universität 4 nicht immatriculirte PhacmacejDten und 
23 Hospitanten, so dass die Gesammtzahl der Hörer 624 beträgt. — Dr. Bruns, 
Professor der Rechte 'zu Rostock, wird zu Michaelis einem Rufe an die Un^- 
veriSiilät Halle folgen. 

jfn Je n a sind im laufenden Semester 358 Studenten immatriculirt, darun- 
ter 132 Ausländer. Theologen sind es 78 (darunter 16 Ausländer), Juristen 
87 (darunter 23 Ausl), Mediciner 61 (darunter 16 Ausl), Philosophen 132 
(darunter 77 Ausl.). Ausserdem ist 18 Nichtimmatriculirten besondere Er- 
laubniss zum Besuch der Yorlesungon ertheilt, so dass sich die Gesammtzahl 
der Immatriculirten' und Nichtimmatriculirten auf 376 belauft, 19 weniger als 
im Sommersemester. 

In Berlin waren im Sommersemester 1312 Studenten immatriculirt; 
davon isind am Herbst 415 abgegangen und demnach 897 geblieben, zu wel- 
chen im laufenden Semester 534 hinzugekommen sind. Die Gesammtzahl der 
immatriculirten Studenten beträgt daher 1431, worunter 351 Ausländer. Die 
Gesammtzahl der Immatriculirten hat daher um 119 zugenommen. Die theo- 
logische Faeultät zählt 191 (darunter 51 Ausl.), die juristische 654 (darunter 
136 Aus).), die medicinische 232 (darunter 72 Ausl ), die philosOphisdie 354 
(ddrunter 92 Ausl.). Ausser diesen immatriculirten Studirenden besuchen 
die Universität als zum Hören von Vorlesungen berechtigt 24 nicht Immatri- 
culirte Chirurgen, 149 nicht immatriculirte Pharmaceuteit, 74 Eleven des 
Friedrich- Wilhelms-Instituts , 84 Eleven der medicinisch- chirurgischen Aka- 
demie für das Militär, 300 Eleven der Bauakademie, 33 Berg-Etev«n, 
6 remunerirte Schüler der Akademie der Künste, 6 Zöglinge der Gärtner- 
Lehranstalt. Die Gesammtzahl der Nichtimmatriculirten ist daher 676 und 



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Allfemeine Correftpondens. 95 

Imioatriculirle und Nichtimmatriculirte sind eg zusammea 2107. — Der in* 
Berlin am 31. Dec. gestorbene Geh. Medicinalrath v. Link war 1769 geborea 
und 1815 von Breslau als Professor der Medicin und Director des bolanii- 
schon Gartens nach Berlin gekommen. Hit dem regierenden König war 
V. Link in persönlichem Verkehr, wie er überhaupt durch seine Geselligkeit 
Vielen werth und theuer geworden ist. Noch kurz vor seinem Tode erschien 
seine ,^PbiIosophie der gesunden Vernunft'^ An seine Stelle wollte man 
Hugo V. Mohl in Tübingen berufen; derselbe hat aber abgelehnt. Grise- 
bach in Göttingen kommt an Kunths Stelle. Das Ministerium hat der Fa* 
cultat die Berufung ganz allein überlassen. Die Anstellung Hundts machte 
böses Blut, weil die Universität gar nicht gehört wurde. 

In Greifswald waren im Sommersemester 186 Studenten immatriculirt, 
wozu 3 Hospitanten kamen. In diesem Semester beträgt die Gesammtzahl 
der Immatriculirten 189, worunter 10 Ausländer und wozu noch 3 Hospi- 
,lanlen kommen. Die theologische Facultat zahlt 24, die juristische 42 Cdarun- 
ter 1 Ausl.), die medicinische 71 (darunter 2 Ansl), die philosophische 52 
(darunler 7 Ausl.}. 

In Breslau waren im Sommersemester 780 Studenten immatriculirt. 
Davon sind abgegangen 173. Es sind demnach geblieben 607, zu welchen 
im laufenden Semester 216 hinzukamen, so dass die Zahl der immatriculirten 
Studenten von 780 in diesem Semester auf 823 gestiegen ist und die Anzahl 
des Wintersemesters 18^V6o übertrifft. Die katholisch-theologische Facultat 
zahlt 240 (darunter 2 Ausl.), die evangelisch -theologische 57 (darunter 2 
Ausl.)) die juristische 272 (darunler 7 Ausl.), die medicinische 86 (darunter 
5 Ausl), die philosophische 168 (darunter 6 Ausl). Ausserdem sind noch 
13 Nichtimmatriculirte anwesend, so dass sich die Gesammtzahl auf 836 
belauft. Indessen ist, wie man uns schreibt, die Mobilmachung der preussi- 
schen Armee an der Universität nicht spurlos vorübergegangen. Nicht bloss 
dass etwa 50 Studenten , die ihr Hilitärjahr abdienen, Breslau verliessen und 
in ihre Cantonnementsquartiere zogen, auch die grosse Zahl Derer, welche 
schon gedient hatten, wurde meist eingezogen, um in der Provinz irgendiirp ihr 
Ouartier zu erhalten. Ausserdem sind hiebt wenige Mediciner, selbst aus 
dem fünften Semester, zn Unterärzten befördert und bei Lazarethen ange- 
stellt worden. 

In Mönchen betrug die Gesammtzahl der Studirenden im Sommersemester 
1924, worunter 199 Auslander. Im laufenden Semester ist die Gesammtzahl 
1884, darunter 202 Ausländer. Im Einzelnen ist die Zahl der Theologen 315 
(darunler 50 Ausl), der Juristen, Cameralisteiv, Forstleute 84Ö (darunter 72 
Ansl), der Mediciner, Chirurgen, Pharmaceuten 272 (darunter 54 Ausl), 
der Philosophen und Philologen 449 (darunter 26 Ausl). 

In Wurzburg waren im Sommersemester am Schlüsse der ImmatricuF- 
lation 625 Studenten immatriculirt. Hieven sind abgegangen 218, also ge- 
hlieb><eii 407. Hinzugekommen sind in diesem Semester 268. Die Geaammt- 
zaU betragt daher 672. Von diesen studiren Theologie 96 (darunter 3 Ausl), 
Jurisprudenz und Cameialia 200 (darunter 11 Ausl ), Medicin (incl 2 Chi-^ 
rurgen und 15 Pharmaceuten) 271 (darunter 152 Ausl), Philosophie und 
Philologie 105 (darunter 1 Ausl) in allen Vorlesungen zeigt sieh in diesem 
Semester ein besonders rühmlicher Fleiss. Diesen beweist auch das Resultat 
der Preisbewerbungen, welche in drei Facnltaten, der theologischen, juristi- 
schen und medi(nnischen, von Erfolg waren. Für die juristische Preisfrage 



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96 Allgemeine CorrespoadeniE. 

waren drei Bearbeitungen eingegangen , von welchen zwei för preis-, die 
dritte f&r lobenswürdig erfcannt wunlen. Der Preis besteht dann, dass der 
Verfasser einer preiswurdigen Arheit die Doctorwfirde, wenn er die 
sonst geforderten Scrutinien absolvirt hat, unentgeltlich von der Facultat 
erlangt. 

In Wien fand am 17. Dec die erste mündliche theoretische Staatsprüfung 
in der allgemeinen Abtheilung nach dem am 13. Aug. v. J. publidrten Gesetz 
statt. Die Prüfung war öffentlich und mündlich; die schriftliche war einige 
Tage vorher abgehalten worden. In Oesterreich wird man hoffentlich nun nie 
mehr zu den Semestralprüfungen, ihren Voraussetzungen und Folgen zu- 
rückkehren. — Von Gustav Höfken, Hitglied der Staatsprüfongscom- 
niission in Wien, ist eine Schrift über das Studium der Rechts- und Staats- 
wissenschaften in Oesterreich erschienen, eine jetzt, nachdem das Princip der 
Studienfreiheit seine Geltung erhalten hat, sehr zweckmassige Methodologie 
des juristischen Studiums. Die Vorliebe für das deutsche Universitätswesen , 
und Studentenleben, welche sich darin ausspricht, giebt der Schrift ein beson- 
deres Interesse. — In Wien ist Dr. Galba, Privatdocent an der Universität, 
in Folge seiner Vorträge, die er über die Nationalitäten Oesterreidis, über 
Volkssouveränetat drc. hielt, seines akademischen Postens enthoben worden. — 
In einem halbamtlichen Artikel der Wiener Zeitung wird als Grund, warum 
dem Dr. Galba seine Vorträge untersagt worden, angegeben, dass er in 
seinen Vorlesungen über „rationelle Politik ^^ diesen Lehrgegenstand benützt 
habe, um die Tagespolitik in den Vortrag zu ziehen. Als besonders unzu- 
lässig werden seine Vorträge über die Ehen von Landesfürsten mit nahen 
Verwandten, über die Bedeutung der Ausdrücke „von Gottes Gnaden ^^ und 
„Volkssouveränetät^^ bezeichnet. 

Die Pesther Universität hat nach einer Correspondenz der A. Z. vom 
5. Jan. eine treffliche Acquisition durch die kurzlich erfolgte Ernennung 
Repiczky's zum Privatdocenlen der orientalischen Sprachen gemacht. Er 
wird die türkische, arabische, persische Sprache und das Sanskrit zum Gegen- 
stand seiner Vorträge richten. Die ausgezeichnete Befähigung dieses jungen 
Orientalisten bezeugen seine in den Sitzungen der philologischen Section 
der Akademie gehaltenen vergleichenden Abhandlungen über orientalische 
Sprachi^n, wobei er auch die griechische, deutsche, ungarische, sowie die 
slavischen Sprachen in seine Darstellung gezogen, ferner seine der Akademie 
^ur Prüfung eingereichte und in Folge des günstigen Urtheils der philo- 
logischen Prufungscommission zur Herausgabe angenommene arabische Sprach- 
lehre, — Arbeiten, die ihn nicht nur als Linguisten, sondern auch als gründ- 
lichen Philologen erscheinen lassen, der hinter den neuesten Fortschritten 
seiner Wissenschaft nicht zurückgeblieben ist. Er soll mit dem Unterriebt 
der tüikischen Sprache beginnen, als der zunächst für Ungarn wichtigsten 
von den Sprachen des Orients, theils wegen der Verwandtschaft der türki- 
schen Sprache mit der ungarischen, die beide Zweige einer und derselben. 
Sprachenfamilie sind, demnach hinsichtlich der grammatischen Formen wie 
des sprachlichen Stoffes dem Philologen einen interessanten Parallelismus dar- 
bieten, und viele dunkle Partieen wechselseitig klarer erkennen lassen, theils 
wegen der durch mehrere Jahrhunderte so eng verbundenen Geschichte der 
Türken und Ungarn, in Folge deren die türkischen Geschichtsquellen für 
ungarische Geschichtsforscher einen noch viel zu wenig, man könnte sagen 
noch gar nicht ausgebeuteten Schatz von Aufzeichnungen aufbewahren, end- 
lich wegen der geographischen Nähe der Türkei und der langsam aber un- 



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AHgtmeJno Corretpondenc. 97 

aofhallsam sich nähernden Krisis der orientalischen Frage, in die Ungarn 
wohl unaufhaltsam mit hineingezogen wird. 

In Zara wird im Auftrage des k. k, Unterrichtsministeriums eine juri- 
stische Lehranstalt nach demselben Plane, welcher den im Jahre 1850 in 
Ungarn geschaffenen Akademieen fär Rechtsgelehrsamkeit zu Grunde liegt, 
errichtet. 

In Basel stellte nach der A. Z. im grossen Rath ein aus Liestal ge- 
burtiges Hitglied den Antrag, die Universität aufzuheben. Der Antragsteller 
ist eidgenössischer Haferlieferant und war dem Stabe des berächtigten Kriegs- 
commissärs Abys zugetheilt, der in der Schweiz schon durch das Witzblatt 
„Postbeiri^^ (um von anderen Dingen nicht zu reden), unsterblich geworden 
ist. Welche geistige Wahlverwandtschaft zwischen ihm und der Wissensehafk 
bestehe, ist bis dahin selbst den tiefer Blickenden ein undurchdringliches 
Räthsel geblieben. Nach der Ansicht des Genannten wäre es also nicht 
genug, dass die Sl^adt Basel durch die Landschaft und ihre Anhänger sch<m 
im Jtüire 1833 um das ihr von Gott und Rechtswegen gebührende Univer- 
sitätsgut gebracht wurde, sondern es wird jetzt wieder von einem Land- 
schäfUer beantragt, den der Stadt damals verbliebenen Antheil zu rauben. 
Der Vorwand, unter dem man das Universitätsgut (ähnlich wie das Klostergul 
im Aargau) einsacken will, ist die Errichtung einer Gewerbeschule. Jedermann 
aber sieht ein, dass diess nur ein Vorwand ist. Es wurde von radicalen Blättern 
schon oft und genug geäussert, dass die politische Richtung der Universität, 
die politische Gesinnung der Professoren die Hauptursache ist, warum man 
diese verhasste Anstalt beseitigen möchte. Von den wissenschaftlichen Lei- 
stungen der Lehrer schweigt man wohlweislich und hobt dagegen immer nur 
die geringe Schälerzahl hervor. Doch auch das ist nur Vorwand. Die Schüler- 
zahl ist allerdings gering (nämlich 65), allein sie ist bedingt durch Uebelstände, 
die man beseitigen kann. Der Hauptgrund der Feindseligkeit gegen die Universi- 
tät liegt, wie gesagt, darin, dass der Radicalismus keine Suprematie des Geistes 
ertragen kann und daher die Aristokratie des Talents gleich der Aristokratie 
der Geburt und des Reichthums ertödten möchte. Ob ihm dieses in Basel 
gelingt, wird die Zeit lehren; der fragliche Antrag ist in der Februarsitzung 
des grossen Rathes mit 82 gegen 11 Stimmen verworfen worden und damit 
der Bestand der Universität aufs Neue gesichert. 

In der schweizerischen Bundesversammlung sind nach einem Bericht vom 
21. Dec. für Vorarbeiten und Commissionsgutachten , betreffend die eid- 
genössische Hochschule 3000 Fr. bewilliget worden. — Die von der 
Bemer Regierung niedergesetzte Hochschulcommission hat mit 5 gegen 1 
Stimme die Zweckmässigkeit einer eidgenössischen Hochschule verneint, da- 
gegen die an die erste Frage sich unmittelbar knüpfende zweite: ob eine 
bemische Hochschule kantonales Bedurfniss sei, einstimmig bejaht. — Die 
Gesammtzahl der Studirenden in Bern beträgt 201 (darunter 10 Nichtischweizer 
und 51 aus anderen Kantonen). 

In Paris hat die Akademie für das Jahr 1851 ihr Bureau erneuert. 
Ordnungsmässig ist der Vicepräsident des vorigen Jahres, Hr. Ray er, Prä- 
sident geworden. Der abgetretene Präsident Duperrey zeigte noch an, 
dass Bd. 22 der Denkwürdigkeiten im September erschienen und Bd. 23 
begonnen sei und dass Bd. 11 der Denkwürdigkeiten fremder Gelehrten dem- 
nächst erscheinen werde. Mehrere Plätze sind in der Akademie vacant: in 
der Section für Anatomie und Zoologie für Hrn. v. Blainville, in der all- 
gemeinen Physik für Hrn. Gay-Lussac, in der Geometrie für den aus- 



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98 Allgemeine Corretpondent* 

geschlossenen Hrn. Libri, in der Mineralogie für Hrn. Beudaut. Ypn avs- 
wärtigen Correspondenten hat die Akademie im Jahre 1850 verloren : die HH. 
Kunth und Link in Berlin, Raffineau in Montpellier, Schuhmacher in 
Altana. Ausserdem waren schon vorher acht Stellen erledigt. 

Es ist davon die Rede, dass die Universitäten Padua und Pavia wieder 
geschlossen werden sollen. 

Die öffentlichen Blatter sprechen von Rohheiten und Ungebührlichkeiten, 
deren sieh die Studenten in Siena schuldig gemacht haben. In einem Ar- 
tikel aus Florenz vom 22. Dec. sagt die A. Z. : Ein Decret vom 17. d. H. 
fiuspendirt die Vorlesungen an der Universität Siena wegen ungeziemenden 
(„scandalösen^^) Betragens der Studirenden während des vorgeschriebenen 
reltgtdsen Unterrichts in der Universitätskirche. Solange die Entscheldttng 
über die Straffälligkeit der Einzelnen nicht erfolgt ist, wird den Studirenden 
untersagt, am Stndiencurs in Pisa Theil zu nehmen. Es ist diess eine sehr 
strenge Massregel, welche natürlich zahlreiche Unschuldige mittrifft (die 
Durchschnittszahl der Studirenden in Siena beträgt 300} und über die man 
verschiedene Urtheile vernimmt. Dass übrigens seit der gewaltsamen Aaf- 
regUBg der Jahre 1847 und 1848 der Geist auf den toskanischen Univer- 
sitäten nicht der besste ist, muss eingeräumt werden. 

Aus Florenz wird der A. Z. unterm 12. Dec. geschrieben: Mit dem 
neuen Jahre sollen in don Sälen der Akademie der Georgofili von verschie- 
denen Mitgliedern derselben Vorlesungen eröffnet werden. Die Namen der 
Docenten bärgen dafür, dass diese Vorträge so anregend wie interessant 
werden, wenn man auch bei mehr als einem auf einseitige Behandlung der 
Wissenschaft gefasst sein muss, in der Richtung, obschon nicht mit der 
scharfen Exclusivität des Rotteck-Welckerschen Staatslexikons. Der Marchesc 
Ridotfi wird über Agrologie lesen, der Advocat Pini über Agrarrecht, der 
Advocat L. Galeotti über administratives Recht, der Advocat V. SaN 
raagnoli über constitutionelles Recht, der Professor Busacca (Sicilianer) 
über politische Oekonomie. Bei den gegenwärtigen Lücken in der Besetzung 
der Lehrstühle an unscrn beiden Universitäten (wenn ja die von Siena noch 
ernstlich in Betracht kommen kann) ist eine gründliche Unterweisung in den 
genannten Fächern allerdings sehr wünschenswerth , insofern sie hoffentlich 
dazu beitragen wird, dem in vielen Köpfen befindlichen schreckhaften Chaos 
ein. Ende zu machen und die Ideen zur Klarheit und Ordnung zurückzufüh- 
ren. Besser, es wäre vor einigen Jahren geschehen, wir hätten dann nicht 
so unglaublichen Unsinn und so jammervollen Ruin erlebt. 

In Palermo ist am 29. Nov. die Universität eröffnet worden. 

In Turin ist nunmehr wirklich der neapolitanische Flüchtling P. S. 
Mancini durch königliches Decret zum Professor der Jurisprudenz an der 
Universität ernannt worden (s. Januarheft S. 3S} und eine Ankündigung des 
Universitätsraths zeigt den Beginn seiner Vorlesungen über Völker** und 
Seerecht an. Am 22. Jan. hielt derselbe in der Universitäts - Aula seine 
Antrittsrede „über die Nationalität ^^^ vor einem ungemein zahlreichen Audir 
iorium^ welches der Rede stürmischen Beifallsjubel schenkte. — Die Univer- 
sität Turin zählte im Studienjalire 1850 nicht weniger als 1926 Studenten, 
von welchen 107 Theologie, 641 Jurisprudenz, 459 Medicin und Chirurgie 
«tudirten. 



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Personal- NotIzeD. 

In Basel i&l Prof. Sohn eil zum Reolor der Universitit für das AM 
1851 gewählt worden^ — In Berlin warde der geh. Medicinalnith Dr.'Wi 
Hörn zum arztlichen Director des Charit^krankenhauses und der bisheHgd 
Oberinspector geh. Rechnungsrath K. H. £sse zum Venvaltungsdireetor dieser 
Anstalt definitiv ernannt, ferner Dr.Michaelis auf den neuerrichteten Lehrstuhl 
der Stenographie berufen. — In Breslau hat die Kaiser-LeopoId-CaroHnische 
Akademie der Naturforscher den Geheiuienrath Ritter Neigebaur tiä ibrem 
ordentlichen Mitglied ernannt. Zum ordentl. Professor der Chemie in der 
philosophischen Facultat und zum Director des chemischen Laboratoriums 
wurde der seitherige ordentl. Professor zu Marburg Dr. Bunsen ernannt.*^ 
In Göttütgeti wurde der erst vor einem halben Jahre nach Kiel als Professor 
der medicin. Klinik abgegangene Dr. Ph. Fror ich s zum ord Professor der 
patfaolog. Anatomie, der allgem. Pathologie und Arzneimittellehre ernannt. -^^ 
In Gr^moald wurde der bisherige ordentl. Professor der Rechte zu Königs^ 
berg 0. Mejer zum ordentl. Professor in der juristischen Facultat ah Plancks 
Stelle und an die Stelle des nach Rostock abgegangenen Prof. Schulze 
Dr.Tromme zum Lehrer der Chemie in Eldena ernannt. ^- InJetia würden 
der ausserordentl. Professor Dr. G. Ed. Fischer zum ordentl Honorar-^ 
Professor bei der philosophischen Facultat, die Privatdocenten Dr. W. Gir«^ 
tanner und Dr. Ed. Egm. J Chambon zu ausserordentl. Professoren bei 
der juristischen Facultat, die Privatdocenten Dr. C. B. Stark Und Dr. Fr. X. 
Wegele, sowie der Privatdocent zu Heidelberg Dr. H. Hettner zu ausserord. 
Professoren bei der philos. Facultat ernannt. — In I^tpzig wurde Prof. Dt. 
Liebener, biiiher Professor der Theologie in Kiel, zum ord. Professor der Tbeo-^ 
logie ernannt. — In Lemberg wurde eine besondere Professur fiär gerichtlicbb 
Arzneikunde errichtet und dem Privatdocenten an der Wiener Unirersitilt 
Dr. Fr; Gatscher, verliehen. — Am gemeinsamen Oberappellationsgerichl 
zu Lffheek wurde Dr. Wunderlich, bisher erster Professdr deih Rechti^ 
und Ordinarius der Juristenfacultät zu Halle, von den vier freien Städten ah 
die Stelle des in Ruhestand versetzten seitherigen ersten Raths, Dr. Hadi, 
ernannt. — Die k. Akademie der Wissenschaften in München hat unterm 
27 Juli V. J. L als ordentl. Hitglied erwählt: a) für die philosophisch^philo- 
logische Classe Dr. Halm, Rector am Münchner Maximilians* Gymnasium; 
b) für die historische Classe Dr. Fr. Witt mann, Adjunct des k. Reichs- 
archivs; IL als ausserordentl. Mitglied in München: für die historische Classe 
den quiesc. k. Landrichter Gerstner in München; III. als auswärtige Mit^ 
glieder: a) für die philosophisch-philologische Classe: 1) Fr. Bopp, Pro- 
fessor an der Universität in Berlin; 2} A. Meineke, Gymnasialredor in 
BerMn; 3) Herrn. Bonitz, Professor an der Universität zu Wien; 4) Fr, 
Ritschl, Professor in Bonn; 5) Ludw. Kayser, Professor an der Universi«* 
tat zu Heidelberg; 6) Fr. Delitzsch, Professor in Erlangen; 7) B. thorpe, 
Esq. F. S. A. in London; b) für die mathematisch - physikalische Classe: 

1) Alb. Kölliker, «Profjessor in Würzburg; 2) G. Magnus, Professor in 
Berlin; 3) D. Brewst^f,^ Professor in Edinburg; lY. als ausserordentl. aus- 
wärtige Mitglieder: a) für die mathematisch -physikalische Class^: i) Fr. 
ünger, Professor in Bonn; 2) A. de Candolle, Professor in Genf; b) Mr 
die historische Classe: 1) J. B. Weigl, Domcapitular in Regetfsburg; 

2) Hofrath Böttiger, Professor in Erlangen. Diese Wahlen haben die 
Königliche Bestätigung erhalten. An der Universität wurde der ausserord. Pro- 
fessor Dr. K. Fraas zum ord. Professor der Landwirthschaft und der Professor 



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100 BttCiOiial-NoUsen. 

an der polytechnischen Schule Br. K. G. Kaiser unier Beibehaltang seiner 
Stelle* an dieser Schule zum ordentl. Professor der Technologie in der staats- 
>virthschaftlichen Facultäi ernannt. — In Pestth wurde dem Rector und Pro- 
fessor des Natarrechts an der dortigen Universität Dr. A. Virozail, dem 
Professor des Kirchenrechts und Senior derYechts- und staatswisseoscliafl- 
Iich^n Facultflt Dr. Fr. Visketely und dem Professor der Physiologie und 
Senior der medicinischen Faeultät Dr. S. Schordan der Titel eines k. k. 
Raths verliehen. — ki Proui wurde W. Wl. Tömek, Mitglied der k. böh- 
mischen Gesellschaft der Wissenschaften, zum ausserordentl. Professor der 
österreichischen Geschichte ernannt. — In PresJtbnrg wurden an der dor- 
tigen Rechtsakndemie die bisherigen Professoren daselbst: Dr. Konek zum 
ordentl. Professor der Statistik und des Bergrechts, der Prof. Dr. t. Bor-« 
siczki zum ausserordentl. Professor der statistischen Wissenschaften, der bis- 
herige Supplent Dr. Baintner zum ordentL Professor des ungar. Privat- 
rechts, des Handels- ond Wechselrechts, der dermalige Staatsanwaltssubstitut 
in Bttdweis Dr. Fr. Rulf zum ordentl. Professor der Rechtsphilosophie und 
des österreichischen Staatsrechts, der Privatdocent in Prag Dr. Fr. Petruska 
saoi ordentl. Professor des Österreich. Civilrechts ernannt. — In Rostock 
igt Prof. Schulze in Eldena zum ordentl. Professor der Chemie ernannt 
worden. — In Tübingen ist der bisherige Privatdocent in Würzburg Dr. Georg 
Rapp zum ordentl. Professor der Medicin und Director der medicinischen 
iOinik ernannt worden. — In Wien sind Prof. Dr. Pachmann und derHof- 
«dGerichtsadvocat Dr. Weissei zu Mitgliedern der k. k. Prüfungscommission 
fir die judicielle Abtheilung der theoretischen Staatsprüfung ernannt worden. 

Orden erhielten, und zwar in Berlin Prof. Dr. Ritter den rothen 
Adlerorden 2. CL mit Eichenlaub, in Brawufberg der vormalige Professor 
der kathoL Theologie an dem Lyceum Hosianum Dr. Schwann den rothen 
Adlerorden 4. Gl.; in Breslau Medicinalrath und Prof. extraord. Dr. Rem er 
den rothen Adlerorden 3. Gl. mit Schleife; in Erlangen Prof. Dr. Nagels - 
bach das Ritterkreuz des Michaelsordens; inGo^i^rey» Prof.Dr.med.Herbst 
den Guelphenorden 4. GL; in Königsberg Prof. Dr. v. Buch holz den rothen 
Adlerorden 4. Gl.; in München das Gomthurkreuz des Michaelsordens Hof- 
nith v. Schubert, das Ritterkreuz desselben Ordens die Proff. Schneider 
an der medicinischen und Wagner an der philosophischen Facultät; in 7/t* 
hingen Prof. Dr. Kuhn an der katholisch-theologischen und Prof. Dr. Volz 
an der staatswirthscliaftlichen Facultät das Ritterkreuz des Kronordens; in 
Würzburg Prof. Dr. Leib lein das Ritterkreuz des Michaelsordens. 

In Breslau wurde Prof. Dr. Thilo, in Kiel Etatsrath und Prof. Dr. 
Tönsen pensionirt. — In München tritt der Professor der orientalischen 
Sprachen Dr. Ha neb er g in den Benedictinerorden bei St. Bonifacius, ohne 
jedoch seine Professur an der Universität aufzugeben. 

In AUmia starb am 29. Dec. der berühmte Astronom Gonferenzrath 
Dr. Schumacher, in Berlin am 31. Dec. der geh. Medicinalrath und Pro- 
fessor der Botanik Dr. Link, 83 Jahre alt (seit 1815 Professor in Berlin), 
in Breslau am 31. Dec. der Regierungsrath , geh. Medicinalrath , Professor 
und Director der medicinischen Klinik Dr. Rem er (sen.), in Christiania am 
8. Dec, 79 Jahre alt, Georg Svendrup, einer der berühmtesten Professo- 
ren der Universität, der „Mann von Eidsvolde", in Göttingen Obermedicinal- 
rath Professor der Anatomie Dr. Langen b eck, d. Z. Director der Societat 
der Wissenschaften, in Leipzig am 24. Jan. der Professor der Rechte 
Dr. Gustav Ernst Heimbach. 



Dni«k von F. E. Thefn In Wiinbiirg. 



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T. 



(Deutsche UmveraitSts-Zeilnog.) 



m. JTalirsaiiff. ftSftfl« Ulftralieft. 

I ■ • I I 11 I ii II 

I. 

Nekrolog. 

Ausu8t IVeander in Berlin« 

Der Tod des Dr. Neander ist weit über Europa hinaus schmerzlieh 
empfanden worden, am meisten ist aber den Universitäten durch ihn eine 
Wunde geschlagen^ unter deren Lehrern er eine ausgezeichnete, in mancher 
Hinsicht einzige Stelle einnahm. 

August Neander war am 16. Januar 1789 zu Göttingen in einer jüdi* 
sehen Familie, deren eigentlicher Name Mendel war, geboren, kam frühzeitig 
nach Hamburg und besuchte die dortigen höhern Lehranstalten. Diess wurde 
ihm durch fremde Unterstützung möglich gemacht; denn wie sehr er sieh 
wenigstens eine Zeit lang in dürftigen Umständen befand, davon legi noch 
ein damals benutztes und nach seinem Tode unter seinen Büchern aufgefun- 
denes Exemplar der Ilias von Wolf Zeugniss - ab , in welchem mehrere 
hondert Verse fehlen, die durch ihn selbst schriftlieh ergänzt sind. Sieben-* 
zehn Jahre alt, ging er zur Universität ab, nachdem er zuvor getauft worden 
war. Es war weniger die Vorbereitung durch alttestamentliche Einflüsse, 
die ihn zum Christenthum führte, denn dafür scheint seine nächste Umgebung 
nicht geeignet gewesen zu sein. Er soll nicht einmal der Abiturienten- 
prüfung im Hebräischen sich unterzogen haben, war vielmehr nach Art der 
alexandrinischen Juden zu Christi Zeit gebildet und durch Einwirkungen 
edlerer Philospphie dem Evangelium näher gebracht. Denn obwohl eine 
genaue Kunde dessen, was ihn zum Bekenntniss desselben bewog, schwer 
zu erlangen scheint, möchte doch so viel feststehen, dass die Lectüre des 
tiefsinnigen Saint Martin, besonders aber das eifrigste Studium des Plato, 
seinem Geiste eine verwandte Richtung gegeben habe. Mit diesem Gött- 
lichen unter den Griechen ist er von der ersten' begeisterten Jünglingszeit 
bis in seine spätesten Tage, wie Wenige, vertraut gewesen. Er fiel dadurch 
einigen geistvollen Altersgenossen auf, die sich mit ihm verbanden, ihn nach 
der Universität begleiteten und theils bis ans Ende ihm nahe gestanden 
haben, theils sich früh von ihm trennten, weil sie nicht die gleiche Bahn 
mit diesem edlen und reinen Geiste zu verfolgen fähig waren. Einige Briefe 
von ihm und über ihn, welche aus dieser Zeit stammen und hinter Chamisso^s 
Werken abgedruckt sind, zeigen in dem frühreifen Jünglinge den Mann^ der 

AkadeiB. Moaatuchrift. März 1861. IS 

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102 rCelurofog: Angnst Reander in Berlbn. 

stets Jügendfrisclie bewahrte; denn es spricht aus ihnen des warme Gemuth, 
die Begeisterung für Wissenschaft, das Bedürfniss mit selbstständiger Kennt- 
niss und eigenem Urtheil sich der Gegenstände zu bemächtigen. Er bezog 
die Universität Halle, um Schleiermacher zu hören und Theologie zu studi- 
ren. Von den Kirchenvätern schreckten ihn die Schüsse der eindringenden 
Franzosen auf; Napoleon hob sofort die Universität auf und zerstreute die 
Lehrer und Studirenden. Neander begab sich nach Göttingen, wo er, fast 
aller Mittel beraubt, ankam und unter Plancks Leitung seine kirchenhistori- 
schen Arbeiten fortsetzte. Hit eisernem Fleisse drang er schon damals in 
die Quellen der Kirchengeschichte ein und kehrte mit einem ausserordent- 
lichen Wissen bereichert, allerdings aber mit sehr geschwächtem Körper, nach 
Hamburg zurück. Wenn auch der stille Wunsch in ihm leben mochte, im 
akademischen Beruf sich fpnz der Wissenschaft widmen zu können, so hin- 
derte doch schon die äussere Mittellosigkeit, diesem Ziel unmittelbar zuzu^ 
steuern. Er schien sich zunächst für das praktische Amt zu bestimmen, 
predigte auch zu verschiedenen Malen, soll aber niehl den enlspreeheitden 
Beifall gefunien haben, weil es ihm an Vortrag und an Kraft der Stimme 
fehlte, tttfi die grossen Kirchen seiner Stadt attsztrfüHen. Sein Lehrer Gurlitt 
hatte ihn wegen der herrlichen Gaben des Gemuths uinI seiner Talente lieb 
gewossen; er bewies ihm damals die lebhafteste Tbeilnahme und hat zu 
flUen Zeiten, auch ab Neanders Entwicklung einen von seinem humanistischen 
Staildpiuikt sehr verschiedenen Weg nahm, ihm herzUehe Lid»e bewakrt Br 
besuehte ihn öfters in seiner entlegenen Wohnung und fand ihn regelmfififsig 
mit den Kirchenvätern beschäftigt. Ueberzeugt, dass Neanders Anlagen ihn 
Bum Universitätslehrer bestimmten, ermunterte er um zum Versuch in diesem 
Beruf und Sagte liun grossen Erfolg voraus. Um das äussere Hinderniss 
zJä beseitigen, ruhte er nicht, bis er ihm ein Stipendium verschafft, welches 
Neandern erlaubte, einige Jahre ohne Nahrungssorgen der wissenschaftlichen 
Tbätigkeil zu leben. Er wählte Heidelberg zu seiner Universität und begab 
sich im Jahre 1811 dorthin. Die ersten Anfänge schienen keine sonder-» 
liehen Besultate zu weissagen, da sein Aeusseres weder imponirend, noch 
in weltlicher Weise gefällig und sein Vortrag wenig anziehend war. Dach 
sein Talent, sein beharrlicher Charakter, die Liebenswördigkeit seines 
Gemüthes, überwand die Schwierigkeiten aDe; man bewunderte bald seinen 
Fleiss, seine rastlose Prdduction, die TieCp seiner Auffassung. Es war seinem 
eigenen Entwicklungsgang 'gemäss , wie dem der Kirche entsprechend, dass 
er sich zunächst besonders ndt dem kirchlichen AHerthum beschäftigte. Die 
Wirkungen der pla^oni^hen Philosophie verfolgend, studirte er mit verzftg- 
lichem Eifer die alexandrinischen Theologen, auf deren Ideen sich eine 
seiner frühesten Abhandlungen (de g»osi Clementis) bezog. Diese For-* 
schnitgen fährten ihn auch auf eine nähere Untersuchung über den Kaiser 
Julian, dessen merkwürdige Entwicklung und Stellung zur Kirche er in der 
MLaimte* Honograf|Aie beaehrieb. Sie veroobaiffle ämn^^ in inzwieohett 



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«WS6f0rtfefitM(?r ProfiMirar g^tForden wur, qnter Martoineoke'fi V^rmilttitaf 
eifieii Ruf ^Is ordMtliciier Pfofefltfor an die UniversiUlt zu Berlin t die mm 
{[egrändet uiid mit b^devienden geifdif^n Kräften* ausgerastet, eine scbÖM 
Blüthe verhieiss. Neander mbm bald eine ausges^iciinete Stelle wrter ihren 
Lebrern ein und an iLeinem «nf allen deutsehen Universitäten hingen die 
Studir^odtifi mit grösserer Liebe* Die Wirksamkeit unter ihnen und s^ne 
scbriftstellerisobe Tbftligkeit füllen der Hauptsache nach sein übriges lieben 
ans, wetcbes ohne bed^utende lussere Veränderungen seinen Verlauf gehabt 
bat. Denn Bernfungen nach andern Universitalen lehnte ^r ab und seine 
meiur beschafulicbe und der Wissenschaft als solcher zugewandte Geistesart 
bestimiBie ihn, von der praktischen Einmischong in die Bewegungen der 
6eg0fiMrari ^ioh ßo vie) als «idgltch zurückzuhalten. Nur in dringende« 
Fjill^a od^ Jiif wabweisHcbe Aufforderung pflegte er sich m eiaeu diFefM**- 
liehen AnEtretfin in 4ß^ Streitigkeiten zu entschliessen. Von solchen Vor-^ 
k4)nHMisson ist bekannt , wie er sieh gegen die evangelische Kirchenzeitung 
erklärte, uls er dto Art nicht billigen konnte, m wolelier sie sich zum Werk-» 
seng der Angriffe apf rajtioiialistisehe Professoren machte; wie er ein Gat* 
achtoü pn^liicirte, weiobaa von Staatsmnssregeln gegen das eben erschienenn 
Leben Jesu von ßtmms abrieib, indem er Wissenschaft allein mit Wissen^ 
sebnft t>ekfunpft wissen wollte. Auch in andern Fetten hat er, doch iq^Mir 
im j^tillen^ geeigneten Orts seine Meinung zu erkeinnan gegeben; nnd gen 
hat man namentlidi in frühem Jahren S'^inen uneigennützigen Rath ver^ 
Bommen, wenn es die Besetzung der Lehrstellen galt. Auch das soll nicht 
übergangen werden, dass er, obgleich keineswegs ein Freund des fürst^ 
lich^Bi Absoluliswns und im diristlichen Interesse und im Interesse freier 
Entfaltung der Indtvidualiint liberalen lastitutionen in Staat und Kirche ge«- 
neigt, doch empört ward über das frevelhafte Treiben der Berliner National-' 
Versammlung und ihres Anhanges, und als die Regierung sich ermannte nnd 
es wagte, wiederum nach dem Steuer des Staates zu greifen, er zuerst und 
YOT Allen darauf drang, dass die Lehrer der Universität durch offene ^r-* 
klärung, so viel an ihnen sei, ein moralisches Gewicht in die Wagschaale 
der Regierung legen sollten. Im Obrigen aber unterzog er sich praktj-- 
icfaeu Functionen wenig und verzichtete selbst auf Uebernabme des Repto^ 
rats; er äusserte wohl bei Gelegenheit, dass er zum Regieren nicht gemacht 
sei. Das Amt eines Decans der theologischen Facultat hat er, so oft oe 
der Twmns an ihn brachte, verv/altet; er ist auch in das Consistorium ein- 
getreten, was ihm besonders von Bedeutung war, sofern damit die Theil- 
nahme an der PräAingscommission für die theologischen Candidateu verbunden 
ist. Denn Alles, was sich auf die Bereitung der jungen Theologen für ihr 
Amt bezog, war ihm von der grössten Wichtigkeit. Ihre wissenschaftliche und 
ebristliche Er^icfhusg und ihre äussere Pflege betrachtete er als seine höchsto 
Anhake und Memals ist Jemnnd imermüdlieher gewesen in der Erfüllung 
dersolbnn* Ihnen wnihte er seine heile Zeit und Kraß in Vodesungnn und 



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104 Ncikr«log: Angnit NetKder ht lleHiB. 

Privatumgang, und das Gef&hl , dass er in dem Eänen wie dem Andern sich 
ihnen ganz und rückhaltslos hingebe, das Bewusstsein, dass er nur für sie 
«nd die heilige Sache der Wissenschaft lebe, gewann ihre Herzen, wie seine 
wissenschaftliche Beweisführung sich ihrer Ueberzeugung bemächtigte. Seine 
Vorlesungen waren sehr zahlreich und erstreckten sich auf mehrere theo* 
logische Disciplinen. Hauptfach blieb ihm die Geschichte der Kirche, die 
er bald in universaler Darstellung, bald in einzelnen Monographien vortrug. 
In den spfitem Jahren beschränkte er sich darauf, die allgemeine Kirchen-' 
geschiohte, die Dog-mengeschichte und eine Entwicklung der Kirchengeschichte 
«ach den Innern Gegensätzen vorzutragen, Vorlesungen, welche in hohem 
Grade anziehend und lehrreich waren. Aber auch fast das ganze Gebiet der 
neutestamentlichen Exegese zog er in seinen Kreis, und man darf behaup- 
ten, dass diese Leistungen zu seinen trefflichsten und zu dem Besten gehör- 
ten, was im Bereich der Bibelerklärung hervorgebracht ist. Tiefe Kenntniss 
der heiligen Schrift, Sinn für die Eigen thümlichkeit der einzelnen Autoren, 
grosse Belesenheit auch in classischen Autoren, Einfachheit der Auffassung 
feine Ausfuhrung der Genesis der iBedanken war mit einer heuristischen 
Methode verbunden, welche etwas für die eigene Thätigkeit der Zuhörer in 
hohem Grade Anregendes hatte. Aus dem dogmatischen Gebiet pflegte er 
den paulinischen Lehrbegriff und die allgemeine auf die Gegenwart bezogene 
Dogmatik zu lesen. Er behandelte sie, seinem eignen dogmatischen Stand- 
punkt gemäss nicht als confessionelle protestantische Dogmatik, sondern 
wollte, indem er die biblischen Begriffe systematisirte und mit Rücksicht auf 
die dogmatischen Epochen, besonders auf die Reformation und die Gegen* 
wart, behandelte, eine allgemein christliche Darstellung dieser Wissenschaft 
anstreben. Seine Vorlesungen über Ethik ruhten in der allgemeinen Con- 
struction des Systems auf Schleiermachers Grundlagen, zeigten aber, mit 
welchem Ernst er die christlichen Gesichtspunkte auf die Formen des Lebens 
bezogen hatte. In neuester Zeit las er einen kurzen Abriss der Geschichte 
der Ethik, der bei seiner genauen Kenntniss der altem Theologie und ihres 
Zusammenhanges mit den Kategorien der Philosophie von nicht geringem 
Werthe ist Er pflegte eine systematische, exegetische und historische Vor- 
lesung in jedem Semester zu halten und sie in der angegebenen Reihenfolge 
zu ordnen. Man erstaunt über die Kraft, die der Geist in einem so hin- 
fälligen Körper bewahrte; sie war so sehr sein eigentlicher Lebensquelb 
dass er sich an dieser Thätigkeit geistig und leiblich erfrischte und Schmer- 
zen und Stockungen durch Vorlesungen überwand; und da^s es nach Krank- 
heiten zu seiner Genesung diente, wenn er nur erst wieder das Katheder 
besteigen konnte. Drei Stunden hinter einander trug er die verschieden- 
sten Gegenstände frei aus dem Gedächtniss vor und hatte kein Hülfsmittel 
zur Unterstützung desselben zur Hand, als einige aufgeschriebene Citate, 
deren Text ihm oft wörtlich gegenwärtig war. Selten bemerkte man eine 
Abnahme der geistigen Frische, selten eine Ermattung der weichen und 



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IMMlof : Aögut Nflnder m Berlia. H» 

doch krfifUgen Stiinine, £e nie ihren seeleavollen Ton verior. Seine Herr- 
schaft über den Stoff war vollkommen; man merkte ihm an, dass er immer 
noch viel mehr wusste, als er aassprach. Ohne stetiges Fortarbeiten, ohne 
die gewissenhafteste Vorbereitung, auf die er täglich von den Frühslunden 
an den ganzen Morgen verwandte, hatte ihm das oft Wiederholte unmöglich 
stets mit der gleichen Frische und Lebendigkeit entströmen können, welche in 
unmittelbarer Wirkung die Zuhörer elektrisirte, zumal seine stylistische Dar-* 
Stellung in den einzelnen Wendungen etwas Monotones hatte. Seine unver- 
siegliche Begeisterung fär Wissenschaft und akademischen Beruf machte, dass 
er in einem Alter, wo Viele auszuruhen pflegen, mit jugendlicher Lebendig* 
keit auf die literarischen Erscheinungen einging, sie aufmerksam prüfte, von 
ihnen lernte, oder sie zurückwies. Diese Thatigkeit war sein Lebenselement, 
und mochte er in der Stille arbeiten oder vortragen, so schien er ganz in 
den Gegenstand verloren zu sein, und der Beobachtende hatte hier da« 
bedeutsame Schauspiel, am Schaffen seines Geistes gleichsam in der innem 
Werkstdtte zuzuschauen. 

Das historisch -theologische Seminar gab ihm Gelegenheit, seine Päda-« 
gogik für die Wissenschaft an den Studirenden im besonderen Masse zu 
bethitigen. Sie vefsammelten sich in seinem Hause um ihn, wodurch das 
Ganze eine vertraulichere Haltung bekam. Er las mit ihnen einige der 
alteren Kirchenväter, am häufigsten den Origenes, auch wohl Clemens von 
Alexandrien oder Eusebius und von den Lateinern Tertullian oder Cyprian. 
Eine trefflichere Einführung in die Patristik gab es wohl in ganz Deutsch- 
land nicht. Er war überall zu Hause und mit dem Text so bekannt, oder 
fasste ihn so leicht, dass er, als in den letzten Jahren die Schwäche seiner 
Augen ihm nicht zu lesen erlaubte, er nach dem blossen Hören diese schwie* 
rigen Autoren verstand und die Uebersetzungsfehler verbesserte. Er liess 
die historischen Beziehungen des Textes erörtern , und brachte dadurch all*- 
mfilig eine genaue Kenntniss des geschichtlichen Kreises zu Wege, aus wel«* 
ehern die Autoren hervorgegangen waren. Die übrige Zeit füllten theils freie 
Vorträge, theils Besprechungen über schriftliche Arbeiten der Seminaristen 
aus. Zu beiden liess er die Themata frei wählen und beschränkte darin so 
wenig als möglich. Er leitete die Zwiegespräche und nahm oft selbst als 
streitende Partei lebhaften Antheil. 

Mit diesen Zusammenkünften nicht zufrieden, hatte er den Abend des 
Sonnabends dazu bestimmt, in freierem Gespräch mit den Studirenden, die 
ihn besuchen wollten, zu verkehren. Um den Tisch herum, auch wohl unter 
die massenhaft geschichteten Bücher zerstreut, sassen sie dann beim Theo, 
und er mit der herzlichsten Freundlichkeit unterhielt sich bald über wissen- 
schaftliche, bald über privatere Gegenstände mit ihnen, stets bereit, ihre 
Fragen zu beantworten, ihre Zweifel zu lösen, ihre Entgegnungen anzu- 
hören. Er ermunterte sie, sich gegen ihn zu äussern, wenn sie gegen seine 
eignen Vorlesungen Einwendungen zu machen hätten, und wurde nicht 



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106 VArtfof : Al^vt NMBd* i» Beilii: 

mde, wem es galt, Dunkdheitefl ni lichten, DüereMDMi zu iöien, boeh** 
erfreut, wenii er auch im Widerspruch ein bedeutenderes ivissensebaftliobes 
Talent und ernsteres Bedörfniss nach Erkenntniss der WahrhetI spurte. Um 
Jedem in persönlicheren Angelegenheiten zugänglich zu sein, hatte er au^h 
an jedem Nachmittage eine Zeit bestimmt, wo man ihn besuchen durfte. Er 
gönnte sich keine Rast; kaum vom Mittagstisch aufgestanden, masste er 
schon wieder der Besuche, der Fragen und Bitten gewärtig sein. Selbst 
Spaziergänge unternahm er mehr um der geliebten Schwester willen, als 
seinetwegen. Oft hätte er gern gearbeitet, wenn man ihn za sprechen 
wünsdite; seufzend erhob er sich dann von seinem Buch, aber der Ein-^ 
tretende fand nur Freundlichkeit und Bereitwilligkeit ihm zu dienen in sei« 
nen Worten und seinem Benehmen. Unzähligen ist er nicht nur ein Fuhrer 
auf dem Wege des Lebens und ein Vorbild in der Wtssensekaft, SMdern 
auch ein liebevoller Freund und Helfer in ättssern Schwierigfceilen gewesen. 
War er so willfiäbrig, ihnen seine Zeit zu opfern, die ihm so wertb war, 
wie viel mehr geneigt musste er sein, sein Einkommen mit Andern so 
theilen, da er fidd nie weiter als für seine verhältoissmäsaig geringen Be* 
djirfiusse verlengie. Den Studirenden, welche durdi erwiesf ne Bedürftigkeit 
A/iS Zugeständniss nur Stundung der Collegjengelder von den Universitats* 
bdiörden erlangen, erliess er lenge Zeit ohne Weiteres seine Honorare 
gänzUdi. Erst vor etwa zehn Jahren, als er wahrzunehmen glaubte, dass 
Einige dieser Wohltfaat tingeaditet die Vorlesungen unregelmässig besuch- 
ten, machte er die Beschränkung, sie nur denen zu schenken, welche durdi 
eine bei ihm bestandene Prüfung die fleissige Beschäftigung mit der Vor* 
lesnng darthaten. Man rechnet, dass er über sechzigtausend Thaler wäh- 
rend seiner Professur auf diesem Wege Preis gegeben habe. Er gr^dete 
einen Verein zur Unterstützung der Kranken unter den Studirenden der 
Theologie , der seine Mittel 4ius den Beiträgen der Studirenden und Ehren- 
mitglieder in andern Verbältnissen, besonders aber aus dem zog^ was ihm 
Neander durch Schriften hin und wieder zuwandte. Diese Stiftung ward in 
seiner Hand ein erfolgreiches Mittel, die oft grosse Neth unter seinen jungen 
Pfleglingen zu lindern und die Studirenden zu wechselseitigen UebesdiensteQ 
zu veranlassen. Er war sehr scharfsinnig, Andern körperliche Leiden an-* 
zumerken, die er selbst so geflissentlich verbarg, oder ihre geistige Be- 
kummemiss zu ahnen, und ruhte oichl, bis er Hülfe selbst geleistet oder 
yon Andern verschafll hatte. Die Empfehlungen, wodureh er bald {bei 
Behörden, bald bei Privaten Fürsprache leistete, oder wodurch er die Werke 
jüngerer Männer bei dem Publicum einführte« sind «ass^erdenflieb ;MihIreidt 
Sein gütiges Herz bewährte sich ferner in den unablässigen Spenden, die er 
den Armen jeglicher Art zu einem für sein Vermögen bedeutenden Grade 
reichte; wie er denn unter den niedem Classen der Berliner Bevölkerung 
als ein besonders guter Mann bekannt war und Züge seiner Hersensgute 
hier von Mund zu Mund getragen wurden. 



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IMirol«f : Aiifust Ne«iider hi Betün. 10t 

Es wirde tnkegreiflich seht, wie er, so vielfach in Anspruch genommen^ 
so schwach und knink, doch ehe maUässige Prodaction zum Tfaeil sehr 
bedeutcfnder Werke habe zeigen können, wenn ihn nicht eine bewunderuflgs-* 
wttr<Kge Schneltigkeit in der Auffassung der Dinge seiner Wissensehaflen, 
ein ebea so erstaunliches Geddchtniss unterstützt, und die Kunsttosigkeit 
seiner äussern Darsteliungsform ihm wenig Aufenthalt in Ausarbeitung des 
dnnml Erkannten bereitet hätte. Dabei war er einer der in sieh \o!hg 
gesammelten Menschen, der daher durch Störungen wenig in der Energie 
seines geistigen Arbeitens abgesehwädil wurde; woraus zugleich erhellt 
wie wenig ihn die kannten , die ihn für zerstreut hielten , und wie nichtig 
die Anekdötchen siad, die diesen Inhalt tragen. Unter seinen gelehrten 
Werken ist die Geschichte der christUelien Religion und Kirche das heriror« 
ragendste, welches durch die Kraft und Freiheit der religiösen Befrachtung; 
durch ein fasi unerreichtes, selbständiges Quellenstudium und durch vield 
wichtige Einzelentdechungen ein Epoche machendes geworden ist. Es ist in 
vollständiger 0urcharbeititng bis zum Ende des 13. Jahrhunderts fortgeführt; 
eine Fortsetzung bis in die Zeiten der grossen Concilien cfes 15. Jahrhuft-** 
ierte fiegt beinahe vollendet als Handsdirift vor und befindet sich b^r^üs 
ui^r der Pn«se< Das apostolische Zeitalter hat er in einer klassis^^n 
Monographie behandelt; ebenso das Leben Jesu in einem für Exegese und 
Kritik des neuen Testaments wichtigen Werke; beide von besonderem In-* 
teresse wegen> der durchgehenden Beziehungen auf die negativ kritischen 
Bestrebungen der Gegenwart. An die zahlreichen übrigen Monographien 
und kleineren Schriften erinnern wir nur im Allgemeinen, ohne auf specielle 
Erörterung einzugehen. Der Tod riss ihn aus einer Unternehmung, der er 
sich mit besonderer Liebe hingegebeil hatte, nämlich dem Mitwirken an der 
deutscten Zeitschrift für christliche Wissenschaft und christliches Leben, die 
seine theologische Richtung vorzuglich zu vertreten bestimmt war. 

Seine letzten Jahre waren getrübt durch Kummer über den Stand der 
evangelischen Kirche und ihrer Wissenschaft, die er von der einen Seite 
durch falschen Dogmatismus* von der anderen durch falschen Kriticis- 
mus bedroht sah. Sie waren es auch durch wachsende körperliche Leiden^ 
indem zu ien gewöhnlidien Stockungen im Drüsensystem gichtische Schmer-« 
zen in Arm und Knie hinzukamen. Diese pflegte er ohne Klage zu ertragen; 
nach einer vor etwa vier Jahren aber unternommenen Badereise begannen 
in Folge des gichtischen Zustandes, vielleicht auch auf besondere Yeran-* 
li^sung einer Erkältung seine Augen , die bis dahin zwar kurzsichtig , aber 
doch ausdauernd gewesen waren, die Sehkraft zu verlieren. Das Schmerz- 
lichste, was ihm selbst begegnen konnte, Erblindung nahte langsam aber mit 
schrecklicher Sicherheit. Schon war er fast ganz auf die Hülfe eines vor-** 
lesenden und schreibenden Famulus beschränkt; schon müsSte er, um Exe-> 
gesedes neuen. Testamentes verzutragen, eine mit fast zoUgrossen Buchr 
Stäben gefertigte Abschrift gebrauchen; doch Gott nahm ihn zu sich^, eh« 

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f 06 Beiträge lur Geschichte der dealschen ÜBiversiUlten. 

sich das Übel vollendete. Am 6. Juli 1850 erkrankte er mit choleraartigen 
Anzeichen. Die Krankheit selber ward gehoben, indess hatte sie den ge- 
schwächten Körper zu sehr zerrüttet; die Hoffnung, der man sich einen 
Augenblick hingeben zu dürfen glaubte, schwhnd schnell wieder; bis zwölf 
Stunden vor seinem Tode behielt er volles Bewusstsein, dann umdunkelte 
sich der Geist, es traten Phantasien ein, noch erfüllt von Sehnsucht, für 
seinen Beruf zu arbeiten; dann in der Nacht zum 14. Juli verschied er, 
schlafend, ohne heftigen Todeskampf. 

Dass er für so viele Liebe auch grosse Gegenliebe gefunden, davon 
zeugte schon sein Begrabniss, bei welchem die Studirenden, die Lehrer der 
Universität, die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, welcher er 
er seit 1843 angehörte, und was sonst die Wissenschaft ehrt und pflegt, 
wetteiferten, ihre Ehrerbietung und Trauer auszudrücken. Unter vielen 
wissenschaftlichen Gegnern hatte er doch fast keinen persönlichen; und selbst 
der Herausgeber der evangelischen Kirchenzeitung, mit dem er eifrig ge* 
stritten, hat ihm in seinem Blatte in neuester Zeit Anerkennung nicht ver- 
sagt. Was die Wissenschaft an ihm verloren hat, gewahrt man an der Öde, 
die wie in einem weiten Umkreis durch seinen Tod eingetreten ist. Er wird 
stets eine der bedeutendsten Stellen unter denen einnehmen, welche den 
von Schleiermacher ausgehenden Impuls in die Bahnen der Schriftmässigkeit 
und des allgemeinern kirchlichen Bewusstseins geleitet und dadurch die 
Haupttrdger der Theologie dieses halben Jahrhunderts geworden sind. 



n. 
Beiträge zur Gesebichte der deutschen Universitäten von S. 

t« Beutselie JTiirtsteiirAeultftten vor t30 JimUren, von einem 
Zettseno88en eliArakterifllrt. 

Im J. 1742 erschien mit dem Druckort Leyden eine Dissertation unter 
dem Titel : Observ. juris practica de academlis Germaniae in transmittendis 
actis caute excipiendis auctore D. S. H. N. P. Ein Ungenannter Hess sie 
in demselben Jahre (ang^bli^^k zu Utrecht) wieder abdrucken, begleitet von 
einer Reihe den Text derselben widerlegender Anmerkungen. Es ist mir 
nicht gelungen, den Verfasser der Dissertation oder der Noten zu ermitteln; 
Qian darf aber vermuthen, dass beide nicht in den Niederlanden, sondern 
auf einer deutschen Universität zu suchen sind, da deren Interessen, zum 
Theil in scharfem Gegensatze, es allein sind, die hier in Frage stehen. Ein 
kurzer Auszug aus dem Utrechter Abdruck dieses Schriftchens wird inter* 
essante Blicke in die Meinung, welche man, wenn gleich mehr oder minder 
parteiisch, von verschiedenen deutschen Juristenfacultäten damals hatte, 
Ann lassen. 



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Die dcnttc^en Jari«teDfaoiitliten vor 19^ Jtilkrt». ttMl 

Der Verbfi^er gedenk« EinfanfS Tersdriedener^ Bedenken, welche der 
Aclenversendung überhaupt entgepfenstehen , und geht dann zu Vorsiehts- 
massregeln ui)er, welche er den Parteien hiebe! zu nehmen empfidhlt. Toran 
unter diesen stellt: er eine sorgfältige Auswahl unter den Universitären, m 
welche versendet werden soll. 

Auf einigen Universitäten — sagt er — seien die Professoren wegert 
der grossen Anzahl der Studirenden zu sehr beschllfligt, um auf die Prflfting 
der Acten die gehörige Sorgfalt wenden zu können; alle diese Universittten, 
welche eine grosse Frequenz hätten^ seien daher auszunehmen. Dahin gie*-* 
borten namentlich Leipzig, Jena, Wittenberg« Die meisten Mitglieder 
der dortigen Juristenfacultäten seien noch dazu zugleich fürstliche Räthe 
oder sonst imt andern wichtigen Geschäften betraut, und daher greife hier 
das Bemerkte um so mehr Platz, womit er dem Rufe dieser Universitäteii 
übrigens nicht im Mindesten zu nahe treten wolle. — Der Soholiast (um 
den Herausgeber, von welchem die Anmerkungen herrühren, so zu nennen) 
bemükt sich nur, durch einige allgemeine ftemerkungen^ese Behwptui^ge« 
und Warnungen zu entkräften. 

Der gleiche Grund — fährt der Verfasser fort — schlage auch bei der 
Universität Halle ein; dort komme aber noch ein anderer hinzu» „In hao 
acadeffiia jurium antecessores studio singularitbtis et reformandae jurispru* 
dentiae prae reliquis sunt addictissimi.*^ Dieses Argument bekämpft der 
Scholiast mit den schärfsten Waffen. Er beruft sioh in einer umständlichen 
Ausführung auf die grossen Verdienste deor Halle'schen Beehtsgelehrteh um 
wahre Refovmen in der Jurisprudenz und fuhrt namentlieh unter Bemfiing 
auf Thomasius mehrere Beispiele an, welche, um.es modern auszudrücken, 
die Emandpation derselben von den Fesseli^ der „communu» Ddetonm opinio*^ 
oder ihr Bestreben, einer geläuterten Auffassung des Rechts auch in der 
Praxis Geltung zu verschaffen, bezeugen. 

Im Gegensatze zu den erwähnten empfiehlt der Verfasser die hessischen 
Universitäten, nämlich Rinteln, Marburg, Giessen; ihnen gleichErfurt, 
vor Allem aber „nobilis Allorfina et Helmsladiensis" — obwohl er 
bei letzterer nicht unterlässt hinzuzusetzen: „quam ultimam tarnen nonnun- 
quam excipisse proficil", freilich ohne Angabe eines Grundes. Nicht zu ver- 
schweigen sei — sagt er weiter — der aufs Referiren verwendete Fleiss 
bei den Universitäten Frankfurt a. d. 0., Duisburg und besonders Tü- 
bingen. Von den katholischen Akademieen gehörten hierher Heidelberg, 
Wien und vornehmlich Iföln, welches letzlere den Vorzug vor allen in 
gelehrter und scharfsinniger Erörterung der Fragen verdiene. (Diesen Vor- 
zug verdiene es allerdings — meint der Scboliaist iranisch — durch sein 
strenge«. Festhalte am kanonischen Rechte, vor allen protestantischen Uni*« 
versitäten.) NtemandeHi. aber — so sefalies&t er diese Gen^alkritik -^ 
wolie er rathm, jemals die Acten nach Ingolstadt schicken zu lassen; 
abgesehen davM, dasg di^ts^ immer sehr kostspielig sei^ so hätle man dort 

Akadem. Monatsschrift. Man 1851. 14 



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110 Promotionskosten xu Greifswald io der ersten Hälfte des Id. lahrirnnderls. 

manche ganz eigenthflmliche Rechisprincipien und dürfte auch keineswegs 
die Beigabe von Entscheidungsgrunden erwarten. 

Der Verfasser schliesst hieran eine mehr jaristisch gehaltene Ausein* 
tndersetzung über die verschiedene Beantwortung derselben Rechtsfragen 
bei verschiedenen Facultäten, nach Massgabe welcher er, je nach dem In- 
teresse der Parteien, bald gegen die eine, bald gegen die andere bei der 
Actenversendung zu excipiren empfiehlt. So hielte man z. B. in Leipzig 
die Rechtsregel fest: Kauf bricht Miethe, — in Rinteln nicht; bei der ex- 
ceptio non numeratae pecuniae, wenn sie binnen zwei Jahren vorgeschützt 
wird, legen die Helm Städter dem Gläubiger den Beweis der Zahlung auf, 
die Rinteln er dagegen dem Schuldner, möge die Klage iritierhalb oder 
nach zwei Jahren erhoben sein; die Ehe mit der Schwester der verstorbe- 
nen Frau würde von der Facultät zu Jena und überhaupt von den Säch- 
sischen nicht, wohl aber von denen zu Rinteln, Helmstädt, Frankfurt 
und Kiel zugelassen. — Zu allen diesen Detailbehauptungen hat der Scholiast 
keine oder wenigstens keine das Thatsächliche widerlegende Bemerkungen 
gemacht. 

Nach Allem, was aus diesem Schriftchen hervorgeht, haben wir es 
darin mit parteiischer Auflassung zu thun; da aber Part und Widerpart In 
Text und Anmerkungen sprechen, se wird das Ergebniss vielleicht für ob- 
jectiver, als sonst, gelten können. Und dieses Ergebniss ist, um es mit 
wenig Worten zusammen zu fassen: die Art, wie sich die verschiedenen 
Juristenfacultäten Deutschlands zu jener Zeit in dem Kampfe zwischen Sta- 
bilität und Fortschritt im Rechte nach den beiden Lagern getheilt hatten! 



9. ProHioti(MiSkosteii zu GrelfswaM in der ersten VäUfte de« 

18. JTAlirlraiidertri« 

Über die früheren Einrichtungen der Universität Greifswald liegen 
uns so genaue Angaben^ wie über wenige andere Universitäten Deutschlands 
vor. Ein Professor der Rechte an derselben, A. Balthasar, hat im J. 1742 
einen starken Quartband unter dem Titel: Rituale academicum &c. herans- 
gegeben, welcher nächst einer Reihe akademischer und auf Universitäts- 
wesen bezüglicher Reden und Programme auch eine sehr detaillirte Beschrei- 
bung der Solennitäten enthält, von welchen die einzelnen akademischen 
Acte begleitet waren. 

Wir heben aus letzterem Abschnitte vorläufig folgende Kostenanschläge 
der Licentiaten- und Doctoren*Promotion heraus. 

Was die erstere anlangt, so unterschied man zwischen der solennen 
und der mindersolennen Licentiaten- Promotion. Bei der letztem fand eine 
feierliche Einladung und Au&sug der sämmtlichen Professoren statt, und es 
scbloss sich daran ein Gastmahl, auf welches jedoch, nach dem akademischen 
yisitationsabschied von 1666, nicht mehr als höchstens 25 Thir. aufgewendet 



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Promotionskoften sa GreifswaM in der ersten Hilft« def 18. Jahrhanderti. 11t 

werden darften. In nachstehendem Anschlage ist der Aufwand daf&r nur 
mit ungeführ der Hälfte angesetzt. Bemerkenswerlh ist insbesondere die 
Remuneration, welche nach Nro. 7 dem Decan zu Theil wird: 

Stimtfts in Profnot Ltcentlati erogmidl, nunt: 1) pro Examine 40 
Tbl.; 2) pro Bellariis 6 Tbl; 3) Ministro Academiae 2 Tbl.; 4) Quod si 
Candidatus sit extraneus, nomen suum Rectori prius profiteri debet, ul in 
album civium cooptetur 1 Tbl 24 Schill.*); 5) Ad inprimendam disputatio- 
nem circa 24 Tbl.; 6) pro compactura exemplarium distribuendorum 2 ThI.; 
7) Pro oflicio praesidendi (quo tamen ofTicium prociamandi continetur) se- 
cundum Statuta Fac. G. VIII. $. 10. Decanis duobus rosis aureis remune- 
raturl2Thl.; 8) pro elaboratione Programmatis unus aureus 2 Tbl. 36 Schill.; 
9) pro structura CoUegii 2 Tbl.; 10) Pedello pro distributione et invitatione 
ad Lectiones cursorias iL ad Disputationom inauguralem 1 Tbl.; 11) pro 
stemendis culcitis subselliorum 8 Schill; 12) ad sumptus Convivii 12 Tbl 
Summa 106 Tbl. 28 Schill. 

Kosten der Doctorenpromotion beliefen sich minder hoch, weit hier 
mehrere Candidaten zugleich promoviren konnten. Unter sie verlheillen sich 
dann gemeinschaftlich die unter I. nachstehend aufgeführten Kosten: 

SunUii^ prcmotionU doctoralls^ atm saepe phires concttrrafU CofüH* 
daUj sunt: I. Communes, ex quibus tamen nonnulii in minus solenni 
cessant: 1) Pro expeditione commlssorii, ad Procancellarium directi 2 Tbl 
36 Schill; 2) pro impressione Diplomatis doctoralis 1 Tbl 8 Schill; 3) Dn. 
Procancellarius et Magn. D. Reclor, secundum Slat. Fac. Cap. VIII. %. 14. 
singuli, sive unus sive plures sunt Candidati, capiunto librum 5 thal vel 6 
imperiales: 12 Tbl; 4) Petitori, qui a Procancellario licentiam expetit 2 TM. 
36 Schill; 5) Ad cassam Academiae vi Recessus de 1702 C. I. $. 20 in 
fine 6 Tbl; 6) Musico, Cantori, Organico et Vespilloni singulis 1 Thal facit 
4 Tbl; 7) Pulsantibus campanam 1 Tbl 16 Schill*; 8) pro exstruenda Ca* 
Ihedra et afBgendis velis texlis 3 Tbl 8 Schill; 9) pro sternendis culcitis 
32 Schill; 10) pro 8 candelis cereis, a 22 Schill, 3 Tbl 32 Schill; 11) pro 
chirotecis inter pueros sceptrigeros et reliq. distribuendis 24 Schill; 12) pro 
decreto Cancell. Reg. et assignatione ferinae it. venatori 24 Schill; 13) Con* 
vivii sumtus certo determinari non possunt Quod si tamen in minus solenni 
promotione singulis academicis 1 Imperialis solvitur ^*) , eandem conficit 
summam, ut in convivio Promotionis in Licentiatum, seil 24 Tbl 24 Schill 
Summa 64 Tbl 16 Schill — IL Speciales: 1) Unicuique Facultistarum 
singttli Candidati ex praescripto Statut. Fac. C. 1. §. 15. quatuor Thal 
solvunto, facit 12 Thal; 2) Decano pro Diplom, et proclamat. in Doctorem 
12 Imp. 16 Tbl; 3) Decanissae 4 Thl; 4) Ad Bibliothecam , secundum 

•) 48 Schill = 1 Thl. 

*^) Mit eineni Thaler, der jedem als Gast ebisuladeoden Akademiker gezahlt ward, konnte 
■fimlick diMes Gastmahl abgekauft werden! 



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ii9 Correspondei». 

Recejss^um 4e 1702. C. 1. §. 27. pr. 1 Tbl; 5) Ad si;9peIteoliIem i ThL; 
&) Miaistro Academiae 2 Thl; 7) Ad Culinam 1 ThL; 8) Ad Cassa« vidua- 
ram gratuitum 2 Tbl. 36 Schill; 9) Ex arbitrio novitar creati Doctaris esto, 
üecund. Statut. C. 8. §. 16, quo munere officium Decani, in peractis cere- 
iQoniis Dootoralibus obitum, signoscere velit. Sainma 39 Tbl 36 Schill. 

QWird forlgeseiiL) 



IIL 

GerrespoHdenz* 

k. Tübingen, Januar 1851. (Dr- Rapp. Beförderung der philologischen Studieo. Des 

?ndei» Ricke. Der literarische Verein.) DcF erledigte Lehrstuhl def KKufk isl nun 
4urch Berufung des Med. Dr. Rapp, bisherigen Privatdocenteii und Arztes 
in Wurzburg, in einer Weise besetzt, die hoffen lässt^ die von Semester za 
Semesjler steigende Frequenz der mediciniscben F^cuUät werde keinen Still- 
tstand erleiden. 

Die schon vor einem Jahre durch einen Auftrag der philosophischen 
Facultät in Anregung gebrachte Frage, ob nicht im evangelisch-theologischen 
Seminar eine Abtheilung von Philologen gebildet werden solle , nähert sich 
piun der Entscheidung. Es ist in Aussicht gestellt, dass sich der Königl 
Stttdienrath, welcher die Sache gegenwärtig zu berathen hat, dahin ent- 
scheiden werde, dass auch die Studirenden der Philologie einzefaie theologi- 
sche Hauptvorlesungen hören und die theologischen Prüfungen bestehen 
sollen, dagegen in diesen Fächern von Jenen weniger gefordert werde, 
welche ihr Hauptaugenmerk aiif das Lehrfach richten. Im Zusammenhang 
HomU seil dann mit den Decenten der Universität Verabredung über einen 
geregeUen vollständigen Lehrcursus der philologischen Wissenschaften ge*^ 
iroffen werden. 

Vor einigen Tagen isl die vieljährige Dienerin des Pedells, „des Pudels 
Ricke", welche allen Jenen, die seit 30 Jahren der Universität angehörten, 
eine wohlbekannte und durch treuen Dienst an der Universität ehrwürdige 
Gestalt war, gestorben. 

Unter den wissenschaftlichen Unternehmungen, welche von hiesigen 
Universitätsangehörigen ausgehen, verdient auch 4er literarische Verein 
erwähnt zu werden, welcher, im J. 1839 zu Stuttgart gegründet, dort eine 
Reihe werth voller Publicationen , im Ganzen 17 Octavbände herausge|:eben 
hat, im vorigen Jahre hieher übersiedelte und nun von Professor A. Keller 
als Vorstand des Verwallungsausschusses und Dr. Holland als Secretär geleitet 
wird. Drei andere Uniersitätsangehörige , Kanzler v. Wächter, Professor und 
Oberbibliothekar Fallati und Bibliothekar Dr. Klüpfel, sind ebenfalls Mitglieder des 
Ausschusses. Die Zwecke des Vereins sind dieselben geblieben, wie bei derStutt- 

} arter Leitung, nämlich Handschriften oder alte und selten gewordene Drucke, 
ie durch ihren Inhalt ein hervorragendes Interesse für Geschichte und Lite- 
ratur Deutschlands und der damit in näherer Beziehung stehenden Länder 
und Völker haben , durch den Druck zu veröffentlichen. Seil der Verein in 
Tübingen seinen Sitz hat, sind vier Publicationen ersehianeii. Die erste 
davon ist die 18tc in der Reihe: „Konrads ven Weifi^eng des retehserb'« 



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Cdn^spoiitfeBi. Ut 

kämmerers einnabtnen^ Md au^gabenre^tster von 1437 — 1438^S Heraus^- 
gegeben von J. Albtecht. I — Vfll. 1 — 95. Slultg. 1850. Dieser Konrad 
won Weinsberg war am Hof König Sigi«munds und begleitete ihn auf rneb- 
reren Reisen, seine Verrechnungen geben merkwürdigre Notizen über die 
die damaligen Preise der Lebensbedurfnisse, den Aufwand, der am Hofe 
gemacht \vurde, und die gar nicht glänzenden Geldverhältnisse Kaiser Sigis- 
mands. Man steht urfter Anderem daraus, wie der Reichskämmerer das 
Geld, das er für den Kaiser braucht, unterwegs von Juden, Städten und 
Klöstern zusammenentlehnen muss. Die 19te Publication bildet eines der für 
die deutsche Geschichte interessantesten Stücke in der Bibliothek des litera- 
rischen Vereins: „Das habsburg- österreichische urbarbuch, herausgegeben 
von »r. Franz Pfeiffer. Stuttgart 1850" 1— XXVlH. 1 — 404 Es ist diess 
ein umfassendes und an geschichtlichen Notizen äusserst reiches Verzeich- 
niss der Besitzungen des Hauses Habsburg im südwestlichen Deutschinnd und 
der Schweiz aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts, worin wir auch manche 
Nachrichten über die Art der Erwerbung von Grundstücken, Einkünften und 
Gerechtigkeiten finden. Das Buch ist noch im Manuscript von Stalin zu sei- 
ner württembergischen Geschichte und von Kopp zu seiner Geschichte der 
eidgenögsiscbcn Bünde in umfassender Weiso benutzt w<>rdeii udd der 2Weite 
Band des leia^t^rn Werkes bHdet gleichsam einen Commentar zum Urbar- 
buch. Dier Text, der aus verschiedenen Handschriften hergestellt werden 
mussrt«), ist vom Herausgeber mit philologischer Sorgfalt behandelt, auch 
hat dei'selbe nicht nur sprachliche Erläuterungen, sondern avdi ein sehr 
dankenswerthes Ortsregister am Schlüsse beigefügt. Bei den vorkommen- 
den alten Ortsnamen sind die entsprechenden gegenwärtig gebräuchlichen 
nachgewiesen. Die 20ste Publication enthält ein allegorisches Gedicht aus 
der Mitte des 15. Jahrhunderts, von J. A. Schmeller herausgegeben: „Hada- 
mars von Laber Jagd, mit drei, anderen Minnegedichten seiner Zeit und 
Weise." Stutig. 1850. I— XX. 1—213. Es hat seine Herausgabe mehr der 
sprachlichen Wichtigkeit als dem ästhetischen Werthe zu danken, hat übrigens 
auch ein nicht unbedeutendes literargeschichtliches Interesse, indem es bei 
den Zeitgenossen in grossem Ansehen stand und viel gelesen war. Die 21ste 
Publication enthält ebenfalls Dichtungen aus dem 14. Jahrhundert, die unter 
dem Pseudonymen Titel von „Meister Altswert" in Handschrilten gesammelt 
sind. Sie sind von W. Holland und A. Keller herausgegeben, Stultg. 1850. 
I — XXIV. 1 — 256. Es sind ebenfalls Minnedichtungen in allegorischer Aus- 
führung , die wahrscheinlich von einem Elsässer herrühren. Mehrere andere 
Werke sind zur Herausgabe vorbereitet. 

T. Freiburg, Januar 1851. (Peraonalverändeiungen. Steigende Frequenz. Hofrath 

Deubcr f- Phiiogophischer Cur.us.) Seit mciucm letztcu Bcricht, dem eine ziemlich 
lange, durch Nachsicht zu entschuldigende Pause folgte, haben sich manche 
Veränderungen an hiesiger Universität zugetragen. Professor von Siebold 
folgte an Ostern vorigen Jahres einem Rufe an die Universität Breslau. An 
seine Stelle wurde Dr. Ecker aus Basel, ein anerkannter Gelehrter und 
Lehrer und strebsamer Forscher, als Professor der Physiologie, vergleichen- 
den Anatomie und Zoologie und als Director der zugehörigen Institute be- 
rufen. Er begann seine Studien an hiesiger Universität, trat nach ihrer 
Vollendung als Prosector an derselben auf, wirkte dann als Lehrer an den 
Unir^sitöten Heidelberg und Basel und kehrte von letzterer wieder hieh^r 
zuröck. — Zu Ende des verflossenen Sommercurses verliess Alexander 
Braua, Prdfö^aor der Botanik, den hiesigen Ort; um sefine WirksamkeU ab 



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114 Correspondenz. 

Lehrer dieses Faches an der Universität dessen za beginnen. Ihm folgt die 
Achtung und eine freundliche Erinnerung seiner CoUegen und Zuhörer. An 
seine Stelle trat der bisherige, durch seine literarischen Leistungen bereits 
bekannte Privatdocent an der Universität zu Heidelberg, Dr. Mettenius, 
als ausserordentlicher Professor der Botanik und Director des botanischen 
Gartens. Wahrend seiner noch kurzen Wirksamkeit an hiesiger Universität 
erwarb er sich schon als Lehrer die Anerkennung seiner Zuhörer. Durch 
den Abgang des Professors von Madai, der sehr rasch im Herbste 1849 
erfolgte, entstand eine längere Vacatur; denn erst nach Verfluss eines 
Jahres trat im Herbste des verflossenen Jahres Dr. Adolph Schmidt aus 
Greifswald an seine Stelle als Professor des römischen Rechts ein, dem ein 
sehr vortheilhafter Ruf als tüchtiger Lehrer und Gelehrter vorausgeeilt war. So 
sind denn im Laufe des verflossenen Jahres so schnell als möglich alle vacan- 
ten Lehrstühle mit frischen und jungen Kräften besetzt worden und es ist 
zu erwarten, dass die steten Bemühungen der akademischen Stellen und 
der Staatsbehörden, welche in vereinter Kraft die Hebung der Universität 
bezwecken, nicht erfolglos bleiben werden. Es hat sich auch bereits ein 
nicht ungünstiges Resultat gezeigt. 

Während nämlich gerade in der neuesten Zeit der Besuch mancher Uni- 
versität im Abnehmen begriiTen ist, zeigt sich an der hiesigen seit einigen 
Jahren eine Zunahme, die um so erfreulicher ist, weil sie sich nicht in un- 
sicheren Schwankungen hin und her bewegt, sondern in ruhigem und siche- 
rem Fortschritte allmälig durch alle Facultäten mehr und mehr steigerte. 
Zur Bestätigung stelle ich die Zahl der Studirendcn aus dem Sommercurse 
1846 und dem gegen^värtigen Wintercurse l^^^si ^i^r zusammen, denn 
Zahlen sind stumme und dennoch beredte und dabei unwiderlegbare Zeugen. 

Sommersemester 1846. 11 Wintersemester IS^Vbi« 

Inländer. Ausländer. Snmaia. Inländer. Ausländer. Summa. 



Theologen .... 


. . 55 


26 


81 


119 


49 


168 


Juristen 


. . 24 


5 


29 


75 


1 


76 


Mediciner dcc. . . . 


. . 45 


18 


63 


72 


9 


81 


Philosophen d;c. . . 


. . 22 


5 


27 


30 


21 


51 


Hospitanten .... 


. . — 


— 


— 


— 


— 


29 


Im Ganzen .... 


. . 146 


54 


200 


296 


80 


405 



Werden nun wie bisher die Staatsbehörden und akademischen Stellen 
in Berufung tüchtiger Lehrkräfte auch fernerhin zui^aramenwirken , so kann 
es nicht fehlen, dass die hiesige Universität eines erwünschten Besuches sich 
erfreuen wird, denn Freiburg ist, wie selten ein Ort von der Natur begün- 
stigt, da die ganze Umgegend, in der nächsten Nähe wie in etwas grösserer 
Ferne eine solche Mannichfaltigkeit und einen solchen Reichthum von Schätzen 
für das Studium der Naturwissenschaften entfaltet, dass kaum ein Ort iin 
deutschen Vaterlande mit ihm hierin wetteifern kann, und es ist kaum erklär- 
lich , warum bis jetzt die akademischen Stellen nicht dahin gewirkt haben, 
dass eine forstwissenschafrliche Lehranstalt an der hiesigen Universität errich- 
tet werde, indem selten ein Ort von der Natur besser als Freiburg mit den 
Mitteln hiezu ausgerüstet wurda 

Einen Verlust hat die Universität in der jüngsten. Zeit erlitten. Am 
24. November starb Hofrath De über, Professor der Geschichte, im 70. Jahre 
seines Alters; Er war geboren zu Breitenreuth im Bambergischen. Im Jahre 
1799 erwarb er sich die philosophische, im Jahre 1802^ die theologische 



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CorrMpoadens. fl5 

Doctorwfirde, lehrte von 1799 bis 1802 im freiherrlich von Auftess'schen 
Seminar zu Bamberg als Repetitor der Philosophie. Nach Aufhebung dieser 
Lehranstalt wurde er im Jahre 1803 Privatdocent der Philosophie und wurde 
im Jahre 1804 als Lycealprofessor in Bamberg angestellt, lehrte als solcher 
Kuert bis zum Jahre 1808 Philologie und von da an bis zum Jahre- 1818 
Geschichte, von wo er im Herbste 1818 für die Professur der Geschichte 
an hiesiger Universität als Nachfolger des bekannten Carl von Rotteck ge- 
wonnen wurde. Schon seit mehreren Jahren hatte er sich von seiner Thatig- 
keit als Lehrer zurückgezogen und lebte im Kreise seiner Familie. Neben 
mehreren kleinen Schriften, die von ihm herrühren, sind zu nennen: „Ge-* 
schichte der Bauernkriege 1525 und 1627 in Teutschland, 1653 in der 
Schweiz und bürgerlichen Unruhen in den Cantonen Basel und Neuenburg 
1830 und 1832'^; „Vorlesungen aber die Geschichte der teutschen Nation^'; 
„Geschichte der Waldenser und Albigenser^' ; „Geschichte der Schifffahrt im 
atlantischen Ocean'^; „Handbuch der Mythologie der alten Völker, besonders 
der Griechen, Ir TU/' &c. 

Im Novemberheft der Akademischen Monatsschrift steht die Nachricht, 
dass in Karlsruhe „demnächst'* eine Commission zusammentreten werde, die 
über Reformen im Studienwesen berathen soll. Der badische Begriff von 
dem Worte „demnächst'', der wahrscheinlich im badischen Auslande nicht 
bekannt ist, aber es zu werden verdient, hat sich hier vollständig bewährt. 
Im Monate September erging die Anordnung aus dem grossherzoglichen 
Staatsministerium, dass diese Commission alsbald constituirt und zusammen- 
gerufen werden soll. Die Constituirung war unverzüglich vollendet, die 
Herbstferien vergingen, die Weihnachtsferien und das alte Jahr ging den 
Weg alles Fleisches. Die Commission wurde nicht zusamenberufen und harrt 
noch jetzt ihrer Zusammenberufung. Ganz richtig, sie soll ja erst „demnächsf^ 
zusammengerufen werden, d. h. innerhalb eines Jahres, oder nach Verfluss 
eines Jahres, vielleicht noch später. Die für diese Commission bezeichneten 
Personen sind: Die beiden alternirenden Directoren des Oberstudienrathes, 
Staatsrath Brunn er, zugleich Präses dieser Commission, und Freiherr von 
Wöllwarth; die beiden Referenten über das höhere Studienwesen im Mini- 
sterium des Innern Ministerialrath Fröhlich und Ministerialassessor Schmitt; 
der geheime Hofrath Feldbausch, als Mitglied des Oberstudienrathes; die 
geheimen Hofräthe Zell und Nu sslin als correspondirende Mitglieder des 
Oberstudienrathes; der geheime Hofrath Bahr und Hofrath et tinger als 
Professoren der philosophischen Facultäten der beiden Landesuniversitäten; 
Geheimerrath Professor Hirsch er als Mitglied der Aufsichtscommission des 
katholisch-theologischen Convicts in Freiburg, und die Lyceumsdirectoren 
geheimer Hofrath Kärcher von Karlsruhe und Hofrath Nokk von Freiburg. 
Die zur Berathung kommende Frage ist eine bestimmt formulirte und soll 
sich darauf erstrecken, ob es rathsam ist, eine Zwischenstufe zwischen der 
Gelehrtenschule (Mittelschule) und der Universität als Fachstudienanstalt, also 
eine Art philosophischer Cursus, wie er früher bestand, aber mit gehöriger 
Burgschaft für günstigeren Erfolg, als der frühere und gegenwärtig be- 
stehende Stndienplan zu sichern vermochte und vermag, herzustellen, wodurch 
die Studirenden eine gründlichere wissenschaftliche Vorbildung für die eigent- 
lichen Fachstudien sich erwerben könnten. Eine Reihe von Erfahrungen hat 
nämlich die Klage wiederholt aussprechen lassen, dass nach dem bestehenden 
Stndienplane die Abiturienten nicht mit den nöthigen Vorkenntnissen in den 
vorbildenden Wissenschaften ausgerüstet die Universität beziehen, um ihre 



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il6 CorifcwpoiMUv« 

Fachstudien sofort mit Erfolge b^innen und gr(^^4\\^ durchfuhren m könaen. 
Diesem anerkannten Übelstaqd^ soll abgeholfen werden. Die genannte Com- 
mission soll nun hierüber berathen, und bei hervortretendem Bedurfnisse die 
Mittel und Wege bezeichnen, wie hi^r abgeholfen werden kann« Von Ten- 
denzen, die gerne von der einen oder ivpdern Seite in diese Berathungen 
eingeschoben werden möchten, von beabsichtigter Verkümmerung der Mittel- 
schulen und Erhöhung der Frequenz der Universitäten ist nicht, sondern nur 
von Untersuchung und Ermittlung des Thatbestandes und den hiedurch beding- 
ten Verbesserungen die Rede. Der Regierung ist für die Anordnung dieser 
Commission Dank zu' sagen. Bewahrheitet sich, wie kaum zu bezweifeln ist, 
ein bestimmter Thatbestand, so wird sich naturlich hieran eine Reform der 
Mittelschulen knüpfen. Gut und klug ist es immer, die That vor der Voll- 
endung nicht zu kritisiren. 

X Heidelberg, Ende Januar (Nägele. AuditorienbelmcbtnaK. Ertetznog MonUdU.) 

Der Tod des Geheimeraths Nagelt, Directors der hiesigen Entbindungs« 
anstatt, ist bereits bekannt. Wiederholte Schlagflussan falle fahrten sein Ende 
herbei. Sein Verlust ist unersetzlich. Die Resultate seiner Studien und 
Erfahrungen finden sich in dem von seinem Sohne, dem Prof. extraord., 
herausgegebenen Lehrbuche der Geburtshülfe. — Die Erleuchtung unserer 
Auditorien mit Gas, welche in diesem Wintersemester ins Leben trat, hat 
sich als zweckmässig und billiger, als die frühere Erleuchtung mit Unschlitt- 
kers^en, bewährt. Auf die Billigkeit ist hier viele Rücksicht zu nehmen, da 
die Lehrer Heitzung und Erleuchtung selbst zahlen müssen. Es wird dafür 
zwar ein Aufschlag auf die Collegiengelder gelegt, allein dieser reicht nur 
bei stark besuchten Vorträgen zur Deckung der Kosten aus. — An Mor- 
stadl^ Stelle soll dem Vernehmen nach ein Lehrer des französischen Rechts 
und gemeinen Civilprocesses berufen werden. 

a, Jena, den 18. Februar. (Jubelfeier Schmtds. Ple clUrai^kcbe und geliortelnlflicli« 

Kiiaik. Osciir Schmidt). Das Seinem Ende zueilende Wintersemester hat unserer 
Universität eine interessante Jubelfeier gebracht, indem am 10. Januar 1851 
25 Jahre verflossen waren, seit der Ordinarius des Schöppenstuhls, Geheime- 
rath Karl Ernst Schmid, den Vorsitz in diesem Collegium übernommen 
hatte. Während dieser 25 Jabr& waren von dem Schöppenstuhle zu Jena 
gegen 6000 Urtheile gesprochen und zwar 1500 von dem Ordinarius selbst 
ausgearbeitet worden. Die gegenwärtigen Mitglieder des gedachten Richter- 
collegiums ergriiTen gerne diese Gelegenheit, dem noch in ungewöhnlicher 
Rüstigkeit wirkenden Jubelgreise ihre Verehrung auszusprechen, und die 
Universität, bei welcher die Stellung des Ordinarius ebenfalls eine besondere 
Bedeutung hat, schloss sich nicht minder als das Oberappellationsgericht, 
welchem der Jubilar seil dessen Errichtung (1816) als Mitglied angehörte, 
ebenso wie zahlreiche Freunde und Verehrer glückwünschend an. Die Mit- 
glieder des Schöppenstuhles überreichten ihrem Vorsitzenden als Festgabe 
die neueste Prachtausgabe der Assisen von Jerusalem. Auch von auswärts, 
namentlich von den hohen Erhaltern der Universität, waren anerkennende 
und ehrende Schreiben nebst Geschenken eingegangen. — Die Frequenz der 
Studirendcn hat zwar in dem gegenwärtigen Wintersemester einen geringen 
Abfall erlitten, nichtsdestoweniger ist der Geist unter den 376 hier anwesen- 
den Studirenden ein guter und erfreulicher. Namentlich haben sich die arzt- 
lichen Kliniken des Besuches einer nicht unbedeutenden Anzahl fähiger und 
fleissiger junger Leute zu erfreuen, welche durch ihr freundsehaftlicbes Zu^ 
samn\iil|haUen ebenso wie durch ihren E\i^. den Direotipirefl deir gedaobteo 



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Corrwpondeiii. 117 

Anstalten eine höchst erwAnschte Förderung in ihren rastlesen Bemfihmigen 
gewahren. Freilidi bietet sich anch umgekehrt, namentlich in der chirnrgi^ 
sehen und gebnrtshfilflichen Klinik zu Jena eine auf andern Hochschulen 
oft vermisste Gelegenheit dar, in Ausführung selbst der gr^sem und schwie- 
rigern Operationen an Lebenden sich Oben zu können, bideni sowohl Martin 
als Ried es zur Regel erhoben haben, dass die von ihnen in den Operations* 
cursen hinrmchend gepräften Prakticanten die nach bestimmten Typen zu 
vollziehenden Operationen auch an den aufgenommenen Patienten unter der 
Lehrer steter Aufsicht und Leitung verrichten, sofern nicht ungewöhnliche 
Schwierigkeiten und drohende Gefahren im einzelnen Fall ein Anderes 
erheischen« Beispielsweise hat Ried von 25 seit seinem Hiersein in der 
chirargischen Klinik vollzogenen Amputationen grösserer Gliedmassen 20 
durch seine Schöler ausfuhren lassen. Eine einzige am Lebenden selbst 
vollzogene grossere chirurgische oder geburtshülfliche Operation gibt dem 
jungen Arzte aber mehr Vertrauen zu seiner Geschicklichkeit und ein leben-* 
digeres Bild des einschlagenden Heilverfahrens, als zahlreiche Onerations- 
curse an der Leidie oder am Phantom. Daneben ist btnreidiend gesorgt, 
dass die Studirenden ihre Lehrer selbst handeln sehen, indem die Letztem 
tfaeils die schwierigeren FSUe in der Klinik selbst operireo, theils in ihrer 
Privatpraxis die Prakticanten häufig als Assistenten zuziehen. Dazu kömmt, 
dass sich das Lehrmaterial in den sämmtlichen Kliniken während der letzt- 
verwiclienen Jahre auf eine erfreuliche Weise beträchtlich vermehrt hat^ so 
dass z. B. in der Gebäranstalt im Jahre 1850 mehr als hundert Geburten 
zur Beobachtung kamen, während zugleich in der geburtshülflicben Poliklinik 
ausser zahlreichen Krankheiten Schwangerer, Wöchnerinnen und Neugebomer 
37 pathologische Geburtsfälle behandelt wurden. Um dem in gleicher Weise 
gesteigerten Zugang von Kranken zur medicinischen und chirurgischen Klimk 
zu genügen, ist endlich ein. zweckmässiger Anbau an das im Jahre 1820 
oeuerbaute Landkrankenhaus von den Behörden genehmigt worden und soll 
in den nächsten Wochen in AngriiT genommen werden. — Einem bisher leb- 
haft empfundenen Mangel an Leichen zu den anatomischen Secirubungen ist 
im Laufe des Winters durch ein neues mit den Landständen des Grpssher*- 
zogthums verabschiedetes Gesetz über die Ablieferung der Leichen an die 
anatomische Lehranstalt zu Jena abgeholfen worden; möge nun die sich bie- 
tende Gelegenheit zu. Präparirübungen sowohl von den Lernenden fleissig 
benutzt, als auch von den Lehrenden in liberalster Weise dargeboten wer- 
den 1 In letztgenannter Hinsicht ist es gewiss zu beklagen ^ dass das an 
andern anatomischen Anstalten als eine voräbergehende Gelegenheit zu 
eigener Ausbildung verliehene Amt des Prosectors bei uns lebenslang in die 
Hände eines prakticirenden, nicht docirenden Arztes gelegt ist, welcher durrk 
seine ärztliche Praxis, wie leicht erklärlich, abgehalten scheint, den gedmU- 
ten Uebungen die volle nöthige Zeit zu widmen. — Einem Gerüchte zufol^r 
laufen wir Gefahr, unsern tüchtigen Zoologen, Prof. Oscar Schmidt, durch 
einen vortheihaften Ruf an die Universität Prag zu verlieren. ^ Seine j^rhal*- 
tiug erscheint, abgesehen von der anerkannten Befähigung des Genannten^ 
doppelt wunschenswerth, als durch den im December v. J. erfolgten Tod 
Fr» Sig. Voigts die Stelle des Zoologen an hiesiger Universität erledigt ist. 

Q. Kiel, den 19. Febmar. crrequ«».) Indem ich Ihnen das YenEeicbaias 
der Dooenten an unserer Universität Ür das Mändieft der A. M. S^ flber-^ 
sende, bedaore ich, eine Uebersfeht der Frequenas irtdil geben zu kömmi. 
Hier weiss dermalen weder Rector noch akademischer Senat, wie viele Stn-« 

Akadcni. Monataschrifl. MJkn 1861. 15 

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1 18 Corre^poodenf . 

deaCen wir haben. Diess liegt in der Naiar unserer Verhältnisse. Die Slu* 
denten^, die zam Militärdienst einbernfen wurden, sind nicht exmalricuUrl; 
sie werden also nach wie vor als Kieler Studenten betrachtet. Nun machte 
aber Niemand eine Anzeige, wenn Studenten in dem Kampfe fielen; eben so 
wenig wissen wir, ob Diejenigen, welche Ofiiciere geworden waren, beim 
Militär zu bleiben oder ihre Studien wieder aufzunehmen beabsichtigen. Für 
die kurze Zeit, für welche Studenten zu Vorlesungen beurlaubt waren (ein- 
mal im Winter IS^Vso ^^^ ^^^^ ^^ Anfange des Sommerseraesters 1850), 
lasst sich zwar bestimmen, wie viele Studenten hier Vorlesungen hörten, — 
es waren im Anfange des Winterseraesters 18^7&o ^ Ganzen 132; allein 
manche Verwundete, die bei Aufnahme des Verzeichnisses noch im Lazareth 
lagen, kamen erst in der Mitte des Semesters nach. Im Somroersemester 
1850 ist gar kein Verzeichniss erschienen, weil die Studenten alsbald wieder 
einberufen wurden, im gegenwärtigen Wintersemester nicht, weä die Stn- 
d^Oten bis in den Februar unter den Waffen waren und wie sich von selbst 
versteht nicht in einem Corps, sondern durch die ganze Armee vertheilt. 
Diesen Winter mögen etliche, und zwanzig Vorlesungen gehört haben, Leute 
^niex' 19 Jahren oder Verstummelte. Unter diesen Umstanden ist eine 
Frequepz^hl auch nur mit annähernder Sicherheit nicht zu bestimmen. 

A. Leipzig, Anfang Februar. lPer«oiial»en: Kahnl«, Osferfoh, tlebner, Günther, Heim- 

Bach t- Tisfchendoff.> Unscrc Universität hat im Laufe dieses Semesters zwei 
tieue Lehrer erhalten, den Lic. theol. Kahnis, welcher aus Breslau berufen 
<ward, und den Dr. Ost er loh, welchem eine neu gegründete ordentliche 
Professur des „gemeinen (Civil-) Processes" übertragen ward. Ersterer und 
der zu Ostern zu erwartende Dr. Liebner aus Kiel füllen die durch Nied- 
ners, des bekannten Kirchenhistorikers, freiwilligen Rücktritt und Harless' 
Berufung nach Dresden entstandenen Lücken der theologischen Facultäl wie- 
der aus, in welche sie, als fünfter und sechster ordentlicher Professor, em- 
treten. Dr. Osterloh prakticirte bisher als Advocat hier und beschäftigte 
sich daneben mit Process-Prakticis, welche vielen Beifall fanden; auch hat 
er ein Handbuch des Civilprocesses geschrieben; als akademischer Lehrer 
war er aber bisher nicht aufgetreten. Man setzt seine Ernennung zum Pro- 
fessor' dainit in Verbindung, dass der Ordinarius der Juristenfacultat und 
erste Professor der Rechte Dr. Günther, mit dessen Professur bisher der 
Vortrag des Processrechts verbunden war, beabsichtige, von der akademi- 
schen Thfttigkeit sich mehr zurückzuziehen und sich vorwaltend der spruch- 
richterlichen (er ist zugleich Präsident des hiesigen K. Sachs. SpruchcoUe- 
giums) zu widmen. Am 12. Jan. d. J. hielten die beiden vorerwähnten 
Professoren Osterloh und Kahnis ihre Antrittsvorlesungen. Osterloh behan- 
delte in seiner Vorlesung die Frage: Von welchen Grundsätzen hat der 
Gesetzgeber bei dem Entwürfe einer neuen Processordnung auszugehen? 
Ntich einem Ueberblicke der allgemeinen hiebei leitenden Principien, sowie der 
wichtigsten Abweichungen des sächsischen vom gemeinen Civilprocesse ge- 
tangte er zu dem Resultat, dass weder unbedingt zu den Grundsätzen des 
lefzf^n Mirückzugehen , noch an den durch die sächsische Particulargesetz- 
gebuhg eingeführten Modificationen desselben allenthalben festzuhalten, viel- 
inehr zugleich mehrere zeitgemässe Reformen beider, namentlich in Betreff 
thieitweise protokollarischen Verfahrens und angemessener Öffentlichkeit, ein- 
zvf&breii seien. Der positiv rechtliche Theil seiner Vorlesung war durch 
eiae.eompendiöse Form i»r Darstellung etwas beengt, wogegen man in den 
legislaliv-polilischen Gmildzügen, die freilieh nur m^* andeutend und sum- 



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Corresponl«!». 1 19 

marisch entwickelt werden konnten, den Ausdruck der jetzt vorwaltenden 
wissenschaftlichen OberzeugHng ßnden musste. Ihm folgte Prof. Lic. Kahn is. 
Derselbe sprach in einem etwas kurzem Vortrag über den Begriff der 
Kirche, den er nach seinen verschiedenen Momenten, unter steter Hinweisuhg 
auf die einschlagenden biblischen Stellen, betrachtete, und wobei er schliess- 
lich auch auf die Stellung der verschiedenen Confessionen und auf die Be- 
deutung der Union in Preussen zu sprechen kam. Das Verhaltniss der ver- 
schiedenen Sonderkirchen xu der allgemeinen christlichen Kirche verglich er 
mit dem der einzelnen deutschen Staaten zu dem ganzen Deutschland: wie 
Jemand nur dadurch dem Ganzen dienen könne, dass er seinem EinzelstaatQ 
diene, so dem Reiche Gottes auch nur ein Jeder in seiner Kirche. Die formelle 
Behaodlung des Stoffes zeugte von vieler Sicherheit und Lehrergabe. — Einen 
wesentlichen Verlust hat unsere Universität durch den am 24. Jan. erfolgten 
Tod des ausserordentl. Professors der Rechte Dr. He im b ach erlitten, der 
im kaum angetretenen 41. Lebensjahre starb. War auch in den letzten Jahren 
seine Wirksamkeit an der Universität minder hervortretend, so hat er sich 
doch schon frfihzeitig durch seine Betheiligung an der von seinem Bruder 
in Jena unternommenen Ausgabe der Basiliken, insbesondere aber durch die 
Ausgabe des Authenticum, die ihm noch zu vollenden gelang, einen Namen 
und gegrändeten Anspruch avf die Anerkennung auch der Nachwelt erwor- 
ben. Die im Manuscript von ihm . hinterlassene Ausgabe des griechischen 
Novellentextes wird, wie zu hoffen steht, ZachariävonLingenthal heraus- 
geben. — Noch erwähne ich, dass die Ernennung des durch seine Reisen 
im Orient u. s. w. bekannten Prof. Dr. Tisch endo rf zum ordentl. Pro- 
fessor der Theologie in sicherer Aussicht stehen soll. 

I. München, den S.Februar. (RecUraUrede. v, HeiruiRim. Kaiser. Stadentenanssi luisO 

Am li. vof. Monats hielt der derzeitige Rector Hagnificus, Dr. Hieronymus 
V. Bayer, seine Antrittsrede, welche den Binfluss der religiössittlichen 
Gesinnung auf eine wissenschaMiche Thätigkeit zum Vorwurfe hatte. — 
Der Hinisterialrath und Professor Dr. v. Herr mann hat seine Vorlesungen 
unterbrochen, da er im Auftrage der Regierung nach Dresden abgereist 
ist. — Der bisherige Prof. hon. Dr. Kaiser ist an die Stelle des verstorbe- 
nen Hofraths Medicus zum ordentl. Professor der Chemie und Technologie 
ernannt worden. — Die Wahl des Studei^tenausschusses für das Winter- 
semester 18^751 ^^^ ^^^ ^3- — 1^< Januar incl stattgefunden. Es haben 
sich aber von den 1825 zur Zeit der Wahl immatriculirten Studirenden nur 
245 an derselben betheiligt. Es ist diess ein trauriger Beweis davon, wie 
Indifferentismus und Gleichgültigkeit gegen allgemeine Interessen unter den 
hiesigen Studenten wieder überhandnehmen. Auch der Unterstötzungsverein 
für arme Studirende beklagt sich in einer öffentlichen Ansprache an die Stu-* 
denten über ihre Theilnahmslosigkeit. Ein beabsichtigter Studentenball scheint 
mehr Aussicht auf Unterstützung zu haben. 

&. Ol mutz, im Hornung 1851. (Personalien: Fick, Schwab, Horny, Moznik, VIctorln. 
Das Ddceatenihom. Philologische Studien. Vorlesungen. Bibliothek.') Die jUngSten Vorkomm* 

nisse in unserem Universitätsleben lassen sich in Kurzem zusammenfassen. 
Nicht unter den günstigsten Auspicien fing das Winterhalbjahr seinen Lauf 
an; denn das Gerücht von der Schliessung der Universität und einer Ueber> 
Siedlung derselben nach Brunn oder nach dem in unserer unmittelbaren Nahe 
gelegenen, in der Geschichte Oesterreichs denkwürdig gewordenen Krenisier 
tauchte zu wiederholten Malen auf und es war nahe daran, beim allfälligcn 
Ausbruch eines österreichisch- preussischen Conflicts Consistonz zu gewinnen. 



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120 Correapondenx« 

Dem Himmel sei Dank: der musenreindlidie Kriegslarm »1 verslumml ond 
die wis3enschafUiche Pflege erlitt keine weitere Störung oder gar Unter- 
brechung. — Mittlerweile erhielten wir endfich einen Vertreter der 6es<Aiclitc 
an Dn Fick aus Wien, sowie einen des römischen und Kirchenrechts an 
dem vormaligen Professor der Geschichle in Görz Dr. phii. et juris Ed. 
Schwab und der Kirchengeschichte an Dr. Horny. Dagegen ward uns ein 
bedeutender Verlust zu Theil durch die Beförderung des hiesigen Professors 
der Mathematik Dr. Mozni1( zum Volksschulen* Inspector für Krain. Dr. 
Victorin aus Görz vertritt zwar provisorisch seine Stelle; doch erwuchs 
durch diese unpassende, weil in der Mitte des Semesters stattgefundene, Ab- 
berufung den Hörern der Mathematik ein betrachtlicher NachtheU. 

Das Docententhum will bei uns noch immer keine Wurzel schlagen; 
ausaer den zwei alten nur uneigentlichen Docenten ist bisher kein wdterer 
aufgetreten. GJeichwohl sind die Honorarien, die freilich für den Anfang 
sehr massig ausfielen, wie überall in Oesterreicb auch hier bereits eingeführt. 
Es ist dadurch ein Mtssverhältniss geschaffen, das leicht vorauszusehen, dem 
aber nicht auszuweichen war, wollte man nicht überhaupt in Betreff der 
kleinem Universitäten tabula rasa machen. Nicht vergessen dürfen wir jedoch, 
auf ein zwar schwaches aber doch immer auf ein Reis am Baume unserer 
UntversitStsentwicklung unsere Blicke zu heften; wir meinen einen jungen 
Streiter auf dem Felde des Geistes, einen erst unlängst promovirten Doctor 
der Rechte (Bischof), welcher behufs der Habilitirung an der rechts* umi 
staatswissenschaftlichen Facultat über das Institut des Vehmgerichts eine 
Probevorlesung hielt Es will derselbe im Sommersemester einen Cyklus 
von Vorlesungen über deutsche Rechtsgeschicbte eröffnen. Wir wünschen* 
von Herzen ein erfreuliches Gelingen dieses nur allzu vereinzelten Strebens 
und bedauern nur, es als einen Missgriff* betrachten zu müssen, dass ein so 
schwieriger Gegenstand, der ohne die umfassendsten Studien zur leblos-^ 
dürren Materie herabsinken muss, als Vorwurf einer Erstlingsvorlesuag 
gewählt worden ist. 

Nicht unerwähnt wollen wir femer lassen, dass sich die Zahl der im- 
matriculirten Studirenden an der philosophischen Facultat von früheren 2 
bis auf 12 gesteigert hat; es sind darunter 3 Philologen, 4 die sich der 
Mathematik und nebenbei den Naturwissenschaften, 2 den Naturwissenschaften 
ausschliesslich, 2 der Philosophie und Geschichte, 1 dem deutschen Literatnr- 
Studium widmen. 

Was die Vorträge in diesem Semester anbelangt, so ist, wie der 
Lectionskatalog ausweist, ausser den alljährlich gekiltenen eine ausser- 
ordentliche über „österr. Bergrecht^^ hinzugekommen, über welches Prof. 
Michel für erhöhtes Honorar liest. Dagegen liest an der philosophischen 
Facttl^t Prof« Zimmermann (in gewohnter trefflicher Weise) über Theorie 
der Aesthetik, über altgemeine Ethik und die Herbart'schen Hauptpunkte der 
Metaphysik. Auch hält derselbe ein auf Grundlage der Wissenscbaftelehre 
gestelltes logisches Disputatorium. Prof. Fick liest über Geschichte des 
Alterthums; Schmidt über Mineralogie, Zoologie und physische Geographie; 
Franz über Dynamik und Mechanik sowie über physische Astronomie; Kergel 
über athenische Alterthümer, Sallusts Catilina und griechische Grammatik, hall 
überdiess philologische Übungen an dem Panegyricus des Isokrates und 
lateinische Stylübungen; Kopetzky über Erziehungskunde, Theorie der Kunst, 
über die Wolken des Aristophanes und griechische Syntax; Prof. suppl. Victoria 
über Differentialrechnung und höhere numerische Gleichungen; Prof. med. 



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Allgeoieiiie Corretpondeiil. I2l 

Ehrmann über camcralistisch - technische Chemie und Waarenkunde; Doc. 
Unkbrechtsberg aber populäre Astronomie. Die Sprachen, und zwar die 
französische und englische, vertritt einzig und allein der Lehrer Schoitz. 
Sie sehen demnach, dass hier eine noch grössere Mannich faltigkeit als im 
verflossenen Jahre entwickelt ist, eine Mannichfaltigkeit, die um so mehr An- 
erkennong verdient, je geringer die Anzahl der wirkenden Kräfte ist. 

Um der Veränderungen, die sich auf unsere akademischen Verbältnisse 
beziehen, keine unberührt zu lassen, sei hier noch schliesslich der Universiläls* 
bibliothek gedacht, die, nachdem sie längere Zeit eines leitenden Hauptes 
entbehrte, in ihrem seitherigen Scriptor F. Skyba, einen würdigen Chef 
gefanden. 



IV. 

Allseneioe Correspondenz. 

In Heidelberg wurde der geheime Hofrath Prof. Dr. Zell zum Pro- 
reelor gewählt und höchsten Orts bestätigt. 

In Betreff der Universitäten Gi essen und Marburg machen sich jetzt 
die politischen Blätter viel zu schaffen. Es handelt sich um eine Vereinigung 
beider, d. h. um Aufhebung der einen oder der andern , und das wäre immer 
noch besser, als eine bereits zur Sprache gebrachte Vertheilung der Facul- 
täten, durch welche, um beiden Städten gerecht zu werden, beide Univer- 
sitäten vernichtet würden. Die zwei Universitäten, heisst es, seien zu eng 
auf einander gepflanzt, hinderten sich desshalb gegenseitig am Wachsttyim 
und das Unnatürliche des Verhältnisses springe jetzt doppelt in die Augen, 
nadidem sie sich durch die Eisenbahn so nahe gerückt seien, dass ein und 
dasselbe Individuum ganz füglich Vormittags in Giessen und Nachmittags in 
Harburg lesen und hören könnte. M^ie wenn dtess ein Grund wäre! Wenn 
man überall an AuHiebung von Universitäten denken wollte, wo die Eisen- 
bahn zwei Universitätsstädte sich «so nahe gerückt hätte, oder noch rücken 
würde, dass man an einem und demselben Tage an zwei verschiedenen Orten 
dasselbe Collegium lesen oder hören könnte, so würde man im Interesse 
unserer deutschen Universitäten, die eben so viele Mittelpunkte wissenschaft- 
lichen Lebens bilden und von welchen in unberechenbarem Grade Bildung 
in die Nation ausströmt, den Vortheil, den die Eisenbahnen gewähren, für allzu 
theuer erkauft erklären müssen. Kann man doch auch an demselben Tage in den 
Audienzzimmem von zwei, drei, vier Regenten rechtzeitig erscheinen! Jede 
Universität bildet für sich einen Mikrokosmus von der eigenthümlichsten Art 
und Weise, jede hat ihre charakteristischen Vorzüge, und nehmen wir aus so 
nichtigen Gründen der Nation diese oder jene wissenschaftliche Bildungs- 
stätte, so schneiden wir ihrer Wissenschaft eine Lebensbedingung ab. Gerade 
die beiden in Frage stehenden Nachbaruniversitäten liefern den Beweis, wib 
eigenthümlich sich das Leben auf den verschiedenen Universitäten gestaltet. 
„Marburg war die erste protestantische Universität Deutschlands. Die ersten 
Jahrzehnte ihres Bestandes sind von höchster Bedeutung für die deutsche 
Reformationsgeschichte. Wohl wenige deutsche Hochschulen haben sich bis 
auf unsere Tage eui so eigenthümliches historisches Gepräge in ihren Insti- 
tutionen und in akademischer Sitte bewahrt, wie Marburg.'^ Damit stimmt es 



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122 Allgemeine Correspondenx. 

denn auch voUkominen nberein, dass auf dieser Universität die historischen 
Stodien in allen Facnltaten ganz besonders blähen, ohne dass desshalb die 
übrigen Richtungen der Wissenschaft vernachlässigt wurden« Das jüngere 
Giessen dagegen bietet ein von Marburg wesentlich verschiedenes Bild dar. 
In seiner ganzen Erscheinung modern, hat es namentlich die Naturwissen- 
schaften zu reicher Bläthe entwickelt und in denselben die bedeutendsten 
Notabtlitdten an sich gezogen, indess sich auch in den übrigen Facultdten 
«ine frische Tüchtigkeit kund giebt Dass beide Universitäten zusammen 
etwa so viele Studenten zählen (Giessen hat dermalen 413, Marburg 277), 
als eine der grossem allein, ist kein Nachtheil. Gerade dass Deutschland 
neben sehr grossen auch kleine Universitäten hat, ist ihm von wesentlichem 
Vortheil. Das VerhSItniss des Studenten sowohl ^um Lehrer als zum Stu- 
denten gestaltet sich auf der kleinen Universität viel inniger, als auf der 
grossen. „Solche Lust, sagt Jacob Grimm, solche Auflieiterung brüder- 
lichen Zusammenwohnens, scheint es mir, herrschte vorzugsweise auf klei- 
nem Universitäten und hat sich auf den grossem schon gedampft oder 
entfärbt, obschon hier andere, nicht gering anzuschlagende Vortheile ent- 
sprangen und zeitgemass gesichert worden sind.^^ Ob für die Vereinigung 
von Marburg und Giessen besondere finanzielle Gründe ins Gewicht fallen, 
wir wissen es nicht. Aber beide Universitäten bestehen bis heute ehrenvoll 
neben einander, und wo bisher die Mittel herflossen, da, denken wir, werden 
sie auch in Zukunft nicht versiegen. Wer es aber mit der geistigen Existenz 
unserer Nation wohl meint, der wird, der soll sich hüten, an dem Bestände 
ihrer Universitäten zu rütteln. Lassen wir sie nicht dem umherschreitenden 
Leo ragiens zur Beute werdend 

In Göttingen wird mit dem i. April das neubegrundete landwirth- 
schaftliche Institut eröffnet werden, an welchem mehrere Lehrer neu ange- 
stellt sind und wobei andere namhatte Männer der Universität mitwirken 
werden. Die specielle Leitung haben die Professoren Hannsen, Haus- 
mann^ Wohle r' und Griepenkerl übernommen, welcher letztere eigens 
für die landwirthschaftlichen Fächer rfach Göttingen berufen wurde. Das 
durch Langenbecks Tod erledigte Lehramt der Anatomie ist einstweilen 
dem Professor der Physiologie Rudolph Wagner mit übertragen worden. 
Derselbe hat auch während dieses Provisoriums die Aufsicht über das ana- 
tomische Institut übernommen. Die anatomischen Vorträge setzt derselbe in 
Verbindung mit Prof. Bergmann fort. — Der zweite Professor der Astro- 
nomie, Dr. Benjamin Goldschmidt, ist am 15. Februar Morgens in Folge 
einer Herzlähmung tod.t im Bette gefunden worden. Er war 1807 in Braun- 
schweig geboren; seit 1834, nach Hardings Tode, als Observator an der 
Sternwarte angestellt, nahm er Theil' an vielen der grossen Arbeiten von 
Gauss. Er war einer Anzahl junger Astronomen ein treuer praktischer 
Führer und sein Name ist ein besonders in England und Nordamerika wohl* 
bekannter. Er hat sich durch mehrere selbstständige Arbeiten als tüchtiger 
Mathematiker beurkundet, und als anspruchsloser, liebenswürdiger Mensch 
genoss er eine allgemeine Achtung.. Er starb unverheirathet. 

In Lübeck verschied am 6. Februar Mittags um halb 2 Uhr in Folge 
eines Brustkrampfes der erste Rechtskenner dieses Jahrhunderts, Dr. Arnold 
Heise. Geboren zu Hamburg den 3. August 1778, Professor in Göttingen 
1804 und im gleichen Jahre zu Heidelberg, von wo er 1814 nach Göttingen 
zurückkehrte, Oberjustizrath in Hannover 1818, war er Präsident des Ober- 
üppellationsgerichts der vier freien Städte Deutschlands seit der Errichtung 1820. 



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Allgemeine Corretpomlen«. I2S 

Seine Vortrage über römisches und deutsches Recht in Gdttingen haben einen 
bis dahin in Deutschland nie gesehenen Beifall genossen; die Wisstoschaft 
des Handelsrechts ist durch ihn gegründet. Mehr als ein Werk hat seinen 
Inhalt ans jenen Vortragen entnommen. Der höchste Gerichtshof, welchen 
er seit mehr als dreissig Jahren lenkt, verdankt das ungetheilte Ansehen, 
dessen er sich in Deutschland zu erfreuen hat, vornehmlich seinem Präsi- 
denten. Die gewaltige Schärfe des Verstandes, mit der er sein unbegrena»* 
tes Wissen aä dem Gesammtgebiete deutscher Rechtswissenschaft beseelte, 
war ungeschwächt bis zur letzten Gerichtssitzung. Sein Collegium betrauert 
in ihm das^ Musterbild eines Präsidenten. 

In Leipzig wurden die Professoren Haupt und Mommsen „in Man- 
gel mehreren Verdachts ^^ vom Oberappellationsgericht zu Dresden frei ge- 
sprochen Cs* Jahrg. 1850 S. 507}. Ihre Suspension, womit die Entziehung 
der Hälfte ihres Gehaltes verbunden, ist noch nicht aufgehoben. 

Auch in Betreff der Universität Jena geben die Zeitungen sinistre Ge- 
rfichte. Es scheine sich die schon früher von vielen Seiten ausgesprochene 
Ansicht zum Nachtheil dieser Universität immer mehr Geltung zu verschaffen, 
dass eine mit nicht ausgedehnten Mitteln ausgestattete Akademie den An- 
sprüchen der neueren Zeit nicht mehr genügen könne und dass eine solche 
höhere Lehranstalt nothwendiger Weise in einer grössern, allseitij^e Bildung 
gewährenden Stadt existiren müsse. Dieser Ansicht schienen auch die Landes- 
vertretungen der sächsischen Herzogtsümer zu huldigen, da sie sich in neue- 
ster Zeit bei Verwilligung der Sustentationsrate sehr schwierig gezeigt hät- 
ten. Möge sich diese in jeder Beziehung unberechtigte Ansicht keine Geltung 
verschaffen. Wir werden in einem der nächsten Hefte der A. M. S. eine 
ausführlichere Erörterung über das Verhältniss der kleinern und grossem 
Universitäten mittheilen. — Im Cbrigen zeigt unsere unten mitzutheilende 
Obersicht der Frequenz der Universitäten, dass Jena, obwohl im Ganzen 
nur 376 Studirende zählend, doch 132 Ausländer hat, und nach Procen- 
ten der Ausländer die dritte Stelle unter den Universitäten einnimmt. — 
Den Verlust der Schölerschen mineralogischen Sammlung empfindet die Uni- 
versität nicht, da sie schon eine der reichsten Sammlungen dieser Art besitzt. 
Die^ seit vier Jahren zum Besten des neuerichteten archäologischen Museums 
gehaltenen Vorträge vor einem aus« Herren und Frauen bestehenden Publi- 
cum haben auch diesen Winter durch Mitwirkung der Universitätslehrer einen 
gedeihlichen Fortgang gehabt. 

In Berlin gab die erste Kammer ihre Zustimmung zu einem Amende- 
ment des Abgeordneten v. Zander, wodurch § 37 des Gesetzes über die 
Gerichtsorganisation modificirt wird, so weit er Denjenigen, welcher als 
ordentlicher Professor der juristischen Facultät bei einer inländischen Uni- 
versität angestellt gewesen ist, als etatsmässiges Mitglied eines Appellations- 
gerichts zulässt. Wenn man die Professoren ohne praktische Vorbildung, ohne 
Prüfung zu Richterämtem zulassen wollte, meint Hr. v. Zander, so erwarte er 
von der Gerechtigkeit der Versammlung, dass sie auch die Richter zum Katheder 
zulassen werde ohne Examen und ohne Dissertation pro gradu et loco. Der 
Justizminister war gegen dieses Amendement. Die Beihülfe der Professoren 
habe sich so zweciunässig erwiesen, dass man bei den Richtercollegien nicht 
auf sie verzichten könne. Die Remunerationen seien gering und nur einmal 
sei es vorgekommen, dass ein Professor mit etatsmässigem Gehalt angestellt 
worden sei. Wir läugnen nicht, dass wir dem Antrag des Hm. v. Zander 
auch beigestunmt hätten, aber aus einem ernsteren Grunde, aus dem Grunde 



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134 Allgemeine Corretpoodeui. 

nämlich, weil jede Verbindaag eines StaatsamU mil der Professor lelzlerer 
zum Nachtfaeil gereicht. — Der Senat der Berliner Universität ist bei dem 
Kriegsministerium eingekommen, die studirenden Freiwilligen des 9. Regi- 
ments, falls dasselbe in Pommern Garnison erhält, einem in Berlin stationir- 
ten Truppentheile beizugeben. Ein .Gleiches hörl man von der Universität 
Halle, die sonst um die Hälfte ihrer akademischen Bürger gebracht wird. — 
Der am l&Febr. in Berlin verstorbene berühmte Mathematiker C. G. J. Jacobi 
war nach der D. A. Z. 1§04 als der Sohn eines Kaufmanns zu Potsdam 
geboren; er schwankte in seinen Studien auf der Universität Anfongs 
zwischen Mathematik, Philosophie und Philologie. Sein ausgezeichnet klarer 
Geist, sein scharfes und eindringendes Urtheil liessen ihn jedoch bald das 
Fach erkennen, welches den Beruf seines Lebens bilden sollte. Auf Hegels 
Empfehlung ward er 1827 zum ausserordentlichßn, 1829 zum ordeatlicäen 
Professor an der Universität zu Königsberg ernannt. Durch Jacobi's Zu- 
sammenwirken mit Bessel und Neumann wurde diese Universität bald eine 
hohe Schule der Mathematik, Astronomie und mathematischen Physik, die nur 
von wenig andern in Europa erreicht, von keiner übertreffen wurde, und 
aus der eine Reihe ausgezeichneter Forscher in den exacten Wissenschaften 
hervorging. Vor einigen Jahren wurde Jacobi nach Berlin versetzt, wo er 
als Mitglied der Akademie, der er schon längst angehörte, und durch Vor- 
lesungen an der Universität einen weiten Wirkungskreis für seine schaffende 
und anregende Thätigkeit fand. Seine schon seit Jahren erschütterte Gesund- 
heit suchte er durch einjährigen Aufenthalt in Italien wieder herzustellen, 
ohne jedoch mehr als eine Besserung seines Übels dadurch zu erreichen. 
Jacobi war ein Mathematiker vom ersten Jlang; Sachkundige nannten seinen 
Namen zugleich mit dem eines Gauss, Cauchy, Dirichlet, den anerkannt 
Ersten der jetzt lebenden Mathematiker. Vorzüglich erwarb er sich unver- 
gänglichen Ruhm durch seine grossen Entdeckungen in der Theorie der 
elliptischen Functionen, einem der höchsten Zweige der Analysis, der von 
Euler, Lagrange u. A., i^nsbesondere aber von Legendre jpiu^gebildet, durch 
Jacobi, Anfangs in genialem Wettlauf mit dem der Wissenschaft in der Blüthe 
der Jugend entrissenen Norweger Niels Hendrick Abel, die glänzendsten, der 
Zukunft noch eine reiche Ernte verheissenden Erweiterungen erhielt. Doch 
bewährte sich sein glücklicher Forschergeist nicht nur in diesem, sondern 
auch in andern Zweigen der Analysis, sowie in der höhern Arithmetik, 
Geometrie und Mechanik. 

In Königsberg wurde die jährliche Gedächtnissfeier Kants am 12. Febr. 
in dem grossen Hörsaale der Universität durch einen Bedeact feierlich be- 
gangen. 

In Breslau wurde Professor Neos van Esenbeck auf den in einem 
Rescript an den Curator der Universität ausgesprochenen Befdil des Cultus- 
ministers am 29. Jan. von seinem Amte suspendirt. 

Aus München wird der A. Z. unterm 18. Febr. im WesentUofaen Fol- 
gendes geschrieben : Soebeii, Nachmittags 5 Uhr, haben wir des verslorbesen 
Geh. Ratfas und Professors Dr. v. Breslau irdische Oberreste zur Erde 
bestattet Eine zahlreiche Menge Leidtragender umstand das offsne Grab, 
an welchem ein vieljähriger Freund des Verstorbenen die Leichenrede hidt 
Dieselbe giebt das vollsiändigste und getreueste Bild von dem Leben vnd 
Wirken des Verblichenen. H. v. Breslau war der Sodm mibenKttelt^ Bltem, 
geb. 1784 zu Ansbach. Die reichen Gaben seines Geiii^es entfabetea sich 
schon frühe bei ihm. Br besudite die Universität Halle, beg«m dort seine 



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AUgemeüie Corrtipondmu. 123 

medicinischen Studien, widmete sich vorzüglich der Anatomie und Physio-^ 
logie unter Beil und Loder und seine Lehrer Hessen es ihm an mannich^ 
faltiger Anerkennung seines Strebens so wenig fehlen, dass ihm namentlich 
Loder sum öftern seine Vortrage uberliess. Noch hatte er indessen seine 
Studien hier nicht vollendet, als der Kaiser Napoleon die Universität im Herbst 
1806 plötzlich schloss, was ihn veranlasste, sich nach Tübingen zu begeben. 
Hier setzte Breslau nicht allein sein wissenschaftliches Studium mit dem gross-* 
ten Eifer, besonders unter der Leitung Autenrieths und Kielmeyers, fort, 
sondern er lebte auch mit würdigen Freunden, mit den beiden Jäger, mit 
Dhland, Kastlin und Justinus Kerner zusammen, mit welch letzterm er sein 
ganzes Leben hindurch durch die Bande der treuesten Freundschaft vereinigt 
blieb. Von Tübingen ans begab er sich noch auf die Universität Würzburg, 
wo er nach kurzem Aufenthalt mit Auszeichnung die Doctorwürde erhielt. 
Von da begab er sich nach München; aber seine Hoffnungen schlugen fehl, 
und er fand die freundliche Aufnahme nicht, welche er erwarten zu können 
glaubte. Er verliess München im Frühjahr 1809 und begab sich nachAugs«- 
burg, wo ein furchtbarer Kriegstyphus nicht allein viele Kranke, sondern 
aacn einen grossen Theil der dortigen Aerzte hinweggerafft hatte. Hier 
wurde ihm die Leitung eines französischen Militörspitals übertragen; aber 
fast wäre auch er als Opfer dieser schweren Krankheit gefallen und nur 
seine kräftige Constitution rettete ihn. Im Jahre 1810 begab er sich nach 
Paris, besuchte dort tlie grossen Spitäler und von jetzt an drängte sich für 
ihn Gefahr an Gefahr. Im Jahre 1811 übernahm er ein von den Franzosen 
in Middelburg auf der Insel Walchem errichtetes Spital, nachdem dieser Ort 
eines verheerenden Typhus wegen« von den Engländern verlassen worden 
war. Im Jahre 1812 wurde er zu Brüssel zum Militärarzt beim Unterstab 
des firanzösischen Kaisers befördert und rückte mit dem Centrum der Armee 
ins Innere des russischen Reiches bis auf wenige Stunden von Moskau vor. 
An dem bekannten Rückzug hatte er Theil zu nehmen und nur durch die 
Bekanntschaft mit Larrey gelang es ihm, beim Uebergang über die Beresina 
sein Leben 2u retten. Aber noch bevor er die Stadt Wilna erreichte, musste 
er bei einer Kälte von 30 Grad R. mit erfrornen Füssen und ganz entkräftet 
von Entbehrungen aller Art eine ganze Nacht hindurch auf freiem Felde 
liegen, wurde von Kosaken geplündert, seiner Kleider fast bis aufs Hemd 
beraubt und einem Sterbenden gleich in ein russisches Spital nach Wilna 
gebracht. Der Frostbrand zerstörte alle Zehen seiner beiden Füsse, so dass 
er deren Reste selbst amputfrte. Hier, wo die Sterblichkeit eine solche Höhe 
erreichte, dass er zweimal der einzig Lebende in einem grossen Saale blieb, 
musste er 9 lange Monate verweilen, und fast hätte ihn in der ersten Zeit 
das schreckliche Loos getroffen, als ein schon Gestorbener betrachtet und 
begraben zu werden, wenn er nicht zur glücklichen Stunde von einem Offi- 
cier, den er früher ärztlich behandelt halte, erkannt und gerettet worden 
wäre. Endlich so weit wieder genesen, dass er auf Krücken das Spital ver- 
lassen konnte, und nach inzwischen stattgefundenem Frieden frei geworden, 
würde er auf der Heimreise zu Königsberg in Preussen genöthigt — selbst 
noch ein Kranker,-- die Leitung eines grossen französischen Spitals zu über* 
nehmen, und. kaum hatte er dieses Geschäft beendigt und war in Frankreich 
angekommen, so traf ihn im Jahr 1815 der Befehl, sich wieder als französi- 
scher Militärarzt zur Armee zu begeben und den nach der Rückkehr des 
Kaisers von der Insel Elba neubegonnenen Feldzug mitzumachen. Bei der 
Schlacht von Waterloo wurde Breslau aufs Neue gefangen und nach. Paris 

Akadem. Monatotchrift. März 1851. 16 

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126 Allgemeine Correspondenz. 

gebracht Hier gab er sich dem Feldmarschall Färsten v. Wrede als gebor- 
nen Bayern zu erkennen, wurde durch dessen Verwendung frei und kehrte 
auf den Rath dieses Feldherrn ins Vaterland zurück. Eine freundlichere 
Zukunft eröffnete sich nun fär ihn, nachdem er schwere Kämpfe überwunden, 
gross6 Erfahrungen sich gesammelt und durch unermüdetes Studium sich 
zum wissenschaftlichen Mann emporgerungen hatte. Nicht lange nachdem 
die Universität im Jahre 1826 von Landshut nach München versetzt worden 
war, erhielt er zuerst seine Anstellung als ausserordentlicher und bald auch 
als ordentlicher Professor der Arzneimittellehre in der medicinischen Facul- 
tat. Sein Ruf wuchs mit seinem Verdienste nicht bloss im Vaterlande, son- 
dern auch auswärts. Im Jahre 1834 war ihm der ehrenvolle Antrag zu Theil 
geworden, als Leibarzt in die Dienste des Königs der Belgier zu treten; er 
schlug es aus. Mit mächtigem Schritt stieg sein Ansehen und seine reich- 
gesegnete Wirksamkeit. König Ludwig ernannte ihn noch im J. 1834 zum 
K. Geh. Rath und Leibarzt der K. Familie, schmückte seine Brust mit dem 
Verdienstorden der bayerischen Krone, welcher seine Erhebung in den Adel- 
stand zur Folge hatte, und nicht lange nachher wurde er zum Mitgliede des 
ObermedicinalcoUegiums und später noch zum Comthur des Verdienstordens 
vom h. Michael ernannt. Die K. Familie beehrte ihn mit grossem Vertrauen. 
Auch von den ausländischen Höfen wurden seine Verdienste durch Ordens- 
auszeichnungen anerkannt. Unter den Ärzten und Gelehrten war sein Name 
gefeiert, die Universität schätzte ihn als eine ihrer Zierden, seine Zuhörer 
fählten sich durch den gediegenen Inhalt seiner Vortrage mächtig angezogen, 
alle Stände beeiferten sich, ihm ihre Achtung zu bezeigen, und wie im glän- 
zenden Palast so in der dürftigen Hütte des Armen steht sein Andenken im 
Segen und viele heisse Dankeszähren, die an seinem Grabe fliessen, geben 
ein stilles aber grosses Zeugniss seiner Würdigkeit und seiner Wirksamkeit. 

Für die österreichischen Universitäten, sowie für das ganze öster- 
reichische ünlerrichlswesen ist es von der grösslen Wichtigkeit, dass die 
Gerüchte über den Rücktritt des Unterrichlsminislers, Grafen v. Thun, ver- 
stummt sind. Der A. Z. wird hierüber aus Prag unter Anderem Folgendes 
geschrieben: Der Name des Grafen Thun ist mit den umfassenden Reformen 
im Unterrichtswesen zu eng verknüpft, als dass bei den strebsamem Mit- 
gliedern der hiesigen Universität dieses Gerücht etwas Anderes, als ebenfalls 
Besorgniss hätte hervorrufen können, indem die Meinung nahe lag, es könnte 
überhaupt die Zeit der reformirenden Minister zu Ende gehen. Um so mehr 
mag es an der Zeit sein, die bedeutenden Fortschritte anzuerkennen, welche 
das Universitäts - und das Gymnasialwesen unter der Leitung des gegen- 
wärtigen Rathes der Krone genommen hat. Nur der rastlosesten Anstren- 
gung, verbunden mit der richtigen Wahl der Mittel, konnte es gelingen, die 
höhern Studienanstalten Oesterreichs innerhalb weniger Jahre so von Grund 
aus umzugestalten. Das Jahr 1848 fand in Oesterreich statt der Universi- 
täten Anstalten vor, die allem Andern mehr ähnlich sahen, als was man im | 
übrigen Deutschland unter Universitäten verstand, Anstalten, die mit ihren | 
ObligatcoUegien , Semestral- und Annualprüfungen, mit der Unfreiheit ihres i 
Organismus und der dürftigen Spendung wohlzugeschnittener Staatsgelehr- 
samkeit mehr fast als irgend etwas Anderes geeignet waren, zwischen den 
österreichischen Landen und ihren 'westlichen Nachbarländern gerade im 
Kreise der Gebildeten eine tiefe Kluft zu befestigen. Jetzt sind die Univer- 
sitäten bis auf wenige Spuren des alten Wesens in den freilich auch anders- 
wo nicht gerade sehr löblichen Promotionseinrichtungen auf den ehrenwerthen 



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All^dneine Correipondens. 127 

Fuss gesetzt, auf den wir Deutsche bei so wenig Ursache zum Stolz in 
anderer Beziehung so gern mit einer gewissen Vorliebe blicken. Vormals 
zeigte sich nur etwa in den Naturwissenschaften und ihrer Anwendung, der 
Hedicin, ein regeres Leben, während das Feld der historischen Wissenschaf- 
ten fast ganz brach lag. Jetzt ist durch die Schöpfung der philosophischen 
Facttltät als einer selbsts(ändigen, nicht bloss vorbereitenden, gerade den 
Wissenschaften eine Statte bereitet, die am meisten geeignet sind, ausser- 
halb der Brodstudien wahre Geistesnahrung und Cultur zu verbreiten. Trotz 
der Mangelhaftigkeit der frühern Vorbildung fehlt es wenigstens hier in 
Prag unter der Jugend keineswegs an Sinn für diese Nahrung, und es steht 
zu hoffen, dass gerade durch Erweckung wissenschaftlichen Strebens unsere 
Jugend allmälig etwas mehr von dem fröhlichen und ehrenhaften Geiste 
gediegenen Selbstvertrauens erhalte, welches durch die frühern, jeden stre- 
benden Charakter niederbeugenden Einrichtungen im Keim erstickt werden 
musste. Schon fangen die Früchte der Lehr- und Lernfreiheit und der neu- 
begründeten Staatsprüfungen, sowie die Früchte der Berufungen aus dem 
Auslände an, sich zu zeigen, und so viel es auch noch zu thun giebt, ehe 
der hiesige Zustand im Entferntesten dem einer ausserösterreichischen deut- 
schen Universität gleich wird, so lassen doch die Anfänge guten Erfolg 
hoffen. Ebenso haben unsere Gymnasien einen erfreulichen Aufschwung 
genommen. Der Stand der Gymnasiallehrer hebt sich siclülich. Dadurch dass 
man die jungen Leute unter ihrer Leitung jetzt eine grössere Reife erreichen 
lässt, ist den tüchtigem Lehrern ein Antrieb zu wissenschaftlicherer Thä- 
tigkeit gegeben. Seitdem an angehende Lehrer strengere Forderungen 
gestellt und die gut bewährten rasch angestellt und besser als früher, wenn 
auch noch immer kärglich, besoldet werden, widmen sich fähigere junge 
Leute dem wichtigen Beruf der Jugendbildung. Der Staat giebt ihnen , was 
früher ganz fehlte, Gelegenheit zu ihrer Ausbildung. Ein Schulplan, der 
zwischen antiquirter Alleinherrschaft der alten Sprachen und moderner Be<- 
vorzugung der sg. Realien die Mitte hält, verspricht allmälig ausführbar zu 
werden. Gymnasial- und Universitätslehrer freuen sich ihres Berufes und 
der regen Thätigkeit der ihnen anvertrauten Jugend. Auch die nationalen 
Gegensätze treten nicht, mehr so schreiend hervor, indem man dem Versuch 
einer allmäligen Mitbenutzung der tschechischen Sprache als Bildungsmittel 
Raum verstattet hat. In diese hoffnungsreichen, und wir sollten denken doch 
keineswegs, staatsgefährlichen Bestrebungen mischen sich aber von Zeit zu 
Zeit aus dem Lager der unbedingten Freunde alles Alten Klänge des Miss- 
behagens. Bald fürchtet man für die Jugend, die nicht mehr durch die 
Wohlthat der Semestralprüfungen geregelt werde, bald erscheinen die neuen 
Staatsprüfungen als ein gefährlicher und verwerflicher Luxus; ja die Lern- 
freiheit der Studirenden wird als ein bedenkliches Experiment dargestellt. 
Möchten doch diese Herren,, die so Manches bedenken, auch die Thatsache 
sich nicht entgehen lassen, dass gerade die österreichische Universitäts- 
jugend, trotz alles Zwanges, der auf ihr gelastet hatte, im Jahre der Los- 
gebundenheit am zügellosesten war. Denn Scenen wie in Wien und Prag 
im Kreise der Studirenden sind sonst nirgend in Deutschland vorgekommen. 
Wer an deutschem Geistesleben Theil nimmt, dem kann es nicht gleichgültig 
sein, ob die vom Grafen Thun gepflanzten Keime künftig gepflegt oder schon 
bald wieder erstickt werden. Bei der Stellung, die Oesterreich jetzt in 
Deutschland einnimmt, würde es auch vielleicht über die schwarzgelben Gränz- 
pfähle hinaus zu spüren sein, wenn diesseits derselben ein der Lehr- und 
Lernfreiheit feindlicher Geist, wieder zur Herrschaft gelangte. 

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128 Allgemeine CoiTcs]iottdeiiA. 

In Zürich wird auf Anordnuiig de$ Brziehungs^atles die B6aie i6B 
sei. Professors v.Or eil i durch den Bildhauer Rud. H. Meili von Stallikon aus- 
geführt, um in der Aula der Hochschule aufgestelll zu werden. 

In Bern geht Prof. W.Sn eil, dessen Tod die dffenlHdien Blfttter schon 
Terkundigt hatten, seiner Wiedergenesung entgegen. — * Eine Studenten-^ 
deputation hat dem Regierungspräsidenten eine iron etwa 50 Studirenden 
unterzeichnete Petition überreicht, worin die Regierung ersucht wird, sich 
der so sehr vernachlässigten juristischen FacuUäl anzunehmen. 

Die Universität Sie na ist in Folge eines grossherzoglichen Decrets 
wieder eröffnet worden und die Vorlesungen sollen zum Ersatz für den 
Ausfall bis Ende Julius währen. Sieben Studenten sind zur Strafe für ihre 
Theiinahme an den stattgefundenen Unordnungen auf unbestimmte Zeit aus- 
geschlossen worden, sechs andere mit dem Verlust eines Universitätsjahres 
davon gekommen. — Einen Verlust erlitt die Universität, die noch den Pro- 
fessor Pianigiani beklagt, durch den Tod des Professors des kanonischen 
Rechts Francesco Dei aus Chiusi im Valdichiana. Er beschäftigte sich viel 
und erfolgreich mit Kirchengeschichte und hatte ausser einem Werke über 
die Geschichte seiner altberühmten, wenn gleich verfallenen Vaterstadt Vor- 
arbeiten über die Verhältnisse zwischen weltlicher Macht und Kirche unter- 
nommen, wovon man sich viel versprach. Die Verloste Siena*s sincl um so 
mehr zu beklagen; als die Universität bei ihrem geringen Glänze, bei ihrem 
mehr localen Charakter und massigen Hülfsmitteln nicht leicht Celebritäten 
anzieht und im Durchschnitte die Aschenbrödelrolle spielt. 

Von der Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Literatur in Modena 
ist Enke in Berlin an die Stelle des Physikers Gay-Lussac zu einem der 
zwölf auswärtigen Mitglieder ernannt worden. 

In Paris ist der Nationälökonom Michael Chevalier an die Sielte von 
Droz zum Mitglied der Akademie der moralischen und politischen Wissen- 
schaften gewählt worden. Von 22 Votanten haben ihm 19 ihre Stimmen 
gegeben. — Dem obersten ünterrichtsrathe ist von Beugnot die Sus- 
pendirung des Professors der Geschichte am College de France, Michel et, 
vorgeschlagen worden; der Uiiterrichtsrath erklärte sich für incompetent, der 
Unterrichtsminister dagegen versicherte, er werde sofort von selbst einschrei- 
ten, wenn die öffentliche Sittlichheit in Michelets Vorlesungen im Geringsten 
verletzt werden sollte. — Am 20. Febr. wurde der Congress der Delegirten 
der gelehrten Gesellschaften Frankreichs für 1851 im Saal der alten Pairs- 
kammer im Palast Luxemburg eröffnet. Hr. v. Caumont führte den Vorsitz. 
Das vorige Mal war die Versammlung von 38 Geseltschaften beschickt^ diess- 
mal von 62. Einer der ersten Verhandlungsgegenstande war über die beste 
Verwaltung einer Provincialbibliothek und die Anfertigung eines Museums- 
katalogs. Landwirthschaft, Naturwissenschaften, Archäologie, Literatur und 
Philologie lieferten den weitern Berathungsstoff. Die Dauer des Congresses 
war auf acht Tage festgesetzt. 

Die parlamentarische Untersuchungscommission fär die Universitäten 
Oxford und Cambridge, nach Lord John Russeis vorjährigem Antrag, 
sind seit längerer Zeit ernannt; von den Ergebnissen ihrer Thätigkett ver- 
lautet aber bis jetzt in den Zeitungen nichts, und da die Commission lauter 
alte gute Freunde und Mitglieder (Fellows) jener Hochschulen, jsind, so mei- 
nen bereits die radicalen Zeitungen: eine Krähe hacke der andern die Au- 
gen nicht aus und es werde mit den hochkircblichen Musensitzen so ziemlich 



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IM 

beim aiftän Sdilendiimi bleiben. Dhrigeas ist eine soMm kötrigliche Unter- 
sucbnngscommlssrion soeben aach für die Dubliner DreiftiUigkeits-Universitat 
ernannt worden, obgleich Lord J. Rnssel dieselbe in der vorigen Session 
ausdräclilich von diesem Beschluss aasgenommen liaben wollte. Der angli-* 
caniscfae Brzbischof von Dublin, glaubt man, werde an der Spitze dieser 
Cominissiöfi stehen. 

Toronto im englischen Canada hat eine Universität , deren Statuten^ 
unter dem jetzigen Reform - Mintsterinm entworfen und genehmigt durch 
einen Act des Parlaments, den Religionsunterricht und die theologische Fa- 
cultät ausschliessen und bestimmen, dasff' „keines der von der Krone zu 
bestimmenden sechs Mitglieder .des Senats ein Geistlicher oder Religions- 
lehrer sein dörre, wie auch immer die Form seines Glaubensbekenntnisses 
sein möge*^ Das beleidigte die bigotte Bevölkerung ungemein. Weit ent- 
fernt, die Unabhängigkeit der Schule von der Kirche zu billigen, fingen alle 
Secten an, der Bischof von Toronto und das Collegium der Universität von 
Kingston an der Spitze, die neue Universität von Toronto (sie ist erst zwei 
Jahre alt) als ein „gottloses, antichristliches^' Institut zu verwerfen, welches 
„nicht blos verhinderte, dass Theologie gelehrt wurde, sondern alle Formen 
von Gottes Verehrung, alles öffentliche Gebet, j^des Ding, das Professoren 
oder Schuler an Gott und an die Pflichten |[egen ihn erinnern könne, unbe- 
dingt ausschlösse.'^ Zuletzt sah sich das Ministerium genöthigt, ein Gesetz 
vorzuschlagen, wonach die Corporation selbst den religiösen Unterricht &c. 
einrichten kann , und der Senat beschloss , dass die Lehre von der Religion 
künftig einen Theil der Moralphilojiophie bilden solle. Aber das ist dem 
Volke lange nicht genug, und der Bischof von Toronto hat den Streit bis 
nach England getragen, um das dortige Ministerium zu bestimmen, ihm eine 
Charte zu geben, für die Errichtung einer Universität unter seinen Auspicien 
und seiner auscbliesslichen Oberhoheit. Er verlangt nicht mehr und nicht 
weniger, als dass die Anstellung aller Professoren und Lehrer, sowie ihre 
Absetzuifig ganz seiner Huld und Gnade anheimgegeben sei. Das ist dann 
eine christliche Universität. Das Ministerium und die jetzige Universität haben 
ihre Vertheidiger; aber es scheint, dass sie der Bigotterie der grossen 
Mehrzahl des Landes werden weichen müssen. Unter den Arbeitern kommen 
gar nicht selten blutige Schlägereien wegen Religionsverschiedenheiten vor. 
Den Irländern werden die Fenster der Kirchen eingeschlagen, und die Pasto- 
ren werden wohl gar geprügelt, die sich einfallen lassen, in anderm als dem 
gläubigsten Sinne von der Religion zu sprechen. Die Deutschen sind in 
Canada lieber als die Irländer gesehen, da jene meist protestantisch sind und 
so mit Engländern und Schotten ziemlich übereinstimmen. Und das Alles in 
einem so freien Lande wie Canada! 

Dass die Studirenden in Russand mit grossen Schwierigkeiten zu kam-» 
pfen haben, ist wohl bekannt, und es wurde auch schon im vorigen 
Jahre die Nachricht verbreitet, dass die Zahl der Studenten durch einen 
kaiserlichen Ukas auf 300 an je einer Universität beschränkt worden sei. 
Letzteres ist indessen nicht der Fall, wenigstens zählt die Universität zu 
Dorpat unter ihrem gegenwärtigen Rector, Staatsrath Hafner, 620 Studen- 
ten. Die Zahl sämmtlicher Studirenden an den sechs russischen Universi- 
täten, drei Lyceen und einer pädagogischen Anstalt belauft sich nicht auf 4000« 

Die Vorlesungen an der Otto's- Universität in Athen hatten mit dem 
Anfang Octobers begonnen. Nach dem Vortesekatalog für das Wintersemester 
lesen in der theologischen FaeuMt drei Professoren, Hr, Konto gonis, 



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130 Promwiien^Litontar. 



ordentlicher Professor, philologische mtd kritische Geschichte der heiligen 
Kirchenvater und Erklärungen zu den Psalmen Davids; Hr. Archiaiandrit 
Apostolidla Misail, ordentlicher Professor, dogmatische Theologie, und 
Hr. Archimandrit Pharm akidis, zur Zeil in Petersburg, wird seine Vor- 
lesungen nach seiner Rückkehr ankündigen. In der juristischen Facnltät 
lehren 10 Lehrer, unter diesen 6 ordentliche ,• 1 ausserordentlicher und 2 
Ehrenprofessoren mit 2 Privatdocentän. In der medicinischen Facultät lehren 
12 Professoren, davon 6 ordentliche und 1 Ehrenprofessor mit 6 Privat- 
docenten. In der philosophischen Facultät lehren 18 Lehrer, davon sind 10 
ordentliche, 4 ausserordentliche und 1 Ehrenprofessor mit 2 Privatdocenten 
und 1 Lehrer der türkischen Sprache. Unter diesen sämmtlichen Lehrern 
der Universität haben 24 theils ganz, theils theilweise ihre Universitätsstudien, 
in Deutschland gemacht. Die Gesammtzahl der Studirenden ist 400, darunter 
91 Juristen, 231 Hediciner, 65 Philosophen; die Zahl der Ausländer beträgt 200. 



Programmen - Literatur. 

II. Freiburg. Im Sommercurs 1850 ist als Programm zur Feier des 
Geburtstages des Grossherzogs erschienen: „Die Vorstellungen der allen 
Griechen und Römer über die Erde als Himmelskörper von dem derzeitigen 
Frorector Hofralh Dr. ettinger, Professor der Mathematik." 15 V2 Bogen gr.4. 
In dieser Abhandlung hat der Verf. eine geschichtliche Entwicklung der An- 
sichten des Alterlhums über die Erde als Himmelskörper zu geben versucht, 
wie sie sich von der ersten Zeit an, aus welcher historische Nachrichten 
vorliegen, bis zu dem Schlüsse desselben allmälig genetisch herausbildeten. 
Die bezuglichen Belegstellen sind im Urtexte beigeben, das in den Schriften 
der Alten zerstreut liegende, diesen Gegenstand behandelnde Material ist mit 
dankenswerther Sorgfalt zusammengetragen und der Leser so in den Stand 
gesetzt, selbst ein Urtheil sich zu bilden. Zweck der Abhandlung ist ins- 
besondere: kritische Beleuchtung und Feststellung der Leistungen, welche 
man den Alten und namentlich den Griechen in der Lehre von der Erde 
als Himmelskörper zu danken hat. Noch immer ist es nicht zur Abklärung 
der schroffen Gegensätze in den Ansichten über die Verdienste der Alten in 
den exacten Wissenschaften und namentlich in der Astronomie gekommen. 
Während ihre unbedingten Lobredner sie masslos und unverdient preisen und 
Unbedeutendes mit Wichtigthuen*i in die Reihe des Bedeutenden erheben 
wollen, verfallen ihre Gegner in den entgegengesetzten Fehler und sprechen 
den Untersuchungen und Leistungen der Alten mit ungerechtfertigter Gering- 
schätzung, und darunter sogar Bessel, alle Bedeutung ab. Es ist klar, dass 
die Astronomie der Alten neben den Fortschritten dieser Wissenschaft in 
der neuesten Zeit ihre Bedeutung verliert, wie die Handlungen des Knaben 
neben den Handlungen des Mannes. Werden letztere bedeutend, so zieht 
man auch erstere gerne aus dem Dunkel der Vergessenheit hervor. So hier. 
Diejenigen Sätze, welche das Alterthuni mühsam und mit grosser Anstrengung 
durch lange Zeiträume hindurch erobern musste, wie die Vorstellung von der 
Kugelgestalt der Erde, ihr Freiscbweben im Himmelsraum dcc; kennt gegen- 
wärtig jeder Knabe. Aber die Auffindung dieser Sätze war nicht weniger 



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PriigrunflMtt-Lilei«!«!. 181 

mühevoll und verdienstlich als die Ausbeute der Neuzeit; sie war vielleicht 
schwieriger, als die Entdeckung der Lehre von der sphäroidiscben Gestalt 
der Erde ; denn der letzte Satz war eine nothwendige Consequenz der Fort- 
schritte^ in der Mathematik und Mechanik und der sg. physischen Astronomie. 
Und mussten nicht vorerst alle jene Hauptsätze, welche das Alterthuni auf* 
gefunden hat, aufgefunden werden, ehe man in der Neuzeit die Brücke für 
weitere Forlschritte in der Wissenschaft schlagen und alle die Eroberungs* 
Züge in ihrem Gebiete beginnen konnte, die man mit dem von ihm hinter- 
lassenen Rüstzeug mit so grossem Erfolg unternommen hat? — Es ist nicht 
zu verkennen, dass sich gar viel Wunderliches, Thörichtes, ja Lächerliches 
bei den Alten in bunter Mischung neben einander findet. Die vorliegende 
Abhandlung giebt hierüber mit historischer Treue Aufschluss. Diess sind aber 
die in der Natur gelegenen Fehlgriffe der beginnenden Reflexion. Wer 
möchte sie mit Recht tadeln? Aber eben so überraschend sind wieder die 
richtigen Urtheile und weiten Blicke einzelner Köpfe, die Bewunderung ver- 
dienen. Das kopemicanische System findet sich, wie der Verf. nachgewiesen 
hat, wenigstens so weit es die Erde betrifft, im Alterthum schon ausge- 
sprochen; die grosse Bedeutung der Beobachtung und Erfahrung ist an* 
erkannt. Die Mittel, sie zu benutzen, aber mangelten; denn die nöthigea 
Instrumente waren roh oder fehlten ganz. Sogar die ersten Satze der sg. 
physischen Astronomie finden sich vor, natürlich nichjt mit der Klarheit und 
Sicherheit dargestellt, worauf sie jetzt durch die Fortschritte der Mathematik 
und die Anhäufung der Beobachtungsmittel gebracht sind, so dass es in der 
That schwer wird, sich die wegwerfenden und ungerechtfertigten Urtheile 
über die Leistungen des Alterthums zu erklaren. Die Absicht des Verf. nun 
ist, dem Verdienste, welches dem Alterthum in der geschichtlichen Entwick- 
lung der Begriffe von der Erde als Himmelskörper gebührt, gerecht zu 
werden, und ihm den Antheil, welcher ihm zukommt, in ruhiger Prüfung zu- 
zuweisen. 

Nach einer Einleitung, welche die Vorstellungen der neuesten Zeit über 
diesen Himmelskörper entwickelt und so den Obergang zu dem genannten 
Thema anbahnt, zerfällt der Inhalt der Abhandlung in folgende Abthei^ 
lungen: 1) Gestalt, 2) Ort, 3) Bewegung der Erde, 4) schiefe Stellung der 
Erdaxe, 5) Grösse der Erde. Die Geschichte dieser Begriffe ist unter sich 
nicht gleichlaufend, wie diess der Verf. deutlich nachweist, und daher ist 
ihre gesonderte Erörterung zweckmassig, ja Bedürfniss, wenn Klarheit und 
Ordnung in das vorhandene Material gebracht werden soll. — Die Geschichte 
der Begriffsbildung über die Gestalt der Erde fällt in den Zeitraum zwischen 
Thaies und Aristoteles ungefähr 600 — 350 vor Chr. Geb. Vor Thaies findet 
man nur unklare Anschauungen, Phantasiegebilde, die sich der eine oder der 
andere aus den Sinneneindrücken nach seiner subjectiven Anschauungsweise 
ableitete. Mit Thaies beginnt die erste und einfachste Begriffsaufstellung. 
Er legt der Erde die kreisrunde Scheibenform bei. Sie wird vom 
Wasser getragen und ist vomOcean umgeben. Dieses Thema wird in diesem 
Zeiträume verschieden variirt; denn es wird der Erde die länglich runde 
Scheibenform, die Diskusform, die Cylinderform mit hervorragender 
ebener Oberfläche, die Tympanonform, die Würfelgestalt, die voll- 
kommene Cylindergestalt mit zwei ebenen Grundflächen (Antipoden) bei- 
gelegt. Nach Einigen hat die Erde im. Allgemeinen zwar eine ebene, jedoch 
gegen die Mitte etwas vertiefte Calso eine concave) Oberfläche. — Allen 
diesen Ansichten stehen, wie man sieht, keine andern Gründe als äussere 



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i9i Fr6f;nMttiii»4il6ratair. 

Sinneneindrücke zur Seite; d^nn diese fähren auf eise eben^ OberOiche^ 
wozu sich im Laufe der Zeit eine erweiterte Kenntniss des bewohnten Tbeils 
der Erde gesellte; die in diesem Zeitraum angestellten Reisen aber leigteUi 
dass die bewohnte Erdoberfläche von Osten nach Westen eine grössere Aus- 
dehnung hatte, als von Norden nach Süden. (Daher die länglich runde 
Scheibengestalt.) — Aristoteles gab den nnsichern und hin und her schwan- 
kenden Ansichten eine feste Unterlage, indem er aus Gründen der Theorie 
und der Erfahrung nachwies, dass die Erde eine Kugelgestalt haben 
müsse. — Den Beweis a priori leitete er aus dem Begriffe der Schwerkraft 
ab, welche nach seiner Ansicht von dem Mittelpunkte des Weltalls aus nach 
allen Richtungen, in gleichen Entfernungen gleich stark wirkend, allseitig 
die nämlichen Erscheinungen hervorbringen muss. (Wer erkennt hier nicht 
-die ersten Anfänge der Attractionsgesetze ?) Wird nun diese Ansicht- auf die 
Erde angewendet, so muss sich dieselbe als schwerer Körper in Kugelfarm 
um den Mittelpunkt des Weltalts lagern. — Als Erfahrungsbeweis stellt er 
den runden Schatten, welchen die Erde bei jeder Mondsfinsteniiss auf der 
beleuchteten Mondsscheibe macht, und die Erscheinung auf, dass die Fixsterne 
für einen Beobachter, der sich von Süden nach Norden bewegt, ihre Stellung 
zum Horizonte ändern. — Vollständig wurden diese Beweise von Aristoteles 
nicht geliefert. Das Fehlende wurde aber im Laufe der Zeit ergänzt; so 
Ton Archimed, der aus mechanischen Gründen nachwies, dass auch die Ober- 
fläche des Meeres die Kugelgestalt haben müsse und dass daher Meer und 
Erde zusammen die Kugelgestalt erzeugen. Femer wurde im Verlaufe der 
Zdt auch auf die Wölbung der Erde von Osten nach Westen aus dem un- 
gleicfazeitigen 4uf- und Untergang derselben Hinunelskörper für verschiedene 
Orte der Erdoberfläche geschlossen. -^ Aristoteles selbst ist nicht der 
Schöpfer der Ansicht von der Kugelgestalt, der mit diesem Gedanken ur- 
plötzlich wie ein Deus ex macbina hervortrat ^ sondern nur der Begründer 
und Feststeller derselben. Sie war schon geraume Zeit vor ihm, wahrschein- 
lich von Parmenides, geäussert und nach vorliegenden Nachrichten von An- 
hängern des Alten bekämpft worden. Der Erfinder wusste ihr aber,^ie das 
häufig geschieht, keine Lebenskraft einzuhauchen. Aristoteles erst gelang 
es, das lebenskräftige Moment an ihr zu entdecken, und so muss man ihn 
als den Begründer des Gedankens anerkennen, gerade so wie Newton als 
Begründer der Attractionsgesetze gilt, ob sie gleich schon vor ihm aus- 
gesprochen waren und auch bekanntlich Einzelne seiner Zeitgenossen die 
Priorität für sich in Anspruch nahmen. — Die Lehre von der Kugelgestalt 
jS^tand Jahrhunderte als Lehrsatz fest und nur Einwendungen Einzelner gegen 
sie wurden vorgebracht, die jedoch alle nur der Schwierigkeit, die Con- 
sequenzen dieser Lehre sich gehörig klar zu machen, entnommen waren 
und wofür verschiedene Belege vorgebracht werden. Erst Huyghens und 
Newton traten mit der Behauptung auf, dass die Erde eine sphäroidische 
Gestalt haben müsse. Sie entnahmen ihre Grunde der Theorie; denn erst 
Ipnge nach ihrem Tode, ungefähr gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts 
fand ijire Behauptung eine Bestätigung aus der Erfahrung. 

In der Entwieklungsgeschiobte 4es BegrifiSs von dem Orte der Erde 
unterscheidet der Verf. vier Perioden: 1) Bis auf Anaximander. Die Erde wird 
als eine vom Wasser (Oceanos) umgebene und auf emer Unterlage (Wasser, 
Luft, Wurzeln 4rc.) ruhende Ebene gedacht , worauf sieh das feste C^iterne 
krystallene d:c.> Himmelsgewölbe in Gestalt eimr Halbkugel sMIzt. Die Brde 
nimmt die Mitte der vor der. Sphäre wMlM)hlossenen Ebene ein. 2) Von 



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Progrraitimeii-Literatar. 133 

Anaximander bis Aristoteles. Das Universum wird als Sphäre dargesteÜt, 
iti deren Mittelpunict die Erde frei schwebend und nicht unterstützt sich 
befindet. Die Kraft, welche die Erde in dieser Stellung erhält, wird als 
eine negative oder abstossende betrachtet. 3) Von Aristoteles bis Kopernicus. 
Die ärde nimtiit den Mittelpunkt des Weltalls ein, wohin sie durch eine ihr 
inne wohnende KraR (Schwerkraft) getrieben und festgehalten wird. Es 
bildet sich der Begriff der Schwerkraft weiter aus. 4) Von Ropernicus bis 
jet2t. Die Erde befindet sich nicht in der Mitte des Weltalls, sondern um- 
kreist in einer Entfernung von ungefähr 20 Millionen Meilen die Sonne, deii 
Centralkorper unseres Planetensystems. 

In der Entwicklungsgeschichte des Begriffes von der Bewegung der 
Erde ergeben sich keine gesonderten Abschnitte. Man begegnet vielmehr 
nur Versuchen, die Erscheinungen des Firmamentes durch Bewegung der 
Erde zu erklären. Man hat noch nicht alle die nöthigen Erfahrungen gesam- 
melt, um ein vollständiges System daraus begründen zu können. Die ur- 
sprüngliche Ansicht war: die Erde ist bewegungslos, um sie bewegt sich 
die Sphäre und die einzelnen Himmelskörper. Diese Ansicht bildete im gan- 
zen Alterthum die Unterlage und wurde nie wesentlich in Frage gestellt. 
Durch Aristoteles wurde sie sogar zu der einzig richtigen erhoben, indem 
er seiner Ansicht Geltung verschaffte: dass die Erde durch Naturgesetze 
(Schwerkraft) in den Mittelpunkt des Universums getrieben werde und dess- 
wegen nicht bewegt sein könne. Dagegen treten Versuche Einzelner 
hervor, um auf atidere als die gewöhnliche Weise die Erscheinungen an der, 
Sphäre zu erklären: 1) Versuch des Philolaus, die Himmelserschcinungen 
durch Bewegung der Erde und der Planeten (wozu auch im Alterthum Sonne 
und Mond gerechnet wurden), um das Cenlralfeüer zu erklären. 2^ Versmch 
des Heraklid und Ekphantus, den Wechsel des Tages und der Nacht durch 
Umdrehung der Erde von Westen nach Osten zu erklären, eine Ansicht, die 
bei Einzelnen sogar Beachtung gefunden zu haben scheint. 3) Versuch des 
Aristarch Cdenn von diesem scheint nach Archimeds Zeugniss diese Ansicht 
herzurühren), die Himmelserscheinungen dadurch zu erklären, dass er die. 
Sonne in den Mittelpunkt setzte und die Erde sich um sie in jährlicher 
Bahn und mit täglicher Axendrehung bewegen Hess. — Hier ist offenbar 
das kopernikanische System, jedoch nur partiell von der Erde, ausgesprochen. 
Die Bewerbungen der Planeten kannte man zu Aristarchs Zeit zu wenigf, 
um sie scnon als Glieder in ^iii bestimmtes System einflechten zu können. 
Die Erscheinutigeri , welche die schiefe Stellung der Erdaxß auf 
der Erdbahn hervorbringt, oder die Schiefe der Ekliptik kannte map 
schon im Alterthum. In den frühem Zeiten tauchten hierüber die wunder- 
Ifchsten Meinungen auf. Später wurde die Schiefe der Ekliptik in runder 
Zahl zu 24 Grad (von Strabö) oder Vj^ der Kreisperiplierie gewöhnlich an- 
genommen. Eratosthenes schloss sie in die Grenzen von 23 Grad 50 Min. 
und 23 Grrad 52 Min. 30 See. ein, woraus die Durchschnittszahl 23 Grad 
51 Min. 16 See. folgt. Dieser Bestimmung tritt auch Hipparch und'PtoIe- 
mäus bei. 

Was nun cfie Grösse der Erde betrifft, so kahn von einer Maass-. 
bestimmung der Erde in dem Sinne, wie diese in der neuern und neuesten 
Zeit einj^rahrt Würde, be! den Alien nicht die Rede sein/ Alle Versuche 
iiä Alterth'Uln,'die Grössd dar Erde zu bestiinrÄeh^ sind, mir als annähernde 
Schäimi^en^ za bi&tracht^n', von denen der deä Bratösthenes sich noch am 
meisten auf das Gebiet der Thatsächen stellte. Diess war jedoch schont bii' 

Akaden. MonatMchrift. Mära 1851. 17 

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134 Die Universitfitslehrer im Wioter 18^/51. 

AUeriluun anerkannt. Die Versuche, die Grösse der Erde zu ermitteln, 
begannen erst, nachdem sich der Begriff von der Kugelgestalt der Erde 
festgestellt hatte, und es ist merkwürdig, dass alle Maassbestimmungs- 
versuche mehr und mehr auf verkleinernde Resultate fährten, woraus her- 
vorgeht, dass man sich ursprunglich die Erde viel grösser dachte und erst 
allmällg auf richtigere Vorstellungen kam. Die beachtenswerthern Angaben 
hierüber sind: Grösse des Erdumfangs 1) nach Aristoteles 400000 Stadien, 
2) nach Archimeds Angabe 300000 Stadien, 3) nach Eratosthenes Bestim- 
mung 252000 Stadien, 4) nach Posidonius 180000 Stadien. Das richtige 
Maass fällt bekanntich zwischen die beiden Bestimmungen des Eratosthenes 
und Posidonius. 

Wir konnten dem gelehrten Verf« nicht in alle Einzelnheiten seiner in- 
teressanten Untersuchungen und Resultate folgen, sondern mussten uns 
begnügen, im Vorstehenden eine Uebersicht zu geben. 



VI. 

Die Universitätslehrer im Winter tö^'u. 

Berlin, gest. 1810. Prot-theol Fac. Ö.: Hengstenberg, Nitzsch, Strauss, 
Twesten. — EO.: Benary, Jacobi, Piper, Uhlemann, Vatke. — PD.: Rauh, 
Reuter, Steinmeyer, Strauss. 

Jiir. Fac. 0.: (Dirksen, Ak.), Heffler, Heydemann, Homey er, Keller, 
V. LancizoUe, Richter, Rudorff, Stahl. — EO.: Berner, v. Daniels, Gneist, 
V. Richthofen. — PD.: CoUmann, Häberlin, Kohlstock, Merkel, Schmidt. 

Med. Fdc. 0. : Busch, Casper, Ehrenberg, Jüngken, Langenbeck, Link (f), 
Mitscherlich, Hüller, Romberg, Schlemm, Schönlein, Schultz-Schultzenstein. -- 
EO.: Barez, Böhm, Ideler, Kranichfeld, Schmidt, Troschel, Wolff. — FD.: 
Angelstein, Ascherson, du Bois-Reymond, Crede, Dann, Ebert, Henoch, Hom, 
Lauer, Leubuscher, Nicolai, Reckleben, Reinhardt, Remak, Schöller, Simon, 
Traube, Wilde, 

Philos. Fac. 0.: Bekker, Böckh, Bopp, Dieterici, Dove, Encke, Erman, 
Franz, Gabler, Geizer, Gerhard, v. d. Hagen, Helwing, v. Henning, Huber, 
Lachmannet), Lejeune-Dirichlet, Lepsius, Lichtenstein, Magnus, Mitscherlich, 
Ohm, Ranke, v. Raumer, Ritter, Rose 1., Rose H., Tölken, Tendelenburg, Weiss. — 
Akademiker: Grimm I., Grimm H., Jacobi, Pertz, v. Schelling. — EO.: Beneke, 
Beyrich, Curtius, Dieterici, Erman, Geppert, Grüson, Gruppe, Heyse, Hirsch, 
Hotho, Klug, Marx, Massmann, Michelet, Müller, Panofka, Petermann, Poggen- 
dorff, Rammeisberg ^ Riedel, Schmidt, Schott, Schubarth, Steiner, Stoerig, 
Stuhr et), Waagen, Werder. — PD. : Althaus, Aufrecht, Beetz, Benary, Berg, 
Borchardt, Cybulski, Eisenstein, Friedländer, George, Glaser, Guhl,'Gumprecht, 
Hertz, Jessen, Joachimsthal, Kirchner, Koch, Köpke, Marcker, Rüst, Schaum, 
Schmidt, Schultz, Steinthal, Walpers, Weber, Wollheim da Fonseca. 

Bmi, gest. 1831. Prot-'iheol. Fac. 0.: Gelpke, Wyss. — EO.: 
Immer, Schaffler. 

Jur. Fac. 0.: Herzog, Leuenberger, Pfotenhauer, Schmid, Snell. 

Med. Fac. 0.: Demme, Valentin, Vogt. — EO.: Anker, Fueter, Gerber, 
Hermann, Koller, Rau, Rychner, Theile, Tribolet. — PD.: C. Emmert, 
W. Emmert, Th. Hermann. 



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Die Universitätslehrer im Winter 18»>/5i. 135 

Phüos. Fac. 0.: Branner, Perly, Ries, Studer, Troxlter. — EO.: 
C. Branner, Henne, Jahn, Rellig, Schnell, Volmar. — PD.: Gerwer, A. Jahn, 
Schläfli, Wolf. 

Bonn, gest. 1818. Kath.-iheol. Fac. 0.: Achterfeld, Braun, Dieringer, 
Hilgers, Martin, Scholz, Vogelsang. — FD.: Floss, Veiten. 

ProL^theoI. Fac, 0.: Bleek, Dorner, Hasse, Rolhe. — EO.: Staib 
(abw.). — FD.: Kraflt, Nagel, Ritschi. 

Jur. Fac. 0.: Bauerband, Blume, Böcking, Deiters, Haclschner, Perthes, 
Seil, Waller. — EO. : Nicolovius. 

Med. Fac. 0. : Bischoff, Harless, Kilian, Mayer, Nasse, Naumann, Weber, 
Wulzer. — EO.: Albers, Budge. — FD.: Boecker, Hoppe, Schaafhausen. 

Philos. Fac. 0.: Argelander, Arndt, Aschbach, Bergemann, Bischof, 
Brandts, van Calker, Dahlmann, Diez, Frey tag, Knoodt, Lassen, Loebell, 
Mendelssohn, Monnard, Nöggerath, Flucker, Ritschi, Schopen, Schweitzer, 
Treviranus, Weicker. — EO.: Bernd, Breidenstein, Heimsoeth, Heine, Kauf- 
mann, Radicke, v. Riese, Ritter, Simrock, Troschel. — Pp.: Beer, Bamays, 
Boedecker, Brandis, Clemens, Delius, verbeck, Roemer, Schaarschmidt, 
Schmidt (abw.), Woepko (abw.). 

Breslau, gest. 1702. Kath.-theoL Fac. : Baltzer, Bittner, Friedlieb, 
Movers, Pohl, Ritter. — EO.: Stern, — FD.: Reinkens. 

Prot.^theol. Fac. 0.: Böhmer, Gaüpp, Hahn, Middeldorpf, Oehler, 
Schulz. — EO.: Räbiger. — FD.: Hahn, Rhode. 

Jur. Fac. 0.: Abegg, Gaupp, Gitzler, Huschke, Wilda. — FD.: Eberty, 

Med. ^ac, 0. : Barkow, Benedict, Betschier, Göppert, Henschel, Remer (t)i 
V. Siebold. — PH.: Klose. — EO.: Remer. — FD.: Burchard, v. Frantzius, 
Grosser, Klose, (Prof.) Kuh, Neisser, Reymann, Seidel. 

PMos. Fac. 0.: Ambrosch, Bernstein, Braniss, Elvenich, Frankenheim, 
Giocker, Gravenhorst, Haase, Kummer, Nees v. Esenbeck, Rohovsky, Schneider, 
Stenzel, Stenzler, Tellkampf. — EO. : v. Boguslawski, Duflos, Guhrauer, Kah- 
lert, Kirchhoff, Röpell, Schmölders, Wagner. — FD.: Cauer, Cohn, Gröger, 
Körber, Rosenhain, Schwarz, Suckow, Wuttke. 

Erlangen, gest. 1743. Prot-theol. Fac 0.: Delitzsch, Ebrard, Engel- 
hardl, Höfling, Hofmann, Thomasius. — EO. : v. Ammon, Schmid. — FD.: 
Nägelsbach. 

Jur. Fac. 0.: Bucher, Gerber, Schelling, v. ScheurI, Schmidtlein. — 
EO.: Gengier. — FD.: Ordolff. 

Med. Fac. 0.: Fleischmann (f), Heyfelder, Leupoldt, Rosshirt, Will. — 
EO.: V. Gorup-Besanez, Trott. — PH.: Friedreich, Solbrig. — FD.: Pfaff, 
Winlrich. 

Phüos. Fac. 0.: Böttiger, Döderlein, Fischer, Kastner, Nägelsbach, 
V. Raumer I., v. Schaden, v. Staudt. — EO.: Fabri, Heyder, Martins, 
V. Raumer H., Schnizlein, Spiegel, Stahl, Winterling. 

Freibarg i. B., gest. 1454. Kath.-theol. Fac. 0.: v. Hirscher, Haier, 
Schleyer, Staudenmaier, Stolz, Werk (emer.). — FD.: König. 

Jur. Fac. 0. : Baurittel, Buss, Fritz, Mayer, Schmidt, v. Woringen. 

Med: Fac. 0.: Baumgärtner, Ecker, Fromherz, Hecker, Kobell, Schwörer, 
Werber. — FD.: v. Babo, Beck, Fischer, Frilschi, v. Rotteck, Wernert. 

PkUos. Fac. 0.: Baumstark, Deuber (f), Feuerbach, Gfrörer, Muller, 
Oettinger, (Schreiber), Sengler, Wetzer. — EO.: Eisengrein. — PD. : Misch- 
1er, Trentowski, Weiss. 



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13$ Die J[Jniyer8imt6le|ire]r im Wint^^ 19^/u- 

6iessei|y gest. 1607. Kath-^heol Fac. Ö.i Fbick, Löhnis, LuUerbeck, 
Sch^rpff. 

Prot'theoL Fac. 0.: Baur, Credner, Hesse, Knobel, Köllner. 

Jur. Fac, 0.: BirnJ)aum, v. Löhr, Renaud, Wei^s. — PD.: HelmoU, 
Neuner, Sandhaas. 

Med Fac. 0.: Bischoff, Nebel, Phöbus, Bilgen, Vogel, Wernher, 
Wilbrand. — PH.: Vix. — EO.: Wetter, Wfnlher. — PD.: Eckhard, Stammler. 

Philos. Fac. 0.: Adrian, Braun, Buff, Heyer, v. IKlipstein, Knapp, 
V. Liebig, Osann, v. Bilgen, Schäfer, Schmid, Umpfenbach, VuUers. — PHO.: 
Klein. — EO.: Carriere, Dieffenbach, EtlUng, Frilzsche, Hofmann, Kopp, 
Leuckarl, Meltenheimer, Otto, Schilling, Will, Zamrainer, Zimmer. — Brau- 
bach. — Rep. Noack. — PD.: Heyer, Strecker, Weigand. 

Gdttiagen, gest. 1734. Prot^theoL Fac. 0.: Ehrenfeuc)iter, Gieseler, 
liücke, Redepenning, Reich?, Rettig. — EÖ.: Duqc^er, Wieseler* — ^ PD.: 
Dieckhoff, Holzhausen, Lünemann, Matthäi, Messner, UhlhQrn. 

Jur. Fac. 0.: Bricglet», Francke, Herrmanp, l^raut, Ribb^ntrop, Thöl, 
^achariae. — EC : Wolfif. — PD.: Grefe, Hartmann, Rösslqr, RQthamel, 
Schwanerl. 

Med. Fac. 0.: Baum, Berthold, Conradi, Fuchs, Grjesebach, Langen- 
beck (t), Marx, Osiander, Ruete, v. Siebold, Trefurl, Wagher, Wöhler. — 
EO,: pergmann, Herbst, Himly, Krämer. — PD.: Schuchardt, Stromeyer, Wiese. 

Philos. Fac. 0.: Barlling, Bertheau, Bohlz, Ewald, Gauss, Haussen, 
Hausmann, Havemann, Hermann, Hoeck, v. Leulsch, Listing', Lolze, Meyer, 
Mitscherlich, Oesterley, Ritler, Sartorius v. Wallershausen, Schneidewin, Ulrich, 
Waitz, Weber. — EO.: Benfey, Cesar, Goldschmidt (f), Müller, Stern, Wappäus, 
Wieseler (Fr.), Wigge^s, Wustenfeld. — PD.: Fink, Focke, v. Holle, Lange, 
Lantzius-Beninga, Lion, Muller, Quintus-Icilius, Seelig, Staedelor, Thospann, 
Tittmann, Wüstenfeld. 

Grätx, gest. 1586, ern. 1827. Kath-theol. Fac. 0-: Ehrlich, Fruh- 
mann, Riedl, Bobitsch, Wagl. 

Jur. Fac, 0. : Ahrens , Baschke , Kopatsch , Schreiner, Wieseqauer. — 
E0.> Neubauer, Skedl. — PD.: Gölh, Krainz, Langer, Richter. 

Philoß. Fac. 0.: Gabriel, Hassler, Hruschauer, Hummel, Knar, Schmarda, 
Tangl. - EO.: Hoffmann. — PD.: Prangner. 

Medicin-chvrvrg. Studium. 0.: Frisch, Götz, La^iger, Mayer, Rzehaczek, 
V. Schöller. — EO.: Hruschauer. 

Gfeifewald, gest. 1456. ProL-theol. Fac. 0.: Kosegarten, Schirmer, 
Semisch, Vogt. — EO.: Baier, Gass. 

Jur, Fac. 0.: Barkow, Beseler, (Mejer), Niemeyer, Pütter. — ^D.: 
Friedberg. 

Med. Fac. 0.: Bardeleben, Berndt, Haeser, Schull^e. — EO.: Laur^f. — 
PD.: Eichsledt, Glubrechl, Hackermann, Schultz^. 

Philos, Fac. 0.: Barthold, Baumstark, Erichson, Grunert, Hoefer, Horn- 
schuch, Hühnefeld, Matlhies, Schömann, Stiedenroth, Tillberg, ürlichs. — 
EO.: V. Feilitzsch, Haserl, Munter. 

Lehrer in Eiden a : Proff^ Haubner und Menzel, die Lehrer Segnitz 
und Trommer, die Beamten Rohde und Zühlke. 

Halle -Wittenberg, gest. 1694 ProL-theol. Fac. 0.: Herzog, Hup- 
feld, Moll, Müller, Thil9, Tholuck. — EÖ.: Dähnj?, Franl^e, G^erick^, Nie- 
meyer, Schwarz. — PD.: Wichelhaus. 



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Jur. Faß. Q.: Pouchen, Henke, Pernicp, Waf^g^rschfeben, Witte. -? 
PD.: Eckenberg, Hase, HeÜmar, v. Kaltenborn v. Stachau, Müller. 

Med. Fac. 0.: d'AUojf, Blasius, Friedlfinder, Hohl, Krukenberff, Volk- 
mann. — EO.: Krahmer. — PD. : v. Bärensprung, Meckel v. Hemsbach. 

Philos. Fac, 0.: Bernhardy, Diane, Burmeister, Eiselen, Erdmann, 
Gerlach, Germar, Gruber, Hinrichs, Leo, Meier, Pott, Rödiger, Rosenberger^ 
Ross, V. Schlechtendal, Schweigger, Sqhncke. — EQ. : Duncker, Gartz, Heintz, 
Protz, Schauer, Steinberg, Ulrici. — PD.: AUthn, Andrä, Arnold, Buhle, 
Cornelius, Eisenhart, Giebel, Haarbrücker, Haym, Keil, Krause, Sprengel, 
Slager, Weissenborn. 

Heidelber;;, gest. 1386. Prot-theol. Fac 0.: Dittenberger, Hundes^ 
hagen, Paulus (emer.). Ulimann, Umbreit. — EO. : Schöberlein. 

Jur. Fac. 0.: Mittermaier, v. Mohl, Rpsshirt, v. Vangerow, Zöpfl. — ? 
EO.: Deurer, Röder, Sachse. — PD.: Brackenhöft, JBrinckmann, Jolly, Knapp^ 
Nägele. 

Med. Fac. 0.: Chelius, Gmelin, Henle, Nagele (f), Pfeufer, Pvchelt, 
Tiedemann (abw.). — EIÖ.: Nögele, Nuhn, Pbsselt. — PD.: Chelius, Höfle, 
Moleschott, Nebel, Oesterlen, Pickford, Puchelt. 

Philos. Fac. 0. : Bahr , Bischoff, Bronn , Creuzer (emerOi Erb (emer.), 
Häusser, Jolly, Kortüm, y. Leonhard, Rau, v. Reichlin-Meldegg, Roth, Schlosser, 
Schweins, Zell. — PH.: Gervinus. — EO.: Blum, Delifs, Hanno, Kayser, 
Leger, Weil. — PD. : Arneth, v. Babp, Bornträger, Fischer, Gaspey, (Heltner), 
Hermann, teonhard, Pickford, Ruth, Stölzel, Wilhelmy. 

Jena, gest. 1548. Prot.-ikeol Fac. 0.: Hase, Hoffmann, Ruckert, 
Schwarz. — POH.: Grimm, Lange. — EO.: Pgenfeld, Otto. — PD.: Vogel^ 

Jur. Fac. 0.: Danz, Fein, Guyet, Luden, Michelsen, Sch^iid, Walch.r- 
POH.: Heinabach, Schüler. — EO.: Chambon, Girtamier, Hahn, Schnaubert, 
Schulze. 

Med. Fac 0.: Huschige, Kieser, Martin, Ried, Schieiden, Siebert, 
Voigt (t). — POH.: Schömam — EO.: Domrich. — PD.: Förster, Suckow. 

Phiios.. Fac. 0.: Bachmann, Göttling, Hand, Reinhold, Schaumaun, 
Schulze, Snell, Slickel, Wackenroder. — POH.: Fischer, Scheidler, Schueler, 
Suckow, Wolff. — EO.: AppeU, Artus, Bippart, Falke, Fortlage, Herrmann 
(abw.), Hettner (abw.), Langelhai, Rückert, Schmid, Schmidt, Schrön, Stark, 
Sloy, Wegele, Wächter. — PD.: v. Bernard (abw.), Rös^lei;, Schäffer. 

iQQSbmok, gest. 1672, ern. 1792 u. 1826. (Eine theql. Facultat fehlt.) 

Jur. Fac. 0.: Beidtel, Geiger, Kerer, Phillips (abw.), Pra<?kner, 
Schuler, Theser. 

Philos. Fac. 0. : Baumgarten, Böhip, Flir, Jäger, Köhler, Schenaol^. 

Medicin.- Chirurg. Studium. 0.: Dantscher, Kubik, Laschan, Mauer- 
mann, Michael. — Assist.: Seeger, Stricker. 

Kiel, gest. 1665. Prot.-theoL Fac. 0.: Liebner, Lädemann, Pell, 
TbQmsen. 

Jur,. Fac. 0.: Ct^ristjansen (J.), Ihering, Planck, -r EO.: Clirj;$UaBSßii. 
(C), Samwer. -r PD.: Brinqkmann, Friedlieh- 

^ßd. Fac. 0.: Behn? JFrerichs, Litzo(iann', Meyn, Pfaff, Ritter, Stro- 
meyer, — EO. : Hegewisch. — PD. : Herrmappsen, Jessen, Valentiner (W. HO». 
Valentiner (Th.), Weber. 

Phüos. Fac. 0.: Chalybaus, Draysen, Forchhammer, Himly, Nitzsch, 
(G.G.), Olshausen, Ratjen, Ravit, Scherk, — EP.: 9arms, Karstj?«^ Lijyü^. 



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IdS Die UniversiUltsIehrer im Winter iS^/si. 

krön, Müllenhoff, Nitzsch (K. W.), Nolte, Stein, Thaulow. — PD. : Dreis, La- 
faurie, Prien, Sörensen, Steffens. 

Königsberg, gest. 1544. ProtMheol, Fac. 0.: Gebser, Lehnerdt, Sief- 
ferl, Sommer C des.). — EO.: Erbkam (des.). — PD.: Hahn, Simson (LA.). 

Jur. Fac, 0.: v. Buchholtz, Jacobson, (Mejer), Sanio, Schweikart, 
Simson (H. E.). 

Med. Fac. 0.: Burdach, Kruse^ Hayn (des.), Hirsch, Rathke» Seerig. — 
EO.: Burow (des.), Helmhollz (des.), Möller (des.). — PD.: Hay, v.Witlich. 

PhiJos. Fac. 0.: Drumann, Dulk, Hagen (C. H-), Hagen (E. A.), Lehrs, 
V. Lengerke, Lobeck, Heyer, Moser (des.). Neumann, Peters (des.), Richelot, 
Rosenkranz , Schubert , Voigt. — EO. ; Hesse (des.) , - Nesselmann , Taute 
(des.). — PD.: Castell, Ebel, Friedländer, Gregor, Herbst, Lobeck, Luther, 
Merleker, Michaelis, Rupp, Saalschutz, Thomas, Wichmann, Zaddach, 
Zander. 

Leipzig, gest. 1409. ProL-^theoL Fac, 0.: Grossmann, Kahnis, Krehl, 
Theile, Tuch, Winer. — EO.: Anger, Fricke, Lindner (F. W.), Lindner 
(W. B.), Tischendorf. — PD.: Hansel, Hölemann, Küchler (Prof.), Weisse 
(Prof.). 

Jur. Fac. 0.: Albrecht, Günther, Hanel, MarezoU, Osterloh, Schilling 
(F. A.), Steinacker. — EO.: Beck, Frege, Heimbach (f), Mommsen, Schil- 
ling (Br.), Schletter, Weiske. — PD.: Heydenreich, VogeL 

Med. Fac. 0.: Cerutti, Clarus (J. Ch. A.), Günther, Jörg, Kühn, Radius, 
Walther, Weber, Wendler, Wunderlich. — EO.: Bock, Clarus (J.), Francke, 
Kneschke, Lehmann, Ritterich, Schwartze, Weber. — PD. : Assmann, Coccius, 
Germann, Hennig, Meissner, Merkel, Reclam, Schreber, Sonnenkalb, Streubel, 
Thierfelder, Winter. 

Phiios. Fac. 0.: Brockhaus, Bulau, Drobisch, Erdmann, Fechner, Flei- 
scher, Hankel, Hartenstein, Haupt, Jahn, Klotz, Kunze, Möbius, Naumann, 
Pöppig, Röscher, Schwögrichen, Wachsmuth, Weisse, Westermann, Wutlke.— 
EO.: Anger, Biedermann, DIndorf, Flathe, Jacobi, Kuch'er, Lindner, Marbach, 
Nobbe, Plalo, Seiffarth, Stallbaum, Theile. — PD.: Brandes, Fricke (Prof.), 
Heimbach (+), Hermann, Hölemann, Kemdt, Nipperdey, Petermann, Vogel. ' 

Harburg, gest. 1527. Prot-theol. Fac 0.: Gildemeister, Henke, Ranke, 
Scheffer. — EO. : Heppe. — PD.: Hassenkamp. 

Jvr. Fac. 0. : Buchel, Löbell, Platner (E.), Röslell, Vollgraff, Wetzell. — 
EO.: Roth. — PD.: Arnold, Fick, Platner (V. F.), Schmidt, Sternberg. 

Med. Fac, 0.: Fick, Herold, lleusinger. Huter, Nasse, Roser, Wende- 
roth. — EO.: Robert, Sonnenmayer; Zwenger. — PD.: Eichelberg, Faick. 

Phiios. Fac, 0.: Bayrhoffer, Bergk, Bunsen, Dietrich, Gerling, Hesscl, 
Hildebrand, Ilse, Koch, Rubino, Stegmann, v. Sybel, Zeller. — EO.: Cäsar, 
Girard, Hinkel, Knoblauch, Muller, Vorländer, Waitz. — PD.: Amelung, Ebert, 
Hoffa, Wigand. 

HÜQChen, gest. in Ingolstadt 1472, versetzt nach Landshut 1800, ver- 
setzt nach München 1826. Kath.-theol. Fac, 0.: Dirnberger, Döllinger, 
Fuchs, Haneberg, Permaneder, Reithmayr, Stadlbaur. — PD.: Ochs. 

Jur, Fac. 0.: Arndts, v. Bayer, Bluntschli, Dollmann, Hacker, Kunst- 
mann, Pözl, Zenger. — EO.: Bolgiano, Maurer. — PH.: Buchinger. — PD.: 
Gemeiner, Held, Walther. 

Staaiswirthscha/t!, Fac. 0.: Fraas, v. Hermann, Kaiser, Oberndorfer, 
Papius^ Schafhäutl. — Lyc. Prof. Eilles. 



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Die UniveraitlUlehrer im Wioter 18^/^. 199 

Med. Fac. 0.: v. Breslau (f), Bachner, Förg, v. Giell, Reubel, v. Rings- 
eis, Rothmund, Schneider, v. Weisbrod. — EO.: Beraz, Buchner (L. A.)t 
Dillerich, Horner, Kranz, Schnizlein. — PD.: Fischer, Frank, Hauner, Hörer, 
Hom, Mahir, Marlin (AlO* Quitzmann, Thiersch, Wibmer. 

Pkilos. Fac. 0. : Beckers, Buchner, v. Fuchs, Gruithuisen, Hierl, v. Kobell, 
v.Lasaulx, Lindemann, v. Martins, Müller, Neumann, Ohm, Rudhart, Schmeller, 
V. Schubert, Siber, Sölll, Spengel, Streber, v. Thiersch, v. Vogel, Wagner. — 
EO.: Lamont, Prantl, Recht, Reindl, Seidel, Vogel. — FD.: Hair, Sendtner, 
Schmid, Wittwer. — Lector: Minet, Werlheim. 

Hflnster, gest. 1824. Kath.'theol.Fac. 0.: Berlage, Cappenberg, Dieck- 
hoff, Funzel, Reinke. — EO.: Bisping. — PH.: Schmülling. — PD.: FriedhoiT. 

Philos. Fac, 0.: Deyks, Esser, Gudermann, Rospatt, Winiewski. — 
EO.: Schlüter. — PD.: Hittorf, Junkmann, Kalsch. 

Olmtttz, gest. 1581, em. 1827. KatK-theol. Fac. 0.: Horny, Kisser, 
Kutschker, Maly, Wisser. — Suppl. Prof. Hanel. — Lehrer Partsch. 

Jurist. Fac. 0.: Horak, Koppel, Michel, Schwab, Weiss. — Doc: Prof. 
Hoznik. 

Philos. Fac. 0.: Fick, Franz, Kopetzky, Moznik, Schmidt. — EO.: Kergel, 
Zimmermann. — PD.: Prof. Ehrmann, v. Unckhrechtsberg. 

Medicin.- Chirurg. Lehranstalt. 0.: Ehrmann, Hauser, Jahn, Jeitteles, 
Marquart, Moschner, Reislin. 

Frag, gest. 1348. Kath.^theol. Fac. 0.: Fabian, Güntner, Nahlowsky, 
Smulek. — Prof. suppl.: Petr. — Katech.: Czeschik, Skoda. 

Jur. Fac. 0.: Chlupp, Haimerl, Nowak, Schnabel, Schneider. — EO.: 
V. Hasner, Jonäk, Kastl, Schier. — Suppl: Keil. — PD,: Fric, Grünwald, 
Makowiczka, Petruska, Wessely. 

Med. Fac. 0.: Arlt, Bochdalek, Engel, Hamernjk, Jaksch, v. Jungmann, 
V. Kiwisch, Pitha, Popel, Purkyne, Ruchinger, Werner. — EO. : Halla, Lösch- 
ner, Quadrat, Reiss. — PD.: Altschul, Blazina, Bolze, Cejka, Fischet, Hasner 
Y. Arta, Lerch, Maschka, Pilz, Ryba, Spott, Waller, Zobel. — Assist.: Fanta, 
Finger, Hauska, Morawek, Podlipsky, Seifert, Seydl, Treitz. 

Phüos, Fac. 0.: Celakovsky, Hahn, Hanusch, Jandera, Koubek, Koste- 
lelzky, Kreil, Kulik, Hatzka, Padlesak, Pelrina, Presl, Reuss, Rochleder, 
Vietz. — EO.: Curlius, Hirzenfeld, Leonhardi, Schleicher, Wesely, Wocel.— 
Suppl.: Nickerl — PD.: Hanka, Kaempf, Parti, Volkmann. 

Rostock, gest. 1419, ern. 1789. Prof.-theol Fac. 0.: Bauermeister (f), 
Baumgarlen, Krabbe, Wiggers (G. F.). — EO.: Wiggers (J.). 

Jur. Fac. 0.: (Bruns), Budde, Diemer, Leist, Raspe. — PD.: Gddcke, 
Schliemann. 

Med. Fac. 0.: Krauel, Quittenbaum, Spitta, Stahnius, Strempel. — PD.: 
Dragendorff, Kortum, Lesenberg, Schröder. 

Philos. Fac. 0.: Bachmann, Becker, Fritzsche, Hegel, Karsten, Röper, 
Schulze, Türk, Wilbrandt. — EO.: Busch, Francke, Schmidt. — PD.: Retslag, 
Robert, Weinholtz. 

Tflbingen, gest. 1477. Prot.-theol. Fac 0.: v. Baur, Beck, Landerer, 
V. Schmid. — HülfsL: Hauber, Hoffmann, Palmer. — PD.: Köstlin. 

Kath.'theol. Fac. (X: Aberle, v. Drey (emerit.), Hefele, v. Kuhn, Welle, 
Zukrigl. — Hülfsl: Bendel. 

Jur. Fac. 0.: Canzler v. Wächter, Hepp (t)» Mayer, Michaelis, Reyscjlier, 
V. Schrader, Warnkönig. — EO.: Köstlin. — PD.: Göhrum, Pfeiffer, Zieglen 



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i(A Die Ünirebiältsl^hrfei- iiÜ Wihief i^Ui. 

iIfcA Tat. 0.: Arnold, AütenrietKv Breit, Brun$. Chheliii,, v. Mohl, v. Rapp.— 
EO.: Luschka, Schlossberger, Sigwart, Vierordt; — PD.: Frank, Gmelin, Prof: 
ffiärklinj Sthmid^ Seiz, Tötsbh. 

Phihs.Fac. 0.: Fichte^ Hang, Keller, v. Nörrenberg, Quenstedt, Viscfaer, 
Wate. — EO.: Hohl, Meier, Peschief (tit. 0.), Reiff, Rolh, Schwegler, Teuf- 
föl. — ?Ö. : Fehr, Hollahd, Bibliothekar Klüpfel, Leibiiitz, Oflerdinger, Planck, 
Prof. Rapp, Soyffer. 

Staatswirthscha/tl. Fac. 0.: Fallati, Göritz, Helferich, Hoffmann, Scliuz, 
V. Volz. — PD.: Schweickhardt. 

#ien, gest. 1365, ern. 175ft. Kafh.-theol Fac. 0.: Kaerte, Kozelka, 
Scheiner, Schwetz, Stark, Teplotz. — EO.: Mayer (suppl), Müller Csuppl). 
Sl^hmid. 

Jur. Fac. 0.: Beer, Edlauer, FröWrch, Grassl, Frhr. v. Hingenäu, 
llomig, y.Huze, Hye, Leeb, Neumann, Fachmann, Spfinger, v. Stubenrauch.— 
EO.: V. Godihger (suppl.). — PD.: Dworzak Galba, Heyssler, Keller, Kose- 
giarten, Sttliner, Vogelhuber, Waniorek, Wildner V. Mtfithstfein. 

Med. Fac. 0.: Bartsch, Brücke, Dlauhy, Dumreicher v. Oesterreicher, 
Hefan, Hyrtl, Klein, Oppolzer, Raimahn, Rokitansky, v. Rosas, Schroff^ Schuh, 
Skoda. — EO.: Hebra, Kainzbauer (suppl.). Seligmatin, Sigmund, Spatzen* 
ßgget (i^uppl.). — PD.: Bastler, Bednar, Binder, Blodig, Cessner, Cbiari, 
Effenberger, Fleischmann, Gatscher, Haller, Heider, Kblisko, Lackner, Langer, 
Löbisch^ Mauthner v. Mauthstein, Viszanik, Wedl, Zipfl, Zöhrer. 

Phitus. Fac. 0. : Arneth, Bonitz, Doppler, Fenzl, Friese, Grauert, Grysar, 
Kaiser,^ v. Karajan, Kner, Kunzek, v. Lichtenfels, v. Littfow, Miklosich, Möth, 
Petzval, Rerfienbacher, Stecker, Ünger, Zippe. — EO.: Boller, Goldenthal, 
\. Holgef, Kollär, Lott. — PD.: v. Eitelberg, Hornstein, Schaub, Schmidt. 

Wllrrtarg, gest. 1403, ern. 1582. Kath.^theol. Fac. 0.: Deppisch, 
Hehfi, Reissmann, Schwab. — EO.: Denzinger. 

Jar. Fac. 0.: Albrecht, Edel, Held, Lang. — EO.: Hildenbrand. — 
PD.: Wirsing. 

Staatswirthschaßl. Fac. 0.: Debes. Edel, Herbarger, Schenk. 

Med. Fac. 0.: Hensler, KöUiker, v. Marcos, Narr, Rinecker, Scanzoni, 
Weherer, Schmidt, v. Textor, Virchow. — EO.: Adelmann, Textor. — PD.: 
Leydigi MüUer, (Rapp)^ Schubert, y. Wdz. 

PUlos. Fac. 0.: Contzenf, Denzinger, Fröhlich, Hoffmann, Leiblein, 
Ludwig, Mayr, Osann, Reuter, Rumpff. — EÖ.: Reuss. 

Zürich, err. 1832. ProU-theol. Fac. 0.: Fritzsche, Hitzig, Lange, 
Schweizer. — EO.: Biedermann. Ulrich. — PD.: Koch, üsteri (Pfarrer), 

Staatswissenschaf tl. Fac. 0.: Erxleben, Geib. — EO.: Escher, v.Wyss. — 
PD;: Hillebrand, Marschall v. Bf eberstein, Schauberg. 

Med. Fac. 0.: Hasse, Locher -Zwingli, Ludwig. — EO.: Frey, Locher, 
(Prof. Prosector) Meyer, SpöndK, Zwicki. 

^^ PhUos. Fac. p.: Bobrik, Hottinger, Köchly, Loewig, Müller, Oken. — 
EO.: Frei, Heer, Housson, Nageli, Raabe, Schinz, Schweitzer. — PD.: Allster, 
Escher v. d. Linth, Fehr, Flegler, Gidoni, Kym, Pipitz, Scherr, Vögeli, Vöge- 
Bh, V. WySS. 



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Die DnirernUteu in Winter IS^/m- 



141 



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Akadem. Monatsschrift. März 1851. 



18 



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149 Reihenfolge der Universitäten und FienlMteii ntch ihrer Frequenz im Winter IS^/ji. 



vni. 



Reihenfolge der Universitäten nacli ilirer Frequenz im Winter 18%. 


I. 

lach der GesuMBtzkhl 


11. 

HMh der GeMnntzahl 


HL 

Nach der Gesammtzahl 


IV. 
Prezeite der Anlinder 


der innatrieallrtea Zu- 




der AufilÜnder 


Im Verhiltnln n den 


h»rer. 


JUehtlBMtrieiiiirteii. 


Wvl AUBinilUCX« 


blinden. 


1) München 1884 


1) Berlin 2107 


1) BerUn , 351 


1) Heidelb. 60,17 


2) Berlin 1431 


2) München 1884 


2) Heidelb. 349 


2) Göttingea43,49 


3) Prag 1336 


3) Prag 1747 


3) Göttingen 311 


3) Jena 35,10 


4) Bonn 911 


4) Bonn 941 


4) Leipzig 266 


4) Leipzig 29,49 


5) Leipzig 902 


5) Leipzig 902 


5) Münster 202 


5) Würzb. 24,85 


6) Breslau 823 


6) Breslau 836 


6) Würzburg 167 


6) Zürich 20,00 


7) Tübingen 805 


7) Tübingen 805 


7) Bonn 139 


7) Freiburg 19,75 


8) Göltingen 715 


8) Göttingen 715 


8) Jena 132 


8) Giessen 17,19 


9) Würzburg 672 


9) Würzburg672 


9) Tübingen 130 


9) Berlin 16,65 


10) Halle 597 


10) Halle 624 


10) Halle 84 


10) TiU)ingen 16,14 


11) Heidelb. 557 


11) Grätz 611 


11) Freiburg 80 


11) Münster 14,55 


12) Giessen 413 


12) Heidelb. 580 


12) Giessen 71 


12) Rostock 14,15 


13) Erlangen 387 


13) Olmütz 427 


13) Münster 47 


13) Bonn 13,70 


14) Freiburg 359 


14) Giessen 413 


14) Erlangen 46 


14) Halle 13,64 


15) Jena 358 


15) Freiburg 405 

16) Erlangen 387 


15) Zürich 39 


15) Marburg 11,91 


16) Königsb. 332 


16) Marburg 33 


16) Erlangen 11,88 


17) Münster 323 


17) Jena 376 


17) Prag 31 


17) München 10,72 


18) Grätz 312 


18) Königsb. 332 


18) Breslau 22 


18) Greifswald 5,20 


19) Olmütz 304 


19) Münster 323 


19) Rostock 15 


19) Bern 4,97 


20) Marburg 263 


20) Marburg 277 


20) Greifswald 10 


20) Breslau 2,63 


21) Greifswaldl89 


21) Bern 201 


21) Bern 10 


21) Prag 1,77 


22) Zürich 178 


22) Zürich 195 


22) Königsberg 5 


22) Königsb. 1,50 


23) Bern 145 


23) Greifswaldl92 


23) Olmütz 2 


23) Olmütz 0,47 


24) Rostock 103 


24) Rostock 106 


24i Grätz 1 


24) Grätz 0,16 


25) Basel 65 


25) Basel 65 


. 





IX. 

Reihenfel^e der Faeoltäten nach ihrer Frequenz tan Winter 18%. 

Ka«Holliieli-«Heolosl0eHe FaeultOtoii. 



I. 

A, Nadi dcrGesamntzahl. 

1) München 315 

2) Breslau 240 

3) Bonn 204 

4) Prag 188 
6) Münster 186 

6) Freiburg 168 

7) Olmütz 147 

8) Tübingen 131 

9) Gratz 100 



10) Würzburg 96 

11) Giessen . 27 

B. Nteh den Aosliiiden. 

1) München 50 

2) Freiburg 49 

3) Tübingen 43 

4) Münster 24 

5) Bonn 12 

6) Giessen 5 



7) Prag 3 

8) Würzburg 3 

9) Breslau 2 

10) Olmütz 

11) Grätz 

G. Prozente der Aosliiider 
im Verhültniis zn den In- 
ländern. 

1) Tübingen 32,82 

2) Freiburg 29,16 



3) Giessen 18,51 

4) München 15,87 

5) Münster 12,90 

6) Bonn 5,88 
7)Würzburg3,12 

8) Prag 1,59 

9) Breslau 0,83 

10) Grätz 0,0 

11) Olmütz 0,0 



Digitized by VjOOQIC 



lUiiieiifoIg« 4» F\R«Utitea Mch ihrer Proqnei» Im Winlar id^/u« 



143 



a. 



•tHeoiosiselie FacultAten. 



kUAiuatummtxtU. 


153 Greifswald 24 


113 Rostock 4 


53 Rostock 25,0 


i) HaUe 330 


163 Bern 23 


12) Zürich 3 


. 6) Tübingen 20,93 


23 Berlin 191 


173 Rostock 16 


13) Breslau 2 


73 Jena 20,51 


3) Leipzig 161 




14) Marburg 1 


83 Erlangen 17,15 


i) Erlangen 169 


B. Niieh 4«a AosUndtn. 


15) Königsberg 


9) Halle 16,06 


5) Tübingen 129 


13 Halle 53 


163 Greifswald 


103 Giessen 10,14 


63 Göttingen 119 


23 Berlin 51 


173 Bern 


113 Zürich 10,0 


7) Jena 78 


33 Leipzig 51 




123 Heidelb. 8,0 


8) Marburg ; 72 


43 Erlangen 39 


C. Prozent« dwAnliadw 


133 Breslau 3,5 


9) Giessen 69 


53 Göttingen 30 im Vcrhiltnlss za den la- 


143 Marburg 1,38 


10) Bonn 58 


6) Tübingen 27 ««■deni! 1 153 Königsb. 0,0 


11] Breslau 57 


7) Bonn 21 1 3 Bonn 36,20 I63 Greifsw. 0,0 


12) Heidelberg 50 


83 Jena 16! 23 Leipzig 27,62 173 Bern 0,0 


13) Königsberg 45 1 93 Giessen 7 i 3) Berlin 26,70 




143 Zarich 30 1 103 Heidelberg 4 43 Göttingen 25,21 i 


m. Jurtstlsche Faeultftten. 


A.J(.eh4«Ges.mmt«üil. 19) Bern 73 133 Rostock 5 


53 Berlin 20,79 


1) München' 848 20) Marburg 66; 143 Zürich 5 

2) Prag 766 I 21) Rostock 50 , 153 Marburg 3 


63 Zürich 19,20 


73 Bonn 12,98 


3) Berlin 654 22) Greifswald 42 , 16) Erlangen 2 


83Tübingenll,46 


4) Leipzig 428 


23) Zürich 26 173 Freiburg 1 


9) Halle 10,34 


5) Heidelb. 355 


_„...,.. 183 Grätz 1 


103 Giessen 10,20 


6) Grätz 322 


B.ir..hdeBA«UüU«rn. jg^ ßreifswald 1 


113 Rostock 10,0 


7) Bonn 308 


1) Heidelb. 283 20) Königsborg 1 


123 München 8,49 


8) Breslau 272 


2) Göttingen 138 21) Prag 1 


133 Würzburg 5,5 


9) Göttingen 258 


3) Berlin 136 223 Bern 


143 Marburg 4,54 


10) Tübingen 253 


4) Leipzig 104 233 Olmütz 


15) Breslau 2,57 


11) Würzburg200 


5) München 72 


16) Greifswald2,38 


12) Erlangen 148 


6) Bonn 40 C PmenUderAnsWiider 


173 Erlangen 1,35 


13) Giessen 147 


7) Tübingen 29 '" Verhältnlss z« den In- 


183 Freiburg 1,31 


14) Halle 145 


8) Jena 23 '*""•"• 

9) Giessen 15 ' 13 Heidelb. 79,71 


193 Königsb. 0,76 


15) Olmütz 145 


203 Grätz 0,31 


16) Königsb. 131 


103 Halle 15 23 Göttingen 53,48 
11) Würzburg 11 33 Jena 26,43 


213 Prag 0,13 


17) Jena 87 


22) Bern 0,0 


18) Freiburg 76 


12) Breslau 7 43 Leipzig 24,29 


233 Olmütz 0,0 


IV. Medlcl^Mli« FacaltiUen. 


1 Hach derGestauntzthl. 


12) Zürich 96 


B. N«eh den Anslindern. 1 12) Jena 16 


1) Prag 361 


13) Heidelberg 88 


1) Würzburg 152 13) Bonn 15 


23 München 272 


14) Breslau 86 


2) Leipzig 78 


14) Halle 11 


33 Würzburg 271 


15) Bern 81 


3) Göttingen 76 


15) Bern 9 


4) Berlin 232 


16) Halle 72 


4) Berlin 72 


16) Freiburg 9 


53 Leipzig 226 


17) Greifswald 71 


5) München 54 


17) Breslau 5 


63 GötUngen 190 


18) Marburg 64 


6) Heidelberg 48 


18) Erlangen 4 


73 Grätz 169 


19) Freibarg 64 


7) Giessen 40 


19) Rostock 4 


83 Giessen 132 


20) Jena 61 


8) Zürich 22 


20) Königsberg 2 


») Bonn 127 


21) Königsberg 59 


9) Tübingen 19 ,21) Greifswald 2 


103 Tübingen 120 


22) Erlangen 51 


10) Marburg 17 122) Olmütz 2 


113. Olmütz 112 


23) Rostock 25 


11) Prag 16|23) Grätz 






Die 


3itizedby Google 



144 Reihenfolge der Universitfiten und Facnitilten nadi ihrer Freqaens im Winter iQ^/^f. 



C. Prozente der AuslSnder 
im Verhältniss zo den In- 
ländern 

l)Würzburg56,08 
2)Heidelb. 54,54 

3) Götlingen 40,0 

4) Leipzig 34,51 



A. liaeh der Gesammtzahl. 

1) München 449 

2) Berlin 354 

3) Prag 332 

4) Bonn 214 
53 Tübingen 172 
6) Breslau 168 
73 Göllingen 148 
83 Münster 137 
93 Jena 132 

103 Würzburg 105 
il) Königsb. 97 
12) Leipzig 65 
133 Marburg 61 
14) Greifswald 52 
153 Freiburg 51 
16) Halle 50 

173 Zürich 43 
183 Giessen 38 
193 Heidelberg 36 



53 Berlin 31,03 
63 Giessen 30,30 
73 Marburg 26,56 
83 Jena 26,22 
93 Zürich 22,91 
103 München 19,85 
113 Rostock 16,0 



12)Tübingenl5,83 

13) Halle 15,27 

14) Freiburg 14,06 

15) Bonn 11,81 

16) Bern 11,11 

17) Erlangen 7,84 

18) Breslau 5,81 



V. PHIloiiopltlselte Facultftien. 



203 Bern 
213 Grätz 
223 Erlangen 
23) Olinütz 
243 Rostock 



24 
20 
19 
12 
12 



B. Nach den Anslilndem. 

92 
77 
67 
51 
33 
26 
23 
21 



13 Berlin 

23 Jena 

33 Göttingen 

43 Bonn 

5) Leipzig 

63 München 

73 Münster 

83 Freiburg 

93 Heidelberg 14 
103 Marburg 12 
113 Tübingen 12 
12) Zürich 9 

133 Greifs wald 7 



1 143 Breslau 6 

j 153 Prag 6 

I 163 Halle 5 

173 Giessen 4 

I83 Königsberg 2 

193 Rostock 2 

203 Bern 1 

213 Erlangen 1 

223 Würzburg 1 

233 Grätz 

243 Olmütz 

G. Prozente der Aosl&nder 
im Verhaitniss zo den In- 
ländern. 

l)Jena 58,33 

2) Leipzig 50,76 
33 Göttingen 45,27 
4) Freiburg 41,17 
53Heidelb. 38,88 



193 Prag 
203 Königsb. 
21)Greifsw. 
223 Olmüte 
233 Grätz 



4,43 
3,38 
2,81 
1,75 
0,0 



6) Berlin 25,98 

73 Bonn 21,02 

8) Zürich 20 93 

93 Marburg 19,67 

103 Münster 16,78 

11) Rostock 16,66 

12)Greifsw. 13,46 

13) Giessen 10,62 

14) Halle 10,0 

15) Tübingen 6,79 

16) München 5,79 

17) Erlangen 5,26 

18) Bern 4,16 
193 Breslau 3,57 
203 Königsb. 2,06 
21) Prag 1,80 
22)Würzburg0,95 

23) Grätz 0,0 

24) Olmütz 0,0 



X. 

Resultate von ¥IL — IL 

Auf 25 Universitäten studiren im Ganzen: 

13 Immatriculirte und Nichtimmatriculirte 16123 

23 Immaticulirte 14364 

33 Nichtimmatriculirte 1759 

Auf diesen 25 Universitäten lehren 

13 ordentliche Professoren 781 

23 ausserordentliche Professoren 315 

33 Honorarprofessoren , 36 

43 Privatdocenten 349 

Gesammtzahl 1481 

Die Hittelzahl der immatriculirten Studirenden an einer Universität ist 575. 
Diese Mittelzahl überschreiten 10 Universitäten ? während 15 Universitäten 
unter ihr sich halten. Zu jenen 10 grössern Universitäten gehören München, 
Berlin, Prag, Bonn, Leipzig, Breslau, Tübingen, Göttingen, Würzburg, Halle. 



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PenoiiiUNotitei. 14ß 

Was die einzelnen FacuIMten betrifft, so studiren 

1) auf 11 Universitäten katholische Theologie 1802 

Die Mittelzahl ist daher 164, welche 6 Universitäten über- 
schreiten: München, Breslau, Bonn, Prag, Münster, Freiburg. 

2) auf 17 Universitäten protestantische Theologie 1641 

Mittelzahl 97, welche 6 Universitäten überschreiten: Halle, Berlin, 
Leipzig, Erlangen, Tübingen, Göttingen. 

3) auf 23 Universitäten Rechts- und Cameralwissenschaft 5800 

Mittelzahl 252, welche 10 Universitäten überschreiten : Hünchen, 
Prag, Berlin, Leipzig, Heidelberg, Grätz, Bonn, Breslau, Göt- 
tingen, Tübingen. 

4) auf 23 Universitäten Medicin dcc 3030 

Mittelzahl 132, welche 8 Universitäten überschreiten: Prag, Mün- 
chen, Wurzburg, Berlin, Leipzig, Göttingen, Grätz, Giessen. 

5) auf 24 Universitäten Philosophie 4cc 2791 

Mittelzahl 116, welche 9 Universitäten überschreiten: München, 
Berlin, Prag, Bonn, Tübingen, Breslau, Göttingen, Münster, Jena. 

Die Redaction bedauert sehr, von Wien und Innsbruck aus nicht in 
den Stand gesetzt worden zu sein, diese Universitäten mit in die Berechnung 
aufzunehmen. Es fehlt dadurch die Grundlage für feinere statistische Berech- 
nungen. Sie stellt nunmehr die Bitte an alle Universitäten in Deutschland 
und der Schweiz, für das Sommersemester 1851 sie mit den erforderlichen 
Notizen bis zum Ende des Juli zu versehen und die vom Jahr 1850 her 
fehlenden Notizen nachzutragen. 



XL 

Personal-Notizen. 

An der Rechtsakademie zu Agram wurde der Supplent Dr. E. Suhay 
zum ord. Professor der Rechtsphilosophie und des österr. Staatsrechts, der 
provisorische Direclor Dr. P. Muhic zum ord. Professor der politischen 
Wissenschaften und der österr. Finanzgesetzkunde, Dr. M. Smodek zum ord. 
Professor der Statistik, des Bergrechts und der österr. Verwaltungsgesetz- 
kunde, Dr. A. Molnar zum ord. Professor des bisher geltenden Landrechts 
und des Handels- und Wechselrechts ernannt. — Nach ÖÄ^e/ ist an die Stelle 
des weggegangenen Prof. Schenkel Pfarrer J. Riggenbach aus Bennwyl 
als Professor der Theologie berufen worden. — Nach Berlin ist an Neanders 
Stelle Consistorialrath Prof. Dr. Lehner dt in Königsberg berufen worden. — 
In Göttitigen wurde Dr. Griepenkerl zum ausserord. Professor in der 
philosophischen Facultät ernannt. — In Grätz wurde der bisherige Pro- 
fessor an der chirurgisch- medicinischen Lehranstalt Dr. Fr. Hruschauer 
zum ord. Professor der Chemie an der Universität ernannt; ebendahin wurde 
der bisherige ord. Professor der deutschen Sprache und Literatur in Krakau 
Dr. K. Wein hold in gleicher Eigenschaft versetzt. — An der Recbts- 
akaderaie zu Grosstüardeiii wurde der Prof. Dr. L. Hovanyi zum ord. 



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14S PeraoMd-HollMn. 

Professor des ungar. Privirtrecbts, des Handels^ und WediselredKs und des 
gerichtlichen Verfohrens, Prof. V. Tnrcsanyi aum ord. Professor der Sta- 
tistik, des Berg- und des österr. Staatsrechts und der österr. Yerwaltungs- 
gesetzgebung, Dr. J. Kudelka zum ord. Professor der Rechtsphilosophie 
und des österr. Strafrechts und Strafverfahrens, endlich der bisherige Sup- 
plent des österr. Civilrechts an der Universität in Peslh, I. P. Nemety zum 
ord. Professor desselben Lehrfachs ernannt. — In Heidelberg wurde der 
hisherige Professor der Theologie in Basel Dr. Schenkel an Rolhe's Stelle 
zum ord. Professor der Theologie ernannt. -7- An der Universität Krakau 
wurde der bisherige ausserord. Professor der Augenheilkunde und galizische 
Landesaugenarzt Dr. A. Slawikowski zum ord. Professor der Augenheil- 
kunde ernannt. — In München wurde der bisherige Adjunct an der zoo- 
logischen Sammlung des Staats Dr. L R. Roth unter Belassung seiner der- 
maligen Stelle zum ausserord. Professor an der philosophischen Facultät 
ernannt, und die bei dem Medicinalcomite an der Universität erledigte Stelle 
eines dritten Supplenten dem Prosector und Privatdocenten Dr. Karl Thier&ch 
übertragen. — In Prag wurde dem Professor der Staatsarzneikunde Dr. M. 
Popel und dem Professor - Senior der philosophischen Facultät Dr. L Ph. 
Kulik der Titel eines k. k. Raths, ferner der an der Universität erledigte 
Lehrstuhl des Bibelstudiums des A. B. und der orientalischen Dialekte dem 
Priester des Kreuzherrnordens mit dem rothen Stern Dr. Ed. Petr verliehen. 

In Berlin erhielt der ord. Professor, geh. Bergrath Dr. Weiss den 
rothen Adlerorden 2. Gl. mit Bidienlaub, in München Prof. Dr. Sehaafhäutl 
den Verdienstorden vom hl. Michael. 

Es starben in Berlin am 18. Febr. der Akademiker Prof. Dr. C. G. J. 
Jaco.bi,, am 13. März der ord. Professor der Philologie und Akademiker 
Dr. Karl Lachmann, der ausserord. Professor der Gescnichte Dr. P. F. 
Stuhr; in Giessen am 6. März der ord. Professor des röm. Rechts, Geh. 
Rath Dr. Egid Val. Fei. Job. Ferd. Nep. v. Löhr; in Göttingen am 15. Febr. 
der ausserord. Professor der Astronomie Dr. Goldschmidt; in Je;ia am 
14. März der ord. Profpssor der Beredtsamkeit, Geh. Hofrath Dr. Ferd. 
Hand; in Ktrpenhagen' wn 9. März der Professor der Naturwissenschaften 
an der Universität und Director der polytechnischen Schule Hans Christoph 
Oersted, am 13. März der Archäologe Oberstlieutenant So.mmer; in 
JLübeck am 6. Febr. der Präsident des Oberappellationsgerichts der vier 
freien Städte Deutschlands, Dr. Arnold Heise; in München am 16. Febr. 
der ord. Professor der Medicin, Leibarzt, Geh. Rath v. Breslau; in 
Tübingen am 3. März der ord. Professor des Criminalrechts Dr. C. F. 
Tbeod. Hepp. 



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UniversitiUs - Anzeiger. 



Im Universiiäts-Anzeiger werden Anzeigen aller Art, welche die Universitäten betreffen, 
insbesondere alle amtlichen Erlasse, Verkftndigungen , Vorlesungsverzeichnisse elc. als 
Inserate (die durchlaufende Zeile IVa Ngr.) aufgenommen, ohne dass dadurch der Inhalt 
des Monatsheftes verkürzt werden darf. DieVerlagshandInng. 



Ilniv6rsit&t Olmftti. 

Vorlesungen an der Universität Ol mutz im Wintersemester 18*76i- 

'HteoloffMte FaeuUtU. Theologisehe Encgfilopfidie: o, Prof. Dr. Kits er. Katbolisebe 
Derselbe. Kirchengescbichte: o. P^of. Dr. Horny. Patrologie: Der»el*be. 
IlebrSische Spr. S. Pr. HaneU Bibliaehe Archäologie: Derselbe. Jesuas: Derselbe. 
Hermenenlik: o. Prof. Dr. Wies er. Einl. 1. d. neue Test.: Derselbe. Evang. Mi.: Der- 
selbe. Briefe des h. Pauhis: Derselbe. Katholische Moral: o. Prof. Dr. Ku4sekkei^ 
HoimletOL: o. Prof. Dr. Maly. Methodik: Partsch. 

/ifrid&oAe Ftfeuftd». EecyklopSdie der Rechts- u. Sloalswiss.: o. Prof. Dr. Weiss. Ver- 
mraflrecfal: Derselbe. Politik: o. Prof. Dr. Koppel. Statistik: Derselbe. Oeslerr. bOrg. 
Gesetcbndt: o. Prof. Dr. Miebel. Bergrecht: Derselbe. Gerichtl. Verftihren: e. Prof. 0r. 
Horak. €ameralislik : Derselbe» Lehnreeht: Derselbe. Römisches Rechl: o. Prof, Dr. 
Schweb. Jiir. pol. Arithmetik: Doc. Prof. Dr. Moznik. 

Pkilosophitcke FaeuUtU. Mechanik o. Dynamik: o. Prof. Dr. Franz. Phys. Astronomie: 
Derselbe. Aristophsnes Wolken: ö. Prof. Ür. Kopecky. Theorie der Kunst: Derselbe. 
Griechische Syntax: Derselbe« Erziehungskunde: Derselbe. Differenzialrechnung: o. Prof. 
Dr. Moznik. Höh. Gleichungen: Derselbe. Mineralogie: o. Prof. Dr. Schmidt Zoologie: 
Derselbe. Phys. Geographie: Derselbe. Weltgeschichte: o. Prof. Dr. Fick. Athenische 
AlterthQmer: o. Prof. Dr. Kergel. Sallusts Catilins: Derselbe. Philosoph. Uebungen am 
Isokrates: Derselbe. Lat Stilflbnngen: Derselbe. Griechische Grammatik: . Derselbe. 
Ethik: o. Prof. Dr: R. Zimmermann. Aesthetik: Derselbe. Dispntatorium : Derselbe. 
Uerbarte Metaphysik: Derselbe. Technische Chemie: Privatdoc Prof. Ehr mann. Astrau 
noraie Privatdoc. Domherr v. Unckhrechtsberg. EngliMhe Grammatik: Lehrer Scholz 
Franz. Gramm.: Derselbe. 



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148 



üniyersit&t Tfibingen. 

Verzeichniss der Vorlesungen, welche an der Königl. Würllembergischen 
Universität Tübingen im Sommersemester 1851 gehalten werden. 

/. Evangelitck^theologUche FaeuUät, y. Baur: Christi. Dogmengesch. 2. Tbl.; Einleitong 
in die Schriften de3 N. T. — v. Schmid: Christi. Ethik 1. Tbl; die Lehre Jesu nach den 4 
Evangelien; oder auf Verlangen: die Hauptthatsachen des Lebens Jesu nach den 4 Evangel.; 
Leitung der homiletischen und katechetischen Obungen in der evangelischen Prediger-Anstalt. — 
Beck: Christi. Glaubenslehre 1. Tbl.; die Lehre von der Versöhnung und von den Sacra- 
menten für den praktischen Gebrauch; Erklärung der beiden Briefe an den Timotheus. — 
Landerer: Letzter Theil der christl. Glaubenslehre; zweiter Theil der synoptischen Erklärung 
der 3 ersten Evangelien; comparative Darstellung des lutherischen und reformirten Lehrbe- 
griffs mit einer Obersicht über die Symbolik überhaupt. — 11 off mann: System der prak- 
tischen Theologie; cursorische Erklärung der paulinischen Briefe, auf Verlangen. — Palmer: 
Pädagogik und Volksschulkunde, öffentl. — Köstlin: Leben und Lehre Jesu (nebst Einleitung 
n die Evangelien); Erklärung der Briefe an die. Colosser, Epheser und Philippor. — Dill- 
mann: Einleitung in die Schriften des A. T.; alttestamentliche Interpretationsübungen, auf 
Verlangen. — Wagen mann: Examinatorium über Kirchen- und Dojgmengeschichte, auf Ver- 
langen. — Auberlen: Examinatorium über Dogmatik und biblische Theologie. — Köstlin: 
Geschichtl. Darstellung der Verfassung und des Cultus der verschiedenen protest. Kirchen. 

//. KathoUsck-iheohgische FacuUdt. v. Kuhn: Zweite Hälfte der Dogmatik; ErkUrung 
der Johanneischen Briefe. — Hefele: Christi. Kirchengeschichte 2 Tbl.; Christi. Archäologie. — 
Weite, Einleitung in's -A. T.; Erklärung des Jesaja; Arabische oder Armenische Sprache. — 
Zukrigl: Encyklopädie der theologischen Wissenschaften ; Psychologie; Geschichte der Philo- 
sophie. — Aberle: Zweite Hälfte der Moraltheologie; neutestamentliche Hermeneutik; Er- 
klämng der Briefe an die Thessalonicher oder des Epheserbriefs. — Stemmer: Fortaetsnng 
der Pädagogik und Didaktik. — Kober: Erklärung des Galaterbriefs. 

IIL JurüHiche FaeuUät. Wächter: Römisch-deutsches Familien- und Erbrecht; römi- 
sches Pfand- und Concursrecht. öffentl. ^ v. Schrader: Institutionen des römischen Rechts; 
exegetische Vorlesung über römisches Recht. — Michaelis: Gemeiner deutscher und wärt- 
tembergischer Civilprosess; deutsches Handels-, Wechsel- und Gewerberecht; Encyklopädie 
des Württemberg. Civil- und Criminalprozesses; civilprozessualisches Prakiicuin und Relatorium, 
muf Verlangen. — Hepp: Gemeines deutsches und württembergisches. Strafrecht und Polizei- 
strafrecht, 1 Tbl. — Reyscher: Deutsches Privatrecht; Württembergisches Privatrecht. — 
Mayer: Pandekten mit Ausschluss des Familien- und Erbrechts; Innere Geschichte des 
römischen Rechts. — Warnkönig: Juristische Encyklopädie und Methodologie; Kirchenrecbt; 
Pandekten-Prakticum. — Köstlin: Rechts- und Staatsphilosophie; deutscher und württem- 
bergischer Strafprozess ; Criminal-Prakticum, auf Verlangen. — Göhrum: Deutsches- und 
württembergisches Staatsrecht. — Pfeiffer: Institutionen des römischen Rechts; Encyklopädie 
und Methodologie des Rechts. — Ziegler: Deutsches- und württembergisches Strafrecht; 
über die Strafrechts -Theorien, dann die Eigenthums- Verbrechen. 

IV, Medicmuche FacuUät, Gmelin: Organische Chemie; praktisch-chemische Übungen. 
— T. Rapp: Zoologie; zoologisch-anatomische Übungen. — Anten rieth: Poliklinik; über 
Zurechnungsfähigkeit. — v. Mohl: Allgemeine Botanik; ökonomische Botanik. — Bruns: 
Chirurgische Klinik; Fracturen und Luxationen; Operationscurs am Leichnam. — Arnold: 
Anatomie des Menschen 2. Tbl.; Physiologie des Menschen; praktische Übungen in der phy- 
siologischen Anstalt gemoinschafllich mit Prof. D. Luschka. — Breit: Geburtshülfliche Klinik; 
Cursus der geburtshülflichen Operationen. — G. Rapp: Medicinische Klinik; specielle Patho- 
logie und Therapie. — Sigwart: Allgemeine Chemie; pharmaceutische Chemie; medicinische 



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149 

Bottiiilb — 8elilot«btrger9 Otfvsiseha^ Obend«; tMlylMier Careui im U(MHiitDriiiin;> 
biodwirtiMeliaftlioke uad MchBiMfa« dMmie, Mif Variaagen. — Vierordt: Exp^rimeDlatphy- 
«•logie; allgMiem Thtrapla «nd HaifmittelMire. — Lvscbka: Patkologtsebe Amlonie; 
iilikroairopiteli« AmitomI«. -^ Frank: Auf Verknigen Cnrmis über gebartebftliicb« Operalionen 
am Phantom. * Seita: Allgemeine Cbirnrgie; Aagenheilkunde. •— Scbmid: Ueber Haut-» 
krankheiten. — VoeUcb: Auf Verlange», Pferdekenntniaa. 

F. FhüosophuchB FacuUdt, Haug: Universalgeschichte 2. Thl.; Geschichte der ersten 
französischen Revolution nnd Napoleons. — v. Nörrenberg: Experimentalphysik. — Walz: 
Antigene des Sophokles; Erklfirung der Bficher Qber die Geschichte der Kunst in Plinius 
Naturgeschichte; Geschichte der alten Kunst; im philologischen Seminar Homers Ilias und 
griechische Stilflbungen. — Fichte: Metaphysik; kritische Geschichte der neuern Philosophie; 
philosophisches Conversatorium, dffentl. — Qnenstedt: Geognosie; Petrefakten künde; minera- 
logische Übangen, — VIscher: Ueber Shakspeares Tragödien; Geschichte der Malerei $ 
Leitung deutscher Redeübungen. — Keller: Deutsche Literaturgeschichte seit dem 13. Jahr- 
bandert (nach W. Wackernagel); Ueber Offoids Evangelienbuch; Don Quixote. — P esc hier: 
Französische Literaturgeschichte seit dem 17* Jahrhundert; französische Grammatik; Leitung 
französischer Rede&bungen; Englische Sprache und Literatur. — Hohl: Höhere Analysis; 
analyliaebe Geometrie und Stereometrie; reine Stereometrie; praktisch -geometrische Excursi^ 
onen. — Reiff: Geschickte der PhHosOphie von Gai-tesius bis auf die neneste Zeit; kritische 
Geschickte der Religionspbiloaophie TdH Kant an. -> Meier: Alttestamentl. Theologie ; prakti- 
sche Obüttgen im Erklären ausgewfihHer Stficke de^ alten Testaments; Arabisch. » Roth: 
Aflgemeine Gesehicbtc der Religionen; Anfangsgrönde des Persischen; Fortsetzung der Er- 
kISrong dea Zendawesta nnd Weda; Goiamas LebrsMze der Njaja Philosophie; Zweiter Cunua 
des Sanskrit. — Schwegler: Geschichte der griechischen Philosophie; Kunstmyfhelogle; 
hteiniacbe StiHkbungen; im philologischen Sehoinnr: Taeitas Annalen und Fortsetzung der rö* 
misdien l^rivataMertbaMer. — Ten ff eh Bniripidea Hippolytos und Elektra; Horaa Satyren und 
Briefe. — M. Rtfpp: Vergleiehende Grammatik; Shakspearea Macbeth. — Ofterdinger: 
AHgeraetne Natnrlekre; Anfangsgrftnde der gesammten Mathematik. »Holland: Erkifirang 
des Sobwabenspiegek; Erkifimng von Göthe's westöstlichem Dlvan; ausgewähUe Novellen des 
Booeacoio; (lesehiehte der Poesie der Trobadore. — Fahr: Utaiversalg&schichle, zweite Hfilfle; 
Gesehiekte der englisoben, französischen und spaniaoken Revolution und der Volkssonverfinitfit. 
-— Leib Rita: BOrgerlicbe Baukunst i» ihrer praftilsohen Bedeutung; Leitung der Übungen 
des Sei^bnungsinatitttta; Zeichnen; Male«. — , Seyffer: Experimentalphysik; EneyklopMie 
der KaterwisBenschafl^n. 

VI. SttkOswirthkchaftKche FacuUät. v. Tolz: Allgemeine Maschinenlehre mit Maschinen- 
bau; specielle Technologie mit Demonstrationen und Excursionen. — Schüz: Theorie der ITa- 
tional-Oekonomie ; Geschichte und Politik der deutschen Volkswirthschaft. -- Fallati: Poli- 
tische Geschichte der eoropfiischen Staaten von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis 
nach der Mitte des 18.; Statistik von England. — Hoffmanu: Württenibergisches Finanz- 
recht, 2. Uli. (Steuer- und Rechnungswesen); Wtirttembergisches Genieinderecht. — Göriz: 
Die der Land- und Forstwirthschaft gemeinschaftl. Lehren mit Demonstrationen; EncyklopSdie 
der ForstwirtbschafE. — Helfe rieh: Encyklopfidie der Staatswissenschaften ; Polizeiwissen- 
schaft mit Einschluss der Volkswirthiichaltspflege. 

IsSbe^^Übumffßn, Y. Falkenatein: Reiten. — Siloher: Harmonielehre und Tonsata; 
Leitung der Vocal- und Instrumental-Musik. — Leibnitz: Leitung der Obungen des Zeich- 
noBgs-Instituts; Zeichnen; Malen. -— Kastropp; Leitung der öffentlichen Fecbtöbungen ; 
Fechten. — Beck: Tanzen. — Wftat: Turnen. 

Uf^loetätätB^lmMe. BHiMothek; evAegeÜscbe Prediger -Anstalt; miateroisehea Theater; 
Bolaitisober Gerten ; nteoa chemiaehes Laboratoriem; altes chenkiscbes Laboratorium; Cabinet 
ehiniirgtaober iMtnttMMe; aiediomiMie Klinik; PoUklinik; cUirrnngisohe KUmk$ ^burtobaifikshe 
Akaden. Monatuchrift. Man 1851. 19 



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150 

Klinik; zoologische SammluDgeD ; miBeraloginche und geognostiBche Sammla^gea; Münz- und 
Antiquilfiten-fCabinet; Sternwarte und physikalisch -aslronomisches Cal»Bet; Laboratorium für 
Agricultur und technische Chemie; technologische Modellsammlung; land- und forstwirth- 
schaftltche Sammlung; philologisches Lehrerseminar; Zeichnungsinstitut; Kölle'sche GomSldo- 
Sammlung; Reitbahn; Fechtboden; gymnastische Anstalt. 

Der Anfang der Vorlesungen ist auf den 23. April festgesetzt. 
Tübingen, d. 26. Febr. 1851. 

K. Rectoramt der IJiilversItJIt. 



Universität Jena. 

Yerzeichniss der auf der Universität zu Jena für das Sommersemester 1851 

angekündigten Vorlesungen. 

(Der Anfang ist auf den 28. April angesetzt.) 

/. Allgemeine Wissenschaften, Hodegetik öffentlich Prof. Scheidler. 

IL Theologie» Encyklopadie und Methodologie der Theologie Prof. Grimm. Geschichte 
der kanonischen und apokryphischen Bücher des A« T. (sogenannte Einleitung in das A. T) 
nebst d. Grundzügen der alttestament. Kritik u. Hermeneutik GKR. Hoff mann. Die Psalmen 
erklärt Prof. Stickel; den Jesaia GKR, Hoffmann; das Buch Esther Prof. Stickel; 
die Evangelien des Matthäus, Marcus und Lucas Prof. Grimm und Prof. Otto; das Evan- 
gelium und die Briefe des Johannes Prof. Lange; die Briefe Pauli an die Römer und Galater 
Prof. Rückert; die zweite Hälfte der paulinischen Briefe mit genauerer Exegese des Römer- 
briefs Prof. Hilgenfeld. Biblische Theologie trSgt vor Prof. Rückert; den paulinischen 
Lehrbegriff öffentlich Prof. Hilgenfeld; den ersten Theil der Kirchengeschichte GKR. Hase; 
den zweiten Theil derselben Lic. Vogel; die Kirchengeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts 
unentgeltlich Derselbe; allgemeine christliche Symbolik Prof. Otto; über Staat und Kirche 
handelt öffentlich Prof. Rückert; Kathechetik und Pastoraltheologie lehrt GKR. Schwarz; 
ausgewählte Abschnitte des N. T. erklärt praktisch Derselbe; die Übungen des theologi- 
schen Seminars leiten GKR. Hoff mann, GKR. Hase und Prof. Rflokert; den akademischen 
Gottesdienst und die mit demselben verbundenen Übungen des homiletischen und katecheti- 
achen Seminars GKR. Schwarz; die Übungen einer theoloflfischen Gesellschaft Prof. Otto; 
einer exegetischen Gesellschaft in Auslegung des N. T. Prof. Hilgenfeld; ein Examinaterium 
über Kirchen- und Dogmengeschichte Prof. Otto; ein Examinatorium über Dogmatik und 
Dogmengeschichte Prof. Grimm; theologische Examinatorien Prof. Lange. 

///. Jurisprudenz. Encyklopadie und Methodologie des Rechts lehren Prof. Schulze 
und Prof. Girtanner; Institutionen des römischen Rechts HR. Fein; des Gajus Institutionen 
erklärt Prof. Chambon; Pandekten lehren Prof. Girtanner und Prof. Chambon; römi- 
sches Erbrecht HR. Fein; Geschichte des römischen Rechts OAR. Welch, OAR. Danz und 
OAR. Heimbacli; Literargescbichte des röm. Rechts im Mittelalter öffentlich OAR. Walch; 
deutsches Staatsrecht Prof. Schulze; deutsches Privatrecht GJR. Mich eisen; Geschichte 
des deutschen Staats- und Privatrechts Prof. v. Hahn; Kirchenrecht Derselbe; über Ein- 
fluss und Bedeutung des römischen und deutschen Rechts in der neuesten Gesetzgebung 
öffentlich Derselbe; Lehurecht GJR. M icheisen; Criminairccht OAR. Schüler; Völker- 
recht öffentlich GJR. Mich eisen; deutschen Civilprozess GJR. Guy et; Criminalprozess OAR. 
Luden und Prof. Schnauber t; über öffentliches Gerichtsverfahren und Schwurgerichte GR. 
S c h m i d ; Referirkunst GJR. G u y e t; Prozessprakticum Derselbe und Prof. Schnaubert; 
Pandektenprakticum Prof. Schnaubert; ein Pandektenexaminatorium leitet Prof. Girtanner. 

IV. Medidn. Encyklopadie und Methodologie der Medidn Prof. Seh Oman und Dr. 
Förster; Pb^fsiologie des menschlichen Körpers in Verbindung mit Anatomie nad Pfaysicilogie 



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151 

des NerveMyftem GHR. Hatohke; Phytiologfe des meiitchlicbeii KArpen Prof. Domrich; 
pbyslologisehe Histologie Derselbe; tllgemeine pathologische Anatomie Vr, Förster; Ana- 
tomie der Nerven Prof. Domrich^ Pharmakologie Prof. Scböman; medichiischo nnd 
pharmaceutische Botanik Prof. S c h I e i d e n ; spedelle Pathologie und Therapie Prof. S i e b e rl; 
Pathologie und Therapie der aonten Exaothome MR. Succow; Pathologie und Tfaerapie der 
psychischen Krankheiten GHR. Kieser; praktische Chirurgie (Akologie, Akinrgie, Desniolo- 
gie) Prof. Ried; dieselbe in Verbindung mit einem Cursus von Operationen an Cadavem 
nebst Anweisung zum Verband Prof. Seh Oman; Cursus von chirurgischen Operationen an 
Cadavern und Übungen im Verband Prof. Ried; Theorie der GeburtshQlfo Prof. Martin; 
zu einem Cursus geburtsb&lflicber Operationen erbietet sich Derselbe; Receptirkuust öffent- 
lich Prof. Schöman. 

Die medicin. Klinik leitet Prof. Siebert; die chirurgische Klhiik Prof. Ried; die gebnrts- 
b&lfliche Klinik Prof. Martin; die Irrenklinik GHR. Kiese r. fm physiologischen Institut leitet 
die physiologischen Übungen Prof. Domrich^ die palhologisch-anatoroischen Dr. Förster; 
die chemischen Prof. Schmidt 

Gerichtliche Tbierarzneikunde lehrt Prof. Falke; allgemeine Anatomie und Physiologie 
der Hanssfiugethiere, Hippologie, Veterinfirchirurgie im landwirthschafllichen Institut Derselbe. 

V. Philosophie, Psychologie und Logik lehren GHR. Bachroann, GHR. Reinbold, 
Prof. Apelt, Prof. Fortlage; Psychologie Prof. Scheidler; Metaphysik und Religious- 
pbilosophie GHR. Bachmann; christliche Religionsphilosophie GHR. Reinhold; Religions- 
philosophie Dr. Rössler; Naturrecbt und Politik GHR. Bach mann; philosophische Staats- 
und Reclitslehre Prof. Scheidler; Aesthetik als EncyklopSdie der Kunstwissenschaft Prof. 
Bettler; Darstellung der philosophischen Systeme seit Kant Prof. Fortlage; zu philo- 
sophischen Conversatorien erbieten sich GHR. Reinhold und Prof. Apelt. 

Allgemeine und besondere Pfidagogik Prof. Stoy; Volks- und StaatspSdagogik Prof. 
Scheid 1er; über einige Unterrichtszweige des Volksunterrichts privatissime, aber unentgelt- 
lich Prof. Stoy; die Übungen des pSdagogischen Seminars leitet Derselbe. 

F/. MaihemaUk. Elementarmathematik Prof. Schrön und Dr. Schfiffer; analytische 
GeeoBetrie Dr. Seh äff er; praktische Geometrie Dr. Schrön; die Anwendung des Infmite- 
simalcalcflls auf Geometrie u. Mechanik Prof. Snell; den theoretischen Theil der praktischen 
Astronomie Prof. Schrön; popnlSre Astronomie Prof. Schrön und Prof. Apelt; mathema- 
tische Übungen leitet privatissime, aber unentgeltlich Dr. Seh äff er. 

Im pharm aceutischen Institut lehrt Stöchiometrie und die auf Pharmacia bezäglichen 
Theile der mathematischen Physik Prof. Schrön; auch leitet Derselbe arithmetische und 
stöchiometriscfae Übungen; im iandwirthschaftlichen Institut lehrt das Nivelliren 
Derselbe. 

^VIL Nahmtfiis&Mchaftm, rfaturgescbicbte und vergleichende Anatomie der Wirbelthiere 
Prof. Schmidt; zoologische und zootomische Übungen leitet privatissime, aber unentgeltlich 
Derselbe; Botanik lehrt Prof. Schieiden; (Vgl. auch unter Medicin.) botanische Excur- 
sionen und Übungen leitet Derselbe; im Iandwirthschaftlichen Institut lehrt land- 
wirtbschaftltehe Botanik und Pflanzenphysiologie Prof. Langethal; botanische Excursionen 
leitet Derselbe. — Allgemeine Mineralogie und Geognosie lehren Prof. Succow und BR. 
Sch&ler, erster in Verbindung mit Excursionen; die Mineralogie und Geognosie in ihrer 
Anwendung auf Chemie und Technologie BR. Schfi ler ; technidche Mineralogie Prof. Succow; 
praktisch -mineralogische Übungen leitet BR. Schüler; die auf Mineralogie und Metallurgie 
bezüglichen Übungen Prof. Succow; die Übungen seines geologischen Seminars BR. Schüler. 

Experimentalphysik lehren Prof. Schmid und Dr. Schfiffer; Anleitung zum Anstellen 
pbysikaHseher Expernnente ertheilt Prof. Snell; analytische Theorie der Wellenbewegung 
trügt vor Derselbe; populäre Optik öffentlich Derselbe. — Allgemeine Chemie HR. 
Wackenrod^r, Prof. Succow, Prof. Artus, Prof. Schmid; Zoochemie und Anthropo- 
chemid HR.-Waekenroder; das ehemisehe Praktioum unter HR. Wackenroders Leitung 



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ib2 

wird Oiglieh vo« 8^12 Ulnr» $0 wi* in d«« SfadwnillagMtolidMi im lUVoiiiloriiMi ^ultett. 
Fbarmakologie mit medieuuselier Cheniie Mrt PtoL Arlas; Tnikolcigip BerseUc; Exami- 
mtoria üto fillß Tliei^e 4er Ghemie, Phiunnacii und PhaminlMWi^e ]>>«t8e(ll»*; die \tnMm«Att 
pharimiceo^faicb-phyfikaUsQli« QeteUichiift leitei ÜB« Wtckentoder. 

In phnrmaeeuliaehsQ Instilnl lehrt der Phftochedue ersten fVieil WU WaclL^n^ 
Toder; den erften TMl der analytüoehen Cbaaiie Derselbe; die anatsfüsob-dwiniaeben ^n4 
cbemiacb-pharinaceutiacben Übungen leitet Derselbe; die Beauteang der SamnUMigen des 
Instilttts isl den Mitgli«dera deBselüen in bestiaunten Stunden gestettei. 

VUL Technolojf». TecloMdogie und Mettellurgie lelwt JBA. SebftUr; chMMeba TmIl* 
aologie Prof. Arlus. 

JX StaatS' und CamerattoUsemchafkn. SfaafswirtbschafI nebst Encyklepidie der Oameml- 
wimenscbaften GHR. ScbuUe; Nationalökonomie Prof. Fiseker; fiesohkbte ' der poütischeii 
Oekonomie öffentlich Derselbe; praktische Politik oder die Lehre von den Verfaseangen 
der Staaten auf GmodUige der hitüoriscben Erfahrung Prof. Sehen mau»; die Übangen des 
staatswissenschaftlichen Seminars leiten Prof Schaumann und Prof. F i s« k • r. Übrigens 
ftgl. unter Philosophie. 

Im laudwirtbBchaflliehen Institut lehrt Landwirtschaft CSfift« Schniae; Agiicui- 
tar und Bonitirung Prof. I^angethal; GrundanschUlge GUR. ScbuUe« 

X Geschichte. Über Geschichtßchreibung der Griechen un4 Aömer Prof. Stark; r^i* 
sehe Geschichte bi^ auf Nero GHR. Qöttling; Geschichte der eur^pftiscken Nationen fittniachen 
gallischen, germanischen und slaYischen Ursprungs Prof. Wächter; allgemeipe deutsche Ge- 
schichte Prof. R ackert; Geschichte der neueren ^eit von 1789 bis $815 Prof. W^gel#; 
über Macchiavells Leben und Schriften öffentlich Derselbe. — Vgl. auch FkMo^e^ Kr. 9- 

XL Philologie, I) Orientalische Sprachen und Literatur. HebHiiacb lehrt Pref« 
Stichel; ChaldSisch öffentlich GKR. Hoffmann; Syrisch öflentliob Prof. Sti^kei;. den 
zweiten Cursus der LectOre arabischer Schriften leitet Öffentlich Derselbe; die Anfoftgs- 
grunde des Sanskrit lehrt öffentlich GKR. Hoffmana; die Erklftrung 4es Hitepadesn setit 
fort öffentlich Dei>selbe; ausgewählte Hymnen des RigVeda eirkUrt öffentlich Derselbe.— 
Sein orientalisches Seminar leitet Prof. S ticke L 

2) Griechische und römische Sprache, Literatur und AHerthumakaside. 
ArchSologie der Kunst in Yeibindung mit Übungen im archfiologisi^en Mueenm frnf. Stark; 
die religiösen AlterthQmer dar Griechen öffentlich Prof. ^ippart; die Tracbini^illiieB 4ie$ 
Sophokles erklSrt, in Verbindung mit einer Einleitung in dia iU^rik, Pfol. Bipipart; ^w 
Euripides Iphigenia auf Tauris erklärt öffentlich Prof. £»tark; des Aristeiphanes RiMer »GUR. 
Göttling; Piutarchs L^ben Alexanders GUR. Hand; Properlius Gediobte Derselb«e; das 
zweite Buch der Pharsalta von Lucan Prof. Bippart; des Tacitus Germania, in Veebiaduiig 
mit einer Darstellung der innern deutschen Zustande bis TUfVF Zeit der Ffaigkkenköntge« erklärt 
öffentlich Prof. Schaumao n. — Das philologisphe Semi^iriom leiten GHA. Ha ad und 
GHR. Göttling. 

3) Neuere europäische Sprachen und Literptnr — The<u*li^ des denlaeheii 
Stils in Verbindung mit pri^ktischen Übungen Prof. Wolff; Rb^tori)( i^ V^v^indmig mpt yaakf 
tischen Übungen Derselbe^ das Nibelungenlied erklärt Prof, ßjickert; au PriKaliamia 
aus dem Bereiche der gesammten germanischen Sprachen erbietet finb f^erselb^; v^t Sha^ 
kespearcs Leben, Zeit iind Werke handelt privatissime, aber nnep^eUUcb Prof. WolfX; tber 
Calderon und Shakespeare öffentlid^ Prof. Hettner; Dapte's di¥ina Cominedia ecWün prm- 
tissime, aber unentgeltlich Prof. Wolff; Privatissima in den roifiantfieben %raiDlieii erlheiiysa 
Prof. Wolff und Leotor Voigtmann. 

XIL Freie Künste. Die Reitkunst lehrt StelhnoMter lieber; Fecfatkimst Feehtaieiiler 
Roux; Zeichpen- und Kupferstecbknnst Kupieistecher Hees; ^Mchnev^ und Malerkaast, 
namentlich für anatemisohe, ph^toiogische und pathölogiacbe leidwnng, J>r.. Sckeak; Maleiw 
kunttBfaler Ries; Musik Mmikdirecter Sljide; dieKunat, Maieife «aoiCtekandea «ad i 



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MI 

alle Äfftet wm UMdriaen, dktfnowMien «ad diirurgiietoi lagtw n — ! •■ m. t. w. 
w verfieHigini VLetkmkms (Schmidt; dlft Vei€ertigHDg amloniiMsher im! chirw giieb^r InMra- 
■ente MacliMiktts Beteaian«; die Verfbrtiguig pbysikirliseliep «ii4 optisebet hMtnHneale 
NediMuciit Bfennftu. 



UniTeraftHt Wflrzbvg. 

VerlosuiigM an der k. b. Unmrsitit Wursbnrg kn Sommer 4851. 

Theologische FacuUäi. Helm: Fortsetzung der kathol. Mornl, Pastoraltheologie (publ.)- — 
Schwab: Kirchengesch., Gesch. d. Philosophie. — Deppisch: Christi. Apologetik, kathol. 
fio^atik, patristische Opferlehre (pabl). — Reissmann: Exegese: a) Erklftrang d. Pro- 
pheten Ezecbiel, b) Erkifirung d. Briefe Pauli aus seiner ersten GefangenscbafI; biblisch- 
orientalische Sprachen: hebrfiische, arabische, syrische u. chaldfiische Sprache. — Den^ing.er: 
Erklärung d. Johannes-Evangeliums, Dogmatik. 

J^nslißche Facultäi, AI brecht: Kathol u. pmlestant. Kircbenrecht, Procesipraktienm, 
laterpretation von Lib. IV. d. Gaischea Institutionen (publ.). -p- £d«l: Gemeiner Stralproccis^ 
franz. u.bayer.Strarproce8s, d. allg. Lebren d. franz. Sirnfrecbts (publ.). -*- H^id: Bayer. Staats* 
recht, deutsche Reichs- und Rechtsgeschichte, Conversatorinm über das gesammte gemeine 
deutsche Privatrecbt (publ.). — Lang: Pandekten , Pandektenexaminatorium (publ). ^ 
Hildenbrand: Geschichte u. Institutionen d. röm. Rechts, Erläuterung schwieriger römisch- 
rechtlicher Materien in gewählten Belspkilpn (pnbl), Paidektenrepetitorium (privatiss.) — 
Wirsing: Institutionen d. röm. Rechts, röm. Rechtsgesch., Pandektenrepetitorium (privatiss.). 

Slaatswirihschafiliche Faculidi. Edel: Polizei Wissenschaft u. Recht — Dcbes: Finanz- 
wissensch. , die Lehre vom Papiergeld (publ); Conversatorinm u. Repetitorium aus d. Nat.- 
Oekon. n. Fiiunizw. (itrivatiss.). — Her berger: LaodwirtfascbafI, ag ronom. Chmnie, Techno- 
logie. — ^oheaki atlgeni. Botanik, med. Botanik, Anleitaag zum Untersuehen a. Restininea 
der Gsmätkma (puhl), EzcursioneH. 

Medu!mi»ehe Facukät, v. Textor: Instrumentenlehre (publ)) chirurg. u. Augenkranken- 
klinik, mit a. o. Prof. Textor Übungen in d. chirurg. Operationen (privatiss.)« — * ▼• Marcus: 
Bpec. Pathologie u. Therapie II. Abth., Nerven- u. Geisteskrankheiten mit psychiatr. Ktinik, 
Gesch. d. Hedicin, med. Klinik. — Narr: allgem. Pathologie u. Therapie, patholog. Zeichen- 
lefare (pnbl.)« ^ Hevsler: spec. Physiologie d. Menschen mit Experimenten, PsychologiOi 
Hauptlefaren d. Physiologie (publ) — Rinecker: Poliklinik, pidriatische Klinik, Hautkrank- 
heiten u. SyphHi« mit Demonstrationen. — Schmitt: Repetitorium u. Examinatorium Aber 
Staatsarzneikuade, Hanptabschn. d. gerichtl Median f. Juristen, Yeterinärmedicin. — Scher er; 
tHgen. Oheane d. organ. Körper, analyt Chemie d. aaorgan. u. orgnn. Stolle, Geseh. d. Chemie 
(publ), ehem. PrakUcum (privatiss.). — Kölliker: Physiologie d. Mensehen mit Experitt., 
topogra|di. Anatomie tp^i^atiss.), vergl Anatomie, zootom. PrfiparirftbaBgen m. Pros. 9t, 
Leydig. — Vireibow^ Demonstratioaea a. Übungen in d. palbol Anatomie u. Mikroskapie 
ffl. besottd. Rftöksieht auf Semiotik (privatiss.), spec. pathol Anatomie, Aber aageborae Krank- 
heiten (publ). — Scanzonf: geburtshfilfl. Klinik m. Vorträgen Ab. Gynäkopathologie, gehurls- 
h&M. OperatioDscfirfus (privatiss.). -> Adel mann: Repetitorium d. Chirurgie m. Demoastra- 
Honen a. pnrkt. Aaleit. (privatiss.)» augenärztl Poliklinik, Übungen ia d. Augenope-atioaen 
(privatiss.). — Textor: Operatioaslehre, Augen- u. Ohrenkrankheiten, m. Hofr. v. Textor 
chiniEg. Qparatienaenrsus , OperationsAhongen m. d. 'Osteotome (privatiss.). — Schubert: 
T«zikole|^f. ^ H&ller: allgem. Anatomie m. Daaioaatrationcn, allgem. Palholagie. — 
V. Walz^ SyphiUt. Kraakheiten m. prakt. DeiaoBaftralioaea, Repetüoriam u. fizamiaatoriam i» 
d. Mal. med. ». Pharmakogaosie u. prakt. Dbaagea im Becepürea, Staatsiraaeikiiada U$t 
iurisiea. ^r- Leyilig>(Qaf ReiaanO. 



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PkUo$ajMiehe Faeultäi, Denzinger: Propid. d. histor. StadinnM (publ), sllfeiii. GMch., 
besoDd. Statistik. -- Fröhlich: Aesthetik, Gesch. d. neuem Kunst, aU(|enk. Pädagogik n. Di- 
daktik, Gesch. d. Erziehung. — Osann: ElektridtSt, Magnetismus u. Meteorologie in Verb. m. 
Chemie» prakt. Anleit. zu Anstellungen ehem. u. physikal. Experimente; Repetitionen über 
allgem. Chemie (publ.). — Leiblcin: allgem.^ Naturgesch. , Zoologie, allgem. Botanik, med. 
Botanik nebst Berflcksichtigung d. wichtigsten Colturpflanzen m. prakt. Demonstrationen, An- 
leit. zum Untersuchen u. Bestimmen der Pflanzen (publ.).— Ho ff mann: Rechts-, Moral- u. 
Religionsphilosophie., Gesch. d. Philosophie. — Rumpf: allgem. Naturgesch. (d. mineralog. 
Theil), Geognosie, pharmaceut. Waarenkunde. — Ludwig: allgem. Gesch. v. westphSl. 
Frieden bis auf d. neueste Zeit, LSnder- u. Völkerkunde (publ.).— Mayr: Math.-phys. Geo- 
graphie m. astronom. Übungen u. Demonstrationen, polit. Arithmetik, Antln'opologie u. Psy- 
chologie, Gesch. d. Philosophie. — Contzen: Gesch. Bayerns, Statistik Bayerns (publ.), Gesch. 
d. neuesten Zeit y. d. franz. Revolution bis zur Gegenwart. — Reuter: Latein. Literaturgesch., 
Gesch. d. phiios., rhetor. u. sophist. Literatur d. Griechen, Plauti captivi et Terentii Andria ; im 
philol. Seminar: Vollendung des Sophokles Ajax, dann Aeschyli Agamemnon, lat. Stylübungen. — 
Reuss: Gesch. d. deutsch. Literatur verb. m. deutsch. Altertbumskunde, Diplomatik u. Heraldik* 

Neuers Sprachen, Künste. Eggensberger: King Lear y. Shakspeare. — Tonkunst: 
Im musicnf. Institut. — Stöhr: höhere Zeichnungskunst. — Bitthfiusser: Kupferstecher- 
kunst. — y. d. Tann: Reitkunst. — Böndgens: Fechtkunst. 



Universität Rostock. 

Vcrzeichniss der Vorlesungen, welche auf der Grossherzoglichen Universität 
daselbst im Sommersemester 1851 vom 15. April an gehalten werden. 

Theohgiaeke Wisienschaften, Die Psalmen: Prof. Baumgarlen, 5st. — Die chaldSischen 
Stikcke d. alten Testaments: Derselbe, 2st. ~ Einleitung ins neue Testament: Derselbe, 
4st. — Erklärung der synoptischen Evangelien: Piof. Wiggers, 5st* — Die Apostelgesch. : 
Prof. Baum/jf arten, 4st. — Brief an d. Galater: Prof. Wiggers, 2st. — Exegetr Übungen : 
Prof. Baumgarten, 28t. — Kirchengesch. (erster Theil): Consistorialrath Wiggers, 5st. — 
Xirchengesch. (dritter Theil): Prof. Krabbe, 6st. — Dogmengesch. : Consistorialrath Wiggers, 
6st. — Histor. Einleitung in d. symbol. Bücher d. luther. Kirche: Derselbe, 2st. — Kirchen- 
gesch. Mekienburgs: Prof. Wiggers, 2st. — Moraltheologie: Prof. Krabbe, 5st. — Sym- 
bolik: Prof. Wiggers: 5st. — Katecbetik: Consistorialrath Wiggers, 2st — Katechetische 
Übungen im Seminar zur festgesetzten Zeit: Derselbe. — Liturgik: Prof. Krabbe, 3st. — 
Homilet. Übungen im Seminar: Derselbe, 2st. 

Rechlswissenschaflen. Jurist. Encyklopfidie , nach Falck: Consistorialrath Diemer, 48t. — 
Jurist. Encyklopädie : Des. Prof. Mejer, 5st. — Institutionen: Prof. Leist, 5st. — Gesdi. d. 
röm. Rechts: Derselbe, 5st. — Exegeticum: Derselbe, 2st. — Pandekten: Dr. Schlie- 
mann, lOst. — Gesch. d. deutsch. Rechts: Prof. Budde, 5st. — Lehnrecht: Derselbe, 
4st. — Mecklenb. Pnvatrec[^t: Dr. Schliemann, 6st. — Kirchenrecht, nach Richter: Con- 
sistorialrath Diemer, 4st. — Kirchen recht : Prof. Mejer, 5st. '— Gemeiner u. mecklenbarg. 
Civilprocess, nach Linde: Prof. Raspe, lOst. — Civilprakticum: Dr. Gaedcke, 4st. — Re- 
hitorium: Dr. S c h 1 i e m a n n. — Notariatswissenschaft : Dr. Gaed c k e , 4sL — Examinatorien 
u. Repetitorien: Derselbe. 

MetUcmische Wtssentchaffen. EncyklopSdie u. Methodologie d. Medicin: Stadtphyaikns 
Lesenberg. — Osteologie . Syndesmologie u. Myolögie : Medicinalrath Quittenbaum, 
4st. — Physiologie d. inenschl. Körpers: Prof. Stannius, 4st. — Prakt. Übungen n. Unter- 
suchungen ab. Physiologie u. Histologie: Der sehe, 6st. — Allgem. Pathologie n. Therapie: 
Hofmedicus Schröder.— Arzneimittellehre: Obermedicinalrath Strempel, 4st. — Fornittiare 



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0. Receptirübuogen : Dr. Aug^Bt Strempel, 2»!. — Specielle Patholofie o. Therapie: 
Obermedicinalrsth Spitta, 48t. — Specielle Pathologie n. Therapie: Medicinalrath Kort am, 
4st. — Pathologie n. Therapie d. Geisteskrankheiten: Hofmedicus Schröder. — Pathologie 
u. Therapie d. Brnstkrankbeiten, verbunden mit prakt. Demonstrationen n. Cbungon in der 
Auscultation u. Percussion: Dr. August Strempel, 48L — Chirurgie: Stadtpbysikus Lesen- 
berg. — Operative Chirurgie u. Angenheilkiisde, verbunden mit Übungen n. Demonstrationen 
ao Leichen: Obemiedicinalralh Strempel. — Chirurg. Operationen o. Augenoperationen an 
Leichen: Bledicinalrath Quittenbaum, von 3—5 Uhr. — Geburtshülfe: Prof. Krauel, 4st.^ 
Geburtsbülfe : Stadtpbysikus Lesenberg. — GeburtshAIfe : Dr. Dragendorff. — Geburts- 
hülfliche Operationen: Derselbe. — Gerichtliche Medicin: Obermedicinalrath Spitta, 4st. — 
Gerichtliche Medicin: Hofmedicus Schröder. — PropSdeutische Klinik: Obermedicinalrath 
Spitta, 28t. — Medicinisch-chirurgische Klinik: Obermedicinalrath Strempel, 14st. — 
Geburtshülflicbe Klinik: Prof. Krauel, Tst. — Zu Repetitorien u. E^aminatorien erbieten sich 
Dr. Lesenberg, Dr. Schröder und Dr. August Strempel. 

Philosopkitche Wissmachafien, EncyklopSdie der philosophischen Wissenschaften: Prof. 
Sclimidt, 5st. — Einleitung in die Philosophie nach stinem Grundriss: Dr. Weinholtz. — 
Formale Logik: Derselbe. ~ Logik u. Metaphysik: Dr. Retslag, 5st.— Psychische Anthropo- 
logie: Prof. Francke, 4ät. — Religionsphilosophie: Derselbe, 5st. — Philosophische Ein- 
leitung in die evangelische Dogmatik: Prof. Schmidt, 2st. — Philosophische Sittenlehre: 
Prof. Francke, bst. — Rechtsphilosophie: Dr. Retslag, 5st. — Aesthetik: Prof. Wilbrandt, 
58t. — PhTlosophie d. Geschichte: Prof. Schmidt, 58t. — Philosophisch-Sstbetiscbes Seminar: 
Prof. Wilbrandt. 

MathemaHk und Nalurwiasensehafte». Trigonometrie: Prof. Karsten, 2st. — Integral- 
rechnung: Derselbe, 48t. — Feldmesskunst, verbunden mit prakt. Gbungen : Prof. Becker, 
6st. — Privatissima ober Tbeile der Mathematik: Prof. Karsten. — Privatissima Aber Nautik: 
Derselbe.— Experimentalphysik: Prof. Karsten u. Schulze, 8st. — Privntissima über 
Theile der Physik: Prof. Karsten. — Theorie des Mikroskops: Derselbe, Ist. — Experi- 
mentalchemie : Prof. Schulze, Get. — Analyt. Chemie in Verbindung mit prakt. Obungen: 
Derselbe, 8st. •— Analyt. Chemie: Dr. Sthamer, 4st. — Anthropochemie u. Zoochemie: 
Derselbe, 3st. — Gerichtl Chemie: Derselbe, 4st. — Allgem. Botanik: Prof. Röper, 
6st. — Pflanzen -Anatomie: Derselbe, 2st. — Pflanzen -Physiologie: Derselbe, 2st. — 
Botanische Excursionen: Derselbe. 

Philologiscke Wissenschaften. Homer's Ilias: Prof. Bachmann, 4st. — Aeschylus Prome- 
theus: Prof. Busch, 4st. — Aristophanes Friede: Prof. Fritzsche, 2st. — Lucian: Der- 
selbe, 2st. — Horaz's Episteln: Prof. Bochmann, 28t. — Plautus Pseodolus: Prof. 
Fritzsche, 2st. — Metrik d. Griechen u. Römer: Prof. Busch, 4st. — Griech. Dramatik: 
Prof. Wilbrandt, Sst. — Topographie d. allen Griechenlands: Prof. Bach mann, 4st. — 
Mythologie u. Mysterien d. Griechen: Prof. Fritzsche, 4st. — Das Privatleben d. Römer: 
Prof. Busch, 28t. — Auslegung einiger altdeutscher Gedichte; Prof. Wilbrandt, 2st. — 
Über franz. Literatur vor u. nach d. Februarrevolution: Dr. Robert, Sst. — Ober d. franz. 
Literatur im 19. Jahrhundert: Derselbe, 2st. — Prakt Cursus d. franz. Sprache; Derselbe, 
4st. — Philolog. Seminar: Prof. Fritzsche. — Philolog. Privatgesellschaft: Prof. Busch. 

Uisioriiche Wissenschaften, Gesch. d. Mittelalters: Prof. Hegel, 48t. >- Neuere Gesch.: 
Dcrselbe,48t. — Deutsche Gesch.: Prof. T ü r k, öat. — Meklenburg. Gesch.: Prof. H e ge 1,26t« — 
GeschichtK Conversatorium: Prof. Tfirk, 2st. — Gesch. d. deutsch. Gesetze: Derselbe, Sst. 

CameraUoissenschaflen, Anfangsgrunde d. landwirthschafl. Rechnungswesens: Prof. Becker, 
2st. — Lehre vom Pflanzenbau: Derselbe, 48t. — Bodenkunde u. Obungen in agronomi- 
schen Untersuchungen: Prof. Schulze 



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üniversiiät CfStti&geiL 

Folgende Torlesungen sind für das Sommerhalbjahr angekündigt: 
Aüiiiifr «^ Vorlettmgm am 32. April« 

/. Theologische FaculicU, Lficke: Br. an die PhiUpper, Hebräer, ßr. Jobannis; Moral- 
tbeologie; Societal. Gi eseler: Neueste Rirchengescbicbte ; Rirchengeschichte Tbl. 2; Dog- 
matik. Reiche: Pauli kleinere Briefe, Br. an die HebrSer; theolbg. Encyklopfidie; Einleitung 
ins N. T. Redepenning: Homilet. Seminar; Koheleth; Jesaias; Doermatik; biblische Theo- 
logie. -- Ehren feuchter: Homilet. Seminar; kircbl. Statistik; prakt. Theologie Tbl. 2; Reli- 
gionspbilosopliie; katechet. Obnngen. Rettig: Ratechetik; katechet. Übungen. — Dnncker: 
neuere und neueste Kirchengeschichte ; Kirchengesch. Tbl. 1.; Dogmengeschichte ; symbolische 
Theologie. Wieseler: Die Evangelien; exegetische Gesellschaft. — Mathfii: Vergleichende 
Dogmatik; Geist des Christenthimis. Holzhausen: Kirchengesch. Thl. f.; b!bl. Theologie; 
hebrSische Grammatik und Genesis; Vogmengeadildite; Privatissima. L&nemann: Br. an die 
K^tlnther; Soeietät. Di eck hoff: Dogmengeschichte; Secten des ReformationszeilaUer&; Pri- 
vafissima. Uh I h orn: Apojtelgeschicbte ; Repetitoria. — Messner: Johanneischer Lehrbegriff ; 
Repetitoria. 

Juristische Facultdt. Ribbenlrop; Pandekten; Servituten und Pfandrecht Kraut: deut- 
sches Privat-Lehn- und Handelsrecht. Francke: Civilprozess ; Erbrecht. Zachariae: 
Staatsrecht; Criminalprocess; EncyklepSdie. Briegleb: Process-Prakticum; summarischer und 
Coucursprocess. Herr mann: Criminalrecht; Rechtsphilosophie; ausgewählte Capitel des Cri- 
minalrechts. Tb öl: Civilprakticum; Handelsrechr. — Wolf/: deutsches Privatrecht; Process- 
prakticum; Relatorium. — Rothamel: Kirchenrecht; Pandekten; Exaininatoria. Grefe: 
Aannoversches Recht. Stephen: 20. Buch der Pandekten (Pfandrecht); Ersitzung. Hart« 
nfann: Civilprocess ; Relatorium; summarischer Process. Rössler: Deutsches Privat- und 
Lehnrecht; deutsche Rechtsgeschichte; Geschichte des deutschen Crimiualvechts. 

///. MetUeinische Facultas, Conradi: Ausgewfihlte Capitel der allgemeinen Therapie; 
Pathologie; Klinik. Marx: Arzneimittellehre und Receptirkunde; allgemeine Pathologie und 
Therapie. Von Siebold: Geburlshülfe; Klinik; Opcrationscursus; gericbtl. Medicin.Osiander: 
Geburtshtklfe. Wo hier: Chemie: prakt. Übungen. Bertbold: Physiologie und Embryologie; 
i^aturgeschichte; akadem. Museum. Fuchs: Nosologie und Therapie Tbl. 2; Klinik. Wagner: 
Experimenlalphysiologie ; Neurologie; physiologisches Institut. Baum: Knochenbrüche und 
Verrenkungen; Chirurgie Thl. 1; Klinik; Demonstrationen und Übungen an Leichen. Trefuri: 
Geburtsbülfc; Opcrationscursus; prakt. Geburtshülfe. Ruete: Ophthalmologie; Augen- und 
Obrenklinik; Operationen in Augen- und Ohrenkrankheiten. Grisebach: Botanik; roedicin. 
Botanik; botan. Übungen im Seminar. -* Herbst: Physiologie; allgem. Anatomie. Berg- 
mann: Vergleichende Anatomie; Osteologic und Syndesmologie; gericbtl. Medicin. Kraemer: 
Auscultation und Percussion; pathologische Anatomie; Verbandlehre. — Lappe: Veterinär- 
Chirurgie und Therapie; Thierarzneimittellehre; Veterinfirpolizeiwissenschafl und Pferdezucht; 
Klinik. — Stromeyer: Chemie und Pharmacie. Wiese: Heilmittellehre; Auscultation und 
Percussion. ^ Scbucbardfr: Heilmittellehre und Receptirkunde; Heilquellen; Eitamlnatoria 
und Repetitoria. 

JV, Philosophische Facultdl, Mitscherlicb: Quintilians 10. Buch. Gauss: höhere Geo- 
dUsie; prakt. Astronomie. Hausmann: Goognosie; technisch-Ökonomische Mineralogie; mi- 
neralogische und palfiontologische Demonstrationen. Ulrich: Kbene und sphSrische Trigono- 
metrie und Stereometrie; Anaiysis des Endlichen und anftlytiache Geometrie; Hydro£itatik und 
Hydraulik; prakt Geometrie; Übungen im Seminar. Ho eck: römische Geschichte. Ewald: 
Psalmen und Lieder des A. T.; biblische Theologie; ftthiopische Sprache; persische Schrift- 



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steiler. Weber: Experiraeatalpliysik ; Übung im Seminar. Bartling: Botanik; medioin. Bolfr- 
nik; öcknom. Botanik; botanische Excorsionen; Demonstrationen im botan. Garten. Ritter: 
Logik und Metaphysik; Geschichte der alten Philosophie. Hermann: philolog. Seminar; 
Geschiehte der griech. Literatur und der Philologie; Cioero't Academica; ardiSoiog. Institut 
(Geachichte der alten Architektur); pidagog. Seminar (Geschichte der Gymnasien). Haussen: 
IlationalökoDonie; allgem. Statistik. Oesterley^ VorzOge der Gemilde; Maien- und Zeich- 
nenunterricht. Bohts: Religionsphilosophie; deutsche Literaturgeschichte. Scbneidewin: 
philolog. Seminar; Sophokles Antigene; latein. -Syntax; philolog. Sootetfit. ▼. Leutsch: phi- 
lolog. Seminar; Pindar; Catnll und Propere; Metrik. Havemann: europiische Gesdiichte; 
braansehw. Ifineburg. Geschichte. Waitz: Politik; deutsche Geschichte; historische Ohongen. 
Bertheaa: Hieb; Psalmen; arabische Sprache. Lotie: Metaphysik und Naturphilosophie; 
Aesthetik. Sartorius von Waltershausen: Mineralogie; Vulcanologie; mineralog. Übun- 
gen im Seminar. Listing: Optik; Meteorologie und Klimatologie; angewandte Mechanik; 
physicalische Übungen im Seminar. — Cesar: Molieres Tartuffe -und französ. Literaturge- 
schidite; franzAs. Schreib- und Sprechübungen; diplomatisch. Styl. — Wüstenfeld: Arabische 
Schriftsteller. — Wieseler: Archäolog. Institut; Archfiologie; die Vögel des Aristophanes ; 
philolog. Societfit. — Wappäns: Geographie und Statistik von Amerika. Müller: Deutsche 
Grammatik; Walther von der Vogel weide; deutsche Gesellschaft. Benfey: indogermanische 
Sprachen; Sanskritgrammatik; Veden. Stern: Differential- und Integralrechnung ; Theorie der 
Zahlengleichungen; Seminar. — Wiggers: Pharmacie; Pharmakognosie; Chemie. Griepen- 
kerl: Landwirthschaftslehre; ökonomische Technologie. — Havemann: Reitkunst — Weh- 
ner: Harmonik; Ciavierunterricht; Singakademie. — Melford: Engl. Grammatik; engl., franz., 
Italien, und span. Schreib- und Sprechübungen; engl. Literaturgeschichte und Erklfirung von 
Byron und Thom. Moore; engl. Synonymik; Privatunterricht in den neuern Sprachen. — 
Müller: La chanson de Roland und Geschichte der französ. Sprache; engl. Grammatik; Pri- 
vatunterricht in den neuern Sprachen. Tittmann: Deutsche Literaturgeschichte; filteste 
Poesie der Deutschen. S-eelig: Finanzwissenschaft; Volkswirthschaftspolitik. Lange: Römi- 
sches Kriegswesen; Sanskritgrammatik. Pocke: Mathematik. Lion: Plutarch; Cicero; Priva- 
tissima. Thospann: Heinrichs des Löwen erste Reisen nach England. Lantzius- Beninga: 
Botanik; medicin, Botanik; Schwimme; Privatissima. Wüsten feld: Geschichte Italiens im 
Mittelalter« Slaedeler: analyt. Chemie und Stöchiometrie; pharmaceutische und chemische 
ÜbuDgon. VonQuintus-Icilius: Mathematische und physikalische Geographie ; Wärmelehre; 
meteorologische Beobachtungen. F 1 n c k : Römische Geschichte. Von Holle: Anatomie und 
Physiologie der Pflanzen; Naturgeschichte; mikroskop. Analyse der Nahrungsmittel.» Heyns: 
Geschichte des 18. Jahrhunderts ; Göthe*s Faust. — Lion: Unterricht in neuem Sprachen. — 
Grape: Zeichnen. — Kastropp: Fechtkunst. — Höltzcke: Tanzunterricht. 



Universit&t Bonn. 

Vorlesungen auf der Rheinischen Friedrich -Wilhelms -Universität zu Bonn 

im Sommerhalbjahr 1851. 

EeangeUsche Theologie. Fortsetzung d. cbristl. Religionswissenshaft f. evangel. Stn- 
dirende aller FacuItSten: Dorn er. — Gesch. d. alten Bundes: Hasse. — Jesaias: 
Bleek. — Einleit. ins N. T.: Lic. Ritschi. — Synopt. Erkl. d. drei ersten Evangelien: 
Bleek. — Evangelium Johannis: Rothe. ~ Galaterbrief: Lic Ritschi. — Brief an d* 
Philipper: Bleek. — Johanneische Briefe: Rothe. — Bibl. Theologie d. N. T.; christL 
Apologetik als ersten Theil d. Dogmatik : Dorner. ^ Symbolik: Lic. Bits chl. — Kirchen- 
gesch. I. Tbl: Hasse. — Kirchengesch. IL ThI.; Gesch. d. evangel. Mission: Kr äfft. — 
Akadem. Monatsschrift. Marx 1851. 80 



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19S 

JGefich. d. 8üdafric«Jii0eheii Mipaionen: Hafse. ^ Homiletik: B«t]i«. -* Olmiifeo d. th«o- 
logiBcben Semioarst BUek, Dorner, Hasjie. — Dbnogen d. homiletUeh* katecketiscliao 
l^niaar«: Rolh^ 

KaMMk Theologie. Kirchengesch. 11. Tkl.: Hilgers. -- KircbeageMh. IH. Tkt.. 
Dr. Fl OBS. — Kürdil. Archioiogie: flilgers. ^ Gesch. d. Kölner Charf&rsten; Übungen 
«l>. d. KIrchengescb« d. ErvdUtaese: Dr. Fkiss. — Bibl. Arcbfiologie: ScbeU. ^ ^r- 
MeTliing d. iiiosaiscben Opfercnitas ; Einleit. in d. beH. Btkcher d. A. T.: Lic. Veiten. -^ 
Genesis: Martin. — Die rier letzten Bficber Mosis: Sefaols. — Einleii. in d. N. T«; 
fivangel.Jobannis; Apostelgesch.; Römerbrief : Vogelsang.— Galaterbrief: Dr. Floaa.— 
B^l. Theologie ü. Thl: Martin. — Apologetik; Dogmatik II. Tbl.; Dogmengesch. : Die- 
ringe r. — Horaltbeologie I. Tbl.: Martin. — Übungen im bomilet. u. katecbet Seminar: 
Dieringer n. Martin. — Die Professoren Achterfei dt n. Braun werden keine Vor- 
lesungen halten. 

RechUm$umchafi. Enoyklopädie d. in Deutschland geltenden Rechte: Bluhrae. — 
EncyklopSdie u. Methodologie d* Rechtswissenschaft: Deiters. — Ifatnrreckt (philos. 
Staats^ u. Rechtslehre): Walter. — Repetitorium d. Naturrechts: Hfilschner. — Institu- 
tionen: Bock in g. — Rom. Rechtsgescht ; Pandekten; Rom. Lehre d. dingl. Rechte n. d. 
Familienrechts: Seil. -^ Ausgewählte Lebren d. röm. Rechts : Böcking. — Deutsche 
Rechtsgesch. : Walter u. Perthes. — Deutsche Rechtsalterthüroer im Gedichte Reineke 
Vos: Walter. — Deutsches Privatrecbt; eheliches Güterrecht d. deutschen Rechts: 
Deiters. — Ausgewählte Theile d. deutschen Rechts: Perthes. — Lehnrecht; prenss. 
Landrecht: Ificolovius. — Wechselrecht: Bauerband. — Staatsrecht: Uälschner. — 
Kirchenrecht: Walter. — Ausgewählte Theile d. preuss. Kirchenrechts: Nicolovius. — 
Völkerrecht: Hfilschner. — Strafrecht: Böcking. •— Gemeiner deutscher u. preussiscber 
Civilprocess : Bluhme. ^ Civilprocess: Böcking. -^ Rheinischer Civilprocess : Bauer- 
band. — Preuss. Gerichtsverfassung; gemeiner, rheinischer u. preussiscber Criminal- 
process: Bluhme. -^ Pandekten- Repetitorium i^. Prakticum: Seil. 

Hmiktmde. Encyklopfldie u. Methodologie: Albers. — Osteolegie d. Menschen: 
Weber. — Repetitorium fftr menschl. Anatomie: Budge. — Vergleichende Anatomie: 
Weber. — . Vergleichende Osteologie: Budge. — Deraonstrationea d. Präparate d. ana- 
tomischen Museums: Mayer. — Chirurg. Anatomie: Wutaer. — Anatomie u. Physio- 
logie d. Sinnesorgane, d. Gehirns ü. d. Ifenren: Weber. — Physiologie d. Menseben: 
Mayer.«— Specielle Experimentalphysiologie : Bndge. — Specielle Physiologie m. 6e- 
obaohtnngen n. Versuchen: Dr. Schaaff bansen. — Physiologischer Expenrnentalcursos: 
Mayer. — Pbysiologiseb-praktiscber Cursns: Weber u. Bndge. — Mikroskopische Unter- 
suchungen über d. feinsten Bau d. Gewebe; Über d. Sinne d. Menschen; Über d. Ent- 
wicklung d. Menschengeschlechts: Dr. Schaaffhausen. — Allgem. Pathologie u.Semiotik: 
Naumann. — Pathologische Anatomie: Weber. — Allgem. Therapie: Nasse o. Nau- 
mann. — Gesammte Arzneimittellehre: Harless. — Allgem. Arzneimittellehre: E. Bi- 
schoff. — Allgem. u. specielle Arzneimittellehre: Albers. — Gesammte Arzneimittel- 
lehre: Dr. Böcker. — Die vorzüglicbern Heilquellen u. Kurbfider Deutschlands (m. Ein- 
' schluss Böhmens) u. d. Schweiz: Harless. — Formulare, dessen allgem. od. therapeot. 
Theil: E. Bisch off. — Gesammte specielle Pathologie u. Therapie: Naumann. — Spe- 
cielle Pathologie u. Therapie: Albers. — Pathologie u. Therapie d. Seelenkrankfaeiten: 
Nasse. — Allgera. u. specielle Chirurgie: Wutzer. — Lehre v. d. Beinbrüchen u. Ver- 
renkungen: Dr. Hoppe. — Gesammte GeburCshülfe: Kilian. •— Anthropologische Erlfio- 
terungen zur gerichtl. Medicin für Juristen; gerichtl. Medicin für Mediciner u. Juristeo: 
£. Bischoff. — Gerichtl. Medicin: Harless u. Dr. Böcker. — Medicin. Polizei: Har- 
less. w. Lehre v. d. Vergiftungen: Dr. Böcker. — Medicin.-propädeut. Klinik: Nasse o. 
Alb er s. — Operationslehre an Leichen: Wutzer. — Verbandlehre: Dr. Hoppe. — 



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GjüikoJQgucbe OperaHeneo; PliiiatoiaOluuig«i: Kilian. — Medicisw Klinik» Foliktimk v. 
iwyckiauische Uinik: Nast», — Chirwg. lu iHifralratK Klinik: Wutser. -«- fieburUhälf. 
Klinik; Kilian. -^ Prakk Obnngen in mikroskopischen Unteriuchongen orgnn. FI&Mig- 
keiten m* bnsond. Bwebnng nr Ptlliologin^ Pharvinkolo|pe n. kiin- Medicin: Dr. Böcker. 

Pkilotopkie. EnqrUopidiMbe EiaieiMMig in*i Stadnn der Pbilosopkie: Brandii. «<* 
Ptydielogie:KnoodU — Logik: vanCalker. «^ Logik, nebsl d. Theorie d. Erkenntniss: 
Dr. S c k « • r 8 c h mi d t. — Grundlinien d. JAetaphysik n. ReUgionsphiioeophie : Brandt t.^ 
Metaphysikc Dr. Clemens.— Pädagogik Knoodt.-- Allg. Getcbiohte d. Philosophie: van 
Calkex.— - Plato's Gastmahl mit einer Einleitung üb. d. Philosophie d.Plato: Dr. Schaar- 
Schmidt. — Geschichte d. neuem Philoeophie vom Anfang d. christl. Zeitrechnung bis auf 
Kant: Brandis.-* Philosophie u. Theologie des h, Thomas von A<iuin: Dr. Clement.-^ 
Geschichte d. neuesten Philosophie: Kuoo dt. — Philosoph. Unterredungen: van Calker. 

MaihemaiSk. Ebene u. sphSrische Trigonometrie : R a d i c k e. *- Analytische Geometrie 
iL Raumes: Dr. Beer. — Differential- u. Integralrechnung: von Riese u. Radicke. ^ 
Analyt. Mechanik: Heine. — Interpolation u. mechan. Quadratur; Elemente d. Astronomie; 
Praküacb^stronomiscbe Übungen: Arge l an der. -^ Höhere Geodfisie: von Riese. — Ma- 
themalische Obnngen: PlQcker u. Heine. 

fkOMtwkmtMikäpm* Ober d. Einrichtang d« Weltgebitudes: Argelander. — Experi- 
menti^j^yvik: Plücker. •-- Meteorologie: Radicke.— Akustik: Dr. Beer. — Ob. Dampf- 
nascbisea« Ekenbabnen u. elekiro-magnetische Telegraphen: von Riese. — Reine u. 
angewandte Experimemalcbemie : Bi seh of.*— Analyt. Experimentalchemie: Berge m ann.'*— 
Orga•«MheChemie: Bischof.— Organische Bxperimentaiehemie; chemische Bescbaffenheit 
d. Nahrungsmittel: Dr. Bödeker. — Praktisch - chemische Obungen: Bergenrann. •*- 
Prakt. Obungen in d. analytischen Chemie: Dr. Bödeker. — Unterredungen ftber chemi- 
sche Gegenstände: Bergemann.— Praktische Übungen in d. Anwendung d. Löthrohrs: 
Dr. Bödecker. — Mineralogie; besond. Lagerstätten d. Mineralien; Geognosie: Nögge- 
rath. — Geognosie d. nordwestl. Deutschlands; geognost. Excursionen; Privatissima fiber 
Krystallographie u. Mineralogie; Versteinemngskunde : Dr. Römer. — Allgem. Botanik; 
natürl. Ge wfichsfamilien : Treviranus. — Anatomie u. Physiologie d. Gewächse; Medici- 
nische Botanik; Demonstrationen im botanischen Garten; Privatissima ikber verschiedene 
Zweige d. Botanik: Dr. Brandis. — Zoologie; Naturgeschichte d. Strahlthiere ; zoologische 
Übungen im Bestimmen u. Zerlegen d. Thiere: Troschel. — Naturwissenschaftl. Seminar: 
PlQcker, Treviranus, Nöggerath, Bischof u. Troschel. 

Kiatsische Philologie, Altlateiaische Metrik mit praktischen Übungen: Ritschi. — 
Griech. Literaturgeschichte: Ritter. *«- Lehren d. griechischen Philosophen vom Staat: 
Dr.Bernays. — Geschichte der griech. Staatsverfassungen : s. u. Aristoteles. *~ Griecbische 
Mythologie : W e 1 ck e r. ^- Kunstmyihologie^ Erklär, alter Kunstdenhmäler : Dr. v e r b e c k. — 
HesiodusTheogonie: Welcker. — Äachylus Sieben gegen Theben: Ritschi. — Sophokles 
Ödipnfi auf Kolonos: Schopen. — Euripides Cyfclops; Piato's Kratylus: Heimsoeth. — 
Plato's Gastmahl u. Lehre: s. Philosophie. — Aristoteles Politik nebst Geschichte d. griech. 
Staatsverfassungen: Dr. Bernays. — Plautus Bacchides im philolog. Seminar: Ritschi. — 
Tacitus Germania: Ritter. — Lateinische Disputirübungen im philologischen Seminar: 
Welcker u. Ritsch L — Philologische Unterhaltungen: Schopen. 

OrienUüiacke Philologie. Erklärung d. Propheten Joel u. Habakuk; Erklärung histori- 
scher Stücke arabischer Schriftsteller; Erklärung d. Gedichte d. Hamasa: Frey tag. — 
Anfangsgründe d. Sanskritsprache ; d. persischen Sprache; Alterthfimer d. vorderasiatischen 
Völker, besonders d. Iranier; Privatissima über Sanskrit oder Zend: Lassen: 

Neuere Literaiur und Sprachen. Elemente d. althochdeutschen Grammatik : D i e z. — 
Mittelhochdeutsche Grammatik: Simrock. -— D. gothische Evangelium d. Marcus : Diez. — 
Über Göthe 's poetische Werke: Löbell — Deutsche Mythologie: Simrock.— Geschichte 
d. engl. Litteratur; Shakspeare's Julius Cäsar: Dr. Delius.— Byron's Childe Harold: Lassen. 



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— AUfranzögUch n. ProYenzalisch : Dr. De lins. — Die illeste franft^tsische Httionriliteratinr: 
Diez.— Yo1taire*8 u. RoaMeaa's Schriften u. EinfhiM; Bmlean's Dicfatkanst n. aoserleaene 
Gedichte: Monnard. ^ Praktischer Unterricht in d* italienischen Sprache; ausgewählte 
Gedichte Petrarca's: Diez. — Boilean's Satiren; fransös Converfatoriam mit Stllfibmigen 
u. Erfclfirung ansgewfihUer französischer Schriftsteller: Lector Nadand. 

Gesckichie nebit Hulfiteitien8<^ien, Gesch. d. rdm. Kaiser von Angostus bis auf theo- 
dosius d. Gr.; Gesch. d. Mittelalters: Aschbaeh. — Ursprftnge u. Haupthestandtheile d. 
vornehmsten europäischen Völker: Arndt — Gesch. d. Hohenstaufen : Dr. Abel. — Ab- 
schnitte a. d. skandinav. Geschichte: Dahlmann. — Gesch. d. franz. Revolution; histor. 
Übungen: Lob elf. — Geographie d. westl. Eoropa*s: Mendelssohn. — Urkunden- 
wissenschaft; Wappenwissenschaft: Bernd. — Übungen im Erklären mittelalterl. Geschieht* 
Schreiber : Dr. Abel. 

Staalf- und ' Cameralwisienschaften, Encyklopädle : Kaulniann. — Politik: Mendels- 
sohn. — Staaiswirthschaft u. Finanzen: Dahlmann. — Finanzwissenschaft: Kaufmann. 

Kwui. Erklärung alter Kunstdenkmäler, Knnstmythologie (s. klassische Philologie). — 
Gesch. d. Musik seit d. christl. Zeitrechnuog; Theorie d. Musik, insbesondere d. Harmonie- 
System; Unterricht im Orgelspiel nebst Belehrung üb. d. Mechanismus, d. Conservirung u. d. 
. kircbl. Gebrauch d. Orgel; Leitung d. Singvereins: Breidenstein. — Unterricht im freien 
Handzeichnen u. im Aquarell-, ä gouache- u. Oelmaien, in d. Linear- u. Luftperspective ; 
Ezcursionen zum Zeichnen nach der Natur: akadem. Zeicbnenlehrer Hohe. 

GymnoMiUche Künste. Reitkunst: Donndorf. -^ Fechtkunst: Seegers. — Tanzkunst: 
Radermacher. 

Der Anfang der Vorlesungen fällt auf den 28. April. 

Wohnungen für Studirende weist der Bürger Grossgarten (Wenzelgasse Nr. 1061) nach. 



Lehranstalt zn Poppeisdorf. 

Yerzeichniss der wissenschaftlichen Vorträge in der höhern landwirtschaft- 
lichen Lehranstalt zu Poppeisdorf. 

1) Ackerbau, sechsstündig. 2) Geschichte und Literatur der Landwirthschaft, zwei- 
stündig. 3) Landwirthschaftliche Gerfithekunde, zweistündig. 4) Landwirthschafkliche 
Technologie, zweistündig. 5) Forstwissenschaft, zweistündig. 6) Thierheilkunde , zwei- 
stündig. 7) Mineralogie, dreistündig. 8) Botanik, vierstündig. 9) Zoologie, dreistündig. 
10) Chemie, vierstündig. 11) Physik, dreistündig. 12) Planimetrie, zweistündig. 13) Tri- 
gonometrie, zweistündig. 14) Zeichnenunterricht, einen Nachmittag in jeder Woche. 



Druck von F. E. The In in Wunburg. 



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mmm iMmcHiiiFT. 

(Deutsche UniversitSts-ZeilnDg.) 



lO. JaHrsan». flSftfl« AprIlUert. 



Über die Stellung der Wissensehaften, welche der staafswirthsdiaftUcheii 
Facolt&t angeMren, zn Wissenschaft ind Leben der Gegenwart. 

Za den vier altern Facultäten ist an tnehrem Universitäten eine flinfle, 
•die staatswirtbschaftliche, hinzugetreten, eine Tochter der neuerii Zeitrich- 
tungen und Bedürfhisse. Es üt von Interesse, über die dei-malige Stellung 
jener Zweige des Wissens, welche der Pflege dieser Facultät anvertraut 
sind, zu Wissenschaft und Leben der Gegenwart sich klar zu werden. Diese 
Stellung ist ein Product der Entwicklung jener weltbewegenden Ideen, welche 
die Gestalt der Zeiten verändern. 

Wie im ganzen christlichen Mittelalter war es noch am Ende des sech- 
zehnten Jahrhunderts die religiöse Idee, welche die Gemüther erfüllte und 
den Ereignissen Antrieb und Richtung gab. Der Standpunkt und die Behand- 
lungsform war, wie in der Theologie, wie im Rechte, positiv dogmatisch auf 
EriLenntniss jener Religions- und Bechtswahrbeiten gerichtet, die durch höhere 
Anctorität begründet, wirklich vorhanden sind. Die Reformation hat Anfangs 
weder jenes Lebenselement der Zeit, noch jene Grundrichtung geändert, im 
Gegentheil die confessionellen Gegensatze haben die religiöse Glut zu neuer 
Flamme, ja zu extremen Ausbrüchen des Fanatismus angefacht, den positiven 
Standpunkt strebten beide Theile festzuhalten, beide das rechte Dogma zu 
besitzen. D^r religiösen ist die philosophische Ideenrichtung als neu gestal- 
tende Welknachi und mit ihr die kritische und teleologische Behandlung des 
Positiven gefolgt, zuerst in abstracter AuflPassung, mit der Tendenz, Erkennt- 
hiss zu erreichen, Aufklärung, Humanität, kosmopolitische Weltanschauung 
zu verbreiten, später in pragmatischer Richtung mit der Tendenz, die gewon- 
nene Weltanschauung in das Leben einzuführen, das gefundene Ideal in das 
Positive in Redit und Staat zu verpflanzen, anfänglich vorzugsweise auf dem 
Felde der Politik^ in neuester Zeit vorzugsweise im BeiTeichä der Yolki^- 
wirthschAft. 

Dem Bildüngstriebe der vernünftigen Menschennatur folgend, war das 
Recht lange angebaut als System der Rechte der einzelnen Menschen und 
der aus dem StaatsveAand für Staatsgewalt und Staatsburger stammenden 
Rechte entwiekelt, ehe man an das Althergebrachte den Mas^stab der philo-^ 
6ophiscben AnsehaHimg anlegte, ehe man Untersuchungen über das Product 

Miadein. Monatsschrift. April 1861. 24 



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182 Ober die zur 8taat8wirUi8cli«niiciien Factiltfit gebdrigea Wissenschadev. 

anstellte, das sich je nach deren Beschaffenheit aus dem Gebrauch der Privat- 
und öffentlichen Rechte für Volk und Staat ergibt, die Befriedigung der 
Staats- und Volksbedürfnisse beleuchtete, deren Betrachtung sich wieder an 
die ideale Seite, die Befriedigung der sittlichen und vernunflmässigen Be- 
dürfnisse, oder an die Seite der Befriedigung materieller Bedürfnisse an- 
schliessen kann. 

Da der Inhalt der Rechte deren Gebrauch, folglich auch deren ProducI 
bedingt, musste sich im Gefolge der philosopischen Richtung die pragmatische 
Tendenz ergeben, öffentliches und Privat -Recht als Mittel xar Erzfelung 
bestimmter politischer und wirthschaftlicher Zwecke zu gestalten und zu 
beherrsche. 

Ein Ausfluss dieser teleologischen Richtung ist die Lostrennung der 
Staatswissenschaften von den Rechtswisssenschaflen und die Begründung einer 
besondern Facultät an Universitäten für die wissenschaftliehe Erkenntniss der. 
Elemente, der Verrichtungen und Wirkungen des Staatslebens und der Wirth- 
schaft. Vor uns liegt jetzt eine grosse Mannichfaltigkeit von Versuchen, die 
abstracten Lehren der Politik und Volkswirthschaft in das Leben zu ver- 
pflanzen. Während Anfangs die Theorie der praktischen Gestallung voran- 
geeilt ist, hat bald die Reihe der praktischen Experimente die Theorie über- 
holt, und während diese in ihrer bessern Gestalt zuletzt nüchterner, beschei- 
dener, rücksichtsvoller gegen das Bestehende geworden, haben die in die 
Hassen verbreiteten Anforderungen einen Umfang erreicht und eine Kühn- 
heit entwickelt, welche den Boden der bestehenden Staatsordnung erzittern 
machen. 

Während anfänglich die politische Umgestaltung im Vordergrund , die 
wirthschaftliche nur in zweiter Linie gestanden, ist jetzt die wirthschaftUche 
Frage in der Art in die erste Linie getreten, dass durch ihre Lösung die 
Lösung der politischen Frage bedingt ist. Frankreich ist der Boden, auf 
dem die Gewitter der Zeitideen zuerst sich entladen. Es ist das grosse 
Versuchsfeld für Europa, vielleicht für fernere Welttheile. Dort sind die 
abstracten Ideen des Naturrechts zuerst in gewaltigen Saaten aufgeschossen, 
dort ist dem idealen Staat der wirkliche Staat geopfert worden. Die erste 
Revolution galt den Formen des Staats und den im Begriff der Persönlichkeit 
begründeten Rechten der Einzelnen. Sie haUdas Eönigthum und die Orga- 
nisation der Gesellschaft auf Grundlage der Stände und des Grundbesitzes 
vernichtet, sie hat den dritten Stand zu politischer Bedeutung erhoben, sie 
hat die von dem Standesrechte abhängigen Unterschiede des Privatrechts and 
die aus Privilegien des Standes und aus bevorrechtetem Grundbesitze abge- 
leiteten Privatrechte selbst zerstört, im Übrigen hat sie das System des 
Privatrechts und folglich die aus demselben sich ergebenden wirlhschaftlichen 
Resultate nicht angetastet, vielmehr mit der abstracten Gleichheit vor dem 
Gesetz, der Beurtheilung Aller nach gleichen Rechtsnormen, welche das Vor- 
handensein der grössten Unterschiede im Besitze subjectiver Rechte nicbt 



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Ober die zar 0taatswirthacbaftIicrien FacüUfit gehörigen Wisscnschaflen. 183 

ausscbliesst , sich begnügt. Desshalb ist ^s trotz aller Gleicfamachung und 
wiewohl man mit den Worten Liberty ^ EgalU^^ Fraternil^ alle Wände 
ufoertunchte, mit der Gleichheit nie recht Ernst geworden; der vierte Stand 
kam praktisch nie in den Genuss des vollen politischen Staatsbürgerrechts, 
die Gleichheit vor dem Privatrecht hat der Summe seiner Rechte keinen 
Zuwachs ertheilt. An die Stelle des rechtlichen Vorrechts geschlossener 
Stände trat das factische Obergewicht einer neuen industriellen Aristokratie, 
die Rolle des Lehens- und grundherriichen Rechts in der nach Grundbesitz 
organisirten Gesellschaft übernahm das Capital in der industriellen Gesell- 
schaft Der vierte Stand hatte trotz einem hohem BegrifFe von seinen glei- 
chen Rechten und Ansprüchen bei allen Veränderungen wenig in politischer, 
noch weniger in wirthschaftlicher Geltung gewonnen. 9aher die neue Revo- 
lution von 1S48 im Vorangehen des vierten Standes, der in seiner Weise 
das Princip der Gleichheit in die Wirklichkeit setzen will, die neben Frei- 
heit, Gleichheit und Brüderlichkeit, Wohlstand und Bildung Aller zu ihrer 
Devise wählt. Durch das allgemeine Wahlrecht erstreitet sie sich den Besitz 
der Herrschaft im Staate; durch den Besitz sucht sie jene wirthschaftlichen 
Reformen zu erzielen, welche jetzt die bewegenden Ideen der Massen sind. 
Diese Ideen einer neuen Gesellschaftsorganisation haben ihre in einer Menge 
von Systemen ausgeprägten Theorien, sie haben ihre begeisterten Apostel, 
ihre Organe in der Presse, ihre Kategorien für alle Classen des Volks, denen 
die darin enthaltenen Verheissungen des irdischen Paradieses um so besser 
munden, je mehr sie auf einen sittlich unterwühlten und durch materielle 
Noth ausgesaugten Boden fallen. Wie sehr sich auch die verschiedenen 
Systeme im Einzelnen von einander unterscheiden, alle stimmen überein in 
ihrem Vemichtungskampf gegen das bisherige System der Privat- und Volks- 
wirthschaft und das in demselben herrschende Princip der Concurrenz; alle 
fordern eine gemeinsame Wirthschaft der ganzen Gesellschaft unter Leitung 
des Staats, der entweder das ganze Product der gemeinsamen Arbeit gleich 
vertheilt — Communismus, oder bei ungleicher Vertheilung nach dem Maasse 
dessen, was jeder Einzelne nach seiner Capitalanlage oder Arbeit verdient 
hat, die Ausgleichung allein übernimmt — Socialismus. Ohne durchgreifende 
Revolution in dem bisherigen Privatrecht ist keine dieser Theorien ausfuhr- 
bar. Bis jetzt ist die Verwirklichung dieser Richtung mit Gewalt nieder- 
gehalten worden. Damit ist die Gefahr neuer Erhebungen für die Lehren der 
socialen Republik und ebensowenig die Gefahr für einen wenn auch vorüber- 
gehenden, doch immer mit unübersehbaren Folgen begleiteten Sieg dieser 
Lehre nicht beseitigt. Diese Gefahr ist keineswegs gering anzuschlagen. 
Denn wenn auch die Glieder des vierten Standes über eine geringere Summe 
von Intelligenz und materiellen Mitteln verfugen, als die von ihnen zunächst 
bedrohten Classen der Gesellschaft, so sind sie gleichwohl durch ihre Masse, 
durch ihre unverbrauchte Naturkraft und Abhärtung, durch die Kühnheit der 
Verzweiflung und die Begeisterung, welche eine positive Idee ihren An- 



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184 Ob.9r die zur slaatawirlhsciialUichen FacullAI gehdrigfii WiiseiudiaAe«« 

hSngern eioflösst, durch die Batärlicben Vortbeile einer oppositionellen und 
j^griffis-Stellung furchtbare Gegner. Auch mangett es ihnen nicht an Bei- 
hülfe Yon Seiten Vieler, die ihrer socialen Stellung nach in das Lager ihrer 
Gegner gehören. Wie in der ersten Revolution der dritte Stand aus dem 
Adel und dem Klerus eine nicht geringe Zahl seiner kühnsten und gewandte- 
sten Führer und Parteiganger erwarb, so rekrutirt auch heut zu Tage das 
Proletariat seine Macht aus fast allen Classen der Gesellschaft. Die Einen 
wollen mit seiner Hülfe nur die von ihnen erwünschte Staatsform erringen, 
die Andern sind selbst von der Macht seiner Ideen, von dem Glauben an 
deren Wahrheit erfüllt, wieder Andere glauben wenigstens an den Sieg die- 
ser Richtifllg und huldigen ihr dessbaUi zum Voraus, um selbst von den 
Früchten dieses Siegs ihren Theil zu empfangen. Selbst die verzweifelte 
Kampfesstellung der bedrohten Gesellschaftsciassen, die Läbmung derStaats- 
thätigkeit und der gewöhnlichen Bewegung des wirthschaftlichen Verkehrs, 
das hiedurch auch bei diesen Ciassen entstandene Missbehagen tragt dazu 
bei, einen Theil ihrer Glieder aus ihrem bisherigen Besitzstand zu entwur- 
zeln und in das Proletariat einzureihen , bei Andern den Glauben an' den 
Bestand der bisherigen Ordnung zu vernichten und sie dadurch dem Versuch 
des Neuen zuganglich zu niachen. Die grösste Gefahr der neuen Anfor- 
derungen und Lehren liegt aber in der ihnen theilweise innewohnenden 
Wahrheit. 

Es genügt' nicht, die nächste Quelle dieser Theorien in der naturwidri- 
gen und desshalb unwahren abstracten Gleichheitsidee nachzuweisen, nichts 
den Zusammenhang ihrer Anforderungen mit einer materialistischen, den 
sinnlichen Genuss zum Lebensprincip erhebenden Weltanschauung darzuthun^ 
nicht, die Unausführbarkeit der bisherigen Systeme und ihr Umschlagen ia 
etaen absoluten, alle individuelle Freiheit vernichtenden Despotismus nach- 
zuweisen, es kommt vielmehr darauf an, das Wahre an der Sache beraus- 
s^ufinden und zu befriedigen. 

So verkehrt, unausführbar und im Verwirklichuogsversuche Freiheit und 
Wohlstajid absolut vernichtend aUe bisherigen Producte der neuen Wirth«» 
schaflsl^hren sind, so wemg ist zu verkennen, dass diesem ungestümen 
Anwogen ein wahres BedürCniss, eine theilweise. wahre Idee, eia naiürUchecr 
Gefühl zu Grunde liege. Selbst wenn man in Anschlag bringt, dass die tiefer 
stehenden Classen der Gesellschaft gegen Leiden und Enlbehrungen minder 
empfindlich sind, als die oft überfeinerten und überkünstelten GUied^r hölierer 
Classen, und dass für erstere eine geringere Befriedigung oft. höheri^ Grad 
von Gen^uss gewährt, als dem Übersättigten die mani¥chfaUig|steA Genuss- 
mittel bereiten kojanen, so bleibt es doch immer wahr, dass der minder 
beojiittelteu, der arbeitenden Classe ein härteres Loos gefallen ist, lUs ihren 
wohlbabendern Brüdern. Sie haben von allen Leiden und Übeln des. Lebens 
dea grössern Theil zu tragen; an Allem, was Geist und Herz erfjircut, kommt 
ihnen der kleinere Antbei], zu. Sie liefern, wje die Tafeln der Statistik 



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Ober ^ inr stMrtmirlbicIuimidMii FmcMliX g^6ripm WiweiMchalleii. i86 

nachweisen, dem Elend, der Krankheit, besenders den rerbeerendslen Seuchen, 
der verfrühten Sterblichkeit und dem Verbrechen das grössere Contingent. 
Selbst am mindesten gegen Unfälle aller Art geschätzt fallt das Hissgeschick 
des Landmanns, dessen Emdte missrathen, der Wecbselfall, der die Industrie 
des Capitalisten betriflFt, auf sie zurück. Selbst die den Geist erhebende, 
die Arbdt befruditende Intelligenz ist Dem yerschlossen, den die Bildungs- 
mittel und die zu deren Gebrauch nöthige Müsse unzugänglich sind. Auch 
das geistige Capital ist so vom Besitze abhangig. Alle Gleichstellung vor 
dem Privatrecht, selbst die Gewährung gleicher politischer Rechte daher, hat 
ohne Besitz keine reale Bedeutung. Die vereinigte Macht des Grundbesitzes 
and des Capitals und der höhern Intelligenz erhalt £e Nichtbe^zenden in 
unabänderlicher factischer Abhangigkat. 

Seitdem der Schwerpunkt der Gesellschaft, den sonst der Grundbesitz 
gebildet, dem industriellen Capital sich zugewendet, hat sieh für den vierten 
Stand nicht das Übel, sondern nur der Sitz des Übels verändert^ ja in man- 
cher Beziehung mag die Abhängigkeit von der Geldmacht noch druckender 
erscheinen, als jene von dem Herrn des Grundes und Bodens, wie schon 
Cicero die Geldaristokratie als die scheusslichste aller Staatsformen bezeich- 
net hat (derep. I, 34: iiec ulla deformior xpecies ent civitatis^ quam Ula^ 
in qua ojnriefUigsImi opHmi jnttantur). Ist auch leibliche Befriedigung, 
materielles Wohl sichef nicht einziges und höchstes Ziel, so ist doch nicht 
aiinder gewiss, dass nur durch Befriedigung der beiden Seiten seines Wesens 
der ganze Mensch gedeiht und dass durch Verkümmerung oder nachhaltigen 
Druck, auf die körperliche Seite geübt, auch die Schwungkraft des Geistes 
ermattet. 

In vieler Beziehung kann man nicht behaupten, dass der moderne Staat 
ganz das Seinige gethan hat. Uneingedenk jener Fabel des Menenius Agrippa 
hat man übersehen, dass der organische Körper nicht nur dann entkräftet 
wird, wenn dem Magen, sondern auch dann, wenn den Gliedern die Nahrung, 
der SAftezufluss entzogen wird. Versunken in die Idee eines möglichst that- 
losen Staatsmechanismus, der jeden Einzelnen thunlichst ungenirt lassen und 
sich desshalb als sg. Rechtsstaat auf den Schutz der individuellen Rechte 
beschranken soll, hat man das Heil der Staaten in dem absoluten Gehen* 
lassen der Privatkrafte gesucht, ohne sich darum zu kümmern, wohin das. 
Walten der ungleichen Kraft und Mittel der Einzelnen einen unabsehbar 
grossen Tbeil des Ganzen führen wird. Uneingedenk jenes oft gebrauchtem 
Vergleiches des Staatsorgaüsmus mit dem Organismus des menschlichen 
Körpers bat man nicht beachtet, das» der ganze Organismus mitleiden muss,. 
wenn ein so namhafter und unentbehrlicher Theil des Ganzen verkümmert 
Auf eine richtige Vermittlung des öffentlichen Wohles^ das nicht minder als 
das Recht auf die Pflege des Staaits Anspruch hat, wurde zu wenig Rück- 
sicht genonuDien oder übersehen, dass eine Chimüre jedes öffentliche Wohl,, 
welchem nicht auf das Wohl Derjenigen gebaut ist, die als des jeweiligen 



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186 Ober die zur staatowirlbschafUichen FacnlUlt gchdrigen WiMenidialleD. 

Staates fühlende Bestandtheile, seine Glieder und Organe sind. Nicht die 
Staatsgewalt, deren natürliche Aufgabe es forderte, das Fundament und den 
Stützpunkt der Gesellschaft sich zu Terbinden, hat sich des vierten Standes 
wesentlich angenommen, nicht die Staatskunstler, die irgend ein politisches 
Ideal in der äussern Architektonik des Staats auszuführen trachteten, nicht 
jene Yolksclassen , welche bisher in der Gesellschaft die dominirenden 
waren, die Gebieter über das Grund •- und Geldcapital der Nation. Um von 
thätiger Beihülfe zu schweigen, nicht einmal in Vertheilung der für den 
Staatsbedarf nöthigen Lasten ist man den untern Classen hinlänglich gerecht 
geworden. 

Kein Wunder, wenn Diejenigen, denen alle politischen Veränderungen 
nichts oder nur wenig geholfen, die so lange die unter dem Einflüsse der 
Mächtigen und Vornehmen ausgegangenen Gesetze ertragen, nun einmal auch 
den Reichen das Gesetz vorschreiben, wenn sie, an dem Erfolg von politi- 
schen Reformen verzweifelnd, die wirthschaftlichen Reformen an die Spitze 
stellen , das System der Privatwirthschaft als die thatsächliche Quelle ihres 
Unheils in Trümmer schlagen wollen, nicht ahnend, dass diese Trümmer 
nicht bloss die von ihnen beneideten Volksclassen, sondern auch sie selbst 
begraben würden. 

Soll nicht iii) Innern ein Kampf um Sein oder Nichtsein zwischen den 
Gliedern der Gesellschaft entbrennen, der, wohin auch der Sieg falle, zum 
Verderben der Gesellschaft ausschlagen wird, so muss die praktische Auf- 
gabe der Politik auf Wiedervereinigung der Geseilschaft durch Verständigung 
und Versöhnung ihrer Bestandtheile, auf Regulirung der Volkswirthschaft auf 
einer höhern die enormsten Gegensätze ausgleichenden Grundlage hinaus- 
laufen, was nicht ohne Befriedigung der untern Classen, so weit ihr An- 
spruch gerecht und in den Anforderungen der Menschennatur gegründet ist, 
möglich sein wird. 

Die Verfassungseinrichtungen müssen sich über Abstractionen zu natür- 
lichen Producten der concreten, socialen und nationalen Verhältnisse erheben, 
sie müssen allen Interessen ihre Vertreturg und^ Mitwirkung sichern, ohne 
eine Classe absolut der Cbermacht einer andern preis zu geben. Die prakti- 
sche Seite der Staatsverwaltung muss von der Erkenntniss des nothwendigen 
Zusammenhangs der gegenseitigen Bedürfnisse und der nothwendigen Er- 
gänzung aller Theile des Staatsorganismus ausgehen, von jedem Thei! den 
lähmenden Druck beseitigen, jeden Theil fähig machen, in gesundem Zustande 
seine natürlichen Functionen für das Ganze zu ^erfüllen und hierin seine 
leibliche und geistige Befriedigung, seine Ehre, sein Recht und sein Wohl 
zu finden. 

Wie die Sachen jetzt stehen, wird diess nicht durch eine Minderung, 
sondern durch eine Steigerung der Staatsthätigkeit und durch grosse Opfer, 
die zumeist auf den Staat und die besitzenden Classen in ihm fallen müssen, 
möglich werden. Das Ziel ist gross, der Versuch schwer, eine genügende 



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4}ber die inr sUMiUwirlhfcbaMicheii PacnMll fehOngvii Wistesfchalleii. 1g7 

Lösung der grossen Frage bis jetzt weder auf theoretischem noch auf prak- 
tischem Wege gefunden. In Frankreich wurden meist radicale Heilmittel 
angeratheb, deren Gebrauch eher den Tod als die Genesung des Kranken 
erwarten Usst; in Deutschland hat man sich, wie die zahlreiche Literatur 
über Hebung der Noth der ärmeren Classen beweist, meist mit Empfehlung 
homöopathischer Heilmittel begnügt. Die Wahrheit dürfte auch hier in der 
Mitte liegen, das Ziel wird nur durch Einigung vieler Bestrebungen, durch 
Benützung zahlreicher Erfahrungen und durch Zusammenwirken grosser 
geistiger und materieller Mittel, durch Darbringung grosser Opfer auf dem 
Altar des Vaterlandes gegen das Aufgeben unnatürlicher PrStensionen 
erreichbar sein. 

Vor Allem wird man sich von der Entgegensetzung des sg. Rechtsstaats 
gegen den Polizeistaat und von der unbedingten Verdammung des letztem 
lossagen müs(sen. Wenn man mit der Bezeichnung „Polizeistaat'' jene Aus- 
wüchse einer kränklichen und ängstlichen Polizeiverwaltung bezeichnen wollte, 
die mit übertriebenem Argwohn alle Äusserungen des Lebens zu belauschen 
und zu beherrschen für gut fand und deren kleinliche Sicherheitsängstlich- 
keit in beengenden Detailmaassregeln verwirklicht ist und mehr geschadet 
als genützt hat, so ist der Sache nach das Verdammungsurtheil gegen das 
Zttvielregieren gerechtfertigt; allein dasselbe trifft nicht jene höhere Verwal- 
tung, die grosse Ziele des ofiientlichen Wohles mit grossen Maasregeln ver- 
folgt und auch in einem grossen Gebiete, wo bisher zu wenig regiert worden 
ist, das Versäumte nachholt. Bemerkenswerth ist, wie sehr das wahre Gefühl 
einer erhöhten Staatsthätigkeit in den bisher vernachlässigten Gebieten alle 
Socialtheorien beherrscht. Sie wollen dem Staat nicht bloss die von uns 
indidrte Pflicht beimessen, als Regulator der nationalen Wirthschaft eine 
lenkende, vermittelnde und ausgleidiende Thätigkeit der wirthschaftlichen 
Verrichtungen und ihrer Folgen wirksamer zu entfalten, sie wollen mit Ver- 
zicht auf fast alle persönliche Freiheit die ganze Volkswirthschaft zu einer 
von der öffentlichen Macht absolut beherrschten Staatswirthschaft erheben. 

Zu dem, was noth thut, gehört vor Allem die kräftigere und erfolg- 
reichere Vermittlung der Existenzbedingungen aller Classen des Volks. Die 
öffentliche Gesundheitspflege ist noch fern vom für sie ' erreichbaren Ziele; 
von* ihrer Seite kann für Gesundheit und Leben, für Vernichtung der Krank- 
heitsursachen, für Hülfe in der Gefahr und für allgemeine Erhöbung der 
mittlem Lebensdauer, in der jetzt die ärmern Classen so ungünstig stehen, 
nodi unendlich Vieles geschehen. Für nationale Wirthschaft im Allgemeinen 
und Abhälfe der Noth im Einzelnen liegen grosse Maassregeln im Bereiche 
der Entwicklungsfähigkeit, von denen zu hoffen ist, dass ohne Vernichtung 
des Privatrechts und der besondam Wirthschaft, ohne Vernichtung des wirth- 
schaftlichen Hebels der Concurrenz dem Übermaass der Concurrenz und dem 
erdrückenden Obergewicht enormer Reichthümer gesteuert werde, dass die 
öffentliche Armenpflege zu einer geordneten Volksversorgung erhoben, dass 



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188 Üli^r dif cur BtMtev^rtliKbflfllicbttn F^Hii geliM|pMi Wiiteiiichift^it. 

die vermehrte Herrschaft über die Kräfte der NMw nicht mr Bereicherung 
Einzelner und zum Flach der Arbdt ausscfaltge) und daits in dem Haushalt 
des geordneten Staats kehieni Gliede die nnentbehrliche Congraa öes BedarCs 
vorenthalten bleibe, dass der Erwerb von Besita und Capital möglichst 
erleichtert I der Ooergang aus den untern in die hohem Classen möglichst 
vireit eröffnet und eine gegenseitige Annäherung Aller in Bildung ^ Gesittung 
und Lebensgläck erzielt werde. Das landesvdterliche Regiment, in ehigreifen^ 
derer und umsichtigerer Weise aufgefasst, muss neben der Herrschaft der 
fiechtsanstalten eine neue zeitgemässe YerwirUichung finden. Das Princip, 
das dem Schutzzollsystem zu Grunde liegt^ muss analog auch in andern Be- 
reichen der Nationalwirthschaft Anwendung finden. Manches, was man Jetat 
in Folge der eingetretenen Spaltung und Spannung wohl nicht ohne Grund 
mit angstlichem Auge anschaut ^ wird man sidi gefallen lassen miissen und 
auch ohne Gefahr gefallen lassen können, namentlich eine BefHedigmig des 
Associationstriebes der Arbeiter und deren organische Einigung und Ver^ 
tretung fflr gemeinsame Angelegenheilen, ohne welche sie ids Bittzelne der 
Macht des Capitals gegenüber wohl stets erliegen müssen. 

Nur Sparsamkeit im Staatshaushalt, gegenseitiges Aufgeben der innem 
Spannung and der auswärtigen Binmisohuag im Staatensystem kann die Min^ 
derung des Druckes der Ungeheuern öffentlichen Lasten^ besonders der 
Militärlast, herbeiführen und die Staaten vor finanoiellem Verderben retten. 
Dieselben Mittel, nach Innen verwendet, könnten den Fond der wirthschaft- 
liehen Reformen abgeben, und sollten auch die grössten Opfer dem Zwecke 
gebracht werden müssen, so durften sie nicht gescheut werden« Niemand 
hat ein höheres Interesse, als die besitzenden Classen selbst, den Staat mit 
Opferbereitschaft zu unterstützen, es gilt ihre wie des Staats Existenz. Nur 
£wischea socialer Reform und socialer Revolution ist jetzt zu wählen« Dabei 
darf nicht nnterbssen werden, jeden die Steuerfcräfte unverhällnissmässig 
und hiemit ungerecht treffenden Druck zu beseitigen, besonders wenn er 
zumeist auf den ärmern Classen lastet. 

Die Aufgabe der Wissenschaft in aHen staatswissenschaftlichen und 
wirthschaftlichen Zweigen wird es sein, den Staat der Gegenwart durch seine 
Krisen zu begleiten und der glöcldichett Entwicklung vorbereitend und ratb^ 
gebend zur Seite zu stehen. Von ihrem ubcnrsohanenden Standpmikt Ver*- 
gangenes und Künftiges ermessmd, von allen Erscheinungen das Wesen 
erfassend, die Resultate sammelnd und den Bestrebungen der Verwatoing 
das Spiegdbild statistischer Ergebnisse und erlebter Erftilimngen voitaltend, 
wird sie einerseits übertriebene, chnnarische Anfordemngen bekfianf^feh, bei 
theilweise begründeten Wahrheit und Schein sondern, uttd andererseits der 
Trägheit, dem Stillstand Fortschritt gebietend flire BMinmig mit Aet ernsten 
Mahnung der Zeit verefaiigen-; denn die Stunde drfingt, das Wetterglas uigt 
auf Sturm, und nur festes, eBtschlosaeaes Handeln kann vieileicirt noch tfter 
die hochgehenden Wogen in den Ifafen geleiten« 



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Ndirotoir: (SmMnt Srntt BMiatoch in Lfliptif. Ig» 

Doch nicht polilische und wirIhsdiaflQiöhe Reformen werden retten, wem 
sie nicht mit der Reform der tiefgesmikenen Sittlichkeit Hand in Hand geben. 
Sittliche Umkehr und Kräftigung in ganzen Volksmassen ist nie durch du 
Lehrsystem, nie durch ein Staatsgesets bewirkt worden, sie ist nur möglich 
darch Religioa Die Religion kann nur durch sich selbst die Gemäther 
gfewinnen, der Staat soll sie in ihrem Organismus anerkennen, ehren, in 
ihren Rechten schützen und kann kaum Besseres für sie thun, ab sie frei 
in ihren Organen ungeirrt walten and wirken zu lassen. Alles was direct oder 
ifldirect einen Beigeschmack von Zwang hat, was teleologisch sie aus andern 
Zwecken, als nur ibrer selbst willen, f&rdert, schadet ihr. Zelotismus ent* 
fremdet ihr die Gemäther. Nur in ihrem Geiste, mit ihrer Freudigkeit, ihrer 
Weisheit, ihrer Demnth, ihrer Milde, ihrer Mensehenliebe kann sie die Herzen 
und die Geister bewältigen. Schwere Drangsale, grosse Missgescbidie der 
Volker sind oft das einzige Mittel der Vorsehung, um zu ihr zurudasaRhren. 



Nekrolog. 



Br. Gutftav Km0t Melmliaoli» 

Prof. d«r RechlswIiieDschafl su Uipsig. 

Die Universität Leipzig und nicht bloss sie, sondern die Wissensditft 
des Rechts Oberhaupt verlor am 24. Am. d. J. einen Mann in der Blälhe 
seiaer Jahre, der durch das, was er geleistet, sich nicht nur einen Ehreni^ 
platz in der juristischen Uterärgescfaichte Bkr alle Zeiten gesichert, sondern 
loch iesl6r iils diesen die Hoffbnngen aller Freunde gelehrten acchia«- 
Studiums auf das, -was er durch seine Forschungen noch leisten würde, 
begründet hatte. 

GnsiBT Ernst Ueimbnoh #ar geboren an 15. Nov. 1810. Ein Sohn 
des hochverdieHten, erst ?or wenigen Monaten dahingeschiedenen Stadt* 
gerichtsratfcs Heimbneh in Leipzig, ein Zögling der dortigen Thomasschule 
und Umversitit, hatte der junge, im J. 1830 schon durch die Ausgabe des 
^Anonymi Über de actionibus*^ (Hagistersdissertation) sich rühmlich bekannt 
machende Gelehrte 1880 bis 4834 auf Veranlassung seines Bruders, des 
Ob^appeHationsgenchtsraihs und Professors Dr. Heimbach in Jena, für die 
von demselben unternommene Ausgabe der Basiliken und zwar (ein seltener 
Zog edelster Liberalität!) auf Kosten deren Verlegers, des Buchhündlers 
Barth in Leipzig, Reisen nach Pnris, Italien und in Deutschland gemacht, um 
die dortigen faandschriftlidien Schätze für diesen Zweck zu benutzen. Ifacfa 
dreijähriger AbweseidMit zurückgekdirt, schrieb er 1834 die kritische Ab- 
handlung aber Ulpitms Fragmente und promovirte in demselben Jabre nnter 
VerttieidigMuig jeiner Dissertation „ Observv. jur. Born, liber, in quo de certi 

Akadem. Mouatuchrift. April 1851. ^ 



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190 Nekrolog: Guülav Crnsl Ueimbadi in Lctpcig. 

condictione disputatio est, et ad legis, quae de Gallia Cisalpina dicitur, 
cap. XXL comlnelltariu8^^ Im Jahre 1838 erschien, auch eine Frucht jener 
Reisen, der 1. Band seiner „V^yexdoror^S den Athanasius über die Novellen 
und einige verwandte Schriften enthaltend ; ein Werk, durdi welches er sich 
im Gebiete der byzantinischen Rechtsgeschichte einen wohlverdienten Namen 
erwarb. Ein zweifer Band ^Ayixdora^ den gleichen Kreise «ngehörig, folgte 
im J. 1840. 

Hatte sich H. durch diese Schriften bereits die wesentlichsten Verdienste 
um die Quellenkunde des römischen Rechts wie um die Kenntniss der byzan«- 
tinischen Rechtsbucher erworben, so machte er sich nachstdem auch im Ge- 
biete der rein civilistischen Literatur durch seine Monographie „Die Lehre 
von der Frucht ^^ (1843) vortheilhaft bekannt, welober er 1849 die um- 
fassendere Schrift „Die Lehre vom CredUmA^^ folgen liess. Zwischen das 
Erscheinen dieser letztern beiden dogmatischen Werke, welche ihm gleidi 
mehrern andern kleinem Arbeiten C^ie z. B. zahlreichen Beiträgen zu Weiske's 
Rechtslexikon, der „Zeitschrift für Civilrecht und Prozesses den Richter* 
Schneider'schen Jahrbüchern d:c.) das Anerkenntniss umfassenden Quellen- 
studiums und grOndlicher Gelehrsamkeit sichern, fallt der Beginn seiner 
Ausgabe des „Authenticum^^ C1S46), welcher er 1844 eine Abhand- 
lung „de origine et fatis corporis, quod CLXYIIl novellis constitutio- 
nibus constat,^^ hatte vorausgehen lassen. Kurz vor dem Eintritte seiner 
letzten Krankheit beendigte er diese grosse kritische Ausgabe des Authen- 
ticnm und hat ebenso das vollständige Manuscript für die Ausgabe des 
griechischen Novellentextes hinterk^sen, die nadi dem Wunsche seines 
Verlegers, durch erfahrne Hand überwacht, thunlichst bald dem gelehrten 
Publicum übergeben werden wird. Ebenso gelang es ihm auch noeh, die 
Ausgabe des „ Harmenopnlus '^ zu beendigen, welche soeben (Ups. T. 0. 
Weigel 1851) im Drucke erschienen isk • 

Dieser kurze Oberblick seiner literarischen Thätigkeit zeigt, wie omiang- 
liche und schwierige Aufgaben er in verhältnissitiassig kurzer und durch gar 
manche andere literarische Nebenarbeiten gespaltener Zeit so zu lösen im Stande 
war, dass er damit den hohen Ansprüchen der jetzigen Wissenschaft an Forscher- 
fleiss und Forscherkenntniss in vollem Maasse zuentspredien und auf lang« hin, 
vielleiciht für Jahrhunderte, den Text der von ihm bearbeiteten Rechtsquellen 
in unwandelbarer Weise festzastellen vermochte. Er hatte von Anbeginn 
seiner literarischen Thätigkeit an sich diesen abgeschlossenen, aber noch 
viel auszubeutenden Krds seiner Wissenschaft zum Hauptgegenstand seiner 
Untersuchungen erwählt und er. war so glücklich^ insbesondere durch die 
bereits erwähnte Liberalität seines Hauptverlegers, in den Stand gesetzt zu 
sein , diese Untersuchungen in ausgedehntem Haasse machen zu können. 
Seine rastlose Arbeitskraft, der freilich seine Gesundheit zum Theil als 
Opfer fiel , ermöglichte es, den gewonnenen reichen Stoff in solcher Weise, 
wie von ihm geschah, zu gestalten und damit diese bedeutenden Resultate 



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Corrwipoiidenz. 191 

der Öffentlichkeit und der Nachwelt zu äierliefern. Seine dogmatischen 
Arbeiten bekunden dieselben vorzuglichen Eigenschaßen, welche seine kri- 
tischen Leistungen zieren, wenn ihm hier auch vielleicht die Gestaltungsgabe 
und die Yergeistigung des Stoffs, welche wir an den Leistungen berühmte 
Zeitgenossen als Muster gewahren, nicht in gleicher Weise, wie diesen, 
gegeben war. 

Als akademischer Lehrer war H. fortdauernd thätig. In seinem Haupt- 
fache, dem römischen Rechte, hatte er freilich an der Universität Leipzig 
die Concurrenz von Männern, wie Wächter, Pucbta, Hinel, Marezoll, Schilling, 
und es war daher fär ihn zumal als jängem akademischen Lehrer mit Schwie- 
rigkeiten verknüpft, sich ein seiner Gelehrsamkeit entsprechendes Zuhörer- 
publicum zu verschaffen. Seine Wirksamkeit beschränkte sich daher nach 
^dieser Seite hin vorzugsweise auf engere Zuhörerkreise in sogenannten 
Exaininatorien. Daneben las er, namentlich in den letzten Jahren, auch 
Kirchenrecht und Prozess, und es wäre wohl zu wünschen gewesen, dass 
diese Seite seiner akademischen Wirksamkeit grössere Beachtung erfahren 
hätte, da er sich die theoretische Durchdringung und historische Erfassung 
namentlich des letzten Rechtstheils zu einer Aufgabe gestellt hatte, wie wir 
sie in unserer Zeit leider immer mehr hinter der sogenannten praktischen 
Behandlung derselben zurücktreten sehen. Er ward übrigens schon 1840 
zum ausserordentlichen Professor der Rechte ernannt und seine Beförderung 
zum ordentlichen Professor stand, dem Vernehmen nach, in naher Aussicht. 

Nach der Versicherung seiner nahern Freunde — er lebte sehr still 
und eingezogen — lassen seine liebenswürdige Besdheidenheit, seine Gemüth- 
lichkeit und seine echte Humanität seinen frühen Hintritt nur um so mehr 
betrauern. 



HL 

Correspondenz. 



y. Tübingen, 7. April, cwe Verseuung der Professoren.) Uusero üniversität hat 
schon erKttene und drohende Verluste zu beklagen, die zunächst dem juri- 
stischen Studium schweren Eintrag thun werden. Kaum vor einem Monat 
verlor die juristische Facultät den Criminalisten Hepp durch den Tod; seit 
etwa vierzehn Tagen macht man sich mit der Gefahr vertraut, unsern grossen 
Pandektisten, den Kanzler v. Wächter, durch die Berufung an die Spitze 
des Oberappellationsgerichts in Lübeck zu verlieren, und jetzt wird ihr wackerer 
Germanist Reyscher.als Regierungsrath nach Ulm versetzt, weil er sich — 
einen andern Grund weiss Niemand — missliebig gemacht hat. Wenn man 
die Versetzungen, welche aus diesem Grunde seit etwa zehn Jahren an der 
Universität Tübingen wirklich ausgeführt worden sind, an seinem Gedächt- 
nisse vorüber führt — 1840 Mack, 1845 Robert v.Mohl, 1851 Reyscher— , 
wenn man, mit der Historia arcana vertraut, sich erinnert, wie oft an ähn- 
liche Versetzungen gedacht worden ist, ohne sie zu realisiren, so möchte 



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tQ2 GoffreffiHNideB«. 

08 wqU einmal an der Zeit sein, die Frage stf emrägea, was fiberiianpl von 
solchen Versetzungen eu halten seL Ein Professor, wir setzen vor Allein 
voraus, dass er ein in jeder Beziehung obren werther Mann ist, was ja die 
ärgsten Feinde der genannten Manner nicht entfernt anstreiten können, ein 
Professor also, in seinem Fache ein tüchtiger Mann, ja ein Gelehrter ersten 
Ranges, auch diess in den vorliegenden F&Hen zu laognen fällt Niemanden 
ein, dieser ehrenwerthe, gelehrte Professor hat sich im Gebiete der kirch^ 
liehen oder politischen Politik unangenehm gemacht, er hat sogar einen 
Fehler begangen, vielleicht selbst eiti Gesetz umgangen, dem Buchstaben 
oder fieiste desselben zuwider gehandelt, — dann gibt es nur eine Alter- 
native : entweder er ist straffiSHig, dann strafe man ihn, — oder er ist nicht 
straflElHig, er ist nur unangenehm, missliebig, dann strafe man ihn nicht! 
Ihr Correspondent ist,^ wie Sie am besten wissen, weit entfernt, irgend eine 
Frage, also auch diese, vom Standpunkt der radicalen Partei aus zu beant- 
worten; Ihr Correspondent ist so conservativ, als je ein wörttembergischer 
Minister gewesen. Ebendesshalb kann er nicht damr stimmen, einen Mann^ 
der nicht straflPBlIig ist, zu strafen, oder einen Mann anders zu strafen als 
es das Gesetz vorschreibt. Nun aber dürfen wir wohl fragen: Ist die Ver- 
setzung eines Gelehrten in eine seinem ganzen Leben fremd gebliebene 
Amtssphäre eine Strafe? Nein, es ist keine Strafe, es ist weiter nichts als 
eine — Vernichtung, wenigstens eine versuchte. Denn, und das ist nicht 
ausser Beachtung zu lassen, über den Versuch geht es in der Regel nicht 
hinaus. Ein Mann von solchem Namen, wie die genannten, hat entweder 
eine besondere Vorliebe für den ihm zur Strafe zugedachten Beruf, — 
diess war bei Mack der Fall, der seine Pfarrei mit mehrern Professuren 
vertauschen konnte, der aber Pfarrer blieb, weil zufällig der gelehrte Theo- 
log an der Seelsorge grosse Freude hatte, — oder ein solcher Mann lasst 
sich nicht versetzen, nimmt seinen Abschied und lässt sich von allen Seiten 
früher oder später zu dem Rufe auf eine andere Universität gratuiiren, der 
ihm nicht ausbleibt, wie er Rob. v Mohl nicht ausgeblieben ist und Reyscher 
nicht ausbleiben wird. Ich frage: was hat man dann für eineSatisfaction? Keine 
andere, als dass man der Landesuniversität einen tüchtigen, einen berühmten, 
vielleicht einen unersetzlichen Mann entzogen hat. Aber soll sich die Re- 
gierung gar nicht um die antigouvernementale Gesinnung der Professoren 
kümmern? Gewiss, jedoch ehe sie anstellt. Es sind ganz verschiedene Fragen: 
Soll die Regierung ihren Feind zum Professor machen? oder: Soll die Re- 

Sierung einen Mann von der Professur entfernen, weil er nicht genehm ist? 
iemand wird der Regierung zumuthen, einem solchen Professor besondere 
Zeichen der Sympathie, besondere Beförderung d:c. zuzuwenden. Wir sehen 
die Sache ganz menschlich an, die Regierung mag ihn fühlen lassen, dass er 
Persona ingrata geworden; aber versetzen sollte sie ihn nicht, wenn es 
sich nicht um eine absolut schädliche Wirksamkeit handelt, ein Fall, der 
nach den Prämissen nicht in Frage steht. Hätte man in den dreissiger Jahren, 
wo man sich schon um Physicate für missliebige Mediciner umsah, im Anfang 
der vierziger Jahre, wo man Pfarreien für Männer suchte, die in späterer 
Zeit der Regierung grosse Aufopferung bewiesen und dafür deren Anerken- 
nung erhalten haben, hätte man in jenen Zeiten seinem Debit über die frag- 
lichen Männer Folge gegeben, man würde eben auch nichts weiter erreicht 
haben, als dass man die Universität um einige Celebritäten armer gemacht 
hätte. Ohne irgend zu untersuchen, ob und worin Reyscher sich verfehlt 
habe, nehmen wir keinen Anstand, seine ganze wissenschaftliche Wirk- 



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Cormpomfeftt. 193 

samkeit gegen jede ITerdäcbtigung in Sehutz zu nehmen und etrendess* 
halb ekle ^Versetzung desselben im Interesse der Universitfit sehr zu 
beklagen. 

CK. Greifs Wald, den 30. März. (Militärdienst der Stndirenden. Horiischnch f- 
Dr. Müller. 0. Mejer, Baumstark, Beseler, Urllclis. Die Gehalte der Pntfetsoren und ihr Verliiiltniss zum 
Eiakomnicji der Univcnitilt. Notliweiidigkelt weiterer Anntellungen. Promoiloiicii.) SchOH ßchr bald 

nach dem Anfang der Vorlesungen im verflossenen Wintersemester wurden 
viele Stndirende unserer Universitfit in Folge der Mobilisirung der Armee 
zum Militärdienst einberufen und brachten mehrere Monate im Feldlager zu. 
Dessenungeachtet haben die meisten angekündigten Vorlesungen ihren un- 
gestörten Fortgang gehabt. 

In der Weihnachtszeit erlitt die Universität einen schmerzlichen Verlust 
durch den Tod des Professors der Botanik und Zoologie Dr. Hornschuch. 
Während seiner dreissigjährigen pflichttreuen Thätigkeit an der hiesigen 
Universität hat sich derselbe insbesondere auch durch die Einrichtung des 
botanischen Gartens unverkennbare Verdienste erworben. — Nachdem der 
Professor des römischen Rechts Dr. Schmidt im Herbst des vorigen Jahres 
einem Ruf nach Freiburg im Breisgau gefolgt ist, ist für «lasselbe Fach der 
juristischen Facultät der bisherige Privatdocenl Dr. M üller in Halle, als ausser- 
ordentlicher Professor hieher versetzt worden und wird derselbe seine hiesige 
Stellang zu Ostern d. J. antreten. — Leider verlässt uns auch der zu^ Michaelis 
V. J. hieher berufene Professor 0. Mejer schon jetzt wieder, indem er 
einem ehrenvollen Rufe nach Rostock für die dortige Professur des Kirchen- 
rechts folgt. Drei Professoren von hier sind seit der Eröff'nung der Kam- 
mern im November v. J. noch bis jetzt abwesend und werden dem Anschein 
nach auch ^ wohl kaum zum Anfang des Sommersemesters hieher zurück- 
kehren. Es sind die Professoren Baumstark, Mitglied der ersten Kammer, 
und Beseler und Urlichs in der zweiten Kammer. — So sind denn Vacanzea 
und Lücken vorhanden, deren baldige und entsprechende Besetzung für das 
gedeihliche Fortbestehen der hiesigen Universität überaus wichtig ist. Es lässt 
sich nicht leugnen, es ist in den letzten zehn Jahren durch Berufung nam- 
hafter und anerkannter Gelehrten fast in allen Facultäten ebensowohl als 
durch reichere Unterstützung der Institute zur Hebung unserer durch ihre 
Lage am wenigsten begünstigten Universität von Seite des vorgesetzten 
hohen Cultusministeriums Vier geschehen. Indess wurden leider ausgezeich- 
nete Lehrkräfte uns nur zu bald selbst durch Berufungen nach kleinern 
auswärtigen Universitäten wieder entzogen. Es drängte sich hier in den 
meisten Fällen das Bedenken auf, ob diese Lehrer der Universität durch 
angemessene Gehaltserhöhung nicht wären zu erhallen gewesen. Bekannt- 
lich ist die Greifswalder Universität durch die Stiftung der Pommerschen 
Herzoge so reich dotirt, dass sie ohne den geringsten Zuschuss von Seiten 
des Staates sich vollständig aus ihren eigenen Mitteln erhält. Die landwirth- 
schafUiche Akademie in Eldena besteht nicht nur auf einem der Universität 
srehörenden Gute, sondern erhält auch einen jähriichen Zuschuss von 4000 
Thalem aus der Universitätscasse , obgleich die frühere engere Verbindung 
der Akademie mit d6r Universität hinsichtlich der Administration bereits seit 
einem Jahre gelöst und die Anstalt dem Staate übergeben ist. -* Indem nun 
die Univerjsität mit ihrem grossen Grundbesitz, dessen Einkünfte in den 
letzten Jahren durch die höhern Verpachtungen der Güter ansehnlich (um 
circa 20000 Thaler) gestiegen sind, als selbstständige Corporation dem Staate 
gegenüber steht, so ist bei den verbältnissmässig bedeutenden Fonds eine 



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494 Corre«pond«ai. 

entsprechende Besoldung der Lehrer ebensowohl mdglich als gerecht und 
billig. Denn einmal fällt das Honorar, welches auf andern Universitäten 
oft so bedeutend ist, hier so gut wie ganz weg; das gestundete geht erst 
nach einer Reihe von Jahren und auch dann nur immer sehr spärlich ein. 
Andererseits aber gehört Greifswald nach den hier einheimischen Verhäll- 
nissen keineswegs zu den Universitäten die durch billige Lebensweise sich 
auszeichnen. Die Gehatte der ordentlichen Professoren betragen durchschnitt- 
lich 900—1200 Thaler; nur Wenige haben mehr als 1200, Einige 800, auch 
wohl 700 Thaler; die ausserordentlichen Professoren, etwa zwei oder drei 
ausgenommen, bezichen den geringen Gehalt von 300 Thalern. Wenn nun 
laut der letzten Jahresrechnung die Gesammteinkänße der Universität sich 
auf 95000 Thaler belaufen, und dann nach dem jetzigen Etat nur circa 60000, 
also zwei Drittheile der Einnahme, für die Universität verwendet werden, so 
bleibt mindestens ein Obcrschuss von 30000 Thalern jährlich, welcher nicht 
etwa dem Staate unmittelbar zu Gute kommt, sondern als Vermögen der 
Corporation capitalisirt wird. — Warum, fragt man billig, werden diese 
Mittel nicht zu einer angemessenen Erhöhung der Gehalte verwendet, damit 
die Professoren, denen bei der geringen Frequenz der im Ganzen unbemit- 
telten Studirenden Honorar gar nicht zufiiesst, sich einer Stellung erfreuen, 
die gegen die andern Universitäten nicht allzusehr zurücksteht. Die litera- 
rischen Arbeiten werden eineslheils durch die Entfernung von dem eigent- 
lichen buchhändlerischen Markte, andererseits aber auch durch den, in einigen 
Fächern namentlich, unerhört lückenhanen Zustand der Bibliothek, welche erst 
seit einigen Jahren etwas reicher fundirt ist, überaus erschwert und sind 
mit ökonomischen Opfern verbunden. Auf mehrern Seiten freilich scheint 
das Urtheil festzustehen, als sei es doch unmöglich, der Greifswalder Uni- 
versität aufzuhelfen; ist das aber wirklich der Fall, dann möge man die 
Universität aufheben und die bedeutenden Fonds zweckmässiger verwenden. 
Die Schwierigkeiten, welche in der Stiftung des Vermögens für die Univer- 
sität dem entgegenstehen, würden sich um so leichter überwinden lassen, 
als die wohlhabende Provinz Pommern und auch die Stadt Greifswald den 
Verlust am Ende verschmerzen würde. Soll aber dia Universität einmal 
fortbestehen, nun so mögen die reichen Fonds, wie sie alljährlich aus dem 
grossen Grundbesitz fliessen, auch wirklich zur Erhaltung und Hebung der- 
selben verwendet werden! — Kommt es in Preussen zur Ausfuhrung der 
unter dem Ladenbergschen Ministerium schon angebahnten Reform der Uni- 
versitäten, so wird hier in Greifswald das Augenmerk insonderheit auch 
darauf zu richten sein, dass ein aus dem Concil der Universität hervor- 
gehendes und damit mehr oder minder im Zusammenhange bleibendes Cura- 
torium möglichst selbstständig und unabhängig die Rechte und Interessen 
der Corporation wahre, und die Corporation ihre Einkünfte auch ihrer Be- 
stimmung gemäss für Die, welche ihr Leben und Kräfte opfern, verwende. 

Zunächst ist nun eine angemessene Ergänzung der juristischen Facultät 
durch die Berufung eines ordentlichen Professors um so mehr dringendes 
Bedürfniss, als der geheime Justizrath Beseler durch seine parlamentarische 
Thätigkeit bereits iseit längerer Zeit genöthigt worden ist, von hier abwesend 
zu sein. Ebenso sind auch die Professoren Baumstark und Urlichs in den 
letzten Jahren immer während der Kammersitzungen verhindert gewesen, 
ihrem Lehrerberuf an hiesiger Universität nachzukommen. In der philosophi- 
schen Facultät ist durch den Tod des Professors Flor e 11 o, Gehalt Cur die 
Anstellung eines ausserordentlichen , Professors vacant geworden. Die 



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Correspondenz. 195 

Benifttiig eines Professors der Philologie und resp. der Literatur- 
g'e schichte dörfle um sd mehr im Interesse der Universität sein, als ein- 
mal durch die Abwesenheit von Prof. Urlichs eine Lücke entsteht and 
andererseits der durch literarischen Ruf und unermüdlichen Fleiss für die 
akademische Lehrthatigkeit gleich ausgezeichnete Professor Schoemann 
eine grössere Anzahl von Philologie Studirenden hieher zieht. Dem Ver* 
nehmen nadi steht auch die Berufung eines ausgezeichneten Privatdocenten der 
classischen Philologie an der Universität zu Berlin bereits in Aussicht. — 
Ferner hat Greifswald schon seit Jahren vielleicht allein unter allen preussi- 
sehen Universitäten keinen Lector fflr die neuern Sprachen. Der Wunsch, 
dass die Stelle des Lectorats endlich einmal besetzt werden möge, hat sich 
wiederholt von Seite der Studirenden ausgesprochen uiid ist wohl durch das 
Verhältniss, in dem die Universitäten gegenwärtig zu dem Öfientlichen und 
praktischen Leben stehen, hinlänglich motivirt. Gerade jetzt bietet sich eine 
günstige Gelegenheit dar, dass diesem dringenden Bedürfnisse durch einen 
dazu qualificirten Mann entsprochen werde. Es steht zu hoffen, dass das 
CuHosministerium diesem auch vom Concil bereits bevorworteten Wunsche 
durch die Anslellong eines tüchtigen Münnes nachkommen werde. — Ausser- 
dem aber hofft man viel von der Berufung eines namhaften und a4i- 
erkannten Nachfolgers des verstorbenen Professors Hornschuch. — 
Die Naturwissenschaften sind bis jetet in der philosophischen Facultät haupt- 
sächlich nur durch den Professor der Chemie Hühnefeld vertreten. — 
Die schon seit dem vorigen Herbst erwartete Anstellung eines ausserordent^ 
liehen Professors der Chemie, welcher insbesondere auch die technologische 
Seite dieser Wissenschaft vertreten sollte, ist noch nicht erfolgt. 

Am zahlreichsten besucht ist hier in den letzten Decennien die medi- 
ciiüsche Facultät gewesen; soll die Frequenz der Universität Insbesondere 
auch durch diese Facultät erhalten werden, so ist die Anstellung emes 
bewährten namhaften Mannes für Zoologie und Botanik auch desshalb unum- 
gänglich nothwendig. Bereits sind zahlreiche Meldungen für diese Stelle 
bei der philosophischen Facultät eingegangen. Unter diesen befinden sich 
anerkannt tüchtige bewährte Männer. Es gehört zu den Lebensfragen der 
Universität, dass durch die Anstellung eines namhaften und in diesem Fache 
bereits bewährten Mannes dem dringenden Bedürfniss entsprochen werde. 

Promovirt wurden in der philosophischen Facultät in diesem Jahre 
die Herren Niemeyer, welcher „de equitibus Romanis ^^ schrieb, und der 
Orientalist Ah I war dt, welcher eine Dissertation über einen noch nicht 
herausgegebenen arabischen Dichter einreichte. Die theologische Facultät 
ertheilte dem bisherigen Pastor Moll in Stettin, welcher als ordentlicher 
Professor der praktischen Theologie im vorigen Herbst nach Halle berufen 
wurde, die theologische Doctorwürde honoris causa. 

O. Königsberg, den I.April 1851. (Feier de« IS. Januar. Lehnerdt. Merkel.^ 

Heue. Lobeek. Mnemonik.) Der 18. Januar, als der Jahrestag unseres erlauchten 
Königshauses, wurde wie gewöhnlich in solenner Weise auch bei unserer 
Universität begangen und diessmal vorzugsweise solenn, indem damit sich 
zugleich das Andenken an das ISOjäbrige Bestehen desselben verknüpfte. Unser 
akademische Redner, Geh. Rath Lob eck, hielt, obwohl noch unwohl, auch 
diessmal in bekannter ausgezeichneter Weise den Redeact in der Aula unserer 
Universität. Nachdem derselbe bereits eine Zeit lang über das gewählte 
Thema „die Restauration der Wissenschaften^^ gesprochen und darauf hin- 
gewiesen, wie sich in ähnlidier Weise als in der politischen Lage unseres 



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f96 Corre^poiideax. 

Vaterlandes^ so auch in den Wissensohnften reaeti^nare Bestreblmgen nicbl 
verkennen Hessen ^ ereignete sich ein komischer Zufall, der unter einem 
Theil der zahlrekdi versammelten Euhörer seine Wirkung nicht verfehlte, die 
wahrscheinlich grosser gewesen wäre, wenn man nicht decenter Weise aaf 
den dadurch nicht unterbrochenen Vortrag des Redners Rucksicht genommen 
hatte. Eben nämlich war derselbe, fortgerissen von dem Strome seiner Rede 
in die Worte ausgebrochen: „Hütet euch vor der Reaction, sie naht mit 
gewaltigen Schritten^S als sich die Thure des an den Saal stossenden Senats* 
Zimmers öfinete und die soeben perhorrescirte Reaction in der Person eines 
hiesigen Professors, der sich verspätet hatte, mit eiligen Schritten in den 
für die Hitglieder der Universität bestimmten Raum der Aula trat. — Nach' 
Beendigung des interessanten Vortrages war es Zeit, die Schritte naeh dem 
Sitzungssaale der Königl. Deutschen Gesellschaft tu lenken, wo Geh. Rath 
Rosenkranz es übernommen hatte, durdi einen zweiten Redenct die Feier 
des Festes zu begehen. Der beUebte Redner sprach wie immer so auch 
diessnial vor einem äusserst zahlreichen Publicum aus allen Slättden. Seine 
Rede, von der trotz des grossen Andranges kein Wort verloren ging, behau* 
delte einen Vergleich des philosophischen Standpunkies Preossens mit jenem 
der übrigen Staaten Deutschlands und findet sich bereits im Februarhefie 
der Preuss. Provinzialblätter abgedruckt 

Seitdeni sind noch von zwei andern Mitgliedem maerer Universität bei 
den Sitzungen der Kdnigl. Deutschen Cfesellschaft in demselben Locale Vor- 
träge gehalten, einmal von Prof. Lehrs, der ans einen nicht weniger in«- 
teressanten als gedrängten Auszug aus Grote's the history of Greece mit- 
theilte, indem er auf die Wichtigkeit dieses erst im vergangenen Jahre 
erschienenen Werkes aufmerksam machte, das andere Mal vor erst einigen 
tagen von Prot A. Hagen, der uns' eine gedrängte Geschichte der Spiel- 
karten vortrug. 

Was das Personal unserer Universitätslehrer betriiH, so ist dasselbe 
noch immer in einer fortwährenden Umwälzungs- und Verwandlungsperiode 
begriffen, so dass schon seit mehrern Jahren fast kein Semester verfliesst, 
in welchem uns der Lectionskatalog nicht einige Namen brächte, die wir in 
demselben noch nicht kennen, während andere, alte und wohlbekannte, aus 
demselben verschwunden sind. So wird uns auch jetzt in den nächsten 
Tagen der beliebteste, erst vor wenigen Wochen durch ein Vival gefeierte 
Lehrer unserer theologischen Jugend, Prof. Lehnerdt, verlassen, um dem 
Rufe nach Berlin an Stelle des verstorbenen Neander Folge zu leisten; als 
seinen Nachfolger bei unserer Albertina bezeichnet man den zukfinfligen 
Schwiegersohn unseres theolog^chen Primarius, den Prof. Otto aus Jena.— 
Die juristische Facultät erhält einen in ihr schon seit Jahren unerhörten 
Extraordinarius in dem bisherigen Dr. Merkel aus Berlin, einem Manne, der 
bereits durch die Herausgabe mehrerer Schriften (noch im letzten ^ Jahre 
* erschien die lex Salica ed. Merkel, Berlin 1650) rühmlichst bekannt ist und 
dem ein sehr günstiger Ruf vorangeht, woCur uns ein hinreichender Beweis 
ist, i9iS8 unsere in 4er Aufnahme ihrer Mitglieder sehr wählerischen Juristen 
die Berufung dieses Hannes sehr angelegentlich gewünscht und bevorwortet 
haben. Auch die medicinische Facultät bringt uns unter ihren Privatdocenten 
einen neuen Namen in dem Dr. v. Wittich., der firedlich mit vollem Fug 
und Recht schon im* vorigen Lectionskataloge gestanden hätte, wenn ihn 
nicht bis vor Kurzem die Knberufung zur Landwehr ven seineiii Lehrstuhle 
entfernt gehnlten hätte. Die phifa^ophische Faeuliat endttdi bat sidi diess- 



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md am stas^hüftesten gehalten, wiewahl diese StandhaftigkeU vielleicht nicht 
von langer Dauer cietn dürfte« Dennk einmal hat der sehr beliebte Extra- 
ordiMrius, Prof. Hesse schon vor langer als einem halben Jahre einen im 
höchsten Grade ehrenvollen Ruf als Ordinarius nach Dorpat erhalten, über 
dessen Annahme eder Zurückweisung aber bis jetzt unbegreiflicher Weise 
mcfats Näheres su hören ist,, andererseits aber spricht ein dunkles Gerücht 
von einem noch andern möglichen Abgange eines Docenten dieser Facultät, 
dessen Bestätigung für unsere Universität ein unersetzlicher Verlust sein 
wurde,, wesshalb auch noch Niemand diesem Gerächte rechten Glauben 
schenken will. Geh. Rath Lübeck nämlich beabsichtigt, den Sommer dieses 
Jahres, theils zur Wiederberstellupg seiner seit einiger Zeit geschwächten 
Gesundheit, theils zur Ordnung vqb Familienangelegenheiten in Deutschland 
zazttbringen, und soll geäussert haben, dass er vielleicht nicht mehr zurück- 
kehren werde, sondern sich von dem öffentlichen Leben zurückzuziehen und 
in der Zurückgezogenheit seiner Heim<(th ganz den Musen zu leben gedenke. 
Ist auch vielleicht dieses Gerücht lediglich aus der Befürchtung vor dem 
Verluste, der uns treffen könnte, entsprungen, so würde jedenfalls geistig 
unsere Albertina in ihren GrundCesten erschüttert werden , wenn auch noch 
ein solcher Mann, wie Lpbeck es. ist, uns verlassen sollte. ]>enn nur die 
Mitwirkung ähnlicher Celebritaten , deren gegenwärtige Zahl zu bestimmen 
uns eben nicht schwer, fallen dürfte, ist im Stande, unserer alma mater ihren 
alten Ruf zu erhalten und sie nicht im Kreise ihrer Schwestern erröthen zu 
machen, sie, die bereitj; mit so. viel Stolz ajüf so manchen ihrer Söhne nieder- 
blicken kann, der, dem Laufe der Natur folgend, sich von der zärtlichen 
Hutterbrust, die ihn nährte und, erzog, losriss, um in weitern Kreisen den 
Ruhm seiner Mutter zu verbreiten« Sie, die bejahrt^, die aber noch, trotz 
ihrer sporadischen Vereinzelung, sich keck, wie ein einziges Eiland in dem 
weiten Weltmeer,, g^gen die von a}len Seiten auf. sie anstürmenden Wogen 
der Zeit wehrt, b,edarf wahrlich zu ihrer Erhaltmg kräftiger Stützen, die sie 
jetzt eben nicht zu zahlreich hat, 

Sdiliesslicb erlauben Sie mir doch noch, mit ein Paar Worten einen 
gewissen Prof. Lichtenstein zu erwähnen, der ums gegenwärtig mit seines 
Vortragen über Mnemonik heimsucht, trotzdem, dass ihm schon aus Berlin 
ein oder gar mehrere eben nicht sehr günstige Correspondenzartikel voraus- 
gegangen sind. Weiss Gottl^ bei uns Königsbergern wird der Hr. Professor, 
wie seine Vorgänger, keine goldenen Berge erndten, bei uns ist Mnemonik 
kein Feld, das sich mit' Erfolg ausbeuten lässt. Trotzdem, dass zu Aller 
Verwunderung Rosenkranz dem Erscheinen des GedächtnisskünsÜers eine 
sehr lobende Empfehlung in unserer Zeitung vorangehen Hess und demselben 
sogar mit bekannter Humanität die Universitätsaula zu seinen Vorträgen ein- 
räumte, ist die.^s Alles nicht im Stande gewesen, ihm ein zahlreiches Audi^ 
torium zu verschaffen. Daher haben denn der Hr. Professor sich schon 
beseheidentlich aus der Aula zurückgezogen, um in einem Privatlocaie Vor- 
träge vor einigen jungen Handlungsgehülfen zu. halten, bei denen er allein 
noch einige Zuhörer findet, die vielleicht glauben, durch die Wissenschaft 
der Mnemonik ergiebige Resultate für ihr in. der Einförmigkeit ihrer Laden- 
tische geschwächtes Gedächtniss zu erzielen. Glück auf den Weg und bes- 
sern Erfolg als bei uns! 

y. Leipzig, Anfang April. CKritisch« BUcke auf da« Leetkmsverxtiehnis« des SoBiu«rhalb- 
Jahrs. Die bevorstehende Reorganisation der akademiseheii Verwaltnng«beh<<rdeii.) DlC VorleSUngeU 

des Wintersemesters sind been^gt und die Ferien haben begonnen, ich kann 

Akadem. Monatsschrin. Aprd 186f. SB 

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198 Correspondenz. 

Ihnen daher nichts über das gegenwartige, sondern nur Einiges über das 
zukunftige Leben unserer Universität berichten: ich meine, einige Worte zur 
ßeurtheilung des Lectionsverzeichnisses derselben für das bevorstehende 
Sornmersemester. Es ist der Gesammtzahl der angekändigten Vorlesungen 
nach reichhaltiger 'tils in den letzten Semestern; aber um so mehr wird 
es erlaubt sein, auf einzelne, desto auffallendere Lacken hinzudeuten, die 
wir bei der vorzüglichen oder doch guten Vertretung der äbrigen Partieen 
an der vierten Universität Deutschlands ungern wahrnehmen. Es betreffen 
diese Lücken namentlich die allgemeinen Studien, deren Lehrer die sg. philo- 
sophische Facultät bilden. In den eigentlich philosophischen Wissenschaften 
ist hier der streng theoretische Theil wenig, der historische gar nicht mit 
Vorlesungen bedacht, dagegen die mehr praktischen Theile der philosophi- 
schen Studien gut vertreten sind. Die altclassische Philologie zählt eine 
Reihe von Docenten und Vorlesungen, so dass man die von Manchen gehegte 
Befürchtung, das Studium derselben werde nach Hermanns Tode hinwelken, 
als ungegründet ansehen mag; doch vermissen, wir gerade speciell, worüber 
Hermann regelmässig las : griechische Tragiker. Sehr reich bedacht ist das 
Fach der orientalischen Literatur, nur karg das der neuern Sprachen. An 
einer Universität wie Leipzig kein Vortrag über classische Werke der fran- 
zösischen oder englischen Literatur, keine Einleitung in das Studium dieser 
Sprachen?! Des Studiums der alldeutschen Sprache noch zu geschweigen, 
deren einziger Lehrer an unserer Universität dermalen noch durch persön- 
liche Verhältnisse am Lesen behindert ist. Das Fach der historischen Wissen- 
schaften würde in ziemlicher Vollständigkeit besetzt erscheinen, wenn wir 
nicht die ganze Branche der historischen Hülfswissenschaften vergeblich im 
Lectionskataloge suchten. Karg bedacht mit Vorlesungen ist das Fach der 
Staatswissenschaften, wie denn überhaupt das Studium derselben auf unserer 
Universität noch einer namhaften Mehrung der dafür schon vorhandenen zum 
Theil sehr vorzüglichen Kräfte zu bedürfen scheint. Desto reichhaltiger 
besetzt sind die mathematischen und Naturwissenschaften. — Unter den Fa- 
cultätsstudien ist am reichlichsten die theologische Facultät mit Vorlesungen 
versehen; hier zeigt sich eine Mannichfaltigkeit der Vorträge und der Rich- 
tungen, die zu den vorzüglichsten Erwartungen berechtigt. Diessmal sind 
auch durch die Berufungen von Kahnis und Liebner mehrere früher sehr 
fühlbare Lücken ausgefüllt. Fast im Gegensatze hiezu steht die juristische 
Facultät; es sind in ihr nur 28 Vorlesungen angekündigt, der grosseh Hehr- 
zahl nach, wie es bei dieser Zahl nicht anders sein kann, nur die Haupt- 
doctrinen umfassend. Wir vermissen schmerzlich ein Behandeln einzel- 
ner Partieen, wofür doch so vorzügliche Kräfte vorhanden sind. Keine 
Vorlesungen z. B. über deutsche Rechtsgeschichte, und bei den mei- 
sten HauptcoUegien , die selbst auf viel kleinern Universitäten zwei- und 
dreifach angekündigt werden, keine Concurrenz. Die günstigste Entschuldi- 
gung dafür wollen wir in der Kürze des Sommerhalbjahrs finden und hoffen 
im Wintersemester desto grösserer Mannichfaltigkeit zu begegnen. Die medi- 
cinische Facultät endlich enthält ein sehr ansehnliches Verzeichniss von Vor- 
trägen; mit Bedauern vermissen wir darunter nur gänzlich das Fach der 
Seelenheilkunde, das seit Heinroths Tode nur dann und wann und mehr 
nebenbei vertreten ist. — Über die bevorstehende Reorganisation der aka- 
demischen Verwaltungsbehörden, wozu ein Entwurf von der Regierung dem 
Senate hereits zur Berathung vorgelegt ist, kann ich, da die dessfallsigen 
Verhandlungen noch nicht beendigt sind, nichts Specielleres hier melden. 
Nur soviel bemerke ich, dass der jetzige Organismus, wonach der Senat aus 



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CorreipoiKlim. 199 

sxmmtltcben ordetttUoben Professoren, aber auch nur aus diesen bestand, 
insofern eine wesentliche Veranderangr erleiden dürfte, als man beabsichtigt, 
die ausserordentlichen Professeren gleichfalls in gewisser Weise an den all- 
gemeinen Yer^valtungsangelegenheiten eu betheiligen, andererseits aber einen 
Theil der letztem einem an der Spitze der Universität stehenden, aus 
den Professoren gewählten und also eine kleinere Mitgiiederzahl als jetzt 
umfassenden Senate zu überweisen. 

r. Innsbruck, Ende März. CBevorsti-hnxle Peraonalveränclrrnngen. Professoren gehalt. 
Benntcuiig der Bibliothek, Staatsprnfungseomniission. Acadeniia degli Agiat!.) DaS Winterhalbjahr 

geht zu Ende; die Aussichten für unsere an Kräften arme Universität sind 
trübe. Die Frequenz, welche bis jetzt im Yerhältniss zu frühern Jahren 
ansehnlich war, scheint für das Sommerhalbjahr sich vermindern zu wollen; 
die Italiener (d. h. Südtiroler) werden mit der Wiedereröffnung der italieni- 
schen Universitäten unsere Hochschule verlassen. Andererseits scheint Prof. 
Phillips jedenfalls für die hiesige Universität verloren zu sein. Anfangs 
hiess es, er werde überhaupt Österreich verlassen; jetzt bildet sich ein sehr 
bestimmtes Gerücht, dass er in gleicher Eigenschaft nach Wien versetzt 
werden solle. Auch Prof. Kerer soll von der hiesigen Universität abtreten 
wollen. Beides wollten wir gerne verschmerzen, wenn ein anderes Gerücht 
sich bewahrheiten würde, das Gerücht nämlich, dass der bekannte in Meran 
ansässige Geschichtschreiber Dr. Lentner im Sommersemesler allhier Vor- 
träge über deutsche Literatur, einen an unserer rein deutschen Universität 
bisher ganz unbekannten Gegenstand, halten werde. — Was dem Aufblühen 
unserer Hochschule vor Allem im Wege steht, ist die Unverhältnissmässigkeit 
des Einkommens der Professoren. Nur Phillips hat einen anständigen Gehalt; für 
die übrigen steht er zwischen 600 und 1000 £!., welche Summe nur bei Ein- 
zelnen überschritten ist. Mit solchem Gehalt lässt es sich in Innsbruck, das 
nicht gerade ein sehr wohlfeiles Leben darbietet, kaum existiren. Wenn daher 
einzelne Professoren nicht noch einige Nebenhebungen hätten, die geistlichen 
Herren ihre nicht unbedeutenden Messestipendien, andere was ihnen irgend 
ein Nebenamt einträgt, — Prof. Böhm ist Secretär der landwirthschaftlichen 
Gesellschaft, Dr. Schüler ständischer Archivar, — so könnten sie nur spär- 
lich leben. Mit dem schriftstellerischen Verdienste ist es schon darum schwach 
bestellt, weil die Bibliothek nur geringe Unterstützung für literarische Arbei- 
ten bieten kann. Was ihre Benützung betrifft, so hat denn doch endlich die 
Lernfreiheit so weit durchgeschlagen, dass selbst die Studenten nun über 
sie disponiren und sogar Bücher aus derselben nach Hause erhalten können, 
freilich um gutes Geld (0, ein Artikel, der den Innsbrucker Studenten nur zu 
sehr abgeht, wesshalb die Bibliothek nur von Wenigen benützt wird. Gelegent- 
lich will ick hiebet bemerken, dass sich hier im Museum Ferdinandenm ein 
wahrer Schatz für die vaterländische Geschichte befindet, der aber der stu- 
direnden Jagend so gut wie verschlossen ist. Es ist diess die kostbare 
Bibliothek von Di Pauli, einem verstorbenen tirolischen Patrioten. Eine freie 
Benützung derselben wäre im höchsten Grade wünschenswerth. 

Die Commission für die Staatsprüfung ist nun auch bei uns niedergesetzt; 
an die Stelle des! zum Rath am oberteh Gerichtshof ernannten Dr. Neupauer 
ist der Landesgerichtsrath Trentinaglia zum Commissär bei der judiciellen 
Abtheilung der theoretischen Staatsprüfungen bestimmt. Nach dem „Wanderer" 
sollen mehrere Studirende in Wien sich an den Unterrichtsminister mit der 
Bitte gewendet haben, statt der Staatsprüfungen wieder die frühern Semestral- 
prüfungen einzufahren. Glücklicherweise sollen die Petitionirenden keinen 



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aOD Corrcfpowi«». 

Züni^tigen Bescheid erhalten haben. Aber es ist jedenbAs ein trauriges 
geichen der Zeit, dass aus der Mitte der sfudirenden Jagend eine solche 
mit der Lemfreiheit in directem Widerspruch stehende Bitte ausgehen kcHinte. 
Allerdings sind auch hier Befürchtungen aufgetaucht, weiche den Mechanis- 
mus des alten Systems der Gefahr vorziehen möchten, die für Ignoranten 
mit dem neuen Examen rigorosum verbunden sein soll. Doch bilden diese 
Furchtsamen die kleine Minderzahl. Wollte sich unser Unterrichtsminister 
durch solche Stimmen irre machen lassen, so dürfte er nur alle so wohl- 
thatigen Reformen im Studienwesen wieder aufheben. — Von einer Versetzung 
der theologischen Facultat in Brixen an die hiesige Universität ist keine Rede 
mehr. Es wäre diese Versetzung auch für die weitere Ausbildung der Studien- 
freiheit schweriich ein Gewinn. Ebensowenig scheint sich eine Bereicherung 
der medicinischen Studien durch die schon von Lange vor seiner Berufung 
nach Prag beantragte Obersetzung des Alalaste bei Trient in die hiesige 
Stadt realisiren zu wollen, und doch wäre der Besitz einer Gebäranstalt fär 
Innsbruck kein Superfluum! •— Das immerwährende Nationalitätsgezänke 
zwischen Nord- und Südtirol scheint es veranlasst zu haben, dass der vor 
einem Monat in Roveredo von der Academia degli Agiati abgehaltene Literaten- 
congress von Innsbruck aus nicht beschickt wurde, obwohl die Akademie 
ein tirolisches Institut ist. Die Verhandlungen wurden freilich in italieni- 
scher Sprache gepflogen; doch sollte diess die Innsbrucker Gelehrten nicht 
von der Theilnahme abhalten dürfen, da der verhältnissmässig grossen Zahl 
von italienischen Studirenden halber, die die Universität Innsbruck besuchen, 
jeder Professor an unserer Hochschule des Italienischen mächtig sein musste. 

Q, Prag, Ende März* (Penonalien.' Das Rigorosun. LneTercin 4er Sto^Ireuden.) 

Unserm rechts- und staatswirthschaftlichen Studium steht der Verlust des 
Prof. ord. Nowak und des Docenten Makowiczka bevor. Ersterer, wel- 
cher im Wintersemester Politik vortrug, soll für das Sommerhalbjahr nach 
Wien berufen «ein; letzterer, dessen Verlust von allen Seiten betrauert 
MTurde, war früher Professor in Lemberg und Deputirter bei der National- 
versammlung in Frankfurt; er soll einem Rufe als Secretär der neu eonstituir- 
ien Handelskammer in Reichenberg zu folgen gesonnen sein. Leider konnte 
er bis jetzt ^e ordentliche Professur nicht erlangen, so sehr ihn seine an«> 
erkannte Tüchtigkeit dazu qualificiren würde. Von dem ordentlichen Pro- 
fessor der Geschichte Dr. Vietz heisst es, dass er seine Stelle mit einer 
Gymnasialprofessur vertauschen werde. Dann wäre hier das Fach der Ge- 
schichte ganz verwaist. Man spricht bereits von Dr. Springer als Dem- 
jenigen, der für das Sommersemester einen Lehrauftrag für die historischen 
Fächer erbalten solle. Derselbe hatte schon früher mit vielem fiei&Ile hier 
gelesen. Von unserm Processualisten , Prof. Dr. Haimerl, dem Begründer 
und Herausgeber des juridischen Magazins, ist ein sehr schon ausgearbeite- 
ter Aufsatz über die künftige Form des Rigorosum geliefert worden. Das- 
selbe durfte an Ausdehnung und Strenge gewinnen, was nur wünschenswerth 
ist, da strenge Staatsprüfungen und Lemfreiheit unzertrennlich sind. — Gegen- 
wärtig bestehen hier für Studirende zwei Lesevereme, eine Lesehalle der 
deutschen und eine der böhmischen Studenten. In ersterer liegt Ihre aka- 
4emische Monatsschrift auf und wird sehr stark gelesen; in der böhmischeji 
soll ihre Anschaffiuig beschlossen sein! 



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Auf eiMBe CorroapMidemE. Ml 

IT, 

Allgenebie CoirespoDileiiz. 

Nach öffentlichen Blattern soll die badische Regierung jetzt mehr ab 
je daran denkeo, die heiden Landesimiversitaien Freib«rg und Heidel* 
berg in eine zu verschmelzen, d. h. Freiburg als Universität aufzuhebeo. 
Die erzbischöfliche Curie in Freiburg soll sich, so heisst es, diesem Project 
jetzt weniger widersetzen, da ihrem Wunsche» eine katholisch-theologische 
Anstalt ohne alle Beimischung zu besitzen, hiemit entsprochen werden könnte. 
Auch stehe zu erwarten, dass die wurttembergische Regierung, nachdem sie 
durch den Eisenbahnvertrag der badischen zu Dank verpflichtet sei, wegen 
der Dotation der Universität Freiburg durch Gefälle im Wurttembergischen 
nicht die Einsprache erhoben werde, die man früher vorausgesetzt habe» 
Freiburg würde wohl alsdann noch durch eine Forstakademie entschädigt 
werden. Was an dieser so oft schon wiederholten Insinuation Wahres sei, 
und ob man in dem gegenwärtigen Augenblicke, in welchem der Stand der 
Universität Freiburg ein blühender genannt werden muss (s. A. M. S. März- 
heft S. 114.)t an einen solchen Plan wirklich denkt, muss die Zukunft lehren^ 

Aus Heidelberg hört man, dass der aus Erlangen dahin berufene 
ausserordentl. Prof. der Theologie Schöberlein sehr gerne von den Stu^ 
direnden gehört werde, die ihm am Schlüsse des Seroesters ihre Anhangs 
lichkeit und Hochachtung durch ein Ständchen ausgedrückt hätten» Sehr 
befriedigt ist man über die Besetzung der Stelle Rothe's durch Schenkel. 
Die theologische Facultät ist nunmehr vollständig besetzt — Für den in der 
juristischen Facultät zu besetzenden Lehrstuhl nennt man neuerlich Renaud 
in Giessen. In der medicinischen Facultät soll die durch Nägele 's Tod 
entstandene Lücke nicht durch eine Berufung ausgefüllt werden. Eine weitere 
Lücke soll sich in dieser Facultät dadurch ergeben, dass der berühmte 
Chemiker Gmelin sich ganz in das Privatleben zurückziehen wolle. 

Durch die verspötete Erscbesiung des Marzheftes konnten wir in den 
Persooalnotizen desselben noch den am 6. März in Giessen erfolgten Tod 
des Geheimenraths Aeg. v. L ö h r anzeigen. Er hatte noch bis zum Tage vor 
seinem Tode in gewohnter Weise seinen Studien und Geschäften obgelegen, 
v. Löhr, geboren zu Wetzlar 1784, 1808 Justizrath und Professor der Rechte 
an der von dem Grossherzoge von Frankfurt zu Wetzlar gestifteten Rechts*- 
schule, war seit 1813 eine der hervorragendsten ZierdeA von Giessen ebenso 
als praktischem Docent, wie als gelehrter Quellenforsch^r des römischen 
Rechts, worin er nach dem Urtheile der Sachkundigen, wenn von einem 
seiner Zeitgenossen erreicht, doch von keinem übertroOen ist. Die allge- 
meinste Achtuqg folgt dem so humanen als gelehrten Mann, dessen Gut- 
mütfaigkeit fast spruchwörtlich war, in die Gruft, — Ein weiterer Verlust 
soll Giessen drohen, indem der Botaniker Prof. Braun eine Berufung an 
die Universität Berlin erhalten und angenommen habe. 

Ueber die Zukunft 4er Universität Kiel ist man nicht ohne Besor^iss. 
Jedenfalls wird mm ihr den Zuzug aus Schleswig zu verkümmern swchen, 
welches in den Bereich der Universität von Kopenhagen gezogen werden 
soll. Wenn »an erwagt, dass in dem Herzogthufh Schleswig 306 Prediger- 
stellen, 250 BeamtensteBen und gegen 100 Advocaturen durch Leute besetzt 
wwrden, welche sawntlidi ihre Sudien in Kiel geniM^ht iMtteD, ao wird mitn 



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202 AUgeineuie Correspoodest. 

erkennen, welche Bedeutung für die Universität Kiel die Danisirung Schles- 
wigs hat. Was die BOdungsmetbode betrifft, so gibt es keinen schroffem 
Gegensatz als den das dänische Abrichtungssystem mit überwiegendem Aus- 
wendiglernen und schematischem Formelwesen gegen das von der Kieler 
Universität getragene, in ganz vorzüglichem Grade deutsche Bildungswesen 
der Herzogthümer darstellt. Neben den Verlusten, die Kiel durch den Ab- 
gang von Liebner nach Leipzig und von Prerichs nach Göttingen erleidet, 
können wir indessen doch auch melden, dass Dr. Steindorff sich daselbst 
als Privatdocent an der medicinischen Facultät.habilitiren wird. 

Die Universität Jena hat am 14. März einen harten Verlust erlitten. 
Es starb daselbst der Geh. Hofrath und Prof. der griechischen Literatur, 
Ferdinand Gotthelf Hand. Erst 65 Jahre alt und geistig wie körperlich 
vollkommen kräftig, hätte er nach menschlichem Ermessen noch lange thätig 
sein können. Durch eine kleine Verletzung am Finger mit einem Messer 
hatte er sich eine Venenentzündung zugezogen, der er so plötzlich unterlag. 
Seit 1817 war der Verstorbene an der Universität Jena thätig, und hat in 
dieser langen Reihe von Jahren die segensreichste Wirksamkeit entfaltet. 
Ausser seinen philologischen Schriften hat ihn besonders seine „Aesthetik 
der Tonkunsttf in weitern Kreisen bekannt gemacht. In den Jahren 1842 
bis 1848 beschäftigte ihn die Redaction der Neuen Jenaischen Allg. Literatur- 
Zeitung. Allgemein wird sein Verlust auf das tiefste betrauert. Unsere 
A. M. S. verliert an ihm einen wohlwollenden Correspondenten. — In der 
theologischen Facultät hat sich für das kirchengeschichtliche Fach Dr. Vogel 
habilitirt. 

In Rerlin sowie an andern Universitäten fangen die Studirenden an, 
Beiträge zu sammeln, um dem verstorbenen Neander ein Denkm$l zu 
errichten. — Der 13. März war für die Berliner Universität ein ünglückstag. 
Nachdem in kaum mehr als Jahresfrist Berlin aus allen Fächern der Wissen- 
schaft Notabilitäten verloren hat, wir erinnern an Zumpt, Hecker, Neander, 
Linck, Kuuth, Dirksen, Jacobi, starben an dem bezeichneten Tage zwei aus- 
gezeichnete Mitglieder der philosophischen Facultät: Lachmann und Stuhr. 
Ersterer starb in Folge einer falschen Rose, welche die Abnahme seines 
Beines oberhalb des Fussgelenks nothwendig machte, sechs Tage nach der 
Amputation, letzterer starb am Schlagfluss. Heide waren unverheirathet. 
Dr. Carl Lach mann war am 4. März 1793 zu Braunschweig geboren und 
hat somit ein Alter von 58 Jahren erreicht. Seine erste Bildung erhielt er 
auf dem Collegium Carolinum; später besuchte er Göttingen, wo besonders 
Ben ecke seinen Studien die Richtung auf die mittelalterliche deutsche Li- 
teratur gab. Im Jahre 1S19 wurde er als Oberlehrer an das Gymnasium 
Fridericianum und zugleich als ausserordentlicher Professor der Philosophie 
nach Königsberg berufen. Im Jahre 1825 kam er als ordentlicher Professor 
in die philosophische Facultät nach Berlin. Was er für Erkli^ung und Her- 
-ausgabe lateinischer und deutscher Classiker geleistet, wir erinnern nur an 
seine Ausgaben des Gaius, des Lucrez, des Nibelungenliedes und Lessings, 
wie segensreich er als Lehrer gewirkt, welche Anzahl ausgezeichneter Schüler 
unter ihm gebildet worden ist, über Alles dieses hoffen wir in einem beson* 
.deren Nekrolog Auskunft ertheilen zu können. Seine Beerdigung versam- 
melte alle Koryphäen der Wissenschaft von der Akademie, wie von der 
Universität, namentlich sah man Böckh, Jacob Grimm, Licht enstein, 
Massmann, Dieterici, Trendelenburg; auch viele höhere Beamte 
vom Civil und Militir waren anwesend, die Studenten fanden sich in grossem 



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Allj^ineiiNi C^lrrespondent. 908 

Zag mit MaffichiUen tind Führefrn ein. Laobmann rakt diehl neben Scfaleier- 
macher. Die Gedaehtnissrede hielt der Prediger Butt mann, ein Sohn des 
berühmten Philologen. Der Redner hob hervor, dass Lacbmann in gewissen 
geschäftliGhen Beziehungen sich s^^hrofF und herb zeigte, und bei solchen, 
die ihn zu fürchten hatten, in den Ruf der Harte gekommen war, dass er 
aber denen, die naher mit ihm bekannt Wurden, das treueste und freund- 
lichste Geniüth offenbarte. Die Feier war duster durch das rauhe Wetter, 
doch ein sanfter Choral von den Studirenden gesungen, löste die herben 
Dissonanzen auf in mildere Trauer. — Peter Feddersen Stuhr ist aat 
29. Hai 1787 zu Flensburg geboren; der Name Feddersen ist der Familien-' 
naine seiner Mutter. Er stndirte zuerst Rechtswissenschaft in Kiel, wandte 
sich aber nachher ganz zum Studium der Philosophie, besonders in Heidel*- 
berg unter Gorres, und in Halle unter Steffens. Später richteten sicli 
seine Studien mehr auf die Geschichte, besonders auf die deutsche und nor- 
dische Geschichte. Sein bedeutendstes Werk ist wohl das über den Unter** 
gang der Naturstaaten, Berlin 1812, worin er siegreich gegen Nie buh r 
polemisirte. Nachdem er unter den Uhlanen der hanseatischen Legion den 
ersten franzosischen Feldzug mitgemacht hatte, schrieb er im Winter 1814 
bis 1815 in Kopenhagen als veriäscbiedeter Stabsrittmeister seine Abhand- 
lungen über die nordischen Alterthümer, welche spater in Berlin 1817 im 
Druck erschienen. Auch den zweiten französischen Feldzug machte er theils 
in der preussischen Landwehr, theils in einem Uhlanenregiment mit. Von- 
Paris zurückgekehrt wurde er in Berlin Secretär der Militarstudiencommission, 
eine Stelle, aus welcher er bald wieder ausschied. Nunmehr erschien von 
ihm eine Reihe von kritischen, polemischen, theils der Geschichte, theils der 
Politik und der schönen Literatur angehorigen Schriften. 1821 habilitirte 
er sich an der Universität Oerlin, fing aber erst drei Jahre spater zu lesen 
an. hn Jahre 1826 wurde er ausserordentlicher Professor. Ordinarius ist 
er niemals geworden. Professor Nitzsch hielt ihm die Grabrede. Bei seiner 
Beerdigung hatten sich viele seiner Collegen und einige der hohem Beamten 
des Cultusministeriums eingefunden. Stuhr war ein eigenthümlicher Forscher, 
der. mit einer phantastischen Auffassung tiefe Gründlichkeil vereinigte. Sein 
Charakter war ein trefflicher; offenen, geraden Sinnes ging er durch's Leben, 
häufig ein .Sonderling und Träumer, aber ein Mann von Herz und Gesin* 
nung. Trotz seines haibdänischen Ursprunges war seine Richtung durchauii 
eine deutsche, — Die zweite Kammer zeigte sich bei Berathung des Gesetzeif 
über Justizorganisation professorenfreundlicher, als die erste (S. Märzheft 
S. 123), indem sie nach dem Vorschlage Simsons einen Zusatz zum $. 37 
annahm, wonach derjenige, der 4 Jahre die Stelle eines ordentlichen Pro- 
fessors an der juristischen Facultät einer preussischen Universität bekleidet 
hat, zum etatsmässigen Mitglied eines jeden Gerichts ernannt werden kann, 
ohne die Examina bestanden, und die gesetzlichen Stadien des Avancements 
erfüllt haben zu müssen. Dafür soll aber auch jeder Richter zugleich Pro- 
fessor an einer juristischen Facultät sein können! 

Aus München wird uns von einem glänzenden Studieiitenball geschrie- 
ben, welcher am 1. März in den Räumen des Odeon abgehalten worden sei. 
Bei der Rechnungsablage des Ballcomite ergab sich ein Überschuss von .80 ff., 
welche dem Unterstützungsvereine für dürftige Studirende zugewendet wur*- 
den. — Das Duell soll in München wieder mehr und mehr heimisch werden. 
Mit dem Jahre 1848 schien auch in dieser Beziehung eine Reform eintreten 
zu wollen. Es wurden mehrere Ehren -Streitigkeiten durch Schiedsgerichte 



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304 \llg«meiiie GorreaffOiiileiiE. 

auf fnefHichem W^e ülsgegtichen, tind die diitii«Hge Verlretef «*¥«saiiMiilmg 
hatte eimnat einstimtnig beschlossen: ^^Daelte wring ist aal^ehoben/' Aber 
das ist nun schon vergessen, und die Brrichtnng eines, stündigen Ehrenr- 
geridits ist blosses Project geblieben. — Vom Finanzininisteriumf sind jähr- 
lich 1800 fi. beslimnit^ die ab Reises%eiiAen i 600 fl. an drei, wissen- 
schaftlich gcbiMete Porstleute verliehen werden. Die Bewerber um diese 
StipeniVen müssen entweder die Asehaflfenborger Unterrichtsan^k oder den 
{örslwissenschAfttichen Cnrsus der Universität absolvirt und im Staatsexamen 
die eriste Noie erhaltenT haben ^ auch mindestens zwei labre ab Actuare im 
k« Dienst gteStanden sein. 

Die Universität Wfirzburg ist durch ein königliches Geschenk hoch 
erfreut werden. Zu- ihren Gebfruden gehört auch eine der schönsten Kirchen 
der Stadt, die sg. Neubankirche. Sie bildet mit den jetzt im Gebrauche der 
UniversilSt befindlichen Grebäuden ein Viereck, welches einen geräumigen 
Hof umschliesst. Bei ^r Säcularisation wurde die Kirche dem Gottesdienst 
entzogen, indem man daiin (fiö von den- Klosterbibliotheken erhaltenen Bücher 
nnterbrachle. Die Kr^sregierung, welche einen grossen Theil der Univer--' 
sitdtsgebdude inne hatte, brachte auch ihre alte Registratur in die Uhiversifits- 
kirche. Endlich schritt man zum Verkauf der Orgel und der Altfire, und so 
bildete mitten in den Universit^tsgebäuden die Kirche eine Ruine. DiePietfit 
gegen den Sfifter der Universität, dessen H^rz in der Kirche noch jetzt auf- 
bewahrt ist, forderte l^gst eine Restauration derselben. Unter den gegen- 
wllrtigen VerhftHnissen der Universitfit, die durch verschiedene Bauten, 
namentlich der neuien Anatomie, sehr in Anspruch genommen ist raMi deren 
Einkünfte durch die Ablösung nicht unbedeutend geschmälert sind, Wäre es 
unmöglich gewesen, aus den der Hodisehule zu Gebot stehenden Mitteln 
jene Restauration der Kirche zu bewirken. Seine Majestät der regierende 
König hat nun der Universität als Baufond für die Kirche die Summe von 
5490 fl. zugewiesen, wemit der grösste Theil der zur Wiedereinrichtung des 
fthademischai Gottesdienstes nöthigen Mittel bereits dargeboten ist, jährend 
man zugleich die sicherbeg rundete Aussicht auf Deckung des Mehrbedarfe 
in anderer Weise bat. Der Dank, von dem die Universität für das könig- 
liehe Geschenk erfüllt ist, fand seinen Ao£Nlruck in zwei Adressen des Senats, 
der ersten unmiUeHkA* an Seine Majestät den König gerichtet, der zweiten 
an den Uaterridhtsminister Herrn Dr. v. Ringelmann, der selbst bis zum 
Jahre 1838 der Universität ab einer ihrer ausgezeichnetsten Lehrer ange- 
hört hatte und dessen Verwendung dieselbe die allerhöchste Bntschliessung 
verdankt 

Am Schlüsse unserer allgemeinen Correspondenz kommt uns aus Inns- 
bruck als Nachtrag zu der im Märzheft S. 141 ff. gegebenen Frequenz der 
Universitäten und Facultäten folgende Notiz zu: In Innsbruck studirten 
im Wintersemester Jurisprudenz 195 immatriculirte Österreicher und 1 im- 
matriculirter Nichtösterreicker. Für Philosophie sind immatriculirt 13 Öster- 
reicher. Die Gesammtzahl der zur Universität gehörenden Studirenden befragt 
daher 211. Das theologisdie Studium ist in Brixen, wo im Ganzen gegen 155 
Theolegen sich befinden, darunter 5 Nicbtösterreicher. Die in Innsbruck sta- 
dbrenden Chanirgen gehören nicht zur Universität und betragen die Zahl 
von etwa 40; 



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Ifiebrichlm von hkttiemun und Gsfelbchiften der Wi<MMclNi(lea. 205 



NftcbflditMi voll ikadenleen mi GeseUscbafleii der WisMüschafteii. 

Kgl. Praussische Akademie der Wisseaschaften zu Berlin. 
Jan. 10. Gesaromtsitwing. Hr. Jacobi: über die Entwicklung des inversen 
Quadrats der Entfernung zweier in derselben Ebene befindlichen Planeten. — 
Jan. 17. Gesammtsitzung. Hr. v. Scheiling: über die Quelle der ewigen 
Wahrheiten. Hr. Bhrenberg: zwei wissenscbaflliche Mitthoilungen 1) übw 
eine allgemeiner interessante Bemerkung des Hrn. Dr. CohA in Breslau, 
welcJie den Grund des Pythagoraischen Verbots des Bohnen-*6enusses in der 
KeBBtniss der Bluterscheinung auf gekochten Bohnen, vermuthlich durch Monas 
prodigiosa, höchst wahrscheinlich macht; 2) über einen die Sonne zwei Tage 
lang trübenden Staubnebel in Russland «m 29. und 30. April 1849 bei h^-* 
term Himmel und ohne Sturm. — Jan. 21. Sitzung der pbys.-math. Classe. 
Hr. Weiss: über einen amerikanischen Bergkrystall mit ungewöhnlichen 
Krystallflachen. Hr. Müller tragt einen Bericht des Hrn. Helmholtz zu 
Königsberg^ über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenreizung vor. — 
Jan. 24. ÖfieiitUche Sitzung zur Feier des Jahrestages Friedrich II. Ein- 
leitungsrede des Seer. Encke. Hr. J. Grimm: über das Verbrennen der 
Leichea. — Jan. 31. Gesammtsitzung. Hr. Dove: über die allgemeine Theorie 
des Windes. Hr. Lachmann Uragt einen Beitrag J. Grimms zur althoch- 
deutschen Formldire vor. •— Febr. 4. Sitzung der phil-histor. Classe. 
Hr.Pertz: über eine der ftltesten Handschriften des Schwabenspiegels (a. d. 
2. Hälfte des 13. Jahrb., Fragmente in der kgl. Bibliothek}. — Febr. 7. 
Hr. Schott: Abriss der ehinesiscben Literaturgeschichte. — Hr. Poggen?- 
dorff: über den ungewöhnlich tiefen Barometerstand. — Febr. 14. Hr. Link: 
zweite Abhandking über den Bau der Orchideen. — Febr. 18. Sitzung der 
phys.*-aiath. Classe. Hr. Link; über die Pflanzenzelle. Hr. Dirichlet theilt 
einen Aufsatz des Hria. Eisenstein über eine neue Gattung zahlentheoreti- 
scher Funoiionen mit. Hr.Peggendorff gab einen Bericht von einer Arbeit 
des Hrn. Clausius über die bewegende Kraft der Warme und die Gesetze, 
welche «ich daraus für die Warme selbst ableiten lassen. Hr. Prof. Göppert 
in Breslau hatte Betrachtungen über mikroskopische Organismen von sich 
und IXr. Cehn in Breslau eingesendet. — Febr. 21. Gesammtsitzung der 
Akademie. Hr. Magnus: über die Ernährung der Pflanzen. — Febr. 28. 
Hr. Grelle: Bemerkungen zur Statik unfester Körper, an dem Beispiele des 
Drucks der Erde auf Futtermauern. Hr. J.Grimm: über die Wörter „WolP^ 
und „Wölfin^. Hr. Jacobi: mündUche Mittheilung über einen liostbaren Codex 
der -Ptolomäischen Optik (in der k. Bibliothek erst neuerdings aufgefunden) 
und über den von Lagrange behandelten Fall der Rotation eines schweren 
Körpers. Hr. Ehrenberg: über das Äussere und die Vermischungstheile 
der am 9. Febr. vom Vesuv ausgeworfenen Asche. — März 4. Sitzung der 
phil.<-hiator. Classe. Hr. Trendelenburg: über einige Stellen im 5. Buche 
der Bikomachischen Ethik. ^ März 7. Gesammtsitzung der Akademie. Hr. 
W. Gximm: über den Gebrauch des rührenden Reims in den altdeutschen 
Diebtungen. — März 14. Gesammtsitzung. Hr. Schott: über das Reich 
Karachatai, nach muhamedanisohen und asiatischen Quellen. — März 18. 
SHzimg .der phys.-math. Classe. Hr. Mitscherlich: über die Zusammen- 
setzung 4ler Wand der Pflanzensdle (1. Th. von der Cellplose und der Kork- 

AUden. Monatsselirift. April 1861. 87 



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206 Nachrichten von Akadoinieen und Gesellschaften der Wisienscbaflen. 

Substanz). — März 21. Gesammtsitzung. Hr. Dirks en: über die Adressen 
der Conslilutionen römischer Kaiser. Hr. J. Grimm: über das Feuer- 
geschrei. — April 8. Sitzung der phil.-histor. Classe. Hr. Dieterici: über 
die Vermehrung der Bevölkerung im Preuss. Staate nach ihrer Dichtigkeit 
auf die geographfache Quadratmeile seit 150 bis 200 Jahren. — April 11, 
Gesammtsitzung. Hr. Hagen: über die Bewegung des Wassers in Röhren- 
leitungen. Hr. Dove: über die Extreme der Kälte, welche im J. 1850 auf 
den preussischen Stationen beobachtet wurden. Hr.^ Ehrenberg: über einen 
Anfang Febr. d. J. mit Südwestwind auf reinem Schnee zu Osterholz bei 
Detmold gefallenen russartigen Staub und dessen Mischung mit vielen mikro- 
skopischen Organismen. — April 18. Gesammtsitzung. Hr. Riess: über den 
elektrischen Entladungsstrom in einem dauernd unterbrochenen Scfaliessuogs- 
bogen. Hr. Müller: Fortsetzung der Untersuchungen über die Metamor- 
phose der Echinodermen. — April 22. Sitzung &r phys.-matb. Clusse. 
Hr. Grelle legt eine Tafel zur Erleichterung von Rechnungen bei der 
Untersuchung in der Zahlentheorie vor und theilt einen dynamischen Beweis 
des Parallelogrammes der Kräfte mit. Hr. Dove zeigt ein Modell eines 
vom Hofgärtner Legeier Qonstruirten Regenmessers. — April 25. Gesammt- 
sitzung. Hr. Pertz: über die Memoiren der Markgr&fin von Bayreuth* 
Mai 2. Gesammtsitzung. Hr. Trendelenburg: über die Methode bei Ab- 
stimmungen. — Mai 27. Ausserordentliche Sitzung der Akademie zur Be- 
rathung einer an den König bezüglich des Attentats vom 22. Mai zu richtenden 
Adresse. — Mai 27. Herr Dove: über die Binocularschen prismatischen 
Farben. Herr Dtrichlet trug den Inhalt eines Aufsatzes des Hrn. Kummer 
in Breslau, die allgemeinen Reeiprocitätsgesetze für beliebig hohe Potenzreste 
betr., vor. — Mai 30. Hr. Rose: über die quantitative Bestimmung der un- 
organischen Bestandtheile in den organischen Substanzen. Herr Ehrenberg: 
Mittheilungen über den sehr merkwürdigen Passatstaub- oder rothen Schnee- 
Fall bei Windstille nach Föhn, am 17. Febr. 1850 auf tien höchsten Gottbard- 
Alpen der Schweiz. Herr Jacob i legt Hrn. Eisensteines Beweis der 
allgemeinsten Reeiprocitätsgesetze zwischen reellen und comp)exen Zahlen 
vor. — Juni 6. Gesammtsitzung. Herr H. Rose: über 'einige Eigenschaf- 
ten der Borsäure und über die quantitative Bestimmung derselben. — Juni 
10. Sitzung der phil.-histor. Classe. Herr Bopp über die Analogieen des 
sanskritischen und griechischen Accentuationssystems. Herr Jac. Grimm: 
einige Notizen über das Anfertigen des Sarges bei Lebzeiten. — Juni 13. 
Gesammtsitzung. Herr Jacobi trug einen Beweis des Satzes vor, dass die 
Anzahl der Doppeltangenten, welche man an eine Curve n««» Grade» legen 
kann, im allgemeinen Va n (n — 2) (n* — 9) beträgt. — Juni 20. Ge- 
sammtsitzung. Herr Neander legt seine Abhandlung vor: über die Ele- 
mente, aus denen die Lebren der Yeziden hervorgezogen zu sein scheinen. 
— ^ Juni 24. Sitzung der phys.-math. Classe. Herr Eneke: Beitrag zur 
Begründung der Methode der kleinsten Quadrate. Herr Dove: über den 
Zusammenhang der Wärmeverhältnisse der Atmosphäre mit der Entwickelung 
der Pflanzen, nach den Beobachtungen des Hrn. Vogt in Arys in Ost- 
preussen. — Juni 27. Hr. Panofka: die griechischen Trinkhörner und ihre 
Verzierungen zum ersten Male ans Licht gestellt. Hr. Poggendorff legt 
eine Arbeit des Hrn. Prof. Wilde vor, über die Theorie der Newtonschen 
Ringe, namentlich des centralen Flecks in denselben. Hr. Ehrenberg über- 
gab eine reichliche Centurie historischer Nachtrage zu den blutfarhigen 
Meteoren und sg. Prodigien. — Juli 4. öffentliche Sitzung zur Feier des 



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Nvchricbteii von Akadeniieen und Geseilschaften der Wissenfcliallen. 907 

Leibnitziscben Jahrestages. Hr. Böckb hält die Gedachtnissrede, Hr. Tren- 
delenbnrg verlas als Secretar der phil.-bistor. Classe das Urtheil über 
eine eingegangene Preisbewerbungsschrift und verkündete die neue Preis- 
Aufgabe*); die Herren Lepsius, Homeyer und Petermantt hielten ihre 
Antrittsreden und Hr. Pertz hielt einen Vortrag über die Denkwürdigkeiten 
der Markgrdfin von Bayreuth. -- Juli 8. Sitzung der phiL-histor. Ciasse. 
Hr. Heineke: über einige bisher wenig oder gar nicht bekannt gewordene 
griechische Tragiker. -- Juli 11. Gesammtsitzung. Hr. Schott über die 
letzten Jahre der Hongolenberrschaft in China. — Hr. G., Rose: nachträg- 
liche Bemerkungen über die Krystallform der rhomboedrischen Metalle. — 
Juli 18. Gesammtsitzung. Hr. Ritter: über die geographische Verbreitung 



'^) Diese Preisfrage lautet: ,,Die Uiitersacbuogen über den Voikswohbtaad , die 
Fragen Ober die Mittel und Wege, über die durch die Natur des Menschen und der 
Dinge gegebenen und bedingten Gesetze, nach denen ein Volk Wohlstand erwirbt 
and im Wohlstande fortschreitet, sind erst in den letzten Jahrhunderten in einem 
systematischen Znsammenhange wissenschaftlich behandelt worden. Es stehen aber 
die Untersuchungen über den Volkswohlstand in einem nahen und Innern Zusammen- 
hange mit der Auffassung vom Staate selbst, mit richtiger Feststellung des Begriffs 
des Staats, mit Beantwortung der Frage, worin sein Wesen bestehe, was durch die 
Vereinigung der Menschen zu einem politischen Ganzen, zum Staate, erreicht werden 
könne und solle. Auf Länder und Völker, die noch keinen Staatsverband bilden, 
können die staatswirthschaftlichen Lehren keifte nähere Anwendung finden. — Die 
Philosophen und die Staats- und Rechtslehrer alter und neuer Zeit sind bei der Fest- 
stellung des Begriffs vom Staate vielfach von sehr verschiedener Ansicht ausgegangen, 
und nicht immer ist bei ihren Entwickelungen auch der Gesichtspunkt gehörig fest- 
gehalten, dass die Menschen im Staate sollen Wohlstand erwerben und im Wohl- 
stande fortschreiten können. Die nationalökonomischen Schriftsteller haben in ent- 
gegengesetzter Welse bei ihren Untersuchungen über den Wohlstand der Völker den 
Begriff vom Staate oft ganz tibersehen und vernachlässigt, während gerade eine 
richtige Auffassung der Natur und des eigentlichen Wesens des Staates allein die 
Grundlage gesunder staatswirthschaftlicher Lehren sein kann. Die Akademie stellt 
hiernach folgende Preisaufgabe: Welche philosophische Begriffsbestimmungen vom 
Staate sind von Bedeutung geworden für die Entwickelung staatswirthschaftlicher 
Lehren? In wie fern gehört zu einer richtigen Auffassung vom Staate in den Be- 
griff desselben auch der Gesichtspunkt, dass neben allen übrigen im Staate zu ver- 
folgenden Zwecken, in demselben die Menschen besser und leichter, als es ohne ihn 
möglich wäre, Wohlstand erwerben und im Wohlstande fortschreiten? Ist der Aus- 
gangspunkt der Lehre Ad. Smiths, die Arbeit macht wohlhabend, mit einer 
richtigen Auffassung von dem Wesen des Staats übereinstimmend 'oder nicht? Bei 
Prüfung und Beantwortung dieser Fragen ist der ethische Standpunkt besonders fest- 
zuhalten , und sind von diesem aus auch die in neuester Zeit in Frankreich und 
Deutschland entstandenen und verbreiteten, staatswirthschaftlichen Lehk'en und Theorieen 
einer nähern Prüfung zu unterwerfen. — Die ausschliessende Frist für die Einsen- 
dung der Beantwortungen dieser Aufgabe, welche nach der Wahl der Bewerber in 
deutscher, lateinischer oder französischer Sprache abgefasst sein können, ist der 1. Mfirz 
1853. Jede Bewerbungsschrift ist mit einem Motto zu versehen und dieses auf dem 
äussern des versiegelten Zettels, welcher den Namen des Verfassers enthält, zu wieder- 
holen. — Die Entscheidung über die Zuerkennüng des Preises von 100 Ducateu geschieht 
in der öffentlichen Sitzung am Leibnitziscben Jahrestage im Monate Juli des Jahres 1853. 



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20S Nachrichten ton Äkademieeli und GMcUidtarie» ier Wisdentclitffkfll. 

der Baumwolle vml ihr Yerhältniss zi^ bidiistricf der Völker alter und neaer 
Zeit. Hr. Dove legt dne Chatte vor, welche die Gestaltdndening Bnd das 
Fortfficken der Isothermen von 4 und --{- 20 Grad Reaumnr in der jährlichen 
Periode darstellt. — Juli 22. Sitzung der phys.-math. Classe. Hr. Ehren- 
berg: über sehr irasgebreitete urweltliche, Vivianitkugeln einschliessende 
InfusorieU'^BioUthe in Ostsibirien, und: vorläufige Bemerkungen über die mikro- 
skopischen Bestandtheile der Schwarzerde, Tscherno-Sem, in Russland. Hr. H. 
R s e las über die Anwendung der Kieselfluorwasserstoffsaure bei quantitativen 
Analysen und trug die Abhandlung des Hm. Rammeisberg vor über die 
Zusammensetzung der Turmaline, verglichen imt derjenigen der Glimmer- und 
Feldspatarten und über die Ursache der Isomorphie von ungleichartigen Ver- 
bindungen. — Juli 25. Gesammtsitzung. Hr. Bopp: über die Sprache der 
alten Preusstn. — Aug. 1. Gesammtsitzung. Hr. Encke: über die Ab- 
leitung und Construction der Variation der Constanten bei Planetenstörungen. — 
Aug. 5. Sitzung der phil.-histor. Classe. Hr. J. Bekker berichtet über 
einen vor Kurzem in die k. Bibliothek gekommenen Codex der ungedruckten 
Vulgaria des Fra Bonvesin della Riva (eines Zeitgenossen des Dante). — 
Aug. 8. Gesammtsitzung. Hr. Gerhard: über Herkunft, Wesen und Gel- 
tung des Poseidon. Hr. Magnus theilt die Ergebnisse von Versuchen mit, 
die Hr. Georg v. Lieb ig in seinem Laboratorium über die Respiration der 
Muskeln angestellt hat. — Aug. 11. Gesammtsitzung. Hr. Ehren borg 
legte den Plan und die ersten 26 Druckbogen nebst Abbildungen seines 
Werkes über die Geologie des unsichtbaren kleinen Lebens vor, und las 
dann über die essbaren Erden (1. Abth. über die leukogaische Erde der 
römischen Alica). Hr. H. Roser über die quantitative Bestimmung der Oxal- 
söure und über die Trennung derselben von der Phosphorsäure. Hr. Dir. 
Strehlke in Danzig hat einen Aufsatz über die Knotenlinien einer schwin- 
genden elastischen Kreisscheibe eingesendet. — (Septbr. Sommerrerien der 
Akademie.) Okt. 14. Sitzung der phys.-math. Klasse. Hr. Dove las über 
eine bei dem Doppelsehen einer geraden Linie wahrgenommene Erscheinung; 
Hr. Enke trug einen Bericht des Hrn. Gerhardt in Salzwedel über seine 
weitern Nachforschungen, die mathematis^chen Schriften Leibnitzens betr., vor; 
Hr. Ehrenberg zeigte die monas prodigiosa, auf Kartoffeln lebend, vor, 
deren Fortpflanzung wieder gelungen , und gab hierauf weitere Erläuterun- 
gen über die für Russland sehr wichtige Schwarzerde, Tscherno-Sem, des 
besten russischen CuUurbodens. -^ Okt. 17. Oeffentl. Sitzung der Akademie 
zur Feier des Geburtstages des Königs, Hr. Ehrenberg hält die Einlei- 
tungsrede und gibt die Uebersicht über die Th(itigkeit der Akademie im ver- 
flossenen Jahre. Hr. Dieterici liest eine Abhandlung über die Vermehrung 
der Bevölkerung in Europa seit dem Ende oder der Mitte des 17. Jabr^ 
hunderts. — Okt. 24. Gesammtsitzung der Akademie. Hr. v. d. Hagen: 
über die Handschriftengemälde und andere bildliche Denkmale der deutschen 
Liederdichter des 12 — 14. Jahrb. — Okt. 28. Sitzung der phil-histor. Classe. 
Hr. Ranke trägt Mittheilungen vor über ein neu aufgefundenes Stück der 
Memoiren des Cardinal Richelieu, sowie über andere Memoiren und Tage- 
bücher, welche wahrscheinlich von Fran^ois de Tremblay (P. Joseph) her- 
rühren, namentlich in Betreff der IHuminaten; Hr. Bekker gibt eine zweite 
Probe altvenezianischer Sprache und Dichtung. — Okt. 31. Gesammtsitzung 
der Akademie. Hr. Kl u g las über die Thynnidae und verwandte Hymenopteren- 
Familien, zur Vervollständigung seiner frühern Abhandlung hierüber. — 
Novbr. 7. Gesammtsitzung der Akademie. Hr. Müller: Fortsetzung der 



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üiclrtiiiilm fOD Akid0nde«i und GeMNtdMAM ier Wm9hiMh^. 9Bf9 

Dntersacbiiiigen iber die Melnsorphose der Bchiiiodennen. -^ Rovbr. 11. 
Sitzung der pliyii,«niath. ClMse. Hr. Klug: ober die Arten der Lepidopteren^ 
Gattung 9 Catagramma; Hr. Jacobi berichtet über ein Schreiben des Dr. 
Gerhardt in Salswedel, welcher in Hannover n. A. die für Terloren ge«*- 
haltene, fast 20|ährige Correspondenz Leibnitzens mit Bemonilli aufgeftiiiAen 
hat , sowie einen Algorismus in einem Hanuscript ans der Mitte des ISk 
Jahrb., wozu Hf. Jaeobi ein Seitenstuck in einem Drucke des H. StephiK 
nus von 1503 miftheiltr -^ Novbr. 14. Gesammtsitzmg der Akademie. Hr. 
Meineke: fiber die Interpolationen im Strabo. — Novbr. 21. Gesanimt^ 

sitzungf der Akademie. Hr. Meineke: Fortsetzung der vor. Vorlesung. 

Novbr. 25« Hr. v. Seh ellin g: Vorbemerkungen zu der Untersuchung über 
den Ursprung der Sprache. Hr. Bekkef gab des Bonvesin »Vulgaire de 
Eleemosyiris« abgedruckt in den Berichten — 1054 Verszeilen> — Nov. 28. 
Gesammtsiizung. Hr. Dirichlet: fiber einen neuen Ausdruck derMassen» 
Vertheilung auf einer Kugelflfiche, wenn das Potential in jedem Punkte der 
Fifidie einen beliebig gegebenen Wertb erhalten soll. Hr. G. Rose: Mit<^ 
tkeilung des Hm. Bunsen zu Harburg fiber den Einfluss des Drucks auf 
die ehemische Natur der plutonischen Gesteine. 

K. Societdt der Wissenschaften zu Göttingen. (Jahresbericht 
fiber 1850 und Preise.) Aus dem Jahresbericht, welchen der Secretar 
der Gesellschaft, Geh. Hofr. Hausmann, am 98sten Jahrestage der 6eseH>^ 
Schaft, den 23. Nov. v. J., erstattete, entnehmen wir Folgendes: Das Direo^ 
torium ist von Prof. Ewald ini der phil.-histor. Classe zu Michaelis 1850 
für das laufende Jahr auf Obermedicinairath La n gen b eck in der physik. 
Classe übergegangen. Die Gesellschaft verlor durch den Tod am 8. Jui 
ihren langjährigen Präsidenten^ den Prinzen Adolph Friedrich von Gross- 
britannlen und Hannover, Herzog von Cambridge, ferner von auswärtigen 
Mitgliedern den Physiker 6 ay-*Lussac zu Paris, von ihren Correspondenten 
den Burgermeister Dr. Bartels in Hamburg, den Consist.-Rath Schaubach 
in Meiningen« den Prot Schodius in Pesth, den Dr. Tidyman zu Aber« 
deen, den Chevalier Artand in Paris, den Prof Knnth in Berlin, den 
Baron v. Reiffenberg in Brfissel. Zu ordentlichen Mitgliedern der histor.*^ 
philolog. Classe wurden erwdhiti die Proff. Schneidewin und Havemann, 
zum auswärtigen Mitgliede derselben Classe Prof. Wilson zu Oxford, zu 
Correspondenten derselben Cltsse Prof. Barnouf zu Paris, Bibliothekar 
Prof. Geel zu Leyden, Prof. Lassen zu Wien, Prof. Schomann zu Greifs«- 
wald; zu Correspondenten der physik. Classe Prof. Siebold zu Breslau und 
Prof. Stanni'us zu Rostock. Die Preisfrage dieser Gesellschaft anlangend, 
so ist ffir den Haoptpreis der bist. - philolog. Classe, dessen Aufgabe war: 
„Eine vollständige und zusammenhangende Geschichte der griechischen 
Tyrannis, von ihren ersten Regungen bis auf die Zeiten der römischen 
Herrschaft, dergestalt, dass sowohl der BegriiT und die Entstehungs weise 
dieser Erscheinung sammt ihrem Verhaltniss zu der politischen und geistigen 
Entwickelung Griechenlands in den verschiedenen Zeiten timfassend dar- 
gelegt, als auch die einzelnen Beispiele derselben nach den Nachrichten des 
Alterthums in erschöpfender und kritischer Zusammenstellung geschildert 
werde^' nur eine Schrift eingegangen, aber des Preises für würdig befunden 
worden; der Verf. ist der Gymnasialdirector Pless in Verden. Eine für 
die ökonomische Preisaufgabe: „Eine Untersudiung fiber die bei den von den 
Wenden ebstammenden Niederlassungen im Lüneburgisehen etwa sich finden- 
den Bigenthfimliehkeiten, hinsichtlich ihrer Anlage und ihrer gesummten land;- 



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910 Ntchrichten yao Akademieeii und Gesellsrbafteo der WiMenckaftea. 

wirlhscbaflliühen Einrichtungen und Verfahrungsarten^' eingegaogepe Schrift 
ist zwar nicht mit dem Preise gekrönt, aber, um dem Verf. Gelegenheit zu 
geben , noch verschiedene Mängel seiner Schrift zu verbessern , der Termin 
für die Beantwortung dieser Preisaufgabe bis Ende September 1851 ver- 
längert worden. — Fär die nichsten Jahre sind folgende Hauptpreisfragen 
(Concurrenztermin bis Ende Sept., Preis 50 iDucaten) bestimmt: a) für den 
November 1851 an. der physikalischen Classe: „Wie verhalten sich die Be- 
strebungen der mathematisch - mechanischen Schule des 17. Jahrhunderts zu 
denen der gegenwärtigen Medicin; welcher Werth ist ihren Principien, der 
Methode ihrer Bearbeitung zuzuerkennen; worin besteben, nach den Quellen- 
angaben ihrer Stifter und der Reprisentanten jener Schule, die wissenschaft- 
lichen Ergebnisse; warum gerieth jene Richtung in Misscredit, und welche 
Schlussfolgerungen sind daraus zu ziehen ?^^ b) für den November 1852 von 
der mathematischen Classe: „Obgleich wir über den EInfluss der Temperatur 
auf die Elasticitat fester Körper einige auf Schallschwipgungen beruhende 
Versuche besitzen, so bleibt hier doch noch, ein weites Feld für die Forschung 
offen. Die K. Societät wünscht daher, dass dieser Gegenstand auch auf 
andern Wegen sorgfältig bearbeitet werde, namentlich bei festen Körpern 
im Zustande der Biegung und der Torsion, durch Anwendung von Methoden, 
welche die Veränderungen der Elasticitat bei veränderten Temperaturen mit 
grosser Schärfe erkennen lassen. Die Versuche dürfen nicht über die Grenzen 
der vollkommenen Elasticitat hinausgehen, müssen aber zahlreich und mannich- 
faltig genug sein, um über das gleichmässige Fortschreiten der Werthe des 
Elasticitätscoefticienten mit der Temperatur, und über den Grad der in den 
Resultaten erreichten Zuverlässigkeit ein bestimmtes Urtheil zu begründen. 
Es wird gewünscht, dass ausser den einer vollkommenen Elasticitat fähigen 
Metallen auch das Glas den geeigneten Versuchen unterzogen werde/^ c) für 
den November 1853 von der historisch -philologischen Classe: „Geschichte 
der Ausbildung des Kirchenstaats. Die allmälige Ausbildung des Kirchen- 
staats ist zwar schon vielfach Gegenstand historischer Erörterungen gewesen; 
es haben sich dieselben aber meistens von einseitigen und vorgefassten Mei- 
nungen nicht frei erhalten. Nachdem neuerdings für die betreffenden geschicht- 
lichen Quellen so Vieles geschehen ist, darf von einer unbefangenen For- 
schung Genügenderes erwartet werden, und so wünscht die K. Societät, dass 
sowohl die erste Bildung und die allmälige Vergrösserung des Kirchenstaats 
mit Berücksichtigung der vorhandenen kaiserlichen Schenkungsurkunden und 
einer Beurtheilung ihrer Echtheit und Bedeutung, als auch das Verhältniss 
der päpstlichen Herrschaft in demselben zu der kaiserlichen Hoheit und za 
der Macht der Städte und der Barone nach den verschiedenen Zeiträumen 
nachgewiesen werde/* Als ökonomische Preisfragen (gleicher Termin, Preis 
24 Ducaten) sind gestellt: a) für Nov. 1851: „Der im Untergründe vieler 
Gegenden verbreitete Tuffkalk (Kalktuff, Duckstein) äussert nicht 
allein auf den Boden, der ihn deckt, sondern auch unmittelbar auf die Vege- 
tation einen entschiedenen Einfluss. Wie er einerseits offenbar auf die 
Pflanzencultur nachtheilig einwirkt, so kann er doch auch, namentlich in 
seiner lockern Varietät, nicht selten zur Verbesserung eines an Kalk armen 
Bodens benutzt werden. Bis jetzt hat man indessen den Tuffkalk in agrono- 
mischer Hinsicht wenig beachtet, daher die K. Societät dazu beizutragen wünscht, 
die Aufmerksamkeit der Landwirthe mehr auf diesen Körper hinzulenken. Sie 
verlangt daher: Eine auf die Prüfung der physikalischen und chemischen 
Eigenschaften des Tüffkalkes, sowie auf die über seine agronombchen 



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Nachrichten von Akademieen and Geselischaften der Wissenschaften. 21t 

Einwirkungen gesammelten Erfahrungen gegründete Darstellung des Ein- 
flusses, den derselbe auf den Boden und die Vegetation äussert, nebst einer 
Anleitung, wie seine Nachtheile zu vermindern sind und auf welche Weise 
er in ökonomischer Hinsicht zu benutzen ist/' b) für den Nov. 1852: „Wie 
die Eisenbahnen auf die verschiedenen Zweige der menschlichen Thätigkeit 
ihren Einfluss geltend machen, so erstreckt sich derselbe auch auf die land« 
wirthschaßlichen Gewerbe. Wie sich aber überhaupt die Einwirkung der 
Eisenbahnen nach den verschiedenen Verhältnissen der Lander und Gegen-» 
den abweichend äussern muss, so wird auch ihr Einflus auf die Landwirth- 
Schaft nicht überall derselbe sein können. Bei der hohen Wichtigkeit der 
landwirthschaftlichen Gewerbe im Königreich Hannover wird eine Beleuchtung 
des Einflusses der Eisenbahnen auf ihren Betrieb und den damit verknüpften 
Gewinn ein besonderes Interesse gewähren. Die K. Societät macht daher 
*zum Gegenstande einer Preisaufgabe die Beantwortung der Frage: Welche 
Einwirkungen auf die landwirthschaftlichen Gewerbe darf man im Königreich 
Hannover, nach den bereits in einigen Theilen desselben sowie in andern 
Landern gemachten Erfahrungen, von den Eisenbahnen erwarten ?'' 

Deutsche geologische Gesellschaft zu Berlin. (Sitzungen vom 
Januar, Februar und März d. J.) Sitzung vom 8. Jan. unter dem Vorsitze 
des Hrn» v. Carnall. Nach Verlesung und Annahme des Protokolls der 
Decembersitzung wurden eingesendete Werke angezeigt und eingegangene 
Briefe mitgetheilt. Hr. v. Strombeck meldete brieflich die AufGndung eines 
Steinsalzlagers in Liebenhall bei Salzgitter« Hr. Graf v. Beust hielt einen 
Vortrag über spanische Hineralvorkommnisse und über den grossen Auf- 
schwung des Berg- und Hüttenwesens in Spanien. Hr. G. Rose sprach 
über einige von Herrn Jasche in llsenbürg eingesendete Mineralien und über 
die Vertheilung der Turmaline im Urgebirge. Hn Rammeisberg theilte 
einen Aufsatz des Hrn. Elie de Beaumont über die vulcanischen und metalli- 
schen Emanationen und Gangbildungen im Auszuge mit und begleitete ihn 
mit Bemerkungen. Hr. Ewald sprach über die Vertheilungpi der Rudisten- 
zonen in den Alpen und ihre Parallelen mit deutschen Vorkommnissen 
unter besonderer Hervorhebung der in den Departements der Charente und 
Dordogne und in den Belluneser Alpen auftretenden dritten Rudistenzone, 
welche zwischen die zweite und dritte Rudistenzone d'Orbigny's fallt. — 
Sitzung vom 5. Februar. Nach Vorlesung und Annahme des Protokolls der 
Januar -Sitzung wurden neu eingetretene Mitglieder angekündigt, eingesen- 
dete Werke angezeigt und eingegangene Briefe mitgetheilt. — Hr. G. Rose 
sprach über die Pseudomorphosen von Serpentin nach Olivinkrystallen, die 
in Snarum und ini Fassa-Thale vorkommen. Ausser diesen legte Hr. Rose 
noch Pseudomorphosen von Serpentin nach Augit und Hornblende von Easton 
in Pennsylvanien vor und fahrte eine Reihe. anderer Mineralien an, von denen 
in Serpentin veränderte Krystalle bekannt sind. Ebenso gehen derbe Massen 
von Dolomit, Quarz, Gneus, Gabbro u. s. w. in Serpentin über, wonach es 
wahrscheinlich wird, dass der Serpentin überall eine secundäre Bildung sei. 
Hr. Roth theilte einige Bemerkungen über die Verhältnisse von Predazzo 
im Fleimser Thale (Südtirol) mit. Nach seiner Ansicht hat der feurigflüssig 
aufgestiegene Granit nur in seiner nächsten Nähe auf den dortigen, eigen- 
thümlich zusammengesetzten Muschelkalk umändernd eingewirkt. Die an der 
Grenze zwischen Kalk und Granit vorkommenden Granaten und Idokrase 
scheinen auf nassem Wege gebildet zu sein, wofür ihr kömiger, mit kohlen- 
saurem Kalke gemengter Inhalt spricht, der von einer Krystallhülle von 



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212 Nadurichleo von Akademieea nnd GeaeUidialltfii der WiamMuMlen. 

Granat und Idokras irnigebea ist, — Hr. fieblagintweii spradi iber 4ie 
Bewegung der Gletscher und fiber die Art, dieselbe eu messen^ jowie aber 
die Ansichten, die über das Fortschreiten der fGUetscher aufgimteltt wordea 
sind. — Sitzung vom 5. Harz. Nach Vorlesung und Annahme des Protokolle 
der Febraar*SiiziHig mai Anzeige der eingesendeten Werke hielt ür. Bey- 
rieh einen Vortrag tber Amoneen und Nautäeea mii Rucksidil auf die 
neueste Publication der Herren Sandberger. Der Vorsitzende Ur.T*£arnaU 
legte eine Reibe Prosiie vm den Kohlenlagern an der Bidir \w mi beglei- 
tete sie mit erläntemden Bemerkungen, an die sich ein Vortrag des Hrn. 
Jacob über denselben Gegenstand, namentlich über die Quantität der KoUe 
and das Auftreten der dortigen Bisensteine, aaschioss. Hr. Beyrich SfHrach 
über Pflanzen ans der sifarvischen Formation, die Hr. Richter in der Gegtad 
Ton Saatfeld avfgefundon hsft, und verglich sie mit denen ans New->Yoik. 

Archäologiacbe Gesellschaft zu Berlin. Sitsungeii vemJanuar/ 
Fd>ruar und Min d. J. I>ie Sitzung der archäologischen Gesell- 
schaft vom 7. Januar d. J. erMTneie Herr Panofka, indem er ein ven 
Dr. Braun in Rom erworbenes und auf des Jakchos Geburt aus dem 
Schenkel des Dionysos gedeutetes Relief in Abbildung (Hon. d. Inst. arch. 
Vel. HL, Tav. 39. MüUer Denkm. a. K. H., 38 und 449) vorlegte uod dar- 
auf die Geburt des Haren sachwies, den fiuripides Cyd. v. 141-14S 
als Sohn des Dionysos und Zögling des fiBen bezeugt, znmal diesem HarM 
die Erwägung zu gute kommt^ dass die Geburt ans dem Schenkt fo/^ 
durch seinen Namen Haron gerecMlertigt wird, wie die 4er Daktylen, 
»Fingerlinge^« mit d^ Gebort aufS der Hand derAnchiale zusammenhangt.'- 
Bierauf erläuterte Herr Prot Forchhammer aus Kiel einen mit dem eng*« 
tischen Marine*-Lieutenant T. Sprati gemeinschaftlich pnblicirten nnd durck 
seine begleitende topographische und physiographische Erklaning doppelt 
willkommenen Plan der Ebene von Treja durch diese Vorlage, wie durdi 
die Behauptung, dass die Mythologie der Griechen vorzugsweise Natur- 
erscheinmgen «um Objeoft habe nnd dass die besondere Natur einzeloer 
LecaKtiten als Sdi&(^n gewisaer eigenthnmiichen Mythen jm betrachtea, 
erwarb sich Herr F. vielseitigen Beifall, dagegen seine mythoiogiaehen Avs" 
legungen einzelner Namen von GotHieilen, Herren nnd Flüssen eine nicht 
minder zahlreiche als entscUedene Ablehnung hervorriefen. — Von flecni 
Gerhard war die Zeichnung eines dnrch Herrn Scharf jun. in der Antiken* 
aammbing des Herrn Smiäi Barry in Marburg Hall entdeckten Fragments 
des Parfhenonfrieses — ObertheB einer Reiter%ur--* eingesandt, wiezuHerr 
W. Kon er in Folge Jieuiicher Antapate über die geibe Farbe ies Marmors 
und andere Einzelheiten nähere BeaMrknngen beibrachte. — Desgleichen 
legt Herr Koner ans der hfiehsl umfassenden und gewählten AMAikensamfli* 
kmg des Herrn H^ertz in L4>nrd0in theds Lithogiraphieen von Mmnnonrtataan 
und einer vorzüglichen €ameen6ammliittg zur Ansicht vor, theils Siegel" 
Afadrieke einer Reihe merfiwfirdiger Skarabien, unter denen ieiser einen 
anbärtigen belMlmten Mann asit einem Hahn auf der liAen Hairf und den 
dreieckigen Satteninstroment, Barbitos, in der Rechten zeigt und vion Herrn 
Panoflui aitf einen berühmten Bichter von JEriegssangen, Kallinua oder AI" 
eaens, gedeutet ward. — In der Sitzung vom 4. Febr. d. J. wies Herr 
Fanefka, zugfeioh als Bereicherung der Knast- und fiittengewshichte, anf 
einem in Pastenabdrücken vorgdegten Aöhatonyx des k&nig&hen Mnsenms 
(Winckelmann Vlil., Bl. 2. Tdlken VHI, Bh 66.) eine Ko|)ie jenes bronze- 
«en Pferde«! «aoh, meines Weikes den Argiver DiiojiyaijO;s^ mdcbes der 



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unter Ginron und fielen' sieb aas^eioiweiide Feldherr Pkormia ib Folge 
eines Sieges dieses Renners nach Olympia geweiht hattie. Diese eherne. 
Stute ipit aufgeflochtenQin Schweif und eingehranntem Oeteweig und KraiiäL 
verdankt ihren grossen Ruf besonders jener durch Zauberei ihr beigebrachten 
PferdetoUinaoh9ng (to mnoftuvegX welche auch dem Taraxippos in Olympia 
wahrscheinlich zum Grunde lag. Ein Nachkomme und Homonym des Phormis 
hatte dieses eherne Pferd, dessen Name Aitbales bisher nicht bekannt 
war 9 verkleinert sich auf seinem Ring zum Siegeln schneiden lassen. — 
Herr Curtius legte der Gesellschaft eiqen Grundriss 4^9 Apollotempels in 
Bassae vor und stellte die Punkte auisammen, welche trafz der wiederholten 
Untersuchung jener TempelruiUß noch immer im Unklaren geblieben sind, 
namentlich die der allgemeinen Regel des hellenischen Cultus widersprechende 
Richtung des .Tempeb, welche nicht aus der Seschaßenhbit des Terrains 
erklart werden kpnne, dann die Zeit der Erbauung und die räthselhafte Ver- 
pflanzung dßs Apollokolosses nach Megalopolis, endlich die Architektur dea 
Tempels, die im Aeussem den attischen JBau werken durchaua analog, im 
Innern aber von allen bekannten Heiligthümern abweichend ist. Hierbei kam 
die Einrichtung der jonischen Halle, der östliche Seiteneingang, die Auf* 
Stellung des Tempelbildes und der sogenannten korinthischen Saale aar 
Sprache, deren von Stackeiberg vorausgesetzte Exi^ien« sehr in Frage ge- 
stellt ward. — Von Prof. Wiesel er «u Göttingen waren i^ Winckelmawui- 
fest-Programni „Epikritische Bemerkungan ober die ficoronische Cista^^ einr 
gelaufen, welche Herr Gerhard zugleidi mit den beiden andern statUioheQ 
Publicationen jenes vortrefflichen Kunstwerks (der aus Qröndsted's Nachlaas. 
zu Kopenhagen, und dem durch Braun's. neuere SorgfaH bei Wigand au. 
Leipzig erschienenen Prachtwerk) vorlegt^ und besprach* Weitere Aus* 
fährungen über diesen Gegenstand stellte Herr Panofka auf akademischem 
Wege in Aussicht — Femer berichtele ^err Gerhard aus römiselien 
Mittheilungen über die durch L. Vescovali erfolgte Anfräamung des Tabu* 
lariums und über Entdeckung einer von dort aufs Forum herabführenden 
Treppe; über eine von Dr. Braun in Rom gemeldete VervoUstlmdiguug des 
zwölf Götter oder Heroen darstellenden Theils d^ Parthanonfriesea; ferner 
aus einer Notiz des Herrn G. Scharff zu London über di^ jetzt im britiscbeu 
Museum vollendete Aufstellung der antiken Sculpturen, wonach deu pbiga- 
lischen Reliefs und Elgin-Marbles, deren Stelle unverändert ist, die balikar* 
Rassischen und lykischen Marmorwerke in Verbindung mit den Townley'schen 
sich anreihen, die asayrischen Sculpturen aus Niniveh aber zwisehen den Town* 
ley'scfaen und den ägyptischen ihre Stelle gefunden haben. — Von neuen Erwerben 
der Frau Mertens-Schaffhausen in Bonn ward Abdruck ewm aasehn«- 
liehen geschnittenen Steins in Art der Leanderköpfe und Zeichnung eio^ 
weiblichen Rrustbildfs von Erz mit Thurmkrone Cnach der entblösaten Brust 
zu urtheiien, eher einer Provinz als Cybele) vocg«)legl. -r Mit Bezug auf 
Sabatier*s Souve^rs de Kertsch pag. 111 u. f. ward die statuarische Werk^ 
statt dar bekannten Trinkschale des köiugl. Museums Nn 16Q8 (Gerhard 
Trinksch^len Taf. XU. XUL) neu besprochen und wie bisher im Sian einer 
Erzgiesserei mifgefasst , indem erwogen ward, wie die zahlreichen jn jeneur 
Bild aufgebüogt^n Hammer den Gedanken au getriebfsne Arbeit awar leicht, 
hervorzurufen, den anaehnlichen nebenher dargestellten Schmelzofen abar 
nicht zu rechtfertigen vermögen. — Hr. Stüler erfreute die Versammlung 
durch Vorlage ^in^s ^stan Ueft^s seines den groisf;artlge« Bau des hiewgcäi 
nen^ ^Ußeuw awaobßt ia 9ßmK Ge^amfuth^ darat«llendea Prachtwarke& 

A.kadeDi. Monatoschrift. April 1851. S8 



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214 Nacfaricbleii von Akademieen und Geselbchaften der Wisgenschaflen. 

Über dasselbe. — Herr Zahn legte pompejanische Wandmalereien, der Fort- 
setzung seines berühmten Werkes entnommen, vor. — Herr Kon er brachte 
ein erstes Heft der vom Architekten E. Falkener vorbereiteten und zu 
grossen Erwartungen berechtigenden archäologischen Zeitschrift (the Museum 
of classical Antiquities) zur Stelle. Endlich legte Herr Gerhard noch vor: 
1} Fr. Carelli numorum Italiae yeteris tabulae CIL, welches längst erwar- 
tete berühmte Munzwerk neuerdings durch Emil Braun's Veranstaltung mit 
begleitendem Text Aveliino's und Cavedoni's im G. Wigandschen Ver- 
lage zu Leipzig erschienen ist. ^) Fr. Lanza Antiche Lapide Salonitane. 
Seconda edizione. Zara 1850. Eine aus den Funden von Salona reich aus- 
gestattete Sammlung römischer Inschriften. 3) Gerhard, zur monumenta- 
len Philologie: nach einem in der berliner Philologen-Versammlung gehal- 
tenen Vortrag (aus deren Verhandlungen in nur 12 Exemplaren besonders 
abgedruckt). — In der Sitzung vom 4. März d.J. erklärte Hr. Panofka ein 
aus Chiusi an Hrn. Gerhard eingesandtes Vasenbild durch den aus der 
Argonautensage bekannten aber auf Kunstwerken bis jetzt nicht nachgewie- 
senen unfreiwilligen Kampf des Herakles als Argonauten fuhr er mit dem 
seiner zweiten Landung sich widersetzenden Dolionenkönig Kyzikos und be- 
sprach sodann die Fieoronische Cista in Bezug auf Wieseler's neueste Schrift 
über dieselbe. Insonderheit gewährte die bei G. Cedronus und Job. Malala 
erhaltene Ableitung des am Bosporus belegenen Heiligthums Sosthenion 
von der Vision eines sodann monumental dargestellten und zum Erzengel 
Michael gewordenen Mannes mit Flägeln emes Adlers Hrn. Panofk« 
neue Gründe für die bisherige Deutung einer bekannten Figur jener Cista 
auf Bore as. Hr. E. Curtius sprach mit Bezug auf die Forchhammersche 
Karte von Troja über die Gattung griechischer Heldensagen, welche 
Naturverhält nisse und Naturerscheinungen zum Inhalt hat. Er wies 
nach, dass man in dieser Untersuchung von einfachen und unwiderleglichen 
Beispielen ausgehen müsse, und dass man diese vorzugsweise in den grie- 
chischen Localsagen finde, welche nicht vom Schmuck epischer Dichtung 
überkleidet seien. Beispiele dieser Art führte er sodann aus der arkadi- 
schen Landessage an und zeigte, wie die unterirdischen Wasserleitungen 
arkadischer Thäler in den Sagen von Kriegszügen des Herakles und dem 
Pferde Arion, wie die Bodenverhältnisse Tegea's in dem Bruderkampfe des 
Skephros und Leimen dargestellt seien u. s. w. — Hr. Pin der theilte 
aus einer hiesigen Privatsammlung eine schöne Erzmünze von Smyrna, der 
Regierung desDomitian angehörig, mit, welche einerseits einen achtsäuligen 
Tempel, andererseits das Brustbild der Euthenia oder Abundantia darstellt. — 
Hr. Gerhard legte die aus Odessa ihm zugesandte und in besonderer Schrift 
(Decouverte de deux statues antiques ä Kertsch. Odessa '1851, 8.) von dem 
dortigen Antiquar Hrn. Aschik erläuterte Zeichnung zweier vorzuglich schöner 
und lebensgrosser marmorner Bildniss Statuen vor, welche neuerdings aus 
einem sonst mit den üblichen Gegenständen griechischen Gräberschmucks erfüll- 
ten Begräbnissplatz des alten P an tikapä um. zum Vorschein gekommen sind. 
Verhandlungen der k. k. geologischen Reicfais - Anstalt in 
Wien. Sitzung vom 7. Januar d. J. Hr. Bergrath Fr. v. Hauer zeigte 
an, dass das in der Sitzung vom 19. Nov. 1850 erwähnte Skelett eines 
Höhlenbären (Ursus spelacus) aus der Slouperhöhle bei Blansko, welches 
die k. k. geologische Reichs -Anstalt dem wissenschaftlichen Eifer und der 
Liberalität Sr. Durchlaucht des Fürsten Hugo zu Salm verdankt, ange- 
kommen und bereis aufgestellt sei. Um den Knochenreichthum jener Höhle 



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I 



lladirfoIrtcB TOD AkadMiMl nad CSMelbeMfttti der WineBidiifteii. Ui5 

kennen zu lernen, Hess 8e. Darehlaucht unler der LeitiiBg des kenntnissreichen 
Mm. Bergmeisters Wondraczek eigene Ausgrabungen veranstalten, welche 
die Beschaffenheit der Diluvialablagerungen am Grunde der Hohle kennen 
lehrten. Von oben nach unten wiederholen sich drei Ablagerungen, jede 
aus drei Gliedern bestehend. Das oberste Glied jeder Ablagerung besteht 
aus einer V2 bis 7« P^ss mächtigen Stalagmiten- Decke , unter dieser folgt 
eine Schicht thonigen Sandes, die in der obersten Ablagerung 2 — 3 Schuh, 
in den untern dagegen noch etwas mächtiger ist. Das unterste Glied jeder 
Ablagerung endlich besteht aus Kalktrummern und Gerollen; zwischen wel^ 
eben die Knochen, die aber keine Spuren von Abrollung zeigen, liegen. Die 
Trümmerschichte der zweiten Ablagerung bot die reichste Ausbeute; in ihr 
fanden sich auch an einer Stelle die Knochen des ganzen Skeletts in einer 
Anordnung^ wie sie hur die Reste eines vollständigen, in der Erde ver- 
grabenen und ungestört verwesenden Thieres darbieten können. Unter den 
drei erwähnten Ablagerungen folgt weiter noch fetter, harter, von Gerollen 
sowohl als Knoohen freier Thon 7 Schuh, Grauwackengerölle mit undeut- 
lichen Fragmenten kleinerer Knochen, 4 — 47^ Schuh, wieder Thon 5 Schuh 
und zu Unterst Grauwackengerölle ohne Knochen, welches nicht weiter durch- 
sunken wurde. Ausser dem gltuzen Skelette binden sich bei diesen Gra- 
bungen (y ganze und 8 zerbrochene Schädel ,. sowie unzählige Rumpf- und 
Extremitätenknochen von Ursus spelacus, dann verschiedene Reste kleinerer 
Thiere, endlich eine KrallenkBpsel eines grossen Thieres aus dem Katzen- 
geschlechte. Gleichzeitig mit den ersten Nachrichten über die interessanten 
Ausgrabungen in der Slouperhöhle erhielt die k. k. geologische Reichsanstalt 
eine Abhandlung von Dr. A. Massa longo in Tregnago bei Verona über 
die fossilen Bären aus der Gegend von Verona mit einer speciellen Beschrei- 
bung der Höhlen des Districts von Tregnago. Die Gebirge dieser Gegend 
werden von Gesteinen der Jura-, Kreide- und Tertiärperiode zusammen- 
gesetzt. In den Kalksteinen der Juraformation sind die Höhlen am häufig- 
sten; Bloss in dem genannten Districte zählte Hr. Dr. Mass al enge 120 
derselben, deren kleinste 20 Fuss lang ist; seltener sind die Höhlen in den 
Gesteinen der Kreide und Tertiär- Formation. In den letztern sind sie sehr 
schmal, dafär aber oft sehr lang, vielfältig verzweigt und winklig gebogen. 
Hr. M. V. Lipoid gab eine Schilderung des dem Herrn Aloys Miesbach 
gehörigen Braunkohlenflötzes von Wildshuth, welches in der sudwestlichen 
Ecke des Innkreises in Oberösterreich dicht an der Salzach gelegen ist. Die 
ganze Ausdehnung des Flötzes beträgt 75000 Quadratklafter mit einem 
Gesammtgßhalt an Kohlen von ungefähr 77^ Millionen Centner, von welchen 
jedoch zwei Drittheile bereits abgebaut sind. In ungefähr 20 Jahren wird 
der ganze Abbau beendigt sein. Die Wildshuther Kohle gehört der Mittel- 
tertiärperiode an, sie ist oft lignitartig und hinterlässt beim Verbrennen 
20 7o Asche. I4V2 Centner liefern dieselbe Wärmemenge, wie ein Klafter 
sechsschuhiges weiches Brennholz. Sie enthält beinahe gar keinen Schwefel 
und ist darum zu manchen technischen Zwecken besonders brauchbar. Hr. 
Johann Kudernatsch, als Chef der II. Section der k. k. geologischen 
Reichsanstalt, erstattete einen vorläufigen Bericfit über die von ihm im vori- 
gen Sommer angestellten geologischen Untersuchungen. Die Aufnahmen um- 
fassten das Gebiet von Lilienfeld über Hariazell, den Brandhof bis gegen 
Leoben hin. Er hob erst die Einlagerungen des Kupfersandsteines mit Alpen- 
kolilen bei Liiienfeld hervor und erwähnte das Vorkommen eines grobkörnigen 
Eiseneolithes in derselben Gegend, der aus Concretionen von Braunoisen- 



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ai6 NMlMficiit6B von Akad^mieen tmi iBMelMMllMl der WiM«liidiifteii. 

Stein in einer Gnindm^sse von Krinoidenklilk bestellt. Wetter sMIidi von 
diesen Bildungen hl der Gegend von Tfimit? sind besonders die Dolomite 
mächtig entwiciceU und halten mit wenig Un^rbrechangen über dns Trtti^en- 
gebirge bis zum HaHthale nächst Mariazeli an. Bis hierher sind die Verhält^ 
nisse im Allgemeinen wenig compHdrt nnd meist gnt zq betrachten; sie 
werden aber sehr verwickelt, sobald man weiter gegen Süden vorsehreitet, 
wo namentlich der Isokardien^Kalkstein zu gigantischen Massen mit nnr sel- 
ten ausgesprochener Schichtung aufgethärmt erscheint. Die Spuren gewal- 
tiger Zerstörungen sind hier überall zu erkennen; die Lagerungsverhältnisse 
sind undeutlich und von organischen Resten nur wenige Sparen mehr vor- 
handen. Am grossartigsten ist dieser Typus in der Kette des Hochsdiwab 
entwickelt; er hört mit dem Auftreten des Schiefergebirges, weldies sich 
weiter sudlich gegen Leoben zu in sanftem Formen ausbreitet, auf. Be- 
merkenswerth ist der Umstand, dass der nördliche in Österreich gelegene 
Theil des untersuchten Gebietes nur sehr wenige Merkmale der Dilnvialzeit 
aufisaweisen hat,, während im südlichen Theile in den Thälem der steier- 
märkischen Seite eine Diluvialterrass der andern folgt. Eine interessante 
Erscheittvag, auf welche Hr. Kndernatsch durch Hrn. Apotheker Hölzl in 
Mariazrii aufimeriisam gemacht wurde, sind die Quarsgeschiebts auf dem 
Hochplateau der Zellerstaritze, die anscheinend aus dem Gneissgebiete her- 
«tanmen und hier in einer Hdhe von nahe 5000 Fuss mitten im Gebfete des Alpen- 
kalk«s vorkommen. ^— Hr. Assistent Foetterle machte einige Mittheilnngen 
über den Eisenbafanbau am Semmering und dessen Yorscbreiten bis zum 
Sddusse des Jahres 1850 und setzte die geologischen Verhältnisse aus^ 
eioander, wie sie im Allgemeinen am Semmering auftreten und durch den 
Bau des grossen Tunn^s aufgeschlossen wurden. Die ganze Eisenbahntrace 
von Gloggaitz bis Mürezuschlag , 21,670 Klafter lang, liegt innerhalb drei 
Glieder der silurischen Grauwacke, deren Hauptstreiehungsrichtung beinahe 
von West nach Ost mit einem nördlichen steilen Einfallen ist; hievon berührt 
die Strecke von Gloggnitz bis nahezu an den Lichnertnnnel eine schiefHge 
Grauwacke, die. vom Lichnertunnel bis nahe an den grossen Semmeringer 
Tunnel fällt in einen feinkörnigen Kalk, der viel Dolomit und Rauhwacke 
enthält; der grosse Tunnel und ein grosser Theil der südlichen Strecke 
endlich geht in einer Grauvracke, die vorzüglich aus Quarz und Dolomit- 
schiefer besteht, die beide durch sehr leicht auflöslichen Talkschiefer und 
Eisenkieshaitigen Tfaonschiefer durchzogen sind und mit demselben wechsel- 
lagern^ Dieses Gestein ist so leicht auflöslidi und hat so wenig Consistenz, 
dass zu dessen Herausarbeitung fast durchgehends nur die Keilhaue ver- 
wendet wird; dagegen bietet es, besonders wo der leicht lösliche Talk- 
schiefer in grössern Massen auftritt, grosse Schwierigkeiten und Hindernisse 
zur Auszimmerung und Ausmauerung des Tunnels dar. Nur selten treten 
grössere feste Quarzmassen auf, welche die Anwendung von Bohrungen und 
Sprengungen nöthig madien, wie diess gegenwärtig nur auf einer Strecke 
im Haupttunnel der Fall ist. In dem grossen Semmeringer Tunnel wurden 
seit dem Beginne der Arbeken im Jahre 1848 neun Schächte bis auf den 
Horizont des Tunnels niedefgetrieben und der zehnte der Vollendung nahe 
gebracht, wodurch eine Gesammttiefe von 354 Klaftern mit einem Qoer- 
scknitto von 9 Quadralklaftern ausgearbeitet wurde; überdiess wurde die 
.ganze Lange des Tunnels von 740 Klaftern durdi Stredcen, die von einem 
Sebaohte zum andern stoUenmdssig in der Mitte des Tunnels im Horizonte der 
Schtenrnbahn getrieben werden, bis auf 140 Klaft^ geöAiet und von dieser 



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Ifachrielileii von Akudemieen imd Getelbchalleti der Wiatenicballea. ^17 

affenen Strecke auch bereits 252 Klafter gans erngewdlbt. Bbefi so rasch 
geht die Arbeil in den 9 andern Tunnels vorwärts, von denen einige der 
Vollendung nahe sind. Von diesen sind der Karslnerkogeltunnel von HO 
Klafter Lange, der Weberkogeltunnel von 180 Klafter Länge, der Boilers- 
tunnel von 200 Klafter Länge, der Lichnertunnel von 180 Klafter L%nge im 
festen Kalkstein; ebenso die Weinzettelwand, wo die Heranssprengungen der 
Felswände gegenwärtig etwas langsamer vorwärts gehen, da sie durch das 
zerklüftete Gestein, das durch die Schussarbeit noch mehr gelockert wird 
und hiednrch Ablösungen ermöglicht, sehr gefährdet sind. 

Sitzung vom 14. Januar. Hr. Bergra^h Fr. v. Hauer theilte den InhaK 
der vorläufigen Berichte von Hrn. Prof. A. C. Beuss in Prag und von Hrn. 
Prof. Dr. Emerich in Meiningen über die geognostischen Untersuchungen, 
welche dieselben im verflossenen Sommer im Auftrage der k. k. geologischen 
Reichsanstalt angestellt haben, mit. Die Arbeiten des Hrn. Prof. Reuss 
beziehen sich hauptsächlich auf das tertiäre Braunkohlenbecken von Eger 
und Franzensbad und auf jenes von Karlsbad -Falkenau. Das Erstere ist 
ringsum von Granit, Gneiss, Glimmerschiefer und Thonschiefef eingeschlossen. 
Ein 50 — 80 Fuss mächtiger Quarzgang durchsetzt diese letztgenannten Gb* 
steine von Oberschönbach nördlich von Asch bis Seeberg, wo er unter den 
Tertiärgebilden verschwindet; bei Leimbruck, wo die Tertiärmulde ihre süd- 
östliche Begränzung findet, tritt er wieder hervor und reicht fortwährend 
nach S. S. 0. streichend noch bis Altwasser unweit Königswart. Einzelne 
Basaltmassen ragen bei Oberreuth östlich von Asch aus dem Glimmerschiefer, 
am Flattenberg aus dem Granit, endhch unweit Pograth aus dem Thonschiefer 
hervor. Von besonderm Interesse sind ferner in dem Glimmerschiefer dieses 
Gebietes die erloschenen Vulkane, deren einer, der Kummert)ähl, schon seit 
langer Zeit bekannt ist, wälfrend es Hrn. Prof. Reuss gelang, die vulkanische 
Natur eines zweiten bei Boden vollständig nachzuweisen, dann der Eger- 
anschiefer bei Haslau im Granit. Die Terliärmulde von Eger und jene von 
Karlsbad-Falkenau shid beide reine Susswasserablagerungen. In der Karls- 
bader Mulde bildet das Liegende der Flötze ein Kohlensandstein, der in der 
Mulde von Eger gänzlich zu fehlen scheint. Die Kohlen sind in der erstem 
weit mächtiger entwickelt und von viel besserer Qualität als in der letztem, 
wo freilich auch die grosse Menge in den Gruben zusitzenden Wassers sie 
von den Rändern weg weiter in die Tiefe zu verfolgen verhinderte. Eigen- 
tbümiich für die Mulde von Eger ist das häufig^e Auftreten der sogenannten 
Cyprisschiefer , die beinahe ganz aus den mikroskopisch kleinen Schalen 
einiger Crustaceen- Geschlechter aus der Ordnung der Entomostraceen zu- 
sammengesetzt sind. — Hr.'Pröf. Emerich machte, anschliessend, an die 
Arbeiten des Hrn. M. V.Lipoid im Salzburgischen, Untersuchungen in Süd- 
bayern und Nordlyrol zwischen Traunstein und Lofer. Die Gesteinsgrappen, 
die er seinen Untersuchungen zu Folge unterscheidet , ' sind von oben nach 
unten: 1) Fucoidensandstein, 2) Nummuliten-Gebirge; einige Petrefacte des- 
selben zeigen nach Dr. Em e rieh's Untersuchung grosse Ähnlichkeit mit jener -des 
Leithakalkes im Wiener Becken; 3) Gesteine mit Orbituliten; sie repräsen- 
tiren die obere Kreideformation und zerfallen in zwei Glieder: a) sandiger 
Kalkstein mit vielen Petrefacten, b) splittriger breccienartiger Kalkslein mit 
Kieselkalk; 4) Neocomien, oben aus dunkeln Schiefern mit Ammoniten, zu 
Unterst aus kalkreichen lichtgrauen Schiefern mit tJrioceras bestehend; 
5) Aptychusscfaiefer; 6) oberer rother Ammonitenraarmor^ 7) Gervillia- 
schichten und 8) Amaltheenmergel. Im Allgemeinen stimmt diese Fortnations* 



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^18 Nacbriohten von Akadetnieen nnd Gesellsehaften der WisaeBscliafteiK 

folge sehr ^ut mit dem überein, was im vorigen Sommer durch die Unter- 
suchungen der k. k. geologischen Reichsanstalt weiter ostwärts in den Alpen 
beobachtet wurde. — Im Zusammenhange mit dieser Mittheilung zeigte Hr. 
V. Hauer eine geologische Karle der südbayerischen und Tyroler Alpen, 
die Hr.*Conservator Dr. Schafhäuti verfasst. — Hr. Fr. Foetterle,- der 
in den Monaten October und November v. J. geologische Untersuchungen 
im südöstlichen Galizien vorzunehmen hatte, besuchte bei dieser Gelegenheit 
auch die in der Nähe von Lemberg befindlichen Braunkohlenablagerungen, 
welche durch die Unternehmungen des Hrn. Lang in Lemberg aufgeschlossen 
wurden und theilte nun einige Beobachtungen über dieselben mit. — Hr. H. 
Prinzinger gab eine Übersicht der Untersuchungen, die er als Hülfsgeologe 
der Section VI. der k. k. geologischen ReichsansLtalt über die Schiefergebilde 
der Umgebung von Werfen in dem südlichen Theile des Gebietes der Section 
im verflossenen Sommer angestellt hatte. Diese Schiefer treten sudlich von 
den gewaltigen Kalksteinmassen des Tännengebirges, welche sie unterteufen, 
auf. Sie sind der Hauptsache nach zusammengesetzt aus Quarz, Thon und 
Glimmer, welch letzterer um so mehr vorherrschend wird, je weiter man 
gegen Süden vordringt, so dass sie allraälig in die eigentlichen krystallini- 
sehen Schiefer der Centi*alalpen übergehen. Der nördliche Theil, aus- 
gezeichnet durch Mayacites Fassaensis, der bei Immelau vorkömmt, gehört 
zur Formation des bunten Sandsteines, der südliche, in welchem bei Dienten 
verschiedene Versteioerungeo vorkommen, zur silurischen Grauwacke. Auch 
petrographisch lassen sich beide Formationen gut unterscheiden, die Gränz- 
linie geht vom Gainfeldgraben bei Bischofshofen über Hüttau, gegen St. Martin. 
Nördlich von dieser Linie sind die Gesteine regelmässiger geschichtet und 
vorherrschend roth und grün gefärbt, südlicher tritt die eigentliche schief- 
rige Textur hervor, sie sind hier schwarzgrau gefärbt und enthalten aus- 
gedehnte Spatheisensteinlager. Merkwürdig ist das Auftreten eines Molasse- 
Sandsteines mitten im Gebiete der^ Schiefer zwischen Wagrein und Flachau. 
Derselbe führt Pflanzenabdrucke, die der Miozenformation angehören, und ist 
dem Schiefer muldenförmig aufgelagert. — Hr. Bergrath Fr. v. Hauer 
theilte den Inhalt eines Schreibens, das Hr. Sectionsrath W. Haidinger 
von Hrn. Dr. Alth in Czernowitz erhalten hat und das sich auf die geo- 
logischen Untersuchungen bezieht, die der Letztere im vorigen Sommer in 
der Umgegend von Dorna in der Bukowina angestellt hat, mit. Ein. mäch- 
tiger Glimmerschieferzug, der Träger, der Eisen-, Kupfer- und Bleierze der 
Bukowina, des nördlichen Siebenbürgens und der Marmarosch, der von Süd- 
ost nach Nordwest streicht, bildet das herrschende Gestein. Er ist deutlich 
geschichtet, wechsellagert mit körnigem Kalkstein tind wird theilweise von 
Wiener Sandstein, theilweise von jurassischen Kalksteinen, theilweise endlich 
von Kreidegebilden überlagert. An einer einzigen Stelle am Manczel findet 
sich Granit; Serpentine, Gabbro, dann grüne und rothgefleckte Porphyre 
durchbrechen dagegen an mehrern Stellen die Kalksteine. — Noch zeigte 
Hr« V. Hauer Musterstücke der kürzlich in der Nähe von Görz aufgefunde- 
nen Kohlen und Brauneisensteine, welche Hr. Prof. Dr. B. Kopetzky an 
die k. k. geologische Reichsanstalt eingesendet hatte, vor. Die Eisensteine 
fanden sich bei Merna südlich von Görz im Hipporitenkalk des Karstes. £s 
wurden davon bereits einige Tausend Centner durch Tagbau gewonnen. 
Die Kohle findet sich zu Podgora westlich von Görz im Wiener Sand- 
stein; doch haben die bisherigen Schürfungen noch kein lohnendes Resultat 
geliefert. 



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Nachrichten von Akademieen und Geielbchaften der Wissenichaften. 2t ^ 

Sitzung vom 21. Januar. Hr. Dr. C. v. Ettingshausen gab eine 
üebersicht der von ihm im verflossenen Sommer im Auftrage der k. k. geo- 
logischen Reiohsanstalt unternommenen Arbeiten und Reisen. Nach dem 
Wortlaute der ihm ertheilten Instruction sollte die Aufgabe der Reise eine 
einfache sein. Erstlich sollte er mit dem unverwandten Ziele vor Augen: 
in der Kenntniss der fossilen Flora unseres grossen Kaiserstaates in den 
verschiedenen geologischen Perioden Fortschritte zu machen, die in den Museen 
aufbewahrten Sammlungen fossiler Pflanzen sludiren, zweitens die wichtigeren 
Fundorte selbst besuchen, um sie möglichst genau kennen zu lernen und 
apsgedehntere Arbeiten zur Aufsammlung belehrende!^ Stucke für die k. k. 
geologische Reichsanstalt einzuleiten. Zu Anfang des Monats Mai begab sich 
Herr Dr. von Ettingshausen nach Gratz, woselbst ihm die reichen 
Sammlungen fossiler Pflanzen im Johanneum reichlichen Stofl* zu Studien 
boten. Er zeichnete alle bemerkenswerthen Stücke jener Sammlungen, und 
gelangte vorzüglich tiurch eine genauere Vergleichung der Nervatur der 
fossilen Blätter mit jener jetzt lebender Pflanzen zu vielen von den früheren 
abweichenden Bestimmungen. Während die fossile Flora von Radoboj 
.und Parschlag, welche in den Sammlungen des Johanneums besonders 
reichlich vertreten ist, in den bisherigen Druckschriften, blos mit jener der 
südlichen Staaten von Nord-Amerika und von Mexico verglichen wird, ge- 
lang es ihm in denselben Gattungen zu erkennen, welche dem neuhollandi- 
schen, den südafrikanischen, dem tropisch-afrikanischen und dem indischen 
Yegetations - Gebiet eigenthümlich sind. Von Gratz begab sich Herr von 
Ettingshausen nach Sotzka in Untersteiermark, einen von Hrn. Schicht* 
meister Wodizka in Cilli entdeckten und später hauptsächlich durch Herrn 
von Morlot näher bekannt gewordenen Fundort. In einem Zeitraum von 
. 15 Tagen wurden 6 Kisten mit Pflanzenresten gefüllt, und an die k. k. geo- 
logisebe Heichsanstalt eingesendet. Sie gehören der Eozenformation an. 
Weiter ging die Reise nach Radoboj in Kroatien, einen schon längst gekann- 
ten und vielfältig ausgebeuteten Fundort, an welchem besonders Herr Berg* 
Verwalter Rössner die Arbeiten freundlichst unterstützte. Binnen drei 
Wochen wurden 10 Kisten Pflanzenreste gesammelt. Nicht nur befinden sich 
dabei beinahe alle früher schon bekannten Arten, es wurden auch noch 
gegen 30 neue Arten aufgesammelt. Nach einem Ausfluge nach Agram 
begab «ich Herr v. Ettingshausen hierauf über Innsbruck nach Häring 
in Tirol. Diese bisher noch sehr wenig untersuchte Localilät gehört, wie 
jene von Sotzka der Eozenformation an, und lieferte eine überreiche Aus- 
beute, welche 16 Kisten füllte. Der Aufenthalt daselbst währte fast vier 
Wochen. Nach einem kurzen Aufenthalte in Salzburg, wo Herr v. Ettings- 
hausen mit Hrn. Director Hai dinge r zusammentraf, begab er sich nach 
Bilin in Böhmen, studirte die von Hrn. Gustos Hrubesch, und von Hrn. 
Prof. Dr. Reuss zusammengebrachte Sammlung in dem fürstlich Lobkowitz'- 
schen Museum und sammelte 10 Kisten Blätterabdrücke für die k. k. geo- 
logische Reichsanstalt, unter welchen sich ebenfalls viele ganz neue Arten 
befinden. Am 18. September nach Wien zurückgekehrt, erhielt er durch 
Hrn. V. Morlot Nachrichten über die Reichhaltigkeit beinahe noch gar nicht 
untersuchter Fundorte fossiler Pflanzen zuTüfl*er und Sager in Unter-Steier- 
mark, welche eine allsogteiche Reise dahin veranlassten. Bis zu Ende 
Oktober währte der Aufenthalt daselbst und während dieser Zeit wurden 
38 Kisten mit Pflanzenresten aufgesammelt. — Seit seiner Rückkehr nach 
Wien ist Hr. v. Ettingshausen unausgesetzt mit der Bearbeitung des un- 



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220 Nachrichten von Akademieen und GeselUchafteii der WiaaeiMchafteii. 

geheuren aufgesammelten Materials (80 Kisten, die er selbst sammelte, 
und 22 Kisten, die in Folge der von ihm eingeleiteten Arbeiten noch spater 
nachgeliefert wurden) beschäftigt. — Hr. F. Seeland zeigte eine Reihe 
von fossilen Mollusken aus der Tertiärablageruog von Radoboj in Kroatien 
vor, welche Hr. Dr. C. v. Ettingshausen daselbst gesammelt hatte, und 
welche er selbst mit freundlicher Beihülfe des Hrn. Dr. M. Hörnes unter- 
suchte und bestimmte. Sie stammen aus Mergel und Kalksteinschichten, 
welche unter den Schwefelilötzen von Radoboj liegen und ihrerseits wieder 
die dortigen Braunkohlenschichten, die auf der Grauwacke ruhen, bedecken. 
Die Arten, 18 an der Zahl, stimmen beinahe durchgehends mit jenen des 
Wienerbeckens überein. Einige der charakteristischen Miozenfossilien, die 
Turritella acutangula, Teilina complanata, Nucula placentina, Arta diluvii u. s. w. 
sind darunter. Sie machen es unzweifelhaft, dass die Schichten von Radoboj 
der Miozenformation und nicht, wie man neuerlich mehrfach annahm, der 
Eozenformation zugerechnet werden müssen. — Hr. P. Kuncz legte eine 
Sammlung fossiler Insekten von Radoboj zur Ansicht vor, welche hauptsäch- 
lich durch die Bemühungen des Hrn. Gustos Freier in Laibach und Herrn 
von Morlot zusammengebracht wurde, und spater in den Besitz der k. k. 
geologischen Reichsanstalt überging; dieselbe wurde zur Bestimmung und 
Bearbeitung an Hrn. Prof. 0. Heer in Zürich gesendet, der bereits einen 
grossen Theil der erhaltenen Resultate in seinem Werke: »die Insekten- 
fottna der Tertiärgebilde von Oeningen und Radoboj^^ veröfiPentlichte. Ein an- 
haltendes Uebel jedoch verhinderte die Vollendung seiner Arbeit und er 
begab sich zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit für dieseu Winter 
nach Madeira , sendete jedoch zuvor alle Stücke, deren Bearbeitung bereits 
vollendet war, nach Wien zurück. Im Ganzen erkannte Heer in Radoboj 
136 verschiedene Arten von Insekten, von welchen 14 der Ordnung der. 
Käfer, 12 zu den der Gymnognathen , 2 zu den Neuropteren, 57 zu den 
Hymenopteren , 7 zu den Lepidopteren, und 61 zu. den Dipteren gehören. 
Besonders auffallend erscheint die ausserordentlich grosse Menge von Amei- 
sen sowohl was die Zahl der Arten als die der Individuen betrifft. Die ganze 
Insektenfauna hat einen entschiedenen tropischen Charakter, die meisten 
Arten haben mit jenen der Sundainseln und von Brasilien die grösste Ver- 
wandtschaft. — Herr Bergrath Fr. v. Hauer gab eine üebersicht der von 
der IV. Section der k. k. geologischen Reichsanstält im verflossenen* ^ommer 
ausgeführten Arbeiten; das dieser Section zugetheilte Gebiet umfasste die 
Gegend südlich von Steyer gegen Admont zu. Am 15. Juni verlieiss Herr 
v. Hauer in Begleitung seines Bruders Rudolph, der den ganzen Sommer 
über an den Arbeiten Theil nahm, Wien und machte erst eine Rundreise 
zu den bereits seit längerer Zeit in Thätigkeit befindlichen Sectionen III in 
Steyer, V in Gmunden, und VI in Salzburg, von welcher er am 16* Juli in 
das ihm selbst zugewiesene Gebiet zurückkehrte. Die Untersuchungen, an 
welchen nunmehr aueh die inzwischen aus Wien nachgekommenen Herren 
Fr. Kupelwieser, Fr. v.. Rosas, Julius v. Hauer, dann auch vielfältig 
Hr. Pfarrer Engel von Gleink bei Steyer und Hr. Schullehrer Gansel- 
mayer aus Steyer theilnahmen, wurden nun unverzüglich begonnen. Sie 
umfassten hauptsächlich das Tertiär- und Diluvialland bei Steyer, die Zone 
des Wiener Sandsteines, welcher bis in die Gegend von Ternberg an der 
Enns reicht, und die nördlicheren Theile des Alpentractes in der Umg^end 
von Reichraming und Arzberg^ welche hier durchgehends den verschiedenes 
Gliedjerii' der Juraformation angehört und häufig von Mergel und Sandstein- 
gebilden der Kreideformation überlagert wird. — Am 11. August traf Herr 



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Universitäts - Anzeiger. 



Im UniversiUlts-Anseif er werden Anzeif en aller Art, welche die Univergitfiten betreffen, 
insbesondere alle amtlichen Erlasse, Verkündigunf en , . VorleBuufsvBrzeichnisse etc. als 
Inserate C^^ie durchlaufende Zeile IV2 ^^[r*) aufgenommen, ohne dass dadurch der Inhalt 
des Monatsheftes verküfst werden darf. Die Verlagshandlung. 



Historiscbe Preisfragen 

der 

Fürstlich Jablouowski^schen Gesellschaft zu Leipzig 

nir die Jahre 1851 und 1852. 

1) Für das Jahr 1851: „Welchen Einfluss auf die staatlichen Zustände 
Sachsens hat die Vereinigung der polnischen Kdnigskrone mit dem sächsi- 
schen Kurhute gehabt?^' 

2) Für das Jahr 1852: „Die Gewerbs- und Handelsgeschichte Danzigs 
bis zum Jahre 1308, mit besonderer Rücksicht auf dessen Verhältnisse 
zur Hansa und auf die deutsche Bevölkerung der Stadt/' 

Die Preisbewerbungschriften sind in deutscher, lateinischer oder 
französischer Sprache zu verfassen, müssen deutlich geschrieben und 
paginirt, ferner mit einem Motto versehen und von einem versiegelten 
Zettel begleitet sein, der auswendig dasselbe Motto trägt, inwendig den 
Namen und Wohnort des Verfassers angiebt. Die Zeit der Einsendung endet 
für das Jahr der Preisfrage mit dem Monat November; die Adresse ist 
an den jedesmaligen Secretär der Gesellschaft (für das J. 1851 an den 
ordentl. Prof. der Mineralogie und Geognosie an der Universität zu Leipzig 
C. F. Naumann) zu richten. Der ausgesezte Preis beträgt für jede der 
vorstehenden Aufgaben 48 Ducaten. 



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224 

Akademie zu Hlliister. 

Vorlesungen bei der Königlich Preussischen theologischen und philosophischen 

Akademie zu Münster im Sommersemester 1851. 

(Die mit einem * bezeichneten Vorlesungen werden öfTentlich oder unentgeltlich gehalten.) 

Theologie. * Einleitung in d. h. Schriften des neuen Testaments: Prof. Dieckhoff. — 
*Uber d. Hauptinhalt u. d. Glaubwürdigkeit d. histor. u. prophet. Bücher d. alten Tegtaments: 
Prof. Reinke..— *Nach vorb«rgescbickter Einleitang d. Erklärung d. Baches Daniel : Den. ~ 

* Erklärung d. Apostelgesch. : Prof Bisping. — ^Dber d. Leben u. d. Brirft d. h. Paulus 
als allgem. Einleitung in d. Paulinischeu Briefe: Ders. — * Die drei letzten Jahrhunderte d. 
Kirchengesch. : Prof. Cappenberg. — *Die christl. AUerthümer: Ders. ~ * Erklärung d. 
Apologetikus v. Tertullian: Dera. — *Die Apologetik d. Kirche: Prof. Berlage. — *Forl- 
setzung d. zweiten Theiles d. Dogmalik: Ders. — ^Die christl. Eschatologie : Ders. — 
«Erste Theile d. 'speciellen christl. Ethik: Prof Dieckhoff. — «Casuistik d. Restitutions- 
pflicht: Ders. — «Fortsetzung d. Lehre v. d. Verwaltung d. Bussanstalt: Prof. PüngeL — 
*Katechetik; Lehre v. Krankenbesuch: Ders. 

PhUosophie. Theoret. Philosophie od. Metaphysik: Prof. Esser. — Gesch. d. Philosophie 
V. Kant bis auf die »Gegenwart: Dercu — Psychologie: Prof. Schlüter.. — Logik: Ders. — 
Gesch. d. Philosophie bei d. Alten: Ders. — « Über d. Verdienst Jacobis, Baaders u. Günthers 
in d. Polemik gegen Irrthfimer d. neuem Philosophie: Ders. — « Disputatorische u. repetito- 
rische Übungen üb. Gegenstände d. Philosophie: Prof. Esser. 

MathemaUk. i'Analyt. Planimetrie: Prof. Gudermann. — Differential- u. Integral- 
Rechnung: Ders. — Höhere Mechanik: Ders. — Ein anderer Zweig d. höhern Mathematik 
nach d. Wunsche d. Zuhörer: Ders. 

Nalurtcissenschaflen, "^ Experimentalphysik: Dr. Hittorf. — Qualitative analyt. Chemie: 
Ders. — «Allgem. Naturgesch., zweiter Theil : Dr. Kars eh. — «Allgm. u. specielle Botanik: 
Ders. — «Natarhistor. ExcnrsioneD, besonders mm Zwecke d. Botanik n. Entomologie: Ders. 

Geschichte und Geographie. ^Röm. Kaisergesch.: Prof. Rospatt. — Neuere deutsche Gesch. 
bis zum zweiten Pariser Frieden im J. 1815: Ders. — Allgem. Weltgesch. bis Christi Geburt: 
Dr. Junkmann. — «Gesch. d. Kreuzzüge: Ders. — «Ältere Gesch. d. deutschen Literatur: 
Prof. Deycks. 

Philologie. Metrik d. Griechen u. Römer: Prof. Winiewski. -^ ^Erklärung d. Plato- 
nischen Phädo: Ders. — Auslegung d. Germania d. Tacitus: Prof. Deycks: — «Erklä- 
rung V. Cicero*s Tusculanen^ im pädagogisch - philologischen Seminar: Ders. — «Aeachyhis 
Perser (Fortsetzung), im pädagogisch-philologischen Seminar: Dom^ap. Prof. Nadermann. — 
Morgenländische Sprachen. Hebräische Grammatik nebst Erklärung einiger Capitel 
d. Genesis u. einiger anserwäklter Psahnen: Prof. Reinke. — Arabische od. syrische Gram- 
matik nebst Erklärung einiger Stücke aus arabischen od. syrischen Schriftstellern: Ders. — 

* Fortsetzung d. Übersetzuncr arabischer od. syrischer Schriftsteller: Ders. — Neuere 
Sprachen. EngL Grammatik : Dr. Schipper. — «Erklärung d. Hamlet v. Shakspeare; 
Derselbe. 

Dta Lescziramsr der Paulinischen Bibliothek ist Montags und Donnerstags von 10 Ms t Ubr 
geöffnet^ ausserdem können Dienstags and Freitags in denselben Stfwden, uater den bekann- 
ten gesetalichea Bestimmungen, Bücher nach Hause mitgenommen werden. — Das natiK- 
historische Museum und der botanische Garten werden bei den Vorlesungen benutzt, und steht 
ausserdem den Studirenden der Zutritt zu diesem täglich, mit Ausnahme der Sonn- und 
Feiertage, zu jenem nach mit dem Director desselben genommener Rücksprache offen. 

Der Anfang der Verlesungen ist aiff den 28. April festgesetzt. 



Druck von F. E. Theln in Wiinburg. 

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PertOMd-Noluen. tMi 

Seolidnsrath Haidinger auf seiner Uebersichtsreuse bei der Seetion ein, 
nahm von den Arbeiten derselben Kenntniss und wurde nun von Herrn 
V. Hauer bis nach Ebensee begleitet. Am 24. Aug. kehrte Hr. v. Hauer 
wieder zurück nach Reichraming und es wurden nun gemeinschaßlicb mit 
den Herren Gustos Ehrlich und Rossiwall, welche die Seetion HL der 
k. k. geologischen Reichsanstalt bildeten, die Gebirgsstöcke zwischen Reich- 
ramiag und Windischgarsten in Angriff genommen. Schon in der zweiten 
Woche des Monats September setzte jedoch die ungewöhnlich früh einge- 
tretene rauhere Herbstwitterung der Fortsetzung der Detailarbeiten ein Ziel, 
und Hr. v. Hauer kehrle, ohne weiter die Strasse zu verlassen, über Spital. 
Admont, Eisenerz und Weyer nach Sleyr und von hier nach Wien zurück, 
woselbst er am 27. Sept. eintraf. Auch Hr. Prof. Koristka aus Brunn 
hatte sich wahrend des Monats September der Seetion angeschlossen und 
machte eine Reihe von Untersuchungen mit einem Nivellirinstrumente, welche 
zum Hauptzwecke hatten, die Genauigkeit, die bei den Höhenmessungen mit 
Barometern erzielt werden kann, zu ermitteln. — Als Hauptresultat der 
Untersuchungen zeigte Hr. v. Hauer die ziemlich vollendeten geologischen 
Specialkarten der Umgegend von Steyr, Garsten, Arzberg und Windisch- 
garsten, welchen die Original- Militär -Karten in dem Hassstabe von 400 
Klaftern auf den Zoll als Grundlage dienen, ferner Zeichnungen und Durch- 
schnitte. Er legte das Verzeichniss der barometrisch gemessenen Höhen, 
welches 142 Nummern umfasst, das Verzeichniss der Quellen, deren Tem- 
peraturen beobachtet worden waren u. s. w. vor. (Sehluss folgt.) 



VI. 

Personal -Notizen. 

An die Universität Basel hat der Stiftsrepetent Auberlen in Tübingen 
einen Ruf erhalten und angenommen. — In Berlin wurden zu ordentlichen 
Mitgliedern der Akademie erwählt und bestätigt die Privatdocenten an der 
Universität DD. med. du Bois-Reymond und Peters; ferner wurde zum 
Lehrer der tschechischen Sprache an der Universität ernannt der tschechische 
Übersetzer bei dem k. Kammergericht Dr. M. A. Pribil. — In GötHiigefi 
wurden zu ausserord. Proffessoren ernannt: in der theologischen Facultät 
der bisherige Privatdocent Dr. Hatthaei, in der philosophischen Facultät 
der bisherige Privatdocent Dr. St a edel er. — In Krakau erhielt eine ausser- 
ord. Professur des Österreich. Strafrechts der bisherige Privatdocent in Lem- 
berg Dr.^. Koczynski. — In Marburg wurde zum ausserordentl. Professor 
ia der phitosophischen Facultät der bisherige Privatdocent Dr. Wigand und zum 
ordeatl. Professor der Chemie an Bunsens Stelle Dr. Kolbe aus Braunschweig 
ernannt. — In Purü haben die Akademie der Wissensfibaften an Gay- 
Lussacs Stelle Hrn. Cagnard Latour und die Gesellschaft der franz» Alter- 
thumsforscher den Conservalor der ägypt. Alterlhümer des Louvre, Hm. 
Em. de Rouge zu ihren Hitgliedern gewählt — In Tübhigen wurden die 
Privatdocenten Dr. Ofterdinger in der philosophischen, Dr. G Öhr um in 
der juristischen Facultät zu ausserord. Professoren ernannt — In Zürich 
hat der Regierungsrath an die Professur für*allgem. Geschichte den ausser- 
ord. Professor in Berlin Dr. A. Schmidt berufen. 

In Tübingen wufde der ordentl. Professor der Rechte Dr. Reyscher 
als Regierungsrath nach Ulm versetzt -^ In Würzburg wurde der Professor 
der Kirchengeschichte Dr. Schwab quiescirt. 

Akadem. MonRtaschrift. April 1851. 28* 



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1 



)32 Aphorismen eines emeritirten Professors. 

Orden erhielten: in Jena d^r Bergrath Prof. Dr. Schäler das Ritter* 
kreuz des grossh. bad. Ordens vom Zähringer I^öwen mit Eichenlaub, in 
Leipzig der geh. Hedicinalrath Prof. Dr. Clarus bei Gelegenheit seines 
50jährigen Doctorjubiläums das Comthurkreuz des k. sächs. Verdienstordens 
1. Clnsse, in Müiicheit Prof. Dr. Ohm das Ritterkreuz des Verdienstordens 
vom hl. Michael, in Padua Prof. Dr. L. Configliacchi ^A. Z. Rector der 
Universität} und in Wie^i der Professor und Akademiker Regierungsrath 
Dr. Arneth das Ritterkreuz des Franz- Joseph-Ordens. 

In Genf st^rh am 17. April Baron Haurice-Diodati, Prof. hon. der 
Akademie und Mitglied des Institut de France, 76 Jahre alt. 



YII. 

Aphorismen eines emeritirten Professors. 

Grosse Dampfmaschinen, Feuerspritzen u. s. w. in technologischen Cabineten 
gleichen den Pariser Caricaturen, die monströse Köpfe auf Liliputkörpern zeigen. 

Es macht immer einen Übeln Eindruck, wenn ein Privatdocent oder junger 
Professor Suppliken um Anstellung oder Beförderung schreibt. Drucken 
muss er sie lassea und dafür noch Honorar einnehmen. 



Die Freiheit hat nirgends die Bedeutung, dass sie dem Einzelnen An- 
strengung und Fleiss überflüssig machte. Im Gegentheil sind ja auch an 
den freien Bürger des politischen Gemeinwesens viel . höhere Forderungen 
gestellt, es wird ihm grössere Anstrengung und Thätigkeit zugemuthet, als 
dem Unterthan des absoluten Herrn. So auch dispensirt die Studienfreiheit 
nicht nur von keiner Mühe und Anstrengung, sondern sie fordert vom Stu- 
denten, eben weil sie ihn seiner eignen Einsicht und seinem freien Ent- 
schluss überlässt, grössere Energie des Willens, als diese dem unter der 
Herrschaft des Studienzwanges Stehenden nothwendig ist. • 

Examinatorien fördern, wenn sie von tüchtigen Männern gehalten werden, 
die Studien ungemein. Sie bewirken einen persönlichen Verkehr zwischen dem 
Lehrer und dem Studenten, der für beide Theile gleich vortheithaft ist. Der 
Lehrer sieht daraus, worin er seine Vorträge ändern und heben, der Student, 
welche Fehler im Studium er vermeiden müsse. Gerade weil sie auch auf die 
noch zu hörenden Vorlesungen günstig einwirken können und sollen, dürfen 
sie nicht als Brücken angesehen werden, über die der Candidat ins Examen 
schleicht. Wo sie den Charakter von Abrichtungsanstalten für die Prüfung 
annehmen, sind sie geradezu verwerflich und dienen, wie sie einerseits der 
Lehrer als Melkkuh missbraucht, andererseits nur als Lotterbett für faule 
Studenten. Eine solche „Einpaukerei" ist unter der Würde der Universität 
und wirft, wenn der Einpauker noch vollends seiner Zeit als Examinator 
fungirt, ein schiefes Licht auf seinen Charakter. 



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mmm mwmm. 

(Oeatwhe Uuiveigitlts-ZeitaQg.) 



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i ' ■' 1 IIA 



AkademiMhe Reehtefrasen. 

I. GescldchtUclte Bemerliuiiffeii über die Tl«elli|ali«ie ileif 
deiit«ehen Uniirersltfttevi an der Volluiirertretiuic. 

Der edle Keim des deutschen Univeiisitfttsvreffetis hat bekanntlieh seitt6 
ersten. WuraelA In dem an corporativen Reehlsbildting^n ^o ft-uoblbarenRechts-' 
beden des Mittelalters geschlagen und sich alsbald zum gt*ossen, die gan2e 
eiuroi^äiflohe Gültar tiberragenden Baume entwickelt. All die jttriistischen 
Kleinodien and Praohtgeralhe , wdlc^e das Mitteiatler fttr seirie liebsteil 
Scbooskinder hinterlegt halte — Privilegia, Praerogativae, Bxemj^tidnes, Lifrer-'' 
tatesi, ConcessioQes, Honores, Praeeminentiae^ Faculfates, Indolta und- wie- dte 
in den Pergamcnlen. prangenden Senderrechte noch sonsCf Messen'—, vrtir- 
den von den Papslen, Kaisern itnd Landesherrn anfi»' Huldreichste den Hoch''' 
sdHilen zttgetbeUt. Das ekademiische Gemeiffwesen bfldef^ einen UeitreA 
Sdaat im Staate; -^ Daa Mittelalter ist hinabgesunken, seine corpoi'atiteil 
Rechtsbildmigen grösstentiieils mit ihm. Ab6r dki Universitäten bMhen nöth 
Uk rnstigslcr Kraft, und* Generation um Generation schöpft aus ihrem unver-^- 
sieglichen Borne. Welches ist nun die Stellung dieser ehrwürdigen Institute 
zu dem ganz Yerinderten Rechtsleben der Gegenwart?' Man erfafilt nicht 
leicht afuf eine Frage verdchiedenere Antworten als auf diese. Es wird liSm- 
lieh nicht nur über die Me|[Iiehkeit und NütttiehkeH jeder einzelnen aka- 
demischen Institution oder Gerechtsame gestritten, sondern dber diö Bxistenz^^ 
frage dier detttschen Hoehschulem 'selbst sind die Ansichten so wc^it gespal« 
ten, däss die Einen die (Jniversitt4en flr unvereinbar nfit dem Staate der 
Gegenwart hiattdn, während die Addern jeden Puss breit des allen akä^enii- 
sehen Recbtsbodens a«f Tod md Leben vertbeidrgen und' dün^h jede iiocN 
80 un^oheinbare Andärung akademischer Institutionen den (iebensrtigrv der 
Universitdten und damit zugleich die Hefzwureel d^r deutschen und euro-^ 
paischeh Cultur gefährdet glauben. Unter diesen Umstinfden bedarf es keiner 
Recbtferliguiig.) wenn wir es unternehmen, in der akademischen Monats-' 
sefariitt eine Mehrza&l ^Yon Fragen aber das Verhftitniss der deutschen Uni-i' 
YevsitAien an dem RechAs- und Staatsleben der=¥ergangerAe}t und Gegenw^irt 
sn besptredtoi. '^ Aue der FMle des andrangenden Joffes wollen wir für^ 
Ersle die gesehi^htiiohe»: Phasen, welche die- BetKeülgung ätt deutschen 



Akadcm. Monatasehrift. Mai 1851. 



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226 Ober die Theilnahme der deotochen UnivernUlten an der Volksvertretang. 

Hochschulen an der Volksvertretung durchlaufen hak, zum .Gegenstande unserer 
Betrachtung wählen. 

Auf den ersten Blick könnte es auffallend erscheinen, dass bei den 
mannichfachen Berathungen, welche in neuerer Zeit übpr die Verbesserung 
der akademischen Zustände statt fanden, sich nicht die kräftigsten Stimmen 
erhoben, um das Recht der Landtagsfähigkeit für die Universitäten in Anspruch 
tu nehmen, nicht die lebhaftesten Erörterungen gepflogen wurden, um die- 
sen Anspruch durchzukämpfen. Hätte man nicht erwarten sollen, dass die 
Universitäten nach dieser Berechtigung, als dem Schlösset zu jeder weitem 
Verbesserung ihrer Zustände zunächst getrachtet hätten? Woher anders 
können die deutschen Hochschulen jede projectirte Verbesserung empfangen, 
Hls aus der Hand des Staates? Was könnte also wichtiger sein, als nach 
einem gewissen Einflüsse auf den Staat durch Theilnahme am Landtage zu 
streben? Gleichwohl rechtfertigt es sich vollkommen, dass dieser Punkt bei 
den Berathungen der Universitäten ausser^ Betracht blieb, und zwar vorzüglich 
aus zwei Gründen. Fürs Erste nämlich kann die Frage, ob den Universi- 
täten eine Theilnahme am Landtage eingeröumt werden solle, nicht isolirt 
beantwortet werden. Sie hängt von der höhern Frage ab, nach welchem 
Principe der Landtag zusammengesetzt ist, ob nach dem Principe des Ein- 
oder Zweikammersystems, ob nach den organischen Prindpien der Stände, 
oder der Interessen, oder der corporativen Gliederungen des Volks, oder 
aber nach der topographischen Bestimmung der Wahlbezirke und der nume- 
rischen Abtheilung der Volksmasse u. s. f. Die Erörterung dieses Problems 
ub^stieg also weit den Gesichtskreis und die Zuständigkeit von Professoren- 
versammlungen. Ein zweiter wichtiger Grund war aber folgender. Die 
Theilnahme an der Volksvertretung ist ein öffentliches Recht, somit wie alle 
öffentlichen Rechte nicht bloss eine Befugniss, sondern zugleich eine Pflicht, 
eine Last. Die gewissenhafte Erfüllung dieser Pflicht kann aber nirgend mit 
mehr Schwierigkeiten verknöpft sein, als bei einer Corporation, deren Mit- 
glieder sämmtlich Staatsdiener und öffentliche Lehrer sind. Was ist wahr- 
scheinlicbei*, — dass die Universität durch den ihr in der Standschaft ein- 
geräumten politischen Einfluss auf den Staat ihre wissenschaftiiche Stellung 
verbessern werde, oder dass der Staat die ihm auf die wissenschaftliche 
Stellung der Universität zukommende Einwirkung dazu gebrauchen werde, 
um ihre politische Haltung zu bestimmen? Geschieht aber das letztere, wird 
z. B. bei der Berufung von Lehrern selbst in solchen Fächern, die von dem 
Staatsleben weit abliegen, z. B. medicinischen, vor Allem auf diese oder 
jene in eiper gewissen Zeit vorzugsweise begünstigte politische Richtung 
Rucksicht genommen, so ist diess gewiss för den eigeütlich wis/senschaft- 
liehen Beruf der Hochschule eine Calamität, da dieser hiemit ein^ Neben- 
sache zum Opfer gebracht wird. Es ist naturlich hier nicht die Rede von 
dem wohlbegrundeten Rechte des Staates, gegen destructive Lehren einza- 
sphreiten, sondern nur von der durch das Standschaftsrecht der Universitäten 



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über die Theilnahm« to deattchen Ünhreniliteii an der VeIfcfTerlretBiig.' MT 

dem Staate nahe gfelegten Versuchung, den Personalstand der UatTersititen 
fortwährend je nach dem herrsdienden Regierungssysteme umzugestalten; 
Vom Standpunkte des rein wissenschaftlichen Interesses der Universitftten 
ans betrachtet konnte also die Standschaft nicht vom Staate aU Gunst 
erbeten, sondern nur ihm zu Gunsten als Opfer übernommen werden. Man 
musste daher vor Allem abwarten, ob der Staat dieses Opfer auch wirk- 
lieh fordere. 

Nicht von den Universitflten, sondern vom Staate wird iemamck die 
Initiative ergriiTen werden müssen, wenn die Theilnahme der erstem an iet 
Volksvertretung angebahnt werden soll. Die Gründe, welche den Staat 
bestimmt haben, früher die Hochschulen zur Landei^vertretung beieusiehen, 
und diejenigen, welche ihn möglicher Weise bei neuen Legislationen wieder 
bewegen kennen, ihnen in der Volksreprdsentation Sitz; und Stimme einzu*- 
raumen, werden sich aus der oben angekündigten kurzen historischen Skizze, 
zu welcher wir nun übergehen, ergeben. 

Es ist bekannt, dass im Mittelalter das ganze Staatsleben durch 4m 
Feudalsystem einen privatrechtlichen Charakter annahm. Die Staatsgewätt- 
wurde als reines Privatrecht des Landesfaerrn betrachtet und das Volk nahm 
nicht in seiner politischen Bedeutung ThetI an der Ausübung der Staati»- 
gewalt, sondern ebenfalls in einer privatrechtKchefti socialen Stellung. Wüh**' 
rend nämlich die ütere Zeit nur drei politische Geburtsklassen gekannt hatte, 
Adel, Freie und Unfreie, trat fast gleichzeitig mit der Enstehung des Feudal-* 
Systems eine Scheidung des Volkes nach seiner socialen Stellung in mehrere 
Classen ein, welche man Stande nannte. Durch das Erblichwerden der Äniter» 
sowie dadurch, dass die Änderung der Kriegsverfassung einen erbHcheti 
Beruf zum Kriegsdienste, das Ritterthum, hervorgerufen hatte, bekam der 
Adel, welcher früher ein bevorzugter erblicher Grad der Freiheit gewesen 
war, die Bedeutung eines bevorzugten erblichen Berufsstandes. Er bestand 
vorzüglich aus den erblichen Inhabern der Reichsamter und der Ritterschaft. 
Diejenigen Freien, welche früher den Kriegsdienst im Heerbann geleistet 
hatten, aber nach dem neuen System nicht mehr die Waffen führten, wurden 
schtttzpflichtige Hintersassen des Adels, der für sie den Kriegsdienst über^ 
nahm, und kamen ihreih Berufe nach meist in dieselbe Stellung, wie die 
Unfreien, welchen vorzüglich der Landbau oblag. Mit diesen verschmolzen 
sie daher auch bald zu einem Berufsstande, dem Bauernsfaüde. Die Stadt-- 
bewohner beschäftigten sich vorzüglich mit Gewerben. Auch sie bestanden 
aus Freien und Unfreien; allein durch ihren engern Gemeindeverband ver- 
mochten sie sich gegenüber dem Adel einen viel günstigem Rechtszustand 
zu siebern, als der Bauernstand. Sie bildeten den Bürgerstand. Neben die- 
sen weltlichen Standen bestand als religiöser Berufsstand die Geistlichkeit. 
Der gemeinsame Beruf jedes Standes erzeugte gemeinsame Interessen und 
rief zum Schutze derselben Verbindungen der Angehörigen desselben her* 
vor. Gegenüber der Landesherrschaift hatten aber alle Stände jedes einzelnen 



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2» Ulier 4n TMliVRhM der 4«i«k1i9I| fJwflfPpitltffP «i 4«r V^sfeftv^tm^. 

TerfitmttM d9S gemeinsane Itttere^se^ ihre S?Ihft«t«ndjgkeit qa^glidist auf* 
recht XU erbsKen. Diess führte zu allgemeinen YerbiodmigeQ der Stande. 
Nur hei dem bloss van seinem Schutfiherrn vertretene« Bauernstände w«r 
in der Regel beides nicht d^r F«U* Wegen ihrer freierp Stellung gegea* 
ub^r dem Bauernstand« Hrurden Adel, Geistlichkeit und Burger die gefreiten 
Stinde, oder da nur sie an Landesangelegenheiten Theil nahmen ^ Landstande 
genannt. Die wichtigste Veranlassung zur Verbindung der Landstande gab 
di^r inner häufiger wiederkehrende Umstand, dass das landesherrliche Ver- 
mögen aur Deckung der Landesbedürfnisse nicht hinreichte* Da nümjich die 
Lnoieshoheit mach dem Feudal&ystem als Privatrecht jhres Inhabers betrachtet 
wurde, so galt der Aufwand für sie als ein dem fürstlichen Kammergvte ob- 
Hegender Privataufwand und der Landesherr konnte ausser den auf beson- 
dem Rechts titeln beruhenden Leistungen keine Abgaben von den Angehörigen 
seines Territoriums fordern. B^urfte er in Nothfallen Zuschüsse aus ihrem 
Vermögen, so musste er zu Bitten und Zugestandnissen seine Zuflucht neh^ 
men, und was sie gaben h^tt« den Charakter der Liberalitat» nicht der recht- 
Ul^n Natb wendigkeit, Solche Beitrage wurden dann grata subsidia oder 
Stt^urae genannt. Je mehr sich mit den Fortschritten derCultur der Staats- 
Organismus ausbildete, um so häufiger führten die vermehrten Administrations- 
kosten Finan2verlegenheiten der Landesberrn und die Notbwendigkeit Steuern 
zu fordern herbei. Hierdurch wurden die Versammlungen der Stande inrnier 
hdufigev, ihre eidlich geschlossenen Bündnisse immer enger Endlich wurden 
die letatern für immer, als ewige Bunde, abgeschlossen und so bildeten sich 
zu Anfang des 15. Jahrhunderts Eidgenossenschaften sammtlicher gefreiten 
SMnd0 in den Territorial^ zUm Schutze ihrer Rechte. Für diese corporaüven Ver- 
bindungen M^urde die Be^elcbuung „Landschaft'^ gebräuchlich. Diqse Land- 
schaften erl)ingten aUmalig ein Mitwirkungsrecht in Beziehung auf die Aus- 
4biing vieler Zweige der landesherrlichen Gewalt. Ihre Re^i^hte waren sehr 
bedeutend. Sie umfassten diß sogenannten CoUegialrechte, namentlich das 
freie Versammluugsrecbt ohne landesherrliche Berufung« das Recht dauernde 
Ausischusse und ständige Beamte zu bestellen, eigene Kassen^ Siegel und 
Archive m halten, neue HUtglieder aufzunehmen iind V^mogen zu besit:^en, 
ferner .das Recht des Beirathes und der Zustimmung bei der jGesfitzgebung, 
der Verwilligung der Steuern ^nd Erhebung sowie Verwaltung der verwilliglen 
Steuern, Aufsicht über da(( S^huldenwesen des Landes, Zuslhnmung zu Krjegs- 
orklaruflgen, Friedensschlüssen und Bündnissen Ac. dcc. 

Die dautsohen Universitäten wareu von ihren Stiftern grösst,entheils mit 
bedeutendem Grundbesitze ausgestatt/^t worden. Sie konnten als juristische 
Feraoiikea gleiob andern Unterthanen zu den Landeslasten beigezogen werden. 
Viele d^setben wurden dessbalb in den Verband der standischeu Gorporation 
aufgeMnui)^n. Von den oben bezeichneten Standen, die pn letzterer Theil 
nahmei^ bot der Prälatenstand die meisten Anknüpfunigspuivkte für die Uni- 
versitären. Dieselben hatten grossen Theils. dep Charakter iMrcbUch^r Kerper- 



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scb<ideiif winden iKtpii! den fiiftten testitigr, 'sMlteh 4m l^gdttieMdtt int 
Fördeniog chriKtiUber Ldire dienen, waren «ift aM ISrehenfQtorn iMiM 
wardm und imbelottder« did tteatogSsiobe und joi1sl»6li& FucuMI hatte 
durch die Pflege dejr flatteegelehlrUieit imd 4es kanraisclittii Reehtös, sowie 
darch die Erlheilung 4er DoclDrward^ in^ beiden Piebem einen unmittelbar 
auf die gen^e Kipche eich 0r8lrHlheiidita iBWRusls. So wer es ndtArlich, dasit 
sich die Uaifvarailatieii in itin LMdichaflen meist an den PHIlatenstand an«^ 
Schlosse«; Dia Unt¥ersilit In;g«Istadl «. B. Mite mt den baydriacheU 
Landtagen ihre« Platü unter den Prälaten, Freiburg aass auf der breia- 
gau^cbe«, Cliesaen auf der heaaendavmstidttsoheh , Marburg auf der 
hesseniMfiM'sotreii Prelatertbaiik, Leipzig und Wittenberg schlössen 
sich an die «achsisehe ' Pribttencutie in; Indbsa war die Slettung der Uni^ 
versitaten auf den Lendtagen nicht unbeatntteii. ^o hatten z. 6. die Uni^ 
versitate« Leip^aig und Wittenberg einen hingen Streit über ihre Slellnngf 
aof den saobsiaohe« Landtagen. lo wohl gegenüber. dem AM ata den Prilaten 
dordi^ilfechtea. Im Jahre 14^21 w«i*de ihnen das Hecht, an der PHHatencuri^ 
Theü zu nebaieQ, bestritten, was ^in hietflber atlfglßnornnvenes ProVokoH mR 
folgenden naiven Werten erafthU: Vyl^acii abgelesener Propositfon ist denen 
Herren Stiftischen Abgesandten dal» Brüddrgemateb aaf der alten Kaneley n 
ihrer DeUbemliM elngegebea werden, darzu' sich nahe Ihnen dann eht 
Graflich ^olbergia^her, Seimiger und Herelicher Abgesandter beAinden, die 
Herren Universitätsverwandte haben sich zwart auch in solch Zimmer im^ 
patromten wolldn, hat ihnen aber: Ahgesandtiar de^ Domstifts Melssen Herr 
Rudolph von Bünau angedeutet, es also nicht Herkommen, worauf sie aussen 
Zimmer hinwider ahgewiehen/t Beide Universitäten hielten von nun an ihre 
Berathangen abgesondert vM den Prälaten und Herfeh, suchten skli jedoch' 
wenigstens bei der feieriidi^.Bi^dffmmg und dem Schlüsse des Landtages 
den Ehrenplatz unter den Prälaten zu wahren. Aliein auch inevon Wollte 
man sie verdrängen. Bndlich im Jahre 1666 ehtschted eine landesherrliche 
Ent3pbliessung den Streit in fblgender Vlfiue: „Bern durdhlaucihtlgsien Ohur- 
forsten ven Sadi/sen dcc. ruhet im gnädigsten Andenhen, was bei jflngst-^ 
gehaltenem Landtage zwischen der Stifter und Graven Abgeordneten in 
einem, der Universitäten Leipzig imd Wittenberg eevetlmfichtigt^m andern 
Th^ls wegen. der Sitatien bei AnMtung der Landlagtiproposition Nfrgelaufbn^ 
und wie jene diesen nicht gestatten wollen^ zugletoh nHit in die Sohraaken 
zu treten, Wenn dann Ihre Ghorfurstlidie DurdUameht ans der Pnälaten und 
graiioben Al^eordneten diessfaUa eingegebenen Schriften genugsam B«iagniS^' 
zu ergriffener CeiAadietion nicht mehr nehinen können, aneh dieselben weder 
einen andern Ort,- wohin die Abgieo^dneten d^r Ubiverailaten aenSten tainan^ 
stellen» an Haad geben^ noch beim ChttrfursfliohSänhsischen OberkrfmarsdfailK 
amte davon einige Nachricht zu fiaden; ab ist höohstg<edaditer ihrer Chnr*^ 
furstUchen O^rohlauchtt gasdig^er Wille imd Befehl, dass hinffiro bei Lattdtigen 
die Abgeardaele« dev UniversWUeOy Leipzig und Witlienbdrg, ihre Stirite> wH) 

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930 tW die TlitUodime 4er dtntidM UnbMitileB 4b der VeikfVertretttg. 

unlängst bei im am i. Mtrtii eröffneten Proposilion geschehen unterhalb 
^nen Prälaten haben und behalten, jedoch wie bishero als auch fordiin ihre 
sonderbare sessipnes und deliberatiottes anstellen, und diessfalls zu den 
Fristen, Graf« und Hf^ren sich nicht eindringren sollen/^ Der Grund, ans 
iprelchem die Universitäten an den Landtiigen Theil nahmen, war Jedoch, wie 
bemerkt, niebt ihre wissenscbaftiiche Bededtungf an sich, sondern hauptsäch- 
li€;h ihre Ausstattung mit Grundbesitz und dieBetHeiligung desseften an den 
I<iandeslasten. Diess. ^heHt besonders deutlich aus einer handschriftlichen 
Notiz hinsichtlich der Beiheiligung, der Universität Leipzig am sächsischen 
lii^ndtage von 1552^ welche Weisse in seiner Abhandlung über das Prälaten- 
recht der Universität Leipzig gibt „Den IH. Februar 1S52", lautet diese 
Bemerliong, ^bat iler damalige Rector der Universität Leipzig den Dr. Fachs, 
Ordinarius und Bürgermeister zu Leipzig, dass, nachdem durch den Chur- 
fiorsten zu Sachsen die Universität zum vorstehenden Landtage von Torgaa 
beschrieben und erfordert, er aber wisse, dass in dem Vermögen der UnK 
^rsität nieht,. viele Schibkangen oder Legationes über Landt abzufertigen 
und zu unterhalten, so bäte er ihn die Universität beim Ghurfürsten, dass 
sie nicht eine sonderliche Schickung thäte, zu entschuldigen und sie auf 
gemelten Landtage zu ^rtrfeten, dann alles dasjenige, so durch gemeine 
Landschaft geschlossen, und beneben denselben die Universitätsdörfer zn 
tbun schuldig, daran wollte die Universität seyn, dass es unweigerlich gelei- 
stet wurde.^' 

Mit dem Ende des Mitteklters trat an die Stelle des privatrechtllchen 
Feudalsystems ein neues Princip des Staatslebens. Man begann den Staat 
als eiAi^n durchaus offentUcken Organismus zur Err^hung der gesammten 
Beslinmumg des Volksiebens zu betrachtcm und die Staatsgewalt setzte sich 
demzufolge die Aufgabe, das öiTentlicbe Leben der Nation in jeder Beziehung 
zum Gegenstande ihrer Thätigkeit zu machen. Dem entsprechend musste 
auch die Theilnahme des Volkes an der Ausübung der Staatsgewalt wieder 
einen • öffentlichen Chsirakter annehmen. Die Landtage, welche die neuem 
Constitutionen einführten, mussten daher von der alten Landschaft eben so 
verschieden sein; wie die sich aihnälig zur Souverainetät entwickelnde Staats- 
gewalt d^ deut&oken Fürsten von der Alten Landeshoheit. Die deutschen 
Qonstitutienen waren« allerdings weit entfernt, die verderbliche Lehre von 
der VoIks*-Souverainetät anzberkenneu, aber sie verliessen hinwiederum auch 
ißn. alten privalreehdieheR Standpunkt gänzlich. Durch die constitutionellen 
Landtage floUte neknehr im öffentlichen Interesse ein Medium zwischen Re- 
gierung und Volk kergestellt werden, welches es dem Souverain möglich 
machte, sieb in die Lage des Volks , und dem Volke , sich in die Lage der 
Rfff^rung zu versetzen und die Anforderungen der Ordnung und der Frei- 
heit zu vesinitieln. Daher mussten diese Landtage aus Versammlangen von 
Männern bestehen,: welche die Interessen der hauptsächlichsten Lebenskreise 
dnS/VoUßoa in •tdqh .bdaeUosedn und Qewälirsniänner der nationalen Lebens- 



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ÜUr die TMInthn« d«r dMücfani UnhreMIteii an M* V^lkfveftrelang. 281 

Würdigung sein laranlen. Sa musste sich iii ihnen ein AbMld der wahret! 
Volksexistenz darstellen. Das Volk ist aber seiner wahren Beschaffenheit 
nach nicht eine Unlersehiedslose Masse von Individuen, sondern eine organische 
Gliederung von Lebenskreisen, Standen, Corporationen dtc. Daher wurde 
die Yolksreprdsentation audi nicht aus der unterschiedslosen Masse des Vol* 
kes rein nach der Kopfzahl, sondern nach organischen- Principien zusammen^ 
gesetzt. Die innere Organisation der Volksvertretung wurde nach den beiden 
HaaptmomMten gebildet, welche sichln der Bewegung des Volkslebens finden, 
so dass das Interesse des stetigen historischen Zttsammenhanges in der einen 
Kammer, das der unmittelbaren Gegenwart in der anfdei'n vorzugsweise seine 
Vertretung fand. 

Von diesen Gesichtspunkten aus werden auch die Universitäten in den 
coBstittttionellen deutschen Staaten mit dem Rechte der Standschaft betraut 
und ihnen bald in der ersten bald in der zweiten Kämmet' eine Stelle an- 
gewiesen. Nach der bayerischen Verfassungsurkunde von 1818 hatte jede 
der drei Universitäten des Landes einen ihrer ordentlichen Professoren, der 
in diner vollständigen Versannteltttig aller ^rdenHichen und ausierötdent- 
liehen Lehrer gewählt wurde, als Abgeordneten in die zweite Kammer zd 
seaden. Die sächsische VerfassungsurkUnde vom 4. Sept. i83i bestimmte^ 
dass die Universität Leipzig einen Abgeordneten zur ersten Kammer zti 
senden habe, weldier von selbiger aus der Mitte ihrer ordentlichen Pro- 
fessoren gewählt werden solle. In der württembergischen Verßissungs- 
Brkunde vom -22. Sept. 1819 ist verfügt, dass der Kanzler der Landes- 
universttlät in der zweiten Kammer Sitz' und Stimme haben soll. (Der wflrt- 
terabergische Verfassungsentwurf vom 3: März 1817 wollte sogar vier 
Gelehrte ans der Mitte der gelehrten Anstarlten des Landes in die zweite 
Kammer abordnen lassen und zwar so, dass der jeweilige Kanzler der Uni* 
yersiM Tübingen jedesmal dieser Kammer angehörte, sodann zur ersten 
Ständeversemmlung von der Universität Tübingen gewählt werden sollten: 
ein StMtsrechlsgelehrter, ein Arzt, welcher entweder Beisitzer des Ctoltegit 
medici oder doch mit Medicinalvisitation beauftragt wäre, und ein Gelehrter 
aus dem Fache der Staatimirthschaft. Für nlie Zukunft sollte die zwelt^ 
Kammer selbst unter Berüchsiditigung jener Eigenschaften die drei Mitglieder 
aus der Mitte der gelehrten Anstalten des KSnigfreichs wählen.) Irn König- 
reiche Hannover wurde durch das Patent vom 7. Dec. 181d angeordnet^ 
dass in die zweite Kammer em Deputirter der* Universität Göttingen ein- 
treten i^olle. Die Universität wurde in der Wtihl ihres Deputiirten nicht auf 
ihre Mitglieder beschränkt, sondern sollte auch befugt sein, ausserhalb ihres 
Kreises Personen zu wählen^ welchen sie ihr Zutrauen schenkte, voraus-» 
gesetzt, dass selbe Überhaupt verfassungsmässig wäUhar Iväreri. Das Grund- 
gesetz vom 26. Sept. 1633 behielt diese Besthnmdng bei. Nath dem tandes-^ 
verfossungsgesetze vom 6. Aug. 1840, resp. dem Gesetaie vom 5. Sept. 184(0^ 
mizeft in der ersten hannottMscben Kamnier* :Eehn Abgeordnete der Kircfaö 



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2ß2 Ü)i«v di6 TlMÜpaluiie, der teHschcn- IMveNililett «n 4«r T«lkiV9rlr0tMg. 

und Sehnte, wofoa die UniTersitil 66ftlingeB .eine« (Z» wüileii hflt Die 
badUcUe Yerfasswgl^urkundie vom 28. Aug. 18i8 benrft zw«! Abgeordnete 
der Landesuffiverfiiitftteii ja ^ »rette Kanmer. Jede der beMe» HeeiMchuleA 
bat ihren Abgeordnetem auf vier Jahre aus der Hitte der Prefessoren oder 
aus. der Zahl der Geiebrten oder Staatadieaer des Landes zo irablen, wobei 
nur die ordentlidien Professoren- stimmfähig sind. Naeh der oburhessi* 
sehen Verfassung vosn 5. Jan. 1831 wird die mut aus eiiier Kammer be- 
stehende Siandeverj^wmlung von der Lanilesttniversitat mit eiDe«! Abgeord- 
neten beschickt. Derselbe wird von akademiseheB Senat aus dessen Mitte 
gewählt. Im Grossher^(9gthttsie Hess^ea wunde, liareb die Verfassung vom 
17. Dec. 1820 der Kanzler der Landesuniversitat oder dessen- Stetttertreter 
in die erste Kami(9er berufen* Naeh. dem Grundgesetze des Grossberzog- 
thums Sachsen-Weimar v#m 5. Mai* 181ß, nach weloben die Y<riksver^ 
tretung nach drei Standen gewählt wirnt, l^iwli^ von dem Stande der Ritter^ 
gutsbesitzeiv dem der Burger und dem dec Bauern « ist dib Universität Jens, 
als eine mit BittergCjitem ausgeütattete AnataU, dem erstem Stande ben 
gezählt. Der UeiversitatsdepayUi^te soll von. itan akademisehen Senat gtawähtt 
yerdep. 

So war also ein grosser Tbail der deutseben Universitäten, bei der 
Volksvertretung in den constitHtioneUen Staaten OeutacUands bciheüigt. Das 
Ji^br 1^4^ hat hierin Vieles geändert Die Stömne dieses Jahres richteten 
sich gleich Anfi^ngs. vorzüglich g9g^n die obem dargestellte organische Zu« 
8ammenset;;ung der Volksvertretung. Das Sinkammersystem und. das allge- 
meine aptiye und passive Wablrecht fanden C^enaan im poliüscbes Credo 
K^er BeweguQgsparteif Wenn niqbt des evateret. so gelang es ihr deate Mü^ 
^ger das letztere filr diOi^we^ite K^i^er ppit einigen ModificsAioaesi, nament- 
lich gewissen Garantien für die politisch^ Sßlbststandigkeit und indü^ecten 
Wahlmodus, durchzusetzen. Daher geigen die Viuveraitaten, tvefche bisher 
in der zweiten Kammer verlrejten.:waireii, ihn^i Standschafisrechtea verlnstig. 
Es konnte also jetzt für die deutscbfu Hocbschjalen, uberhatipt. nur sehr in 
der ersten. Kammer die Stelle sein. Der Fragil inwiefern eiiie.«oldw Tbeil* 
nähme der Universitäten an der l4andeavertffetwg ibreri eigsMa Bedeutong 
wie dem Staateleben der Gegenwart eAtspraehe«, wurde vom legislativen 
Sti^idpunkle aus in neuester Zeil «we^ujpfasaende^fivwterttng zuTheil. Nach 
der preossiseben Yerfas|su^ vow i- D^c. 1848 sattle namlioh die erste 
kanimer durch. d,ie. ProvincüaK Bezirks-* und. Kreisvertr^er* gewählt werden* 
(u einer der Verfassung beigiBfngten IlTote war bemeiitf« ee sqUb bei der 
^evisiOA der. Verf]»ssungsnrhunde erwöge« wer4en, ob ^uTih^ der Mit*- 
glieder der ersterv Kammer yofn K^ge m ernepnen und eb.den OherbttTger« 
Heistern. der grossen Stldte, sowie d^n VoJitreteruA der Univer&itfiten 
und Akadewieen dier l(,uojSte und Wipsemsch^ften jter Sitz in der 
^Anuner ejn^räumen ^eiri,moobte.. ^ei 4aii Kamn^rdebatten lUter die Tet*^ 
|^;^iu)gsrevi«iJK)tn traf cpne J^ehr^jil TiiaJ^dime« iMIs iur Uieita. gitge» die 



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fW «0 /TUlAikibe* Jm dMMken^lMiieiiilitevtkv Mr ViriftivertreM^ SS 



TbeikiaiifMe der Uhiveittitüen aii^ der eitsten.KmmnvB hi flid. Sekiitkeq. tti 
ersten Siikoe sprtii^ sidh iHinienliioh Professor! Stfikl »u&:. ^icB IwiMrtragie 
eine Vertretung* der Universilaten^S bemerkte e^, „nicht weil sie CotpoFa^ 
tionee sM, des lasse ich dahiegestelU, sonderti weil sie eine ^istigfe« M^chl 
im Lende Skid, als die Mittelpunkte der Bildung, eis die AAStaltell, wt detn^ 
ein greiser Tfaeil der Gebildeten des Landed sein» geistige Eni^ckhwf 
klangt hat. Dte deiltschen Universitäten $«ed .die einzigen- AtistaHeily die vee 
jener Betohilion, weldhe die LandsteBde, die Zfinfle, die Stldteeednongiü 
gelirochen baty unberühfi ihren ummterbirocbcfnen EniwieUtingsgang feewtohvt 
babea bl» auf diesen Ai^^eiibUck. Sie sind die leslltulev die. ihre Wurzel tief ie 
die Vergangenheit ^eUagen und dennech mit frisehen Bluthen fnd Prfichtiee 19 
der Gegienwart dastehen. Die Universitateo sied die Anstalten, auf wekhe 
die demaohe Natiae siit Stete bUeken darf; d«n» wenn onae; alle Fächer der 
Wisaensi^haft auaammenlasst , se hat kein V^k der Erde' solohe BiMungSt 
anstalten aufzuweisen, und steht kein Vejk der Erde auf; der Hebe der 
Wissenschaft wie DeutsoUand durch seiae Universitäten« Djurob di<isen> B^ 
scUuss^ worden die* Uniirersititen eine Verburgueg in der Verfassung erhelle«^ 
und es wüvde die Univemitaien ehren, in. der Vertretung des Laasdee 2» er^ 
scheinen, ^ie es das Land ehrea wftrde, dasiS, es« sein^ ivis^enscbefUUe^ 
Anstaltei^ ehvt/V £bensi> postiiUrte BethnvattnTHellweig eine V0ptre^uiig 
der Univeivsitaten „als der bedeutendsten naticma^ee InstiWiaae»^ di^ 'ei» 
wes^rtlich. geistig0s Slenient yeirtreten^, uod Büäggegi'ansk bevorwertel# 
die Tb^naheie derselben : „nieht ala GorpiN-aitienen, sondern als JBewebrer 
uod Hehrer de$; wisi^ensehalUiehen« Reiebthuma der Netion;^^ . FCir' dip JBethei'!^ 
ligung.dier Uniyefsitftten erklarte sich femer d^r Abgeordnete Breiithaiipt- 
fr giiBg.,devonaus„ daas die erste Kammeyr eine> (nteriesnenveritratiiiig bildel^ 
und darum afucb die Wissefisebaft^ im ihr YPrtreten; sein solle. „E^ if^erden^S 
e|»r&eh er». ,j,die Vertreter der Kiircbe und der Wissensehafl' als Mahner, da? 
stehen, dass die^Inslitiltieeen de» Staates i»eht allein dmi sind,' dafl physische 
Wohl der Staatsbürger ZU' hebten, ^ondeirn reoht eigefitlicb da^u, des Meneebear 
geseblecbt zu veredelnv'^ Von gl^aiehem Standpuekte au^, bfsiqprkte der,4b*r 
geordnete V^lki ^fis ii^t g^agt wprden, die Uni^vei^sitetein isindA^ht (j^ 
peorationeav sie sind UaterfifAtsenstalten. Ich gebe- diese' zuvi finde aber-daiirw 
keinen- Beweift, ^ass sie des$balfe nicht waUea sollten« W^^i'idi ihnen da^ 
.WaUrecht zu. geben' wflnsche,, so gesehiehi diesf, uoa der Wis;senf^cbaf^ 
welche Go^ sei Dank auf unser Volksleben nichi unbedeutende Einwirkung 
gehabt he^ nM aftch. ferner habe« wiitd, ihr Hecht zur VertreMing ^m'sieheniyf^ 
Feimer ds;^ Abgeordnete- I$Iei^t-iRet:90w: ,,in Bezug auf die Univefsiiateo 
wuns<;he if^h ihre Vertretung,; ni^t, weil sie alleir die Pflichten d^ InMIige^f 
oder weil,,i¥ie politische. Cor|K)^rationen,ja^arens s^ern weil sie die Bildneyr 
unsearer Jugend furMdip» Zukunft^, die V^rmiUler deyr allg;fmein?n.QedankeH!Ui^ 
des. ppajWnben l^eji^MSt sii|d«'' ^^dU^b ^ der. Sltaatsminiater yen Jtf an teufl^tl 
„Ich erwähne noch der UniversitätfAi' vop. |lc«^W .B¥U^ SßßH^ bei,, dai^ ,sJ9 

A.kadeiii. MonatMchrift. Mai 1861. 80 

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:2SI (W äiB Tlribidbiift dev ierticbttt •Um^MlMleB »d dafc VöiklverlrfllMig. 

iia-e poUtitoke^ Bedevluiigr rerlbreR haben, dass sie Staatsldiraiistalten aeiea. 
Ja, ttienia Herren, wenn sie früher ein poiitisohea Leben gehabt Inben, wenn 
ate gegenwärtig no^hdie I^ger der Intelligenz sind, ao sehe ich nicht ein, 
if^arum der Veraach nicht zulässig sein aollte, ihnen atieh jetzt wieder eine 
politische Bedentang zu geben. Ich glaube^ dass weder die Universitäten 
noch der Staat etwas dabei zu verlieren hatten/^ Die Vertbeidfger der 
gegentheiligen Ansicht stützen sieh besonders darauf, dnss die Universitäten 
Uiren alten Charakter als Corporationen nnd hiemit ihre politische Bedeatung 
verloren hätten. So wollte der Abgeordnete B eseler, obwohl er davon 
dtisg^hg , dass die erste Kammer auf die Corpocartionen zu gründen sei, 
fielchwohl die Universitäten davon ausgeschlossen wissen; „denn^, sagte er, 
„mto ni^ge - diess ntn für etwa» Günstiges oder für etwas NachthelUges 
halten', unsere Univensitälen sind ihrer eigentlichen Bedeutong nach keine 
Gorporiationen mehr, sie« i^ind wesentlich Slaalslebrani^talten und das corpora- 
live Element in ihnen ist nicht von solcher Wichtigkeit^ dass es nur Wunschens- 
wnerth erscheinen könnte, die Universitäten als solche selbststättdig irgendwie 
in der ersten oÜer zweiten Kammer vertreten zu sehen>' Ebenso der Ab- 
geordnete Seh eile r: „Als zweite Kategorie in diesem- Systeme der Cor^ 
]^orations*WahIeA hat man dre Universittften vorgeschlagen. Die Universitäten 
aber, wie' die Neuzeit sie ansieht, sind Ntehls mehr als eine höhere L<^hr* 
ttnd Btidongsanstalt. Die Zeit, wo sie wirklich eine Corporation ausmachten^ 
ist vorüber, und Sie werden ihn UnfversitKli'n niobt wieder zu dem Corpo- 
fatiönsanseben bringen, worin sie in der Vorzeit standen. So eiwas lässl 
sieh nkht durch Gesetze machen, es n^uss stdh aus der Entwlckiamg des 
Volkes und aus den eigenthümlidinn Ideen des Volkes herausbildien. Mit 
den Schwarzen, rothen und blauen Talaren schaffen sie kein ctfrporative& 
Anheften für die Universitäten **» Irt gleicherweise d«^^ Abgeordnete Baum- 
stark: „Ich danke dem verehrten Mitgtiede, welches die Universitäten gelobt 
hint. Ich hätte übrigens gewünscht, es u-äre dieses Lob von efineWi Nicht- 
Professor ausgegangen. Ich habe auch eine'^Ueberzeogunjg und diese gebt 
dabin , dnss die Universitäten auf dem Stan<le der wiseensehaflllchen Einsicht 
stehen, und sich Gottlob mit dem Leben so identificirt haben, daSte sie selbst 
einsehen , dass ihr Platz bei uns nicht in der PaiHe 4st. Ich selbst gehöre 
»iner solchen Universität ah, die wahrlich nach Ihrem Alter, ihrer historischen 
Bedentung, nach ihren Rechten Und Besitzungen in der Pairto einen Platz 
einnehmen könnte. Aber auch sie, die durch altes Herkommen an eine ähn- 
liche Stellung ich möchte fast sagen gewöhnt ist, ist weil entfernt, solche 
Ansprüche zu machen." — Es ist bekannt, dass bei der definitiven Feststel- 
hmg Aer prenssischen Verfassung der Universitäten die Anfangs in Aussicht 
gestellte Theitnahme an der ersten Kammer nicht eingeräumt' wurde. Auch 
In' den beiden von dar bayerrschen Regierung dem Landtage vorgelegten 
Entwürfen über* Erweiterung der Reichsrathsltam'mer ist von einer Betheiligang 
der Univer^ilatian an derselben keine R*dtei'' " • > •. ' 



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l i t « r 8 t H r. 

INe GyniMstik der HellMin in ihrem Eitiffass aufir gresinMite Alterthuiti M# 
ihrer Bed^utüngf für die deutsche Gegenwart EjnVersnch zur gfesehicKt« 
philosophischen Begründung einer ästhetischen Nationalerziehung von, 
Dr. Otto Heinrich Jäger. Gekrönte Preissc|irift. Esslingen^ Verlag! 
von Conrnd Weycbard, 1850, 

Das Ürthoil über die vorliegende gekrönte Preisschrift fallt verschfe^eit: 
aus, jenachdem man den philosophischen Standpunkt des Verfi oder die Auf- 
fassung und Darstellung des griechischen Alterthums' berücksichtigt. Was 
zuvörderst den letzten Punkt betriflt, so ist dent Ref. in der T|iat keine 
Schrift bekannt, in welcher das Wesen der althellenischen Gymnastik und 
deren Einfluss auf den gesammten Bildangsstand des griechischen Volkä3 so 
vortrefflich dargestellt wäre, al^ hier. Man ist im Zweifel, ob man diese 
ausgezeichnete Darstellung und Würdigung^ welche von einem tiefen Ein-r 
gedrungensein in den Geist des griechiscHen Alterlhums Zeugniss ablegt, 
mehr den Studirenden, oder den Lehrern, oder den Staatsmännern empfehlen 
soll. Denn auch für den schon Kundigen ist sie lehrreich und. für den Staats- 
mann könnte sie ungemein fruchtbar werden. 

Nächst der grossem Einleitung, worin der Verf. handelt von den zer- 
streuten Einflüssen des Alterthums auf die deutsche Geschichte, von den 
classisch-alterthümlichen Studiert Sfit den Reförmalionszeiten, von der deut- 
schen Revolution und den classischen Studien, von dem idealen Menschbeit^- 
process und der Weltgeschichte, von der innern Wahlverwandtschaft des 
Hellenenlhums mit Deutschland, verbreitet sich der Verf über den Emftuss, 
des hellenischen Turnens aufs gesammte Allerlhum und zwar 1 1 auf den' 
Körper, 2) auf nächstverwamlle LebensenlfaUungen (die Spiele, die Volks- 
feste, der Krieg, Athletik und Agonistik), 3) auf die Volkserziehung (die antike' 
Erziehung im Allgemeinen die gymnastische Bildung, die musische Bildung)^ 
4) auf Kunst und Religion (Entwicklung der bildenden Künste und die Stu-' 
dien der Kunstler, die Religion). 

Die Zeit, in welcher die Schrift ^entstanden ist, hat unverkennbaren Eih-. 
fluss auf den Verf. geübt, dessen politische Richtung öuf die Art und Weise, 
wie er Bestehendes beurtheilt, ungünstig einwirkt Dich seine Invectiven^ 
gegen die „halsstarrige, verfinsternde, knebelnde Herrschaft von Kirche und* 
Staat*', gegen den „sündfluthlichen Wust des deutschen Gelehrtenschulwesens'*, 
die „kathedersteife Gelehrtenwell", die „selbstsüchtige, drückende Herrschaft 
deir Fürsten und Pfaffen*' und ahnliche Kraflausdrücke sind unwesentliches 
Beiwerk, das der Verf. selbst, wenn er seine jugendliche Cberspar^nung unrf 
Schwärmerei abgedämpft haben wird, als einer wissenschaftlichen Unter- 
suchung uuN^ürdig erkennen muss. Seine trefflichen Schilderungen des grie- 
chischen Lebens und Strebens versöhnen mit diesem Ungestüm. W.-.hrend 
wir aber jenen unsern vollen Beifall schenken dürfen, verhehlen wir uns 
nicht, wie uns die Metaphysik des Verfassers wahrhaft schmerzlich berührt. 
S. 50 finden wir d\e Grundzüge dieser Metaphysik in Folgendem: . 

Mitten in das unermessliche Reich der Natur, sagt der Verf., ist der 
Mensch gestellt, endlich und beschränkt,' aber auch mit gleicher Liebe von 



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TUk LÜMMr; 

ihr gehegt, wie alle andern Geschöpfe. In dieser unendlichen Kette von 
endlichen natürlichen Dingen ist kein e|f zelnes Glied, welches ein rein geisti* 
ges Leben lebte, aber ebenso auch kein einzig Wesen, welches nur als 
todte, nichtige Materie bestundQ; Ao^h d«r jMlen^ch, das geistigste Geschöpf, 
ist an irdischen Stoff geschmiedet und damit ein abhangiges Wesen; auf der 
Md^m ' 8eit0 ist. «ndi der atarre KrysAall kein LeUeiSes blo^s StoffSehes, 
sondern d.er Grund s^ner eigenthumlichen Bildung, ^eini^s ^nj^^ehens und 
Verwandelns ist jßiq Seelenhaftes, Geistiges, aber der blossen nichtigen Ma- 
terie unendlich Erhabenes. Wie so die unendliche Reihenfcette der natür- 
lichen Wesen, das AH, als riumliclies Nebeneinander, nichts Unorganisches, 
in der reinen Nichtigkeit der Materie Befangenes, «berr auch nichts ft-ei in 
1^4. f ¥rph. 3iph setbsl labendes Göttliches und Vollendetes ftntMlt, ebenso 
hat siß als iceitlicbes Nacheinander der Wesen weder einen Anfang noch ein 
Ign^e. pie Natur ist ewig jung und ewig alt und die Geschichte des Welt- 
alls kennt keinen Zulall, keine Willkur, keine Schranken der Zeit. Die un- 
endliche Verkettung der erscheinenden Creaturep, das A}U ruht sowohl in 
(|jer zeitlichen Entwicklung als in der räumlichen Entfaltung von Ewigkeit 
geacl^affen und lebend in Gott, dem Urquell alles Seins und Lebens Gott 
sjjbst aber i^t kein Glied dieser Verkettung, er ist 4n$ ewig freie in und 
djirph sich yollefdete Wes^n, ;Eeit- und raumlos, das sein, eigener Anfang, 
£ßipe ei^en^ Vollendi^ng^ ist und urkräflig alllebendig ruhet in jiich selbst. 
v^s AU ist aber nur in un4. durch Gott. So erkennen yvir denn \n der 
erscheinenden Welt eine unendliphe Reihe von Wesen, dereiji jedes vermöge 
sejnf^s Seins in GqtV ejn /liifohaus Eigenthumliches, Beseeltes und Frei- 
I^bendlges ist, ^ber vermöge seines äussern stofilichen l^rscheinens in den 
materiellen Zusammenhang ^ller endlichen Dinge eingefugt ist; das Sine ist 
nur, indem auch ds^s Andere ist; beides gehört zum Dasein des endlichen 
Ein^Eel Wesens : denn wäre ein Glied jener Reihe nur in Gott, so wäre es 
eben kpin Glied der ^eihe, wäre überhaupt nicht dieses Wesen in der 
I^rspneinun^swelt, sondern wäre völlig Eins mit Gott; un^ekehrt: wäre es 
nur ]tlateri,e und ^icht zugleich auch in Gott, so könnte es wiederum kein 
Glied jener ßeihe sein, weil es kein besonderes freilebendiges Dasein besasse. 
Wir haben so in jedern natürlichen Einzeln wesen ein freibeseelendes geisti- 
ge^ .Element und ein endlich bedingtes materielles Element in der allum- 
fassenden Einheit des Daseins zusammengeschlossen; durch beide Elemente 
le))t und wpbt es ein besonderes Leben, N^n ist es aber hierin Glied jener 
fteihenkette von Einz^lnw^sen und so muss einerseits sein geistiges Lebens- 
älerpent nicht nur sein eigenes Pasein. mit freibeseelender, frelges^ltender 
Straft durchquellen, sondern aqch vermöge seiner Verkettung mit allen übri- 
gen Wesen die ganze Reihe der Dinge mit dieser Kraft durchdringen und 
Jestaltend fortbewegen, andererseits wird es als dieses QTied der Reihe, das 
je ^anze Reihe mitbedingt, vermöge seines materiellen Le^enselementes un^ 
^Vines stpiSlichen Zusammenhangs mit allen übrigen Ein^elnwesen endlich- 
beschrankt und endlichbediAgt. So haben wir in der äu^s^rn Erschelnungs- 
weJt eine unendliche Reili.enkette von Einze|nwespn , deren jedes die ganze 
iteihe von sich aus bedingt und wiederum von der ganzen Reihe bedingt 
yffix^l daniit ist aber diese unendliche ][leihe in jedem Eihzelnwesen zugleich 
vollendet; in jeden) Einzelnglied schlingt sich Anfang und Ende dieser Reihe 
zusammen und so vollendet und a^ugleich schrankenlqs ins Unendliche sich 
entfaltend und entwickelnd ruht das ganze Weltall voi) Ewigkeit in Gott, 
derii tJrgf|ind alles S.ein§, Sind nun ifi dieser , V/^rj^pttung dw Dinge alle 



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EMseliiirreseii in dm ersten LobenByiimiligfeB «Inander ^itHg {^iobgfestelll, 
mn&cliliessl die NalUtr im der arsprtkBgUolien Anlage tmn Daaem alle not 
gleicher Liebe, so erblukl dagegen mit dierERffaitwiig mid LebensenUriddong 
jenes ersten ilopprikeims, der ia jedem Wesen Yerhullt liegt, iie reichtle 
Abstafting and ilannigfakigkeH, sich daratelleiul in den «mäUigen 6escMeeh«>- 
tem, Art«n, Gattttiigen der Naturwesen. Je weniger das freigestaltende 
geistige Daseinselemebt vom endiiohl^esohrankten materiellen gebenden und 
xor blossen äusseren Erscbemung verdiebtet uwi eretarrt ist, deste beweg«- 
hoher, «elbslstand^fer, bewusst^oller entfaltet das Naturwesen sein Dasein^ 
desto eigenthümlicher und charakteristischer t>ragt es seine Individnalttil 
ittd xlesto hoher wird seine göttliche Bestimmung. 

Aitf der Grundlage dieser Weltanschauung entwioiDelt nun der Verfasser 
die Grundzüge seiner Philosophie der Cleschichte: 

König der Natur und Gottes Ebenbild ist der Mensch, geboren tar 
Freiheit ftc. In ihm hat die Natur ihrer Schöpfung die Krone aufgesetzt« 
Die beiden Lebenselemenle aller Wesen halten sich in ihm nicht mehr un-* 
anterscheidbar durdidrungen und zusammengeschlossen zur starren Eintönig«* 
iusit der äussern stoflÜ^en Erscheinung; das geistige Lebensauge, ass 
dessen leuchtendem Grnsde die göttliche Kraft des wahren wesenhaften 
Seins quillt und Iduternd sich ongiesst, ist nidit mehr getrübt und uroscUeiert 
Ton der starren Hülle der niehügen Materie, sondern ist erwacht aus dem 
Traumleben der Natur, liegt fresndlichhelle aufgesehlagen in der Brüst und 
schauet bewisstvoU in die Welt ntnd aufwärts zu dem ewigen Vater; es ist 
Tag geworden in der Natur, im Menschen feiert sie ihr Auferstefaungsfest 
waA die Vensöhniiig ihres endlichen stojffichen Seins mit dem wahren retnen 
ewigen Sein Gottes: denn der Mensch ist beides: die Blöthe der Natur, der 
herrliche Mikrokosmos des Weltalls und zugleich der Sohn Gottes, sein 
Ebenbild auf Erden. Aber nicht schon gross, herrlich und vollendet ist der 
Mensch ans dem Mutterschoose der Natur entsprungen und entlassen zum 
Genuss einer göttlichen muhelosen Freiheit und Herrschaft, sondern mit 
beisseaei Kampfe muss er seine Menschheit erst erringen. Er besitzt die 
Kraft, der Idee Gottes und seiner reinen Freiheit und Geistigkeit so wie des 
Gedankens des Ewigen und Unendlichen sich zu bemächtigen. So erkennt 
er auoh die ursprünglichen Wesensprincipien alles Seins, die Nichtigkeit ind 
UnvoUkommenheit sdnes eigenen sinnUchnaturlicfaen Ihiseins, erkennt sich 
seihet als geschmiedet in die Fesseln der NaturnothweMhgkeit und doch hat 
er vermöge seiner Gatstigkeit das allmächtige Streben nach Freiheit und 
Göttlichkeit in seiner gebundenen kämpfenden Brust. In diesen riesigen 
GigaiitenkatBpf wird der Mensch aus dem Wiegenschhimmer der bewusstlosen 
Kindbgeil «od Naturzustandlichkeit herausgeworfen , er erwacht «bs seinen 
lieblichen Kindestraüme und findet sich in dem Wettersturme jenes innerii 
Kaoapfes. Nun soll er sich ab guter Ringer und Steuermann erweisen, er 
solk sich seihst erst zum Menschen machen, soll sich lautem und vollenden 
zu seioer wahren mensehhettlichen Bestimmung: eh wird er zu keinem innehi 
Friadeit und Gluck gelangen und was er. auf dieser Kampfesbahn mitn^ 
bekommt, das ist der Geist und die Kraft seines Bewusstseins I Aber durch 
den verfinsterten sturmvoUen Himmel des kämpfenden Jngendgemüthes zieht 
die erhebende Ahnung eines künftigen dauernden Friedens, einer hohem 
dauemden Kindesunschuld und göttlichen Vollendung, ihren Kebiich anglühen- 
den Morgendimmerstreifen — die Wetterwolken blähen auf im anbrediendeh 
Hoffnungseif ahle — der Sieg ist nahie rnid winkt, damit der jugeadKehd 
Kampfer nicht verzweifle. 

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Inddoi der Mieiwch die JNoHiw«Mi|*keit jdndS'dl^gfenmtses wid Kamjpfeis 
fdr sein eig^eties Bestehen, Brkenrien md Streben einsfelit und tugleteh ihre 
Bedeätung für die gesammte Welt der natärlteben Dinge und för Gott er- 
kennt, uberkomint ihn der wonnige Glaube an eine freie VerqQbtifeiaf zwiseiieii 
Natur und Geist, er erlesst das Naturgesetz, gegen das er kfimpfte, «Is ein 
Btviges und «erhebt es in seiner Reinheit eu seinem eigenen freigeistigen 
Sittengesetfle. Damit beginnt ein Veredkoungsprocess des Menschen mit sich 
seihst; er vollzieht mit freiem Wissen und Willen das NatnrgesetE als sein 
eigene^ Sittengesetz, läutert uttd durchgeistigt daihit s^e sinnliche Natur 
«nd erhebt sie so in Weihe und Kraft seines göttlichen Willens zur freien, 
reinen, bewusstvollen Harmonie mit seinem Geiste. Damit ist jener Kampf 
SU. dauerndem Siege und Frieden vollendet; aus der anfänglichen unfreien 
Natureinheit zwischen sinnlichem und geistigem Menschen ist eine freie 
selbstgeschaffene sittliche Harmonie des ganzen vollen Menschen geworden. 
.Der Mensch umfasst frei sein ganzes Dasein und das Ideal der Menschheit 
ist vollendet. — Dieser Entwicklungsprocess nun mit all seinen reichen 
mannichfaltigen Einzelgestallungen, seinen Buhepunkten, seinen erneuten 
Kämpfen, seinem endliche Frieden ist wie der Lebensnerv des einzelnen 
Menschen so die wahre allbelebende Seele der gesammten Menschheit Dieser 
EntwidKlungskampf ist mit Nothwendigkeit in die Brust der Menschen und 
Volker gepflanzt, damit aus seinen quelleiiden Regungen und Strebangen 
dieDlüthe der vollendeten harmonievoll entfalteten freien Menschheit sich 
erhebe. Wie vielen Menschen, wie vielen Völkern ist es niehl beSchieden, 
in diesem Entwicklungsprocesse durch die verschiedensten Lebenslagen ge-* 
stört, verkümmert, in einseitige Richtungen geworfen* oder gar vernichtet 
zu werden! Wie schreckliche Missgeburten und Entartungen bat dieser 
Process an Einzelnen und an ganzen Völkern erzeugt! Wäre es nicht 
schmerzlich, wenn wir nicht jeden einzelnen Menschen, jedes einzel&e Volk 
als Glied der grossen Menschheit betrachten durften, welches als solches 
seine gewiesene, nothwendige, wirksame Stelle einnimmt in jenem herrlichen 
gewaltigen Entwicklungsprocess und somit nicht allein dessen Entfaltu«g und 
Wachsthttn mit seinem eigenen Leben trftgt und ermöglicht, sondern auch an 
seiner Blüthe, an der wahren vollkommenen Menschheit seinen adelnden 
Theil hat? Ueber" alle Länder und Völker ist Kraft und Herrlichkeit und 
der Saamea zur Freiheit gebreitet, allen Menschen ist eine einstige Voll- 
endung verheist^en und der Auferstehungsmorgen der wahren, freien, scbönen 
Menschheit umfasst alle Kinder der Erde mit Liebe und Kraft der Vollendung 
und segnet sie Alle. Nur der Mensch hat eine Geschichte. • Die Menschen- 
' gesohichte ist die stetige gesetzmässige Entwicklung und Verwirkliobung ^^ 
reinen bewusstvollen allkräftigen göttlichen Geistes^ sie ist die Offenbarung 
der himmlischen Freiheit und der vollöndeten göttlichen Schönheit und 
Harmonie am irdischen Mensehen. Es ist nun aber eine ewige Forderung, 
dass das Ideal der vollendeten Menschheit in jedem einzeihen Menscken 
allseitig und ganz .verwirklicht werde und diese Forderung lehrt uns die 
Geschichte verstehen als diesen Verwirklichungsprocess. In der Geschichte 
der Völker entwickelt sich die Menschheit stetig und nach den Gesetzen 
jenes idealen Kampfes von der thierischen Naturzuständlichkeit bis zu der* 
jenigeil Bildungsstufe, wo der Einzelne das volle Ideal harmonisch un^i 
allseitig an skh selbst darstellt, und damit auch ien ganzen Bau der Menseh" 
heit vollenden hilflL Die Geschichte ist. sd die wahre Mutter, Erzieherin und 
Bildaejrin des einzekien Menschen &U seiner idealen Bestimmung. Di® 



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Littrttnr. MO 

Gescbiebte.ider eiiuseliieii Vdifcer und Zeiten fbeilt so jeder Nartimi ihre noIhN- 
wendige Stellung in dem ellamfassenden Entwioklungsproöesse der yollendeten 
Menschheit za; in der Völkergeschichte entwickelt sich die Menschheits-«- 
geschichte. Wie jener ideale ans dem Begriffe der Menschennatur bestimmte 
Entwicklungsprocess, ce theilt sich anch die Geschichte der Nationen in drei 
Hauptabschnitte. Die erste Epoche i^t die der naturzustandlichen in kind« 
lichem Traumleben spielend sich wiegenden unfreien Einheit des naturlichen 
und geistigen Lebens, doch, ist auch hier schon reiche bewegte Entwicklung. 
Die zweite ist die des Kampfes zwischen Freiheit und Nothwendigkeit , des 
Bruchs zwischen Natur und Geist. (In dieser steht noch unsere Gegenwart.) 
Die dritte ist die der freien bewussten Versöhnung von Naturgesetz und 
Geistesfreibeit , der harmonisch vollendeten, ungebrochenen, göttlichfreien 
Menschheit. Diese letzte Epoche vollendet dio Natur, das Gesetz, die Frei» 
heit in der schönen Menschheit und löscht die Gegensätze hus in der Kraft 
und Vollkommenheit der Einen göttlichen Harmonie, sie ist die Epoche der 
Zukooft, deren wonnigdammerndes Fruhlicht, deren frischer herrlicher MorgeiH* 
battch belebend durch die Gegenwart zieht, ist die Zeit, nach welcher die 
Menschheit sich sehnt, der sie entgegenkampft, um sie ewig für sich zu 
erringen, ist die Hoffnung, die Kraft und der Glaube der Völker. 

Wer die Probleme der Philosophie (und die Geschichte der letztem) 
kennt, wird in den Entwicklungen des Verfassers so wenig eine Lösung der- 
selben erblicken, dass er vielmehr der Methode des Verfassers — wenn das 
Methode genannt werden darf — acht wissenschaftlichen Charakter abspreche^ 
nnd darum schon auch seinen Ergebnissen mindestens keinen entscheidenden 
Werth beilegen wird. 

Dem Ernste der Philosophie ziemt solche Schönrednerei nicht, wie si^ 
der Verfasser übt und ebensowenig darf sie durch solche weichliche Yer*- 
wiscbung und Abschwächung. der Gegensatze die Schwierigkeiten uberwind^il 
zu können sich einbilden. 

Einen neuen Gedanken zur Lösung der Probleme der Philosophie hat 
der Verfasser nicht beigebracht. Sein Standpunkt erhebt sich der Sache naeb 
nicht über den Ideenkreis,, welcher Spinoza, Fichte, Schelling, Hegel, Sohleier« 
macher und Solger gemeinsam ist, und nur ganz öusserlich und utiwissensohafW 
Uch streift er an den Gedanken, die Monadologie mit dem Pantheisimad zu rer^ 
knüpfen. Seine Seelh ist viel zu weich, um diesen Gegensatz in saner ganzen 
Schärfe hervortreten zu lassen Er möchte Frieden mit aller Welt halten (da doch 
kein Friede ist) und stellt seinen Pantheismus daher so mild und unschuldig 
hin, dass er sich vermuthlich einbildet, auch die frömmsten GemAther werden 
daran, keinen Anstoss nehmen. Dass aber die Wissenschaft Anstosd daran 
nehmen werde, konnte ihm freilich in einer Zeit nicht b^ifallen, in welcher 
die berühmtesten Philosophen und Dichter das Evangelium des Pantheismus 
gepredigt haben. Wenn aber jene berühmten Philosophen, denen kein Kenner 
hervorragende Geisteskräfte absprechen wird, den Pantheismus nicht auf 
haltbare, wissenschaftlich befriedigende Weise haben begründen können, was 
soll man da erst zu einem solchen verschwommenen und verwaschenen 
Versuch, wie der des Verfassers, sagen! Doch der Verfasser wird vermuth- 
lich den Vorwurf des Pantheismus gar nicht gelten lassen. Habe ich nichts 
würde er wohl sagen, erklärt, dass Gott kein Glied der Weltverkettung der 
Pinge>. dass er das ewig frei in und durcl^ si.ch volle^nd^t^ Wesen, das All 
aber nur in und durch Gott sei? Vielleicht würde er auch daran ertnneii^ 



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MO LiUintat. 

iäss er {rfter TcTn einor aniändlickai Reite vfmWebem spreche^ 4ie er liiemit 
kiafoich^nd vdn Gelt anterscbieden habe.. Aikss der Verfasser spricbl ron 
diesen bes<Mideni Wesen nm als für die ErscheinungsweU guhig ^ und jene 
Wesen sind daher auch nur hachstens dem Schttne nacfc motfadiscfae oder 
überhaupt unverganglidie Wesen^ ia Wahrheit sind sie ni«hiis, als was sie 
vom Standpunkte d^ Pantheismus aw alleiii sein können: Yersohwindende 
Erscheinungsformen der alleinigen Substanz oder der alleinige» Ideen/ S« 
lange Gott an und für sich und abgesehen von dier .Schöpfimg als das n»*- 
unterschiedene , unofienbaite Wesen und die Schöpßing als die Seibstonter* 
Scheidung und Selbstoffenbaruag Gottes angesehen wird, so lange ist ancl 
nur ein pantheistischer Begriff von Gott und Welt möf^iGh, so lange ist nnci 
bleibt Gott auch nur die alleinige Substanz (realistisch o&er ideaisitisth oder 
indifferentistisch gefasst), die allein in allen Wesen Wahrhaft ist nnd sich 
iterwirklicht und das Weltall ist und bleibt so lange der anfangs-^ und end*- 
lo&e Wechsel der stets wieder versehwindenden Ersckeiiunigsformen des 
Absoluten. Es versteht sich dann von selbst, dass mir die Offenbaining 
Gottes seihst von diesem Standpunkt aus unvergänglich ist, dagegen ver-^ 
ginglieh die Formen, in denen er sich offenbart, und zmr ohne Aüenabme 
vergänglich^ so dass die sogenmaten geistigen Wes«n nicht etw« ein Privi- 
legium unvergänglicher Existenz vor den naturlichen Wesen voraus babea. 
Diese Lehre hat am consequentesten, nüchternsten und ehrnchsten Spinoza 
ausgesprochen, indess unsere neuern Pantheisten nicht überall in gleicher 
Ehrlichkeit mit der Farbe herausgegangen sind, oder doch nicht mit gleicher 
Coiisequenz die Folgerungen gezogen haben» Zu den letztern rechnen wir 
den Verfasser, der den Gegensatz sich nicht klar gemacht hat, m welchem 
Theismus und Pantheismus stehen, und die Früchte des erstem vom Baume 
des letztern pflücken will. Der Dualismus , der alle pantheistiscben Systeme 
durchzieht, tritt auch in der vorliegenden Schrift deutitch genug zu Tag-e, 
imlem nach ihm Gott, um zu seiner SelbstoBbnbamng zu gelangen, sich In 
das Weltuniversum zerfallen lassen muss, so zwar dass der' nothwendige 
Uf widersprach und: Zwäespalt Gotües und dk^r Weit (eigentlich des uneffen- 
baren umi- des offenbaren Gottes) in jedenr WeHwesen dier Erscheinntigswelh, 
am söhdrfsteo im geistigen Wesen neüiwendig zum Vorschein komm«. Dieser 
nothwandige Zwiespalt soll nun naeh pantheistischer Anschauung mni abo 
aii«h naok der des Verfassers vensohnt. werden. Aber welche Stufen der 
Entwicklung, der geistigen und leiblichen Bildung auch erreicht werden, 
immer bkät die volle und ganzie Versöhnung ein Jenseite des seitlichiM 
Lisbeiis und: nach streng pfiintheislisdier Cbnsequenz wird erst im Untergang 
und in der Auflösung des Individuiins die volle Versöhnung erreioht Der 
Tod ist der wahire Messias des Pantheismus , das LebaU' ist de» Mmnidieit^ 
voA welober der Messias die Wesen gründlich curirt. 

^Er iit der beste Arxt auf Erden, 
Dkm nie noch feUachlug eine ^ur;. 
Und mögl Ihr noch so krank auch werden: 
Er heilt vom Grund aus die Natur ^." 

Denn wenn nur die Eine unendliche Substanz wahrhaft ist, alles Andere 
nur Erscheinung der Einen Substanz, so ist es nur Aufrichtigkeit und ach* 
tungswerthe Ehrlichkeit^ wenn Feuerbach sagt: 

'*)' E^le Ausgabe der GedanfeeD Obet Tod und ÜnslerbHcUkeit (1830) Tt>r dem 
Vomorirf 



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Literatiin 841 

,..Da lebsi in der Di«M(bifk«U 

Nur «inirtnl hier in clteser Zeit, 

Es endet die Idcnlitas, 

Der Tod, der ist' kein blosser Spass*)." 

Wer diese Consequenz nicht erkennt, wer nicht den Enlhusiasmus für 
die Nolh wendigkeil des Todes zu fassen vermag, der ist auch kein achter 
Panlheisl, obgleich er noch weniger ein Theist ist. Wie sehr aber der Verf. 
von pantheistischen Yorausselzungcn beherrscht ist, zeigt sich auch darin, 
dass er jedes erscheinende Wesen nur durch die ihm anhaftende Stofflich- 
keit oder Materialität der Leibiichkeit von Gott unterschieden sein lasst, 
indem nach ihm jedes Wesen völlig eins mit Gott wäre, wenn es nicht ver« 
möge seines äussern stoiTIichen Erscheinens in den materiellen Zusammen- 
hang aller endlichen Dinge eingefügt wäre. Was kann hieraus einfacher 
folgen, als dass das Wesen alsbald \>ieder völlig mit Gott eins sein wird, 
sobald ihm die stoffliche Erscheinung wieder genommen wird? Und da nichts 
mit Gott eins werden kann, was es nicht im Grunde an sich selbst schon ist, 
so folgt die wesenhafte Identität aller Dinge mit Golt von selbst und Gott 
ist alle Dinge wie alle Dinge Gott sind* 

Welche andere Gestaltung könnte nun von solchen Grundsätzen aus die 
Philosophie der Geschichte erbalten, als die eines Processes noth wendiger 
Entwick]ung/$stufen, somit als die eines Naturprocesses? Ist das Universum 
selbst nichts Anderes, als die natürliche, somit natnrnoth wendige Selbstent- 
wicklung und Selbstersoheinung des Absoluten, so wird alle Entwicklung und 
Bewegung, alles Werden und Geschehen nichts Anderes sein können, als die 
natürliche Fortsetzung jener Selbstentwicklung und die Weltgeschichte wird 
von der Naturgeschichte in Betracht der Nothwendjgkeit des Verlaufs ihrer 
Entwicklungsmomente und Stufen nicht verschied<en sein können, und so 
wenig die Naturgesetze bloss das Allgemein^ und nicht auch das Indivi- 
duellste beherrschen, so wenig werden auch die in der Weltgeschichte wal- 
tenden Gesetze sich bloss auf das Allgemeine beschränken und das Individuelle 
aus der Nothwendigkeit zur Freiheit entlassen können. Nach den Voraus- 
se^ungen des Verf. kann also auch von einer in der Weltgeschichte walten*- 
den Freiheit der geistigen Individuen nicht gesprochen vyerden. Man wäre 
wohl berechtigt, hier zu sagen: 

Von Freiheit seh' ich keine Spur 
Und AHes isl Natur. 

Der Verf. nennt es sogar eine bedingungslose (also unbedingt noth- 
Wendig und schlechterdings skh vollziebende) F<orderung, dass das Ideal der 
vollendeten Menschheit an jedem einzelne« Menschen allseitig und ganz ver- 
wirklicht werde. Es entrinnt also nach dem Verf. Niemand dem wünschens- 
werthen Geschick, ein vollkommenes und also heiliges Wesen zu werden, 
nur dass der Verf. versäumet hAt, zu zeigen, wie eine i^olche Vollendung der 
geislJigeQ Wesqn nach seinen pantheistischen Voraussetzu^ge^n möglich ßein 
soll, von der Schwierigkeit ganz^abj^sehen, wie eine nothwendif er Weise 
gewordene Vollkomui^nheit und Heiligkeit sein kann. Der V^rf. verirrt 
sich hier zu Ideen, welche dem Pantbeisn^üisi von Hause a^is nicht «ngebörefi, 
die er aber doch wieder i^oht rein erfass^en k^nn^ da er auch in sie seine 
paniheistiscbeyn VoI:«us,setz1^1gen hineinträgt. Aus der Aufnahme dieser nicht 
pantbeistischeri Ideen . und besoiiders aus der Fassung seiner drei Epophen 



*) -Gedanken Ober Tod und Unsterblichkeit von t. Feuerbach. Dessen Werke III. 93. 
Akadem. Monatoscbrift. Mai 1851. n 81 



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242 Literaloa , 

der Geschichte muss man ««f einen Efaifiiills der 'Knrase'sehen Philosophie 
der Geschichte schiiessen, einen Einfinss, der den Verf. zu grellen Incon- 
Sequenzen geführt hat. 

Der Verf. zeigt sich übrigens von edler Begeisterung für alles Hohe und 
Erhabene des Menschengeschlechts beseelt, wie sie nur immer in den hervor- 
ragendsten Vertretern des idealistischen Pantheismus angetroffen wird, dessen 
Eigenthümlichkeit darin besteht, mit dem realistischen Pantheismus Voraus- 
setzungen zu theilen, deren consequente Entwicklung zum puren Naturalis- 
mus führen würde, und doch zugleich Ideen und Idealen zu huldigen, die 
ihre streng wissenschaftliche Berechtigung und Begründung nur im Theismus 
finden und haben können. So spricht denn der Verf. überall, als ob er 
einen Begriff von Gott gewonnen hätte, wonach Derselbe als unbedingte 
Allweisheit und unendliche Liebe gedacht werde, als ob nach ihm die Wesen 
der Welt und insbesondere die geistigen etwas mehr als verschwindende 
Erscheinungsformen des Absoluten wären, als ob sich die freie Selbstbestim- 
mungsmacht des Menschen von selbst verstünde, als ob die Natur in alle- 
wege widerstandlos sich der Macht des Geistes füge dcc. &c. 

Gleichwie die Atomistik in der Naturphilosophie schon darum eine übel- 
gerathene Erfindung ist, weil sie sogleich, um mit ihren Atomen auch nur 
von der Stelle zu kommen, zu den Hülfsmitteln ihrer Gegnerin, der Dyna- 
mik, zu deren Verdrängung sie doch erfunden wurde, ihre Zuflucht nehmen 
muss, so ergebt es dem Pantheismus, dass derselbe, um aus der alleinigen 
und unterschiedslosen Substanz des Absoluten zur Wirklichkeit sowohl des 
Absoluten als des Bedingten, zur Entwicklung, Bewegung, Geschichte dcc. 
herauszukommen, stets sich genöthigt sieht, aus dem Ideengehalt des Theis- 
mus mehr oder minder hinüber zu tragen und dann damit zu gebaren ^ als 
ob diese Ideen von der Wurzel aus dem Pantheismus angehörten. Freilich 
kommt es mit diesen unwillkürlichen Cberlragungen nur zu Schattenbildern 
der wahren Ideen, denn in Wahrheit lassen sie sich nicht von dem Boden 
des Theismus losreissen und dem Baume des Pantheismus aufpfropfen. Aber 
die hiedurch enti^pringenden Schattenbilder der wahrhaften Ideen haben doch 
Macht' genug, dem Pantheisten die wahre Natur des Pantheismus, 'den 
Nihilismus desselben zu verhüllen und ihn in der Illusion des Besitzes der 
erhabensten und tiefsten Ideen zu erhalten. Der Pantheist verleugnet in 
einem Athem das Centralherz und Gemüth des göttlichen Geistes, wie Göthe's 
Prometheus, da er sagt: 

„Da ich ein Kind war, 

Nicht wusftte wo aus noch ein, 

Kehrk' idi mein verirrles Auge 

Zur Sonne, als wenn drüber war* 

Ein Ohr, zu hören meine Klage, 

Ein Herz, wie meins, 

Sich des Bedrängten zu erbarmen;^ - 

und prahlt in demselben Augenblicke mit seiner vermeintlich überschweng^ 
liehen Gotteserkenntniss als der unendlichen Liebe, Milde, Barmherzigkeit 
•und Versöhnung. Sie sagen Euch zwar, dieser Widerspruch sei nicht in 
ihnen, sondern nur in der Vorstellung der Gegner von ihrer Weltanschauung 
vorhanden. Denn sie leugneten keineswegs das Centralherz und Gemuth des 
göttlichen Geistes, sondern nur die Vorstellung davon, wonadh das gdttKcbe 
Gemüth des göttlichen Geistes, ausserdem dass es im Universum wirklich ist, 
noch einmal besonders als göttliches Individuum sein soll. Hierauf ist in-- 
dessen einfach zu erwidern, dass wer die Frucht nicjit leugnet, tolgerkhiig 



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Lftenfnr. tiS 

auch den Baam nicht leugnen sollte, wer das Denken ntcht leugnet, auch den 
Denkenden, imd wer das Wollen (Lieben) nicht leugnet, auch den Wollen- 
den (Liebenden) nicht leugnen sollte, und dass, wer die Frucht ohne den. 
Baum, das Denken und Wollen ohne den Denkenden und Wollenden för 
möglich halt, einer AbsurditSt sich schuldig macht. 

So weit es nun unter der Entstellung durch idealistisch- pantheistische 
Voraussetzungen möglich ist, brechen sich in der vorliegenden Schrift überall 
IreOfliche Ideen und Gedanken Bahn. 

Ohne aur die von dem Verf. statuirten drei Hauptepochen der Mensch- 
heitsgeschichte ein allzu grosses Gewicht zu legen , wird man mit dem Verf. 
doch darin einverstanden sein müssen, dass in der Gegenwart eine neue 
Weltepoche zur Geburl zu ringen trachtet. Wir stehen in der That, wie 
der Verf. sagt, mit dem einen Fusse noch in dem mittelalterlichen Verfalle, 
mit dem andern vermögen wir noch keinen sichern Grund zu erfassen und 
schweben über der Tiefe des Verderbens, und doch wissen wir und sehen 
an der anbrechenden Morgenrölhe des künftigen Lebens, dass kein Bleiben 
ist auf dem alten, faulen, morschen Grunde. 

Auch darin stimmen wir dem Verf. bei, dass zwischen dem hellenischen 
und dem deutschen Volksthume eine durchgehende Wahlverwandtaehaft statt 
finde, wir sind ihm der Sache nach nicht entgegen, sondern übersetzen es 
nur in unsere Sprache, wenn er zu zeigen sucht, dass beide Volksthume in 
ihren Bluthozeiten das Ideal der harmonischvollendeten freien Menschheit 
ge Wissermassen vorbildlich darstellten, aber jedes in einer einseitigen und 
darum sich in sich selbst zersetzenden Formvollendung; im hellenischen 
Altertbum erblühte die äussere Freiheit der Lebensentfaltung aus der innern 
und äussern Harmonie. des Geistes mit der Nalur, im deotschchristlicben 
Mittelalter die innere Freiheit aus dem Kampfe beider und aus der idealen 
Vertiefung^ des Geistes in sich selbst. Wir sind ganz auf seiner Seite, wenn 
er zu zeigen sucht, dass zum vollen, kraftigen, freien Menschen die natur* 
liehe Lebensgrundlage so unentbehrlich sei wie die geistige, dass folglicl^ 
nur die innere Versöhnung und Durchdringung jener beiden einander ergän- 
zenden Zeitabschnitte, vollzogen im Verlaufe der Geschichte, die in der Bil* 
düng begriffene höhere Weltepoche herbeiführen könne, und nur darin tren- 
nen wir uns hier von dem Verf., dass wir aus solcher Versöhnung und 
Durchdringung zwar einen alle bisherigen übertreffenden Bildungsstand erwar- 
ten,, aber keineswegs den End- oder Vollendungszustand der Menschheit, 
der sicher noch ganz andern Anforderungen und Bedingungen unterliegt. 
Dem Verf. achwebt nun eine umfassende Neuschöpfung des deutschen Er- 
ziehungs- und Unterrichtswesens vor, die Idc^e einer grossen Nationalerziehung, 
einer ästhetischen Menschheitserziehung, gegründet auf die antike Idee der 
Harmonie zwischen den natürlichen und geistigen Lebensgrundlagen. . 

Dieser Idee verdankt das vorliegende Buch offenbar seine Entstehung. 
Aber der Verf. führt dieselbe in ihm höchstens zur Hälfte durch, ja vielmehr 
das ganze Buch kann sich zur Verwicklichung jener Idee im Grunde doch 
nur als Einleitung verhalten. Der Kern desselben, zugleich diejenige Haupt- 
partie des Buches, in welcher der eigentliche Werth desselben enthalten ist, 
stellt die hellenische Gymnastik und ihre Bedeutung für das gesammte Leben 
der Griechen in einem lebendigen Gemälde vor unsere Augen. Aber damit 
endigt das Buch und der Verf. begnügt sich, am Schlüsse zu erinnern, dass 
das Alterlhum. von selbst auf die wahre Bestimmung einer ästhetischen 



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Meiisohheit^rziehang hinweise, sidi vorbeMteod, d^usjr www die ^orUcfg^^ 
Schrift die ihr gewünschte Aufoabnne ÜBden sollte^ er geftomiea sei, ihr etae 
zweite sie ergänzende folgen zu lassen, welche die Idee der erstem nicht 
bloss in ihrer allgemein mensdilichen, sondern auch in ihrer aus den eigeaeii 
deutschen Erziehungs- und Biidungsverhaltnissen geschichtsnoth wendig sich 
ergebenden Berechtigung sowie in ihren nähern für die Gegenwart uninittei- 
bar praktischen Bezögen entwickele. Bei der Trefflichkeit der Schilderung 
des Verf. von der Natur und dem Wesen der hellenischen Gymnastik ist an 
einer günstigen Aurnahme der Schrift nicht woht zu zweifeln, und so geben 
wir uns der Hoffnung hin, dass die versprochene Schrift bald genug voll- 
endet und dem wissenschaftlichen Publicum vorgelegt sein wird. 

Da wir jedoch in den in der Einleitung zu dem vorliegenden Buche 
behandelten- Fragen die Präliminarien des künftigen Werkes des Verf. 
erblicken dürfen, so wird es unsere Aufgabe sein, zum Schlüsse noch auf 
diese Einleitung näher einzugehen. 

Was der Verf. zunächst über die Einflüsse des Alterlhums auf die 
Deutschen und die deutsche Geschichte von den frühesten Zeiten derselben 
an sagt, ist durchaus beachtenswerth. Kein Kenner der Geschichte wird 
den Worten des Yeff; Wahrheit absprechen, wenn derselbe sagt: Als 
unsere Vftter noch in ihren Waldeseinöden und Bergen jagd- und kämpfe* 
Hebend sich Umtrieben, an Sitte und Bildung einfach und rauh, an Anlage aber 
reich, voll strotzender naturwüchsiger Kraft und Art, an Gebaren unstet und 
riesig, schon da trat dasAlterthum und seine feingebildete längstentwickelte 
Vdlkerwelt in scharfe wirksame Beziehungen zum deutschen Volke. Wie 
viele Bildungs- und Lebenselemente mögen nicht schon im Beginn unserer 
christlichen Zeitrechnung unter den Waffen Roms über die untern Donau- 
länder, über die Alpen und die Gauen des Rhein» ins Herz Deutschlands 
eingedrungen sein und bedeutsame Anfange der Cultur begründet haben, 
welche die deutsche Völkerfamilie zum Träger einer völlig neuen, aber 
menschheitlich allgemeinen Weltgeschichlsepoche zu machen bestimmt war. 
Sofort zogen deutsche Völker hinab in die blühenden Länder römisdier und 
byzantinisch -hellenischer Herrschaft und Cultur und bereiteten durch ihre 
Vermengung mit den alten Einwohnern und ihren Lebenseinrichtungen, Sitten 
und Vorstellungen eine breite Brücke für den Binfluss des Aiterthums auf 
die gesammle neue deutsche Welt. Während ihre Waffen den Bau der 
Römerwelt zerschlugen, haben sie das Heidenthum, seine Wesenskraft und 
wahre menschheitliche Bildung zugleich mit detn Chriirtentbiime und seiner 
Weltbürgerlichkeit in sich aufgenommen und verarbmtet. Das deutsche 
Volksgemüth in seiner reinen hohen Kraft, seiner Frische und edlen offen- 
herzigen Einfalt, seinem tiefen Ernst und Gehalt war die Stätte, welche der 
leuchtende Genius der Menschheit für seine Blutbenentwicklung und vollen- 
dete Entfaltung sieh erkor. Fünf Jahrhunderte hindurch wurden so die 
Fermente altertbumlicher Bildung fast unvermerkt auf das junge Ufiturkräflig 
heransprossende Reis deutschen Volksthums geimpft, vermittelt durch die 
Geschichte der römischen Weltherrschaft, und auf dieser fruchtbaren, veredel- 
ten, keimereichen Grundlage erhob sich sofort belebt, geläutert und allseitig 
durchquollen vom Geiste des Christenthums der herrliche gewaltige Bau der 
deutschen Welt. Der Verf. schildert sofort die religiöse Gcstaitu^ des 
Mittelalters mit der vollsten Anerkennung ohne jedoch recAt deutlich zo 
zeigen, wie es kommen konnte, dass sich die Biuthe des Mittelalters so bald 
an einseitiger und übermässiger Entfaltung verblutetet und kirchlicher Abso- 



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hrtüüms bertortretetf md iet BiMmif üA fbindBcb dntgSig^iiifeRN^n kimitte« 
In dieser Wendung erblickt der Verf. den Punkte an welchem sich Jena 
zweite Grundriobtsng der deatsühen Geschichte (neck der in den echten 
Zeiten des Mittehtliers su tiefer Entwicklung fekommmien religiösen Girnnd- 
ricbtimg nb der ersten), neinlich die geistige Aufnahme der alterlhumlichen 
BHdntig wid die dadufch befruchtete Entwicklung des eigensten Volkstbums« 
von der ersien, der religiösen, trennen musste. Dieser Sdieidungsprocess 
begann, bervergerttfen ? on der Einseitigkeit der Kirche, mit dem vierzehnten 
Jahrhundert und unsere Gegenyvart steht noch mitten im Kampfe. Einigende^ 
fesselnde Grundlage dieses Proeesses und seiner kämpfenden Entwicklung 
ist die Kraft und das Wesen des ursprünglichen retndeutschen Yölksthums^ 
welches eben in diesem Processe sku seiner menschheitlichen VoUendimg 
kommt und darin den Gegensritz beider Elemente auslöscht und versöhnt zn 
ihrer wahren Einheit. Italien eröffnet den Auferstehungsmorgon der helleni** 
sehen und römischen Schrift-- und Knnstdenkmale. In Florenz erheben sich 
die drei unsterblichen Dichter: Dante, Petrarca, Boccaccio, deren Wirken, 
das Vorspiel für Deutschland gewesen ist. Alle Wtssenschaßen , Künste« 
Btkhtngs^ und Lobensverhnltnisso wurden durchweht und beseelt von dem 
Morgenhauehe der neuen antiken Bildung. 

Mit diesem Drange der Geister verband sich naturgemdss dos Streben 
na^ einer grändliehen Neoschöpfung der Kirche an Haupt und Gliedern und 
nach einer erzieherischen Wiedergeburt des ganzen Volkslebens, gegründet 
auf die Anerkennung der vollen Hensehennatnr. Aber dieses zwiefache 
Werk vermochte Italien nicht zu vollbringen. Die Erfüllung dieser Aufgabe 
blieb den Deutschen aufbehalten. Der Verf. schildert nun mit interessanten 
Zögen, wie, rein aus dem tiefen Bildungsdrange des Volkes erwachsen, um 
die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts in den Niederlanden und ganz Nord- 
deutschkind sich die Bruderschaft vom guten Willen und gemeinsamen Leben 
verbreitete, begeistert von dem Ideale eines streng sittlichen frommen 
Lebensc, tief ergriffen von der Nothwendigkcit des Kampfes gegen die in 
Kirebe und Klöster ehtgedrungene Verderbniss und der Begründung einer 
acht deutschen sittlich -religiösen Volkserziehung. Mit der Pflege eines 
tiefreligiöisen Lebens verbanden die Schüler und Geistesgenossen dieser 
Brddersohafl das eifrigste Studium der classischen Schriftsteller , so^ dass 
schon hier,, wie der Verf. mit Becht bemerkt, die Hauptquellen der alter-* 
Ihwnlidieii und der christhehreinen Bildung zusammenfliessen. Es ist hier 
nidii der Ort, auf die interessanten Sehilderungcn des Verf. einzugehen, 
welebe er von dem Wirken eines WesSel, R. Lange, Agrieola, Hermann von 
dem Busch, Erasmus vvon Rotterdam, Alex. Hegius, Johann Reuchlin u. A« 
in gedrängten Zögen lehrreich entwirft. So sehr nun diese geistige Bewegung 
durch die Reforiiiatoren nach der Ansicht des Verf. auf jenem Punkte 
ankuigte, wo sie die gesammle Christenbett ergreifen und umbilden soUte,. 
so verkennt der Verf. doch nicht, dass die Bedeutung der antiken Stu<^ 
dien bereits von Luther einseitig aufgefasst worden sei. Derselbe behauptet 
geradezu, dass hauptsachlich durch Luther die einseitig sprachliche Aufiassiing 
des Alterthüms und die Dienstbarkeit der classischen Studien unter der 
kirdiUcben Bevormundung veranlasst worden sei, obgleich eigentliche Schuld 
erst die ndcbma%e in. mittelalterliche Scholastik zurückgesunkene Kürcbe 
treffe. Obgleich der Verf. Melanchtbon als weniger denn Luther befangen 
in aussehliessiiche Rücksichten in Betreff seiner Auffassung der classiscbeit 
Studie» iohddert, so entwirft es uns doch sofort ein Büd der SehulmetliodA 



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2W0 hfUttMf* 

und des Klcbings^t&ndes der bedeateodslen SteKfilar MttaBtlitlioii$f eines 
Trolzendorf, Neander, Sturm, worin wir nicht eine höhere, sondern tiehnehr 
cdne niedrigere Auffassnng der Bedeutung des Aiterthams und der dbsstechen 
Studien als jene Luthers erblicken mftssen. So sagt der Verf. von Troteen- 
dorf: Sein Unterricht, obwohl gegründet auf die besten Sdiriftoteller des 
Alterthums, war einseitig auf sprachliche und formale Bildung beredinet; er 
übte seine Schüler unausgesetzt in. Rede* und Denkkunst, die deutsche 
Muttersprache war verpönt. Ein Lobgedicht auf ihn sagt: ^ßo hat er die 
römische Sprache Allen eingegossen, dass es för Schande galt, in deutscher 
Zunge zu reden; Knechte und Magde konnte man latein sprechen hören 
und man hätte meinen sollen, Goldberg liege in Latium." Aebnlicbes wird 
von Neander berichtet. Aber für endentscheidend für die Wendung der 
dassischen Studien, für die Einrichtung des gesammten antiken Unterridits- 
Wesens in Deutschland und somit für die ganze Stellung des Alterthums in 
Schule und Volksbildung war der EJsasser Johannes Sturm. Sein Bildungs- 
ideal war einseitig im höchsten Grade: Fertigkeit in schriftlicher und münd- 
licher Handhabung der römischen und hellenischen Sprache und nichts als 
diese! In der Grammatik war er grundlich bis zur Pedanterie, die antiken 
Meis'erwerke waren ihm blosses Mittel zu knedilischer affenmässiger Erler- 
nung der alten Sprachen und geistlos brucbstöckartig eingetrichtert gewähr- 
ten sie keine Auifassung vom Wesen des Schriftstellers und der Bedeutung 
seines Werkes, viel weniger eine Anschauung des hellenischen und römi- 
schen Alterthums selbst. Die^ €reistlosigkeit dieser Pädagogik ging ins Un- 
glaubliche. Man muss das weitere Detail in dem Buche selbst nachlesen. 
Wenn sich nun, wie der Verf. zeigt, die durch die Reformation ermöglichten 
und gebotenen neuen Schuicinrichtungen des gesammten Deutschlands alle an 
das Vorhild Sturms oder an die verwandten Unterrichtsplane Trotzendorfs 
und Neanders hielten, so kann man sich eine Voristellung davon machen, 
wie schlimm es vor und nach der Reformation mit der Pflege einer tiefem 
Geistesbildung im Allgemeinen gestanden haben muss. Was aber beweiset, 
dass die Sturmsche Lehrweise ganz im Geiste der Zeit lag, ist der Umstand, 
dass sie die ausserordcntlichste Verbreitung erhielt und dass selbst die um 
diese Zeit hervorgetretene Schulordnung der Jesuiten, entworfen von Claudius 
von Aquaviva, der Sache nach so ganz Sturmisch ausfiel, dass sie von Sturm 
selbst und von vielen Protestanten mit lauter Freude begrüsst würde. Die 
Sturmsche Lehrweise beherrschte also so ziemlich ganz Deutschland und 
beherrscht sie zum Thetl unter nicht sehr wesentlichen Änderungen noch. 
Wir können hier nicht dem Verf. in das Detail seiner interessanten Entwick- 
lungen folgen und begnügen uns darauf hinzuweisen, wie der Verf. mit Grund 
die ächte altertbümliche und volksmässige Bildung, ohne Pflege von Staat, 
Kirche und Schule, getragen allein von der Kraft des vielgekrankten , vid- 
zerrissenen deutschen Volksherzens durch Manner wie Matthias Gessner, 
August Ernesti, Ephraim Lessing, Job. Joachhn Winkehnann in Deutschland 
wiederauftreten und mit vollem Fug und Recht in Kraft und W^ibe dieser 
neuen Alterthumsbiidung die leuchtenden äcbtdeutschen Geister Klopstock, 
Herder, Wieiand, Schiller, Göthe dcc. erstehen sieht, durch weiche Deutsch- 
land wieder zu Ehren kam und auf die erhabenste HQhe des gämsca Jahr- 
hunderts trat. Die gewaltige geistig befruchtende Rüokwirfcttag der genialen 
Schöpfungen dieser Heroen der deutschen Literatur auf die. antiken Stufiea 
stellte sich am glänzendsten dar in Christ. Gottlob Heyne und Friedrich 
Atagust WolL Das Verdienst, neue Bahnen für die antike- Bihtung gebfocben 



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tiliimtiir. 247 

SEU kaben, gebührt Heyne. Er ' suchte mit der Fakel der Wissenschaft den 
alten gehäuften Schulstaiib von dem AUerthume wegzubrennen und dessen 
reinen herrlichen Gehalt, den Geist seines Volkslebens und die Ideen seiner 
Schriftsteller zu erflös&en in die Bildung seines eigenen Volkes ; Sprach- und 
Formkenntnisse waren ihm nur Mittel zum Zweck, nur der Schlüssel in den 
liebten Tempel aUerthümlicher Bildung. Er lenkte zuerst wieder den Geist 
auf die reine allseitige Auifassung des alterthümiicben Völkerlebens selbst 
nach seinen verschiedenen gesellschaftlichen, politischen, religiösen, kunst-^ 
leriscben und wissenschaftlichen Zweigen und Blüthenentfaltungen. Die 
wlsiSenschaftliche Gestalt und Einheit und damit ihre wahre Bedeutung er- 
hielt - aber diese neue Richtung der aiterthumlichen Studien erst durch 
Friedrieh August Wolf in Halle. Ihm erschien das classische Alterthum als 
Vorbild eines auf den edelsten und grössteu Ideen beruhenden öffentlichen 
und Privatlebens, namentlich erkannte er in den Völkern und Staaten de^ 
alten Hellas die meisten derjenigen Eigenschaften, welche die Grundlage 
eines zu achter Menschlichkeit vollendeten Charakters ausmachen. Dessbalb 
galt ihm das Studium dieser Nationalbildung für das tüchtigste Mittel zur 
Bildonf eiq^r edelgesinnten, kraftigen Jugend. Diese sittliche Idee erhob 
er zum Mittelpunkte des ganzen Studiums, von ihr ausgehend wies er jedem 
der verschiedenen alterthümiicben Lehrfächer seine nothwendige Stelle an, 
auf welcher es zur Erreichung des Hauptzwecks mitzuwirken habe, und den 
organisch ineinandergreifenden Umfang und Zusammenhang der gesammten, 
theils formalen, theils realen Fächer nannte er Alterthumswissenschaft. Allein 
obgleich die Alterthumswissenschaft durch die Tiefe deutscher Forscher gegen 
Ende des achtzehnten Jahrhunderts auf solche Höhe gehoben wurde, so 
fährte dieser Umschwung doch nicht, wie man hätte erwarten sollen, zu 
einer Neuschdpfung des gesammten classischen Erziehungs- und Unlerrichts- 
wesens. Noch immer, klagt der Verf , schnallt man dem Knaben eine Last 
lateinischer und griechischer Bücher um die lirust, schickt ihn dann in die 
lateinische Schule, oder ins Gymnasiuiri, oder gar in ein Kloster, und ist der 
Arme neun bis zehn Jahre hindurch fast jeden Tag bis in die Nacht an die 
Schulbänke und Studirpulte geschmiedet, geht leiblich und sittlich zu Grunde 
und lernt am Ende nichts als ein unfruchtbares Latein- und Griechisch- 
schreiben, um in den Prüfungen zu glänzen. Von einer wirklichen Kennt- 
niss des hellenischen und römischen Alterthums, ja nur von einem vollen 
allseitigen Auffassen seiner Meisterschriften ist keine Rede; an wenigen 
zerrissenen Bruchstücken dieser letztern wird der Junge herumgeschleppt, 
mit dem stäubigen Wui*t von Anmerkungen, weitschweifigen Kritelcien, 
langweiligen , unverdaulichen Sprachregeln und Haarspaltereien überschüttet, 
dass seine Jugendkraft darunter versiegen geht, und er es höchstens zu 
einer hohlen nüchternen Geistesdressur und Gelehrsamkeit bringt. 

Doch wir wollen dem Verf. nicht weiter in seine lebhaften Schilderungen 
der Missstände der fast noch äberall herrschenden Weise der Betreibung 
der classischen Studien folgen. Stimmen wir auch in der Hauptsache mit 
ihm überein, nämlich in der Behauptung, dass der Hauptzweck der classi- 
schen Studien, Begeistung durch den erschlossenen Geist des Alterthums, 
fast nirgends erreicht wird, so möchten wir doch nicht in alle Behauptungen 
des Verf. ohne Einschränkung einstimmen, und namentlich hätte er sich woU 
besi^r, als geschehen ist, gegen das leicht an seine Worte sich knüpfen 
könnende Missverständniss sichern sollen, als ob er für möglich hielte, in 
den Geist deis ^klassischen Alterthums eiazudriogen ohne gründliche Kennb- 



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94B Correspomieoz. 

niss der Sprachformen des hellenisiAen und ^lateinteehen Idioms. Der Verf. 
möchte leicht doch die Leistungen der beslorganisirten Gymnasien in Deutsch- 
land, namentlich jene in Württemberg und Preussen,' unterschätzen, und so 
sehr wir es ihm glauben wollen, dass er erst, nachdem er seine Gymnasial- 
errungenschaften zum Theil wieder vergessen hatte, an einem Lessing, 
Winkelmann, Göthe und Andern das wahre hellenische und römische Alter- 
thum wie eine neue Welt entdeckte, so wurde er doch ohne den bessern 
Theil des am Gymnasium errungenen Wissens sicher nicht oder doch nicht 
so leicht und rasch die bemerkte Entdeckung gemacht haben. Obrigens sind 
wir dem Verf. die Gerechtigkeit schuldig, anzuerkennen, dass er alles blosse 
Flickwerk von Reformen im Unterrichtswesen verwlrfl und statt dessen -wirk- 
lich ein grosses Princlp ausspricht, aus dem er -alle besondern Refcmnen 
abgeleitet wissen will. Dieses Princip sucht er mit Rechl in der weHgesehichf« 
Jichen Stellung der deutsehen Nation. Sic erscheint ihm als der Träger der 
nachantiken europäischen Menschhellsentwicklung. Die Folgerungen aus die- 
sem Princip sind aber doch nicht genugsam entwickelt und die entwickelten 
nicht genugsam begröndet, als dass hier schon eine nühere Beurtheilung 
möglich w«re. Vr. H. 

IIL 

CoiTespondeftz. 

X. Tubingen, den 6. Mai. (Aufklärung «ber eine Coirosponden» im IVläPÄheft der A.M.S. 
Reysclier und der Senat. Kanzler v. Wächter. Akademische Bade- und Schwimmanstalt.) Sie haben 

mein Schreiben aus dem Jan. d. Js. erst im Märzhefle der A. M. S. S. 112 
aufnehmen können. In jenem Schreiben gab ich einen Bericht über die 
neuesten Publicationen des literarischen Vereines in Stuttgart. Theils die 
Besorgniss , dieser Bericht könnte , da er im Februarhefl nicht erschienen 
war, von der Redaction nicht als zur Aufnahme geeignet befunden sein, 
theils die unterdessen zu besprechen gekommenen neuern Publicationen ver- 
anlassten mich, denselben Gegenstand sieben Wochen später sammt dem 
dazu gekommenen Neuen in einem grossem Aufsatz ^u behandeln, welcher 
in der Allgemeinen Zeitung Nr. 78 Beil. abgedruckt ist. Ich bemerke diess 
hier ausdrücklich, jum von der Redaction der A. M. S. den Verdacht zu ent- 
fernen, als ob sie statt eines eigenen Correspondenzartikels nur einen un- 
vollständigen Auszug aus der Allgemeinen Zeitung gegeben hätte *). — 
An unserer Universität tragen sich merkwürdige Dinge zu. Bei Reyschers 
Versetzung nach Ulm ist es trotz der Verwendung des Senats geblieben. 
Nachdem ihm aber der Urlaub zum Eintritt In die Kammer versagt worden, 
hat er seine Entlassung aus dem Staatsdienste genommen, um in die Kammer 
eintreten zu können. Wie sehr die Entfernung dieses trefflichen Lehrers 
vom Lehramt nicht nur von den Studenten, sondern auch von seinen Col- 
legen bedauert wird, beweist das den akademischen Senat eben so wie den 
Adressaten ehrende .Schreiben, welches an Reyscher erlassen wurde und 
welches ich hier beisetze: 

*} 0(91' hier erwihote Beriqla des Herrn Corrospondeiiteii kannte we|^n Zudri^i^ 4«« 
Stoffs im Febriiarheft nicht aufgeuommen , .wohl aber luglich für das näctiste^HeA zurQckgeicft 
werden. Wir danken unserm Herrn Correspondenten für obige Crkifirung und biUen ihn, ^ 
Verspätung 4er Aufnabme tu enS^clmldigea. Die »edaeihn. 



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CorrefpondeBB. M9 

„Euer Hochwohlgeboren sollen nicht mehr der Unsrige sein. Je eifriger 
und erfolgreicher Sie eine schöne Reihe von Jahren unter uns in den mannich- 
facbsten Beziehungen als Lehrer und als kräftiger Theilnehmer an unsern 
verschiedenen sonstigen Aufgaben wirkten , als Schriftsteller den Buf unserer 
Universität in ndhern und entferntem Kreisen erhielten und vermehrten, durch 
den geradesten, ehrenwerthesten Charakter und die theilnehmendste freund-- 
schaftliche Gefälligkeit in allen collegialischen Beziehungen uns ein theurer 
College waren, um desto schmerzlicher trifft uns dieser Verlust. Indem wir 
dieses Alles stets in dankbarster Erinnerung bewahren werden, fügen wir 
den herzlichen Wunsch bei, dass Sie in einem andern Ihren schönen Talenten 
und Kräften angemessenen Kreise, im Bownssisein einer neuen Sie befriedi- 
genden nutzlichen und erfolgreichen Thätigkeit ein glückliches Leben fuhren, 
und auch unserer Universität und uns persönlich die freundschaftlichen Ge- 
sinnungen, deren wir uns bisher erfreuen durften, erhalten mögen. Möge 
sich namentlich unser engeres Vaterland nun doch in einem andern amtlichen 
Kreise Ihrer wirksamen Förderung seiner, Interessen zu erfreuen haben! 
Besonders aber wurde es uns sehr grosse Freude bereiten, wenn Sie, nur auf 
eine Zeitlang uns entzogen, bald wieder ganz und durchaus derUnsrige würden, 
Tübingen, den 16» April 1851. In ausgezeichneter Hochachtung der akademi- 
sche Senat; in dessen Namen: Dr. Schmid, d« Z. Rector der Universität.*^ 

Dass Kanzler v. Wächter seine Entlassung vom Kanzleramt genommen 
hat, ist Ihnen wohl bekannt, ebenso das Motiv, welches diesem Schritte zum 
Grande liegt; er will nicht in die zweite Kammer eintreten, der er als. 
Deputatas natus der Universität nach der Verfassung von 1819 vermöge 
des Kanzleramtes angehört. Gestern brachten ihm die Studirenden einen 
Fackelzug, um ihm den Dank für seine Führung des niedergelegten Kanzler- 
amtes auszudrücken.* Ks war grosse Gefahr für die Universität, ihn zu ver- 
lieren, da ihn ein ehrenvoller Ruf derselben entführen sollte. .Diese Gefahr 
ist für jetzt beseitigt, wie aus seiner Rede an die Studirenden hervorgeht. 
Wer sein Nachfolger werden solle, ist noch nicht entschieden. Man spricht 
von einer an Robert v. Mohl ergangenen Berufung. Es ist aber sehr zweifel- 
haft, ob Mohl diesem Rufe folgen dürfte. Jedenfalls wäre es eine eigene 
Ironie des Schicksals, wenn er, dem vor einigen Jahren eine ähnliche Ver- 
setzung aus dem Lehramt zugedacht war, wie sie neuerlich Reyscher 
erfahren sollte, in diesem Augenblick die Genugthuung erhielte, dass man 
ihn, der damals dem Ministerium so unwerth war, und zwar auf diesen 
ausgezeichneten Posten, zurückzukehren veranlassen würde. — Einem längst 
gefühlten Bedürfniss wjrd hier schon für das Sommersemester genügt, indem 
der Senat auf dem Wöhrd zwischen der Landstrasse und dem Neckar eine 
Bade- und Schwimmanstalt herstellen lässt. Es wird dort auf dem von der 
Stadt dazu abgetretenen Grunde ein grosses Bassin gegraben, zu welchem 
der den Wöhrd durchschneidende Mühlbach das Wasser liefert. Der Boden 
des Bassins wird mit Stehiplatten belegt und die Anstalt umzäunt. Die Kosten 
sind bedeutend, aber wohl angewendet. 

X Heidelberg, Ende April. (Renaud als Nachfolger Morstadts. Die durch Nägele'» 
Tod und Gmellns Pensionining erledigten Stellen.) MorStadtS Stelle Ist nOCh UnbcSCtZt; 

jedoch ist endlich, in den^ jüngsten Tagen, die officielie Anfrage an Ren au d 



Akadem. Monatoschrift. Mai 1851. 



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in Gtefiseo nbgegangen» In B^Eiebung mt eine Refufwf füf ih FIdier, 
\velche Morstadt, wenn ei; auch nicht deren Vertreter im wi$$eri3cbaftlicheQ 
Sinne war, doch mitzuiheilen verstand, und in Eeziebung auf ein^ zufälligiß 
Verbindung. dieser Fächer mit aridem in der Besetzung machen sich in der 
Facultat mancherlei hteresscn geltend, so dass man die zweckronssige Be* 
rufung Renaud*s als hanpt^SehHch von dem Ministerium ausgebend aisehei 
darf. Für die durch Nagele's Tod erledigte Stelle eines Dtrectors der 
Entbindungsanstalt durfte wohl dessen Sohn, der Assistent aeinesi Vaters war 
und seit dessen Erkrankung die Leitung der Anstalt hat, die meiste Aus- 
sicht haben, obgleich einige Facultätsmitglieder sieh für Litzmann in Kiel, 
interessiren. Gmelin ist auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt. Man 
darf erwarten, dass das dadurch erledigte OFdiaariat dem ausseroirdentlicliei 
Professor Delffs (er ist in der pbilosopbis^^btn FaC9ltat; übrigens föt er 
auch Doctor medicinae) verliehen werde, der mü vielem Beifalle Chemie 
lehrt und dessen Zuhörer langst wünschten, sich unter seiner Leitung prak- 
tisch auszubilden, wozu ihm bisher, da Gmelin Director des chemischen Labo- 
ratoriums war, die entsprechende Gelegenheit fehlte. Seine Wirksamkeit ist 
bedeutend, so dass er sich schon 184.6 berechtigt hahen durfte, um die 
Ertheilung einer ordentlichen Professur nachsusqchen. Pawals r9scri|)ir|^ 
das Ministeriunri, dass man zwar seine verdleustlichei;! L^ißlyng^ii ai^ der Mar 
sigen Universilöt anerkenne, aber zur Zeit seinem Wunsche niphl will- 
fahren könne, da das Ordinariat der Chemie nicht vakant sei. Hierin ist also 
gewissermassen eine Anweisung auf das Ordinariat der Chemie für den FaH 
der Erledigang desselben enthalten. 

T. Jena, im ApriL cciiroqik <Hr univerituiit'» In d^m verwic^he^^n Winter- 
halbjahre wurde das Prorectorat von Urm, Qeh&m. Hofr. Dr. Hu^^l^M 
verwaltet, welcher in seiner Inauguralrede über d.en Einfluis 4ßr }fat|ir V^i 
die Cultur und den Geist der Völker handelte. In der iheojagis^liei 
Facultat sind unter dem Decanate des Hrn« Prof. Dr. Ruekert, «Wr O^ndii 
Hr. Dr. phil. Karl Paul Heinrich Fischer aus Sandewaldci in §^^«1 
sum Licentiaten, Hr. Dr. phil. Johann Michael Schwarz ^ ernster «vangf^l 
Pfarrer za Bperies in Ungarn, bei seinem Amt$jabilaum 9 bonorifii oausa im 
Doctor, und Hr. Dr. phil Karl Albert Vogei aus Dresden, Cmididft dev 
Theologie, zum Licentiatea promovirt worden. L^tjiterer habililirte ^icb m 
4. November als Privatdpcenti mittelst Disputation äl>er seiae S(4irift: D9 
Bonizone, episcopo Sulrino, wozu der Decan d^iH^h nin PiK)igf«niii|: D<} 
impedimentis quibusdam studii theologioi nqstrae aetitU propiüa eingeladen 
haue. — In der juristischen Facultat, deren Decam^t Hf. G^eheim^ratl 
Dr. Schmid führte, wurden die bisherigen Privatdocenlen Hr. Ar. Wilk 
Girtanner und Hr. Dr. Ed. Egmont Chambon m au9$erofdeatliQheQ 
Professoren ernannt, und zu Doctoren crejrt; der KönigL Preuaa. Gericht»'? 
assessor Ernst Ferdinand ReinhQld Pegert zn B^linv di« Gtoss^ 
herzogl. Badischen Rechtspraktikanten Georg Pfeiffer su Karlsruhe nni 
Heinrich David Maas, und Candid. Kar] Friedrieb Ferdinao4 
Dietzel zu Altenburg. — Die mediciniscbe F«enHat bat wter de« 
Deoanate des Uru. Prof. Dr. Siebert die DootQrwflrde an dto Harren 
Grünberg aus Wien, Theodor £rdnianii an» Sl^a^Uien in KwM 
Michael Laseron aus Königsberg, Augual Dankwortb 9m Wolfen-' 
büttel, und Jubel- Diplome ah die Jubilare Hrn. Mndioinalrath Scbini|lz in 
Pirna und Hrn. Medicinalrath GQttfried Benedix in Grimui^n ertb«ilt. -^ 
In der philosophischen Facultat füjtirt^ Hr. Prof, Dr, ^^iifHel ^ 



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mtkn»>, m Wertteil Üe «Prfntdoicenlen Hr. Dr. Bippart, Dt. Stark, Dr. 
Wegfleii^ mifi Dir. H«ftrt'er>, letzterer bisher fea Heidelberg, zu ausser-« 
OHMkflHelieti moflssa^r^ befördert, tfnd zu Dociteren promovirt die Herren 
A. Llin^iB iü f>e»ffiilH S. L 6. Fr. Flemmingf in Ltibz, A. 6. A. Palte in 
HihiertreiNi, Pflrtirvtaifr I. 0. WAhrnitz in Kitzingen, Königl. Hannoversch. 
HdfrtMi dr. J«h« €hr. Schmidt, honoris causa, F. Jansen m Weimar, 
H^fftianil Schaöht ms Ochsenwerder, Candid. der Theologie C. Fr. E. A. 
Heins in ifiiiinOTer, CatttiiA. der Theologie L. Paul aus Weimar, Instituts* 
Leihtfier i^K eoHl. Hübnet* tn Dresden, Lehrer Ed. Wagener in Berlin, 
Catidfd. del* Theologie C ft. (illidenäpfcl in Jena, Lehrer Fr. Marsch- 
mt^nh in Cobleiit. Ctirl Donald Style a«s England, Hordiacon 0. V. 
Seh t^ eitler in WeiWar^ honoris causa, Scbulamtscandidat B. Nippe in 
Stralstitid, Onudid. der Theologfte Th. V. F. Meyer aus Barsinghansen, 
CryiMftfsratlebfet- C. 6. Jungk In Berlin, B. V. A. Muller in Braonschweig, 
Geh^ttM^th Dr. Schfnid In Jena, honori'$ causa. Geh. Kirchenr. D. Dariz 
in J^im (Erheuerung des Diploms vom J. 1800), X. Fr. Manch hoff in 
Berlin, Ifistitutsdfrector V. Matthiä in Altenburg, Job. Heinr. Frerichs in 
Nettslndl-Gödetis^, Cfentdidlit 6. Kuhtz in Berlin, Advocat und Dr. medicinae 
P. DM^rifte hl Lyon, ftabblner Aar. Cassel in Conitz und H. M. Wahl 
iti Bauerwitis. — FQk* das Sommerhalbjahr ist das Prorectorat an Hrn. Geh. 
H^rath Dr. GöUling übergegangen, welcher bei Obernahme des Amtes 
hl s^Bifier^ nach VorschrliK der Statuten, dflbntlichen Rede ober die Demo- 
kmtte. 4tn Alterthuth handelte. Die Decane der vier Facultäten sind die 
Herren Geheime Kfrcheni*. Dr. Ho ff mann, Oberap^ellationsr. Dr. Walch, 
Prtff. Dr. Ried, Geheime Hoft'ath Dr. Bach mann. — Vom 1. Mai an 
Wil*d die längere Zelt ertedi^gte Stelle eines Universitfilscurators wieder be-> 
seUst werden durch Hrn. Sfaatsrath Dr. Seebeck, einen ebenso durch Ein- 
sicht, wie Charaktiet vorzüglichst dazu geeigneten Mann. Durch den Tod 
htit die Universität im verwichenen Semester die Geh. Hofrathe Dr. Voigt 
und fft, iland verloren. 

y, Leipzig, Anfatig Mai. (CIMus. Anfnng de» Semetters. Die Personkiverlttste. Priißinga. 

iiiuiüMiifd^. HnbiinMidnen. Tuciiendorf. Wächter. Aus der Gcschichte uusercr Univcr- 
sitit im ^efUmsmen Semester habe ich noch das fünfzigjährige Doctorjubiläum 
des 'GehOfftien Medicinalr^th Dr. Glarus, das am 10. März feierlich begangen 
trilrdo, nachzcrtingien — 'elftes Mannes , der lange Zeit als klinischer Lehrer 
geMen Warn und dem dte Mehrzahl der jetzigen sachsischen Ärzte in 
dt€Mr Blüm^ ihre Biiduiig verdankt. — Das Sommersemester begann unter 
tii^fttlfeh tttigtnfftigen Auspicien. Durch die zwar ganz normal, aber etwas 
unpnfkäMüh ^oHtolgte Ansetzung des Anfangs der Vorlesungen auf den Tag 
imeli Oalertt wi(r tn den factiathen Beginn der letztem eine solche Schwan- 
kung gffehOMfmeo, daaa zieifiM^ch 14 Tage vergingen, ehe der Bestand dersel- 
ben bn AtlfMffitieti als finirt ungesehen werden konnte, wozu freilich dre 
OolHatoii mit der Mtese, wie frdher, auch jetzt das ihrige bettrug, und 
amth I^M siitd die tnscMptionen noch nicht einmal sowert beendigt, dass 
uraki «tfl i»bffi|f6rinass€fn trioheres Urtheü dardber fäHen könnte. Weit ttefeir 
Ute dim» greift aber der Verhii^t ton vier Lehrern ein, der in den letzten 
TugM AMApril^ zumTheil auf das unerwartetste, eintrat: die Amtsentsetzung 
4eT nioff. Haopt^ Jahn und Mommsen, und der Tod des Prof. Kiinze 
C90; lApK). Die eratere erscheint als Foig^ der, auch in politischen Blättern 
Yielbesprdchmtan Untersuchung^ n^elche über die genannten drei Professuren 
uregM BnfhelUgttttg ^an 'den Mntereigni^seh verhanift uhd in der Jahn in 



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252 Co! 

erster, Hdupt und Ifominsen in «weiter Iisstanz in .Mangel mehrern Ver«- 
dachts freigesprochen worden waren. Ein Artikel des ,,Dresdner Journals^^ 
das bekanntlich als ein ministerielles Organ gilt, rechtfertigt diese Absetzung 
als analoge Anwendung der Bestimmung des Staatsdienergesetzes, welche es 
in das Ermessen der Anstellungsbchörde legt, einen Diener zu entlassen, der 
wegen eines wenigstens mit Gefangniss über 6 Monate zu bestrafenden Ver- 
brechens belangt und nur in Mangel mehrern Verdachts freigesprochen 
worden ist. Ein Correspondent der A. Z. fand in diesem Verfahren den 
Ausdruck einer gehässigen Tendenzpolitik und beklagte diese Opfer einer 
„krankhaften Restaurationsmanio'^ im Interesse der Wissenschaft und der 
öffentlichen Moral. Das Dr. J. erwiedert hierauf: „Soll die Regierung Un- 
bescholtenheit nur von den Lehrern in den niedern Schulen fordern und bei 
Beurtheilung der Lehrer an der Hochschule laxem Grundsätzen folgen? 
Soll sie es übersehen, wenn die Professoren an der Universttat der akade- 
mischen Jugend mit schlimmem Beispiele vorangehen, dieselbe durch ihr 
Treiben irre leiten? Schwerlich wurde sie dadurch das „Interesse der 
Wissenschaft'^ fördern, wohl aber durch solche Träger der Wissenschaft 
den Staat in Gefahr bringen'^ Wir stellen diese verschiedenen Ansichten, 
die naturlich auch hier in den verschiedenen Kreisen ihre Vertreter und^ ihre 
Gegner finden, einfach nebeneinander, ohne durch Hinzufugang eines eigenen 
Urtheils influiren oder provociren zu wollen. Was die Rückwirkung auf die 
Universität anlangt, also das eigentlich Praktische dieser Massregel, so wird 
allerdings der Verlust Haupts am schwersten empfunden werden, da er .schon 
eine lange Reihe von Jahren mit vielem BeifaU und zwar ebensowohl itn 
Fache der altdeutschen, selbst altfranzösischen, wie in dem der classischen 
Philologie wirkte; es wird jedenfalls schwer sein, einen Gelehrten an seiner 
Statt zu gewinnen, der in gleicher Weise auf beiden Gebieten einheimisch 
und tüchtig wäre. Enger begrenzt war der Wirkungskreis Jahns als Pro- 
fessors der classischen Alterthumswissenschaft: er hat den Boden für das 
Studium dieser Wissenschaft, den sein Vorgänger, der unermüdlich forschende 
Becker, eigentlich zuerst auf unserer Universität in einem dem jetzigen 
Wissen angemessenen Sinne geebnet hatte, mit Geschick und Geschmack 
weiter cultivirt, ohne aber ausscrge wohnliche Resultate zu erzielen, wie diess 
übrigens bei der geringen Frequenz dieses Fachstudiums auch nur unter 
besondem Voraussetzungen hatte geschehen können. In noch geringerm 
Grade ist dasselbe zu unserm Bedauern von Mommsen zu sagen; wir sagen: 
zu unserm Bedauern ; denn es ist nicht zu verkennen, dass Mommsens Kennt- 
nissreichthum, Denkschärfe und Ausdrucksfeinheit ihn vollkommen befähigt 
hatten, eine reichere Wirksamkeit zu entwickeln, als die Verhältnissse ihm 
gestatteten. Wir erinnern uns recht wohl, wie mannichfachen Anfechtungen 
die Berufung M/s im Sommer 1848 ausgesetzt war; Pfordten, von dem sie 
ausging, beabsiehtigte, in ihm einen Supplenten für die durch seinen eigenen 
Weggang nach Dresden erledigte (und noch jetzt nicht besetzte) Professur 
der Pandekten^ zu erlangen; man sah es mehrerseits als einen Missgriff an, 
dazu einen nur durch einige kleinere rechtsgesohichtiiche Specialarbeiten 
bekannten jungen Gelehrten zu wählen. Hat nun M. sich auch seitdem nur 
höchstens auf den Gränzgebieten der Rechtswissenschaft, ja z. Th. auf ziem- 
lich davon entfernten Feldern als tüchtiger Forscher weiter bewährt, so lisst 
doch seine sonstige Persönlichkeit keinen Zweifel übrig, dass er vollkommen 
im Stande gewesen wäre, auch als akademischer Lehrer im Fache des römi- 
schen Rechts mit Erfolg und Glück zu wirken, wenn — die Verhältnisse 



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(idi mms es wiederlioleii) es gestattet hatten. Und ^ diese ,,Verhältnisse^S 
unter deren Druck auch alle übrigen, in gleicher Slcllung mit H. beßndlichen 
Lehrer seit 1848 zu leiden haben, rucksichtlich deren also auf diesen sp 
wenig als auf jene eine Schuld fällt und von denen wir nur dringend wün- 
schen können, dass sie bald sich ändern mögen, ehe die ohnehin jetzt schon 
auf drei active Lehrer -zusammengeschmolzene Zahl der dieser Classe Ange- 
hörigen sieh noch mehr mindert, bestehen unseres Dafürhaltens in nichts 
Anderm, als in dem Hissverhältniss, dass durch das seit Aufhebung des sg« 
CoUegienzwanges aufs schärfste hervorgetretene Übergewicht derjenigen Pro- 
fessoren der juristischen Facultät, welche zugleich Mitglieder der juristischen 
Präfahgscommission sind, herbeigeführt ist. Der Verf. dieser Zeilen hat 
im J. 1848 selbst berufener Massen sein Votum für Aufhebung des CoUegien- 
zwangs abgegeben und er hält an der Überzeugung von der Richtigkeit des 
Princips dieser Massregel noch jetzt fest; aber eben so fest hat sich bei 
ihm auch die Überzeugung begründet, dass das Vertrauen zu einer selbst- 
ständigen, umsichtigen und erschöpfenden Eigenwahl der zu hörenden Vor- 
lesungen erfahrungsmässig viel zu sehr getäuscht wird, als dass, es nicht die 
Pflicht der Studienverwaltuugsbehörde wäre, für diese Wahl und für die so 
eben aufgeführten Erfordernisse derselben anderweite Garantieen zu beschaffen. 
Diese können nach Lage der Sache nur in zwei mit einander zusammen- 
hängenden Massregeln gefunden werden: darin, dass unter die Gegenstände 
der am Schlüsse des akadepiischen Studiums statt findenden Prüfung alle 
wichtigern Zweige der Rechtswissenschaft aufgenommen werden, und darin, 
dass der Kreis der zur Abnahme dieser Prüfung Berufenen über die Zahl 
der ordentlichen Professoren hinaus erweitert und wenigstens auf die dem 
Dienstalter nach altern ausserordentlichen Professoren ausgedehnt wird. Wir 
wollen damit so wenig einer ungebührlichen Ausdehnung als einer Ober- 
flächlichkeit der Examina das Wort reden : wir meinen vielmehr, dass keines- 
wegs über alle jene Gegenstände oder von allen Examinatoren jedesmal 
examinirt werden soll, sondern dass in erstcrer Beziehung ein sich bald von 
selbst regulirendes freies Ermessen, in letzterer ein bestimmter Turnus ein* 
treten soll. Dass wir aber damit nichts Aussergowöhnliches verlangen, dafür 
zeugt der Vorgang gleicher Art in der Einrichtung der theoretischen Prü- 
fungen, der sich seit Jahren sehr bewährt hat. Ohne eine solche Änderung 
wird die Vis inertiae ihre volle Kraft in immer bedenklicherm Masse ent- 
wickeln; es werden nur die allerwichtigsten und dringendst nöthigen oder 
doch dafür angesehenen Vorlesungen und auch diese nur bei den Examina- 
toren gehört werden und daneben höchstens noch die eine oder die andere 
kleine Gralisvorlesung, für welche sich erfahrungsmässig und erweislich zu 
allermeist nur Solche als Zuhörer aufschreiben, die dadurch nur das Testat, 
dass sie actu stndentes seien, erlangen wollen, so dass die Zahl der wirk- 
lichen Zuhörer in diesen Vorlesungen nach wenig Stunden auf ein kärgliches 
Minimum herabsinkt und die beabsichtigte Täuschung eclatant ist. Alle, wenn 
auch noch so wichtigen und vor 1848 von zahlreichen Zuhörern regelmässig 
besuchten Vorlesungen über Tbeile der Rechtswissenschaft, die nicht für 
ganz prtncipale gehalten werden, ja selbst Vorlesungen über anerkannte 
Hauptbranchen bei nicht examinirenden Professoren kommen so gut wie rar 
nicht vor. Ein Blick auf die Dürftigkeit der juristischen Abtheilung des 
Lectionskatalogs bezeugt schon Vieles von dem Gesagten; mehr freilich und 
das Entscheidendere würde ein Bück in die Listen der wirklich gehaltenen 
Vorlesungen bezeugen. — Im Gegensatze zu den eben besprochenen Ver-* 



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lui^t^ m^^Ybr üfAvbrAUi (flyei* IfiltItT« behaRfe N% IVkfr tw, 1bll«il eMtoit 
beisondern Nekrolog zu geb^n) htft dieselbe in äen eiisleii WoSheft di6s«i 
Semesters eitiert ZuiVachs durch drei junge Gelehrte erhaflten^ Weldie im 
Fachi3 der tnädictnischeii und Natär^isseiiischa&en sfeh tfs ^rtvaüdbc^irt»! 
häbilHirten qr(I detien allen eine seht göhstfge Vormeitiung ikr&f TiHAtigkelt 
iut Seite steht. Es sind die Herren: Dr. d' Arrest, ObseTvater an i^ 
hiesigen Univer5i4atsslernvrarte, der eine Dissertation „tber das Sfstlg^n i0t 
kleinen Periphef eil zwiiscben Kars find Jnpiter*^ vertfaeid(gle;Dr;(li]d.Wa|fnef) 
der bisherig'e Assistenten unseres Erdfiianns chemlsehem Labotat^fimii (aber 
uelches Sie unlängst einen ausführlichen Bericht teröflbntikhieti}, det j,irber 
äie Zerselzungsproducte der MonngerbsHure'^ geschrieben halte, und ^ in 
der medicinischen Pacultät — Dr. V. Carus. Dem Vernehmen nach steheti 
noch zwei Habilitationen im Fache der Chemie und Physiotogfe ttai^hi^ieflfi 
tu erwarten und so steht uns (&r das naturwlss*eABchaft)tche Studium die 
EntfaKung eines recht reichen akademischen Leb^s t^ erwarlen. — löh 
scbliesse diesen Bericht mit der BeUierkung, dass di^ ErneHnutig des ausser-^ 
ordentl. Professors der Theologie Dr. tischendorf 2füm oMenll. Ho^d^r^- 
professor, die ich schon in einem frühem Berichte (S. 119 d. El.) als Voralis- 
sfchtKch meldete, seitde;n erfolgt ist. 

N. S. Oeffentliche Blätter meldetet! bei Erwthttung einer Riöde, iie 
Wächter in Tübingen neulich gehalten, dass der Ruf an eine anden^UM- 
tersitat, dessen er als eines von ihm abgelehhbftu darin geducht, vOn dei" 
sächsischen Regterung ergangen sei. Ich bin so wenSg in der Lag^, dfcsä 
bestimmter bestätigen, als widersprechen zu können. Dass ilj^an an eine 
Wiederbe^ctzuhg der Pandekten -Professur neueHich gedacht hat, Mi^^ 
nicht zu bezweifeln srefn; andererseits hat es mit dersel^n seilte eigenth«in- 
fichen Schwierigkeiten, da nicht bloss die Professoren des rS^lnischen RechlS 
CAd. Schilling) und der Quellenkunde und juristischen Literaturgeschichte 
(I^änel), sondern auch der Prof. des Griminairechts (Marezoll) regelmlissig 
mit den YorträgeYi aber Institutionen tind Pandekten alterniren, so da^s ta 
diesem Fache den Bedürfnisseu der Stndirenden vielleicht votlistaMiger ühd 
mannichfaltiger, als in irgend einer andern juristischen frranche genfigt ist 
Zudem wörde gerade Wächter, in so dankbarem und verdientem Aftdenkea 
seine frifkere hiesige Wirksamkeit noch ist, jetzt auch itn <crimfnalistis^beh 
Fache an Marezoll eine Concnrrenz halben, wie sie i83S-^36 nicht Vorhaitdeft 
war. So vit^l dürfte übrigens gewiss sein , dass Wächters Anwesenheit hier 
Wthrend der verwicheneh Ferien durch Familien-Angelegenheiten ItiOtiviH War. 

0. Königsberg, den 9. Mai. (Uhiierilr. Attentat auf dr« adnigl. BitilldtMt. THfd 

mudeK trt^nttn cifcr univcrsfMt. Lobfck.) Am 33. V. M. bat ulM CousialorialMiA 
Lehn'erdt veH^si^en. Bei seiner Abscteiedspredigt am zweiten Peiertiif^, 
$0 wie in den derselben vorhergegangeilen letzten Predigten war i^ Zudrartf 
S^cfiner Gemeinde ganz ausserordenflicb, die Röhrung ut^ Trauer Mer 4^ 
Verlust des Mannes allgemein. Dieselbe Theihiahme aSdigte ykt am 93. 
Abends, als er seine Reise nach Beriin antrat^ der gro^ae, ungennreln g^*^ 
rMmige Posiplatz war trotz der ungfihsligen Witterung mit L'^ttten ^ang^fM!« 
Sie ihm ihre Segenswünsche mit auf den Wifg gäben. Seine budeiJt€ftd§ 
Bfbliothvk ist ihm bereits gefolgt und seine Familie wii'd demnächst vnb hier 
abgeben. — Unsere Universität ist einem ihr von rueirtosert Mene^chen ^o"* 
abdachten Vertust kürzlich glücklich entgangen. Bin Alteniat, ^^ einten ffir 
ganz Ostw Und Westpreussen unetsetzlichen Kachtheil bei-ef^m kannte ^ ist 
gKkfclMfter Weise ni^ht gelungen. In lier Nacht vom 80. ttUT'lett 21* Apr^H 



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ConBAMIOIldtfM. fl&& 

also s&wMm «Mb i^inihfil Osterfoiertfigra, ii:»rOT Piebe Ui ws«ra Hömgl^ 
Bibljotb^k eingebrcM^bea, w^hrsch^inliob niobt obae Ahnung von dem Vor<? 
baiHten^elfi des koiugU Munzcabinels mid der berühmten Markgräfl. Albrecl|t«> 
§ehii%, Silberbibiiol,hek; wenigstens lassen die Anstrengungen der Diebe und 
die C^MMÜgk^it.t mit der i^ie gesiecht b^^hen, darauf scbliessen, dass ihr 
AMge^m^rk nicht auf Bucber gerichtet wa^. Zuerst rissen sie an einem d^r 
Kelle^fensler die dicken eisernen Traiilen los und drangen dann durch den 
9Üt mehrern Versphlageid versehenen K^Uerrauin bis zur Eingangslbure im 
Haiis|l«r, trotzdem d^i^s der Keller mehr als bis i(ur h^lb^^n !M.anncsh&he mi^ 
Was&er gef^lU is) i|u4 d^s Öffnen der im tiefen Wasser aufgequol|eqei| 
ilin^rfl Yef&chlage ihnen gewiss nicht geringe Muhe verursacht bat. Anderfhr 
tbeils aber haben die Diebe mit solcher Genauigkeit gesucht, dass nur di^ 
^ioe Hailfte des ifiittlei^n der drei Stockwerke und die untere Etage un** 
eröffnet geblieben §ind, aber selbst der Boden nicht ohne Revision geblieben 
ist, V09 wo sie, vermutUicb aus Ärg«r über ihre getäuschten Erwartungen, 
einige dem ^asteHan gehörigo Bettln und Kleider milgenommen haben. Sq 
hat d^nn die köaigl, Bibliothek gelbst glücklicher Weis^ nur einen geringen 
Verlust erlitte«, da sich bis jetzt kein Defect ein Büchern hat auifinden lassen 
mcl ngr die im Hqusflnr befindliche Fenerspritz^ zerstört nnd die Metall-i 
bestandtheile derselben entwendet sind; dagegen erlitt die in der ein§# 
Balfle dea obi^rsten Stockwerkes aufgestellte Uagistratsbibliothek den Ver- 
ln§t^ ^wa4<^r wertbvoilen goldenen Antiqnit^ten , eines alten Zauberringe^ 
Wd ^ef alt^ goktenen Medaille, 4'i^ sich beide iip ^^Erlenterten Preussen'-* 
Sd. 9 ^ 286 nnd in „ Harlkno^^h's pr^uss. Kirchenbii^torie", Frankfurt un4 
V^yig 1686, Pi 4ä7, beschrieben und abgebildet finden. I^icb^sdeslowenige^ 
wjr^ d(^r Verinst leiobt ein nn^rsetzburer gewesen ^ abgesehen von all' d^ 
I^Qstbark^iten, di^ die Beut^ d(?r Diebe hatten werden können. Denn in def 
stp^^fißstern Npobt, in der dies()lben nQth wendiger Weise Licht brennen 
mni^ien, und, wie ßn scheint, sogar in allen Zimmern ziemlich i^n gleicher 
Zeil brf^npiten, wi^f die F^ei^sgefahr für das Gebäude eine sehr bedeutende) 
ynd ^ iat gera^dezu als ein Wunder zu betrachten, dass kein Feuer ent- 
stnnd^ i^) wenn man die ^u ganzen Hunderten in ^Uen Zimmern zerstreu- 
ten und vielfach ^ngebrann^n und mit abgeriebenen Köpfeben selbst zwisphpn 
nlten F^Haaten gefundene Zündhölzchen berücksichtigt,- die ofiTenbar angeriebeii 
und W balbbrennend, wie sie waren, hingeworfen wurden, wohin sie gerad^ 
Selen* iSi^ ^b^n solches Wunder aber, dfis fast auf ein Einverstandniss mij( 
d^n NafÄlwäcbtern sqhliessen lässt, ist es, dass von keinem dersielben ein 
Licbtiu^ein benußrkt worden, troMem, dasf SQgar die meisten der dnrcbr 
suipht^n nnd erlQni:^htet gewesenen Zimnier nach der Strassen fronte des Gcit 
bfiacto^ g^leg#n sind, -r- Am D<>nnerstag den 24. v. Sf. hielt Hr. Dr. Fried'»- 
)lin4^r ein^ Vortrag in d^r ötfentlichen Sitzung der königl. deutschen 
G|f«e)lacbaft , in dem er uns „Bilder aus dem geselligen Lehen Kom's ini 
\. Jahrhunderte der Kai^er^it'^ enlwiirf, und worin der Redner ebensn ein 
ruhmliches Zeugniss für seine gründliche Kenntniss der darauf bezüglichen 
römischen Classik^r ablagt, wie sein geschmackvoller Vortrag, der mit einer 
H^ge aus jenen Sichrlftstellern geschöpften heitern und witzigen S(it^fi 
nusgesotpanckt war, da^i zahlreich versammelte Publicuni fast zwe^i Stunden 
lündiurcb m fesseln vermochte. Hr. Dr. Friedlander gehört zu uns^rn jung<^P 
UiMiverait(mlehrarnii die unter Lehrs und Lobecks Aegide viel verspr^chent 
lind Sef^penl glanb^ nicht zu irren wenn (?r meint, dasa derselbe yiell^icbl 
^Qkovk ig f^r kmz^ Zeit unter d^ 6xtr«ordinarien v^ nnsjerm L^cA^an^rt 



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256 Corretpondeni«. 

kalaloge zu finden sein werde. — Unsere Universität hat eiii«n, wie es 
scheint, im Verhältniss zu der Zahl der Abgegangenen nicht unbedeutenden 
Zuwachs erhalten und die Vorlesungen an derselben haben wieder ihren 
regehnässigen Anfang genommen. Einem Gerächte zuielge sind unsere 
Studentenverbindungen von der Polizei aufgefordert, sich dem Vereinsgeset^e 
zu fugen und desshalb ihre Comtnents zur betreffisnden Revision einzusenden, 
sollen aber, wie hinzugefügt wird, statt der verlangten Statuten nur ihre 
sogenannten Biercomments vorgelegt haben. — Meine neulich in Betreff des 
Geh. R. Lobeck Ihnen' mitgetheilte Notiz kann ich zwar nicht direct Wider- 
rufen, indess bin ich höchst wahrscheinlich durch eine Erfindung mötjsiger 
Köpfe getäuscht worden, da es sogar noch sehr zweifelhaft ist, ob derselbe 
überhaupt einmal nur Urlaub zu einer Reise in die Heimath nehmen werde, 
weil er dem durch den Tod des Arcliivraths Dr. Faber zusammengeschmolzenen 
ßibliothekspersonale nicht auch noch seine Arbeitskraft als Oberbibliothekar 
entziehen will und bis jetzt noch immer nicht zu hören ist, dass die erledigte 
Stelle werde wieder besetzt werden. Übrigens aber haben wir Aussiebt, 
dass auch unsere königl. Bibiibthek endlich einmal jährlich bestimmte Ferien 
bekommen werde, was bis dahin nicht der FhII war, und dann würde Geb.R. 
Lobeck auch ohne Nachtheil für die Bibliotheksarbeiten seilte Reise nach 
Deutschland nicht aufgeben dürfen. 

T. Innsbruck, Anfang Mai. (Leutner f. Albert JÄger. Plrilllp«. Moy. Die StaaU- 

prüfuiifien.) In mcincm letzten Schreiben sprach ich die HoShung aus, dass 
Lentner im Sommersemester Vorträge über deutsche Literatur an unserer 
Universität halten werde. Diese Hofiiiung war nichtig. Lentner ist in Meran 
gestorben. Seine Freunde beschäftigen sich bereits mit der Herausgabe einer 
Biographie desselben und seiner hinterlassenen Schriften. Nachdem unser 
Landsmann Albert Jäger, Mitglied der Münchner Akademie, in Innsbruck 
zum Doctor der Philosophie creirt ist, dürfen wir vielleicht hoffen, dass er 
von Meran zurückkehren und hier den unbesetzten Lehrstuhl der Geschichte 
einnehmen werde. Phillips, den das Gerücht nach Wien gerufen hatte, 
ist am 29. April von München zurückgekehrt, um seine Vorlesungen wieder 
aufzunehmen. Auch Moy soll an hiesiger Universität den Lehrstuhl wieder 
betreten. Die „Tyroler Zeitung" berichtet: SQebon vernehmen wir aus guter 
Quelle, dass der Hr. Minister des Innern das Vorhaben, eine katholische 
Universität zu gründen, deutlich zu erkennen gegeben und atidh die Ansicht 
ausgesprochen hat, dieselbe nach Innsbruck zu verlegen." Freilich weiss ich 
nicht, wodurch sich die neue Universität von der alten unterscheiden sollte. 
Jedenfalls aber würde das Land die Completirung unserer so schwach be- 
setzten Lehranstalt mit Freude begrüssen. — Die Staatsprüfungen für die 
Juristen sind nun im vollen Gange. Die meisten Candidaten machen die 
speicielle vor der allgemeinen, weil letztere als die schwierigere angesehen 
wird. Durchgefallen sind bis jetzt nur zwei, was der hiesigen Studenten- 
schaft gewiss zur Ehre gereicht, da die Prüfungen im Rufe gerechter Strenge 
stehen. 

f.i, Dorpat, Anfang April. cuniversitätsstatHtik.) Am Schlüsse des Jahres 
1850 war der Bestand des Universitätspersonals in Dorpat folgender: Ordent- 
liche Professoren 30; ausserordentliche 4; Privatdocenten 6; Lehrer der 
Sprachen und Künste 11 ; sonstige Beamten und OfTicianten 31; Studirende 620; 
davon gebürtig aus Livland 214, aus Esthland 58, aus Curiand 140, aus an* 
dern Theilen des Reiches 201, aus dem Auslande 7; davon gehören zur 
theologischen Facultät 84, zur juristischen 120, zur medicinisc^ 236/ zur 



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Allgemeioe CbmupondeDi. )57 

bisloriscii-phflolog^ischeh 98, zur physiho-matliematischeii 82. Anlangend dte 
üniversititsinstltote nnd wissenschaftlichen Sammlungen, wurden in den klini- 
schen Anstalten arztlieh behandelt: in der therapeutischen Abtheilung 454 
stationdre, 1506 ambulatorische und 1025 poliklinische Kratike; in der chi- 
rurgischen Abtheilung 139 stationäre, 2000 ambulatorische und 130 poli- 
Uiniscl^e Kranke; in der geburtshulflichen AnstaU 51 Frauen entbundeh. 
Ausserdem wurden in der unter Leitung des Professors der Staatsarznei- 
künde stehenden Abtheilung des hiesigen Centralhospitals 513 Krankheitsfälle 
zum Unterricht der Medicin Studirenden benutzt. Die Universitatsbibliothi^k 
zählte 82777 Bande; das physikalische Cabinet 872, das chemische 1551 
Apparate, das geologische 9537 Naturalien, das mathematische 104 und die 
Sternwarte 148 Instrumente, das ökonomisch -technologische Cabinet 1054 
ModeRe und Apparate; die Sammlung für menschliche Anatomie 1429, die 
Sammlung für vergleichende Anatomie 1587, das pathologische Cabinet 958, 
das mineralogische 14435, das Kunstmuseum 15736, das Centralmuseum 
vaterländischer Alterthumär 2104, die Zeichncnanstalt 2550^, die pharmako- 
gnostische Sanrartlung 1000 Nunnnem; das pharmaceutische Institut 1611 Ap- 
parate ; der botanische Garten 14327 Arten und Yarietiten lebender POanzen 
und Sämereien. Akademische Grade erhielten in den verschiedenen Facul- 
tSfen: in der theologischen: den Candidatengrad 5, den Studentetigrad 25; 
in der juristischen: den Doctorgrad 1, den Hagistergrad 3, den Candidaten- 
grad i7, den Studentengrad 6; in der medicinischen r die Würde eines 
Medicinalinspectors 1 , eines Aceoucheurs i , eines Kreisarztes 4 , eines 
Doctoris medicinae 16, eines Arztes 4, den Provisorgrad 19, den Grad des 
Apotliekerg^tiiren 38, den Grad einer Hebamme 7; in det historisch-philo- 
logischen: den Magistergrad 1, den Candidatengrad 13, den Studentengrad 3; 
in der physiko-mafhematischen: den Magistergrad 2, den Candidatengrad 14, 
den Sludentengrad 3. Eine Prürung zur Erlangung des Rechts zum hfius- 
Kehen Unterrichte bestanden bei der Universität 33 Personen und für Lehrer- 
stellen an Kronsschulcri 12. Ans dem medicinischen Kronsinstitut wurden 
2 Zöglinge nach absolvirtem Cursus zur Anstellung \tn Dienst entlassen, atfs 
dem theologischen Seminar 1 Kronszdgling zur AilstdTung im geistlichen 
Fache, und aus dem pddagogisi^h - philologischen Sieminvi^ tfateii 4 Zöglinge 
nach vollendetem Gursua aus. 



IV. 

AHseiiieiiie CorrespMdenz. 

Aus Tübingen ist uns ein interessantes Programm über die Aufstellung 
der Universitätsbibliolek zugekommen, in welchem der Oberbibllothekar, Pro- 
fessor Dr. Fallati,, über die durch die allmöhlige Vergrösserung des Biblio- 
thekslocals nothwendig gewordene Umstellung der ausgezeichneten l^ücher- 
&amm!ang den Lehrern der Hochschule Rechenschaft giebt, „um ihnen die 
ifeenützung der Bibliothek an Ort und Stelle zu erleichtern/' Man erkennt 
als ersten Zweck der Universitätsbibliothek deren freieste Benützung durch 
die Lehrer. Diese freieste Benützung ist auch mit der in jeder öffentlichen 
Blblialhek unumgänglich nothwendigeii Ordnung vollkommen vertraglich. Nie- 
mand deitkt daran, den Professoren den Zutritt zu den Bücherschränken zu 

A.kadcBi. MoMtMchrift Mai 1861. M 

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258 Allgemeine Correspondemz. 

verwehren, was mit einer wünschenswertben tücbtigen Benutzung rni Wider- 
spruch stehen wurde. Jeder Lehrer kann aus den Schranken Werke heraus* 
nehmen und im Saale selbst gebrauchen. Nur das fordert die Bibfiotheks« 
Ordnung, dass er sie nicht wieder an ihren Platz selbst re{K»nire. Diess ist 
Sache des Bibliothekspersonals. Das Reponiren durch die Besucher könnte 
dahin führen, dass ein Buch aus Versehen um eine Reihe zu hoch oder zu 
nieder gestellt würde, und in einer grossen Bibliothek ist ein verstelltes 
Buch, bis der Zufall es auflinden lässt, so gut wie verloren. Es hat daher 
ein Mitglied des Bibliothekspersonals vor dem Schlüsse der Bibliothek an 
jedem Abend die Säle zu durchwandern und die aussen liegenden Werke 
an ihre Stelle zu bringen. Das Bibliothekspersonal besteht aus dem Ober- 
bibliothekar: Dr. Fallati (ord. Prof. der staatswirlhschafllichen Facullät), 
den Bibliothekaren: Prof. Dr. Tafel und Dr. Klüpfel; dem Assistenten: 
Jäger; einem Amanuensis: Weiss, einem Diener und einem Aufwärter. 
Im Jahre 1819 wurde der schöne grosse Rittersaal im nördlichen Flügel des 
Schlosses für die Bibliothek eingeräumt, einer der schönsten Bibliothekssäle. 
Seitdem hat sich die Bibliothek so sehr vermehrt, dass jetzt der grösstc 
Theil des geräumigen Schlosses für die Bibliothek verwendet ist. Die Bande- 
zahl beläuft sich auf etwa 200000 Bände gedruckter Bucher, wozu noch 
gegen 50000 Dissertationen und Flugschriften kommen. Die Zahl der Band- 
schriften beträgt etwa 2000, wovon die grosse Hehrzahl den vier letzten 
Jahrhunderten angehört, obwohl darunter auch einige werthvolle aus dem 
frühern Mittelalter stammen, z. B. das Bruchstück eines griechischen Evan- 
geliums Johannis aus dem neunten Jahrhundert, eine Pergamenthandschrift 
mehrerer Dialogen Plato's aus dem 13. Jahrhundert, eine (unvollständige) 
Papierhandschrin des Polybius aus dem vierzehnten Jahrhundert u. s. f. Das 
Werthvollste sind die orientalischen Handschriften , namentlich indische 
(16 Nummern), persische 27, hebräische 5, arabische 22, türkische 13, 
äthiopische und amharische 27. Die regelmässige jährliche Dotation für 
BücheranschaiTungen beträgt gegen 8000 fl.; da indessen auch von Zeit zu 
Zeit Erübrigungen aus andern Zweigen der Universität der Bibliothek zu- 
gewiesen wurden, so sind in manchen Jahren schon 12 — 15000 fl. für Bücher- 
anschaiTungen verwendet worden. Jede der sechs Facultäten disponirt über 
400 fl. jährlich, die medicinische und philosophische über das Doppelte; die 
Hauptsumme bleibt der Bibliotheksverwaltung zur Verfügung, theils für all- 
gemeine Werke, theils für antiquarische Anschafl^ungen. Kataloge sind drei 
vorhanden, zwei alphabetische, wovon der eine in zwölf Foliobänden zum 
Gebrauch des Publicoms bestimmt, der andere auf einzelne Blätter geschrie- 
ben dem Gebrauch der Bibliothekare vorbehalten Ist. Unter Mohls Ober- 
bibliothekariat wurde ein neuer Standkatalog angelegt, welcher zugleich die 
Stelle eines Realkatalogs vertritt. In diesem sind die Bücher in zwölf Haupt- 
abtheilungen : Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften, Philologie, 
Künste, Staatswissenschaften, Geschichte mit ihren Hülfswissenschaften, Theo- 
logie, Rechtswissenschaft, Heilkunde, allgemeine Literatur, Württembergica, 
Manuscripte (A — M.), verzeichnet, welche wieder in eine Reihe von etwa 
200 ünterabtfceilungen zerfallen. Innerhalb der einzelnen Unterabtheilungen 
sind die Bücher weder alphabetisch noch wissenschaftlich geordnet, sondern 
bei den einzelnen Formaten nach der zufälligen Folge der Anschaffung mit 
festen Nummern bezeichnet, aufgestellt und in derselben Ordnung in dem 
Realkatalog aufgeführt. Das Hauptfach wird mit einem grossen Buchstaben, 
die erste Unterabtheilung mit einem kleinen, die weitere mit einer römischen 



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AllgemeiiM Correspondenz. 259 

ZAI, Ais ehaselne Werk mit einer deutschen bezeichnet. Bei der Vertheilung 
der wissenschaftlichen Abtheilungen der Bibliothek in die einzelnen Räume sind 
vier Bestimmungsgrunde massgebend gewesen: 1) die Anforderungen des 
Btbltotheksdienstes, daher namentlich Encyklopädieen und Literärgeschichte 
neben den Verwaltungszimmern stehen; 2) die Rücksicht auf Vereinfachung 
des Geschäfts der neuen Aufstellung, wesshalb einzelne Hauptabtheilungen 
in aren bisherigen Räumen blieben; 3) Hesonderheilen der einzelnen Loca- 
litaty wesshalb z. B. die Hanuscripte in einem Saal mit besonderm Ausgang, 
und da ein grosser Theil der Manuscriple württembergische sind, neben dem 
Saal für Württembergica aufgenommen wurden; 4) das Bestreben, verwandte 
Fächer in unmittelbare Nachbarschaft zu bringen, wesshalb die exaclen Wissen- 
schafken, namentlich Mathematik, alle Naturwissenschaften und die gesammte 
Medicin unmittelbar neben einander stehen, ebenso Jurisprudenz und Staats- 
wissenschaften, ebenso allgemeine Literatur, Philosophie, Philologie, schöne 
Künste und Wissenschaften, Geschichte mit ihren Hülfsfächern — eine Ein- 
richtung, welche die Benützung der Bibliothek in dem Locale selbst unend- 
lich fordert. — Bphorus Ho ff mann hat kurzlich einen Ruf nach Berlin 
erhalten zu einer Dompredigerstelle, verbunden mit der Vorstandschaft eines 
zu grütidenden Predtgerseminars. Er knüpft dem Vernehmen nach sein Blei- 
ben in Tubingen an die Bedingung, dass ihm die Befugniss ertheilt werde, 
das evangelische Seminar, sowie die vier niedern Seminarien, neu zu orga- 
nisiren. — Als niuthmasslichen Nachfolger Reyschers nennt man Gerber 
in Erlangen oder Albrecht in Leipzig. 

Von dem mit grosser Spannung erwarteten Resultat der in Karlsruhe 
abgehaltenen Conferenzen (A. M. S. Nov. 1850 S. 505; März 1851 S. 115) 
über die philosophischen Studien verlautet nunmehr so viel, dass der Unter- 
richt in der Physik und der sg. philosophischen Propädeutik zur Universität 
hinüber wandern, der Lycealcurs weniger abgekürzt, als zusammengezogen 
werden, so dass immerhin das 18. Lebensjahr für den Übergang zur Hoch- 
schule normal bleiben, dafür aber auf der Universität ein philosophischer 
Vorcursus von zwei Semeslern errichtet werden solle, in welchem die Stu- 
denten gezwungen seien, rein philosophische, historische und philologische 
Collegien in bestimmter Anzahl zu hören und am Schlüsse über deren Erfolg 
Rechenschaft abzulegen. Man will demnach den philosophischen Studien durch 
einen auf die Universität zu verlegenden Zwangscursus mit einer am Schlüsse 
stattfindenden Maturitätsprüfung unter die Arme greifen. Wir halten diesen 
GriflTfür einen entschiedenen Missgriff und schliessen uns dem an, was darüber 
kürzlich in der Schw. Kr. gesagt ist: „Immerhin dürfte es ein Gegenstand 
ernster Erwägung für die Universität werden, wie diese Vorcurse in den 
Kreis des akademischen Unterrichts eingeführt werden wollen, ohne als 
Zwangsanstalten mit dem Geist der deutschen Hochschulen in Widerspruch 
zu geratheii, oder in den frühern Missbrauch der zum Heil der betreffenden 
Anstalten aufgehobenen akademischen Vorcurse in blosse Erwerbsquellen für 
einzelne Professoren und zum Verderben der Studirenden umzuschlagen. 
Diese Besorgnisse sind vielleicht übertrieben; kein Urtheilsfähiger wird aber 
läugnen, dass es ein gewagtes Beginnen sei, die Schule auf die Universität 
zu verpflanzen. Alles hat seine Zeit, auch das Lernen, wie das Studiren, 
jedes hat seinen Ort und seine Berechtigung im wissenschaftlichen Leben. 
Fehlt es der Schule oder einzelnen Schulen an tüchtigen Kräften zu bestimm- 
ten Lehraufträgen, so suche man sie, man wird sie finden; ob dieselben 
aber gerade auf den Universitäten für den beabsichtigten Zweck vorräthig 



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seieB, tirfte sich doch nicht von s^dbst TecsJü^^bai; AdK^^MW iM inAmi* 
gründen isl uoch sehr zu bozweifelo, dass dÄo Tafeln dieses gelehrig De<^in^ 
virats (die beiden Referenten des Ministeriums enthielten sjBh der Debmtten) 
alsbald Gesetzeskraft erhalten werden/' Dia Univ^rsjitl^t Heidelberg soH sich 
entschieden gegen das Proj^ct erlart haben, mit w^lcheia mao zn vemlteten 
Einrichtungen zurückkehren will, deren Schädlichkeit in andern Landen (&q 
vor drei Jahren in Bayern) zur Abschaffung des sg. Bi^^nium philoiK>phicttm 
geführt hat. Möge es den Hannern der Wi«aenschafl in Heidelberjg gelingen, 
i\G für wahre philosophische Bildung ebenso wie für di^ Di^idplin dor Stur 
direnden schädliche Einrichtung von ihrer Universität abzuhidtenl 

Am 4. Mai wurde in Heidelberg der von Basel dahin berufeqie Pro* 
fessor der Theologie und Director des evangelischen Predigenseminans 
Dr. Schenkel in der Universitatskirche (St. Peter) feierlich vojrgestellL 
Nach der Vorstellung durch den Prälaten Büffel bestieg Schenkel die Kimzel 
und hielt eine durch Inhalt und Vortrag gleich ausgezeichnete Predigt. — 
Die Zahl der neuangekommenen Studenten soll jene der. abgegai^enen bedeu- 
tend übersteigen; der grösste Theil der Imnoiairiißulirten b^ssleht aust Juristen, 
während Mediciner und Theologen noch nicht viele ai^kooimen sind. Der 
Wunsch, an Tiedeum^ns Stelle einen ausgezeichneten Mann für vergleichende 
Anatomie zu erhalten, wir4l vielfach ausgesprochen. 

In Giessen fürchtet man nicht, dass Lieb ig einem Rufe an die Uni- 
versität Heidelberg folgen dürfte; ihn fessle Dankbarkeit für die durch 
Ludwigs I. Unterstützung erhaltene Ausbildur^, sein Laboratorium, bes&uglipb 
dessen seine Wünsche von der Siaatsregierung und- den Ständen g««ffahrt 
worden seien, endlich die Heimath, der er au,ch durch GrundbosMtz angehöre. 
Dagegen glaubt man, dass Renaud einem Heidelberger Rufe folgen werde. 
Dass in Mainz eine bischöfliche theologische Anstalt, ins Leben getreten, ist 
bekannt. Indessen sind die Verhallnisse noch zu sehr erst in der Entwick- 
lung begriffen , um über den Einfluss dieser Thatsache auf die. katholisch- 
theologische Facultät jetzt schon ein Urtheil zu haben. 

Die Frequenz von Göttingen erhielt mit dem Beginne dieses Semesters 
einen nicht unbeträchtlichen Zuwachs durch Schleswig- Holsteiner, deren 
Universitätsstudien durch den Ausbruch des Kriegs uaterbrocheo worden 
waren. Dieselben sind der Mehrzahl nach Mediciner. — Der Ausgab^o^Etat 
der Universität hat sich für das mit dem 1. Juli ablpufend^ Rec^^ngsjahr 
auf 117462 Tbl. gestellt, wozu noch 3000 Tbl kommen, welche auf Antrag der 
Stande als Zuschuss für die Bibliothek in das Budget aufgenommen wuitien. 
Die Besoldungen für die Lehrer betragen 55691 ThL, wovon 6618 TU. auf 
die theologische, 10100 auf die juristische, 15308 auf die madicinisi^e, 
24965 auf die philosophische Facultät koiQinen. Da in Göttingm 48 Qrdont- 
liche und 17 ausserordentliche Professoren angestellt sind, so betragt im 
Durchschnitt die Besoldung eines Lehrers ohngefähr 856 TM. Der Btfit der 
Bibliothek betragt 9470 Thl. und erhöht sidi durch jenen Zußchnss auf 
12470 Thl, wovon etwas über 3000 Thl a)if Besoldungen des Bibliotheks* 
Personals kommen, so dass für die Realexigenz etwas über 9000 Thlf ver- 
wendet wird. Ditf* Position für die k. Societat der Wis^enscbaftea hßM^ 
1886 Thl Die übrigen Suiimien kommen auf die Attribute. Im Jabjre. IS^V&o 
betrug der Gesammtetat der Universität um 6293 Thl wonigen 

In Berlin hatte die Commission der II Kammer znm Distiplinaqfeseb 
folgenden neuen Paragraph beantragt: „Bis dahin», dass. die DiscipKa beiden 
Uoiveirsltäten. durch das Upterriehtsgiesetz geregelt^ worde^i ei^si^^id^ iii 



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Bfrtmg 4ir IMMilpifMrtrargielieii der UüiveniWMihitor if99^9Mrm md 
FriviitdoceiileQ) in erster Instanz di# VensiaiiHaluiig der ordenllieheii «lud 
MsserordefilUchea Ptofossoren Mter Znlmlt des UnivorsitatBridiiers und untor 
dem Vomls des Reolor» oder Pforeetors der Universitdl. Die Enlacfaeideiif 
ober die Eialeilmig deg DtscipliiMirverrfthrens und die Braemittng des Unier- 
snchuQgncommtaaars stellt dem Minister des Unterrichts ao.'^ Der CuUus«- 
minialer erklärte sieh gegen diesen Antrag. Ende des Jahres 1849 hat>e 
aa( Veranlassui^ des Ctdtnsminiaterittais eine Versanwilang von Prefessoren 
aller Universitiltea statt gefiuideR, denen unter mehrern Fragen aneh die 
vorgelegl worden: 9b es ndUitg sei, den akademischen Behörden eine 
Diaoipitanrgewalt über die Professoren betzulegen? Die Versammlong habe 
diese verneint nnd sich mit den Besliraroiingcn der Verordnung rom 11. Juli 
iSAB ztt£rieden eakiärt. Er sei voltkommen der Ansicht, dass die Universi- 
täten ihren corporativen Charakter bebaHen misslen; aber sie seien »tgleich 
Staatsanstalten und der Staat könne dessfaalb der Oberaufsicht ober sie nicht 
entsagen. Welebe Garantieen biete der Paragraph der Commission für den 
Fall, dass z. B. ein Professor die Vorzuge der Polygamie nicht bloss wissen* 
sebaftlich erdrtem, sondern uytek praktisch bewenien wollte, indem er meh- 
rere Frauen heiratbete, — oder für den Fall, dass. er sich nicht mit wissen- 
sehaftiieben Unterauebungen über die Staatsform der Republik begnügte, 
sondern sich an fbe Spitze eines Insurgentenhaufens stellte, — Falte, die 
doch aneser der geriohtlidien Verfolgung discipUnariscfa geahndet werden 
musslen? Wurde es nicht eine Grausamlu^it sein, einen Mann wie August 
Neander zu nölbigen, über verwickelte Rechtsfragen und Bestrafung eines 
Collegen zu entscheiden? Überdiess müsse man in Betracht ziehen, dass 
es sich hier nicht um eine Entscheidung durch eine Jury, sondern um ein 
förmliches Rechtsverfahren handle, das bei einer so zusammengesetzten 
Disciplinarbehörde von grösstentheils nicht rechtskundigen Mitgliedern zu 
grossen Irrthömern führen würde. Auf diese Rec'y antwortete der Abgeord- 
nete Prof. Urlichs. Die Antrage der Commission seien nicht sowohl aus 
einem Misstrauen gegen das preuss. Cultusministeriom, als aus der Besorg- 
niss hervorgegangen, dass sich fremde Einflüsse zum Nachtheil der Universi- 
täten geltend machen könnten, wie diess durch Verordnung vom Jahre 1822 
geschehen sei. Die praktische Unausführbarkeit der Commissionsanlräge sei 
durch den Herrn Hinister in keiner Weise dargethan. Was die Hinweisung 
auf August Neander betreffe , so erinnere er nur an dessen vortreffliches 
Gutachten gegen das Verbot der Schriften von Straoss. Gegen solche 
exail^itanfte Falle, wie der Hinister sie angefahrt, verleihe das Strafrecht 
ausreichenden Schutz, und ein praktischer Versuch, die Republik durch- 
zulilhren, wurde ohne Zweifel auch den Verlust des Amtes zur Folge hsd)en. 
Wenn man aber die Professoren vor die Diseiplinarbebörden der Provinz 
stellen wollte, so könnte sehr leicht ein neuer Luther sieh der Gefahr aus* 
setaeu, dass seine Thesen von. einem Constabler abgerissen und er oben^« 
drein noch disdpKnarisch bestraft würde. Nachdem der Professor Stenzel' 
für dc^n Commissionsantrag, seine Collegen KeHer und Ohm aber dagegen 
gesprochen, auch der Referent Vincke denselben vertheidigt hatte, entgeg^ 
nete der Minister: wenn, dieser Antrag angenommen wurde, so mnsste sich» 
der Minister des Unterrichts bei Anstellung z. B^ eines Professors der Botanik 
fragen, ob er sich auch zum Beisitzer einer Disciplinarbehörde eigne. Die 
Disciplinargewalt sei in rnbigen Zeiten immer mit Schonung gehandhabt wer*« 
den, dasselbe werde auch künftig geschehen. Aber es Iromme darauf aUf 



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Mt AW gw wil i a 

dass die Regienmg in bewegten Zeilen $e ZAfel der DiteipHiMirgewift streng 
anziehen könne. Vincke entgegnet: nach dem Cammr^ionsantrag gestatte 
die zweite Instanz der Regierang einen Binflttss auf das Discipiinarverfafaren 
gegen Professoren, den er seinerseits schon far viel zu gross halte. Was 
übrigens die gerahmte Milde anlange, so erinnere er an das Beispiel 
de Wette's und vor Allem Arndts. Der Commissionsantrag wurde mit 134 
gegen 123 Stimmen verworfen, ein Schon zurückgezogenes Amendement 
Kellers dagegen, das Beseler wieder aufnimmt, mit 132 gegen 119 Stimmen 
angenommen. Nach demselben sollen bia dahin, dass die Disciplin bei den 
Universitäten durch das Unterrichtsgesetz geregelt worden, in Betreff der 
Disciplinarvergehen der Universitütsldirer in erster Instanz der akademisciie 
Senat entscheiden. — Möller in Halle hat über die von ihm unter«- 
nommene Bearbeitung des Neander'scfaen Nachlasses, namentlich der noch 
ungedruckten Vorlesungen, ein Programm verfasst. Hiernach wird die erste, 
exegetische , Abtheilung Vorlesungen über alle Theile des N« T« , mit Aus-* 
nähme der Apokryphen, von welchen Neander nur die ersten drei Capitel 
zuweilen erkJart hat, umfassen. In der zweiten Abtheilung sollen diejenigen 
historischen Vorlesungen aufgenommen werden, weteke durch das grosse 
kirchengeschichtiiche Werk Neanders nicht entbehrlich gevrorden sind oder 
an dasselbe sich nicht anschliesscn lassen. Dahin gehdren Vorlesuiigen über 
1) Sciagraphie der Kirchengeschichte, 2) Dogmengesohicbte, 3) Gesehicbte 
der christlichen Ethik, 4) über den Gegensatz des Protestantismus zmn Ka- 
tholieismus. Die dritte Abtheilung endlich — die systematiach-theologische — 
wird durch die Vorlesungen über Dogmalik und Ethik gebildet. (A. Z.) 

Aus München wird uns berichtet, dass daselbst die Vorlesungen fast 
sammtlich mit dem 5. Mai begonnen haben. Grosse Theilnahme findet Prof. 
Kaiser wegen des Unfalls, der ihn bei Besichtigung eines neuen Hauses 
betroffen hat; er brach das^Iinke Bein. Die philosophische Facultät soll eine 
neue Lehrkraft erhalten, rndem der Adjunct beim k. Reichsarchiv Hofrath 
Dr. Schlichtegroll zum Honorarprofessor für Archivswissenschaften ernannt 
werden durfte. Der Vincenliusverein beabsichtigt die Gründung eines Kost- 
hauses für unbemittelte Sludirende. Die Professoren Arndts, Döllinger, 
Reithmayr, v. Ringseis und Streber stehen an der Spitze dieses gewiss nach 
den Verbältnissen Münchens sehr wohlthätigen Unternehmens. 

Aus Prag schreibt man uns, dass der bisherige Privatdocent in Göt- 
tingen, Dr. Schwanert, noch in diesem Sommersemester in Prag Instilatio» 
neu des römischen Rechts und ein Publicum lesen werde, unser Correspon- 
dent meldet nicht, ob als Professor. Der Docent des Strafrechts, Wessely, 
der auf langen Reisen besonders das öffentliche und mundliche Strafver- 
fahren studirt hat, ist zur Freude seiner Zuhörer zum ausserordentlichen 
Professor ernannt worden. Das im Aprilhefte der A. M. S. S. 200 gemeldete 
Ausscheiden von Nowak und Hakowiczka hat sk^h bis jetzt nicht bestä- 
tigt. Beide lesen im Sommersemester über finanzpolitische Gegenstände. 
Zugleich berichtigt unser Correspondent einen Irrthum, indem Makowiczka 
nicht, wie er a. a. 0. sagte, früher in Lemberg, sondern in Krakau Pro- 
fessor war. Mit Interesse wird ein Publicum gehört, das Kastl „über das 
Verhaltniss der Kirche zum Staat'^ vorträgt. — Obgleich die Collegienhonorare 
eine ganz neue Einrichtung an den österreichischen Universitäten sind, so 
sollen doch im verflossenen Wintersemester in Prag über 30000 iL an Co!- 
legiengeldern eingegangen sein. 



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AMfimiae GofratpenAHit. M3 

In BriefaB aus Innsbruck herrscht eine grosse Aufregung über dte 
Verweisang des Sladenten Wörz von der Universitäl auf die Dauer eines 
Semesters. Wir haben diese Angelegenheit auch schon wiederholt in öffent- 
lichen Blattern b^rochen gefunden, und wenn die Sache sich wirklich so 
verhalt, wie sie sowohl in letstern als in den uns zugekommenen Briefen 
erzahlt wird, so ist die erwähnte Aufregung sehr erklärlich. Prof. Für hielt 
Vortrage über Göthe's Faust. Aus diesen Vorträgen gab ein Innsbrucker 
Journal (Harfe und Zither) Auszüge. In einer öffentlichen Erklärung des- 
avouirte Prof. Für diese Auszuge, beschuldigte sie greller Unrichtigkeiten 
und verbat sich die Fortsetzung derselben. Eine Correspondenz der Inns- 
bnicker Zeitung reafionstrirte gegen diese Erklärung in etwas bitterer, viel- 
leicht auch kränkender Weise (wir haben diese Correspondenz nicht gesehen 
and enthalten uns daher jedes Urtheils). Im Namen des Correspondenten 
erhielt Prof. Flir einen Privaibrief. Aus Handschri flen vergleich ung wollte 
man die Identität des Slud. Wörz mit dem Correspondenten und dem Brief- 
steller ermittelt haben. Prof. Flir übergab die Sache dem Senat, der gegen 
Wörz eine Disciplinaruntersuchung einleitete. Wörz behauptete dem Senat 
gegenüber dessen Incompetenz und erklärte zugleich, dass aus der Gleich- 
heit der Schrift seine Autorschaft nicht folge, da er diesen Brief ja auch 
für einen Freund geschrieben haben könne, der unbekannt bleiben wolle. 
Jedeftfialis versichert die Innsbrucker Zeitung, dass Wörz nicht der Verfasser 
jener Correspondenz, dass sie den Artikel zu vertreten bereit sei. Gleich- 
wohl wird Wörz, „einer der talentvollsten, gänzlich unbescholtenen und voll- 
kommen ehrenhaften Studirenden ^' von der Universität verwiesen. So wie 
die Sache hier aus öffentlichen Blättern und Privatbriefen dargestellt ist, 
liegt ein Straferkehnlniss vor, ohne dass gegen den Bestraften der Beweis 
einer strafbaren Handlung hergestellt ist, was auch für ein Disciplinar- 
verfahren immerhin unerlässlich ist. Hat sich in den hier erzählten That- 
bestand ein Irrthum eingeschlichen, so wird die A. M. S. eine Berichtigung 
gerne aufnehmen. 

In Zürich wurde am 29. April die 19te Erinnerungsfeier für die Stif- 
tung der Universität gefeiert. Ein Hilstifter derselben, Prof. H ottin ger, 
brachte in seiner Festrede dieses Ereigniss auf höchst anziehende Weise 
mit dem damals bevorstehenden nationalen Feste in Verbindung, indem er 
die Folgen des Eintritts Zürichs in den Bund der Eidgenossen für sein gei- 
stiges und wissenschaftliches Leben nachwies. In seiner von Humanität und 
Patriotismus durchheuchten Darstellung wurden alle Lichtpunkte der wissen- 
schaftlichen Geschichte Zürichs von den Zeiten Karls des Grossen, des Stif- 
. ters des Carolinums, bis auf die Gründung der Hochschule hervorgehoben CA.Z.). 
Als bei dem nationalen Feste ein Schuler des obern Gymnasiums der Eid- 
genossenschaft in dem neuen Bunde ein Hoch gebracht hatte, versicherte 
Dr. Kern in seiner Antwort die jungen Züricher, dass die eidgenössischen 
Behörden die Zierde der neuen Einrichtungen, die eidgenössische Hochschule, 
in nickt gar ferner Zeit herstellen werden und dass Zürich ganz besondere 
Ansprüche darauf habe, welche Worte von den Schülern wie von dem übri- 
gen Publicum mit sturmischem Beifall aufgenommen wurden. In der That 
soll zur Begutachtung der Frage über die Errichtung einer eidgenössischen 
Universität und polytechnischen Schule eine Commission unter dem Präsidium 
des Vorstehers des Departements des Innern, Hrn. Franscini, zusammen- 
treten, welche bestehen soll aus den Herren: Blanchet, Vicepräsident des 
Erziehungsraths des Kantons Waadt, General D uf o ur in Genf, Dr. A. Es eher, 



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Präsident des Regiernifgs- und Er^ebongsraths in ZArlcb, Ptareer PeJerer 
in Ragats, Prof. Pel. Herian in Basel, Regiernngsrath Moacbard, PriBideiit 
des Eniehungsraihs in Bern, Dr. Kasim. Pfyffer in L»zern, Dr. Ravchen*- 
stein in Aarau, Pfarrer Schweizer in Zuricli» Prof. Trexler in Bern. 

In B'asel hielt var 9:ahlreiehen Zuhörern am 8. Mai Prot Auherien 
seine Antrittsvorlesung aber das Verfaftttnies der heil Schrift zur neuem 
Theologie, welche allgemeinen Beifall erlaugte. 

In Bern ist in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai der sehon öfter toft 
ge agte Prof. Wilh.Sn eil gestorben. Er war 1789 in Idstein im Nassauischan 
geboren, studirte in Giessen die Rechte, wurde dann Advocat ki Wiesbaden 
und spfiter an die Universität Dorpat berufen. Ais von der preuss. Regiering 
seine Ausweisung verlangt wurde, erhielt er eine ehrenvolle Entlassung, gingf 
dann In die Schweiz, wo, er zuerst mit Troxier und K. FoUen in Basel, dann 
in Zörich, zuletzt an der Universittt in Bern wrAte. Wissenschaftlich Bedeu«- 
lendes hat er nicht geleistet, dagegen desto mehr als Lehrer, Politiker and 
Pttblicist. Die akademische Jugend wusste er in hohem Grade an sich zu 
fesseln; auch nachdem sie sein Auditorium hinge schon verlassen hatten, 
blieben seine Schüler in Abhängigkeit von ihm. Sein Tod war leicht und 
traf ihn bewussllos. Er hatte sich von dem Nervenfieber und der Gehjrn- 
entzöndung, welche ihn im vorigen Winter an den Rand des Grabes braeh* 
fen, ziemlich erhoH und dachte wieder an Eröffnung seiner Sommervor- 
lesungen» Das Muskelspiel seines athletischen Körpers hatte senie frühere 
Lebendfgkeif und Elaslieitfit wieder erlangt, aber sein Blick war seit der 
loteten Krankheit fortwahrend fieberhaft aufgeregt Sein Ansehlngzaltel am 
schwarzen Brett zeigte Geistesverwirrung, uum) wenn er auf dem SfMzier- 
gang frtthem Bekannten begegnete, dauerte es oft lange, bis er sie erkannte. 
Auf den Wunsch seiner Frau hatte ihn der Regierungsrath in seiner letzten 
Sitzung pensionirt. Die Theinahme an semer Bestattung war von Seiten 
4es Publioums sehr gross. Die oberste Bundesbefaörde vertraten im Leichen* 
conduct der Bundespräsident Munzinger und der Bundesratk Druey. 



ProgniDinieit - Uteratur. 

Münster. A. Progr. für das Sommersemester 16M« Der Verf., Prot 
Dr. Rospatt, behandelt auf 18 Seiten die Frage über die gesetzliche 
Thronfolge der Merovinger. Veranlassung dazu gab ihm die von PUt- 
lips (Angelsächsische Rechtsgeschichte not. 229 ; deutsche Reichs- a. IteeUs- 
geschichte S. 137) aufgestellte Behauptung, dass das frankisdie Reich der 
Merovinger zwar ein Erbreich, aber ein erbliches Wahlr eich, gewesen sei, 
dass nämlich nach dem Tode des Königs jedesmal sein nfichsler waffen- 
fähiger Verwandter, auch mit Ausschliessung seiner mindeijihf^igen Kinder, 
zum Könige gewählt worden sei. Zur Widerlegung dieser Ansieht fibrt der 
Verf. aus den beiden Hauptschriftstellern fiber die Geschichte der Morevuiger, 
Gregor von Tours und Fredegar, die auf die Thronfiotge sich besiehenden 
Stellen von Chlodwig I. bis zum Untergänge der Merovinger der Reihe 
nach wörtlich und mit Erläuterungen an und kommt zu folgendem Resultate: 
Bs kann beine SteUe naohgewiesen werden«') aus- wehdier hetnmgebft) dass 



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FrogmauiMn-UMialiir. 36$ 

der Konigr aas einer tndem FaitiiUe gewibXi worden sei, so lange noeh 
reclitmassigfe Erben aus der Familie der Herovinger lebten, oder dtss in 
der königlichen Familie selbst, so lange ein aach noch ganz minderjähriger 
Sohn des Königs als Brbe vorhanden war, die königliche Wörde mit dessen 
Übergehvng an eilten erwachsenen Verwandten Qbertragcn worden sei. lai 
Gegentbeil war die Regierung in der Familie der Mi*rovinger in der Art 
erblich, dass sie vom Vater auf die Söhne öberging, wobei jedoch das Reieh 
unter die Söhne getheiit wurde. Die frankischen Optimaten aber scheinen 
jedesmal dem Könige gehuldigt au haben, und nichts Anderes als dieses 
bedeuten die bei Fredegar oft vorkommenden Ausdröcke: eievarey atkumert^ 
sfatuere, adsdscere. Spater freilich haben die machtigen Pipine bei dem 
durch die Theilungen des Reiches, durch blutige Familienkriege und Ver* 
wandtenmord geschwächten Regiment der Merovingischcn Könige den Thron 
so ziemlich willkürlich verlieben, an wen sie wollten, aber doch immer ein 
Glied aus der Herovingischen Dynastie gewählt. Alleio dieses Verfahren war 
nicht gesetzlich und galt nicht als Regel für die frühere Zeit, in welcher die 
königliche Gewalt noch ungeschwacht war. 

B. Rede zum Antritt der Professur der Geschichte: De corsica imuia 
a BamaniB capta. 8. 32 Seiten. Von Dr. Rospatt. Durch die wiederholte 
Lectöre des Livius über die von den Römern den Carthaginiensern nach dem 
ersten punischen Kriege entzogenen Lander, wobei dieser Schriftsteller keine 
Erwähnung von Corsica thut, wurde der Verf. auf die Frage über die Resitz- 
nähme dieser losel von Seiten der Römer aufmerksam. Von den neuem 
Historikern behaupten nämlich einige, nach dem Vorgange Schlossers (Uni- 
versalhistorische Übersicht der Geschichte der alten Welt), dass die Carlha- 
ginienser nach Beendigung des ersten punischen Krieges nur allein Sardinien 
mit 1200 Talenten an die Römer hätten abtreten müssen, andere aber sagen, 
dass damals auch die Insel Corsica zugleich mit Sardinien den Römern unter- 
worfen worden sei, in der Meinung, dass auch erstere Insel den Cartha- 
giniensern gehört habe. So Niebuhr (Vorträge über röm. Gesch.) , Heeren 
(Ideen über Politik dcc. der alten Welt) und Andere. Um diese streitige 
Frage zu bereinigen , unterzieht sie der Verf einer genauem Untersuchung. 
Nach Anführung einiger Stellen des Diodor, Strabo, des altern Plinius über 
die geographische und culturhistorische BeschaiTenheit der Insel geht er vea 
Herod. I. 163 an, wo die erste Notiz von Corsica unter dem Namen Kvqvoq 
vorkommt, die einschligigen Stellen der Alten bezuglich der ursprüngUchea 
Einwohner der Insel und ihres spätem Schicksals durch, namentlich seit dem 
ersten punischen Kriege, nach welchem dieselbe in die Gewalt der Römer 
kam. Die Meinung der neuern Historiker, dass Corsica vor dem ersten puni«- 
schen Kriege ganz oder theilweise im Besitze der Carthaginienser gewesen 
sei, wird widerlegt, da keine einzige Stelle der Alten als sicherer Beleg 
für dieselbe angeföhrt werden könne; im Gegentheile gehe aus allen Stellen 
bei PolybittS über die verschiedenen Bündnisse der Römer mit den Cartha- 
giniensern, wobei unter den bezeichneten Besitzungen der letztern Corsica 
gar nicht genannt werde, bei Zonaras, Florus, Eutropius, Polybius, Appfan drc. 
über den ersten punischen Krieg, in welchem Corsica nach langem Still« 
schweigen der Schriftsteller zum erstenmale wieder genannt werde, und über 
den darauffolgenden Frieden, bezüglich dessen stets nur vom Abtreten Sar- 
diniens an die Römer die Rede sei, deutlich hervor, dass die Carthaginienser 
niemals im Besitze von Corsica gewesen seien. Dieses sei im Laufe des 
ersten panischen Krieges von L. Cornelius Scipio 259 v. Chr. erobert worden, 

Akaden. Moflatoschrift. Mai 185 t. M 



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LitMvmr, 

iei in der folgfenden Zeit mebnmib von den SömiHni abgeMien, eher iinnel 
wieder bezwungen wor^len, bis es en^^lich in V^bindting niii Sardiniaii 
im J. 227 V. Cbr. zu einer römischen Provinz gemacbi werden sei und einen 
Prütor als Statthalter erhalten habe. Das Resultat der gaezen UntersucNng 
iel: Tyrrhener un4 Ligtirer hatten Cersica in den älteste« ZeileB inae; di« 
Garthaginienser haben dasselbe niemals weder ganz neeh IheÜweise inae 
gehabt. Diese haben sofort bei Gelegenheit ihres Kampfes mit den Sold* 
lingen in Afrika in dem mit den Römern im J. 238 v. Chr. geschlossenen 
Vertrage diesen nur allein Sardinien ü! ergeben, keineswegs aber Corsica, 
das ihnen nicht gehörte und welches die Rönaer schon im J. 259 an sich 
gebracht haben, worauf sie dasselbe nach mehrmaligem Abfalle im j. 227 
V. Chr. mit Sardinien zu einer förmlichen Provinz machten. Es war übrigens 
nicht leicht, die Corsen im Gehorsam zu erhalten, thetls wegen der gebirgi* 
gen und waldigen Beschaffenheit des Landes, dessen innere Theile noch jetzt 
schwer zu betreten sind, tbeils wegen der Wildheit, Tapferkeit und Freiheits- 
liebe der Einwohner, die auch jetzt noch in ihren Gebirgen^ und Wald- 
schluchten als ein wahres Naturvolk in Ärmlichkeit ohne besondere Civilisa- 
tion und Industrie leben. Daher haben auch die Genueser, die 1284 n.Chr. 
die Insel an sich gerissen hatten, dieselbe niemals in ganz ruhigem Besitze 
gehabt und sie desshalb 1764 den Franzosen überlassen, welche gleichfalls 
lange und kostspielige Kämpfe mit den Einwohnern zu bestehen hatten. 

C. Rede zur Feier des Geburlsfesles des Königs am 15. October 1850 
von Ferd. Deycks. 4. 18 S. Der Redner, ausgehend von dem Thema 
seiner vier Jahre vorher an derselben Stelle gehaltenen Rede: „patriae amorern 
unicuique sacrnm honestumque loco ac tempori, a nulla inter varias civium 
partes ac conditiones, a nuHo praesertim virorum doctorum genere impane 
tiegligi ac postponi^^ führt die seitdem stattgehabten Ereignisse, die Schweizer- 
wirren, die in Italien und Sicilien ausgebrochenen Aufstande, die fl*anzösische 
Revolution und ihren Rückschlag auf Deutschland an seinen Zuhörern vorüber 
um schliesslich zu untersuchen: „quid ex prisca Gennanorum virtute, qnalis 
apud Tacitum aliosque praedicatur scriptores, nostris adhuc temporibus supersit.^ 

D. De conscUntiae moraU» natura atque indole^ commentatio philosophica, 
^a orationem ex lege publioa, ad adipiscendum professoris philosophiae 
«xiraordinarii in academia Moaasteriensi munus, a se habendam indieit ad 
eamque audiendam invitat C. B. Schlüter. Monaslerii 1851. 8. 31 S. Der 
§eit früher Jugend des Augenlichtes beraubte Verf. gebt davon aus, wie die 
Philosophen, von welchen des Volkes Unterweisung und Heil zum grossen 
Theil abhänge, das Meiste zum Umsturz des Staats und der Sittlichkeit durch 
ihre schlechten in unzahligen Tagesschriften verbreiteten Lehren beigeUragea 
hatten. So hebe der Pantheismus alle Religion und Pietät auf und indem er 
4as liberum arbitrium negire, unterwerfe er uns dem blinden Fatura und 
vernichte den letzten Schatten des bonum und aequum. Dem pantheistiscbea 
Konismus sei der noch schlimmere Dualismus nachgefolgt. Der Verf, will die 
Sünden des falschen Monismus und Dualismus in Beziehung auf das Wesen 
^es Gewissens nachweisen und zeigen, wie die Lehre vom Gewissen seit 
Kant durch Fichte, Schelling, Hegel, Strauss, Bauer, Feuerbaeh, Daumer^ 
Stirner gefälscht worden sei. Den Nachweis will er liefern ex historia 
veterum et ex conscientia ratienali. Zur ersten Beweisführung veranlasst 
ihn Hegels Ausspruch, dass die innere Reflexion erst der moralischen Ausr 
bildung der modernen Zeit angehöre, dass der heroische Charakter von der 



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liomse^ttMs der Reue niebts wisse. Der erste Theil ies Beweises gehl roa 
8. »-24, der sweile von S. 24-*31. 

Königsberg. Programiti für das Wintersemester 1^0. Der Inhalt 
hexielit sich aaf die AUeilvng der Adjective in tidr^g und oeidrg^ gegen 
Botimiiiin Gramm, und Andere, weiche sie aHe von €2do^, Gestalt,' Art, ab«* 
leiten and annehmen, dass wdfjg aus asidijg zusammengezogen sei, wogegen 
schon dar veränderte Acoent und der Umstand spreche, dass in diesem Falle 
^ie Goiitraotion von oet anders sei, als z. B. bei Eifiovg^ nlcaeaig dcc. Bs 
werden sodann viele Beispiele von Adjectivis in tudrfg angefahrt, die tbeils 
von Substantiven fan Gen. Plan abstammen und zwar bei den Schriftstellern 
der elassiscben Zeit, theils von Adjectiven, wie bei den spätem Schrift- 
stellern dro. Wir verweisen auf das nur aus zwei Seiten bestehende Pro- 
gramm selbst und begnügen uns mit dieser kurzen Anzeige. — Ein Ein-^ 
ladnngsprogranun von Gh. Aug. Lob eck zur Gedacbtnissfeier von J. Fr. 
V. Rhod und Fr. v. Groeben handelt auf 5 Seiten über die Synkope des 
Jota« — Ein Einladungsprogramm vom Decan der JuristenfacuUat 0. Mejer 
zu einer juristischen Probevorlesung am 7. Sept. 1850 handelt: De Episco- 
purum in Hibemia.nominatione quam vocant domesticam. Durch ein Decrel 
der Congregatio de propag. fide vom Jahre 1829 ist die Bischofswahl in 
Irland dahin regulirt, dass die sdmmtlichen Pfarrer der Diöcese in einer Zu- 
sammenkunft, in welcher wenigstens der vierte Theil erschienen sein muss, 
jeder drei Candidaten wühlen, deren Eigenschaften vom Erzbischof und sei- 
nen Sttifraganen geprüft und deren Namen zunächst der Congregatio de 
propag. ide mitgetheilt werden, damit der Papst aus ihnen den Bischof 
ernenne. Der Verf. weist nun den Zusammenhang nach, aus welchem diese 
eigenthümliche Einrichtung (nominatio domestica und commendatio) hervor- 
gegangen ist. — Ein Programm zur Geburtsfeier des Königs Friedrich 
Wilhelm IV. vom J. 1850 behandelt auf 12 Seiten verschiedene Arten der 
MeAathesis und Hyperthesis einer grossen Anzahl griechischer Worter, welche 
Untersuchungen in einem Programme für das Jahr 1851 zur Gedacbtnissfeier 
der Gründung des Königthums in Preussen im J. 1701 auf 10 Seiten fortr 
gesetzt werden. — Ein Programm für das Jahr 1850 zu derselben Feier 
hatte die Synkope der griechischen Vocabeln zum Gegenstande. — Ein Pro- 
gramm für des Sommersemester 1851 beschäftigt sich auf 2 S. mit der 
Parathesis in den Wörtern avcexQcaog und xceraxQaTogy avaloyog und rnxQa- 
Xcyogj TiiXQcinodagj imtodiivj i^nodiav dfc. 



VI. 

Pmmal^ Notizen. 



In BumI erbietten Privatdoc. Dr. Streul)er und der aus Tübingen dahin 
berufene Lic. Auberlen den Titel als ausserord. Proff. — In Bmm ist Prof. 
Arge'lander zum astronom. Correspondenten von der Pariser Akademie 
der WW. erwählt worden. — In Göttingen wurde PD. Dr. theol. Lüne-^ 
mann zum a. o. Prof. in der theol. F|ic. ernannt. — In Innsbruck erhielt 
Dr. Virg. Ritler v. Mayrhofdn das an der chirurgischen Lehranstalt erledigte 
Lehramt der theer. u. prakt. Geburtshülfe. — In Krakau erhielt das erledigte 
Lehramt der spec. Pathologie und Therapie, dann der med. Klinik Dr. I. Dietl:, 
dermalen Director des Wiedner Bezirkskrankenhauses in Wien ; sodann wurde 



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Mg Aphorismen. «nH eoitrilirfpi Profeüori. 

der Literat A. Walewski zam a. o. Prof. der GescMdite erotint — In 
Leipzig wurde der a. o. Prof. der TheoL Dr.Tischendorf sain ord. Honorar- 
prof. ernannt. — In Lemberg erhielt das Ldiramt der theoret. Medtcin der 
dermalige Supplent derselben Dr. Havranek. — In Paris hat die Akademie 
der WW. die HH. Tiedemann in FrankAirt a. M. und A. Candolle zu 
correspondirenden Mitglieüern erwählt. — In Prag wurde Dr. W. Wessely 
zum a. 0. Prof. des österr. Strafrechts und Strafverfiihrens ernannt. — h 
Würzhiirg wurde der Landgerichtsarzt Dr. Erhard t zim Hoftonirprof. för 
Staatsarzneikunde ernannt. 

In Heidelberg wurde der Prof. der Chemie, Geh. Hofrath Dr. Gmelin, 
auf sein Ansuchen unter Verleihung des Charakters als Geheimeraths IL Cl. 
in Ruhestand versetzt. — In Leipzig wurden die ord. Proff. Dr. Haupt und 
Dr. Jahn und der a. o, Prof. Dr. Hommsen ihrer Ämter entsetzt. — In 
IHlbingen hat Kanzler v. Wächter sein Amt als Kanzler niedergelegt. 

In Heidelberg erhielt Gartendirector Metzger das Rittlsrkreuz des 
Zähr. Low, Ordens. 

In Bona verlor die Universität durch den Tod den Geh. Rath Friedr. 
Nasse am 18/19. April, als sich derselbe eben in Marburg aufhielt. — In 
Leipzig starb am 30. April der ord. Prof. der Botanik und Dir. des botan. 
Gartens Dr. G. Kunze. 

VII. 

Aphorismen eioes emerltirteD Professors. 

Wenn die Katzen hungrig sind, so mausen sie nicht; sind sie aber satt, 
so ist ihnen wohl und sie gehen ihrem Beruf nach. Dem hungrigen Gelehr- 
ten dankt die Wissenschaft nur selten etwas. Hunger und Kummer und 
Nahrungssorgen pressen dem Menschen Alles aus, nur nicht das Sapere. 
Herkt es Euch, die Ihr das Einkommen der Professoren bestimmt und ihnen 
zu wenig anweist, als dass es ihnen wohl werden könnte. 

An manchen Universitäten nannte man „Philosophen^^ jene Studenten, 
die noch nichts zu studiren brauchten. Imcus a non lucende! 

Mancher Universitätslehrer kann den vorjahrigen Lectionskatalog nor 
mit Erröthen lesen; er findet darin die Vorlesungen angezeigt, die er nicht 
gehalten hat. 

Ja für manchen Docenten ist das Vorlesungsverzeichniss zum Voraus 
nur ein Comödienzettel, welcher ein Stück ankündigt, das nicht gespielt wird. 

Wie sich der Geselle zum Jungen, so verhält sich der Student zum 
Schüler. Die freie Arbeit macht den Gesellen, w:ie den Studenten. 

Niemand hat von den VUii$ possessionis eine geistreichere Anwendung 
gemacht, als Göthe. „Das eigentlich wahrhaft Gute, was wir thun'S sagt er, 
geschieht grösstentheils clam, vi, precario. 



Drnek voa F. E. Theia in Wfinburg. 

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(Deatscbe ÜniversitSts-Zeitiug.) - 

tll. Jahrgang*.. jlsftJL« JfnniÜeti. 



t 

liber die HabilKaMon der PrivatdoeeiteDi 

Wer mit den Einrichtungen naher bekannt wird , welche in Betreff der 
Habilitation det Privatdo'centen an den verschiedenen Universitäten Deutsch- 
lands bestehen, muss es beklagen, dass in diesem wichtigen Punkte eine sehr 
mannichfaltige Praxis herrscht. Auf der einen Seite erblickt er eine beinah 
an Gleichgültigkeit streifende Milde in den Voraussetzungen zur Habilitation^ 
auf der andern die Anforderungen an die Kathedercandidaten ungleich höher 
gestellt. Man kann die Voraussetzungen, abgesehen von der wohl überall 
geforderten Unbescholtenheit des frühem Lebenswandels, so classificiren : 

1} Ein bestimmtes Religionsbekenntniss; - ^ 

2) Ablauf einer gewissen Zeit seit der Vollendung der Universitatsstudien^ 

3) Besitz der Doctorwürde; 

4) Vorlegung einer Abhandlung; 

5) Disputation; 

6) Probevorlesung; 

*7) Colloquium mit der Facultät; 

8) Bezahlung eines Honorars für die Habilitation. 

In allen diesen Punkten zeigt sich die grösste Ver^chiedeiiheil. An ieä 
meisten Universitäten ist die Habilitation nicht durch ein bestimmtes RdügioiK^-' 
bekenntniss bedingt; an einigen Wird aussK^liesslich die pre^e^tafntische Con* 
fession gefordert; an andern sind Juden ausdrücklich ausgeschlossen. An deif^ 
einen Universität genügt der Ablauf von zwei, an andern erst d^ Abiraf 
von drei Jahren nach deiii Absolutorium. Für Berlin i^t diese Fotderang 
so ausgedruckt, dass seit der etöieri Immatriculatioii ein vdlles Ouinqüemhivrt* 
verstrichän sein müsse. An manchen Universitäten vei^bindet' sieh mit diesem 
Zeitabtouf nrech eine andere Forderung, indem z. B. in Preussen die Döttoreir 
der Medicjn, um zur Habilitation zugelassen zu vi^erden, die Approbatioii zur 
Praxis eHangt haben müssen, während in Bayern atdi di^ Juristeii die zweite 
Prüfung (den sg. Staais-Concurs) id)solvirt haben sollen. In andern Ländern' 
ist von dieser Forderung keine Rede. An der einen Universität genügt der 
Besitz der Doc torwürde, mag sie wo immer erlangt sein, an uer andeirn 
wn^d'sie liidht efmnal verlangt, an wieder andern fördert man, dass der 
Candidät gerade bei der. Facultät, in der er sich hiafoiiitiren will, auch pro-^ 

Akadem. MvnaCaschrift. Juni 1851. . 85 



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270 Ober die Habilitation der Pravatdoceniea. 

movirt kabe, und wenn dless nicht der Fall, dass dann noch eine Nostri- 
fication stallfinde. Was die Abhandlung betrifft, so giebt es Universitären, 
welche gar keine verlangen, die andern verlangen eine geschriebene, wieder 
andere eine gedruckte. An der einen Universität muss dieselbe von der 
betreffenden Facultat approbirt sein, an einer andern ist diess so wenig 
nöthig, dass sie auch erst nach der Habilitation eingereicht werden darf. 
Zuweilen genügt auch die Vorlegung des ersten gedruckten Bogens. Eine 
öffentliche Disputation wird da gefordert, dort nicht; wo sie gefordert 
wird, findet sie in der Regel über die Abhandlung selbst statt, hin und wieder 
auch nur über Thesen, namentlich da, wo eine Abhandlung nicht, wohl aber 
eine Disputation verlangt wird. Eine Probevorlesung ist nicht überall 
herkömmlich; wo sie gefordert wird, kommt sie in der verschiedensten 
Weise vor. Ein Colloquium kommt hauptsächlich da vor, wo die Dispu- 
tation nicht gefordert oder auch nur als Scheindisputation abgehalten wird. 
Ein Honorar für die Habilitation wird an einigen Universitäten gefordert, wie 
denn z. B. in Halle und Berlin (in Berlin jedenfalls für die juristische Facul- 
tat) eine Remuneration von sechs Friedrichsd'ors zur gleichen Vertheilung 
an die Facultätsmitglieder bei der Einreichung der verlangten schriftlichen 
Specimina, oder bei der Meldung zur Probevorlesung oder dem Colloquium 
eingezogen wird; an andern Universitäten weiss man hievon nichts. Neben 
diesen materiellen Verschiedenheiten ergeben sich auch noch formelle, indem 
an einigen Universitäten die lateinische Sprache für die Habilitationsacte 
gefordert wird, an andern durchaus nicht, indem ferner die Venia legendi 
bald von der betreffenden Facullät ganz selbstständig, bald vom Senat, 
etwa in Verbindung mit dem Kanzler oder Curator der Universität, bald 
endlich vom vorgesetzten Staatsministerium ertheilt wird. Wo das 
letztere der Fall ist, da zeigen sich wieder sehr auffallende Verschiedenheilen. 
Bald ertheilt das Ministerium lediglich die Erlaubniss, sich den Habilitations- 
bedingungen zu unterwerfen, wonach dann die eigentliche Venia von der 
Universitüt (FaciillAt, Senat) verliehen wird, bald aber geht die eigentliche 
Verleihung der Venia legendi erst praestandis praestitis von dem Ministerium 
aus, und da kommt es denn vor, dass jene Verleihung für den Admittirten 
eine Art Freizügigkeit auf den Landesuniversitäten bewirkt, wenigstens in 
der Weise, dass das Ministerium dem Admittirten die Universität anweist, an 
der er lesen soll, so dass, um uns einesr modernen Ausdrucks zu bedienen, 
einer Facuttät ein Privatdocent „octroirt'^ wird, über dessen Habilität sie 
selbst nicht die geringste Erfahrung gemacht hat. 

Wir haben im Vorstehenden die Abweichungen specialisirt, welche uns 
an den verschiedenen Universitäten in Betreff der Habilitation bemerklich 
geworden sind. Leicht möglich, dass. uns die eine oder andere unbekannt 
geblieben oder entgangen ist. Doch das Angeführte deutet zur Genfige an, 
wie wünschenswerth über diesen Gegenstand eine Einigung der Universitäten 
wäre. Freilich sind wir nicht so naiv, zu glauben, es werde eine Uniformität 



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über di« Habilitnion der PrivaldoeenteD. 971 

der Prastationen liabin fobren, dass es für den Kathedercandidaten in Setreff 
der Leichtigkeit oder Schwierigkeit sich zu habilitiren ganz gleichgültig er-* 
scheine, wo er den Act vornehmen möge. Noch weniger möchten wir durch 
die anzustrebende Uniformität eine freilich viel gewünschte oder gar in An-* 
sprach genommene Freizügigkeit der Privatdocenten durch ganz Deutschland 
bevorworlen. In ersterer Beziehung entgeht uns nicht, dass trotz formell 
ganz gleichen Forderungen da leichter, dort schwerer zum Ziele zu gelangen 
sein wird, wie auch das Promovtren zu allen Zeiten an der einen Universität 
leichter oder schwerer war, als an der andern, sogar auf derselben Univer-t 
sität an verschiedenen Facoltaten leichter oder strenger genommen wird. Ja 
diess kann in derselben FacuUat mit deren Mitgliedern wechseln. Es hangt 
diess von der Individualität der Pacoltätsglieder, insbesondere aber von der 
Meinung ab, die über die Bedeutung des Doctorats und Privatdocentenlhutns 
herrschend ist. Wo den Privatdocenten keine oder so gut wie keine Rechte 
eingeräumt werden, da nimmt man es auch begreiflich mit der Erlangung 
dieser Stellung nicht so genau und wir haben schon bei anderer Gelegenheif 
(Univ.-Zeit Jahrg. 1849 S. 270J ausgesprochen, wie jene Freizügigkeil für 
die Privatdocenten ein sehr zweideutiges Geschenk wäre, indem man sie, 
sofern sie Mitglieder aller deutschen Universitäten wurden, um so g'etroster 
an der concreten Universität als Fremdlinge behandeln könnte. Wer überall 
zu Hause ist, ist am Ende nirgend zu Hause, ein Vagabund ! Für die einzelne 
Facultät aber und fär die Universität wäre es denn doch gewiss nicht gleich- 
gültig, wenn eine der Schwesteranslalten nach ihrer derzeitigen Zusammen-»- 
Setzung geneigt wäre, die Mater misericordiae für alle sehwachen Lehramts- 
candidaten zu sein und die deutschen Universitäten mit Privatdocenten zu 
bevölkern, die vielleicht eher als Famuli qualificirt, denn zu Docenten ge- 
eignet wären. Freilich sind wir nicht gemeint, diese Befürchtung ins Extrem 
treiben zu wollen, und so sehr wir überzeugt sind, dass auch bei uniformen 
Habilitationsbedingungen die Ansprüche an die Qualification auf verschiedenen 
Universitäten verschieden bleiben dürften, so halten wir uns andererseits 
doch dessen gewiss, dass eine Gränzlinie sich ziehen würde, hinter der keine 
Facultät mit ihren Ansprüchen zurückbleiben könnte, wenn sie nipht ihren 
ganzen wissenschaftlichen Credit aufs Spiel setzen wollte Nehmen wir z.B. 
an, dass allgemein eine wissenschaftliche Abhandlung gefordert würde, welche 
nach ihrer Approbation gedruckt und in öirenllicber Disputation vertheidigt 
werden müsste, so würde sich jede Facultät wohl hüten, einem Specimen ihr 
Imprimatur zu ertheilen, welches auswärts nur als Testimonium inertiae 
erscheinen müsste. Und hier kommen wir auf den Punkt, den wir für die 
Nothwendigkeit , der Uniformität in den Habililationsbedingungen als den 
eigentlichen Angelpunkt ansehen müssen. Es giebt überall junge Männer,, 
welche invita Minerva die gelehrte Laufbahn betreten möchten. Haben sie 
an einer Facultät, die ihre Privatdocenten ehrt, für ihr Fortkommen bedacht 
ist, ihnen gerne und freiwillig eine gute Stellung, einräumt, aber eben dess- 



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912 fibcur 4m Habflittiton der PrhtttdteeBlai. 

Iwlb siQht jedlm bergdaufeciidn anwisseadeo.oder unnrkseiifichaftUokeii Schreier 
nach Brfullang leerer FormaUläten incardiniri) sondern es mit den Anforde« 
ruQgen an eine wisise^nscbafUichis Abhandlung ehrlich *und ernst nimmt, Fiasco 
gemacht, so ist nichts gewöhnlicher, als dass solche Leute über GbehvoUen, 
Bedrfickung, Engherzigkeit, ja wohl gar Brodneid und Furcht vor Concurren- 
ten schreien, sich an eine Facultät wenden, die es leichter nimmt, vielleicht 
gar keine Abhandlung verlangt, weil sie sich aus ihren Privatdocenten eben 
SO viel wie gar nichts macht, über deren Fortkommen unbekümmert ist und 
den altgewordenen tüchtigen Privatdocenten, dem zufällig keine Erlösung 
dyrcAi eine Vocation geworden isl, so gleichgültig wieder abzieheu sieht, 
me sie An fünfzehn Jahre vorher ankommen sah. Gelingt ^s dem Candidaten, 
dort auf leichte Bedingungen die Venia zu erlangen, womit er freilich nichts 
Ylßitßr erreicht, als die Erlavibniss, seinen Namen mit einigen Vorlesungen in 
den LecUonskatalog zu setzen, so wirfjt er sich nun in die Brust, schmäht 
die FacnUät, die ihn abgewiesen hat, verläumdet ihre Glieder in der Gesell- 
iphaft oder in der schlechtesten Tagespressp, und glaubt den Beweis gefuhrt 
9^ haben, da^s er in N. oder X. gedrückt, verfolgt, misshandelt worden sei. 
Wissen nun auch Kiindige, wie sie diese Jactationen m nehmen haben, so 
wird gleichwohl Unkundigen, und deren ist die Mehrzahl, Sand in die Augen 
gestreut. Piesen gegenüber ist der junge Mann glänzend ' gerechtfertigt, die 
fthrenwf rthen Manner aber, die dem jungen Herrn nicht zu Diensten waren, 
werden in den Kolh gezogen. Glücklicher Weise macht sich der Ehrenmann 
aus solcher Anfeindung nichts und lächelt höchstens dazu, wenn ihm schwarz 
auf weiss bewiesen werden will, dass die Facultät eigentlich gar nicht die 
Cognition über die Zulassung der Privatdocenten haben sollte^). 

Dass man in neuerer Zeit wirklich das Bedürfniss erkannt bat, eine 
Gleichförmigkeit der Habilitationsbedingungen auf allen deutschen Universitä- 
ten anzustreben, dafür gibt der Jenaer Congress sowohl als die Berliner 
€onferenz Zeugniss. Die in Jena für Heidelberg gewählte Commission hat 
ihre Anträge an den Congress in folgenden Beschlüssen formulirt: 

1) Nur Graduirte und zwar nur in Deutschland Graduirte sollen zur Habi- 
litation zugelassen werden. 

2) Es soll als Regel der Zeitraum von einem Jahre zwischen dem Ab- 
gange von der Universität und der Habilitation vorausgesetzt werden. 

3) Es soll eine gedruckte literarische Arbeit von wissenschaftlichem Werth 
verlangt werden. 



*) Diess ist der Zweck einer Flogschrirt unter dem Titel: Die Lern- und LehrCreihei.t in 
Bayern, zunSchst die Habilitation der Privatdocenten an den k. btyyer. Universitäten betreffend. 
Ein Memorandum für die Kammer der Abgeordneten im Jahre 1849. München 1849. Druck 
und Verlag von ^ Georg Franz. 12 & 8. Der Verf. scheint ein in den HabiUtationsIeistaogeo 
^fiüi^nflü^kter Gorrespondeol de» ^,Gradau»V *u sein. 



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Uta* Mh iic&llili4k>B 4tr Primtiicealett. 699 

4) Es soll ein Ck^Hoqiiiuih mit inoräu^sweiser Berüoksiditigang der spe- 
ciellfifi Facber des Lehrenden -^ welches indessen auch mit dem 
Doctorexamen verbunden werden kann, wenn der Pootorand seine 
Absiebt, lesen zu wollen iauss;;)ricbt ^ als Habilitationsbedingung an- 
gesehen werden. 

6) Die Habilitation soll mit einem öffentlichen Act verbunden sein. Es 
so)l aber dem Belieben des Candidaten anheim gestellt werden, ob er 
si<?h lieber einer Probevorlesung oder einer Disputation unterziehen 
wolle. 

6) Es soll der Regierung das Recht nicht vorbehalten bleiben, die Habi- 
litation zu bestätigen. 

7) Die Nostrification soll hinwegfallen. 

8) Bei einer zweiten Habilitation (doch wohl nur in der gleichen Facultat 
einer andern Universität) sollen die bei der ersten verlangten Acte nicht 
von Neuem gefordert werden, insbesondere soll das Colloquium bei 
der zweiten Habilitation erlassen werden. Eine Ausnahme wurde hin- 
sichtlich der Disputation oder P^-obevorlesung gemacht; dieser Act soll 
wiederholt werden müssen. (Vergl. A. M. S. Jahrg, 1850. Maiheft 
S. 204 — 206.) 

Die Berliner Conferenz erklärt es vor Allem als angemessen, die Be- 
dingungen der Habilitation für alle Universitäten (d, h. die preussischen) 
gleichmässig festzusetzen, da alle Universitäten dasselbe Ziel in gleicher 
Weise verfolgen sollen. Zugleich verbreitet sich dieselbe über die Stellung 
der Privatdocenlen im Staat, an der Universität, an der Facultat und über 
das Erlöschen der Venia docendi. Von diesen Puncten ist der letzte hier 
nicht zu übergehen, da er unmittelbar mit der Habilitation zusammenhängt. 
Als Bedingungen für die Habilitation werden gestellt: 

1) Unbescholtener früherer Lebenswandel. 

2) Für den Fall, dass der Ansuchende Staatsdienex ist, Genehmigung zur 
Habilitation von Seilen der vorgesetzten Behörde. 

3) Ablauf von drei Jahren nach Vollendung des vorschriftmassigen 
Trienniums, resp. Quadrienniums. Hieven kann nur auf den Grund 
^ines befürwortenden Gutachtens der die Habilitation vollziehenden 
Facultat der Mipister, jedoch nicht vor Ablauf von zwei Jahren, dis- 
pensiren. 

4) Ausweis, dass der Ansuchende auf einer inländischen Universität rite 
die Doctorwürde erhalten hat. Wenn er diese auf einer ausländischen 
Universität erhalten, so muss seiner Zulassung eine Nostrification vor- 
hergehen. 

5) ' Einreichung einer geschriebenen oder gedruckten Abhandlung aus jedem 
der HauplfScher, über welche der Candidat zu lesen gedenkt. ZurBe- 
urtheilung derselben ernennt die Facottät Referenten und entscheidet auf 



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274 Über die HabililetioD der Privatdoceateo* 

Grund des Berichtes derselben über die Zulassung des Ansuchenden zur 
' Habilitation. Doch ist es der Facultät anheimgestellt, ob es einem Privat- 
docenten gestattet sein soll, auch in Fachern zu lehren, auf welche sich 
seine Specimina nicht beziehen. Zu jedem Fache ohne Ausnahme ist 
die Habilitation gestattet. 

6) Die Habilitation selbst besteht in einer Probevorlesung vor der Facultät 
über ein von dieser gestelltes oder genehmigtes Thema, auf welche 
ein Colloquium zur Bestimmung der wissenschaftlichen Qualiflcation des 
Ansuchenden folgt. 

7) Nach Erfüllung vorstehender Leistung hat der Habilitandus noch die 
Verpflichtung, nach Analogie der Antrittsrede der Professoren eine 
öffentliche Vorlesung über ein von der Facultät genehmigtes Thema 
zu halten. 

8) Die Zulassung von Privaldocenlen soll allein von der betreffen- 
den Facultät abhängen, ohne dass dazu auch noch die Genehmigung 
des Senats, Generalconcils oder Ministers erforderlich wäre. 

9) Wegen Versagung der Zulassung zur Habilitation oder wegen Über- 
schreitung der gesetzlichen oder statutenmässigen Anforderungen findet 
ein Recurs an den Minister statt. Vor der Entscheidung muss die 
Facultät gehört werden. Gegen das ürtheil der Facultät über den 
wissenschaftlichen Werth der Leistungen ist ein Recurs unmöglich. 

10) Die Habilitation eines Privatdocenten soll nicht gleiche Geltung für 
alle gleichnamigen Facultäten in Preussen haben. Nur wird jeder 
Facultät das Recht zugestanden, nach ihrem Ermessen die Habilitalions- 
Leistungen in .dem Falle ganz oder theilweise zu erlassen, dass der 
Ansuchende auf einer andern Universität bereits Privatdocent gewesen. 

11) Die Venia legendi soll nicht auf eine bestimmte Zeit ertheilt werden 
und der periodischen Erneuerung nicht bedürfen. 

12) Wenn ein Privatdocent zwei Semester hindurch von seinem Rechte, 
Vorlesunge,n anzukündigen, keinen Gebrauch macht., wird sein Name 
in dem Lectionskatalog und andern Verzeichnissen ausgelassen, auf 
sein Ansuchen aber später wieder aufgenommen. 

13) Die Venia docendi wird in denselben Fällen wieder aufgehoben, re&p. 
suspendirt, in welchen gegen einen Beamten die Entfernung, resp. Sus- 
pension vom Amte ausgesprochen werden müsste oder dürfte. Auch 
kann einem Privatdocenten die Venia docendi von der Facultät wegen 
Verletzung der guten Sitten oder Zuwiderhandlungen gegen die Sta- 
tuten der Universität auf immer oder auf Zeit entzogen werden. Die 
Entscheidung hierüber steht allein der Facultät zu; jedoch soll gegen 
die Entscheidung der Recurs an den Minister mit Suspensiveffect 
gestattet sein. Der Recurs muss binnen längstens acht Tagen bei der 
Facultät angemeldet und justificirt werden. 



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Ober 4m Hftliilltiilion der Prinldeceiilea. 275 

Vergleichen wir die Anirige der Heidelberger Coimnission mit jenen 

der Berliner Conferenz, so tritt, abgesehen von dem grossem Umfang der 

Berliner Antrage, in folgenden Punkten eine Verschiedenheit hervor: 

1) Die Heidelberger Commission begnügt sich mit der Forderung, dass 

der Habilitandas in Deutschland graduirt sei; die Berliner Conferenz 

verlangt, dass er auf einer inländischen Universität promovirt habe. 

23 Die Heidelberger Commission verwirft die Nostrification, die Berliner 

Conferenz verlangt sie fär im (deutsche) Ausland Promevirte. 
3} Die Heidelberger Commission verlangt einen Zeitraum von einem Jahre 
zwischen dem Abgange von der Universität und der Habilitation; die 
Berliner Conferenz setzt diesen Zeitraum auf drei Jahre fest. 

4) Die Heidelberger Commission verlangt eine gedruckte literarische 
Arbeit von wissenschaftlichem Werth; die Berliner Conferenz verlangt 
nicht eine, sondern aus jedem der Hauptfächer, über welche der Privat-* 
docent zu lesen gedenkt, eine geschriebene oder gedruckte Ab- 
handlung. 

5) Die Heidelberger Commission stellt es in das Belieben des Candidaten, 
ob er sich einer öffentlichen Probevorlesung oder einer Disputa- 
tion unterziehen wolle; die Berliner Conferenz erwähnt die Disputation 
gar nicht, sondern beschränkt sich auf die Forderung einer Probe- 
vorlesung vor der Facultät, fordert aber nach dieser noch eine öfTent- 
liehe Antrittsvorlesung. 

6) Die Heidelberger Commission befreit den Privatdocenten , der ^ich an 
einer andern Universität in der gleichen Facultät habilitiren will, jeden- 
falls von dem CoUoquium, verlangt dagegen bestimmt eine Wieder- 
holung der Disputation und Probevorlesung; die Berliner Conferenz 
stellt Alles in das Ermessen der Facultät. 

Insofern in den übrigen Punkten Gleichheit der Ansichten statt findet, 
sind es diese Differenzen zunächst, die wir einer nöhern Untersuchung unter- 
stellen wollen. 

Was den ersten und zweiten Punkt betrilTt, so gehören sie zu-^ 
sammen. Wir gestehen offen, dass wir weder der einen noch der andern 
Ansicht schlechthin beizupflichten wissen. Darin sind wir mit der Heidel- 
berger Commission einverstanden, dass überhaupt auf einer deutschen Uni- 
versität der betreffende Doctorgrad erlangt sein müsse, d. h. aber wohl auf 
einer Universität, die wesentlich deutsch ist, die deutsche Einrichtungen hat. 
Wir könnten nicht den entferntesten Grund einsehen, warum der auf einer 
Jer drei deutschen Universitäten der Schweiz erlangte Doctorgrad weniger 
Werth haben sollte, als der in Heidelberg, oder Marburg, oder Jena u. s. f. 
erlangte. In dieser Beziehung erklären wir uns daher um so mehr gegen 
den in der Berliner Conferenz hervorgetretenen preussisclien Particularismus. 
Es wäre jedenfalls eine gewaltige Überhebung, wenn die preussischen Uni- 
versitäten, die zu einem bedeutenden Theil ihre ausgezeichneten Männer 



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276 Otor die Bsbilitaliöii de^ Pri^MdMentoti. 

YOii undern deatsdien UitiTeitsitaten zu sich- hetangezogen, die gerade darch 
ihre Yocfttienen von „Aualändem^ tum wenfgfsten einen nieht tinbedeuteiH 
den Theil ihrer Blathe eriangt haben, durch ihre Beschränkung auf daä 
jpreussische Inland sämmtlicben übrigen deutschen Universitalen ein^ Hiss- 
trauensvotum geben wollten. Was sOdann die Nosirificatidn betrifft, 
so liegt in der Forderung der Berliner Conferenz, dasis der Zulassung eines 
iin (detttschen) Ausland Promoyiilfen zar Habilitation immer eine NoSIrifica- 
tion vorangehen müsse, wiederum ein Misstrauen gegen die niohtpreussischen 
Universitäten Deulschlandis , wekhes ebensowohl imverdient als anstöi^g ist. 
Die preussische Nostrification setzt ihrem Begriffe nach eine Unvollständig- 
keit der Promotion voraus. Sie besteht darin, dass der Candidal sich über 
das Triennium^ resp. Quadriennium, ausweise, dass er eine vollständige Prü- 
feng in lateinischer Sprache bestehe^ auch ein lateinisches Extemporale 
sd^rifUich ausarbeite,, in dem Beweis, dass er seine Inauguraldissertation 
selbst geschrieben habe, oder wenigstens mit dem Inhalte derselben vollständig 
vertraut sei C^gl. z. B. Circularverfugung vom 16. Dec. 1819 bei Koch: die 
pröQSsischen Universitäten Bd. II. S. 21 X Setzt» man voraus, dass man sich 
zu dem Grade von Einigkeit in Deutschland aufschwingen könne, der eine 
Gleichheit der Anforderungen an die Promotion an allen detttschen Univer- 
sitäten involvirt, so ist die ganze Nostrification überflussig und ihre Forde- 
rang dem „deutschen Auslend^^ gegenüber eine nnnöthige Beleidigung. Aber 
selbst vorausgesetzt, dass jene Einigung zu gleichmässigen Prästationen bei 
der Prometion nicht zu Stande käme, wozu, fragen wir billig, neben der 
Probevorlesung und dem Colloquium nodi eine Nostrification? Dass das 
Trienninm resp. Quadriennium eingehalten sei, halten wir einem Manne gegen- 
ibety der sieh sonst zu habilitiren im Stande ist, für eine Pedanterie und 
jedenfalls, wenn man darauf beharren wollte, würde ein Curriculum vitae 
vollkommen hinreichen, in BetrelT dieser Nostrificationsforderung können 
wir aber ni/obt umhin, die Universitäten auf die Folgen leichtfertiger Pro- 
motionen aufmerksam zu machen und namentlich darauf hinzuweisen, yiie 
miKweickmässig der an einigen Universitäten noch bestehende alte Missbrauch 
ifit^. die Fertigung der Doctordissertation durch den Präsee zu gestatten. 

Was den dritten Punkt betrifft ^ so sind die Heidelberger Commission 
und die Berliner Gonfcrenz darin einverstanden, dass der Ablauf einer be- 
stimmten Zeit zwischen dem Absolutorium und der Habilitation gefordett 
werden soll; nur über die Länge dieser Zeit findet eine Differenz statt. För 
j^ne Forderung lassen sich drei Gründe dei^ken;: 1} der Kathederoandidat 
soU nicht unmittelbar aus dem Studentenleben den Lefarst»M betreten; di^ 
frtudentische Verbinduiig nAt der jetzigen Univensitätsgeneration soll abge- 
brochen, und damit eia Missforauoh abgeschnitten sein, der sich leieht ein- 
sehleicbt 5 und den neuen Privatdocenten sogleicb in eine schiefe Stellung 
bddgt; 2) der Habilitation sott eine den Universitätsstudien naehf!»lgend^ 
n^eb gründüdiere wisfienschaftliebe Vorbereitung vorangehen; 3) der künftige 



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Ober die HaUMMÜMi der FrirMdooenten. fV7 

PriTatdoeent soll sMi ki d«r Praxis ▼ersiidit, etwa anch die flir ^elSrlingviig 
eines Slaatsdienstes geforderten Scrotinien absolvirt haben. Wir sind nun dar 
unmassgeblichen Ansicht, dass aus keinem dieser Grunde die Nothwendigiceit, 
einen ein für allemal bestimmten Zeitraum zwischen dem Absolntoriam omi 
der Habilitation zu fixiren, folgt. Denn was den ersten Grund betrifft, so ist 
die Fixirung eines solchen Zeitraums mdglicherweise sogar illusorisch, sobald 
der aus dem Studentenverband Ausgetretene in der Universitätsstadt bleibt. 
Jeder im Universitätsleben Erfahrene weiss, dass einerseits manche junge 
Männer, obgleich noch Studenten, sich doch schon dem Sludentenleben ent- 
ziehen, andererseits aber auch Manche Jahre lang pis sg. Philister nicht nur 
mit ihren ehemaligen Commilitonen in enger Verbindung bleiben, sondern 
auch mit dem Nachwuchs neue Verbindungen anknöpfen. Was den zweitaa 
Grund betrifft, so beschränken sich Solche, die eine akademische Carriere in 
Aussicht haben, in der Regel doch nicht auf ein Triennium oder Quadriennium. 
Sie finden es vielmehr schon ihrer fortgesetzten Verbindung mit Lehrern der 
Universität halber und um die Attribute der Universität, namentlich die Bi- 
bliothek beqi|emer benutzen zu können, zweckmässig immatriculirt zu bleiben, 
auch schon, um noch diese oder jene Vorlesung, die ober das Brodstudium 
hinausreicht, zu hören. Ist es nun nicht unbillig, einen jungen Mann, der 
vielleicht sechs und mehr Jahre immatriculirt war, von der Habilitation 
zurückzuhalten r bloss uro auf dem einmal fixtrten Zeitraum zu bestehen, 
ja, wie die Berliner Conferenz will, selbst die Dispensation durch das Mini**- 
sterium abzuschneiden, während man Jenem, der so klug war, nach dem 
Triennium seine Matrikel aufzugeben, keine Schwierigkeit macht? Das preus- 
sische Ministerium hatte sich in seinem Rescript vom 16. Decb. 1828 auf 
einen praktisch empfehlungswerthern Standpunkt gestellt, wenn es zwischen 
der ersten Immatriculaiion und der Habilitation den Ablauf eines vollen 
Quinquenniam forderte (Koch a. a. 0. S. 8). Was endlich den dritten 
Grund betrifft, so passt er in Betreff der praktischen Ausbildung auf die 
Habilitation in der philosophischen und theologischen Facultät nicht; er kann 
nur für die juristische und medicintsche Berücksichtigung verdienen. Doch 
ist er auch für diese in vielen Fällen illusorisch, da ein fortgesetztes wissen- 
schaftliches Studium im concreten Fall viel wichtiger und erfolgreicher scirt 
kann, als die Erlangung einer Routine, die häufig für die Wissenschaft gan2 
indifferent ist. Dass der Kathedercandidat die Staatsexamina in seinem Fache 
absolvirt habe^ halten wir theils für seine wissenschaftliche Befähigung ganz 
gleichgültig, und sehen in dieser Forderung eine unnöthige Erschwerung der 
Habilitation, theils lässt sich die Forderung auf die philosophische Facultdt 
in den meisten Fällen gar nicht anwenden. Aus diesen Erwägungen recht- 
fertigt sich wohl der Vorschlag, in das Facultätsstatut die Nothwendigkeit 
für die Facultät aufzunehmen, bei HMbilitationsgesuchen die individuelle, 
wissenschaftliche, sittliche und unter Umständen praktische Reife aufzunehmen, 
die Frage aber, ob diese vorhanden, nicht von dem Ablauf eines bestimmten 

Akadem. Monatoaehrifl. JmU 1861. 86 

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{NB Corr0sp«wl«ls. • 

Zeitraums seit dem Absolutorium abh&ngig zu maeheii, sondern der CognHioo 
der FacuUät anheim zu geben, eYentuell den Zeitraum von der ersten Im- 
matriculatfton bis zur Einreiefaung des Habilitationsgesuchs auf etwa sechs 
Jahre zu bestimmen. 

(Forlsetiung folgt im nächsten Hefte J 



IL 

Gorrespondeiiz. 



y. Tübingen, Anfangs Juni. Frequenz der Universität. Knmmerverhandlungen aber die 

im vorigen Jahre angeordnete Mnturitätspriiaing.) Ich thefle Ihnen, hofFentlich uoch recht- 
zeitig für das Juniheft, die Notizen über "die FrequeniB unserer Univer- 
sität im laufenden Semester mit. Die Gesammtzahl unserer Studenten 
beträgt 768. Davon sind bei der evangelisch- theologischen Facultät 152 
eingeschrieben, darunter 31 Ausländer; bei der katholisch -theologischen 
447, darunter 29 Ausländer; bei der juristischen 187, darunter 21 Aus- 
länder; bei der medicinischen 131, darunter 23 Ausländer; bei der philo- 
sophischen 103, darunter 12 Ausländer; bei der staatswirthschaftlichen 48, 
darunter 3 Ausländer. Da die, Zahl der Studenten im letzten Winter 806 
betrug, so hat sie sich in diesem Semester um 38 vermindert.. Während sich 
die Zahl der evangel. Theologen um 23, jene der katholischen um 16, die 
der Mediciner um 11 vermehrt hat, hat sich die Zahl der Juristen um 13, 
die der Cameralisten und Regiminalisten um 5, die der Philosophen um 70 
vermindert. Die Zunahme in der medicinischea Facultät erklärt sich wohl 
aus der Wiederbesetzung des Lehrstuhls der Klinik, der im Wintersemester 
unbesetzt war. Die Verminderung der Zahl der Juristen, Cameralisten und 
Regiminalisten ist leicht erklärlich, wenn man den Tod Hepps, die Ent- 
fernung Reyschers und den im Anfang des Semesters herrschenden Zweifel 
über Wächters Bleiben erwägt. — Für die Universität war die Sitzung 
der zweiten Kammer vom 2. Juni insofern yon Interesse, als darin über die 
Ministerialverfügung vom 10. Aug. v. J. , die veränderte Einrichtung der 
Maturitätsprüfung für den Besuch der Universität betr., debattirt wurde. Sie 
haben dieselbe in Ihrer A. M. S. Ocloberheft S. 468 mitgetheilt. Zwar die 
Commission fand dabei nichts zu erinnern; allein die Abgeordneten Zimmer- 
mann und Fetz er erklärten sich gegen die Verfugung. Nach Zimmermann 
ist dadurch nicht bloss eine veränderte Prüfung gegeben, sondern eine ganz 
neue neben die alte hingestellt. Fetzer klagte über die durch die Verfügung 
noch erhöhete Examinationsleidenschaft, an der Württemberg schon überreich 
sei. Die Verfügung widerspreche der Verfassung und den Grundrechten. 
Die Abgeordneten v. Buch er und v. Kuhn nahmen sich der Verfügung an. 
letzterer erkennt sie für vollkommen gerechtfertigt und zweckmässig an 
und ersterer findet darin so wenig eine Competenzüberschreitung Seitens 
der Regierung, als ein einseitiges Vorgehen derselben, indem über die Ver- 
fügung eine Commission von Schulmännern befragt worden sei, die sich in 
ihrer Majorität für die Verfügung erklärt habe. Doch ward von der Kammer 
der Antrag Zimmermanns angenommen, die Verfügung der Commission für 
Kirchen- und Schulwesen zur Prüfung und Berichterstattung zu überweisen, 
um vielleicht eine Petition an die Regierung zu richten. 



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OtrrMpoBileDi. 819 

X. 6i essen, Ende Mai. (Die kati»o]ucit.fhtoiogtscha Faeaitut. p«non«H«o.) Bs Wird 
Ihnen interessant sein, das Sefareiben zu erhallen, welches das bischöfliche 
Ordinariat in Mainz an die hiesige theologische Facuitüt, resp. ihren Decan 
gerichtet hat. Es lautet: „Ew. Hoch wurden, sowie den äbrigen Herren 
Professoren der katholisdi-theologisoben Facultat ist es ohne Zweifel langst 
bekannt gewesen, dass unser Hochwürdigster Herr Bischof die Absicht hegte, 
der am hiesigen Seminar befindlichen theologischen Lehranstalt eine für eine 
foHständigo theologische Ausbildung genügende fiinriobtnng zu geben und 
insofern das Studium der Theologie mit dem Alumnate selbst zu verbinden« 
Wenn wir seither aus Granden, welche von selbst einleuchten*, es niohfr 
wünschen konnten, diesen Entschluss Sr. bischöflichen Gnaden zum Gegen- 
stande, einer unbedingten Publicitat werden zu sehen, so haben djese Gründet 
dermalen aufgehört, platzgreifend zu sein, und wir befinden uns daher im 
Falle, Sie, Herr Decan, davon, dass die beabsichtigte Hassregel Sr. bischöf- 
lichen Gnaden in Wirksamkeit getreten ist, offlciell in Kenntniss zu setzen, 
mit dem ergebensten Ersuchen, auch Ihren Herren Collegen davon Mittheilung 
zu machen. — Was die Beweggrunde betrifft, welche unsern hoch würdigsten 
Herrn Bischof zu diesem Entschlüsse bestimmen mussten, so kennen Sie und 
Ihre verehrlicben Amtsbruder langst alles das, was von katholischen Kirchen- 
Vorstehern und Schriftstellern seit Jahren zu Gkiitöten der von der heiligea 
Kirchenversammhing von Trient vorgeschriebenen Bildungsweise des Klems, 
insbesondere des für die Seelsorge bestimmten, gesagt worden ist, und Sie 
wissen nicht minder, welches unendlich vermehrte Gewicht die jüngsten, für 
die katbelische Kirche so überaus ernsten und mahnungsreichen Weltereig- 
nisse jenen früher bereits vorhandenen Gründen beigefügt haben. ' Dazu 
kommt, dass das Oberhaupt der Kirche, eben in Wahrnehmung der bedeu- 
tenden Naohtheile, welche aus der theilvveisen Nichtbeachtung der über diesen- 
Gegenstand bestehenden kanonischen Vorschriften für die katholische Kirche 
hervorgegangen sind, nicht ablässt, sowohl den Bischöfen im Allgemeinen 
die Beobachtung der betreffenden Anordnung des obengenannten Conciliums 
an das Herz zu legen, als auch namentlich die Bischöfe der oberrheinischen 
Kirchenprovinz an die Bestimmung der Bullen „Provida solersque'^ und „Ad 
Dominici gregis custodiam'S durch welche beide Bullen den Bisthümern dieser 
Provinz ähnliche Seminarien zugesichert wordeq sind, zu mahnen und ihnen* 
die Errichtung derselben zur Pflicht zu machen; wie denn eine solche Auf- 
forderung erst wieder jüngsthin an den Erzbischof und die Provinzialbischöfe 
ergangen ist. Da nun in der Diöcese Mainz der Errichtung eines mit den 
Vorschriften des Conciliums von Trient, sowie mit den Stipulationen der er- 
wähnten Bullen übereinstimmenden Seminars nichts Wesentliches im Wege 
stand, und da auch das einzige Hinderniss, welches etwa früher eine solcüa 
Massregel ernstlich hätte erschweren können — die von Staatswegen be« 
standene Nothwendigkeit des Besuchs der Landesuniversität Giessen — mit- 
telst Gewährung der Studienfreibelt beseitigt ist, so haben ei Se. bischöflichen 
Gnaden fi|r eine dringende Gewissensangelegenheit angesehen, eine durch die 
allgemeinen Gesetze der Kirche und durch Specialvorschriften und Verträge 
für die Einzelbisthümer unserer Kirchenprovinz gleich sehr geforderte Anstalt 
nicht länger der Diöcese Mainz vorzuenthalten, und haben darum die nöthigen 
Anordnungen getroffen, dass dieselbe mit deu eben vergangenen Ostern, be- 
ziehungsweise mit dem ^.Mai abbin eröffnet werden konnte. — Nach dieser 
Darlegung der Sachlage dürfen wir wohl von Ihnen als Priestern und Dienern 
der katholischen Kirche die Überzeugung hegen, dass Sie die hier besprochene| 



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no OMrTMpostei«. 

Masiregel Sr. bischöfliehen Gnaden nach ihrem ricMif en Gefiiehlsp«nkte 
wArdigen werden, wie wir denn auch unserseits uns bereit erklären, jede 
Veranlassung mit Vergnu^^en zu ergreifen, die es uns ermöglichen wird, 
Ihnen gefalOg zu sein, und die Gesinnungen unserer Hodiachtttng gegen 
Sie und Ihre Herren Collegen zu bethdtigen. Mainz, den 8. Blni 1851. 
Hoefer. Hefiher.^ Was wird die Regierung nun besehliessen? Die theo- 
kügiscben Professoren hitben keine Zuhörer. Nur Sdiarff liest, aber ein 
niohttbeologisches Collegium. Die Verordnung über die Studienfreiheit hat 
zur Folge, dass jeder Theolog die Wahl hat, ob er in Mainz oder Giessen 
Studiren wolle. Eine Einschreitung gegen die bischöfliche Anstalt lasst sich 
auf dieser Basis nicht denken. Andererseits ist es ein Absurdum, eine un** 
beschäftigte Facultät an der Landesuniversitat zu haben. Die Verlegenheiten 
sind übrigens nicht bloss innerer Natur. Die nassauische Regierung wird 
ihre Theologen nicht nach Mainz senden wollen. Geht die katholisch- theo- 
logische Facultät ein, so verliert Nassau gewisfiermassen auch eine Landes^ 
anstatt. Man spricifat bereits von Reclamationen , welche in dieser Richtung 
in Darmstadt gemacht worden sein sollen. — lieber Liebigs Gehen oder 
Bleiben haben wir noch keine Entscheidung. Dagegen acquirirt die Juriaten^ 
feeuitat den bisherigen ausserordentlichen Professor Dr. D eurer in Heidel- 
berg als Romanisten. Er hat ^en Raf als Ordinarius erhalten und angenom- 
men. Ans Erlangen bekommen wir an Schmilthenners Stelle den Professor 
StahL Renaud dagegen geht nach Heidelberg. 

S. Königsberg, Ende April. iNntloiiale Bedeutang d«r deotochen UiiiversiMten. Kffnig«- 

berg, «ine dentscik« UiiWerBirüi.:) D»8 akademische Publicum auch unserer Albertina 
wünscht sich Gluck dazu, dass frühere literarische Unternehmungen, welche 
die Vertretung und Förderung des deutschen Universitäts* 
Wesens und dadurch zugleich die des öffentlichen Unterrichts und der 
Nationalbildung Deutschlands überhaupt sowie die der freien Wissenschaft 
selbst, nicht allein durch Erörterung der auf dasselbe bezuglichen, iheiis 
allgemeinen, theils besondern Fragen, sondern auch durch Besprechung 
loeater Bedürfnisse und durch authentische Mittheilung über den jedesmaligen 
Zvbtend der einzelnen deutschen Universitäten sich zur rühmlichen Aufgabe 
machten, aber aus verschiedenen Gründen sich nur einer kurzen Wirksem- 
keil zu erfreuen hatten, nun in Ihrer „Akademischen Monatsschrift^^ eine 
würdige und hinsichtlich ihres Bestehens glücklichere Nachfolgerin gefunden 
haben. Die Wichtigkeit dieses Unternehmens wächst imiessen, abgesehen 
von dem ernsten Gegenstande, welchem es sich widmet, betrach^cb bei der 
Trostlosigkeit der jetzigen Lage unseres deutschen Vaterlandes und gegen- 
tt)er den bis zur Ungebühr laut werdenden Interessen des MateriaKsmus und 
der Tagespolitik sowie gegenüber der habituellen Apathie der grossen Mehr- 
heit der Indifferenten in unserrn^ Volke, welche bereits eine bedenklidie Zu- 
neigung zu jenen materielten und ephemeren Interessen verräth und sich 
von jedem idealen Streben nachgerade abzuwenden anfängt 

Seien Sie daher, die Sie sieh trotz afledem nicht abhalten Hessen, ab 
Sachwalter der deutschen Universitäten rüstig Hand anzulegen an das ver- 
waiste und anscheinend wenig Erfolg versprechende Werk der Vertretung 
dieser eigenthümlichen Pflanzstatten nationaler Bildung und wissenschaftlichen 
Strebens, seien Sie uns herzlich und dankbar gegrwsrst! Möchte sich aber 
auch ein Jeder, welcher auf dem Gebiete des Universitätswesens überhaupt 
und des deutschen insbesondere, vieljährige Erfahrung mit genauer Sach- 
kenntniss verbindet, durch warme Theilnabme an den Anstalten, denen er, 



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sei es ab Lelirer, sei es als Stadirendar, einsl angehörte oder nodi ange«^ 
hört, bewogen findea, Ihnen bei dem begonnenen Werke als Mitarbeiter nach 
bestem Wissen und mit Treue und Hingabe hülfreich zu sein, und die Wahr- 
heit, und nichts Anderes als die Wahrheit, immer und immer wieder zu 
sagen, bis die Welt dieselbe endlich hört und danach thuti Denn leider 
giebi es auch über die Universitäten unzahlige Dinge, die selbst, wenn sie 
schon öfters ausgesprochen worden sind, einer unablässigen und eindring« 
liehen Wiederholung zu bedürfen scheinen, um allmalig Beachtung und An- 
erkennung zu finden und endlich der Ausführung sicher zu sein. 

möchte sodann die deulche Isolirungssuch t, welche auch auf dea 
Universitäten unseres Vaterlandes, i^lso an Orten, an denen man viehnehr 
den Trieb nach nationaler Einigung pflegen sollte, sehr heimisch ist and 
daselbst einflussreiche Organe fc^itzt, ebensowenig als jener Gelehrten« 
Hochmnth und jene aristokratische Exciusivität, mit denen noch 
heutigen Tags manche akademische Lehrer und Universitatsgenossen nach 
einer sehr engherzigen Auflassung des Satzes: „Extra academiam nulla salus!^ 
auf Alle, die äusserlich nicht zur Universität gehören, gleichwie auf das 
Yulgus probnum geringschätzig herabzublicken, sowie über Alles, was ihnen 
nicht nach , strenger, schulgerecbler Wissenschaft aussieht, oder über Be- 
strebungen, welche die Wissenschaft und wissenschaftliche Anstalten dem 
Yerstindniss und Bewusstsein der gebildetem Bevölkerung naher zu bringen 
und dieselben möglichst populär, dessen ungeachtet aber noch keineswegs 
trivial zu machen bezwecken, wegwerfend den Stab zu brechen pflegen und 
sidi anf diese Weise Alles, was sie etwa in dem gemüthlichen Stilllebea 
ihres Studirzimmers stören köoate, nach Kräften vom Leibe zu haltei^ 
meinen, — möchten jene feindseligen Machte an unsern Universitäten Ihrem 
geroeianäizigen und volksthümlichea Unternehmen in keiner Beziehung hinder- 
Seh werden oder dasselbe je nöthigen, gleich seinen Vorgängern den Tod 
der Vereinzelung zu sterben I 

Möchten Sie selbst endlich fortfahren, wie sie begonnen haben, in Ihrer 
„Akademischen Monatsschrift^^ nur die Sache selbst, die ja ernst, 
bedeutungsvoll und umfangreich genug ist, unverrückt im 
Auge zu behalten, unbekümmert um persönliche Rucksichten, die leider 
dem Aufschwünge unserer Universitäten seit undenklichen Zeiten kein kleines 
Mass von Hindernissen bereitet haben und noch bereiten, und unbeirrt von 
Tendenzen und Insinuationen, welche nichts zu thun haben nnit dem literari- 
schen Gemmwesen im Allgemeinen und mit den Universttaten im Besondem, 
sondern nur charakteristische Merkmale der Parteien, der Coterien und 
Cliquea sind! Die Geschichte der Universitäten Deutschlands lehrt uns zur 
Genüg«, wie sehr fortgesetzter Nepotismus, anhaltender Fanatismus und 
systematische Verfolgungen und Unterdrückungen Seitens einer zufällig herr«* 
sehenden, politischen oder literarischen Faction einzelne dieser wichtigen 
Anstalten theils zeltweise theils für immer zu ruintren vermochten. Ihr neues 
Universiiatsorgan würde sich um das gesammte Universitätswesen sicher kein 
ganges Verdienst erwerben und keine unbedeutende Pflicht gegen dasselbe 
erfnUen, wenn es der für historische Tbatsacben eben so wie gegen die 
Forderungen der Vernunft allerdings etwas tauben Gegenwart jene bekannte 
Wahrheit öfter wiederholen und in das Gewissen reden möchte. Wissen** 
schaftKcbe Anstalten länd durch solch unlautere und unberechtigte Einflösse 
in weil kürzerer Zeit und viel gründlicher zerstört und ihr geistiges Leben 
weit schnetter vergiftet und ertödtet^ als selbst durch die geeignetsten, im 



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282 CorrespoDcleiiz. 

reinen Interesse der Wissenschaft selbst ergriiTenen Messregeln und unter 
der Gunst äusserer Umstände später etwa wiederhergestellt ! 

Von nicht geringerer Wichtigkeil dürfte es sein, — und gerade jetzt 
mehr denn je, — die deutschen Universitäten und deren Mitglieder zum 
Bewusstsein und zum Anerkenntniss der Solidarität zu bringen. Denn in 
der That, in der gegenwärtigen, für jeden Deutschen überaus betrübenden 
Zeit haben unsers Erachtens gerade die deutschen Universitäten die solidari- 
sche Verpflichtung, im Vereine mit der Literatur und Tagespresse das Be- 
wusstsein der Zusammengehörigkeit, Einheit und Nationalität wach zu erhal- 
ten, und auch in weitern Kreisen des gebildetem Theils unserer Nation nach 
Kräften dasselbe zu verbreiten. Es ist .nicht zu laugnen, dass die deutschen 
Universitäten, — aus welchen Gründen, bleibe unerörtet, — in der neuesten 
Zeit sehr viel von ihrer nationalen Bedeutung und ihrem frühem Einflüsse 
auf das Nationalbcwusstsein und auf die Nationalbildung Deutschlands ein- 
gebüsst haben und dem deutschen Charakterzuge der Isolirung nur allzusehr 
gefolgt sind. Die deutschen Universitäten werden aber dadurch, dass sie 
nationalen Sinn und volksthümliches Wesen nach Möglichkeit zu pflegen sich 
ernstlich angelegen sein lassen, das bisher theilweise Versäumte bald wieder 
nachzuholen haben. In der jetzigen Zeit wird es für sälmmtliche deutsche 
Universitäten eine solidarische Pflicht sein , gemeitisam ihre Stimmen zu 
erheben, um im Interesse der Wissenschaft und der akademischen Lehr- und 
Lernfreiheit, dieser Lebensbedingung der deutschen Universitäten, sowie zur 
Förderung deutsch- nationaler Bildung rechtzeitig vor Schnlten und Mass- 
regeln zu warnen, welche nicht den Aufschwung, sondern den Untergang 
der deutschen Universitäten zur Folge haben müsstenl 

Da Sie sich nun durch Vermittelung meiner Feder über den gegen- 
wärtigen Zustand der Königsberger Albertus-Universität zu unter- 
richten wünschen, schien es mir nothwendig, meinen Briefen jene allgemeinen 
Gesichtspunkte vorangehen zu lassen. Ich halte mich für verpflichtet, sowohl 
um der Sache selbst als auch um Ihretwillen, in meinen Briefen, so wie es 
die Natur des Gegenstandes eben verlangt, die öfl'entlic'he Aufmerksamkeit 
auch noch auf viele andere, nicht minder wichtige Punkte hinzulenken. So- 
nach wird es wohl kaum noch ein Wort der Entschuldigung wegen dieser 
Einleitung meiner Correspondenzen, sowie wegen etwaiger späterer Ab- 
schweifungen in denselben hier bedürfen, sondern meine Bitte wird hin- 
reichen, zum Verständniss und zur Beurtheilung meiner Correspondenzen die 
angedeuteten und später etwa noch anzudeutenden Gesichtspunkte nicht aus 
dem Auge verlieren zu wollen. Was aber den materiellen Inhalt meiner 
Briefe betrifil, so gestatten Sie mir, lediglich um einiger akademischen 
Schwächlinge willen , die sich ohne Zweifel an dieser oder jener Universität 
vorfinden durften, und eben nur zur Beruhigung dieses irritabile genus vatom, 
welches dabei unglaublich imbecilfe ist, hier ein für alle Haie bestimmt aus- 
zusprechen, dass es mir nur an der &ache selbst liegt und dass es mir daher 
niemals beikommen -wird, irgend einer Persönlichkeit zu Liebe oder zu Leide 
zu schreiben. Ich werde mich also in meinen Correspondenzen über die 
Königsberger Universität durchaus objectiv, wenn auch natürlich möglichst 
kritisch verhalten, und das Publicum ausserdem durch kleinstädtische Schwatz- 
haftigkeit, akademische Klatschgeschichten und unbestimmte Gerüchte, deren 
Hittheilung und nachträgliche Berichtigung oder Widerrufung zwar sehr vor- 
theilhaft den Drückbogen füllen, aber dem gebildeten Geschmacke wohl eben 
so wenig zusagen als der Sache, nützen möchten, weder belästigen noch 



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Gorrespondens. 28B 

belustigen. Ich werde mir aber nichtsdestoweniger das Recht vorbehalten, 
wissenschaftliche und akademische Nullen, die mir etwa an unserer Albertina 
begegnen könnten , sofern deren im Allgemeinen angeborne Bescheidenheit 
nicht etwa versöhnliches Schweigen hinsichts ihrer gebietet, sondern wenn 
deren Anmassung und Ostentation die öffentlrche Kritik muthwillig heraus- 
fordert, gebührend zu notiren« 

Sodann scheint mir in Ansehung der Form die Ungezwungenheit der 
Correspondenz und des epislolarischen Stils eine systematische Darstellung 
der hiesigen Universitätsverhältnisse wenn auch nicht gänzlich auszuschliessen, 
so doch wenigstens in Etwas zu beschränken, ohne dass Sie desshalb von 
mir gerade ein buntes Quodlibet oder beliebiges Sammelsurium zu befurchten 
haben dürften, Ich werde daher ohne Umstände — ab und zu — einen 
GriflF in das Leben unserer Universität thun; und wenn es auch nicht 
überall, „da wo man's packt, interessant ist^% so ist es doch höchstens 
langweilig und nebenbei -^ belehrend. 

Da es neuerdings allen Ernstes in Frage gestellt wird, ob die Provinz 
Ost- und Westpreussen ein integrirender Theil Deutschlands ferner bleiben 
soll oder nicht; so ist das historische Recht, vermöge dessen die Königs- 
berger Universität sich zu den dentis eben Universitäten zählen zu müssen 
glaubt, allerdings sehr problematisch. Unsere Albertina' wird daher wohlthun, 
die Beweise für ihren deutschon Charakter lieber aus dem Naturrechte statt 
aus dem historischen Rechte herzunehmen. Ich könnte nun darauf hinweisen, 
dass sie vor länger als 300 Jahren von ihrem Stifter, dem Herzoge Albrecht, 
inmitten einer rein deutschen Stadt nach dem Vorbilde ihrer altern deutschen 
Schwestern zur Verbreitung deutscher Wissenschaft und Bildung und zur 
Beförderung der deutschen Kirchenreformation unter der aus verschiedenen 
Nationalitäten gemischten Bevölkerung im fernen Osten gegründet worden, 
und dass sie, dieser nationalen Mission stets eingedenk, als Colonie und 
Pflanzstätte deutschen Geistes sowohl für den volksthümlichen und zahlreichen 
Lehrstand in Kirche und Schule unserer Provinz, als auch für den bei weitem 
grössten Theil der Staats- und Communalbeamtcn derselben im wahrsten 
Sinne des Wortes eine Alma Maler geworden ist. Ich könnte ferner daran 
erinnern, dass unsere Alberlina in den Annalen der wissenschaftlichen Literatur 
überhaupt, sowie der deutschen Nationalliteratur speciell nicht wenige Schrift- 
steller ersten Ranges aufzuweisen hat. welche entweder als Lehrer an ihr 
wirkend oder als Studirende durch sie gebildet, auf die Gestaltung nicht nur 
einzelner Wissenschaften, sondern auch der vaterländischen Literatur von 
epochemachendem Einflüsse waren und nebst ihrem eigenen Ruhme auch den 
unserer Albertina weit über die engen Grenzen unserer Provinz und Deutsch- 
lands, ja selbst Europa's, hinaustrugen; sowie daran, dass sie noch sehr 
viele andere Schriftsteller zu nennen hat, welche, ihr in gleicherweise wie 
jene angehörig, wenn auch nicht durch Fähigkeiten und Leistungen gleich 
ausgezeichnet waren, doch immerhin auf dem Gebiete der Wissenschaft und 
der deutschen Literatur einen sehr rühmlichen Platz unter den Meistern der- 
selben einnahmen. Ich könnte sodann hinzufügen, dass alle diese Thatsachen 
nicht bloss von der Vergangenheit, sondern auch von der Gegenwart gelten. 
Ich könnte endlich andeuten, welch urkräftigen, echtdeutschen Geist unsere 
Universität und Stadt Königsberg nicht allein zur Zeit der französischen 
Gewaltherrschaft und Napoleonischen Unterdrückung, sowie in den Tagen 
politischer und kirchlicher Versumpfung durch Wort und Schrift bewährt 
hat, und wie in beiden Fällen gerade von hier aus der erste, kräftige und 



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994 CorrMpondeiia. 

nachhaltige Impuls zur Innern und äussern Regeneration des deutschen 
Volkes gegeben worden, und könnte rühmend erzählen, welch glänzende 
Anerkennung der deutsche Geist und das nationale Streben unserer Albertinii 
bei Gelegenheit ihrer Jubelfeier 1844 durch innige Betheitigung fast sammt- 
lieber deutschen Universitäten empfangen hat. Ich werde indessen Alles 
diess auf sich beruhen lassen. Es soll mir genügen, unserer Universität ihren 
deutschen Charakter durch die Versicherung zu vindiciren, dass die Lehrer und 
Studirenden derselben selbst noch im Jahre 1851 nicht nur deutsch ver* 
stehen, sondern auch deutsch denken und deutsch sprechen, so gut 
wie nur auf irgend einer andern Universität unseres Vaterlandes. Ich kann 
natürlich nicht in gleicher Weise versichern, wie es an unserer Albertina 
dann aussehen wird, wenn gleich vielen andern Dingen auch die deutsche 
Sprache in diesem Theile Deutschlands verboten und etwa die preus-* 
sische geboten werden sollte; sondern nur der Wahrheit gemäss bezeugen, 
dass die preussisch-patriotischen Bemühungen des Herrn A. v. B. und eines 
gewissen Herrn M. (welcher seit einigen Jahren unter den Docenten unserer 
Albertina figurirt) um gründliche Erlernung der „preusslschen Spräcbe^\ 
mit Hülfe der von unserm Nesselmann vor ein paar Jahren herausgegebenen 
Zusammenstellung der Oberreste der Sprache der alten Preussen, und um 
schnelle Verbreitung derselben bisher 'vereinzelt dastehen, und weniger an 
unserer Universität, als vielmehr in den Versammlungen des „Preussenvereins" 
im ßorck*schen Garten, zu dessen Stiftern, Koryphäen und Hauptrednern jene 
Herren gehören, von Erfolg begleitet gewesen sind. Bei dieser Lage der 
Dinge dürfte mithin für unsere Königsberger Universität Hoffnung vorbanden 
sein, einstweilen noch deutsch zu bleiben. Selbst in dem betrübenden 
Falle, dass unsere Provinz nebst Königsberg aus dem deutschen Bunde wieder 
exilirt werden sollte, dürfte die Analogie der Vergangenheit uns zu dem 
Schlüsse berechtigen, dass die hiesige Universität sicherlich das gleiche Loos 
mit ihren übrigen deutschen Schwestern insofern zu theilen haben und mit 
diesen letztern in der Hinsicht völlig rangiren werde, dass die in Aussicht 
stehenden Massregln und Beschlüsse über das „.deutsche Universitätswesen^' 
wahrscheinlich auch auf unsere Albertina gleichwie auf die übrigen deutschen 
Universitäten sofort würden ausgedehnt werden, wie ja auch bis zu dem 
klimakterischen Jahre 1848 sowohl die „Carlsbader'' Beschlüsse als auch die 
aus denselben hervorgegangenen Bundesmassregeln auf Specialbefehl auch 
auf unsere Universität ihre volle unverkürzte Anwendung fanden. Unsere 
Albertina ist also zur Zeit noch deutsch und wird bis auf Weiteres auch 
deutsch bleiben! Sie können daher die Universität und Stadt 
Königsberg ganz getrost als eine rüstige Werkstätte deutschen Geistes 
und deutscher Bildung betrachten! Beide sind zwar der äusserste Vor« 
posten deutscher Cultur und Sitte, aber noch lange kein verlorner Posten. 
Erst wenn Deutschland an sich selbst und an unserer Provinz und deren 
geistigem Centralpunkte, unserer Albertina, verzweifelt, und noch mehr: erst 
wenn Ostpreussen und die Königsberger Universität sich selber aufgiebt, — 
erst dann müssen wir verzagen. 

;= Würzburg, den 16. Juni. (Fi«qaen£. du Jarisüselie nnd die medleinitche PaealfätO 

Über die Frequenz unserer Universität kann ich nur Erfreuliches berichten. 
Sie ist sich mit der Frequenz des Wintersemesters gleich geblieben. Bis 
jetzt sind im Ganzen 670 Studenten immatriculirt und immerhin lässt sich 
erwarten, dass noch Nachzügler kommen werden. Im Wintersemester waren 
am Ende November 652 immatriculirt, welche Zahl bis zum Schluss der lai- 



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Correspondenz. 286 

matriculation auf 684 gestiegen war. Im Einzelnen stellt sich das Vertifilt- 
niss so, dass von den bis jetzt Immatriculirten 86 Theologie studiren (darunter 
1 Aus!.), 201 Jurisprudenz und Camerale (darunter 5 Ausl), 277 Medicin 
(darunter i62 Ausl, auch 5 Chirurgen und 12 Pharmaceuten), 106 Philo- 
sophie und Philologie. Hienach schlägt die Zahl der Juristen und Mediciner 
vor. Bestätigt sich, was Nachrichten aus München in der A. Z. versichern, 
dass unser Herr Minister, der sehr wohl erkennt, was zur Hebung der Uni- 
versität beiträgt, welcher er selbst eine Reihe von Jahren als ausgezeichnet 
lücfatiger Lehrer angehörte, von den durch die Universität als Candidaten 
für die erledigte juristische Professur vorgeschlagenen Männern Herrn Weis, 
derzeit zweiten Präsidenten der Kammer der Abgeordneten, einen vorzüg- 
lichen Codisten, berufen und dass der Berufene den Antrag angenommen 
bat, so wird diess einen sehr entscheidenden Einfluss auf die weitere Hebung 
der Frequenz in der juristischen Facultät ausüben. Unsere pfälzischen Lands- 
leute werden dann gewiss die Gelegenheit eifrig benutzen, die ihnen hier 
geboten wird, ihr vaterländisches Recht in eigentlich wissenschaftlicher Weise 
zu studiren, während es, wenn sie nicht andere Universitäten zu diesem 
Zweck besuchten, bisher ganz dem Privatstudium verfallen war. — Die Zahl 
der Mediciner ist seit einer Reihe von Jahren in steigender Progression 
begriffen, am bedeutendsten in den letzten Jahren. Die Zunahme kommt 
lediglich auf Rechnung der Ausländer, unter denen namentlich die Rhein- 
länder, Norddeutschen, Schweizer zu nennen sind. Die Anziehungspunkte 
sind ausser dem gemüthlichen und doch nicht ausgelassenen Leben in Wurz- 
burg einmal die ausgedehnten Anstalten für praktische Medicin, und dann die 
reichlich dargebotene Gelegenheit, auch die theoretischen Fächer zu betreiben. 
Bas Juliusspital macht seinem aitberühmten Namen inimer noch alle Ehre, 
wenn auch die Aufnahme der Kranken aus einer übelangewandten Sparsam- 
keit, die gewiss nicht im Sinne des Stifters lag, in den neuern Zeilen mehr 
Schwierigkeit findet. Die geburlshülfliche Anstalt leistet eben so viel, wie 
die einer jeden andern Universität, die nicht in einer Stadt ersten Ranges 
ihren Sitz hat, bedarf aber doch sehr der Erweiterung, welche schon lange 
in Aussicht gestellt, jetzt aber in kürzester Frist zu erwarten ist. Dasselbe 
gilt von der Poliklinik, die durch Ausdehnung über die ganze Stadt noch 
bedeutend mehr Material gewinnen könnte. Für die theoretischen Studien 
wird es von grossem Nutzen sein, wenn die neue Anatomie, von der nun 
der erste Stock bereits fertig ist, und die in diesem Jfehre noch unter Dach 
kommt, endlich einmal bezogen werden kann, indem es an Material und 
Mitteln keineswegs, wohl aber an Localitäten fehlte. Das Gebäude, eines 
der gro&sartigsten in Deutschland, in der unmittelbarsten Nähe des Juliu9- 
spitals, wird der physiologischen und pathologischen Anatomie, derZootomie, 
Physiologie, organischen Chemie und chirurgischen Anatomie gewidmet sein, 
und bietet desshalb sowohl für die Sammlungen, als die Vorträge, für die 
Arbeiten der Lehrer und die Übungen der Studirenden die ausgedehnteste 
Räumlichkeit. Durch diese Erweiterung der Localitäten, durch die Einrich- 
tung derselben, wie sie der jetzige Standpunkt der Wissenschaft verlangt, 
wird in kürzester Zeit ein richtigeres Verhältnis^ zwischen den medicinischen 
Attributen und den vorzüglichen und berühmten Lehrkräften der Facult^ 
hergestellt sein. Wie begründet der grosse Ruf ist, in welchem unsere 
Mediciner stehen, beweist der Umstand, dass «die Frequenz der hiesigen 
medicinischen Facultät sie im Wintersemester die dntte in Deutschland sein 
Hess — die erste war Prag, die zweite München, die vierte Berlin — , w(ihrend 
sie nach der Zahl der an ihr studirenden Ausländer bei weitem den ^r^ten 

Akadem. Monatsschrift. Juni 1851. . 87 



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386 CorrespondeDi. 

Platz einnahm; diese betrug 152 (jetzt 162), während die nach ihr folgende 
Leipziger Facultat 78 Auslander zahlte. So hatte diese Facultät denn auch 
in Betreff des Verhältnisses der Ausländer zu den Inländern im Winter unter 
allen deutschen Universitäten den ersten Platz eingenommen; es war 56—57 
Prozent. 

€, Erlangen, den 3. Juni. cFrequem der Universität. Stahl.) Nachdem nun die 
Immatriculation , geschlossen ist, stellt sich folgende Statistik der Frequenz 
unserer Universität für dieses Semester heraus. Die Gesammtzahl der Studi* 
renden beträgt 401 (51 Ausländer); nämlich 170 Theologen (40 Ausländer), 
150 Juristen (3 Ausländer), 53 Mediciner (3 Ausländer}, 6 Pharmaceuten, 
22 Philologen und Philosophen (5 Ausländer). Dieses allmäliche Wachsen 
der Frequenz unserer Hochschule darf wohl als ein erfreulicher Beweis der 
allseitigen Hebung des wissenschaftlichen Lebens dahier betrachtet werden. 
Um so schmerzlicher ist es mir, melden zu müssen, dass uns der Verlust 
eines ausgezeichneten Lehrers trifft, des Prof. Wilhelm Stahl, welcher einen 
Ruf als ordentlicher Prof. der Staatswissenschäften in Giessen an die Stelle 
des verstorbenen Schmitthenner angenommen hat, und uns schon im Septem- 
ber zu verlassen gedenkt. 

e. Erlangen, den 25. Juni. Prof. Dr. Gerber hat einen Ruf als ord. 
Prof. des deutschen Rechts an die Universität Giessen angenommen, und 
einen unmittelbar darauf erhaltenen Ruf als Nachfolger Bey Sehers nach 
Tübingen abgelehnt! 

T. Innsbruck, Mitte Juni. (Lent^er nicht gestorben. Kink. Jäger. Phillips. Leseballe.) 

Vor Allem habe ich eine Nachricht zu widerrufen, die ich in meinem letzten 
mittbeilte; das Gerücht von Lentners Tod war allgemein verbreitet und selbst 
in öffentliche Blätter übergegangen. Es war glücklicherweise nur Gerücht, 
das mir gc^rade zukam, als ich Ihnen schrieb. Möge es ihm langes Leben 
bedeuten! Kink geht unserer Universität verloren; er erhielt einen Ruf. in 
das Unterrichtsministerium. Albert Jäger, unser Historiograph , noch vor 
zwei Jahren Professor der Geschichte dahier, seitdem in Meran als Director 
des Obergymnasiums und bisher nur noch der Form nach Mitglied unserer 
Universität, kommt, wie ich soeben erfahre, nach Wien, für das Lehrfach 
der österreichischen Geschichte. Sa sind denn die Hindernisse überwunden, 
die dieser Berufung sich aus seiner Eigenschaft als Chorherrn eines Prä- 
monstra tenserstifts entgegen gestellt hatten. Phillips, der in diesem Se- 
mester über Kirchenrecht und deutsche Reichs- und Rechtsgeschichte liest, 
hat nun wirklich in die Berufung nach Wien an die Universität eingewilligt 
Er wird uns im Herbste verlassen — für die hiesige Universität ein schwerer 
Verlust. — Man sieht hier der Errichtung einer Lesehalle für die Studenten 
entgegen. Das Unternehmen ist durch die Professoren Schul er und Flir 
hervorgerufen, um eine Verbindung der Studenten zu rein wissenschaftlichen 
Zwecken zu gründen. Das vaterländische Museum wird gewiss das Unter- 
' nehmen unterstützen. 

Q. Prag, Mitte Juni. cPersonaiien. Befurchtnngen.) Unter dou Profossoren der 
hiesigen Universität haben einige Veränderungen stattgefunden. Der a. o. 
Prof. Dr. Curtius ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. Dr. 
Bezzenberger, Director des Blochmann'schen Instituts zu Dresden wurde 
als ordentlicher Professor der classischen Literatur an die hiesige Universität 
berufen. Der ordentliche Professor des österreichischen Bergrechts, Dr. Fr. X. 
Schneider, der bisher schon österreichisches Civilrecht docirte, ist zum 
ordentlichen Professor des letztern Fachs ernannt worden, — Dr. Halla, 
Vorstand der Poliklinik und Docent der Pathologie, und Pharmakologie, 



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Allgenieioe CorrespondeDi. 387 

gegenwartig Decan des medicinischen Doctorencoliegiums , wurde in der zu 
Ende Mai stattgehabten Plenarversammlung jenes Doclorencollegiums auch 
für das Jahr 1852 mit 41 von 47 Stimmen zu dieser Würde wiedererwahlt. 
Auf seinen Antrag wurde einstimmig die Aufstellung eines rechtskundigen 
Anwalts zu besserer Wahrung der Anspräche des ärztlichen Standes be- 
schlossen. Die zur Unterstützung des Antrags angeführten Motive fanden 
allgemeinen Anklang. Die beabsichtigte Lesung der neuentworfenen Statuten 
des Gollegiums wurde auf die nächste Sitzung vertagt. — Die Universität 
ist um ein Institut reicher geworden. Höchsten Orts wurde auf Antrag des 
Cultministers unterm 5. Mai die Errichtung eines zoochemischen Instituts 
bewilligt und zum Vorstande desselben der Privatdocent J. Lerch ernannt. 
— Gelegentlich will ich einer hier bestehenden wohlthfitigen Stiftung er- 
wähnen. D^r verstorbene verdienstvolle Professor der Medicin Dr. Kromp- 
holz stiftete ein Capital für ärmere Studirende, welches durch Sammlungen 
seit 1832 von 11000 auf 25000 fl. aufwuchs. Aus dieser Krompholzischen 
Stiftung erhalten dieselben nach eingereichtem Gesuche in Krankheitsfallen 
unentgeltlich ärztliche Hülfe; dafür sind mehrere Ärzte eigens besoldet; die 
Arzneimittel werden ebenfalls unentgeltlich verabreicht. — Der von Göttingen 
hierher gerufene Dr. Schwan ert, welcher römisches Recht liest, ist vor- 
läufig zum ausserordentlichen Professor' mit dem Gehalte von 1200 fl. C. M. 
ernannt worden. Die a. o. Proif. Schier und Kasti wurden unterm 4. Mai 
zu Mitgliedern der Staatsprüfungscommission in der allgemeinen Abtheilung 
ernannt. Übrigens tauchen hier wie an andern österreichischen Universitäten 
Besorgnisse für die junge Lehr- und Lernfreiheit auf; dieselben gründen sich 
besonders auf eine vor Kurzem erschienene sehr verbreitete Brochüre, welche 
einen einflussreichen, hochgestellten Mann zum Verfasser haben soll und sich 
in Angriflen auf die gegenwärtige Studienverfassung, namentlich auf die 
Staatsprüfungen ergeht'"'). Es verlautet, dass im künftigen Studienjalire der 
bekannte slavische Historiker Dr. Palatzky an hiesiger Universität über 
böhmische Socialgeschichte Vorlesungen halten werde und ^war in deut- 
scher Sprache. 



m. 
Allgemeine Gorrespondenz. 

In Deutschland hat man jetzt an zwölf höhere landwirthschaftliche Lehr«^ 
anstalten, zuweilen selbst Akademieen genannt, und an drei Orten erfolgreich 
mit Universitäten verbunden, an einigen polytechnischen Schulen höhere 
Curse für Landwirthschaft , an fünfzig Ackerbauschulen und niedere land- 
wirthschaftliche Institute, getrennt oder an Privatmusterwirthschaften, un- 
gerechnet die bayerischen Landwirthschafts- und Gewerbsschulen, an denen 
freilich oft gar nicht einmal Landwirthschaft docirt wird. Man will hier 
Landgüter zur praktischen Demonstration dazu haben, ausserdem man nicht 
recht wirken könne. Als wenn diese Schulen auf Hammerschmieden und 

*) Wenn unser Hr. Correspondent dieScbriflk unter dem Titel: „die theoretischen Staats- 
prüfungen in Osterreich ydu einem emeritirten PrSses der juridischen Facultfit. Wien 185r' 
meint, so diene zur Notis, dass uns eine ausführliche Anzeige derselben vorliegt, welche im 
nächsten Hefte erscheinen wird. Die Red. 



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26& AUgAmeme Correspondens. 

Webstühlen ihren Gewerbssöglingen Unterricht ertheilten und nicht erst die 
Praxis der Theorie folgen lies^nl Die ersten landwirtbscfaafUichen Schttlen 
worden vor 56 Jahren errichtet zu Möglin und zu Hofwyl. Selbst an die 
Universitäten hat sich die Landwirthschaft als Doctrin verstiegen — seit 
1728 schon — zeilweise mit argem Gespötle der andern Viermeister der 
Zunft, die sich der Errichtung einer fünften Facultät (der staatswirthschaft- 
liehen) mit denselben Gründen widersetzen, wie anderwärts den Neueintre- 
tenden die HH. Collegen vom Leisten und Bügeleisen. Bedenkt man, dass 
die Landwirthschaft nur ein Stück Naturwissenschaft und Volkswirthschaft 
ist, und kennt man den Stand dieser vor 100 Jahren, ehe Adam Smith und 
Say, Cuvier, Davy, Saussure und Sennebier die neue Bahn brachen, so darf 
man sich über den Hohn nicht verwundern, der den ersten Doctor ruris 
empOng, wenn er, mit dem dazumal unvermeidlichen Humanistenzopfe aus- 
staffirt, den dröhnenden Katheder bestieg und den von Fichte'schen Nichtichs 
noch trunkenen Zuhörern den Werth des Spülichts und der Schweinemast 
erklärte! Das ist inzwischen freilich gar anders geworden; aber weil nur 
obligate Collegien ins Blut gehen und den Spiritus rector berühren; so hat 
man dem noch unerfahrenen Docenten leise das Brett unter den Füssen weg« 
gezogen und verweist ihn in heilsamer Sprache auf das literarische Prediger- 
amt in der Hörsaalwüste bei Wnldhonig und Heuschrecken bis zum Ende 
der Zeiten Wenn der Jurist fortan, wie uns recht ist, die oberste Ehre in 
der Verwaltung behalten will, so muss er auch mehr davon lernen; denn 
wie es jetzt ist, genügt er den wirlh^chaftlichen Forderungen der Zeit nicht 
mehr. Diese „Zeilforderungen" sind aber hier keine bloss banalen Phrasen, 
und heissen im Bauerndeutsch eigentlich Forderungen des Magens. Heilen 
ja Bauern bereits zu Schweckershausen und Gräfenberg trotz den Epidauriern 
ehedem und sprechen Recht im Gerichtshof, in des Saturnus goldener Zeit, 
bald in Salomons Manier, bald vielleicht auch so, wie es Aristides erfuhr — 
immer abcT scheint es räthjich, sich endlich auch um ihre Wirthschaft zu 
kümmern, wenn man sie gut regieren will. (A. Z.) 

In Frei bürg ist die Frequenz in dem laufenden Semester jener des 
Wintersemesters beinahe gleich geblieben. Theologie studiren 169 (darunter 
52 Ausl), Jurisprudenz und Notariat 65 (darunter 2 Ausl.), Medicin, Phar- 
macie und höhere Chirurgie 73 (darunter 14 Ausl.), Cameralia, Philosophie 
und Philologie 48 (darunter 15 Ausl.). Die Gesammtzaht der Immatriculirlen 
ist demnach 355 (darunter 83 Ausl.). Dazu kommen noch 31 Hospitanten 
und 17 niedere Chirurgen, so dass im Ganzen an den Vorlesungen 403 
Theil nehmen. Im Wintersemester war die Gesammtzahl 405, darunter 80 
Ausländer und 46 nicht immatriculirte Hörer. 

Der längjährige Oberpedell der Universität Tübingen, Friedr. Payer, 
starb am 9. Juni, 76 J. alt. 

In Heidelberg sind 616 Studenten immatriculirt, und 30 nicht immatri- 
culirte Hörer. Es sind 47 Theologen (darunter 7 Ausl.), 424 Juristen (darunter 
351 Ausl.), 96 Mediciner (darunter 59 Ausl.), 36 Philosophen (darunter 
16 Ausl.): Was die Vacaturen betrifft, so sind an Gmelins Stelle Liebig 
und ßunsen in Breslau in Vorschlaij. Der a. o. Prof. der Chemie Delffs 
wird Ordinarius werden. Bei seinen zahlreichen Verehrern und Freunden 
hat es grosse Freude erregt, dass Tiedemann während seines Aufenthalts 
hier von einem Schreiben Humboldts überrascht wurde, wonach er den Orden 
pour le merite erhalten hat. — In Heidelberg spricht man von einem im 



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Herbst daselbst abzubauenden Universitätscongress; ja nan erwartet eine 
sehr zahlreiche Versammlung. Vor der Hand ist es jedenfalls gut, die «Ein- 
heit des zerstreuten Lehramts ^^ festzuhalten, da gegen das Zustandekommen 
eines Concilium generale manche Zweifel zu hegen sind. 

In Giessen hat trotzdem, dass die katholisch- theologische FacuUät nur 
1 Hörer hat, die Zahl der Inländer nur um iO abgenommen, während die 
Zahl der Ausländer um 6 gestiegen ist. Im Wintersemester waren anwesend 
342 Inländer, 71 Ausländer, im Ganzen 413; davon sind 134 abgegangen, 
während 130 neu zugekommen sind. Die Differenz beträgt daher bei 409 
Studirenden nur 4. Von diesen studiren evangel. Theologie 61 , darunter 3 
Aus!.; kathol. Theologie 1; Rechtswissenschaft 100, darunter 6 Ausl; Medi- 
cin 88, darunter 15 Aupl; Chirurgie 4; Thierarzneikunde 13, darunter 3 
Ausl.; Cammeralwissenschaft 25, darunter 1 Ausl.; Architeclur 7, darunter 
1 Ausl.; Forstwissenschaft 27, darunter 9 Ausl; Philoßophie und Philologie 
31, darunter 4 Ausi; Pharmacie und Chemie 52, darunter 35 Ausl. 

Die Universität Bonn erfreut sich in diesem Semester der grössten 
Frequenz, die sie seit ihrer Stiftung gehabt. Im Wintersemester 18^732 
betrug die Anzahl der Studirenden 937, im Sommer 1850 hatte Bonn 930, 
im Winter 18*751 941 Studenten; im laufenden Semester kommt die Gesammt- 
zahl zum ersten Male über 1000, nämlich auf 1026. Die Gesammtzahl der 
Immalriculirten beträgt gerade 1000, darunter nicht weniger als 8 Prinzen 
aus souveränen und fürstlichen Häusern. Die Gesammtzahl der Inländer ist 
8H, der Ausländer 189. Zur evangelisch-theologischen FacuUät gehören 77, 
darunter 34 Ausländer, zur katholisch-theologischen 196, darunter 12 Ausl, 
zur juristischen 374, darunter 69 Ausl, zur medicinischen 125, darunter 16 Ausl, 
zur philosophischen 228, darunter 58 Ausl Der Hospitanten sind es 26. 

In Kiel vermisst man die frühere Frequenz der Universität, deren Hör- 
säle noch immer halb verödet sind. Ein Theil der Studenten hat sich frem- 
den Universitäten zugewendet, ein anderer hat die lange durch den Krieg 
unterbrochenen Studien nicht wieder aufgenommen. So ist denn die frühere 
Zahl von mehr als 200 auf 100 zusammengeschmolzen. 

In Gott in gen beträgt die Gesammtzahl der Studenten im laufenden 
Semester 691 , also 24 weniger als im Wintersemester. Theologie studiren 
124, darunter 38 Ausländer; Jurisprudenz 243, darunter 130 Ausl; Medicin 
206, darunter 96 Ausl; Philosophie u. s. w. 118, darunter 58 Ausl Die 
Zahl der Ausländer hat sich im Ganzen um 11 vermehrt. Die Zahl der Theo- 
logen hat sich um 5 im Ganzen und um 8 Ausländer vermehrt. Die Zahl 
der Juristen hat sich im Ganzen um 15 vermindert, aber um 8 Ausländer 
vermehrt. Die Zahl der Mediciner hat sich um 16 im Ganzen und um 20 
Ausländer vermehrt. Die Zahl der Philosophen hat sich um 30 im Ganzen 
und um 9 Ausländer vermindert. Im Lehrcrpersonal kamen Mathäi und 
Lünemann zu den Theologen als a. o. Proff.; Wieseler ging nach Kiel 
an Liefoners Stelle. Von den Juristen folgte Dr. Schwanerl einem Rufe 
als Professor nach Prag. Bei den Medicinern sind Langenbecks Fächer 
von Wagner und Bergmann übernommen. Prof. Frerichs wird definitiv 
im Herbst aus Kiel wieder in Göttingen sein. Bei der philosophischen Facul- 
tät ist Goldschmidts Stelle noch nicht besetzt. Griepenkerl trat als 
a, 0. Prof. für Landwirthschaft ein und PD. Staedeler wurde a. o. Prof. 
der Chemie. 

Der in Leipzig entlassene* Prof. Haupt ist im Vorschlage für Jena 
und Berlin. Der Berufung nach Jena steht bis jetzt der Widerspruch der 



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SOO Allf Mneine Gorreipondens. 

Regierung ron Altenburg entgegen. Das Cultusministerium in Berlin soll sich 
die gegen Haupt ergangenen Untersnchqngsacten zur Einsicht erbeten haben. 

In Berlin hat das Jastizministerium eine allgemeine Verfugung erlassen, 
wonach bei der ersten und zweiten juristischen Prüfung das römische Recht 
eine besondere Berücksichtigung erhalten soll. 

In Greifs wald waren im Wintersemester 189 Studenten imniatricalirt. 
Davon sind am Schlüsse 45 abgegangen; am Anfange des laufenden Se- 
mesters sind dagegen 62 neu hinzugekommen. ' Sonach sind jetzt 206 Stu- 
denten immatriculirt, wozu noch 2, Hospitanten kommen. Die theologische 
Facultät zählt 22, die juristische 55 (darunter 2 Ausl.), die medicinische 81 
(darunter 1 Aus!.), die philosophische 48 (darunter 6 Ausl.> 

In Breslau hat die . Universität einen schweren Verlust erlitten. Am 
5. Juni starb der ausserordentliche Professor und Director der Sternwarte 
Dr. V. Boguslawski nach langem Leiden. Seine Beobachtungen (z. B. die 
Beobachtung der Verfinsterung des sechsten Saturntrabanten, seine Entdeckung 
des Haley'schen Kometen u. s. w.), seine Zeitschrift Uranus, sein in Bodens 
astronomischen Jahrbüchern ^ in Gruithuisens Analekten und in den Jahres- 
berichten der schlesischen Gesellschaft &c. erschienenen Abhandlungen haben 
ihn den berühmsteten Namen der Wissenschaft beigesellt. — Der Mathema- 
tiker Privatdocent Dr. Bosenhain soll als ordentlicher Professor nach Wien 
berufen sein. 

In Wien hat die Akademie der WW. den im Jahr 1848 ausgeschriebe- 
nen Preis von 1000 fl. C. M. für die beste vergleichende Lautlehre aller 
slavischen Sprachen dem Professor an der Universität Dr. Franz Miklosich 
zuerkannt. — Die Akademie hat einen Ausschuss aus ihrer Mitte ernannt, 
welcher mit einer Umarbeitung ihrer Statuten beauftragt ist. Der Entwurf 
wird dann dem Ministerium vorgelegt. 

Am 30. Juni v. J. hat sich in Genua eine Accademia difilosqfia Italiana 
constituirt, welche aus 60 italienischen, ebensoviel auswärtigen correspon- 
direnden Mitgliedern und aus einer unbestimmten Anzahl von befördernden 
Mitgliedern besteht, welche jährlich 100 Pres, zu zahlen haben, die aber 
zugleich einer der beiden andern Classen angehören können. Der Vorstand 
besteht jedesmal für drei Jahre aus einem Präsidenten, zwei Viceprasidenten 
und einem Secretär. Zum Präsidenten wurde Mamiani Graf della Bovere, 
von dem die Anregung ausging, erwählt. In der Sitzung am 10. Nov. v. J. 
hielt derselbe eine Festrede als Einleitung in die philosophischen Wissen- 
schaften. Diese Bede sowohl als ein Bericht über die vorbereitenden Sitzungen 
ist im Druck erschienen. 

Die Universität Dublin hat, nach einem alten sonderbaren Brauch der 
englischen Hochschulen, den Lord Gough, weil er die Sikh geschlagen, 
zum Doctor juris creirt. Gough ist ein geborner Irländer, noch dazu ein 
„Tipperary-Bube". — Zur Gründung der ausschliesslich katholischen Uni- 
versität sind bis jetzt 19000 Pf. St. zusammengekommen,^ eine grössere Summe, 
als man im Anfange der Bewegung im Laufe eines Jahres zu sammeln hoffte. 
Das Stiftungscomite ist gegenwärtig im Begriff, Sendlinge nach allen katholi- 
schen Ländern zu schicken, um zur Beisteuer aufzufordern. 

Mit wahrer Bewunderung lesen wir, was vom Staate Massachussets 
sowohl aus öffentlichen Mitteln, als von Privaten für die Universitäten geihan 
wird, welche uns auf diese Weise, wenigstens in den Naturwissenschaften, 
bald überflügeln werden. Der genannte Staat hat drei Universitäten, Har- 
vard^ Amherst und Williams, die für das wachsende Bedürfniss der 



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Allgeffleine Gorrespondeni. 391 

Gesellschaft jetzt unzureichend geworden sind, und zu deren Vergrösserung 
man gegenwartig starke Anstrengungen macht. Seit Lyell's erstem Besuch 
in Cambridge 1842 (dem Harvard-College, der ältesten, 1638 gestifteten 
Universität Nordamerika^s) waren neue Professuren der Botanik, der verglei- 
chenden Anatomie und der Chemie gegründet worden. Vorher schon waren 
viele Lehrer für Literatur, Rechtswissenschaft und Hedicin da, und kürzlich 
ist eine ganze Facultät für Ingenieurwesen, Physik, Chemie, Geologie, Minera- 
logie und Naturgeschichte in ihren Anwendungen auf Künste und Gewerbe 
errichtet worden. JBloss zur Unterstützung dieser Zweige gab ein Mann im 
besten Alter, Hr. Abbot Lawrence, 100000 Dollars (2500Ö0 fl.) her. Eine 
gleiche Summe wurde von einem andern für das astronomische Observato- 
rium vermacht, wo sich bekanntlich die ausgezeichnetsten Instrumente befin- 
den und bereits interessante Entdeckungen (wie die eines neuen Trabanten 
des Saturn) gemacht wurden. (A. Z.) 

Das C. Bl. a. B. berichtet über die Verhältnisse der Studenten in 
Russland Folgendes: Nicht jeder Russe ist berechtigt, sich den Studien zu 
widmen, und eigentlich ist nur dem Adel die Erhältung des akademischen 
Bürgerrechts leicht gemacht. Die Mitglieder der ^ andern Stände erlangen 
erst die Bewilligung zum Eintritte in die Universitäten, wenn sie ihrem Stande 
nicht allein entsagen, sondern zugleich von dem Vorstande desselben, oder 
wie es in Russland heisst, von der Gesellschaft (Obschestwo) entlassen 
werden. Auf diese Weise kann das glänzendste Talent, dem es sogar an 
peeuniären Mitteln zur Ausbildung /licht fehlt, verkümmern, wenn ihm die 
Kaste, der es angehört, die Bauern-, Handwerks- oder Kaufmannsgemeinde, 
die Entlassung verweigert. Diess hängt von dem Präses (Golowar) der 
Gesellschaft ab. Die wenig Bemittelten müssen aber fast immer der Hoff- 
nung entsagen, das Joch der Gesellschaft, der sie durch die Geburt ange- 
hören, abzuschütteln, um sich durch die zu erringenden akademischen Grade 
in den Adelsstand zu erheben. Das ist aber auclPdie einzige Schwierigkeit, 
womit die Studenten oder besser die Studien-Aspiranten zu kämpfen haben. 
Hat man einmal den Entlassschein der Obschestwo in Händen, so giebt sich 
das Übrige. Das zu bestehende Maturitäts-Examen ist nicht sehr schwierig, 
besonders wenn man bei den Professoren einige . vorbereitende Lectionen 
nimmt. Steckt man einmal in der Studenten -Uniform, muss man nur die 
polizeilichen Vorschriften genau beobachten und vor Allem sich nicht die 
Unzufriedenheit des Studenten-Inspectors, der die UniversitStspolizei besorgt, 
zuziehen. Mit den Professoren hat man wenig Scherereien, und ein Student, 
der immer ordentlich die Uniform und den Dreimaster trägt, wird eine gute 
Fortgangsciasse erhalten, wenn er auch in seinem Fache nicht besonders 
fest ist. So wird's an allen sieben Universitäten Russlands gehalten, in 
Petersburg und Moskau, wie in Kasan, Kiew, Charkow, Dorpat und Helsing- 
fors. Natürlich ist die Dorpater Universität, obgleich ihre freie deutsche 
Verfassung längst aufgehört hat, noch immer diejenige, wo die Wissenschaft' 
weniger stiefmütterlich behandelt wird. Unter den übrigen ilimmt die Peters- 
burger den ersten Rang ein, schon desswegen, weil sie die meisten deut- 
schen Professoren zählt, während an den andern, besonders , seit das päda- 
gogische Institut zu Petersburg so viele Professoren - Candidaten giebt, die 
Hehrzahl der Kanzeln an der philosophischen und juridischen Facultät mit 
Russen besetzt ist. Eine theologische Facultät besitzen die russischen Uni- 
versitäten nicht, an der medicinischen lehren viele deutsche Professoren. 



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292 Nachrichten von Aktdemieen und Gesdlschaften der Wissenschaften. 

IV. 

Nacbricliten vou Akademieeu nud Gesellschaften der Wissenscliaften. 

Verhandlungen der k. k. geologischen Reichs -Ans lall in Wien. 
(Schluss von S. 214, Aprilhefl.) Sitzung am 4. Febr. d. J. HerrBergrath Franz 
V. Hauer theilte den Inhalt einer von Hrn. Karl Baron v. Ca Hot übergebenen 
Abhandlung: »Ueber Dachschiefer-Erzeugung mit besonderer Rücksicht auf die 
Schieferbrüche in k. k. Schlesien und Mähren^ mit. — Hr. Dionys Stur 
gab eine Übersicht der Beobachtungen über den bunten Sandstein, welche 
von der I. Section der k. k. geo